Bei diesem Kapitel gibt es gleich am Anfang eine Szene, zu der mich ein Roman inspiriert hat, den ich vor langer Zeit gelesen habe. Vielleicht erkennt auch jemand die Szene wieder. Wer draufkommt kriegt hundert Punkte! :D
Viel Spaß beim Lesen!
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Kapitel 51Es dämmerte bereits als Snape erwachte. Zuerst befand er sich noch einige Sekunden in der Übergangsphase zwischen Schlaf und Wachzustand, in welcher der Verstand zwar funktioniert, aber nicht richtig zwischen Traum und Wirklichkeit unterscheiden kann.
Irgendetwas war anders als sonst. Sofort war er hellwach.
Einen Augenblick später war im klar, was das ‚Irgendetwas' war und er wandte den Kopf in die Richtung, in der ‚Es' sich befand.
Scheinbar friedlich schlafend lag Hermine neben ihm. Sie hatte sich mit angezogenen Beinen auf die Seite gerollt und eine Hand unter ihr Gesicht geschoben, das zum Teil von ihren Locken verdeckt war, während sie mit der anderen... war das denn die Möglichkeit? Mit der anderen umklammerte sie sein Handgelenk. Sie hielt ihn sogar im Schlaf fest?
Er beugte sich zu ihr hinüber und strich ihr behutsam das Haar aus dem Gesicht. Tatsächlich – sie schlief! Nachdenklich betrachtete er ihre entspannten Züge. Sie sah aus wie ein Engel. Dass sie beileibe keiner war, wusste er, und das nicht erst seit gestern, aber trotzdem berührte ihn das unschuldige Bild. War es nicht doch moralisch verwerflich, was er hier tat? Sie war so jung und das Leben hielt mit Sicherheit einige Dinge für sie bereit, die geeigneter waren, sie glücklich zu machen, als ausgerechnet eine Beziehung mit ihm. Aber für diese Überlegung war es definitiv zu spät. Er konnte nicht zurück, ohne sie erheblich zu verletzten und auch sich selbst, denn - da machte er sich nichts vor, zumindest wenn er mit seinen Gedanken alleine war – auch er hatte Gefühle für diese Frau entwickelt, die nicht zu ignorieren waren. Der Gedanke, wieder ohne sie zu sein, fühlte sich beängstigender an, als der an ihre ständige Nähe, der ihm allerdings ebenfalls zu schaffen machte.
Sein Blick glitt von ihrem Gesicht zurück zu ihrer Hand. Er würde bestimmt nicht wieder einschlafen können, solange sie ihn festhielt. Vorsichtig versuchte er ihre Finger von sich zu lösen, mit dem Effekt, dass sie ihn leise im Schlaf seufzend auch noch mit der zweiten Hand umklammerte und seinen ganzen Unterarm näher zu sich herzog.
„Hey! Ich bin doch kein verdammter Teddybär", brummte Snape verdrießlich.
Gleich darauf bereute er seine Unbeherrschtheit, denn Hermine blinzelte ihn kurz und völlig verschlafen an, lächelte und rutschte noch näher an ihn heran. Dabei schlang sie nun auch noch einen Arm um seine Brust, legte ihr Bein über ihn und platzierte ihr Knie genau auf seinem Schoß. Das Ungeheuerliche dabei war aber – sie schlief danach einfach weiter. Wie machte sie das nur? Sie hatte doch auch jahrelang alleine im Bett gelegen – warum störte sie die ungewohnte Zweisamkeit nicht genauso wie ihn?
Leise seufzend fügte Snape sich in sein Schicksal. Eigentlich fühlte sich ihr warmer weicher Körper so nah an seinem sehr gut an, ganz zu schweigen von dem, alles andere als unangenehmen, leichten Druck ihres Knies auf seine Genitalien. Er drehte den Kopf, vergrub sein Gesicht in ihren Haaren und atmete tief ihren verlockenden Duft ein.
Gerade als ihn der Schlaf wieder eingeholt hatte und noch dazu am Anfang eines äußerst angenehmen Traumes, rutschte Hermines Knie hoch und drückte empfindlich auf seine Blase.
„Verdammter Mist!", fluchte Snape leise, der sofort wieder hellwach war.
Er drückte das Knie wieder nach unten und schloss die Augen in der Hoffnung, gleich wieder einschlafen und vor allem weiterträumen zu können. Schon kurz darauf öffnete er sie wieder. Es half nichts – er musste raus und sich erleichtern.
Vorsichtig befreite er sich von Hermines Gliedmaßen und rollte sich aus dem Bett.
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Als er von der Toilette zurückkam und das Schlafzimmer wieder betrat, war Hermine wach.
„Wo warst du?", fragte sie, streckte sich gähnend und lächelte ihn dann an. „Ich kann nicht schlafen, wenn du nicht da bist."
Das schlug doch wohl dem Fass den Boden aus! Snape stemmt die Hände in die Hüften und sah mit funkelnden Augen auf sie herab.
„Und ICH kann nicht schlafen, WENN du da bist", knurrte er.
Mit großen verständnislosen Augen sah Hermine zu ihm hoch.
„Soll ich gehen?", fragte sie dann mit einem so dünnen, mitleiderregenden Stimmchen, dass die Gewissensbisse ihn ansprangen, bevor er sich dagegen wappnen konnte.
„Rutsch rüber!", sagte er barsch. „Das Bett ist über zwei Meter breit – es dürfte Platz genug für uns beide bieten, wenn du vielleicht davon absehen würdest, dich unmittelbar an mich zu kletten."
Hermine schnappte nach Luft und starrte ihn einen Moment lang mit offenem Mund an, dann rutschte sie auf die andere Seite des Bettes hinüber und drehte im ohne einen weiteren Kommentar den Rücken zu.
„Na also – geht doch", brummte Snape und stieg ebenfalls wieder zurück ins Bett.
Nach einer Weile warf er einen prüfenden Blick zu Hermine hinüber und stellte fest, dass ihre Schultern zitterten. Misstrauisch rückte er ein wenig näher und vernahm einen verdächtigen, unterdrückten Laut. Bei Merlin – das durfte doch nicht war sein. Seine Ambitionen im frühen Morgengrauen eine weinende Frau zu trösten, waren gleich null. Doch sein Gewissen schlug erneut zu – er konnte gar nicht anders, als sich um sie kümmern.
Seufzend rutschte er zu ihr hinüber und legt ihr die Hand auf die Schulter.
Sie erstarrte und das leise Geräusch verstummte.
„Hermine?", sagte Snape in halbwegs versöhnlichem Ton.
Die Reaktion war ein ersticktes Wimmern.
Er verstärkte den Griff an ihrer Schulter und drehte sie zu sich herum.
„Hermine, nun komm schon! Ich habe es..." Er verstummte und sah sie ungläubig an.
Sie weinte nicht – das unverschämte Weib lachte - und als sie sein Gesicht sah, verstärkte sich ihr unpassender Heiterkeitsausbruch auch noch.
„Darf ich fragen, was dich so erheblich amüsiert?", fragte Snape unter heftigem Einsatz seiner Augenbrauen.
„Du!", lachte Hermine. „Du bist wirklich unmöglich! Da verbringen wir unsere erste Liebesnacht miteinander, die Laken sind noch zerwühlt, von unserer leidenschaftlichen Vereinigung und du scheuchst mich ans andere Ende des Bettes. Das ist wirklich romantisch, Severus!"
„Tzzz - romantisch!", schnaubte Snape und schüttelte missbilligend den Kopf.
„Schade eigentlich, dass ich das niemandem erzählen kann", sagte Hermine sinnierend.
Snapes Miene machte auch ohne begleitende Worte deutlich, dass er in diesem Punkt völlig anderer Meinung war.
„Ich tu's natürlich nicht", sagte Hermine grinsend, „aber es wäre sicher ein ‚Ankommer'."
„Sehr witzig!", knurrte Snape. „Hast du eigentlich tatsächlich ernsthaft in Erwägung gezogen, ich wäre auch nur ansatzweise romantisch veranlagt?", fügte er finster hinzu, wobei er das Wort ‚romantisch' aussprach, als handle es sich hierbei um etwas Anrüchiges.
„Nein, natürlich nicht!", sagte Hermine und sah ihn, den Kopf auf den Ellenbogen gestützt, mit einem offenen Lächeln an. „Ich weiß genau, dass es schon sehr viel bedeutet, dass du mich nicht tatsächlich rausgeschmissen, sondern nur ans andere Ende des Bettes verbannt hast."
Snape warf ihr einen anerkennenden Blick zu.
„Komm wieder her!", sagte er versöhnlich und streckte einladend die Hand nach ihr aus.
„Nein! Ich werde nicht wieder kletten", sagte Hermine mit leiser Entrüstung. „Wo du doch nicht schlafen kannst, wenn ich das tue."
„Vielleicht will ich ja gar nicht mehr schlafen", sagte Snape mit dunkler, seidenweicher Stimme. „Komm her!"
„Nein!", sagte Hermine energisch. „ICH will nämlich schlafen und das kann ich nicht, wenn ich ein schlechtes Gewissen habe, weil ich dich durch meine Aufdringlichkeit um deine wohlverdiente Nachtruhe bringe."
Sie lächelte ihn noch einmal lieblich an und drehte ihm dann den Rücken zu.
„Gute Nacht, Severus", flötete sie. „Schlaf schön!"
„Gute Nacht, Miststück!", murmelte Snape.
„Oh – was für ein hübscher Kosename", sagte Hermine ohne sich umzuwenden. „Du bist ja doch romantisch."
Er gab einen leicht gereizten Grmpf-Ton von sich und anschließend trat für ein paar Minuten Stille ein.
Hermine hatte schon begonnen zu überlegen, ob er tatsächlich wieder eingeschlafen sein könnte, als sie etwas rascheln hörte, die Matratze sich bewegte, Snapes Arm sich von hinten um sie legte und sie seinen warmen Atem im Nacken spürte.
Sie streckte die Hand nach hinten aus und tastete prüfend über seine Flanke.
„Beim Barte des Merlin – eine Klette", sagte sie mit bedeutungsschwangerer Stimme.
„Es ist ungeheuerlich, wie frech du bist", raunte Snape ihr ins Ohr. „Ich fürchte, dagegen muss ich etwas unternehmen."
Sie spürte etwas Hartes an ihren Po drücken, während Snapes Hand von vorne zwischen ihre Beine rutschte.
„Bist du sicher?", fragte Hermine und rieb sich dabei aufreizend an ihm. „Ich kann schließlich nicht verantworten, dass du nachher völlig entkräftet zum Unterricht erscheinst."
„Das lass mal meine Sorge sein", sagte Snape.
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Als er das nächste mal erwachte – zur selben Zeit wie jeden Morgen - lag Hermines Kopf auf seiner Brust, ihr Arm umschlang seine Taille und eines ihrer Beine war um das seine gewickelt.
„Kletten sind harmlos, gegen dich, Weib", brummte er leise und versuchte sich so vorsichtig aus ihrer Umklammerung zu befreien und aus dem Bett zu steigen, dass sie nicht erwachte, was ihm natürlich nicht gelang.
„Guten Morgen, Severus", murmelte Hermine verschlafen und sah mit halbgeöffneten Augen zu ihm hoch. „Müssen wir schon aufstehen?"
„Es eilt noch nicht direkt, aber wo du schon mal wach bist...", sagte Snape. Sein Blick machte klar, dass er sie nun loswerden wollte.
„Nimmst du mich noch mit unter die Dusche, bevor ich gehe?", fragte Hermine mit einem Lächeln und setzte sich auf.
„Nein!", sagte Snape missbilligend.
„Schade!", sagte Hermine. Sie erhob sich, trat auf ihn zu und umarmte ihn was er zwar zuließ und dann ebenfalls tat, allerdings nur sehr flüchtig.
„Na komm schon", sagte er ungeduldig. „Mach, dass du in dein Zimmer zurückkommst, bevor noch jemand auf die Idee verfällt, am Morgen bei dir reinzuschauen und du verdächtigerweise nicht da bist."
„Begleitest du mich zum Kamin?", fragte Hermine und schmiegte sich an ihn.
„Ja!", sagte Snape knapp. Er hakte ihren Arm unter den seinen und ging mit ihr im Schlepptau zur Schlafzimmertür hinaus und bis vor den Kamin. Er hob ihr Kleid auf, das noch vom Vortag dort lag und zog es ihr mit ein paar Handgriffen über den Kopf und die erhobenen Arme, während sie in ihre Schuhe schlüpfte.
„Abmarsch!", sagte er und tätschelte auffordernd ihren Hintern.
„Das war nun wieder nicht sehr romantisch", sagte Hermine grinsend.
„Hätte ich dir vielleicht einen roten Teppich ausrollen sollen und Blumen vor die Füße streuen?", knurrte Snape.
„Könnte es sein, dass du am Morgen gewöhnlich nicht all zu gut gelaunt bist?", fragte Hermine lächelnd, während sie ihren Umhang von der Stuhllehne nahm und sich unter den Arm klemmte.
„Schon möglich!", brummte Snape der nicht einsehen wollte, was es um diese Uhrzeit andauernd zu lächeln gab.
„Bis dann!", sagte Hermine und streckte sich um ihm einen kurzen Kuss zu geben, den er leicht unwillig erwiderte.
Sie warf das Flohpulver in den Kamin, trat hinein und verschwand.
Erst unter der Dusche fiel Snape auf, dass sie nicht einmal gefragt hatte, wann sie sich wiedersehen würden.
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Als Hermine in ihrem Zimmer aus dem Kamin trat, lächelte sie immer noch. Allerdings verwandelte sich dieses Lächeln Sekunden später ihn stummes Entsetzen.
Auf der Kante ihres Bettes saß mit kerzengeradem Rücken Direktorin McGonagall und blickte ihr unheilvoll entgegen. Sie sagte kein Wort, sondern zog nur indigniert die Brauen hoch, während ihr strenger Blick Hermine von oben bis unten sezierte.
Hermine wurde heiß und kalt zugleich.
Was mochte sie wohl für einen Anblick abgeben in ihrem Kleidchen und den zerzausten Haaren. Sah man ihr an, dass sie geküsst und leidenschaftlichen Sex gehabt hatte? Trugen ihre Handgelenke vielleicht Spuren von Severus Fingern? Sie wagte es nicht, nachzusehen und damit womöglich erst McGonagalls Augenmerk darauf zu lenken.
„Dürfte ich vielleicht erfahren, wo Sie um diese Zeit herkommen, junge Dame?", fragte die Schulleiterin leise aber scharf. Dass sie nicht das vertraute Du verwandte, mit dem sie Hermine für gewöhnlich ansprach, verdeutlichte anschaulich ihre Verärgerung.
„Äh – es tut mir leid, aber dazu möchte ich bitte gerne die Aussage verweigern", sagte Hermine entschuldigend.
McGonagalls Lippen mutierten zu einem dünnen Strich.
„Das werden Sie nicht tun!", sagte sie scharf.
Hermine warf ihr einen verzweifelten Blick zu.
„Bitte, Professor McGonagall – ich kann nicht", sagte sie kläglich.
McGonagall seufzte vernehmlich.
„Komm mal her zu mir", sagte sie dann und ihr Zorn schien mit einem Mal verpufft zu sein. Einladend klopfte sie neben sich auf die Matratze. „Setz dich!"
Hermine ging zögernd auf sie zu und nahm neben ihr platz.
„Ich will dich nicht quälen, Hermine", fuhr McGonagall fort, „aber ich bin für dich verantwortlich und dieser Verantwortung werde ich auch nachkommen. In der Nacht, als wir dich gesucht haben, weil du nach Mitternacht nicht in deinem Zimmer warst und der Alarm deshalb losging, habe ich einen weiteren Sicherheitszauber auf dein Zimmer gelegt, weil ich mir schon dachte, dass du den Hauptalarm wieder irgendwie überlisten würdest. Durch den Zauberspruch, mit dem ich damals dein Bett versehen habe, wurde ich heute Morgen darauf aufmerksam, dass du es die ganze Nacht nicht benutzt hast, was mich zu einem spontanen Besuch hier veranlasste. Allerdings hatte ich erwartet, dass du durch die Tür zurückkommen würdest. Der Weg, auf dem du tatsächlich zurückgekehrt bist, beantwortet eigentlich im Grunde schon die erste meiner Fragen – denn ein Schüler hätte einen komplizierten Zauber wie die Einrichtung dieses Kamin sicher nicht anwenden können."
Sie warf Hermine einen aufmunternden Blick zu, doch diese schwieg beharrlich.
„Hast du die Nacht bei Professor Snape verbracht?", fragte McGonagall nun direkt.
Hermine schluckte und wurde rot, doch sie sagte kein Wort. Ihre Gedanken drehten sich im Kreis – wenn McGonagall sie nun auffliegen ließ und Severus Schwierigkeiten bekam, war ihre Beziehung, die doch gerade erst begonnen hatte, erheblich in Gefahr. Das durfte doch einfach nicht wahr sein. Gerade noch hatte sie so optimistisch in die Zukunft geblickt, nach dieser wundervollen Nacht, und nun das. Warum war das Schicksal nur so ungerecht? Unwillkürlich traten ihr die Tränen in die Augen.
„Hermine! Ich will doch niemand an den Pranger stellen oder irgendwelche Repressalien verhängen", sagte McGonagall eindringlich. „Ich muss nur sicher gehen, dass es dir gut geht und dass das was du tust, aus deinem freien Willen heraus geschieht."
Sie sah mit einem warmen, besorgten Blick in die immer noch feuchtglänzenden Augen ihrer Schülerin.
„Geht es dir gut, Hermine?", fragte sie leise.
„Ja, es geht mir gut", flüsterte Hermine.
„Und du bist dir bewusst, was du da tust und du tust es freiwillig?", fragte McGonagall.
„Ja!", sagte Hermine.
„Hast du die Nacht mit Severus verbracht?", fragte McGonagall.
Hermine sah sie gequält an.
„Keine Sorge - es wird ihm nichts geschehen und dir auch nicht", sagte McGonagall beschwichtigend. „Warst du also bei ihm?"
Hermine nickte.
„Und geht es ihm auch gut?", fragte McGonagall.
Überrascht hob Hermine den Kopf.
„Aber ja", sagte sie perplex.
McGonagall schmunzelte.
„Hättet ihr nicht noch die zwei Wochen lang warten können?", fragte sie dann tadelnd.
„Nein – das ging nicht", sagte Hermine.
„Und was genau treibt die beste Schülerin, die ich je unterrichten durfte in die Arme des schwierigsten Mannes, der mir je begegnet ist?", fragte McGonagall mit leisem Spott.
„Ich liebe ihn", sagte Hermine.
„Und er? Liebt er dich auch?", fragte McGonagall sanft.
„Ich weiß es nicht", sagte Hermine und lächelte auf eine leise, traurige Art, die ihre alte Hauslehrerin innerlich aufseufzen ließ.
„Lass ihm ein bisschen Zeit – ich fürchte, er hat vergessen, wie das geht", sagte sie, ergriff Hermines Hand und drückte sie.
Hermine sah sie mit großen ernsten Augen an und nickte.
„So – und jetzt werde ich verschwinden", sagte McGonagall aufgeräumt und erhob sich.
Hermine stand ebenfalls auf.
„Dieses Gespräch hat offiziell nie stattgefunden – das ist dir doch klar?", sagte McGonagall.
„Ja – jetzt wo Sie es sagen – ich kann mich an kein Gespräch erinnern", sagte Hermine und lächelte strahlend, während in ihren Augen immer noch die Tränen glitzerten.
„Und es wäre überhaupt nicht ratsam, weitere Leute in dein Geheimnis einzuweihen, solange du noch Schülerin bist", sagte McGonagall.
„Natürlich nicht", sagte Hermine.
„Noch etwas", sagte McGonagall, „ich wollte das eigentlich erst in zwei Wochen tun, an deinem letzten Schultag, aber eigentlich ist dieser Augenblick perfekt dafür – wir haben zusammen sehr viel durchgestanden im letzten Jahr und mich hat bisher nur meine offizielle Position davon abgehalten, dir das Du schon früher anzubieten – nenn mich doch bitte Minerva."
„Es ist mir eine Ehre", sagte Hermine gerührt. „Minerva...?", fügte sie etwas zögernd hinzu.
„Ja?", sagte Minerva freundlich.
„Wirst du mit Severus darüber sprechen?", sagte Hermine.
„Ja, das werde tun", sagte McGonagall, „aber mach dir keine Sorgen – ich reiß ihm schon nicht den Kopf ab." Sie warf einen nachdenklichen Blick auf die Wand neben der Badezimmertür. „Meinst du, es wäre passend, wenn ich gleich durch diesen chicen Kamin zu ihm gehe?"
„Oh... nein! Nein!", rief Hermine eilig. „Ich glaube, das wäre keine so gute Idee."
„Aber trotzdem eine spaßige", sagte McGonagall grinsend. „Schon gut – ich werde es nicht tun", fügte sie hinzu, als sie Hermines besorgtes Gesicht sah. „Ich habe heute Nachmittag ohnehin etwas mit ihm zu besprechen – solange kann auch dieses Thema noch warten."
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Als McGonagall gegangen war, ließ Hermine sich erst einmal wie betäubt auf das Bett fallen. In Gedanken ging sie das Gespräch mit der Direktorin noch einmal durch und kam zu dem beunruhigenden Schluss, dass auch, wenn McGonagall Severus nicht wegen des Verhältnisses zu ihr belangen würde, ihre Einmischung trotzdem ein erheblicher Stressfaktor für ihre noch auf so wackligen Füßen stehenden Beziehung werden könnte.
Sie musste Severus unbedingt warnen, was da auf ihn zukam - ein Unterfangen, das etwas schwierig werden würde, da sie heute keinen Zaubertränkeunterricht hatte und ihn also nicht offiziell traf. Hoffentlich zeigte er Verständnis dafür, dass sie nun wirklich nicht für Minervas Wissen um die Lage der Dinge verantwortlich war. Sie hatte es so satt, sich Gedanken darüber machen zu müssen, ob ihr die nächsten Schwierigkeiten bevorstanden, anstatt einfach nur glücklich zu sein.
Seufzend erhob Hermine sich wieder und ging ins Badezimmer um zu duschen.
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Die große Halle war schon ziemlich bevölkert, als Hermine dort zum Frühstück eintraf. Ihr Blick eilte – sobald sie ihren Platz bei Ginny und Harry eingenommen hatte - sofort hinüber zum Lehrertisch, wo Snape und McGonagall nebeneinander saßen und sich unterhielten.
Die alte Dame würde doch hoffentlich Wort halten und erst heute Nachmittag mit Severus reden?
Gebannt sah Hermine auf Snapes unbewegtes Gesicht. Nein! Wenn McGonagall ihn schon auf letzte Nacht angesprochen hätte, würde er wesentlich aufgebrachter aussehen.
Snape schien zu spüren, dass er angestarrt wurde, denn er hob den Kopf und erwiderte den Blick.
Schlagartig wurde Hermine von der Erinnerung an die Nacht und den damit verbundenen Gefühlen überrollt und sie versank für einen Moment im Anblick seiner Augen. Erst als seine Züge einen deutlich genervten Ausdruck annahmen, fiel ihr ein, dass er es nicht ausstehen konnte, wenn sie sich in der Öffentlichkeit so verdächtig benahm.
Hermine senkte rasch und leicht errötend den Kopf und bekam gerade noch mit, dass McGonagall, die das Ganze scheinbar beobachtete hatte, amüsiert lächelte.
Danach zwang sich Hermine, nicht noch einmal zum Lehrertisch hinüberzuschauen. Sie beschäftigte sich mit ihrem Frühstück und unterhielt sich mit Harry, Ginny und einigen anderen Gryffindors über das Thema, das die Mehrheit der Siebtklässler momentan in Atem hielt – die Abschlussprüfung. Als Hermine hörte, wie viel die meisten ihrer Mitschüler in letzter Zeit gelernt hatten, bekam sie spontan ein schlechtes Gewissen, obwohl sie eigentlich sicher war, den Prüfungsstoff zu beherrschen.
Sie blieb so lange am Tisch sitzen, bis sie beobachtete, dass Snape aufstand und sich anschickte, den Saal zu verlassen, um ihm möglichst unauffällig, aber dennoch zügig zu folgen.
In der Vorhalle holte sie ihn ein.
„Professor Snape?", rief sie, als sie noch drei Schritte hinter ihm war, um ihn auf sich aufmerksam zu machen.
„Miss Granger?", sagte Snape und man merkte deutlich am Tonfall, dass er nicht erfreut über ihre Aktion war. Aber immerhin verlangsamte er seinen Schritt, sodass sie aufschließen konnte.
„Geht's eigentlich noch ein wenig auffälliger?", zischte er leise, als sie neben ihm angekommen war.
„Es tut mir leid, aber ich muss dich kurz sprechen", flüsterte Hermine.
Sie waren mittlerweile bei der Kerkertreppe angekommen und Snape bedeutete ihr mit einer knappen Kopfbewegung, hinunterzusteigen.
Im Kerkerflur gingen sie schweigend nebeneinander her, bis sie vor Snapes Büro angekommen waren.
Er öffnete dieses, schob Hermine kurzerhand hinein und schloss die Tür hinter ihnen wieder.
„Was zum Teufel ist so dringend...", begann Snape, doch Hermine fiel ihm ins Wort.
„Es ist wirklich wichtig!", sagte sie eilig. „Minerva weiß Bescheid über uns."
Snape sah sie an, wie der Leibhaftige, von dem er gerade gesprochen hatte.
„Ich kann nichts dafür!", sagte Hermine und hob abwehrend die Hände. Sie berichtete ihm von der frühmorgendlichen Rückkehr in ihr Zimmer, von dem Gespräch mit McGonagall und natürlich ausdrücklich von dem Überwachungszauber, den die Schulleiterin heimlich verhängt und der sie alarmiert hatte.
„Traumhaft!", sagte Snape sarkastisch. „Vielleicht sollte ich vorsichtshalber schon mal meine Koffer packen."
„Sie hat nicht vor, dich rauszuschmeißen", sagte Hermine.
„Ach – das habt ihr schon besprochen?", fauchte Snape. „Wie schön!"
„Severus!", sagte Hermine beschwichtigend. „Ich finde es wirklich auch nicht toll, dass sie von uns weiß, aber es ist nun mal so – und so wie ich das verstanden habe, wird sie beide Augen zudrücken. Das ist doch eigentlich sehr großzügig, oder?"
„Hm!", machte Snape verdrießlich.
Hermine sah ihn abwartend an.
„Was meinst du, was ich mir in den nächsten zwei Wochen von Minerva alles werde anhören dürfen", brummte Snape. „Sie mag ja die Augen zudrücken, aber ihre boshaften Bemerkungen unterdrückt sie bestimmt nicht."
„Ich bin sicher, du bist geradezu prädestiniert, mit Boshaftigkeit fertig zu werden", sagte Hermine, „denn das ist ja schließlich dein ureigenstes Metier."
„Werden wir etwa schon wieder frech, Granger?", raunte Snape, trat einen Schritt auf sie zu und baute sich bedrohlich vor ihr auf.
„Ja, Sir!", hauchte Hermine, konnte sich das Grinsen dabei aber nicht verkneifen. „Irgendeine Idee, was man dagegen tun könnte, Sir?"
„Einige!", sagte Snape. „Aber eindeutig keine, die ich noch vor dem Unterricht in die Tat umsetzten könnte", fügte er hinzu und nahm Hermine zu deren Entzücken in die Arme.
„Danke für die letzte Nacht, Severus", flüsterte Hermine und schmiegte sich an ihn. „Sie war wirklich wundervoll."
„Ja, das war sie", sagte Snape leise und vergrub für einen Moment sein Gesicht in ihrem Haar um sich gleich darauf von ihr zu lösen, indem er sie energisch von sich weg schob.
„Wenn ich so weitermache, muss ich noch kalt duschen, bevor ich zum Unterricht gehen kann", sagte er, „und so viel Zeit habe ich nicht mehr."
Hermine lächelte ihn an und folgte ihm als er zur Tür ging.
„Hast du nun heute Nachmittag eigentlich einen Termin mit Minerva?", fragte sie.
„Ja – wegen des Lehrlings", entgegnete Snape. „Es haben sich einige Kandidaten beworben und wir werden zusammen entscheiden, wen wir einladen, um sich vorzustellen. Sag mal – seit wann nennst du unsere Direktorin denn beim Vornamen?"
„Sie hat es mir heute Morgen angeboten", sagte Hermine.
„Na dann hoffe ich mal, dass sie mir dieses Privileg nicht wieder entzieht", sagte Snape augenbrauenhochziehend.
Sie traten aus der Tür und gingen nebeneinander den Korridor entlang. Als sie um die Ecke bogen kamen einige Schüler in Sicht, die sich vor dem Kerkerklassenzimmer versammelt hatten und auf ihren Lehrer warteten.
„Schau doch – sie warten schon ganz ungeduldig auf dich", sagte Hermine leise.
„Diese Brut würde sonst was dafür geben, wenn ich nicht erscheinen würde", knurrte Snape und warf einen wilden Blick zu den Schülern hinüber, die sofort aufhörten, ihnen neugierig entgegenzustarren.
„Ich wünsche dir viel Spaß", flüsterte Hermine.
„Ich dir auch, du Biest", raunte Snape. „Und jetzt machen Sie, dass sie in Ihren Unterricht kommen, Granger!", bellte er dann plötzlich los und Hermine hatte erheblich Mühe, ihr Grinsen zu unterdrücken, als sie an den Drittklässlern vorbei ging und die Treppe hinaufstieg.
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Fortsetzung folgt...
Und eine Bitte an alle Reviewer: Ich lese HP Band 7 nicht auf Englisch, sondern warte auf die deutsche Übersetzung. Also bitte verratet mir das Ende noch nicht! ;)
