Kapitel 54
~ Familientreffen ~
Die Sommerferien verliefen durch Severus Abwesenheit ganz anders als Amanda gehofft hatte und somit war sie viel alleine mit Christopher. Zwar erblühte ihr Garten dadurch mehr denn je und Felonwoods Buchhaltung war auf dem allerbesten Stand, trotzdem war sie nicht zufrieden mit der Situation. Hin und wieder stand sie zwar bei Felonwood hinter der Theke, um Matthews zu entlasten, doch vor allem um auf Severus Wünsche Rücksicht zu nehmen beschränkte sie die Arbeitszeit noch sehr. Mit Christopher gab es dabei allerdings keine Probleme. Der schlief bei solchen Gelegenheiten meistens friedlich in seinem Tragetuch oder ließ sich von Kunden bewundern.
Um der vielen Langeweile Herr zu werden, hatte Amanda außerdem ihre Familie zu einem sommerlichen Essen eingeladen. Bei dieser Gelegenheit könnten sich dann auch Christopher und Davids Tochter kennenlernen, denn dazu war bisher noch keine Zeit gewesen. Während ihr Sohn auf einer Decke im Schatten lag, bereitete Amanda die letzten Zutaten für das Abendessen vor. Noch immer wusste sie nicht ob Severus kommen würde. Seitdem dieser Pettigrew bei ihm wohnte, war nie vorherzusehen wann er unauffällig verschwinden konnte.
Severus hatte durch ihr gemeinsames Buch von Amandas geplantem Familientreffen erfahren. Er hatte ihr zwar gesagt, dass er versuchen würde zu kommen, aber sicher sein, dass es auch funktionieren würde, konnte er erst am Tage des Treffens. Natürlich wollte Snape dabei sein und daher setzte er alles daran, dass er dieses Vorhaben auch in die Tat umsetzen konnte. Allerdings stand er lange Zeit vor dem Problem, wie er Pettigrew daran hindern konnte, sein ganzes Haus zu durchschnüffeln, während er weg war. Severus Ideen schwankten dabei vom Imperius bis zu Flüchen, welche magisch alle wichtigen Türen verschlossen. Der Imperius hatte den Vorteil, dass er ihm einiges an Arbeit und Zeit ersparen würde, jedoch hatte Snape ein wenig Skrupel, ihn anzuwenden. Dabei war es nicht die Tatsache, dass er einen Unverzeihlichen Fluch auf Pettigrew würde anwenden müssen, die ihn zögern ließ, sondern eher der Gedanke, dass er damit dann zu Amanda gehen würde. Sie würde ein derartiges Verfahren sicherlich nicht gutheißen. Daher entschied sich Severus schlussendlich doch für die aufwendigere Variante und versiegelte alle wichtigen Türen mit mehreren schwarzmagischen Flüchen, welche Wurmschwanz unter Garantie nicht würde brechen können. Bevor er sich schließlich auf den Weg zu Amanda machte, schärfte er seinem unerwünschten Mitbewohner noch einmal ein, seine Finger von jedwedem Ding zu lassen, welches ihm nicht gehöre und ihn schon gar nichts anginge, dann verließ er das Haus.
Früher als eigentlich verabredet war er schließlich wenig später bei Amanda angekommen.
Diese hatte in der Zwischenzeit alles vorbereitet und aufgrund der sehr kurzen letzten Nacht warf sie einen sehnsüchtigen Blick auf die Decke auf der Christopher lag. Etwas Zeit sollte wohl noch sein, dachte sie und nachdem sie alle Lebensmittel in die Küche gezaubert hatte, legte sie sich zu ihrem Sohn auf die Decke. Seufzend hob sie ihn hoch und legte ihn auf ihren Bauch. Noch eine halbe Stunde hoffte sie Ruhe zu haben.
Severus trat derweil ins Haus und machte sich auf die Suche nach seiner Familie. Da er Amanda weder in der Küche noch im Wohnzimmer sah, ging er zunächst nach oben, ins Schlafzimmer. Dort war jedoch auch niemand anzutreffen und so ging er wieder nach unten und zurück Richtung Wohnbereich. Wo konnten sie sein? Er wollte schon nach ihr rufen, als sein Blick nach draußen in den Garten fiel. Dort waren sie also.
Als Severus draußen war, ging er auf die beiden Schlafenden zu und kniete sich mit einem Lächeln um die Lippen neben sie hin. Dann beugte er sich zu Amanda hinunter und raunte ihr „Schneewittchen, wach auf" zu, bevor er sie vorsichtig küsste.
Amanda öffnete erschrocken die Augen. Weder hatte sie gemerkt dass sie eingeschlafen war, noch dass jemand sich genähert hatte. „Hallo", begrüßte sie Severus und schluckte den Kloß hinunter, den der kurze Schlaf verursacht hatte. „Schön, dass du kommen konntest."
„Hallo", entgegnete Severus und nahm derweil vorsichtig Christopher von Amandas Brust, damit sie sich aufrichten und er ihn begrüßen konnte. „Ich bin auch froh, dass ich es einrichten konnte." „Na hoffentlich, wacht er nun nicht auf", mahnte Amanda, lächelte aber.
„Ich bin ja extra vorsichtig. Außerdem kannst du sonst nicht aufstehen", wandte Snape ein, als er sich mit seinem Sohn im Arm wieder aufrichtete. „Na das wäre ja nun nicht so schlimm. Du könntest ja hinunter kommen." „Könnte ich, aber ich will nicht", lächelte der Slytherin ein wenig, man sah ihm aber an, dass er durchaus einen ernsten Hintergedanken hatte, wieso er nicht wollte. Amanda richtete sich auf und sah ihn an. „Und warum nicht?" „Weil ich gerne etwas mit dir besprechen würde, bevor die anderen kommen. Und das wiederum würde ich lieber im Wohnzimmer machen." „Wieso denn im Wohnzimmer? Hier draußen ist es doch auch gut." „Einfach so. Weil mir der Gedanke besser behagt, im Haus über so etwas zu reden. Auch wenn es logisch betrachtet hier im Garten genauso sicher wäre." „Das würde ich auch so sehen. Aber gut, dann verbann uns für eine Weile nach drinnen." Langsam erhob sie sich.
„Es wird nicht lange dauern. Und wenn du darauf bestehst, können wir auch draußen bleiben", lenkte Severus ein. „Na, wenn es dir lieber ist, gehen wir rein." Sie ging vor ins Wohnzimmer. Severus folgte ihr. Im Wohnzimmer legte er Christopher wieder vorsichtig ab, sodass dieser in Ruhe weiterschlafen konnte, dann ging er zu Amanda, die sich bereits auf das Sofa gesetzt hatte.
„Und nun? Was möchtest du?" „Ich möchte dir etwas sehr Wichtiges zur Verwahrung geben." Während er sprach, zog Snape ein schlichtes Holzkästchen aus der Robentasche und reichte es Amanda. „Was ist das?" Verwundert sah sie es an. Severus atmete hörbar durch, bevor er antwortete. „Das... ist sozusagen mein Nachlass an euch. Das Kästchen beinhaltet mein Testament und einige Briefe. Ich habe alles in den letzten Wochen verfasst, um euch für den Ernstfall abzusichern und um mich zu beruhigen. Im Testament vermache ich natürlich alles dir und Christopher. Außerdem habe ich darin noch einmal schriftlich die Anerkennung meiner Vaterschaft festgehalten. In den Briefen... Nun... Sagen wir es so..." Snape knetete ein wenig seine Hände. „Ich bin mir dessen bewusst, dass es noch einige Dinge in meinem Leben gibt, die ich dir bisher verschwiegen habe. Irgendwann habe ich vor, dir die ganze Wahrheit über meine Vergangenheit zu erzählen - wenn es an der Zeit ist. Und für den Fall, dass dieser Zeitpunkt nie eintreten wird, sind die Briefe gedacht. Ich möchte sicher gehen, dass - sofern ich es nicht mehr erlebe -vor allem Christopher weiß, wer sein Vater wirklich war, wenn er älter ist." Severus atmete tief durch, bevor er nochmal etwas hinzufügte. „Räum das Kästchen nicht zu weit weg. Vielleicht kommen noch Briefe dazu."
Einen Moment starrte Amanda das Kästchen an und gab es dann zunächst still an Severus zurück. „Ich will das nicht", protestierte sie, auch wenn sie eigentlich wusste, dass es durchaus vernünftig war. „Es wird trotzdem hier bleiben, auch wenn du es nicht willst", entgegnete Snape ruhig und stellte das Kästchen auf den Tisch, da es Amanda nicht nehmen wollte. „Du kannst doch nicht einfach nebenher mit so etwas kommen." „Wieso nicht? Wann hätte ich denn sonst damit kommen sollen? So selten wie ich hier bin... Außerdem war es schon längst überfällig, dass ich meinen letzten Willen festhalte." Severus sprach ernst, aber dennoch ohne jegliche Aggressivität. „Das... ich weiß nicht. Gar nicht? Das geht nicht." Natürlich hatte Severus Recht, aber Amanda wagte einfach nicht daran zu denken, in welchem Fall man einen letzten Willen brauchte, daher wehrte sie sich nun so vollständig dagegen. „Mach dich nicht lächerlich, Amanda. Du weißt ganz genau, dass es nur mehr als vernünftig ist, in unserer und vor allem in meiner Situation an so etwas zu denken. Das heißt ja nicht, dass ich deshalb automatisch verfrüht das Zeitliche segne. Aber wenn es so sein sollte, will ich euch gut versorgt wissen - und vor allem nicht unwissend."
„Deswegen werde ich so etwas ja trotzdem nicht gerne vor der Nase haben dürfen oder?" Sie fühlte sich schon angegriffen. Verstand Severus sie nicht? „Du musst es dir ja nicht auf den Nachttisch stellen. Außerdem: Wo sollte ich es deiner Meinung nach sonst verwahren? Das Einzige was mir noch einfällt, wäre Christophers Verlies. Und selbst darauf hat immer nur der von uns Zugriff, der den Schlüssel hat. Und das bist momentan du, was auch weiterhin so bleiben soll." „Wenn du meinst." „Ja, ich meine", entgegnete Severus knapp, bevor er noch etwas Erklärendes zum Kästchen hinzufügte. „Du wirst es übrigens erst öffnen können, wenn es nötig ist. Ich habe den Verschluss schwarzmagisch an mein Leben gebunden, sodass nur ich es momentan öffnen kann." „Dann räum ich es besser weit weg, nicht dass mich irgendwann ein Klicken über…", sie sprach es nicht aus, „darüber informiert." „Solange du es wieder findest, wenn es nötig ist..." „Zur Not gibt es auch Zauber für so etwas", sagte sie trocken. „Wie auch immer", entgegnete Snape ein wenig kühl, aufgrund ihrer Besserwisserei, die die Diskussion seiner Meinung nach nur unnötig weiter in die Länge zog. „Das war es jedenfalls, was ich dir sagen wollte." „Gut." Amanda stand auf. Die Hoffnung durch Severus frühes Kommen etwas Zweisamkeit mit ihm genießen zu können, war durch dieses Mitbringsel nun auch zerschlagen. Langsam ging sie hinüber in die Küche um nachzusehen, ob sie nicht doch etwas vergessen hatte.
Severus blieb sitzen, seufzte leise und starrte ins Leere als Amanda den Raum verlassen hatte. Glaubte sie etwa, ihm selbst machte es Spaß, sich derart mich dem eigenen Dahinscheiden zu beschäftigen? Und damit, was er ihr alles noch sagen wollte, bevor es zu spät war, um es danach auch noch niederzuschreiben? Einen Moment lang blieb Snape noch sitzen und hing seinen Gedanken nach, dann stand er auf und ging zu Christopher, der noch immer friedlich schlafend in seinem Stubenwagen lag. Kurze Zeit sah er ihn einfach nur an, dann griff er hinein und streichelte seinem Sohn sanft über die rosige Wange. „Ich hoffe, dein Leben wird einmal bedeutend einfacher als meins", sagte er schließlich leise.
Amanda hatte alles noch einmal überprüft und vor allem Zeit zum Nachdenken gehabt. Daher ging sie schließlich wieder zurück ins Wohnzimmer. Dort angekommen seufzte sie leise, bevor sie zu sprechen begann. „Es tut mir Leid. Ich versuche einfach möglichst nicht daran zu denken, weil ich sonst wohl vollkommen wahnsinnig werden würde vor Sorge."
Severus drehte sich um und sah sie an. „Wieso?", fragte er ruhig, weil er ihre Argumentation nicht so richtig nachvollziehen konnte. „Was ändert dieses Kästchen und das Papier darin an der Sorge die du hast? Du wusstest doch schon vorher in welcher Gefahr ich mich bewege. Daran hat sich doch auch jetzt nichts geändert." „Es ist nicht deshalb, dass es nun hier ist. Es nur jetzt gerade zu sehen und zu hören und so direkt darauf gestoßen zu werden ist das Problem." Snape seufzte. „Mir hat es auch keine große Freude bereitet, mich damit zu beschäftigen. Andererseits... hat es mich beruhigt und es beruhigt mich immer noch zu wissen, dass ich nun für den Fall der Fälle die nötigen Vorkehrungen getroffen habe."
„Ja, das ist wohl besser so", antwortete Amanda ruhig. „In jedem Fall." Severus lächelte kurz, dann ging er auf Amanda zu und zog sie in eine Umarmung. Er wollte ihr nun lieber noch ein wenig nahe sein, solange sie noch alleine waren, anstatt noch weiter derart ernste Dinge zu diskutieren.
Amanda versuchte sich zu entspannen, doch ganz wollte es nicht gelingen.
„Wollen wir wieder rausgehen?", fragte Severus und ließ langsam wieder von ihr ab, als er merkte, dass sie für seine Annäherung gerade nicht empfänglich war. „Das wäre gut", sagte sie leise. „Christopher bleibt besser hier, bevor er noch mal rumgetragen wird." „Also komm..." Severus machte Anstalten nach Amandas Hand zu greifen, überließ es jedoch ihr, sie zu fassen oder nicht. Sie kam seiner Einladung nach und ging in den Garten. „Etwas Zeit sollten wir noch haben, denke ich." „Ich hoffe es. Wo machen wir es uns solange gemütlich? Auf der Decke?" Langsam nickte Amanda und setzte sich. „Gut", entgegnete Severus und ließ sich ebenfalls nieder. Da er es jedoch unbequem fand, längere Zeit auf dem Boden zu sitzen, legte er sich einfach auf den Rücken. Fragend und mit ausgebreitetem Arm sah er Amanda schließlich an und hoffte, sie würde sich zu ihm legen. Noch immer war Amanda ziemlich angespannt, doch auch um ihm einen Gefallen zu tun, legte sie sich zu ihm. Noch immer fand sie, dass es sicher einen besseren Zeitpunkt gegeben hätte.
Severus seufzte leise als sie sich zu ihm legte und blinzelte in den hellblauen Himmel hinauf. Er hatte nicht vorgehabt die Stimmung derart zu drücken, aber irgendwann hätte er es ihr ja sagen müssen, dachte er sich. „Tut mir leid, dass ich dir jetzt die Stimmung verdorben habe", sagte er schließlich nach einer Weile. „Aber irgendwann musste ich dich ja davon in Kenntnis setzen." „Ja, du hast schon Recht", sagte Amanda, vor allem um Severus zu beruhigen. Wenn er schon einmal da war, sollte er sich auch entspannen können. Snape schwieg darauf wieder einige Zeit, doch dann ergriff er wieder das Wort. „Weißt du was?", fragte er Amanda leise. „Ich weiß schon etwas, aber nicht dass was du mir sagen willst, denke ich." Severus schmunzelte ein wenig über ihre Entgegnung, bevor er antwortete. „Das kann sein." Bevor er weitersprach schwieg er erneut kurze Zeit. „Ich werde ab dem kommenden Schuljahr kein Zaubertränke mehr unterrichten." „Huch wie kommt es denn dazu?" Verwundert sah sie ihn an. „Dumbledore hat Professor Slughorn wieder aus dem Ruhestand geholt. Er wird seinen alten Posten wieder übernehmen." „Ach herrje, das ist ja etwas. Hat er niemanden für Verteidigung gefunden und du musst nun dran glauben?" „So ähnlich."
„Dann kannst du hoffentlich länger als ein Jahr unterrichten." „Wäre nicht schlecht", entgegnete Severus, auch wenn er insgeheim wusste, dass es mit allergrößter Wahrscheinlichkeit nicht der Fall sein würde. „Ich wollte diesen Posten schließlich schon länger." „Ja, das stimmt. Na dann kannst du dich austoben im nächsten Jahr und die Schüler können was Anständiges lernen." „Ja, nachdem ihnen ein Schuljahr nur Unsinn beigebracht wurde", entgegnete Severus abfällig. Amanda lachte. „Das kann ich mir vorstellen. Vermutlich Kindergartengeschichten oder so etwas und dass wo es so wichtig ist nun." „Reden wir nicht mehr darüber. Nächstes Jahr lernen sie jedenfalls wieder etwas Sinnvolles. Wann kommen eigentlich dein Vater und dein Bruder mit Anhang?"
„In etwa in einer Stunde, war abgemacht." „Ah! Dann haben wir ja noch ein bisschen Zeit für uns alleine." „Ja, ein klein wenig." „Schön. Wie läuft es eigentlich bei Felonwood momentan?" „Im Moment geht es noch, aber gut ist es nicht. Die Stimmung ist insgesamt auch nicht wirklich toll in der Winkelgasse." „Das denke ich mir. In diesen Zeiten geht keiner mehr lange und gern auf die Straße." „Das ist das Problem, vor allem weil die meisten Verkäufer nicht gerade die dunkle Seite bevorzugen." „Du musst dich wohl auf kurz oder lang auf einen Versandhandel einstellen. Ich denke nicht, dass die Sicherheitslage in absehbarer Zeit besser wird. Leider.." Amanda schmunzelte. „Diese Idee hatte ich auch schon. So etwas sollte sich eigentlich ganz gut realisieren lassen. Aber im Moment ist es noch nicht so weit und Christopher und ich sind noch ganz gut beschäftigt. Na ja er schläft meistens." „Ich denke auch."
Etwas überpünktlich kam Carl schließlich kurz vor der vereinbarten Zeit zum Haus seiner Tochter. Gerade spielte er begeistert mit Christopher, als auch David und seine Familie eintrafen. Es dauerte schließlich noch eine ganze Weile bis die beiden Kinder ruhig waren und die Erwachsenen zusammen am Tisch zum Essen saßen.
„Ich hoffe die beiden bespaßen sich nun einen Moment alleine", sagte Amanda mit Blick auf die Kinder. „Das wäre wünschenswert", entgegnete Severus und schob sich dann etwas zu Essen in den Mund. Kurze Zeit später sprach er Carl an. „Wie läuft es eigentlich im Ministerium?" Carl lachte kurz und bitter. „Abgesehen davon, dass man keinem dort mehr trauen sollte, den man nicht gut kennt und ich nur darauf warte, dass jemand den Minister um die Ecke bringt, ganz großartig." „Hm ja", brummte Severus beipflichtend. „Wenn das irgendwann passiert, kannst du erst recht keinem mehr trauen." „Ich halte mich ohnehin an die Leute, bei denen ich sicher bin und sonst ist man besser vorsichtig. Ich hatte nicht gedacht, dass ich das noch einmal machen müsste." „Das hat wohl fast niemand für möglich gehalten." „Was auch besser war, aber es lässt sich jetzt nicht mehr ändern." „Nun ja... Ich hoffe schon, dass es sich irgendwann wieder ändern wird", sagte Severus trocken. „Und dass das nicht so lange dauern wird", fügte Amanda hinzu. „Ich will in jedem Fall nicht mehr lange so arbeiten", sagte David. „Ich schätze, das will keiner von uns. Vor allem weil die allgemeine Unsicherheit gerade für den Einzelhandel nicht gerade geschäftsfördernd ist. Apropos arbeiten... Gehen sie mittlerweile wieder arbeiten, Miss Adams?" Sandra schüttelte den Kopf. „Nein, noch nicht. Ich möchte noch nicht, dass jemand den ganzen Tag auf die Kleine aufpasst und meinen Eltern will ich das auch nicht zumuten." „Nachvollziehbar", entgegnete Severus. „Amanda hat es da natürlich einfacher", sagte Sandra. Amanda nickte daraufhin. „Da hat die Selbstständigkeit ihre Vorteile." Daraufhin schwieg Snape nun lieber, denn natürlich war er auch weiterhin besorgt darüber, dass Amanda Christopher mit in die Winkelgasse nahm, auch wenn diese Sorge nicht unbedingt rational war. „Wie funktioniert das denn mit Christopher bei der Arbeit?", wollte Carl wissen. Amanda sah ihn an. „Gut, ich trage ihn durch die Gegend und meistens schläft er dabei ein. Die Kunden freuen sich auf jeden Fall." „Die Kunden vielleicht", rutschte es Snape auf Amandas letzte Worte hin leise heraus. Als er merkte, dass er das wirklich laut gesagt hatte, griff er nach seinem Glas und trank einen Schluck. Hoffentlich hatte er damit nicht schon wieder einen Streit angezettelt. Amanda nahm seine Anmerkung durchaus wahr und grummelte kurz vor sich hin. Nun fing das wieder an. Aber sie sagte nichts dazu. Severus war froh, dass sie nichts entgegnete, denn er wollte nicht schon wieder darüber diskutieren und bereute seine unüberlegte Äußerung daher auch schon. Carl hatte Snapes Worte auch gehört und vermutete dort eine leichte Unstimmigkeit, er sparte sich aber ebenfalls seine Worte.
„Bei euch alles in Ordnung?", wollte Amanda schließlich von David und Sandra wissen.
„Auf jeden Fall. Es ist doch erstaunlich viel zu tun ist, auch mit nur einem Kind", antwortet Sandra. „Wieso auch mit nur einem Kind?" fragte Severus. Diese Frage hatte jedoch keinen boshaften Hintergrund in Bezug auf David, sondern er fragte sich ernsthaft mit wem, der mehr Kinder hatte, sich Sandra gerade verglich. „Na ich hätte gedacht, ich würde mehr Zeit haben. Aber dadurch, dass ein paar Freunde auch kleine Kinder haben, bin ich schon viel beschäftigt." „Ach so", entgegnete Snape. „Das fehlt mir etwas", wandte Amanda ein. „Im Moment stört Christopher das sicherlich noch nicht", meinte Carl. „Nein, das nicht, aber es wäre schon etwas schöner." „Du musst dich eben öfter mit Miss Adams treffen. Sofern sie nichts dagegen hat." „Ich kann Sandra doch nicht dauernd mit mir belästigen." „Würdest du sicher nicht", meinte diese sofort, doch Amanda schüttelte nur den Kopf. „Hin und wieder sicher gerne, aber nicht immer, du sollst dich ja nicht dauernd mit so alten Menschen abgeben", sagte sie und zwinkerte. „Wer redet denn von dauernd? Die Kinder haben sich heute erst zum ersten Mal gesehen. Da ist ein kürzeres Intervall keine große Kunst, würde ich sagen." „Das ist natürlich wahr", stimmte Amanda zu während sie noch Getränke nachschenkte. „Also in jedem Fall bist du gerne immer eingeladen, Amanda", fügte Sandra noch hinzu.
Für Severus war es ein Glück, dass der Abend noch länger dauerte und sich weitestgehend auf angenehme Themen beschränkte, denn so hatte Amanda ihren Groll aufgrund seiner Bemerkung wieder vergessen. Dies hatte sicherlich auch etwas damit zu tun, dass im Laufe des Abends auch Alan zu ihnen stieß und die Stimmung weiter auflockerte. So konnten Amanda und Severus, nachdem ihre Gäste wieder gegangen waren, die gemeinsame Zeit doch noch genießen.
