Kapitel 50

~ Tiefer Fall ~

Mittlerweile war es Anfang Januar und die Schule hatte gerade wieder begonnen.

Lärmende und schwatzende Schüler erfüllten nun wieder die Gänge in Hogwarts und erzählten sich, was sie an Weihnachten bekommen und über den Jahreswechsel getan hatten.

Snape sehnte sich die ruhigen Ferientage zurück. Nun hieß es wieder Hausarbeiten erstellen, Arbeiten korrigieren und unterrichten.

Heute war er in besonders griesgrämiger Stimmung, denn es war sein Geburtstag. Dies bedeutete wiederum, schon wieder ein Jahr älter zu werden (A/N: *lachweg*- armer Mann, ist er schon 28.) und außerdem hatte es zur Folge, dass er doch vom Einen oder Anderen Glückwünsche erhielt, die er möglichst freundlich entgegennehmen musste. Schon heute Morgen trudelte die erste Eule mit Glückwünschen von Familie Malfoy und der Ankündigung, dass Lucius ihn – mal wieder – zu einem Drink einladen würde, ein. Und so war er schon heute Morgen froh, wenn dieser Tag wieder ein Ende nehmen würde und Snape hoffte, dass diese Hiobsbotschaft möglichst lange auf ihren Eintritt warten würde.

Frederic Masters und sein Slytherin-Kumpel waren gerade auf dem Weg von der Eulerei zurück in ihre Gemeinschaftsräume, als sie vor sich David gehen sahen.

Frederic grinste sein Gegenüber an und dieser grinste, den gleichen Gedanken hegend, zurück.

„Hey Brown", mit schnellen Schritten gingen sie hinter David her, der nun auf dem Weg zur Treppe war. Es war Zeit, den Gryffindor wieder einmal ein wenig zu ärgern.

David kam gerade aus dem Gryffindorturm und wollte in die Bibliothek, um ein Buch zu holen, welches er für seine Hausaufgaben brauchte. Er hörte seinen Namen und drehte sich um. Als David die beiden Slytherins sah, begrüßte er sie nur mit einem kurzen „hallo" und ging weiter Richtung Treppenabsatz. Auf Streit konnte er gerade gut verzichten.

„Na? Wieder auf dem Weg in die Bibliothek zur Nachhilfe, du Nullnummer", frotzelte Frederic sofort los und grinste fies, als er und sein Freund etwa auf gleicher Höhe mit David waren.

„Halt die Klappe! Als wärst du besser", blaffte David zurück.

„Bin ich das nicht auch?" Der Slytherin grinste überheblich, denn er wusste, dass er zumindest in Zaubertränke ein wenig besser war. Sein Freund grinste auch und fuhr fort: „Klar... Ist ja nicht schwer in Zaubertränke besser zu sein als du, Brown!" Beide lachten hämisch.

„Als würde das bei euch irgendwas heißen, wo Snape euch eh gleich bessere Noten gibt!" David war wirklich wütend, was wollten diese Hohlköpfe schon wieder von ihm?!

„Der weiß halt, wer was in der Birne hat und wer nicht", meldete sich Frederics Freund wieder zu Wort und setzte eine überlegene Miene auf.

„Der weiß höchstens wie ihr wieder den Hauspokal gewinnt, weil an eurem Wissen kann es kaum liegen, Trottel."

„Nur kein Neid Brown", grinste Frederic. „Wir können ja schließlich nichts dafür, wenn du keine besseren Noten bekommst, obwohl deine Schwester mit Professor Snape rummacht." Er lachte. „Echt erbärmlich..."

„Nur gut, dass unser Hauslehrer nicht so ein Erbsenhirn ist wie du und das Spiel durchschaut." Der zweite Slytherin grinste ein wenig herablassend. Es machte doch immer wieder Spaß, die Gryffindors zur Weißglut zu bringen; was waren diese Typen auch immer so bescheuert?!

David machte einen Schritt auf die beiden zu und schubste Frederic leicht. „Erzähl nicht solchen Müll! Du hast doch voll kranke Ideen! Aber deswegen bist du ja auch in Slytherin..."

Frederic lachte nur und grinste. Es war einfach köstlich, wie sich David ärgerte.
"Hey! Flossen weg, Brown!" Kaum hatte David angefangen sein Gegenüber zu schubsen, stieß Frederics Kompagnon auch schon zurück.

„Misch du dich da nicht ein, Flubberwurm", sagte David und schubste sein Gegenüber ein Stück zurück.

„Halt die Klappe, du Pappnase", mischte sich nun auch Frederic ein und machte mit. „Du regst dich doch bloß so auf, weil wir Recht haben!" Er lachte noch einmal dreckig.

„Snape hat von Frauen doch gar keine Ahnung", entgegnete David und drückte Frederic an beiden Armen von sich weg. „Na mehr als du bestimmt", antwortete dieser und wand sich aus Davids Griff. „Lass ihn los du Bergtroll!" Der andere Slytherin gab David noch einmal einen Stoß. Dieser war so heftig, dass David auf dem oberen Ende der Treppe, an dem er stand, ausrutschte und hinten überkippte. Er versuchte noch, sich an einem seiner Mitschüler festzuhalten, doch ihm entglitt Frederics Robe, so dass er die Stufen rückwärts hinunter fiel.

Frederic erschrak, als er bemerkte, was passiert war. Es ging alles so schnell, dass er nicht mehr imstande war, David zu helfen.

Alles geschah wie in Zeitlupe für David. Er merkte noch, wie er mehrmals auf die harten Steintreppen aufschlug, bis ihm schließlich völlig schwarz vor Augen wurde und er das Bewusstsein verlor.

Frederics Herz klopfte wild und sein Gesicht wurde blass, als er die Treppen hinunter und David reglos unten liegen sah. „Scheiße..." Sein Freund sah ihn im gleichen Moment genauso erschrocken an. „Oh shit! Was machen wir jetzt?!? Der macht nichts mehr!" Panik stieg in den beiden Slytherins auf. So weit hatten sie es nicht kommen lassen wollen.

Noch für einen Moment unsicher, was sie jetzt tun sollten, entschlossen sie sich schließlich beide dazu, erst einmal abzuhauen, bevor noch jemand vorbeikommen und sie beide sehen würde. Dann wäre nämlich Ärger vorprogrammiert.

Kurze Zeit später kamen auch schon die ersten Schüler, eine kleine Gruppe Erstklässler, zur Treppe. Sie scharten sich um den leblosen David und sahen sich gegenseitig etwas ratlos an, weil sie nicht genau wussten, was sie nun tun sollten.

Snape kam indes gerade von Dumbledores Büro und war auf dem Weg zurück zu seinem, als er sich dem Ort des Geschehens näherte.

Als er die Menschentraube am Fußende der Treppe sah, beschleunigte er schon seine Schritte. Irgendetwas konnte hier nicht stimmen. „Aus dem Weg", blaffte er schließlich, als er näher kam. Die Erstklässler stoben auch sofort ein wenig auseinander, als sie ihren grimmigen Zaubertränkelehrer kommen sahen. Wenn sie eins schon gelernt hatten, dann war es das, dass es nicht klug war, sich mit Professor Snape anzulegen. Als dieser David regungslos auf dem Boden liegen sah, beschlich ihn sogleich ein ungutes Gefühl.

„Da ich nicht davon ausgehe, dass irgendjemand der hier Anwesenden schon einen Lehrer oder Madam Pomfrey informiert hat, 10 Punkte Abzug für jeden wegen unterlassener Hilfeleistung und dummem Herumstehens." Er zückte seinen Zauberstab und beschwor eine Trage. „Und wer in fünf Sekunden noch immer hier steht, der bekommt noch einmal 20 Punkte Abzug, wegen Gafferei", schnarrte er weiter mit drohendem Unterton. Dies ließen sich die Schüler nicht zweimal sagen und waren in Nullkommanichts verschwunden.

Snape belegte David mit einem Klammerfluch, damit er unbeweglich war und bugsierte ihn schließlich per Magie auf die Trage. Danach machte er sich schleunigst mit ihm auf den Weg in den Krankenflügel, denn mittlerweile hatte er entdeckt, dass der Junge aus dem Ohr blutete.

Er war kein Heiler, doch wusste Snape, dass dies nichts Gutes zu bedeuten hatte.

Nachdem er David in die Obhut einer besorgten Madam Pomfrey gegeben hatte, machte er sich sogleich erneut auf den Weg zu Dumbledore, um ihm von diesem schweren Unfall zu berichten. Anschließend ging er in sein Büro, nicht ohne ein seltsam ungutes Gefühl in der Magengrube. Er war zwar kein Freund Davids, dennoch machte er sich gerade irgendwie Sorgen. Denn er war schließlich nicht nur Gryffindor, sondern auch Amandas Bruder. (A/N: aha...und da macht er sich Sorgen?!)

In seinem Büro angekommen, erwartete ihn schon eine Eule mit einem Paket.

Snape fragte sich, wer ihm etwas schicken würde. Obwohl heute sein Geburtstag war, erwartete er keine Zuwendungen. Doch als er die Adresse las, erkannte er, von wem die Sendung war. Es war Amandas Schrift.

Während er sich hinter seinen Schreibtisch setzte, riss er das Päckchen auf und was daraus zum Vorschein kam, konnte er erst nicht glauben. Etwas verdutzt betrachtete er das in dunkles Leder eingebundene Buch, welches er nun in den Händen hielt. Vorsichtig strich er über den alten Einband und öffnete es, nur um sich noch einmal zu vergewissern, dass ihn seine Augen nicht trügen

Amanda musste verrückt sein, dachte er schließlich. Wieso schenkte sie ihm so ein teures Geschenk, wo sie doch keinen privaten Kontakt mehr zueinander hatten und wo sie doch einen neuen Freund hatte? Snape presste bitter ein wenig die Lippen aufeinander und betrachtete das Buch noch einmal gedankenverloren von allen Seiten. Er konnte dieses Geschenk nicht annehmen.

Kurze Zeit später zog er ein Blatt Pergament aus einer seiner Schreibtischschubladen und begann zu schreiben.

Hallo Amanda,

ich bin normalerweise kein Mensch falscher Bescheidenheit und ich weiß dein Geschenk zu schätzen, doch ich fürchte, ich kann es nicht annehmen.

Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass mir dieses Buch sehr gefällt, aber es ist Unsummen wert. Wieso schenkst du mir so etwas?

Gruß, Severus

P.S.: Wo ich dir schon schreibe…

Es dürfte dich interessieren, dass dein Bruder seit heute verletzt im Krankenflügel liegt. Madam Pomfrey sah nicht besonders erfreut aus, als sie ihn zu Gesicht bekam. Offensichtlich etwas schwerwiegenderes. Da ich aber nicht sein Hauslehrer bin, weiß ich nichts Genaueres.

Als er geendet hatte, schickte er den Brief umgehend per Eule weg.