Eigentlich dachte ich ja, ich würde heute keine Review-Antworten mehr schaffen. Aber das hat sich mit einem Blick auf die Statistik gegeben. Was ist denn los mit euch? Weihnachtsstress, Winterdepression oder wird die Story einfach nur langweilig, nachdem die beiden jetzt zusammen sind? Ich beginne allmählich wirklich zu überlegen, ob eine Fortsetzung überhaupt Sinn macht… :(
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It's alright to make mistakes.
You're only human.
Inside everybody's hiding something.
(Dido – Slide)
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Kapitel 53 – Legilimentik
Seine Hände legten sich in ihren Nacken, strichen ihren verspannten Rücken hinab und glitten um ihre Taille herum. Vor ihrem Bauch verschränkten sich die Finger ineinander und schließlich legte er sein Kinn auf ihre Schulter und lächelte, als ihr ein leises Seufzen entkam.
„Professor Snape, unter diesen Bedingungen kann ich nicht arbeiten", nuschelte sie nur wenig überzeugt von ihrem Argument. Und vollkommen entgegen dieses Arguments hob sie ihre Hand und ließ sie in seinen Nacken gleiten, ehe sie ihren Kopf drehte und sich einen zärtlichen Kuss von seinen Lippen stahl.
„Dann tue ich ja genau das Richtige, Miss Granger", erwiderte er und obwohl er halb hinter ihr stand, konnte sie den mahnenden Blick spüren. „Du arbeitest schon viel zu lange, Hermine. Es ist bald Mitternacht. Mach Schluss für heute."
„Nur noch diesen einen Trank. Es dauert nicht mehr lange, ehe ich an einen Punkt komme, an dem er ohnehin zwölf Stunden ziehen muss. Lass mich das noch beenden, ja?" Bittend drehte sie sich in seiner Umarmung um und verschränkte ihre Hände hinter seinem Hals.
Severus seufzte ergeben. „Irgendwann wird Minerva mich doch kreuzigen, weil ich dich die ganze Zeit hier arbeiten lasse. Nur wird sie die Tatsachen verdrehen und behaupten, ich hätte dich nicht eher gehen lassen."
Hermine setzte einen Schmollmund auf. „Also, ich für meinen Teil werde ihr nichts dergleichen sagen."
„Das will ich auch schwer hoffen!"
Sie lachte kurz auf. Dann allerdings wurde sie wieder ernst und lehnte ihre Stirn gegen seine, wofür sie sich sehr strecken musste.
„Was ist los, Hermine?", fragte er mit so sanfter Stimme, dass sie wie ein Streicheln auf ihrer Haut war. Sie erzitterte leicht.
Wie viele Facetten hat dieser Mann eigentlich? Ob ich sie jemals alle zu Gesicht bekommen werde?
„Manchmal kommt mir das alles so unwirklich vor", antwortete sie leise und hielt ihre Augen dabei geschlossen. „Dass ich hier mit dir stehe und es sich so gut anfühlen darf. Ich frage mich manchmal, womit ich das verdient habe. Warum du dir ausgerechnet mich ausgesucht hast." Nur langsam begriff sie, dass dieser Ausbruch an Sentimentalität wohl ihrer Müdigkeit zuzuschreiben war und biss sich verlegen auf die Unterlippe. „Tut mir Leid, ich sollte wohl wirklich ins Bett gehen", fügte sie deswegen hinzu, als er auch lange Sekunden später noch schwieg.
Nun räusperte er sich umständlich. „Das solltest du wirklich, aber davon mal ganz abgesehen..." Nun hob sie doch ihren Blick und sah ihn abwartend an. „Ich habe mir dich nicht ausgesucht, du hast dich mir solange aufgedrängt, bis ich nicht mehr anders konnte!" Ein verhaltener Vorwurf, den er vermutlich eher amüsiert als anklagend beurteilte, schwang in der tiefen Stimme ihres ehemaligen Lehrers mit.
„Bereust du es? Dass du mich nicht konsequenter weggeschickt hast, als ich dir damals immer wieder auflauerte?" Eine leichte Röte überzog ihr Gesicht, als sie sich an ihr stures und uneinsichtiges Verhalten erinnerte. Dennoch würde sie es immer wieder so machen.
„Manchmal", gab Severus wahrheitsgemäß zu und senkte den Blick. „Aber meistens halten diese überaus edlen Gedanken nicht lange. Ich bin ein selbstsüchtiger Mann, Hermine."
„Oh, in diesem Fall kann ich auf die edle Note verzichten", beruhigte sie ihn nonchalant und er hob eine Augenbraue.
„Sie sind zu gütig, werte Dame."
„Aber immer doch, mein Herr."
Severus lächelte leicht und küsste sie, dann schob er sie entschlossen von sich und holte tief Luft. „Füg' deine letzten Zutaten hinzu und dann geh ins Bett. Diese Sache eilt nicht und wenn Potter sich weiterhin so überaus dämlich anstellt, wird der Lord in fünf Jahren noch in seiner Urne warten." Er wandte sich seinem Schreibtisch zu und begann die Unterlagen darauf zu sortieren.
„Sei nicht immer so gehässig, Severus", murmelte Hermine beiläufig, während sie etwas Ahornrinde mahlte und in den Trank gab.
„Ich bin nicht gehässig, ich bin ehrlich! Das musst sogar du zugeben."
Hermine nickte zerknirscht. „Er sperrt sich gegen die Macht. Frag mich nicht warum, inzwischen ist Harry so frustriert, dass er jedes Mal in die Luft geht, wenn ich ihn darauf anspreche." Einige verschiedenfarbige Pulver folgten und sie rührte den Trank dreimal gegen den Uhrzeigersinn um.
„Vielleicht solltest du ihm mal einen ähnlichen Besuch abstatten wie mir", schlug Severus mit scharfer Stimme vor und erinnerte sie erneut daran, dass er ihr dieses Eindringen in seinen Verstand noch immer nicht restlos verziehen hatte.
Elender Sturkopf!
„Wenn ich ehrlich bin, bin ich nicht sonderlich scharf darauf, Harrys Verstand genauer zu untersuchen. Die Gedankengänge von Vertretern des männlichen Geschlechts in diesem Alter sind mir ein wenig suspekt." Mit gerümpfter Nase warf sie ihm einen kurzen Blick zu und sah, dass er eine Augenbraue hob.
Dann allerdings schüttelte er den Kopf. „Es wird keine andere Möglichkeit geben, wenn er sich nicht bald zusammenreißt. Wir können die Urne nicht ewig so stehen lassen, dafür sind noch zu viele Todesser auf freiem Fuß." Er spielte nachdenklich mit einer Feder und diese ungewohnte Art der Anspannung verriet Hermine, dass der eigentliche Grund für sein Drängeln ein sehr viel banalerer war; er wollte diese ganze Geschichte endlich beenden.
In den letzten Wochen waren die Unruhen außerhalb Hogwarts' weniger geworden, doch Hermine hatte durchaus bemerkt, dass es Severus schwer fiel, nun keinen Einfluss mehr auf die Tätigkeiten der Todesser zu haben. Seitdem er seine Tarnung hatte fallen lassen müssen, stand er unter der Aufsicht des Ministeriums und des Ordens und es wäre Selbstmord, wenn er sich ein weiteres Mal in die Reihen der Todesser begeben würde.
Diese hatten allerdings durchaus mitbekommen, dass Voldemort noch nicht endgültig tot war. Die Suche nach der Urne hatte schon einige unbeteiligte Menschen – ob nun Magier oder Muggel – das Leben gekostet. Hermine hatte es irgendwann aufgegeben, den Tagespropheten zu lesen. Das einzig Gute an diesen Entwicklungen waren die erfolgreichen Festnahmen einiger Todesser, die nun in Askaban auf den Beginn der Verhandlungen warteten.
Ebenso wie Severus. Und wie ich.
Sie schluckte und besann sich wieder auf seine Worte. „Ich werde versuchen, irgendwie zu Harry durchzudringen. Aber Legilimentik wird nur der letzte Ausweg sein. Zumal ich es überhaupt nicht richtig beherrsche." Sie zuckte mit den Schultern und fügte dem Trank die letzten paar Kräuter hinzu, ehe sie ihn zum Ziehen in einen kleinen Nebenraum brachte.
„Vielleicht sollte ich es dir beibringen", schlug Severus währenddessen vor und Hermine erstarrte, unsicher, ob sie sich verhört hatte.
„Du willst mir Legilimentik beibringen?" Ungläubig streckte sie den Kopf aus dem Nebenzimmer und musterte ihn mit hochgezogenen Augenbrauen.
„Warum nicht? Es gab viele Situationen, in denen Legilimentik und auch Okklumentik meine einzigen Möglichkeiten waren. Das eine geht Hand in Hand mit dem anderen. Niemals hätte der Dunkle Lord die verräterischen Erinnerungen in den Wirrungen des Wissens über Zaubertränke gefunden. Er war schon immer zu faul, um sich durch dieses für ihn uninteressante Gestrüpp, das man im Allgemeinen als Fachwissen bezeichnet, zu schlagen." Er hob vielsagend eine Augenbraue, woraufhin Hermine schief lächelte. „Ich denke nicht, dass es schaden kann, wenn du es beherrscht. Zumal ich es sehr begrüßen würde, wenn du beim nächsten Mal, wenn du in meinen Verstand eindringst, deinen eigenen verschließt. Außer du setzt die geballte Ladung deiner Erinnerungen gerne ein, um dein Legilimentikopfer zu verwirren und dazu zu bringen, sich deinem Willen zu unterwerfen." Er feixte auf diese gewisse Art, die Hermine immer dazu brachte, ihre Lippen zu einem schmalen Strich zusammenzupressen.
„Das sage ich dir, Severus Snape, wenn Nagini noch mal hier aufkreuzen sollte und dich in diesen wundervollen Zustand versetzt, dann lasse ich dich schmoren!" Sie deutete drohend mit dem Finger auf ihn und hasste es, dass er es amüsiert beobachtete.
„Das hältst du keine drei Tage durch", erwiderte er mit entsetzlich ruhiger und besonnener Stimme und Hermine schürzte die Lippen.
„Sag das nicht zu laut, ich könnte es drauf ankommen lassen..."
„Soll ich Farling Bescheid sagen, er möge Nagini für Testzwecke herschicken?", erwiderte er prompt und Hermine wurde blass.
„Gott bewahre, bloß nicht!", keuchte sie und verschwand wieder im Nebenzimmer. „Ich habe für ein Leben genug von diesem Mistvieh gehabt!" Mit routinierten Griffen stellte sie den Kessel ab und sicherte ihn für die nächsten Stunden. Dann löschte sie die Kerzen und trat ins Labor zurück.
„Ich für meinen Teil bin auch mehr als froh, dass Farling sich ihrer angenommen hat. Dieses entnervende Geschöpf hat sich meine Beine einige Male zu oft als Ziel ausgesucht." Ein wütendes Blitzen trat in seine Augen und Hermine beobachtete, wie die Feder in seiner Hand dieser Wut zum Opfer fiel, wobei sie ein leises Wimmern vernehmen ließ.
„Sie wird niemals wieder die Gelegenheit dazu haben. Obwohl ich zugeben muss, dass ich es sehr genossen habe, dir hin und wieder so vollkommen ohne Unterbrechung meine Meinung sagen zu können."
„Das habe ich bemerkt. Und ich habe es ebenso genossen, diese Möglichkeit zu einer Strafarbeit auszunutzen." Severus grinste diabolisch, während Hermine leicht rosa anlief. „Also ist das beschlossen. Ich werde dir Unterricht in Legilimentik und Okklumentik geben und du versuchst, Potter irgendwie davon zu überzeugen, dass er nicht der Schule verwiesen wird, nur weil ein Teil von Albus bei seinen kleinen Spielchen mit Miss Weasley anwesend ist."
Hermine verzog das Gesicht. „Ich glaube, ich werde andere Argumente vorbringen", murmelte sie und räumte ihre Unterlagen zusammen.
„Wie du meinst, aber ich finde, meines ist ziemlich schlagkräftig."
Viel zu überzeugt nickend ging sie zu ihm hinüber. „Ja, genau das ist das Problem. Es wird Harry umhauen, so schlagkräftig ist es!" Sie fasste zwischen zwei Knöpfe seines Hemdes und zog seinen Kopf zu sich herunter. Ein intensiver Kuss folgte, aus dem sie sich nur ungern wieder löste. „Gute Nacht, mein geliebter Tyrann", sagte sie dann und lächelte.
„Gute Nacht, Hermine", erwiderte er schlicht. Kurz darauf verließ Hermine das Labor durch die Tür zum Gang, Severus durch die zu seinem Büro und es wurde still.
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„Harry, hör endlich auf, deinen Zauberstab so entsetzlich verkrampft zu halten!" Hermine sah den Dunkelhaarigen zornfunkelnd an und verschränkte die Arme vor der Brust.
Harry stand recht verloren in dem mit Matratzen und Kissen ausgestatteten Raum, in den sich der Raum der Wünsche verwandelt hatte, und knirschte gereizt mit den Zähnen. Anscheinend hatte der Raum sehr genau gewusst, worauf er sich vorbereiten sollte.
„Es geht nicht!", keifte Harry entnervt und warf seinen Zauberstab auf eine der Matratzen, wo er mehrmals in die Höhe federte und schließlich unschuldig liegen blieb.
Hermine fuhr sich frustriert mit gespreizten Fingern durch die Haare. Bereits seit zwei Stunden waren sie nun hier und sie hatte wirklich eine Engelsgeduld mit Harry gehabt. Doch sein Zauberstab tat die merkwürdigsten Dinge, wenn er die leichtesten Zauber versuchte. Professor McGonagall hatte ihm aufgrund dieser Umstände bereits verboten, an den aktiven Zaubereien im Unterricht teilzunehmen, was sich sicherlich sehr schlecht auf die Abschlussprüfungen auswirken würde (wobei Hermine ihrer Hauslehrerin allerdings keinen Vorwurf machen konnte. Sie selbst hätte Harrys Zauberstab vermutlich in der Mitte durchgebrochen, wenn er in ihrem Unterricht die Schüler auf die Größe eines Daumennagels geschrumpft hätte, so dass sie in den Ritzen des Fußbodens verschwunden waren. Sie schauderte noch immer bei der Erinnerung an die Kleinstlebewesen, denen sie dort begegnet war, und Ron wurde kreidebleich, wenn Harry diesen Vorfall ansprach. Er hatte Bekanntschaft mit einer Minispinne gemacht, die bei seiner Körpergröße in etwa das Erscheinungsbild von Aragog angenommen hatte. Aufgrund seines permanenten Schreiens, das im Klassenraum nur als helles Fiepsen zu hören gewesen war, hatte Professor McGonagall ihn allerdings als erstes gefunden – und nach Beenden des Zaubers ihre liebe Not gehabt, Ron davon abzuhalten, Harry den Hals umzudrehen).
„Harry, du hast Voldemort gegenübergestanden und Kämpfe ausgefochten, in denen ich nicht mal mehr gewusst hätte, wie man einen Zauberstab hält. Du kannst mir nicht weismachen, dass es so absolut unmöglich sein soll, ein bisschen weitere Macht zu akzeptieren und zu benutzen!" Sie sah ihn ungläubig an und fragte sich, warum sie Severus versprochen hatte, auf diesem Wege alles erdenklich Mögliche zu unternehmen.
„Das ist nicht nur ‚ein bisschen weitere Macht', Hermine! Du weißt ja überhaupt nicht, wovon du sprichst..." Nun ließ er sich im Schneidersitze auf den Boden nieder und rieb sich mit den Handballen über die Augen. „Diese Macht spricht mit mir! Es ist, als wäre da ein kleiner Dumbledore in meinem Ohr, der mir die ganze Zeit sagt, was ich tun oder lassen soll. Und du glaubst gar nicht, wie unwahrscheinlich gesprächig dieser merkwürdige Kauz ist."
Hermine konnte nicht anders, als zu lächeln; müde zwar, aber es war ein Lächeln. „Hat es irgendeinen Sinn, dir zu sagen, dass er aufhören wird zu reden, wenn du ihn endlich als einen Teil deiner Macht akzeptierst?"
Harry schüttelte den Kopf. „Ich weiß ja nicht mal, wie ich das machen soll."
Hermine seufzte und legte den Kopf in den Nacken. „Okay, dann anders. Professor Snape sagte mir, ich soll es mit Legilimentik versuchen. Er möchte, dass ich in deinen Verstand eindringe und dir dabei helfe, Professor Dumbledores Macht in deine zu integrieren. Ich werde es aber nicht tun, wenn du es nicht willst."
Harry sah sie erstaunt an. „Du beherrscht Legilimentik?"
Hermine senkte den Blick. „Ein bisschen...", nuschelte sie vage.
Diese Aussage schien ihn noch mehr zu schockieren. „Heißt das, du hast es schon mal gemacht?"
„Na ja… ja. Aber er würde es mir vorher richtig beibringen, so dass es für beide Seiten ungefährlich ist."
„Bei wem?", ging Harry gar nicht auf ihre letzte Aussage ein. Er krabbelte dichter auf sie zu und starrte sie sprachlos an.
„Bei Professor Snape", erwiderte sie vorsichtig und Harry blinzelte mehrmals.
„Wozu?"
„Nagini hatte ihn gebissen und es war die einzige Möglichkeit, ihn wieder in die Realität zurückzuholen."
Harry verengte die Augen. „Und du meinst nicht, dass es schlauer gewesen wäre, ihn wo-auch-immer zu lassen?"
Hermine sah ihn empört an. „Natürlich nicht!"
Er hob beschwichtigend die Hände. „War ja nur eine Idee..."
Sie schüttelte angedeutet den Kopf. „Also, was hältst du von seinem Vorschlag?"
Harry rang sichtlich mit sich selbst. In diesem Moment war Hermine froh, dass er nicht direkt von ihrer Beziehung zu Severus wusste – zumindest wenn Ginny wirklich dicht gehalten hatte, wovon sie aber ausging. Vermutlich hätte er es dann kategorisch abgelehnt, irgendeinen seiner Vorschläge in die Tat umzusetzen.
„Ich denke, wir sollten es auf einen Versuch ankommen lassen", gab er sich schließlich seufzend geschlagen und Hermine nickte zufrieden.
„Schön. Dann werde ich jetzt in die Kerker gehen und ihm sagen, dass er mich in der nächsten Zeit quälen darf, damit wir vorankommen."
„Quälen?" Harrys Stimme kiekste leicht.
„Was dachtest du denn? Irgendwie muss er es mir ja zeigen. Aber ich werde ihn zurückquälen, wenn ich bei ihm übe." Sie zwinkerte Harry schelmisch zu und stand dann auf. „Wir sehen uns beim Abendessen!"
Kurz darauf saß Der-Junge-der-immer-noch-lebte alleine im Raum der Wünsche und schüttelte fassungslos den Kopf.
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„Sitzt du bequem?"
Hermine nickte. Severus hatte die Sessel in seinem Büro herumgezogen, so dass sie sich gegenüber standen. Das Feuer neben ihnen im Kamin prasselte gemütlich und er hatte eine Schale mit Kräutern auf den kleinen Tisch gestellt und zum Schwelen gebracht. Ihr Herzschlag hatte sich daraufhin verlangsamt und ihr Körper war vollkommen entspannt. Wie meistens, wenn sie hier saß, hatte sie die Beine auf die Sitzfläche gezogen und lehnte sich gemütlich gegen den Rücken des Sessels.
Severus hingegen saß aufrecht, beide Beine fest auf dem Boden und den Blick schon jetzt in einer unbändigen Konzentration auf ihrem Gesicht ruhend. Sie spürte, dass ihm nicht sehr wohl bei dem Gedanken war, in ihren Verstand einzudringen. Und dabei wusste er noch nicht mal, wie nervös sie bis vor kurzem wirklich deswegen gewesen war.
„Vertraust du mir, Hermine?", fragte er in diesem Moment und innerlich sackte sie etwas in sich zusammen. Wie oft würde sie ihm diese Frage noch beantworten müssen? Wie oft, wenn sich die Antwort niemals änderte?
„Ja", erwiderte sie mit fester Stimme und sicherem Blick. Nun war es an ihm zu nicken.
„Wehre dich gegen mein Eindringen, so gut es dir möglich ist. Wenn du bei jemandem Legilimentik anwendest, musst du deinen eigenen Geist verschließen, damit es problemlos funktioniert. Als du es bei mir versuchtest, überfluteten mich deine Gedanken und Erinnerungen unkontrolliert und auch wenn ich gestehen muss, dass das vermutlich der ausschlaggebende Grund für mein Einlenken war, wird es Potter ängstigen und verwirren. Das darf nicht passieren."
„Okay", hauchte sie atemlos und wartete darauf, dass er endlich beginnen würde. Sie musste sich bald wieder um ihren Trank kümmern und noch im gleichen Atemzug schalt sie sich selbst, weil das bloß eine billige Ausrede war.
„Sieh mich an und halte deine Augen solange geöffnet, wie es möglich ist."
Ein weiteres Nicken, ihr Herzschlag beschleunigte sich wieder.
„Legilimens!", murmelte Severus und das, was dann kam, traf sie wie ein Keulenschlag.
Beinahe reflexartig kniff sie die Augen zusammen und verkrampfte sich in ihrem Sessel. Etwas hämmerte in ihrem Kopf, etwas, das viel tiefer ging, als gewöhnlicher Kopfschmerz es zu tun vermochte. Nur nebenbei bemerkte sie, dass sie schrie und dann war es vorbei.
Keuchend blinzelte sie und Severus sah sie erstaunt an. „Kein schlechter Anfang. Warum hat es damals nicht so funktioniert?", kommentierte er und Hermine lief rot an.
„Weil ich panische Angst um dich hatte." Mit bewusster Anstrengung löste sie ihre Hände von den Lehnen des Sessels und fuhr sich durch die Haare. „Tut es immer so weh? So tief und... unbeherrscht?"
Er runzelte leicht die Stirn und zögerte. „Wenn du dich wehrst schon", antwortete er schließlich. „Entspann dich, ich möchte es noch einmal versuchen."
Hermine atmete tief durch und ließ ihre Schultern kreisen, dann nickte sie ihm zu.
„Legilimens!", murmelte er und dieses Mal hatte sie sich vorbereitet auf das, was kommen würde. Nichtsdestotrotz traf es sie ein Stück weit unerwartet. Er ging mit sehr viel mehr Anstrengung vor, schien sich gewaltsam einen Weg in ihren verschlossenen Verstand bahnen zu wollen und Hermine schrie erneut. Nur hörte er nicht auf.
Immer tiefer drang er vor und sie glaubte ihre eigene Barriere sehen zu können, als sie die Hände hochriss und die Ballen gegen ihre Augen presste. „Severus, bitte... hör auf! Es tut weh!", jammerte sie, doch er schien sie nicht einmal zu hören.
Nur wenige Sekunden später fuhr ein beinahe erleichterter Ruck durch ihren Körper, als er ihre Barriere durchbrochen hatte und ungehinderten Zugriff auf ihre Erinnerungen bekam. Bilder flogen vor ihrem inneren Auge vorbei, die sie selbst schon beinahe vergessen hatte. Kindergeburtstage, Ausflüge, Unterricht bei den Muggels und alles andere, das so entsetzlich weit weg war, wenn sie sich in Hogwarts aufhielt.
„Du warst wirklich ein reizendes Kind", hörte sie seine leicht sarkastische Stimme in ihrem Kopf und lächelte abwesend. Es war verrückt, dass er sich einfach alles ansah, was in ihrem Kopf war. Doch noch hatte sie nichts dagegen einzuwenden. Eher im Gegenteil; er fand so viele Erinnerungen, die ihr wertvoll gewesen, die aber einfach unter einem Stapel neuer Ereignisse verschwunden waren.
Sie sah sich ein vierblättriges Kleeblatt finden, da war sie gerade einmal fünf. Ihre Mutter presste es zu Hause und ließ es einschweißen; es wurde ihr Lesezeichen.
Ihr Vater fuhr mit ihr Karussell und hielt sie ganz fest, während sie vergnügt quietschend die Arme in die Luft streckte – eine der Gelegenheiten, in denen er ihr ihre Ängste nahm.
Dann plötzlich machte Severus einen großen Sprung und Hermines Herz schien stehen zu bleiben. „Severus, nein!", keuchte sie entsetzt, doch er hörte nicht auf.
„Er hätte mich geschlagen", hörte sie sich sagen und kämpfte gegen sein weiteres Vordringen an. Das waren Erinnerungen, die er nicht erfahren sollte, das ging zu weit. Die Barriere tauchte wieder auf und sie versuchte mühsam, ihn dahinter zu zwingen.
„Bei Merlin, Hermine... Willst du das einfach so hinnehmen?"
Hermine keuchte vor Anstrengung und kniff die Augen ganz fest zusammen. Es musste gehen, er musste raus aus ihrem Kopf!
„Ja. Ich kann nicht anders."
Ein gequältes Schreien entkam ihr und mit einem wütenden „Verschwinde aus meinem Kopf!" beendete sie den Zauber und riss die Augen auf. Tief atmend und mit leicht verschwitztem Gesicht setzte sie sich auf und starrte ihn entsetzt an. „Das... war nicht für deine Augen bestimmt, Severus!", schrie sie ihn ungehalten an und wütende Tränen liefen über ihre Wangen.
Er nickte mit einer beinahe unerträglichen Ruhe. „Ich weiß."
Hermine kniff die Augen zusammen. Sie konnte keine Gefühlsregung auf seinem Gesicht sehen. „Warum siehst du es dir dann an? Warum tust du das?"
„Weil du mich anders nicht aus deinem Kopf geschmissen hättest!", polterte er plötzlich und stand auf. „Du hast es einfach zugelassen, dass ich mir alle deine Kindheitserinnerungen angesehen habe, Hermine! Du musst aufpassen, wem du diese Dinge zeigst!"
„Das habe ich!", keifte sie zurück und stand nun ebenfalls auf. „Ich vertraue dir, verdammt! Ich weiß, dass du sie sehen darfst!"
Er wirbelte zu ihr herum und seine Augen waren nur zwei sehr schmale Schlitze. „Vertraust du mir wirklich, oder kannst du nur nicht anders?"
Diese Frage traf sie hart und Hermine stolperte gegen den Sessel zurück. Sie schüttelte leicht den Kopf und schnaubte schwach. „Du sagst da Dinge... von denen du nicht einmal weißt, in welchem Zusammenhang sie standen."
Er zuckte wutentbrannt mit den Schultern. „Möglicherweise. Aber du hast Dinge weitererzählt, die so privat waren, dass ich sie nicht einmal mit dir teilen wollte. Und du schließt mich davon aus Hermine! Ist es nicht das, was du mir vorgeworfen hast? Sollte ich dich nicht an meinem Leben uneingeschränkt teilhaben lassen?"
„Das kannst du überhaupt nicht miteinander vergleichen. Ich habe es Ginny erzählt, weil ich nicht wusste, wohin damit. Und sie hat mir geholfen. Sie hat meine Gedanken geordnet." Heftig atmend machte sie eine Pause und wischte sich die Haare aus dem Gesicht. „Du weißt ja überhaupt nicht, wovon du sprichst..."
Noch ehe sie es richtig mitbekommen hatte, zückte er erneut seinen Zauberstab und donnerte ihr ein weiteres „Legilimens!" entgegen.
Hermine stolperte zurück und hatte nicht die geringste Chance, sich gegen diesen Angriff zu wehren. Ungehindert wanderte er durch ihre Erinnerungen und kehrte an die Stelle zurück, von der sie ihn zuvor verbannt hatte. Das Gespräch zwischen Ginny und ihr lief so schnell vor ihrem inneren Auge ab, dass sie nur Bruchstücke davon mitbekam.
„...musst etwas tun!"
„...gekocht, ihm zugehört..."
„...nicht einmal das erste Mal..."
„...ungern, aber warum..."
„...so vollkommen unfähig..."
Und so raste das ganze Gespräch an ihr vorbei, das sie auch ohne diese Demonstration noch so genau im Kopf hatte. Es war schließlich erst drei Tage her.
Dennoch kostete es sie Kraft, Severus nicht erneut aus ihrem Geist zu werfen. Sie wusste, dass sie ihn erdulden musste, wenn sie sein Vertrauen weiterhin genießen wollte. Sie musste ihm zeigen, zu welchem Schluss sie selbst gekommen war. Und der letzte Teil des Gespräches war wieder sehr deutlich und so, dass es sich für Hermine anfühlte, als würde sie es erneut erleben.
„Ich kann nicht verhindern, dass ich mir große Sorgen um dich mache. Aber solange du noch sagen kannst, dass du glücklich mit ihm bist und es nicht bereust, dich auf ihn eingelassen zu haben, werde ich mich zurückhalten. Kannst du das sagen, Mine?"
„Ja, das kann ich."
Kurz darauf verschwand er aus ihrem Kopf und Hermine öffnete blinzelnd die Augen, sah ihn nach wie vor mit beschleunigtem Atem und verhaltener Wut an. „Bist du jetzt zufrieden?", knurrte sie und ihre Hand grub sich in die Lehne des Sessels, der neben ihr stand; ihre Beine zitterten entsetzlich.
Severus' Augen waren leicht geweitet und er schien selbst erstmal seine Gedanken ordnen zu müssen. Dann allerdings schüttelte er den Kopf. „Das bin ich nicht", sagte er dabei überflüssigerweise und kam mit großen Schritten auf sie zu.
Hermine schrie leise und eher erschrocken als ängstlich auf, doch er ließ sich davon nicht irritieren. Grob fasste er sie bei den Oberarmen und zog sie an sich, seine Lippen waren brutal und unnachgiebig, als sie sich auf ihre drängten.
Es dauerte einige Sekunden, bis sie endlich verstand, worauf er hinauswollte. Dann begann ihre Gegenwehr zu fallen und sie gab sich dem Gewirr aus Wut, Abscheu und Lust hin und presste ihren Körper hart gegen seinen. Ihre Arme legten sich um seinen Hals und bereits jetzt begann ihr Körper zu schmerzen, während er sie hochhob und hinüber ins Schlafzimmer trug.
Auf dem Weg dorthin unterbrachen sie ihren Kuss nicht und Hermine spürte mehrmals, wie die empfindliche Haut ihrer Lippen einriss und der metallische Blutgeschmack ihre Zunge erreichte. Ungestüm kämpfte sie sich aus ihren Klamotten und sah, wie er es ihr gleichtat. Sie rutschte aufs Bett hinauf und er folgte ihr, seine Hände teilten rücksichtslos ihre Beine und nur flüchtig prüfte er, ob sie überhaupt bereit für ihn war. Anscheinend war er zufrieden, denn kurz darauf drang er in sie ein und Hermine schrie erneut auf, dieses Mal allerdings lustvoll.
Der Sex kam einem Ringkampf gleich, denn beide versuchten die Oberhand zu gewinnen, zu bestimmen, was geschah. Severus drängte vorwärts und reagierte die Wut und Unzufriedenheit über seine Erkenntnisse an ihr ab. Hermine versuchte ihn zu beruhigen und tat dennoch nichts dagegen, dass er sich nahm, was er wollte. Im Gegenteil, sie wollte es auch!
Grunzende und gutturale Laute erfüllten das Schlafzimmer und ihre schweißnassen Körper rieben sich in kopflosem Verlangen und blinder Wut gegeneinander. Sie hatte selten so viel aufgestaute Energie in sich gespürt, die sich unweigerlich zu einem Orgasmus aufstaute, der sie bis in das Zentrum ihres Seins erschütterte und animalisch aufschreien ließ, während ihre Fingernägel lange, tiefe Kratzer über Severus' Rücken zogen.
Sie sah, wie er sich beinahe zeitgleich über ihr versteifte und sich keuchend in ihr ergoss. Für einige Sekunden konnte er sich danach noch über ihr abstützen, dann fiel er zur Seite, halb auf sie, halb aufs Bett. Erschöpft strich sein warmer Atem immer wieder über ihre Haut und Hermine schloss die Augen. Ihr Körper summte und schmerzte gleichermaßen, sie fühlte sich befriedigt und geschunden und irgendwie beruhigt.
„Warum hast du es mir nicht erzählt?", fragte er schließlich und sie schnaubte abwertend.
„Weil es nichts zu erzählen gab! Du hast doch gesehen, wie das Gespräch ausging." Träge drehte sie den Kopf zu ihm und sah unverständliche schwarze Augen. „Severus, was ich Ginny erzählt habe, meine ich auch so! Ich bereue es nicht, mit dir zusammen zu sein. Und ich garantiere dir, dass ich es nicht noch einmal zulassen werde, dass du mich schlägst oder es auch nur versuchst! Ich weiß, wer du bist, aber das wird niemals wieder eine Entschuldigung für dich sein." Sie legte ihm eine Hand auf die Brust und spürte sein Herz dahinter rasend gegen die Rippen schlagen.
„Würdest du gehen, wenn so etwas noch einmal passiert?"
„Ja." Sie zögerte nicht eine Sekunde.
„Versprich mir, dass du es mir sagst, falls sich das ändern sollte."
„Es wird sich nicht ändern", sagte sie eindringlich und ihre Augen weiteten sich mahnend.
„Versprich es mir, Hermine!" Seine Blicke waren mahnender als ihre, wie sie frustriert feststellte. Missmutig kaute sie auf ihrer Unterlippe herum. Seine ständige Angst, sie könne unglücklich in dieser Beziehung sein, löste bei jedem Mal, dass er darauf hinwies, mehr Wut und Frustration in ihr aus. Sie hatte viel Geduld gehabt und ihm immer wieder beteuert, dass sie nur ihn wollte, mit allen guten und schlechten Aspekten. Sie hatte keine Kraft mehr.
„Schön!", schnappte sie deswegen scharf. „Ich verspreche es dir! Bist du jetzt zufrieden?" Erneut diese Frage und noch während sie sie stellte, wollte sie aufstehen und sich wieder anziehen. Nichts würde sie jetzt noch in seinem Bett halten.
„Nein!", sagte er abermals mit fester Stimme und griff nach ihrem Arm. Mit der gleichen, unnachgiebigen Gewalt zog er sie zurück ins Bett und reagierte nicht im Mindesten auf ihre Gegenwehr.
„Lass mich los, Severus!", keifte Hermine wütend und schlug wild mit den Armen aus, trat nach allem, was sie erreichen konnte. Dabei schrien die Muskeln ihres Körpers empört auf und Tränen traten in ihre Augen.
„Hör auf, Hermine!", fuhr er sie schließlich schroff an und durch den Moment des Schocks, den er dadurch bei ihr auslöste, schaffte er es, ihre Beine zwischen seine zu klemmen und seine Arme fest um ihren Oberkörper zu schlingen. Außer Atem sackten sie beide zurück in die Kissen und es dauerte nicht lange, bis Hermines kopflose Verteidigung in sich zusammenfiel und sie kapitulierend zu schluchzen begann.
„Unsensibler Mistkerl!", fluchte sie jaulend und schlug ein letztes Mal auf seine Brust ein.
Severus nickte. „Ja, vermutlich bin ich das", stimmte er ihr ohne Umschweife zu. „Aber ich kann nicht anders, ich liebe dich trotzdem." Seine Umarmung wurde noch einmal fester und Hermine entspannte sich, sichtlich erschöpft.
Es dauerte einige Minuten, die sie schluchzend und schniefend ganz dicht an seinem Körper verbrachte. Dann schob sie ihre Arme um seinen Hals, um endlich das zu erwidern, was er ihr die ganze Zeit aufdrängte. „Warum musst du es uns so verflucht schwer machen?"
Severus antwortete ihr nicht auf diese Frage, doch sie wusste auch so, was er ihr sagen wollte. Weil er es nicht anders kannte.
TBC…
Ich wünsche einen schönen zweiten Advent!
