„Wieso? Sag mir einfach nur wieso?!", fragte L, lagerte unruhig sein Gewicht von einem aufs andere Bein, legte den Kopf hinter seine verschränkte Arme und rang scheinbar mit sich.
„Ich…"
„Ja, was ich?!"
„Ich habe nicht nachgedacht…", gab ich kleinlaut von mir, stellte mich vor L und legte meine Hände auf seine Schultern. Ich spürte wie er ganz leicht zitterte, dann riss er seinen Kopf nach oben und sah mich, mit kleinen Tränen im Augenwinkel, fest an. Sein Blick war gerade schwer zu deuten, es war eine Mischung aus Wut und Verzweiflung. Aber wieso?!
Ich beugte mich leicht zu ihm hinunter, wuschelte kurz mit einer Hand durch sein Haar und ließ sie danach weiter auf seinem Kopf liegen.
„Hey… es wird garantiert nichts passieren…"
„Du Idiot… du verdammter Idiot!", plötzlich schrie L richtig los, schlug mir meine Hand weg und ich wich einen Schritt zurück, da ich ihn noch nie so wütend erlebt hatte.
„Wochenlang habe ich dich versucht zu beschützen… dich nur darum gebeten in diesem blöden Hotel zu bleiben, dich nicht zu zeigen… und was machst du?! Du ignorierst meine einzige Bitte… Es wird garantiert nichts passieren…", äffte er mich nach und sah mich zornig durch seine tränenverschleierten Augen an.
Er hatte im Prinzip Recht… Ich konnte nichts erwidern, starrte ihn nur stumm entgegen und mein Kopf fühlte sich plötzlich so leer an.
„Du verfluchter Dummkopf…", wimmerte L, brach ab und sah resigniert zu Boden.
Wie konnte ich wirklich nur so dumm gewesen sein? Ich hatte mich Kira ohne Maske gezeigt…
Ein winziger Fehler… sollte das wirklich meinen Tod bedeuten?
Eigentlich hatte Kira keinen Grund gerade mich zu töten… L hatte mich einfach nur als seinen Bruder Rue vorgestellt. Ich sollte eigentlich keine Gefahr für ihn darstellen…
Oder…
Er würde es einfach aus Spaß machen… einfach um L zu quälen… aber das würde ich niemals zula…
Badumm…
Dies war das letzte Mal, dass mein Herz geschlagen hatte…
Und dieses Mal würde es keine neue Chance geben… ich spürte es.
Dies war endgültig mein Ende…
Alles verschwamm vor meinen Augen, Ich fiel in mich zusammen und L hatte mich gerade noch gepackt, bevor ich auf dem Boden aufschlug.
Er sah mir erneut fest in meine Augen und ich konnte keine Wut oder Verzweiflung mehr sehen… Nein… sondern nur die pure, unendliche Traurigkeit hatte sämtliche andere Gefühle verdrängt.
Hatte er es geahnt?
„Wir werden gemeinsam den Fall Kira lösen! Wir haben es uns versprochen!", schrie L und umfasste mich stärker.
Ich sah ihn nur an, keine Kraft mehr überhaupt etwas zu sagen…
Meine Augen schlossen sich langsam, eine Träne presste sich an meinem Augenwinkel ins Freie und rollte an meiner Schläfe herunter.
„Beyond, du kannst jetzt nicht hier sterben! Wir sind so kurz davor! Ich brauch dich verdammt! Wage es ja nicht hier zu sterben!"
L brüllte mich an, umfasste mich erneut fester und drückte sein Gesicht auf meine Brust.
„BEYOND!"
Der schwarze, wohltuende Schleier nahm mir die Sicht, ich hörte nur noch L bitterlich weinen…
So viel Traurigkeit… ich wollte ihm niemals so etwas antuen…
Ich wollte ihn nicht alleine lassen… Ich wollte es so sehr…
Es war doch nur ein einziger, winziger Fehler…
Die letzten Monate waren die Schönsten in meinem Leben und ich genoss jede einzelne Sekunde mit ihm…
„Geh… nicht… bitte…", flüsterte er und vergrub nun sein Gesicht in meinen Haaren.
Doch leider war unsere gemeinsame Reise hier zu Ende…
Vor meinem inneren Auge sah ich noch ein letztes Mal gemeinsame Momente:
Die Flucht aus dem Krankenhaus…
Unser gemeinsames, erstes Date…
Die Aktion, als er mir sein ganzes Vertrauen zeigte und ich endlich von meinem Dämonen befreit wurde… dem Shinigami…
Als er für mich eine Kugel von Mello abgefangen und mir somit mein Leben gerettet hatte…
Jeden schönen Augenblick, als wir einfach nur L und B waren und gemeinsam ermittelten…
Und…
… die Zweisamkeit…
… die innere Verbundenheit zwischen uns…
Ein letztes zufriedenes Lächeln stahl sich auf meine Lippen.
Ein schöneres Ende konnte ich mir eigentlich nicht vorstellen, als in seinen Armen zu sterben.
„Nein… Beyond… bitte… bitte lass mich nicht alleine…", schluchzte L und ich spürte noch ein letztes Mal seine warme Wange, die feucht vor Tränen war, an meiner eigenen.
Es tut mir so leid L… ich hätte gerne noch viele Jahre mit dir verbracht… das kannst du mir glauben… Ich werde auf dich warten, aber du wirst jetzt weiterleben… für mich… und den Kira-Fall lösen… und den Beweis finden… ich glaube fest an dich…
Du wirst für immer in meinem Herzen bleiben, niemals könnte ich dich vergessen…
…denn ich habe dich so sehr geliebt…
The End
An dem Tag, als Beyond starb, starb auch etwas tief in L. Er fühlte nichts mehr, lachte nicht mehr und war geradezu besessen, den Kira-Fall zu lösen. Er verschloss sich allem, einzig Watari stand ihm noch nahe. Er verfiel in alte Verhaltensmuster, hatte ein ausdrucksloses Gesicht, sprach monoton und zeigte keine Gefühle mehr. Nie mehr, würde er jemanden in sein Herz lassen. Es war auch nicht mehr möglich, denn es war zerbrochen und konnte nie mehr heilen. L schwor sich, alles Mögliche in Bewegung zu setzen und alle Mittel zu nutzen, die ihm zur Verfügung standen, um Kira zu überführen und ihn eigenhändig zum Schafott zu führen, selbst wenn er dafür Opfer bringen musste.
Das schuldete er Beyond, denn er hatte ihn so sehr geliebt…
Und erst dann, wenn er es endlich geschafft hätte, könnte er ein wenig Ruhe finden… dann würde er endlich zu Beyond zurückkehren… denn er wartete sicher auf ihn…
