50 Das Nest
„Verdammt,
was geht denn hier vor?" Sirius trat auf den Baum zu und schüttelte
den Kopf. „Solange haben wir doch gar nicht geschlafen,
oder?"
James verneinte. „Mit Sicherheit nicht. irgendwas
Merkwürdiges geht hier vor."
Serina biss sich auf die
Unterlippe und ihre Augen wanderten hektisch über die Lichtung.
Die Luft war voller fremder Gerüche, die sie nicht zuordnen
konnte.
Sie glaubte, ein Kichern zu hören und drehte sich
blitzschnell danach um. Die Farne wiegten sich im Wind und sie
glaubte, zwischen ihnen etwas gesehen zu haben. Serina legte den Kopf
schief und lauschte, auf das Rascheln der Blätter in den Bäumen,
auf das Plätschern des Baches in seinem Kieselbett, und dann
hörte sie es wieder, ganz leise, als würde ein Kind
kichern.
James trat langsam neben seinen Freund, während er
Serina beobachtete. "Hey, was hat sie denn da?"
Sirius
schüttelte den Kopf. „Keine Ahnung, Prongs. Aber so guckt
Moony auch manchmal … du weißt schon, wenn der Mond nah
ist."
James nickte. „Ja, daran hat sie mich auch erinnert. Als
ob sie was wittert!"
Die beiden sahen ihr interessiert zu, als
sie plötzlich die Lichtung verließ und langsam in den Wald
ging. Sie folgten ihr und sahen, dass sie immer wieder anhielt und
sich neu orientierte. Als ob sie etwas, oder jemanden, verfolgen
würde, denn sie nicht sah, aber hörte.
Der Wald
veränderte sich. Er wurde kahler und das Licht wurde heller. Die
Farne gingen zurück und dann stand sie vor einer gigantischen
Felswand.
Serina stütze sich mit einer Hand an der Wand ab.
Ihr war schwindelig geworden und sie fühlte sich schwach. Alles
tanzte vor ihren Augen und sie zwang sich, nicht einfach
umzufallen.
Jemand packte ihre Schultern und drehte sie um. „Baby,
was hast du?" fragte eine besorgte Stimme und sie erkannte Sirius
wie durch einen Schleier, der über ihren Augen lag.
Serina
lehnte sich gegen seine Brust und lauschte auf seinen Herzschlag,
atmete seinen Geruch ein. Seine Anwesenheit wirkte beruhigend auf sie
und sie lächelte.
"Es geht schon wieder, mir war nur …
ein wenig Schwummerig."
"Ganz sicher?" fragte er, und als
sie nickte, küsste er sie auf die Stirn. „Ok, Baby, aber jag
mir nie wieder einen solchen Schrecken ein."
Sie löste sich
von ihm. „Kommt, wir müssen hier lang." sagte sie und ging
an der Felswand weiter.
"Was genau ist den da, Rina? Wo willst
du hin?" fragte James und sie zuckte mit den Schultern.
"Ich
weiß es nicht. Ich folge nur meinen Instinkten."
Er sah
Sirius fragend an, doch der schüttelte mit dem Kopf. „Mich
darfst du nicht fragen, Prongs!"
Sie gingen dem Mädchen
hinterher, das ein Stück weiter stehen blieb. Sie stand vor
einem schmalen Spalt im Fels und wartete auf die beiden.
"Wir
müssen da rein." sagte sie bestimmt und ehe ihre Freunde etwas
erwidern konnten, trat sie hindurch.
James hielt Sirius zurück.
„Warte, wir wissen doch gar nicht…"
"Ich lass sie nicht
alleine!" sagte er und James seufzte.
"Ok, dann los."
Sie
folgten Serina durch den schmalen Gang, der in einer Höhle
endete. Sie sahen einen Wasserfall auf der linken Seite, und einen
kleinen See, der sich dort gebildet hatte.
Die Wände waren
von fluoreszierenden Linien durchzogen, die alles in einem diffusen
Licht erschienen lassen.
"Sie haben uns gefunden." sagte eine
tiefe Stimme hinter ihnen und Sirius drehte sich um. Da war aber
niemand.
"Haben sie, aber es nützt ihnen nichts." Er
wirbelte wieder herum, diese Stimme klang anders, heller, sie
kicherte.
"Was geht hier vor?" fragte er und James sah ihn
verwirrt an. „Keine Ahnung, Padfoot."
"Psst!" machte
Serina. Sie schloss die Augen und legte den Kopf schief.
"Was
tut sie da?" fragte die tiefe Stimme, sie hallte von den Wänden
wieder und schien überall her zukommen.
Als Antwort kam das
unsichtbare, helle kichern. „Ich weiß nicht … ich glaube,
sie versucht uns zu finden … doch das wird sie nicht … oh!"
noch während die helle Stimme sprach war Serina vorgeschnellt
und hatte nach etwas gegriffen, dass die Jungs nicht sehen
konnten.
Sie öffnete ihre Augen. „Nicht nur versucht, du
Quasselstrippe." sagte sie, und die Luft vor ihr begann zu
flimmern.
Sirius und James starrten ungläubig auf die
Stelle, wo aus dem Nichts ein Wesen erschienen war. Es war fast so
groß wie Serina, jedoch hatte es eine weiße, fast
durchsichtige Haut, bodenlange, graue Haare und purpurfarbene Augen.
Es trug einen langen Mantel der aus Nebel zu bestehen schien und
ständig seine Form und Farbe veränderte.
"Las sie
los!" ertönte die tiefe Stimme hinter ihnen und James drehte
sich erschrocken um. Vor ihm materialisierte sich das andere Wesen
und blickte sie sorgenvoll an. „Bitte. Tut ihr nichts. Sie ist noch
ein Kind." flehte es.
"Wenn … Wenn ihr uns ein paar
Antworten gebt, habt ihr nichts zu befürchten." sagte Sirius
und seine Stimme klang selbstsicherer, als er sich fühlte.
Serina
ließ das Wesen los und schwankte zurück. Ihr wurde wieder
schwindelig geworden und das Blut rauschte in ihren Ohren. Sie atmete
flach, und lies sich auf den Höhlenboden nieder.
"Hey,
was …?" Sirius kniete sich neben sie und strich ihr die
verklebten Haare aus der Stirn. „Was ist los, Baby?"
"Nichts,
Sirius. Wirklich." sagte sie und drückte seine Hand. Kalter
Schweiß stand auf ihrer Stirn. „Es geht mir bestens."
James
schüttelte den Kopf. „Du lügst ja noch schlechter als
Lily!"
Serina gelang ein schwaches Lächeln.
"Sie ist
anders, Torad! Nicht wie die!" flüsterte das Wesen, dass
Serina festgehalten hatte und beobachtete sie neugierig.
"Wer
seid ihr?" fragte Sirius und das andere Wesen schwebte heran.
"Wir
sind die Wächter. Ich bin Torad und das hier ist Nieja."
James
runzelte die Stirn. „Wächter? Wächter von was?"
"Die
Wächter des Nests." sagte Torad wie selbstverständlich
und Nieja kicherte. „Sie … Sie haben keine Ahnung, Torad! Sie
wissen es nicht! Sie sind unwissend. So dumm, und dennoch hier!"
Die
beiden Wächter schwebten um die drei Freunde herum und Serina
bekam stechende Kopfschmerzen.
"Was … Was ist das für ein
Nest, das ihr bewacht?" wollte Sirius wissen und stand auf.
James
fasste seinen Arm und sah ihn mit aufgerissenen Augen an. „Ich
fürchte, wir waren bereits mittendrin, Padfoot!"
Sirius
schüttelte den Kopf. „Wir? Wann?" Er dachte angestrengt
nach. „Der Nebel? Der Sumpf! Das ist euer Nest?" Er sah die
Wächter überrascht an.
"Nicht unseres, wir bewachen es
nur." sagte Torad und Nieja nickte zustimmend.
"Das sind
Dementoren, richtig?" fragte James und Torad schien
beeindruckt.
"Wenigstens etwas, das sie wissen! Sind sie ja doch
nicht dumm!" sagte Nieja begeistert.
Sirius lachte. „Als ob
diese Viecher Schutz bräuchten! Die können sich schon ganz
gut wehren!"
"Wir schützen nicht das Nest vor
Eindringlingen!" sagte Torad kopfschüttelnd und Sirius sah ihn
fragend an.
"Wir schützen die Eindringlinge vor dem Nest!"
erklärte Nieja ernst.
Serina schüttelte benommen den
Kopf. „Könnt ihr nicht mal still stehen? Das macht mich ganz …
irre!"
Nieja lachte. „Das sind nicht wir, Herzchen. Das bist
du. Du bist es, die dich verrückt macht! Ganz alleine machst du
das."
Sirius blickte seine Freundin grinsend an. „Und da soll
Moony noch mal sagen, du redest Unsinn!"
Serina lachte, doch
plötzlich krümmte sie sich vor Schmerzen. „Oh … Gott!
Was … geschieht hier?"
"Rina verdammt, was hast du?"
Sirius schrie sie verärgert an, als er sich ihr jedoch nähern
wollte stieß sie ihn weg.
"Komm mir … nicht zu nahe! Ich
… muss…" Sie stand auf und rannte stolpernd aus der
Höhle.
Sirius blickte ihr erschrocken nach und dann ging er
wütend auf die Wächter los. „Was ist mir ihr?"
Torad
blieb stehen und sah ihn an. „Sie ist kein Mensch, richtig?"
"Ja,
irgendwie nicht richtig. Aber was …"
Torad schien sehr
überrascht. „Es wundert mich, dass ihr es nicht wisst, der
andere wusste es. Darum hat er sich auch so beeilt, hier weg
zukommen!"
James war verwirrt. „Der andere? Welcher
andere?"
Nieja lachte. „Oh, der war niedlich. Aber er hatte
keine Zeit, wollte nicht mit mir spielen! War so in Eile."
Torads
Umhang wurde dunkler. „Niedlich? Nieja, er war gefährlich, das
konnte man deutlich spüren!"
Nieja lächelte versonnen.
„Es kommt mir vor, als sei es erst letzte Woche gewesen, wo er hier
war. Nicht lange her. Erst vor kurzem."
"Es war erst letzte
Woche, Nieja!" sagte Torad gereizt.
"Wie war sein Name?"
wollte Sirius wissen doch Nieja sah ihn traurig an.
"Das weiß
ich leider nicht. Hat er nicht gesagt. Er kam von dem Berg und ging
direkt in den Nebel hinein. Hatte es so eilig. Aber er hatte so
schöne, lange, blonde Haare! So schön, wie ein Engel hat er
ausgesehen mit seinen blonden, langen Haaren."
James riss
erstaunt die Augen auf. „Malfoy!" sagte er angewidert. „Ich
hätte es wissen müssen! Wieso war er in Eile? Wisst ihr
das?"
"Natürlich!" sagte Torad und er ignorierte Nieja
völlig, die den Namen immer wieder vor sich hinmurmelte. „Er
wusste, anscheinend im Gegensatz zu euch, dass die Zeit hier bei uns
anders verläuft, als bei euch."
"WAS?" rief Sirius
entsetzt.
"Nun, das war Falsch ausgedrückt. Die Zeit läuft
immer gleich, ihr nehmt sie nur anders wahr. Seit ihr hier seid, was
euch wie Stunden vorkommen mag, sind in Wirklichkeit Wochen
gewesen!"
James schluckte und starrte seinen Freund an, der
bleich geworden war. Wenn es stimmte, was der Wächter erzählte,
dann hatte er eine Ahnung, was mit Serina los war.
Sirius
stürzte aus der Höhle und James folgte ihm.
"Padfoot,
was hast du vor?" er hielt seinen Freund am Arm fest.
"Was
denkst du denn, was ich vorhabe, Prongs? Wenn das wirklich stimmt,
dann braucht sie … mich jetzt!"
"Das ist nicht dein ernst."
sagte James leise und schüttelte den Kopf.
"Was würdest
du denn tun … wenn es Lily wäre?" er blickte James
verzweifelt an. „Hör zu, Prongs. Versuch herauszubekommen, wie
wir hier weg kommen, ich kümmer mich um Rina. Ich muss ihr
irgendwie helfen." er lächelte James an und dann sah der Junge
den großen, schwarzen Hund vor sich stehen. Er schnüffelte
am Boden und rannte dann bellend in den Wald. Er hatte ihre Witterung
aufgenommen.
--- --- ---
Serina rannte ziellos zwischen
den Bäumen umher. Ihr Herz raste und das Blut schien in ihren
Adern zu kochen. Der Durst wurde immer schlimmer, so dass sie
glaubte, den Verstand zu verlieren. Sie begriff es nicht, sie war
doch erst bei Tinker gewesen, und so heftig hatte sie es auch noch
nie gespürt. Ihre Sinne spielten verrückt und sie fiel hin.
Eine Welle aus Schmerz durchfuhr ihren Körper.
"Ich …
muss … weiter." dachte sie und krabbelte vorwärts. Sie
wollte so viel Abstand wie möglich zu ihren Freunden gewinnen
bevor sie die Kontrolle über sich verlor. Sie musste ein Opfer
finden, ehe es zu spät war. Sie zog sich an einem Baum hoch und
atmete flach.
"Was, wenn außer uns niemand hier ist? Was,
wenn ich keinen anderen finden kann?" Sie schüttelte den Kopf,
an so etwas durfte sie gar nicht erst denken.
Serina taumelte
weiter und lies den Wald hinter sich. Die Nebelwand stieg bedrohlich
vor ihr auf, und sie begann zu weinen.
"Das kann doch nicht
sein." dachte sie. „Es muss hier doch noch andere geben!"
Ein
Zweig knackte hinter ihr, und sie nahm einen vertrauten Geruch
war.
"Bitte nicht!" flüsterte sie und sank auf die Knie.
Der große Hund trat auf sie zu. „Geh weg … Bitte…"
Das
Tier verwandelte sich in ihren Freund, der sie aus sorgenvollen Augen
ansah.
"Hör mir bitte zu." sagte er und setzte sich vor
sie. „Wir wissen, was hier los ist. Prongs findet gerade einen Weg,
wie wir nach Hause kommen, aber bis dahin … Baby, du
musst…"
"NEIN!" schrie sie verzweifelt und versuchte, von
ihm wegzukommen, doch Sirius hielt sie fest.
"Doch! Vertrau mir
bitte, mir wird nichts geschehen."
Sie schloss die Augen und
betete, dass er wegging, doch das tat er nicht. Als sie sie wieder
öffnete, sah sie in zwei große, dunkle Hundeaugen. Das
Tier stupste sie mit der Nase an und legte seinen Kopf schief.
--- --- ---
James war in die Höhle zurückgekehrt und sah
die beiden Wächter an.
"Wie kommen wir hier weg?" fragte
er und Torad schwebte auf ihn zu.
"Ich denke, so wie der andere
auch. Durch das Nest."
James schüttelte den Kopf. „Das
Nest? Wir sollen da rein?"
Nieja nickte. „Ja, es gibt dort
einen Durchgang. Nur so kommt man von hier fort."
"Wie hat
Malfoy es geschafft, dadurch zukommen?" fragte er und Nieja
lächelte.
"Er hatte das Licht! Es kam aus seinem Stock, es
war wunderschön! Ein helles Licht, so schön und so
hell."
James ließ die Schultern sinken. „Wir haben
unsere Zauberstäbe nicht dabei, und selbst wenn! Keiner von uns
kann einen Patronus beschwören!"
Nieja blickte ihn
mitleidig an. „Dann werdet ihr es nicht schaffen. Niemals kommt ihr
dann hier weg. Müsst hier bleiben."
In James keimte Panik
auf. „Aber wir müssen hier weg! Könnt ihr uns
nicht…"
"Nein." unterbrach Torad ihn. „Auch wir können
uns den Kindern des Nests nicht nähern. Es ist zu schmerzhaft.
Wenn ihr gehen wollt, dann müsst ihr es anders versuchen, oder
hier bleiben."
Der Junge schloss die Augen. „Das geht nicht.
Wenn wir hier bleiben dann … sterben wir hier!" Er blickte die
Wächter an und Nieja kicherte.
"Dann könntet ihr für
immer hier bleiben und mit uns das Nest bewachen. Das wäre
lustig! Dann würdet ihr nie mehr weggehen."
"Schweig,
Nieja! Ihre Zeit ist noch nicht abgelaufen." Er wand sich an James,
der ihn fassungslos anstarrte. „Ihr werdet einen Weg finden, da bin
ich mir sicher. Ihr gehört hier nicht her, und jetzt, geh."
Die Luft begann zu flimmern und Torad verschwand.
Nieja schwebte
noch immer um James herum.
"NIEJA!" erklang Torads tiefe
Stimme und Nieja sah James traurig an. „Leb wohl. Machs gut."
Dann war auch sie verschwunden.
James blickte sich verwirrt um.
„Torad? Nieja? Das könnt ihr doch nicht machen? Ihr müsst
uns helfen! Bitte!"
Die Wächter blieben stumm und er
verließ die Höhle. James fühlte sich erledigt und
hilflos, die Wächter hatten ihn mehr verwirrt, als dass sie ihm
geholfen hatten.
Er ging seine Freunde suchen, um ihnen
mitzuteilen, was er erfahren hatte.
--- --- ---
Serina
starrte den Hund an und dann vergrub sie das Gesicht in seinem Fell
und weinte. Sie spürte, wie das Fell zurückging und sie
jemand schüttelte.
"Verdammt Rina, tu es." sagte Sirius
wütend und er blickte in ihre Augen. Sie waren glasig, wie im
Fieber, und ihre Haut schien zu glühen. Ihre Wangen waren
gerötet und ihr ganzer Körper war nass geschwitzt. Sie
atmete flach und zitterte. Er hatte das Gefühl, dass sie mit
jeder Minute schwächer wurde.
"Ich … Ich kann … es
nicht … du würdest…"
Sirius erinnerte sich an das, was
Remus gesagt hatte und ein Lächeln erschien auf seinem
Gesicht.
"Nein, Moony sagt, es würde nichts passieren,
Baby, also bitte…" er krempelte sich den Ärmel seines
Pullovers hoch „Tu es, für mich!"
Sie schloss die
Augen.
"Tu es." sagte er wieder und sie schüttelte den
Kopf.
Er zog sie an sich und hielt ihr den Arm an den Mund. „TU
ES, VERDAMMT NOCHMAL! ODER WILLST DU STERBEN?"
Sie spürte
seinen Körper, der ihr angenehm kühl vorkam. Sie hörte
seinen Herzschlag und wie das Blut durch seine Adern pulsierte. Der
Gedanke machte sie rasend und der Durst wurde übermächtig.
Sirius
biss die Zähne zusammen, als er den Schmerz in seinem Arm
spürte.
Er durchströmte sie, war überall. Wie
ein warmer Fluss machte er sich in ihr breit und füllte sie aus.
Sein Herzschlag wurde zu ihrem und wie aus weiter Ferne hörte
sie seine Stimme, spürte seine Hand, die ihren Rücken
streichelte. Ihr Atem wurde langsamer, regelmäßiger und
das Zittern hörte auf.
Serina öffnete die Augen und sah
den Wald und den Nebel und sie schrak zurück.
"Autsch.
Vorsichtig, Baby." sagte Sirius und presste seine Hand auf die
blutende Wunde in seinem Arm.
Sie sah ihn fassungslos an. "Was …
hab ich getan?" Tränen stiegen ihr in die Augen. „Sirius …
Was hab ich getan?"
Er lächelte matt. „Das Richtige,
Baby! Du wärst sonst drauf gegangen!"
Sie schüttelte
den Kopf und er zog sie wieder an sich.
--- --- ---
James
fand die beiden gegen einen Baum gelehnt. Sirius hielt seine Freundin
fest im Arm und sie schien zu weinen. Er hockte sich neben den beiden
hin.
"Hey, alles in Ordnung?" er sah sie besorgt an, aber
Sirius nickte.
"Jetzt ja." sagte er nur und Serina wischte
sich über die Augen. Sie vermied es, James anzusehen.
Der
strich ihr über den Rücken. „Dann ist gut. Wir haben
nämlich ein Problem. Es soll eine Art Ausgang geben aber er ist
da drin!" James zeigte auf den Nebel.
"Da geh ich nicht rein."
flüsterte Serina und James seufzte.
"Will ich auch nicht!
Und genau das ist unser Problem!"
Sirius richtete sich auf. „So
ein Mist, und was machen wir jetzt?"
James zuckte mit den
Schultern. „Ich weiß es auch nicht, Padfoot! Ich weiß,
nur allzu lange können wir nicht mehr hier bleiben." Er zeigte
auf Sirius Arm und der nickte.
"Stimmt. Verdammter
Mist!"
Serina hörte das Rauschen als erste. Sie stand
auf und blickte zum Himmel. James sah sie fragend an, dann folgte er
ihrem Blick.
"WOW! Der ist ja riesig!" entfuhr es ihm, als er
das geflügelte Wesen sah, dass Serina auf dem Berg angegriffen
hatte.
Sie lächelte schwach. „Dann solltest du ihn mal von
ganz nah sehen. Seine Zähne sind soooo groß!" Sie hielt
die Hände ein ganzes Stück auseinander, und übertrieb
dabei maßlos.
Sirius sah sie erschrocken an. „Der andere
Berg, die Lawine! Bei Merlin, das warst ja du die wir, die ich
gesehen hab!"
Serina nickte.
"Hey, seht mal!" Die beiden
drehten sich um und schauten in die Richtung, in die James zeigte.
Das Wesen landete im Sumpf und die Schatten schwebten auf ihn zu. Sie
umkreisten es, und dann schwebten sie einfach weiter.
"Warum
greifen sie nicht an?" fragte Serina leise und Sirius schüttelte
den Kopf.
James schlug sich gegen die Stirn. „Aber natürlich!
Darum werden sie ja auch in Askaban eingesetzt!" Sirius sah seinen
Freund verwirrt an. „Wovon redest du, Prongs?"
"Na,
Dementoren wirken nur auf Menschen. Tiere spüren sie zwar, aber
sie machen ihnen nicht so viel aus! Verstanden, PADFOOT?" Er lachte
und Sirius grinste ihn an.
"Sicher?" fragte er und James
nickte. „Na Klar!" und schon sah er einen schwarzen Hund in den
Nebel springen. „Mist, WARTE! So sicher bin ich mir nun auch
nicht!"
Serina schüttelte den Kopf. „Ihr zwei habt echt
einen Knall!"
James grinste sie an. „Damit könntest du
Recht haben! Rina, du wartest hier, ich muss noch was holen, Ok?"
Er drehte sich um und rannte in den Wald, ehe sie ihm eine Antwort
geben konnte. Sie setzte sich gegen den Baum hinter sich und hoffte,
dass sie hier schnell weg kamen.
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Der Nebel
war kalt und seine Pfoten versanken im Sumpf. Vorsichtig tapste
Padfoot vorwärts und kam an einem kleinen Tümpel vorbei.
Der Schlamm schien hier zu kochen, der er blubberte wie wild und der
Schlamm spritze in alle Richtungen. Er möchte den Geruch nicht,
es roch nach Moder und Verwesung. Padfoot schüttelte schnaubend
den Kopf und ging weiter.
Dann sah er sie kommen. Zwei von ihnen
schwebten direkt auf ihn zu. Sie waren nicht größer als er
und er gab ein leises Knurren von sich. Die Luft veränderte
sich. Sie wurde noch kälter und seine Haare stellten sich auf.
Diese Wesen waren böse, gefährlich, das spürte er ganz
deutlich. Sie umkreisten ihn mehrmals und dann schwebten sie einfach
weiter. Sie beachteten ihn nicht. Der Hund gab ein freudiges Bellen
von sich und setzte seinen Weg fort.
Der Nebel wurde lichter und der Boden veränderte sich. Er spürte die kleinen Kieselsteine unter seinen Pfoten und erblickte einen großen, sehr alten Baum, der hier stand. Er war in der Mitte auseinander gebrochen, als ob ein Blitz ihn gespalten hätte. Sein Stamm war mit dunklen Moosen bewachsen und die Bruchstelle erstrahlte in einem seltsamen Licht. Padfoot trat schnüffelnd näher und das Licht geriet in Bewegung. Es kräuselte sich, als ob jemand einen Stein in einen See geworfen hätte und er winselte ängstlich. Dann erschien ein Bild in dem Licht und Padfoot erkannte eine Wiese. Er sah Menschen, die über diese Wiese gingen, und sie hielten lange Stöcker in den Händen. Er legte seinen Kopf schief, das waren keine Stöcker, das waren Besen! Und sie gingen auch nicht über eine Wiese, sondern über das Quidditchfeld! Er hatte den Durchgang gefunden.
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Serina sah
die dunklen Umrisse des Hundes aus dem Nebel auftauchen und stand
auf. Padfoot bellte sie an, sprang an ihr hoch und leckte ihr übers
Gesicht. „Ist ja schon gut!" sagte sie lachend. „Äh …
könntest du dich wohl bitte zurück verwandeln? Ich küsse
keine Hunde!"
Er tat ihr den Gefallen und küsste sie
stürmisch. „Baby, ich hab's gefunden!" sagte er atemlos
und sie riss die Augen auf.
"Wirklich? Oh Sirius, das ist
wunderbar!" sie umarmte ihn glücklich.
"Wer ist
wunderbar?" fragte James, der gerade aus dem Wald auftauchte. Er
hatte seinen Besen geholt, den sie auf der Lichtung vergessen
hatten.
"Sirius hat's gefunden! Den Ausgang, James. Wir können
hier weg!"
"Na endlich! Padfoot, das ist … wunderbar!"
James lachte ihn an.
Sein Freund seufzte. „Ja, find ich auch.
Nur hab ich noch eine gute und eine schlechte Neuigkeit für
euch. Die Gute ist, diese Dementoren reagieren tatsächlich nicht
auf Tiere, Animagi eingeschlossen! Die Schlecht ist …" er blickte
seine Freundin an.
"Ich bin keins von beiden!" vollendete sie
seinen Satz. „Ich … Ok, ihr geht! Sofort, und dann schickt ihr
Hilfe. Sagt meinem Dad bescheid, der weiß sicher einen Weg wie
ich hier wegkomme."
Sirius schüttelte den Kopf. „Ich gehe
nicht ohne dich, Baby."
"Doch du musst!" sagte sie. „Ich
weiß nicht, wann es wieder losgeht, willst du noch mal…"
sie schüttelte seinen Arm, in dem sie ihn gebissen hatte.
James
versuchte, die beiden auf sich aufmerksam zumachen. „Äh,
Leute…"
"Jetzt nicht, Prongs!" unterbrach Sirius ihn.
„Baby du kommst mit. Ich hab da schon eine Idee, kapiert!" Er
lächelte sie sanft an.
"Hört doch mal, ihr zwei. Ich
weiß wie…"
"Bitte, James!" schnitt Serina ihm das
Wort ab. „Sirius, ich kann da nicht rein. Die stürzen sich
sofort auf mich, das hallte ich nicht aus."
Sirius strich ihr
zärtlich über die Wange. „Vertrau mir noch einmal, Baby.
Bitte." bat er sie.
"Padfoot!" James
hielt seinen Besen hoch doch sein Freund sah nicht einmal
hin.
"Prongs, dass ist jetzt echt nicht leicht, also halt mal
eine Minute die Klappe, ja?"
James drehte sich kopfschüttelnd
um. „Dann eben nicht!"
Sirius blickte seiner Freundin tief in
die Augen. „Baby … Rina … Ich liebe
dich, und ich werde nie zulassen, dass dir etwas geschieht. Aber du
musst mir vertrauen, tust du das?"
Sie nickte und er küsste
sie.
"Dann hoffe ich, du kannst mir verzeihen."
Serina sah
ihn fragend an und plötzlich explodierte etwas an ihrer Schläfe.
Sterne tanzten vor ihren Augen und dann wurde es schwarz um sie
herum.
"PADFOOT! BIST DU IRRE?" schrie James und blickte
auf das bewusstlose Mädchen in Sirius Armen. „Du hast deine
Freundin KO geschlagen! Ich fass es nicht!"
Sirius nickte. „Ich
auch nicht, Prongs! Ok, du nimmst sie auch deinen Rücken, und
ich führe dich zum Ausgang. Wenn sie schläft können
die Dementoren ihr nichts antun, hoffe ich, aber sie merkt es wenigs…
Was hast du denn da in der Hand?" er starrte auf den Besen in James
Hand. „Oh."
James lachte. „Ja, OH! Ich wollte es euch ja die
ganze Zeit sagen, aber ihr lasst einen ja nicht zu Wort kommen! Sie
hätte über den Nebel fliegen können, und dann,
schwupps, runter und durch!"
Sirius schaute auf seine Freundin.
„Rina bringt mich um, wenn sie das erfährt!"
"Zu Recht,
Padfoot! Aber jetzt ist es auch egal! Ich nehme sie, aber las uns
endlich hier verschwinden, bevor sie wieder zu sich kommt, und du
noch einmal zuschlagen musst!"
Sirius sah ihn entsetzt an. „Ok,
beeilen wir uns."
James verwandelte sich in den Hirsch und
Sirius legte Serina vorsichtig über seinen Rücken. „Pass
bloß auf, dass sie nicht runter fällt, Prongs!" sagte
er, ehe er selbst in den Hund ging. Er nahm James Besen in die
Schnauze und ging langsam in den Nebel. Der Hirsch folgte ihm
vorsichtig, damit er seine schlafende Reiterin nicht verlor.
