Was war Traum? Was war Realität? Seit sie in dieses Abenteuer gestolpert war, war so vieles passiert, was Earenis einfach nicht begreifen konnte. Nie hatte sie jemals gedacht, zwischen den Mächtigen dieser Welt zu wandeln und sogar eine Rolle in ihren Plänen zu spielen. Und doch war genau das der Fall.
Nun ging sie an Ghâshburz' Seite und hatte sich gegen alles gestellt, was ihr einst lieb und teuer war.
Und was war? Es war ihr vollkommen egal. Ghâshburz war bei ihr, und das war alles, was zählte.
Sie hatten sich unter den Fellen ihres Lagers eng aneinander geschmiegt, und nun kraulte er ihr Haar, während er ihr Gesicht im Schein der Feuerschalen musterte. Ein sanftes Lächeln stand auf seinen Lippen, während sie seinen Blick erwiderte und ihm tief in seinen violetten Augen sah.
„Meine Königin", wisperte er. „Meine silberne Königin. Mutter der Drachen."
Etwas nervös leckte sie sich über die Lippen, was ihm offensichtlich zu gefallen schien. „Waren wir zu voreilig?", fragte sie besorgt. „Ich meine, wir kennen uns noch kaum, und doch haben wir schon … ich meine, wir haben miteinander …" Errötend verstummte sie. Das soeben Passierte war noch zu aufwühlend, als dass sie darüber sprechen konnte.
„Wieso sollten wir?", hielt Ghâshburz mit einem anzüglichen Lächeln dagegen, während er eine ihrer Haarsträhnen um seinen Finger zwirbelte. „Solch distinguierte Haltungen vertreten nur Elben. Doch sind wir Elben? Nein, meine Liebe, das sind wir nicht."
Sie wollte bereits zu einer Erwiderung ansetzen, als er sich über sie beugte und anfing, ihren Hals mit Lippen und Zunge zu liebkosen. Wohlig seufzend schloss sie die Augen. Sanft strich seine Hand über ihren Bauch und wanderte dann langsam höher, bis sie ihre Brust umfasste und sie zu liebkosen begann. Wie von selbst verhärtete sich der Nippel, und Earenis rieb ihre Schenken aneinander, als sogleich wieder das Begehren in ihr aufflammte. Sie konnte sich dessen nicht erwehren, selbst wenn sie gewollt hätte.
„Du bist mein", raunte er ihr ins Ohr. „Ganz allein mein, und niemand kann dich mir wegnehmen. Gemeinsam werden wir eine neue Ära begründen."
Hatte sie wirklich zu Beginn ihrer Bekanntschaft gedacht, er sei wahnsinnig und krank? Ihr war mittlerweile alles egal. Das einzige, was zählte, war ihre heiß aufflammende Liebe zu ihm. Sollte die Welt sie verfluchten, sie beide als Monster ansehen! Doch sie alle konnten ihr gestohlen bleiben! In seinen Armen fand sie, was sie schon immer vermisst hatte: Schutz, Halt, Sicherheit und vor allem Liebe und Verständnis.
Im Hintergrund quittierten ihre Drachen die fehlende Zuwendung durch ein missmutiges Fauchen, was in der Tat Earenis' Aufmerksamkeit erregte. Sie hob den Kopf und versicherte ihnen mit einigen beruhigenden Lauten, dass sie noch da war.
„Du bist wahrlich die Mutter der Drachen", sagte Ghâshburz mit einem Lächeln in der Stimme, während er ihr wieder ganz keusch durch das Haar strich.
„Werde ich auch jemals die Mutter deiner Kinder sein?", erwiderte sie ernst und wandte sich wieder ihm zu.
„Wünscht du es denn?"
„Ich denke, ja."
„Na dann, wollen wir es noch einmal versuchen?" Mit einem anzüglichen Lächeln bewegte er vielsagend die Hüften.
Sie rückte von ihm ab. „Du weißt, wie ich das meine!", begehrte sie auf. „Das ist für mich keine Sache, die ich einfach so auf die leichte Schulter nehmen kann, also behandle sie auch mit dem nötigen Ernst!"
Ergeben senkte er den Blick. „Verzeih, meine Liebste. Doch du musst mich verstehen. Ich hatte schon viele Frauen, doch keine war wie du. Keine erweckte in mir das Verlangen, mit ihr mehr als nur ein paar Nächte zu verbringen. Was machst du nur mit mir, dass ich dich so heiß begehre?"
Er küsste sie sanft auf die Stirn und fuhr ihr dann über die Wange.
„Und was gemeinsame Kinder angeht: Ich weiß es nicht", sagte er ehrlich. „Wir können es nur versuchen und darauf hoffen, dass sowohl ich Kinder zeugen als auch du welche empfangen kannst. Mein Meister hat sich mit dieser Frage nie beschäftigt, nachdem er sah, wie schwer es ist, die Rassen von Orks und Elben zu kreuzen, und daher seine Experimente aufgab, als mir keine weiteren Erfolge nachfolgten. Und mich hat diese Frage bis jetzt nicht interessiert. Auch wenn ich der Feldforschung nicht abgeneigt bin."
Sonderlich gute Aussichten waren es nicht, die sie besaßen, doch er hatte Recht. Zumindest konnte sie über seinen letzten Satz schmunzeln.
„Wie ist es eigentlich zu wissen, dass man nur das Ergebnis von Experimenten des Dunklen Herrschers ist?", fragte Earenis neugierig.
„Wie ist es, genau das nicht zu sein?", stellte er die Gegenfrage. „Ich kenne es nicht anders, und die meisten anderen in meinem Umfeld ebenso wenig. Orks kennen so etwas wie Mutterliebe nicht, sie sind alle nur Züchtungen oder schwächliche Wildformen, die der nährenden Hand des Meisters entbehren. Meine Mutter wird mich gehasst haben, wie sie alle gehasst hat, die ihr antaten, was sie in Saurons Kerkern hat durchleben müssen. Doch ich habe sie nie kennen gelernt. Ich wurde ihr so lange an die Brust gelegt, wie es notwendig war und wurde dann in die Obhut von Pflegern gegeben. Mein Meister hatte schnell erkannt, dass ich von großem Wert für ihn war, also war es zu riskant, mich länger als unbedingt nötig in der Nähe meiner Erzeugerin zu behalten. Wenn man es so nennen könnte, dann war mein Meister meine Familie, denn er pflegte und schützte mich und half mir, in Rang und Macht rasch aufzusteigen."
Sie schüttelte den Kopf. „Ich kann mir das einfach nicht vorstellen", sagte sie. „Aber Sauron hat das sicher nicht für dich getan, oder? Außer seinem eigenen Vorteil hatte er kein Interesse an dir?"
„Das Einzige, wofür er lebte, war sein eigener Meister", erklärte er. „Sein ganzes Denken und Handeln war schlussendlich auf den ersten Dunklen Herrscher ausgerichtet. Alle anderen waren nur Mittel zum Zweck. Wer seinen Wert verlor, wurde sogleich ersetzt und vernichtet. Ja, meine Liebe zu ihm war einseitig, und ihn hatte es nie gekümmert, was ich für ihn empfand, doch mich kümmerte es nicht, dass es für ihn nur von Interesse war, wie gut ich meinen Wert unter Beweis stellen konnte. Wenn er sich dafür interessierte, wollte ich das tun, um zu seiner vollen Zufriedenheit zu handeln."
„Also setzt du jetzt fort, was er begonnen hat", schloss sie.
„Genau. Das ist das letzte, was ich für ihn tun kann, und ich werde mein Bestes geben", sagte er und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. „Und ich bin gut darin. Schon in wenigen Tagen wird das Auenland mir gehören und auch der Erebor und der Eryn Lasgalen fallen."
