In dem Raum war es dunkel und still. Nur ein leises Piepen des Sicherheitssensors bei der Türe war zu hören und das Rascheln der Leintücher, wenn er sich im Bett umdrehte. Angelus Palmer setzte sich auf und tastete vorsichtig nach dem Becher mit Tee, den die Pflegerin ihm jeden Abend auf dem Nachttisch bereitstellte. Es ging ihm schon viel besser, nur die scharfen Sicherheitsmassnahmen gaben dem Mann das Gefühl, mehr überwacht als bewacht zu werden. Das magische Armband an seinem Handgelenk, das rund um die Uhr alle seine Vitalfunktionen aufzeichnete und an den zuständigen Heiler der Station weitergab, war nur eines dieser Dinge.

Nun immer noch besser, wenn man dabei gepflegt wird, fand Angelus und legte sich nach ein paar Schlucken Tee wieder hin.

Im Vorzimmer und im Büro der Krankenstation war nur wenig Personal, da es auch nur zwei Patienten zu betreuen gab.

Der heute frisch operierte Richter schlummerte friedlich in seinem Bett und wachte nur hin und wieder auf, wenn die Narbe am Bauch zwickte. Eben hatte er sich in eine etwas bequemere Position gedreht, da bemerkte er im Dämmerschein des kleinen Nachtlichtes, dass sich die Zimmertüre lautlos einen Spalt öffnete. Es trat aber niemand ein. Nur ein Zauberstab tauchte aus dem Nichts auf, zielte auf den Sicherheitssensor dessen Kontrolllampe erlosch und zugleich stieg leichter Rauch von dem Gerät auf.

Es war kein Mensch zu sehen, als die Türe nun ganz aufschwang und sich leise wieder schloss. Der Richter war in höchster Alarmbereitschaft, doch blieb er ganz ruhig, denn sobald er schrie, würde der Eindringling ihn sofort zum Schweigen bringen. Vielleicht bekam er die Chance, die Person zu sehen und konnte noch rechtzeitig Gegenmassnahmen ergreifen. Sich schlafend stellen half ihm Zeit zu gewinnen, einen Plan zu schmieden und gab dem anwesenden Personal die Möglichkeit den Einbruch zu bemerken.

Der Zauberer, der unheimlich geschickt aber auch mit viel Glück bis zu seinem Opfer vorgedrungen war, musste weiterhin sehr vorsichtig sein. Die Tat sollte nicht hier geschehen, der Richter musste betäubt und dann fortgebracht werden. Ganz ähnlich sollte er auch den zweiten Mann, diesen Gärtner hier rausschaffen. Zuerst aber musste der hagere Räuber den Richter erfolgreich entführen. So wie es aussah, schlief der Kerl tief und war ohnehin geschwächt. Langsam schritt der Magier auf das Bett zu, während er seinen Zauberstab wieder wegsteckte. Das Armband, welches auch der Richter trug, würde sofort Alarm auslösen, wenn schädigende Magie an dem Patienten angewandt würde. Also musste der potenzielle Entführer auf andere Methoden zurückgreifen.
Ollerton konnte die Arme, Unterkörper und Beine des Eindringlings sehen, als dieser unachtsam den Tarnumhang zurückschlug.

Mit einer Hand kramte der Angreifer nach dem mit Betäubungsmittel getränkten Tuch in seinem Beutel. Die andere Hand führte er an dem Gesicht des liegenden Mannes vorbei und schob sie bei der Schulter unter den Hals, um Ollerton im Nacken zu packen und ihm dann das Tuch auf Mund und Nase zu drücken.

Dem diensthabenden Heiler fiel vor Schreck die Schreibfeder aus der Hand, als ein markerschütternder Schrei durch die ganze Station hallte. Sämtliche Sicherheitsleute, die Heiler und auch die Pfleger rannten zu dem Zimmer, aus dem der Tumult kam.

Der Anblick war verstörend und für das Pflegepersonal entsetzlich.
Ein halb sichtbarer Zauberer hüpfte und tanzte wie irr im Zimmer, wedelte mit einem Tuch durch die Luft, das fürchterlich nach Chloroform stank und schlug nach dem Patienten, der den Arm des Einbrechers zwischen den Zähnen hatte. Ollerton liess nicht los, auch wenn er nicht alle Schläge abwehren konnte und durch das Gezerre des Fremden schon halb aus dem Bett gefallen war.

Die Auroren stürzten sich auf den zeitweise sichtbaren Angreifer und fesselten ihn so gut es ging.

Es brauchte einiges an gutem Zureden des behandelnden Heilers, bis der aufgewühlte, nervlich überreizte Richter locker liess und den Mund öffnete.

Schnell wurde der jammernde Eindringling aus dem Zimmer gebracht und der Heiler schob seinen Patienten vorsichtig wieder ins Bett. Mit behutsamem Abtasten untersuchte der Mediziner die Kiefergelenke, den Mund und auch den Bauch auf Verletzungen. Wie schnell konnte bei so einem Gerangel die Narbe wieder aufreissen. Während der Untersuchung sprach der Heiler beruhigend auf Grifford ein, damit dieser seine Vertrauensperson auch an der Stimme wiedererkennen konnte.

Zum Glück war nichts Gravierendes passiert. Der nervöse Mann liess sich auch einen Tee mit beigemischtem Beruhigungsmittel einflössen.

Erleichtert atmeten die Pfleger auf, als ihr Patient sich nach Eintreten der Wirkung langsam wieder entspannte.

Im Vorzimmer hörte man noch den Übeltäter aufjaulen, als die Bisswunde schonungslos mit purem Alkohol desinfiziert und er dann abgeführt wurde.

„Sie kann man auch keine fünf Minuten alleine lassen, um ein paar Eintragungen zu machen, schon haben Sie wieder Ärger am Hals", meinte der Heiler seufzend und deckte den jungen Mann zu.

„Aber diesmal habe ich gewonnen!", antwortete der Patient mit einem triumphierenden Lächeln.

Weit weg vom St. Mungos in London, im Dorf Arundel verliess ein dunkler Geselle ein Lebensmittelgeschäft und huschte verstohlen durch die Gassen aus dem Dorf. Er war jedoch kein Dieb, sondern hatte für alles, was er bei sich trug, artig bezahlt. Es sollte eine Überraschung werden, was der dunkel gekleidete Herr mitbrachte. Hatte er sich doch Mühe gegeben, alles geheim bestellt und mit dem Lebensmittelhändler den Abholtermin nach Einbruch der Dunkelheit ausgehandelt. Jetzt war der Fürst nach seinem Einkauf schwer beladen unterwegs zum Tower, denn er hatte eine Verabredung einzuhalten. Kaum war er ausser Sicht, schwang er sich in die Luft. Mit kräftigen Flügelschlägen kam er gut voran und verschwand wenig später im Gästehaus.

In der Eingangshalle war es ruhig, nur Pförtner Raphael war zugegen. In alter Manier verbeugte er sich vor seinem hohen Herrn und rief nach einem der Pagen. Jamie eilte hastig aus den Gesinderäumen hinaus in die Halle, wo der dicke Teppich seine Schritte dämpfte. Der Fürst hob die Hand, um seine eifrigen Helfer zu bremsen. Durch die gebieterische Geste verunsichert, traten beide Bediensteten zur Seite und senkten ehrerbietig ihre Köpfe.

„Meine Herren, den Korb trage ich selbst. Meinen Umhang nehme bitte der Page zu sich und hänge ihn nicht in die Garderobe. Sie brauchen auch niemanden über meine Ankunft zu informieren, ich bin rein privat hier."

Die beiden Männer folgten den Anweisungen und geleiteten den Fürsten auch in die gewünschten Räume im Erdgeschoss.

Die Bewohner des Gästehauses machten sich unterdessen bereit, um draussen spazieren zu gehen und den weitläufigen Naturpark aus der Luft zu erkunden. Eine Viertelstunde nach der Ankunft des Fürsten schritt Mizra die Treppen hinab und bewunderte die kunstvollen Gemälde. Unten in der Eingangshalle traf er auf die nette Lady, welche etwas verloren bei der Türe stand und wartete.

„Darf ich Ihnen mein Geleit antragen, edle Dame?", fragte er Lady Banks und verbeugte sich vor ihr. „Es wäre mir eine Freude, Ihnen Gesellschaft leisten zu dürfen."

Der Ägypter gab sich alle Mühe, mit gewählt höfischem Gebaren aufzutreten und auch möglichst akzentfrei Englisch mit der Dame zu sprechen. Auch wenn Mizra wusste, dass er kaum Chancen hatte, zeigte er Lady Banks dennoch, dass er sie sehr schätzte und gerne um sie werben würde.

„Ihren Antrag in Ehren, ich habe die Nachtstunden schon vergeben. Mir war auch, als wäre der erwartete Herr eingetroffen, doch ich muss mich bei dem Blick aus dem Fenster wohl getäuscht haben", erwiderte Maureen Banks. „Wenn Sie sich einen Augenblick gedulden, frage ich beim Personal nach. Wenn niemand gekommen ist, werde ich Sie gerne bei einem Rundgang um das Haus und die Ställe begleiten."

Mizra erklärte sich sofort einverstanden. Man sollte die Hoffnung nie aufgeben, es konnte sich immer noch zu seinen Gunsten wenden.

Geduldig wartete er neben der Eingangstüre, während Maureen bei den Kammerzofen nachfragte. Diese verwiesen sie jedoch zum Pförtner, der sich draussen vor dem Haus befand. Lady Banks musste auf dem Weg vor das Haus nahe an Mizra vorbei, nahm einen feinen Duft nach Sandelholz wahr und erwiderte das freundliche Lächeln des Ägypters. Gewiss, er war nett und sicher keine schlechte Wahl. Aber er konnte sie bisher nicht überzeugen, der Richtige zu sein.

Nach einigen Sekunden Blickkontakt mit Mizra, der sich offensichtlich über ihre Aufmerksamkeit freute, verliess sie das Haus. Pförtner Raphael druckste zwar zuerst etwas herum, dann gab er zu, den Fürsten heute Nacht schon gesehen zu haben.

„Warum können Sie mir nicht sagen, wo er jetzt ist?", fragte Maureen verwirrt. „Wie? Sie dürfen nichts sagen? Also gut, dann zeigen Sie es mir eben."

In seiner Bedrängnis gab Raphael nach und führte die Dame zurück ins Haus. „Nein nicht in den Salon, bitte hier entlang."

Wenig später waren sie an den Gesindekammern vorbei und standen neben dem Getränkelager. „Hier bitte schön", sprach der Pförtner und deutete auf eine Türe etwas links der Lagerräume.

Da Raphael keine Anstalten machte weiter zu gehen, öffnete Lady Banks selbst die Türe und spähte in den Raum.

Bei dem grossen Kochherd dampfte es aus zwei Pfannen, auf dem Tisch daneben stand der Weidenkorb, aus dem ein Bund Karotten herausragte und das Fleisch war in einer Schüssel mit Marinade eingelegt. Vor dem Tisch stand ein schwarzhaariger Mann mit Rüstmesser, der in dem Moment ganz auf das Kartoffelschälen konzentriert war. Maureen schmunzelte, Valerius in seiner Kochschürze beim Gemüse putzen war einfach einmalig. Offensichtlich wollte er seine Aufgabe besonders gut machen und hatte ihre Vorgabe weiter ausgelegt als nötig.

Leise zog Maureen die Türe wieder zu und beobachtete durch den Spalt noch eine Weile den Fürsten, der sich als Hausmann am Kochherd versuchte.

Auf dem Rückweg in die Halle nahm sie dem Pförtner das Versprechen ab, nicht zu verraten, dass sie in der Küche gewesen waren. Sie wollte László nicht die Überraschung verderben.

Mizra wartete noch immer, nach einem Blick in ihr Gesicht jedoch, wandte er sich mit einem Seufzen zum Gehen. Er hatte wohl erkannt, dass es mit dem gemeinsamen Spaziergang diese Nacht nichts werden würde.

Sorgsam legte Lady Banks die benötigten Utensilien für ihre Aufgabe auf einem Serviertischchen bereit und deckte alles mit einem Tuch zu. Sie war ja so gespannt, was sich ihr Freund damit wünschte.

Ein lautes Räuspern bei der Türe des Speisezimmers liess sie aufblicken. Hinter einem weissgedeckten kleinen Rollwagen stand ein Mann mit schwarzen Hosen, blauem Hemd und einer schwarzen Fliege. Lászlós Kleiderwahl passte wunderbar zu seinem schwarzen Haar und Maureen konnte ihn im ersten Moment nur schweigend anstarren. Wie viel besser gefiel ihr der englische Gentleman, als der Ägypter, welcher sie nur hier in England als Gleichgestellte behandelte. Auch wenn Mizra es nicht bemerkt hatte, war ihre Meinung in seinem Land oft zweitrangig. Manchmal hatte er Maureen gebeten, ein paar Schritte hinter ihm zu gehen, wie es sich für Frauen gehöre. Dies war allgemeine Tradition, genauso wie Frauen nicht alleine aus dem Haus gehen durften.

Das alles hatte wenig mit dem Gewand des Fürsten zu tun, mit seinem Verhalten aber schon. Er wartete höflich, bis sie sich von seinem überraschenden Auftauchen erholt hatte, und begrüsste sie mit einer galanten Verbeugung. Nie würde es ihm in den Sinn kommen, ihre Freiheit einzuschränken.

„Darf ich servieren, gnädige Frau?", fragte Valerius befangen und deutete von dem Rollwagen mit den Speisen zum gedeckten Tisch.

Natürlich bot er ihr nach ihrer Einwilligung auch den Arm, um sie an ihren Platz zu begleiten, rückte ihr den Stuhl zurecht und zündete die Kerzen an. Voller Spannung wartete Maureen bis Valerius den Deckel von der Serviceplatte hob und ihr sein Menu präsentierte.

„Oh, Rindfleischrouladen gefüllt mit Feigen und so viel leckeres Gemüse", rief sie erfreut. Valerius atmete erleichtert aus, er hatte offensichtlich die richtige Wahl getroffen.

Während die Lady von den Speisen kostete, sass der Fürst ihr gegenüber, verschränkte die Hände und schaute nur. Maureen beobachtete Valerius, der versonnen lächelnd am Tisch sass und sich selbst gar nichts auf den Teller legte.

„An was denkst du gerade?", fragte die junge Frau und ass weiter von der fruchtigen Fleischroulade.

„An Kinder und eine Gartenbank vor dem Haus", antwortete László frei heraus, noch bevor er überlegen konnte, was er da sagte.

„Aha Kinder", murmelte Maureen etwas verdutzt. Eigene Kinder konnte er wohl nicht meinen, da Vampire keine haben konnten. „Wie kommst du denn auf eine Gartenbank und vor welchem Haus würde die stehen?"

„Es ist so schön ruhig hier und keiner stört. Wo ich die Gartenbank sehe, weiss ich noch nicht. Ich überlege gerade, wo das gemütliche Plätzchen war, an das mich die Gartenbank erinnert."

„Würde es dich stören, wenn du nicht mehr im Schloss wohnen würdest?", fragte Maureen interessiert an den Gedanken des Fürsten, die anscheinend gar nicht weit von ihren eigenen Plänen weg waren. Um ihn daran zu erinnern, dass er eigentlich für zwei gekocht hatte, schob sie ihm die Schüssel näher an seinen Teller.

László überlegte kurz und nahm sich endlich auch eine Portion.

„Hm, nein dies würde mich nicht stören, ich muss ja nur dort sein, wenn ich Verwaltungsaufgaben zu tätigen habe oder eine Audienz abzuhalten ist. Warum fragst du?", wollte Valerius neugierig wissen.

„Mir würde das Forsthaus oder ein ähnliches Haus am Waldrand als zukünftiges Heim sehr gefallen."

„Ah, das Forsthaus, bei welchem wir uns damals so oft verabredet hatten", erwiderte ihr Freund schmunzelnd. „Das war wohl auch das Haus, vor welchem ich in Gedanken die Gartenbank platziert habe."

Der Fürst begann zu essen und fuhr nach einigen Bissen fort: „Ein gemeinsames Haus an einem ruhigen Ort, das würde mir auch gefallen. In meinem Turmzimmer habe ich lange genug gelebt, gegen einen Tapetenwechsel hätte ich jetzt nichts einzuwenden."

„Ein neues Heim ohne Diener und Gesinde?", vergewisserte sich Maureen atemlos. Sie konnte es kaum glauben, das Valerius seinen Lebensstil, den er Jahrzehnte lang gewöhnt war, aufgeben wollte, um mit ihr zusammenzuleben.

„Natürlich ohne Diener und ohne Gesinde", meinte Valerius und schenkte sich etwas Wein ein. „Mich waschen und anziehen kann ich selbst und kochen kann ich wie es aussieht auch ohne Hilfe. Schmeckt es?"

„Es schmeckt sehr lecker." Maureen nickte und nippte an dem Wein.

„Woran denkst du gerade?", gab Valerius die Frage zu Beginn des Gespräches zurück.

„Bleib sitzen, schliesse bitte deine Augen und lass die Hände auf dem Tisch", antwortete die junge Frau mit geheimnisvollem Lächeln.

Der Fürst blickte sie zuerst neugierig an, dann schloss er aber wie gewünscht die Augen.

Leise hörte er sie aufstehen und neben ihn treten. Noch immer rätselnd, was sie wohl vorhaben könnte, zuckte Valerius leicht zusammen, als er eine Berührung seiner Lippen spürte. Im Reflex hob er seinen Arm, doch sofort drückte Maureens Hand diesen zurück auf den Tisch.

„Sch sch", murmelte seine Freundin beruhigend und wieder liebkosten ihre Lippen die seinen. Das berauschende Gefühl, ganz behutsam geküsst zu werden, und das sanfte Streicheln seiner Wange ging ihm durch und durch. László genoss jede Sekunde und merkte gar nicht, wie Maureen eine Hand auf seine Brust legte, um seinen Herzschlag zu spüren. Es schien eine Ewigkeit, bis die wunderbaren Berührungen endeten und der Fürst die Stimme seiner Freundin vernahm.

„László", rief sie leise, wie um ihn aus seiner glückseligen Trunkenheit zu wecken. Benommen öffnete er die Augen und sah Maureen noch immer dicht neben sich stehen. Ihre Wangen waren gerötet und ihre Augen strahlten vor Freude, als sie weitersprach.

„Ja, László, ich freue mich auf eine gemeinsame Zukunft mit dir."

Valerius war froh, in diesem Moment schon zu sitzen, sonst hätte ihn die frohe Botschaft seiner Liebsten gewiss von den Füssen gehauen. Er musste gewiss auch strahlen und offenbar hatte er sogar Tränen in den Augen, da Maureen gerührt ihr Taschentuch nahm und ihm die Augen abtupfte. Gesagt hatte Valerius die ganze Zeit nichts, ihm fehlten vor Glückseligkeit einfach die Worte.

Es dauerte eine ganze Weile, bis das Paar ihr Gespräch weiterführte.

„Da ich nicht weiss, was du vorhin mit den Kindern genau gemeint hast, vermute ich mal, dass du hin und wieder gerne Gesellschaft von jungen Leuten hättest", versuchte die junge Dame die Zukunftspläne des Fürsten zu erforschen.

„Das kommt meinem Wunsch schon ziemlich nahe. Es gibt da einen jungen Mann, an dessen Gesellschaft mir sehr viel liegt. Der junge Bursche hat keine Furcht vor Vampiren, im Gegenteil, er interessiert sich sehr für unsere Art. Die Möglichkeit, dass er zu gegebener Zeit in unsere Welt der Nacht eintreten möchte, ist nicht undenkbar. Ich hätte ihn dann gerne an meiner Seite, wenn du nichts dagegen hast."

Seine Freundin nahm sich die Zeit, um diese Entwicklung zu überdenken. „Also er würde dann dein neuer Bruder? Wie alt ist der Bursche denn? Kenne ich ihn vielleicht schon?"

„Merllano ist einundzwanzig Jahre alt, wie er mir mal sagte", antwortete ihr der Fürst. „Ich sehe ihn nicht unbedingt als Bruder, eher als einen Sohn. Kennen wirst du ihn noch nicht, aber ich werde ihn dir gerne vorstellen."

„Das ist eine gute Idee. Es ist besser wir lernen uns alle kennen, bevor wir eine solche Entscheidung fällen. Aber jetzt hätte ich gerne gewusst, was ich für eine Aufgabe habe, nach dem wir dein romantisches Candlelight Dinner genossen haben."

Valerius stutzte einen Moment, bevor ihm wieder einfiel, dass er ihr auch eine Aufgabe gestellt hatte.

„Ich hätte gerne eine Herrenweste wie auf diesem Bild." Der Prospekt, den er Maureen reichte, zeigte Kleider für Abenteurer und Safari-Reisende.

„Hm, deine Weste hier ist aber nicht höfisch und fürstlich schon gar nicht", meinte die Vampirin zweifelnd. „Du meinst wirklich die Trekkingweste mit den Taschen und den kleinen Schnallen auf der Seite?"

„Wenn ich etwas Höfisches wollte, könnte ich zu meinem Schneider gehen. Der aber kann dieses interessante Design nicht hervorbringen. Eher schneidere er mir ein Spitzennachthemd als so wildes Zeug, sagte er."

Die Lady gegenüber von Valerius hielt sich die Hand vor den Mund, um nicht laut zu lachen. Allein schon der Gedanke an László im Spitzennachthemd war äusserst amüsant.

„Eine Trekkingweste aus Seide", präzisierte sie Lászlós Wunsch. „Na dann steh mal auf."

Valerius kam der Aufforderung nach, beobachte seine Freundin, wie sie zu dem zugedeckten Serviertisch ging und mit einem Stock zurückkam.

„Ich glaube, ich fange bei dem Schwierigsten an", sprach sie mit sich selbst und trat hinter den Fürsten. Dieser begann wenig später zu lachen und mit den Flügeln zu zucken.

„Halte still sonst wird es ungenau", murrte Maureen, musste aber auch grinsen.

„Ich kann nicht, es kitzelt", verteidigte sich der Fürst und lachte wieder, als Maureen mit dem Zollstock versuchte, für die Weste Mass zu nehmen. Endlich war es dann geschafft und die abgemessenen Werte notiert. Das Schnittmuster zeichnen und die Weste dann nähen, das wurde auf eine andere Nacht verschoben.