Kapitel 54: Klopf – Klopf Klopf - Klopf
Edward:
Er hatte die Maschinen abgestellt…
Ängstlich beobachtete ich die Geräte….ein lang anhaltender Piepston zeigte, dass ihr Herz nicht schlug. Im Bruchteil einer Sekunde hatte ich die Tragweite verstanden.
Mein Engel war tot.
Sie war wirklich tot.
Bella hatte mich verlassen. Nie wieder würde ich in ihre wunderschönen Augen sehen können. Ihr Lächeln war für immer verschwunden.
Ich hatte die Liebe meines Lebens verloren.
„BELLAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA!"
Es war ein Aufschrei gewesen. Der Schmerz hatte sich den Weg nach außen gebahnt. Fluchtartig rannte ich aus dem Zimmer….weg aus dem Krankenhaus...
Ich ertrug es nicht eine Sekunde länger.
Blind lief ich davon…
Ich hörte, dass meine Familie mich verfolgte….aber sie würden mich nicht finden. Ich war schneller als sie. Ich wollte jetzt alleine sein…ich musste es. Ich wollte mich nur noch verkriechen…und auf mein Ende warten. Es gab keinen Sinn mehr in meiner Existenz.
Wie sollte ich eine Ewigkeit ohne meine geliebte Bella verbringen?
Mein Handy riss mich aus meinen Gedanken…
Wer außer meiner Familie konnte denn jetzt was von mir wollen? Ich wollte nicht abnehmen, ich wollte alleine sein, also ignorierte ich es.
Ich war gerannt und gerannt… und erst als ich aufsah, erkannte ich, wohin ich gelaufen war. Ich stand vor ihrem Haus.
Hier konnte ich ihr noch Nah sein.
Ich öffnete die Türe und atmete tief ein. Es war der unvergleichliche Duft von ihr, den ich wahrnahm.
Meine Beine waren schwer wie Blei, aber ich zwang mich dennoch weiterzugehen. Der Ort, an dem ich ihr so nah war, sollte mein blutendes Herz stillen.
Mit einem Aufschluchzen ließ ich mich auf die Couch fallen. Ich nahm ihre Decke und presste sie an mich.
Ihr Duft brannte in meiner Seele…
Tausende von Messer stachen auf mein Herz ein.
Es war tot, aber dennoch spürte ich unsagbare Schmerzen.
Ich fühlte mich so elend….so alleine und unvollständig.
Wieso sollte ich jetzt noch existieren? Der Sinn, den ich jetzt erst nach so vielen Jahren gefunden hatte, war mir wieder genommen worden.
Ich hatte es wohl nicht verdient glücklich zu sein.
Das dauernde Vibrieren meines Handys riss mich aus meinen dunklen Gedanken. Es hörte gar nicht mehr auf mit Klingeln.
Ein Blick auf das Display zeigte mir Emmet…
Seit
wann war er so aufdringlich?
Er hatte immer gewusst, wann er mich
in Ruhe lassen sollte…
Ich dachte an meinen Bruder, während ich das Handy betrachtete. Auch er litt jetzt unsagbare Schmerzen. Ich wusste, dass er Bella geliebt hatte. Sie war sein Ein und Alles… Ihr Tod würde ihn genauso aus der Bahn werfen wie mich.
Ich versuchte mich zu beruhigen.
Mein Bruder brauchte mich. Einmal jetzt musste ich noch stark sein…
Gemeinsam würden wir es vielleicht schaffen, dieser Hölle zu entkommen.
Ich nahm das Gespräch an und hob den Hörer ans Ohr.
Klopf – Klopf klopf – Klopf – Klopf Klopf….
Irritiert zog ich die Augenbrauen zusammen. Was war denn das?
Ich hörte piepsende Maschinen…also war Emmet noch im Krankenhaus…aber es war ein regelmäßiges Piepsen….nicht mehr dieser anhaltende Ton, der mir alle meine Träume zerschlagen hatte.
Aber da war dieses leise klopfende Geräusch…
Ich presste das Handy noch näher an mein Ohr. Das konnte nicht wahr sein. Ich musste mich irren…
Gespannt lauschte ich weiter… Jeder Schlag linderte meinen Schmerz.
Es war ihr Herzschlag. Ich würde ihn unter Hunderten wieder erkennen. Es war so einmalig, wie alles an ihr.
Mein Gehirn spielte mir sicher einen Streich…oder Emmet hatte in seiner Verzweiflung die Maschinen wieder angestellt. Ja, das wäre die logische Erklärung.
Also hatte sich nichts geändert.
Im Moment war es mir aber egal, ob ihr Herz von alleine schlug oder es angetrieben wurde. Dieses Geräusch war das Einzige, das mich im Moment vor dem kompletten Zusammenbruch retten konnte.
Ich brauchte es…
Ich starrte an die Decke und lauschte dem klopfenden Herzen.
Jemand keuchte….und ich fiel vor Schreck von der Couch. Es hatte mich aus meinem Tagtraum gerissen. Da war nur dieses monotone Herzklopfen gewesen…und plötzlich keuchte mir jemand ins Ohr…
Aber dieser jemand….die Stimme war mir irgendwie vertraut.
„Wasser….bitte." Es klang gequält….aber ich hätte sie überall heraus gehört. Es war die Stimme meines Engels.
Aber wie???
Konnte das wirklich sein?
War sie von den Toten auferstanden?
Sollte ich sie wirklich zurück haben?
Ich sprang auf und rannte durch den Raum.
Was, wenn es doch nur Einbildung gewesen war?
„EMMET!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!" brüllte ich in den Hörer.
Er sollte seinen Hintern an das Handy bewegen.
Ein leises Lachen im Hintergrund zeigte mir, dass er mich gehört hatte.
Er konnte Lachen?
ER LACHTE?????
Das hieß…ja, das war die einzige erklärbare Lösung: Bella lebte.
Ein Freudenschrei ließ das Haus erzittern…und ich war schon wieder auf dem Weg zum Krankenhaus.
Sie lebte.
Sie brauchte mich…
Nein, ich brauchte sie…
Bella:
Die Schmerzen waren unerträglich.
Aber ich hörte Emmets Stimme. Sie gab mir Kraft durchzuhalten. Ich kämpfte weiter…und weiter.
Und dann hatte ich es geschafft…
Mit einem Ruck war ich zurück.
Ich keuchte auf…
Ich atmete wieder. Aber es tat weh. Mein Hals brannte. Er war so trocken…
„Wasser….bitte." meine Stimme war brüchig, und jedes Wort war eine Qual.
Aber ich bekam kein Wasser. Keiner reagierte…
Also zwang ich mich, meine Augen aufzumachen.
Ich war geblendet von dem Licht….aber ich schaute in die Augen meines bestem Freundes. Ein glückliches Lächeln strahlte mich an.
Ich versuchte es zu erwidern, aber bei einem Versuch war es geblieben.
Auch Esme schaute mich glücklich an, und sie hielt mir ein Glas Wasser an die Lippen…
Das feuchte kühle Nass linderte die Schmerzen in meinem Hals…und ich fühlte mich erstaunlich gut und fit.
Suchend blickte ich mich in dem Raum um…
Ich suchte Edward…meinen geliebten Edward.
Aber er war nicht da.
Enttäuscht senkte ich den Blick.
Es versetzte meinem Herzen einen Stich…
„Wo ist er?"
Emmet strich mir über die Wange…."Kleines, er ist gleich wieder da…Kopf hoch!"
