Anmerkungen: Die zweite Szene enthält weibliche Masturbation. Wenn dir das nicht gefällt...

55.

"Wie wäre es mit ihm?" fragte Marjan nun gerade und nickte in die Richtung eines Mannes, der sich gerade über die Auslage der Äpfel beugte und ihnen eine schöne Aussicht auf seinen Rücken und seinen Hintern gab.

"Marjan!" zischte Padmé und wandte schnell den Blick ab.

"Oh nun, komm, Padmé. Auch du hast Augen!"

"Natürlich habe ich das." Doch besagte Augen waren weiterhin auf das Gemüse gerichtet. Warum war sie nur so steif? "Bist du nicht Priesterin?"

"Oh ja, das bin ich. Aber Hawa sei Dank, keine der geweihten Schwestern!" Sie lachte. "Du kannst ruhig schauen."

Padmé sah auf. Natürlich konnte sie schauen. Es war ja nicht so als hätte sie noch nie einen Mann angesehen nur weil er gutaussehend war.

Der Fremde war groß und breitschultrig. Sein dunkelbraunes, lockiges Haar wirkte kunstvoll zerzaust. Wie alt er wohl war? Nun, von hier aus sah er deutlich jünger als Padmé aus. Er drehte sich gerade um und scherzte mit der Standfrau.

Ob Marjan absichtlich einen Mann gewählt hatte der weder Anakin noch Obi-Wan ähnelte?

"Er ist gutaussehend. Nur etwas jung, findest du nicht?"

Marjan hob lediglich eine Augenbraue. Ihre Augen funkelten, als wollte sie Padmé fragen ob sie das ernst meinte.

"Nun, wie wäre es mit ihm?"

Padmé starrte die Priesterin an. Sie meinte es wirklich ernst.

"Marjan..." Sie schüttelte den Kopf und griff nach dem nächstbestem Gemüse. "Marjan, ich kann nicht-"

"Komm, setzen wir uns und reden darüber." Ihr Lächeln war noch da, doch sie sah wieder ernster aus. Padmé kannte diesen Gesichtsausdruck inzwischen. Marjan hatte ihn immer wenn sie das Gefühl hatte das sie an einem 'Knotenpunkt' waren.

"Also," begann die ältere Frau, als sie ihren Apfel verspeist hatte und warf das Gerippe neben sich in den Mülleimer. ",wie stellst du dir den Rest deines Lebens vor?"

Padmé sah Marjan einen Moment erstaunt an. Das Thema erschien ihr so weit entfernt von ihrem vorangegangenen Gespräch wie nur möglich. Sie dachte nach.

"Ich..." Padmé stockte. Sie fand das sie keine Antwort darauf hatte. "Ich habe noch nicht darüber nachgedacht."

Das Eingeständnis grub Falten in ihr Gesicht, als sie die Stirn kraus zog.

"Bist du in deiner Vorstellung allein?" Die Priesterin sah sie aufmerksam an. Ihr weiter blauer Rock spannte zwischen ihren angewinkelten Beinen.

"Nein." Sie schüttelte den Kopf. Ihr Leben. Wie sollte ihr Leben aussehen?

"Wer ist da?"

"Benji, Cordé natürlich. Garen. Die Zwillinge. Sola. Meine Mutter." Sie schluckte, fügte leiser hinzu: "Obi-Wan."

"Hmm. Als was siehst du euch?" Marjan überschlug die Beine und lehnte sich zurück. "Seit ihr noch Freunde?"

"Marjan, ich-"

"Nein, ich bin interessiert daran wie du dir das ganze ausmalst. Was ist in zehn Jahren? Eure Kinder sind erwachsen, haben Partner, vielleicht hast du Enkel. Und... Ihr seit Freunde, nun gut. Ich gehe davon aus das du einen Partner hast?"

"Nein!" Die Vorstellung einen Mann in ihr Herz zu lassen war so abwegig für Padmé das sie ohne Zweifel geantwortet hatte.

"Oh, du bist also alleinstehend. Was ist mit ihm. Hat er eine Partnerin?"

"Nein!"

Auch diese Antwort kam sofort und ohne Überlegung. Es war eine reine Gefühlsantwort. Padmé räusperte sich und dachte darüber nach.

Sie versuchte sich Obi-Wan in zehn Jahren vorzustellen. Gedanklich stellte sie ihm eine Frau an die Seite. Das Gefühl das in ihr aufflammte war altbekannt und schmerzhaft.

"Ich meine... Nein."

"Warum nicht?"

"Weil..." Wieder rang Padmé ihre Hände. Seit ihrem letzten Treffen und ihrem Versprechen das sie versuchen würde sich helfen zu lassen, hatte es auch so etwas wie Hoffnung in Padmé gegeben.

Jetzt, konnte sie dies zugeben. Er hatte sich verabschiedet mit den Worten das er warten würde.

Padmé ihrerseits war es ihm schuldig es zu versuchen. Er hoffte noch. Nach allem was sie gesagt, was sie getan hatte, gab er sie nicht auf. Dadurch hatte er Padmé auch Grund zur Hoffnung gegeben.

"Kind, die Sache ist die:" begann Marjan nun und riss Padmé aus ihren Gedanken. "Auch wenn du das nicht gerne hörst, weißt du doch das er lediglich auf dich wartet. Die Frage ist was möchtest du? Du hast zwei Optionen. Du kannst dich ein für alle Mal von ihm trennen und dein Leben leben. Doch dann musst du auch akzeptieren das er das Selbe tut, mit allem was dazu gehört.

"Oder aber gestehe dir ein das du etwas für ihn empfindest, was auch immer das sein mag und steht das ganze durch. Das ist es. Alles andere macht euch beide nur unglücklich."

"Doch egal für was du dich entscheidest, Kind. Du solltest dir darüber im Klaren sein das kein Weg daran vorbei führt das du dich früher oder später damit auseinander setzen musst. Darum geht es hier. Das du dich mit deiner Weiblichkeit auseinander setzt."

Ihre Weiblichkeit, dachte Padmé zweifelnd und sah auf ihre im Schoß gefalteten Hände. Ihre Weiblichkeit war dieser Tage kaum noch vorhanden. Wenn sie in den Spiegel sah, erblickte sie eine dürre Frau mit riesigen, ängstlichen Augen. Sie wirkte mehr wie ein gehetztes Tier als eine Frau.

"Wie oft hast du noch deine Alpträume?"

"Zwei, dreimal die Woche." gab Padmé murmelnd zu und dachte an diesen Morgen. Wie sie sich windend und kämpfend gegen ihren Körper gewehrt hatte um dann schweißgebadet aufzuwachen.

"Hast du dabei einen Orgasmus?"

Langes Schweigen, das war für Padmé nach wie vor die größte Schmach. Sie wollte sich vor den gütigen, verstehenden Augen der Geistheilerin verstecken.

"Manchmal."

"Wann hattest du das letzte Mal einen Orgasmus der nichts damit zu tun hatte?"

Padmé schwieg beharrlich und sah hinüber in den Himmel. Sie war nicht prüde. Nie gewesen. Aber seit... All dem konnte sie weder das was ihr widerfahren noch ihre Gefühle in Worte fassen. Beinahe so, als glaube ihr Unterbewusstsein das wenn sie es nicht in Worte fasste, das es dann nicht existierte.

Seit ihrer Gefangennahme hatte es keinerlei Zärtlichkeiten mehr gegeben, weder mit einem anderen Menschen, noch durch Padmés eigene Hand.

Das letzte Mal das sie einen Vorgeschmack dessen bekommen hatte wie es sein könnte, war an jenem Morgen gewesen, an dem Obi-Wan und sie im gleichen Bett aufgewacht waren.

Doch auch wenn diese Erinnerung ihren Körper mit Erwartung füllte, konnte sie nie lange darüber nachdenken ohne irgendwann diesen anderen Moment zu erleben in dem er sie abgelehnt hatte. Es tat einfach zu sehr weh.

Wie konnte sie also zärtlich zu diesem verräterischen Körper sein der Lust empfand wenn der Sith mit den rotglühenden Augen und Obi-Wans Stimme ihr versprach das er immer bei ihr bleiben würde, das er sie immer finden würde. Immer.

Nein, es war besser jede gut gemeinte Berührung zu unterlassen, alles auf ein Minimum zu reduzieren in der Hoffnung das ihr Körper irgendwann vergaß was es hieß Wonne zu empfinden, zu leuchten, zu strahlen und bebend den Händen des Geliebten entgegen zu kommen.

Irgendwann würde dieses Bedürfnis berührt zu werden sterben und dann wäre Padmé frei.

"Ja, das dachte ich mir." Marjan seufzte gerade. Padmé biss widerwillig die Zähne aufeinander.

"Du weißt sehr wohl das alles was dir widerfahren ist im Grunde genommen nichts mit Lust zu tun hatte? Es ist nur eine weitere Waffe eines Mannes der Macht über dich ausüben wollte. Um dich klein zu machen, dich zu dominieren, deine Essenz in etwas zu verwandeln das er besitzen kann. Sobald du das erkennst wird es dir nichts mehr anhaben können."

"Denk darüber nach, Padmé. Warum empfindest du Lust bei diesen Erinnerungen? Weil sie in erster Linie lustvolle Erinnerungen sind. Er hat sie lediglich in einen anderen Kontext gesetzt. Im Grunde genommen sagt dein Körper dir das Richtige: Er reagiert mit positiven Gefühlen auf die eigentliche, die echte Erinnerung. Irgendwo in dir existiert sie noch. Du musst sie nur befreien. Du musst nur anfangen dir und deinem Körper wieder zu vertrauen. Nicht dein Körper ist dein Feind, sondern die Gedanken die er dir eingepflanzt hat."

"Bei dir klingt das so einfach." Padmé schüttelte den Kopf.

"Es mag einfach klingen, aber natürlich ist es das nicht."

"Und was genau empfiehlst du?"

Marjan sah hinüber zu dem breitschultrigen Fremden und lächelte.

"Nun, lern' einen netten Mann kennen, verliebe dich, lass dich verführen." Die Implikation war klar. Padmé schüttelte den Kopf. Kein anderer Mann. Auch nicht wenn er so gut aussah wie dieser Fremde. Sie konnte nicht einfach mit irgendwem schlafen in der Hoffnung das allein der Akt ihr helfen würde.

Padmé brauchte eine Verbindung zu einem Menschen. Bei dem Gedanken an eine Verbindung, an das strahlende Band das sie jahrelang mit Obi-Wan geteilt hatte, wurde sie melancholisch.

Neben ihr sagte Marjan nonchalant: "Ich bin mir sicher das dein Jedi dir helfen würde."

Padmé seufzte. Ja, natürlich würde er das. Bis sie ihn wieder verletzen würde.

"Dann bist du wohl auf dich selbst angewiesen." meinte Marjan, zwinkerte ihr zu und stand auf. Sie sah der Priesterin nach wie sie zwischen den Obstständen verschwand und Padmé die Zeit und die Ruhe ließ um mit ihren aufgewühlten Gefühlen und Gedanken klar zu kommen.

Padmé beobachtete die ältere Frau. Wie alt sie wohl war? Padmé schätze sie auf siebzig, doch genau festlegen konnte sie es nicht. Wenn Padmé sie ansah, wurde ihr klar was sie verloren hatte.

Marjan hatte die Selbstsicherheit einer Frau die ein hohes Amt innehielt, doch es war nicht der Grund für ihre Anziehung, sondern unterstrich nur ihre Wirkung.

Ihre breiten Hüften wiegten sanft, während sie durch die Reihen schrat. Das Kleid umspielte ihren Gang. Wie zufällig blieb sie neben dem Fremden stehen. Einige Früchte fielen zu Boden. Er half ihr sie aufzulesen und bevor Padmé es wusste waren die beiden in ein Gespräch vertieft. Er schien fasziniert von ihrem echten Lächeln, er konnte kaum den Blick von ihr lassen.

Padmé erinnerte sich daran das sie einmal eine solche Frau gewesen war. Früher, dachte sie und hörte Marjans fröhliches Lachen das leiser wurde als es vom Wind hinfort getragen wurde.

Zu ihrer Verteidigung: Sie hatte es versucht. Aber ihre Gedanken waren verräterisch und es fühlte sich einfach nicht... Nicht richtig an.

Padmé hatte in den letzten Tagen oft an ihr Gespräch auf dem Markt gedacht. Sie wusste das beide Dinge, das was ihr widerfahren war und ihre Lust, zwei unterschiedliche Dinge waren. Doch es änderte nichts an der Verwirrung, der Scham die sie empfand wann immer sie spürte wie die Erregung in ihr entflammte.

Bis jetzt hatte sie diese ignoriert, geradezu niedergetrampelt. Sie wollte gar nicht erst in die Situation kommen ihre widersprüchlichen Gefühle ergründen zu müssen. Es war alles zu schmerzhaft. Es war bei einem halbherzige Versuch nach dem Gespräch geblieben.

Padmé hatte es auf ihre umher schwirrenden Gedanken geschoben, auf die Bilder die sie nicht aufhalten konnte. Vielleicht war sie einfach noch nicht so weit, dachte sie unzufrieden mit sich selbst.

Als sie an diesem Morgen erwachte lag sie noch lange Zeit in ihrem Bett. Schon immer war sie eine Langschläferin gewesen, nicht das es gerade spät war, das Chrono neben ihrem Bett zeigte ihr das nicht einmal die sechste Stunde heran gebrochen war. Padmé seufzte und presste ihr Gesicht tiefer ins Kissen.

Es war ein schöner Luxus liegen bleiben zu können. Sie dachte an ihren bevorstehenden Tag, was sie noch erledigen musste, doch... Ihre Gedanken verschwammen und kehrten an den Ort der Schläfrigkeit zurück.

Sie fand sich in einer Lagune wieder. Es war kein Traum, nur eine Fantasie. Sie war sich ihrer Selbst sehr bewusst: Der Decke die ihre Haut berührte, ihrem gegen die Matratze gepressten Körper, ihren Locken die wild um ihr Gesicht fielen und sie vor der Realität verbargen.

Sie saß am Rande der blauen Lagune, die Beine im lauwarmen Wasser. Zuerst hörte sie nur das lauter werden des Rauschens. Es war das beruhigende, verführerische Geräusch das sie anzog. Sie stand auf und folgte.

Natürlich, wie konnte es anders sein, gab es auch einen Wasserfall in ihrer Fantasie.

Es war einfach sich vorzustellen in den See zu steigen. Sie wusste wie sich das Wasser auf ihrem Körper anfühlen würde. Kühl, aber nicht unangenehm. Trotz der Wärme des Bettes erschauerte sie wohlig bei dem Gedanken an das Wasser.

Sie konnte die Wellen auf ihrer Haut spüren, dort wo sie aus dem Wasser ragten. Padmé gab sich dem Gefühl hin. Die Erregung pulsierte unterschwellig zwischen ihren Beinen. Sie presste sich fest gegen die Matratze.

Um die Wärme zu verstärken oder sie zu ersticken konnte Padmé in diesem Moment nicht recht sagen.

Nur noch einen Moment, dachte sie schlaftrunken, und spürte die verräterische Feuchtigkeit zwischen ihren Beinen. Sie rieb ihre Schenkel gegeneinander und seufzte.

Vor ihrem inneren Auge trat sie unter das herabstürzende Wasser, streckte ihren Nacken, ihren Rücken. Ließ das Wasser über sich hinab fließen. Sie wusste das der Wasserstrahl in der Realität fiel zu hart sein würde, doch hier, in ihren Gedanken, war es das sanfteste Prasseln auf ihren verspannten Schultermuskeln. Sie bog sich dem Wirbel für Wirbel entgegen.

Sie legte ihre Hände in ihren Nacken und massierte ihren Nacken. Dann glitten ihre Hände über ihr Schlüsselbein, ihre Brüste hinab zu ihrem Bauch. Sie wischte das Wasser von ihrem Körper. Fühlte dem nach, nahm jede Regung wahr. Es fühlte sich wunderbar an.

Für einige Zeit waren es ihre eigenen Finger, doch irgendwann, waren es die Hände eines Mannes die die ihren abgelöst hatten. Es waren ihre Bewegungen die er wiederholte. Es lag etwas Vertrautes darin, so vertraut gar, das sie im ersten Moment keinen Unterschied zu ihrer eigenen Berührung bemerkte.

Ja, dachte Padmé hob ihr Nachthemd und presste schließlich eines der Kissen hinab zwischen ihre Beine, so wird es gehen. Sie war immer noch am Rand des Schlafes, dem Träumen so nah das sie keine Scham, keinen Ekel empfand bei dem was sie tat. Nur Wohlwollen und herrliche Wärme.

Sie rollte ihre Hüften vor und zurück. Gedanklich kehrte sie zu dem Wasserfall zurück. Zu den Händen, den Armen die sie umschlossen hielten. Die Wärme seiner Haut verbrannte sie. Ihr Herzschlag beschleunigte.

Irgendwo hinter ihr musste ein Körper sein. Die Arme führten nicht einfach ins Nichts. Sie wollte sich zurücklehnen und seine Haut auf der ihren spüren. Einen Herzschlag, den warmen Atem an ihrem Ohr, der verräterisch stoppte sobald sie sich an ihn presste. Eine Stimme die ihren Namen raunte.

Padmé wimmerte, die Hitze war inzwischen unerträglich. Doch es war nicht genug. Nicht so. Stöhnend warf sie das Kissen hinfort, die Decke rutschte von ihren Beinen, als sie sich auf den Rücken drehte.

Mit fahrigen Bewegungen glitt sie aus ihrer Unterwäsche. Ihre Beine fielen zur Seite, ihr Geschlecht fühlte sich bloßgelegt an. Die Luft war kühl auf ihrem Fleisch. Ihre rechte Hand glitt ohne Umschweife genau dorthin wo das Gefühl der Verletzlichkeit am größten war. Sie rieb mit der kompletten Handfläche darüber. Sie gab ein zischendes Geräusch von sich und warf ihren linken Arm über ihr Gesicht um sich vor der Welt zu verbergen.

Nach einer ganzen Weile des atemraubenden Reibens und Aufbauens ihrer Gefühle wusste sie plötzlich: Sie brauchte mehr.

Sie dachte: Das ist meine Vorstellung. Hier konnte sie alles haben was sie wollte. So lehnte sie sich im nächsten Moment zurück gegen seine Brust, seinen warmen, festen Körper unter dem prasselnden Wasserstrahl. Padmé erschauerte als die Hände sie nun umfassten. Seine Finger glitten über ihre Brustwarzen, die bereits hart aufragten, und rieben diese fest zwischen Daumen und Zeigefinger. Genau wie sie es mochte... Sie erschauerte.

Es bedürfte nicht mehr viel. Sie konnte spüren wie sie sich selbst auf den Weg nach oben befand. Wie sie sich hinauf drehte, als gäbe es eine Anziehungskraft die nur sie spürte, sie in unermessliche Höhen zog. Entgegen besseren Wissens verlangsamte sie ihre Bewegungen, zögerte es hinaus. Sie stöhnte. Bedeckte ihren Mund. Ließ die empfindlichste Stelle aus, umkreiste ihre Öffnung. Spürte wie ihre Muskeln sich fest zusammen zogen.

Ihr Körper wusste was er was er wollte, was er brauchte. Versuchsweise ließ sie einen Finger in sich gleiten. Die erste Berührung war sinnlich und sündig und sie dachte ja, genau so.

Doch es waren nur wenige Stöße bis das Gefühl des nicht genugund mehrhabenwollen sie einholte. Ein zweiter Finger folgte dem ersten und selbst das... Selbst das war nur eine blasse Kopie der echten Sache. Keine Erinnerung, nur ihr Körper der reagierte wie er es immer getan hatte. Wissen, keine Erinnerung. Als sie erkannte woher sie diesen Gedanken kannte hielt sie erstaunt inne. Es waren die selben Gedanken wie an jenem Morgen an dem sie bereit gewesen war sich Obi-Wan hinzugeben.

Oh.

Sie ließ los. Ihre Fantasie verselbständigte sich, als wäre es nun außerhalb ihrer Kontrolle. Er berührte sie mit der gleichen Vertrautheit wie zuvor, doch es lag mehr Sicherheit, mehr Zielstrebigkeit darin. Als wüsste er wie nah sie war, das sie fast, fast-

Die Wonne verschlang sie wie eine Welle und zog sie hinfort bis sie sich darin verlor. Ihr Körper war vergessen. Da war nur noch das tosende Prasseln des Wasserfalls in ihren Ohren. Darunter lag das Rauschen ihres Blutes. Sein hitziger Kuss auf ihrem Nacken, der vom Kratzen seines Bartes begleitet wurde. Sein Arm der sie fest gegen seine nackte Haut presste und verhinderten das sie niedersank, weil ihre Knie so weich waren.

Immer noch stießen seine Finger in sie und verdoppelten die süße Qual, bis das Gefühl langsam zurückfloss.

Einige Zeit hielt er sie und Padmé schloss die Augen. Er sagte etwas, sie konnte die Vibrationen an ihrem Rücken spüren, als er sprach. Verstehen konnte sie ihn nicht. Seine Finger glitten aus ihr hinaus, seine Hand presste noch einen Augenblick gegen ihre Mitte. Ihre Muskeln schlossen sich fest zusammen, der Verlust den sie plötzlich empfand war mehr als nur körperlicher Art.

Ein Kuss gegen ihre Stirn.

Welch seltsame Fantasie, dachte Padmé, doch sie wehrte sich nicht. Zu trunken vor Befriedigung.

Sie schob die Arme von ihrem Körper um sich umzudrehen, das Wasser floss augenblicklich über ihren Rücken. Es kühlte ihren erhitzten Körper, doch nahm ihr auch die Sicht. Sie trat durch die Wasserbarriere...

Padmé spürte wie ihr etwas entglitt, sie griff nach dem losen Faden der sie zur Antwort führen würde, doch bevor sie ihre Hände darum schließen konnte erwachte sie. Als sie die Augen aufschlug war sie verwirrt und schläfrig.

Das Licht das durch ihr Schlafzimmerfenster auf ihr Bett fiel sagte Padmé das einiges an Zeit vergangen war. Verschlafen blinzelnd setzte sie sich auf. Das Lacken fiel von ihrem Körper und entblößte ihre nackten Brüste.

Padmé hatte das Gefühl etwas vergessen zu haben und sie saß eine ganze Zeit dort und versuchte sich zu erinnern. Sie wusste sehr wohl was sie in den frühen Morgenstunden getan hatte. Sie gestattete sich ein zufriedenes Lächeln. Verschwommene Bilder leuchteten vor ihr auf: Ein Wasserfall, ein namenloser Fremder.

Hmm, doch das warme, wohlige Gefühl in ihrem Inneren war nach wie vor da und so nahm Padmé ihr vergessen hin.

Als sie aufstand und hinüber zum Waschraum ging, dachte sie abwesend: So könnte jeder Morgen beginnen.

Die Ankunft der Zwillinge war überraschend. Luke strahlte übers ganze Gesicht, das Lächeln schnell, aber oberflächlich. Padmé bemerkte das es den Schwermut in seinen Augen kaum vertrieb. Leia hingegen war ernst, wenn sie denn lächelte war es schief und spöttisch.

Als Cordé die beiden älteren Geschwister erblickte lachte sie auf und schlang einen Arm um Luke, den anderen um Leia. Benji, angezogen von dem Lachen seiner Schwester, kam die Treppe hinunter. Einige Augenblicke stand er erstaunt am Fuße der Stufen.

Er wirkte überfordert mit der Situation.

"Hallo, kleiner Bruder." Leia drückte ihm einen schnellen Kuss auf die Schläfe, den er verwirrt hinnahm. Bei Lukes Schulterklopfen wirkte er schon etwas klarer.

"Wo ist Garen?" Luke ließ den Blick suchend umher gleiten. Cordés Gesicht verdunkelte sich. Sie sah Padmé nicht an, doch Padmé bemerkte die hängenden Mundwinkel, die Traurigkeit die sie immer überkam wenn sie an ihren älteren Bruder dachte.

"Das sollte dir Mutter erklären."

Luke warf ihr einen fragenden Blick zu, dem Padmé auswich indem sie an den Kindern vorbei in den Wohnraum trat und den Zwillingen etwas zu essen und zu trinken anbot, was sie dankend annahmen.

Für einige Zeit, in der gegessen wurde und sie oberflächliche Neuigkeiten austauschten, hielt der Frieden. Luke und Leia wollten einige Tagen bei ihnen bleiben. Am Rande erwähnten sie das sie gerade von einem Einsatz kamen, das sie einige freie Tage hätten.

Padmé wollte nach Obi-Wan fragen. Tat es nicht. Statt dessen erkundigte sie sich nach Han Solo, nach Chewbacca und hörte doch nur halbherzig zu. Da war wieder Leias spöttisches Lächeln, als versuche sie ihre Gefühle auf Abstand zu halten. Padmé konnte das verstehen. Was tat sie selbst denn anderes?

Letztendlich war es Benji der fragte. Sie war gerade in der Küche, als sie es hörte. Leise, als sei es etwas das niemand wissen dürfte, fragte er nach ihrem Vater. Padmé hielt inne und lauschte.

"Wie soll es ihm schon gehen?" Leia. Misstrauisch und müde. Padmé fragte sich wie lange sie schon unterwegs waren.

"Das ist keine Antwort, Leia." Lukes ruhige Stimme.

Schweigen. Niemand sagte mehr etwas und kurz darauf als Padmé eintrat unterhielten sie sich bereits wieder über etwas anderes.

Padmé richtete ihnen das Gästezimmer her. Sie fragte nicht wie lange sie bleiben würden. Lange würde es nicht sein. Später führte sie die beiden zu dem Zimmer, sagte ihnen leise Gute Nacht und sah zu wie die Tür geschlossen wurde.

Sie freute sich das sie hier waren und doch fühlte es sich an als wären sie Fremde. Wann war das passiert?

Luke war zugänglicher, doch er hatte sich verändert. Zumindest redete er mit ihr. Selbst nachdem sie ihnen beim Frühstück am nächsten morgen erzählte wo Garen sich aufhielt... Selbst da, sah er nicht so aus als verurteile er sie. Er sah beinahe neidisch aus.

Er verteidigte ihre, Garens Entscheidung. Vielleicht weil er nicht von Padmé erwartete etwas zu sein das sie nicht war? War er etwa der Einzige der verstand das sie sich auch verändert hatte?

Aber Leia... Der Bruch mit Obi-Wan hatte auch Leias und Padmés Beziehung verändert. Früher war Padmé für Leia eine Beraterin, eine Freundin gewesen. Jetzt sah sie Padmé mit zusammen gezogenen Brauen an, als versuche sie heraus zu finden was in ihr vorginge.

Padmé hatte noch keine Chance mit Marjan über den Besuch der Zwillinge zu reden. Was würde die ältere Nubierin zu der jetzigen Situation sagen? Ihr nächstes Gespräch war erst in zwei Tagen und Padmé ahnte das es ein langes werden würde.

Die Priesterin hörte immer zu. Nichts schien ihr fremd oder abwegig zu sein. Jede menschliche Regung war ihr bekannt. Doch sie hatte auch ihre ganz eigenen Ansichten, stellte oft schmerzhafte Fragen die Padmé zum nachdenken brachten.

Doch bis dahin würde sie es allein schaffen müssen. Es hatte sich eine Spannung aufgebaut die Padmé unerträglich fand. Leia schien auf etwas zu warten. Was konnte Padmé nicht sagen.

"Fragt sie überhaupt nach ihm?" Padmé hielt inne, als sie Leias schneidende Stimme hörte. Einen Moment herrschte Schweigen in der Küche. Cordés leise Antwort ging unter.

"Wann haben sie überhaupt das letzte Mal miteinander geredet?" Die Art wie Leia es fragte, war klar an Luke gerichtet.

"Du weißt er redet nicht über Mom." erinnerte Luke sie und die Antwort tat Padmé unerwarteterweise weh.

"Es ist ihr doch vollkommen egal wie es ihm mit der ganzen Sache geht."

Padmé schüttelte den Kopf.

Padmé trat in die Küche, noch bevor Leia den Satz zu Ende gesprochen hatte. Ihre Kinder sahen sie überrascht und voller Unbehagen an. Leia hatte diesen trotzigen Zug um den Mund, der Padmé an Anakin erinnerte.

"Gibt es etwas das du mir sagen willst, Leia?" Padmé wartete auf ihre Antwort.

Ihre älteste Tochter sah hinüber zu ihrem Zwillingsbruder, der unmerklich den Kopf schüttelte. Er war schon immer der Harmoniebedürftigere gewesen.

"Um ehrlich zu sein, ja, das habe ich." Leia machte einen Schritt auf Padmé zu. "Dad geht es übrigens gut. Oh, richtig, das wolltest du gar nicht wissen, oder?"

Luke stand nun auf und trat etwas näher zu Leia. Natürlich, stand er hinter ihr, auch wenn er es selbst noch nicht wusste.

Cordé blickte wie ein unruhiger Hase hin und her. Benji schien nicht zu wissen was er aus all dem machen sollte.

"Leia..." begann Padmé, doch sie wusste selbst nicht was sie sagen wollte. Schließlich wusste sie wie es aussah. Sie hatte nicht gefragt, sie hatte so getan als ginge es sie nichts an. Sie begann mit: "Natürlich interessiert es mich wie-"

"Ach ja, weil verhalten tust du dich nicht so. Im Gegenteil. Es scheint fast so als wüsstest du gar nicht mehr wer er ist." Leia trat vor uns sah sie durchdringend an. "Dein Mann."

Padmé wollte erwidern das er das nicht war, doch Leia kam ihr zuvor. "Oh ja, nicht dem Namen nach und vor keinem Altar oder Register niedergeschrieben, ich weiß. Aber er ist trotzdem in allem was zählt dein Mann gewesen."

"Wir haben uns nie etwas geschworen und zwar aus gutem Grund." Padmés Antwort war abwesend. Sie war zu beschäftigt damit sich nicht zu erinnern. Die Panik reckte ihren hässlichen Kopf.

"Ist das deine Ausrede? Das ihr euch nichts geschworen habt?"

"Leia." versuchte es Luke neben ihr leise, warnend.

"Nein, sie sollte es wissen. Warum sollte ich es ihr nicht sagen? Sie haben sich doch nichts geschworen!" Ihre Stimme war bitter. "Es gibt mehr als genug Frauen auf der Basis die unserem Vater liebend gern das Bett wärmen würden. Bis jetzt hat er immer dankend abgelehnt, ob aus Liebe zu dir oder aus falschen Pflichtgefühl, ich weiß es nicht. Wenn er sich eine Geliebte nehmen will, so soll er das tun. Ich habe nichts dagegen, das habe ich ihm auch gesagt. Natürlich will er nichts davon hören."

Leia verschränkte die Arme und richtete sich etwas mehr auf. Bei den Worten ihrer Tochter spürte sie wie etwas in ihr erkaltete.

Sie versuchte sich Obi-Wan mit einer anderen Frau vorzustellen und spürte ein Brennen in ihrer Magengegend, als würde sie Sodbrennen bekommen. War das was Leia sagte etwa wahr? Padmé verzog den Mund.

"Aber wer würde es ihm verdenken? Er ist allein. Er ist einsam. Und auch er ist nur ein Mensch, Mutter! Niemand will allein bleiben. Niemand will das!"

Padmé schüttelte den Kopf. Sie wollte das nicht hören.

"Ich höre mir das nicht länger an."

"Oh, tut die Wahrheit zu sehr weh?" Leia konnte sehr spitzfindig werden wenn sie wollte. "Was hast du denn gedacht was passieren würde? Du hast keine Ahnung. Warum glaubst du eigentlich das er das alles tut? Hast du dich das mal gefragt? Er tut das für dich! Nur für dich! Er hofft das alles wieder gut wird, sobald er Vader zur Strecke gebracht hat. Sobald das Imperium zerstört ist. Das ist die Hoffnung an die er sich klammert."

Dann kniff sie ihre Augen zusammen. "Aber wir wissen das es keine Hoffnung mehr gibt, oder? Es ist egal was er tut, alles was du kannst ist ihn von dir zu stoßen. So wie du alles und jeden von dir stößt. Nicht nur mit ihm tust du das, auch mit uns."

Padmé schloss ihre Hände zu Fäusten. Ihr Mund war trocken, ihre Kehle schien zugeschnürt zu sein. Reden war unmöglich. Sie dachte an all die Momente in denen Padmé genau diese Dinge gedacht hatte. Es war erschreckend sie jetzt aus dem Mund ihrer Tochter, dieser fremden Frau, zu hören.

"Doch um so öfter du ihn von dir stößt, um so weiter entfernt er sich. Leider muss ich dir sagen das jeder eine Grenze hat. Jeder gibt irgendwann auf. Auch Dad wird irgendwann an einen Punkt kommen an dem er nicht mehr kann. Denn ich glaube zwischen euch beiden ist er es der auf der Strecke bleibt. Irgendwann erreichst du was du willst. Irgendwann wird er keinen Weg mehr zurück zu dir finden können, weil du ihm zu sehr weh getan hast."

Leia war nun näher gekommen und bei den letzten Worten hatte sich etwas in ihrem Gesicht verändert. Da lag eine Eindringlichkeit die Padmé hinfort sehen ließ. Zuviel, dachte sie, zu nah...

"Ihr habt euch mal geliebt. Erinnerst du dich noch daran? Oder hat Vader jedes Gefühl aus dir heraus geschnitten?

Padmé erinnerte sich an das eine Mal das sie Sola geohrfeigt hatte. Padmé war acht oder neun Jahre alt gewesen. Fast noch ein Kind, aber eben nur fast. Noch heute konnte sie sich an das erschrockenes Gesicht ihrer Schwester erinnern und an Padmés eigenen Schock darüber was sie getan hatte.

Genau so war es jetzt auch. Sie ohrfeigte Leia. Ihr Kopf ruckte herum. Dann sah sie ihre Mutter aus fassungslosen Augen an.

Padmé war genau so erschrocken über ihre Reaktion wie Leia.

Es half nur einen kurzen Moment gegen die Gefühle die sie nicht kontrollieren konnte.

"Wer bist du eigentlich?" fragte Leia nun mit zitternder Stimme. "Du versteckst dich hier, tust nichts als dich zu bemitleiden. Dabei bringt es doch nichts zu weinen und sich zu grämen. Das habe ich von dir gelernt."

Leia holte zitternd Luft. "Nein, das habe ich von der Frau gelernt die du gewesen bist. Jetzt bist du nur noch eine Hülle. Schön, aber traurig und bitter. Kein Wunder das Dad nicht heim kommt."

Padmé presste ihre Lippen zusammen und schlug die Augen nieder. Als sie wieder aufsah, konnte sie die Worte nicht aufhalten, die ihr Mund ausspuckte als sei es Gift.

"Du bist deinem Vater so ähnlich." Ihre Stimme war kalt. Leia drehte sich noch einmal um, durchbohrte sie mit ihren Augen.

"Das will ich doch hoffen." Leia stapfte zur Tür.

"Oh nein, Leia, ich rede nicht von deinem Dad. Ich rede von deinem Vater. Ich rede von Anakin Skywalker. Du hast sehr viel mehr von ihm als du denkst."

Damit war alles gesagt.

Die beiden Frauen sahen sich mit Tränen in den Augen an. Keiner von ihnen in der Lage fort zu sehen. Beide hatten sich schwer verletzt und der Moment brannte sich unwillkürlich in Padmés Erinnerung.

Dann wandte sich Leia ab und stürme aus der Küche. Ihr langes Haar flog hinter ihr her.

Luke war der Erste der ihr folgte. Er konnte Padmé nicht ansehen, als er seiner Schwester nach ging. Benji verließ ebenfalls traurig die Küche und folgte den beiden Älteren.

Nur Cordé saß an der Theke und sah ihre Mutter missbilligend. Ihr Blick war seltsamerweise am schwersten zu ertragen. Es war als würde die junge idealistische Padmé mit ihren hohen moralischen Standards, die Padmé der Vergangenheit sie ansehen und beurteilen.

Irgendwann im letzten Jahr war ihre Tochter ihr noch ähnlicher geworden. Wo Padmé früher nur Sola gesehen hatte, konnte sie nun sich selbst in ihr erkennen. Sie spürte die Scham in ihrer Kehle brennen.

Schließlich stand auch Cordé auf und ließ sie allein.

Erst dann setzte sie sich zitternd an den Küchentisch. Sie schlug die Hände vor die Augen, doch die Tränen die in ihren Augen stachen, blieben wo sie waren.

Keine Tränen. Keine Erleichterung. Nur die furchtbare Leere in ihrem Innern und die Befriedigung darüber Leia weh getan zu haben.

Wann genau war sie zu dieser Frau geworden?

Immer wieder quälte sie die Szene die sich so eben abgespielt hatte. Leia, wie sie ihre Wange berührte, das kleine 'o' ihres leicht geöffneten Mundes.

Während all dem hörte sie ihre Anschuldigungen immer wieder durch ihren Kopf hallen.

Hatte sie recht?

Natürlich hat sie das, das weißt du doch. Sie hat nichts gesagt was du im letzten halben Jahr nicht auch selbst das ein oder andere Mal gedacht hast.

Padmé dachte an Obi-Wan und sie fragte sich mit brennendem Herzen ob auch er diese Dinge dachte.

"Glaubst du das dies etwas ändern würde? Letztendlich würde es mehr Schaden anrichten, als das ganze Wert wäre."

Wie oft hatte sie diese Worte in ihren Gedanken gehört und weit zärtlichere Eingeständnisse vergessen oder nicht hören wollen. War es das? War sie einfach nicht länger fähig zu glauben das sie so etwas wie Liebe oder zumindest Freundschaft verdient hatte?

Padmé wusste nicht wie lange sie in der Küche gesessen hatte. Es waren nicht rationale Gedanken die sie weiter brachten. Es waren die selben alten Spiralen die immer wieder in den gleichen Abgrund führten.

"Es tut mir leid."

Padmé sagte die Worte in die Dunkelheit, zu Leias Rücken. Es dauerte eine Weile bis ihre Tochter reagierte. Sehr langsam drehte sie sich um und sah Padmé an. Die Schatten ließen Leia sehr viel älter wirken als sie es war. Sie fühlte sich plötzlich als stünde sie ihrer Tochter in der Zukunft gegenüber.

"Du hast recht," begann Padmé, als Leia nichts erwiderte. ",ich bin nicht mehr die Frau die ich mal war. Es ist eine andere Frau von Vaders Kriegsschiff zurückgekehrt. Manchmal weiß ich nicht warum ich etwas tue. Manchmal will ich etwas tun und kann es nicht. Ich weiß nicht ob ich jemals wieder die Frau sein werde die ich einmal war, Leia."

Leia wirkte bedrückt. Sie hatte ihre Arme um sich gelegt.

"Ich hätte das nicht sagen sollen. Das du... Traurig und bitter bist. Ich weiß nicht-" Stirn reibend verbarg sie ihre Scham.

"Du hast nur die Wahrheit gesagt, Leia." Padmé sprach gedämpft, sie versuchte nüchtern zu klingen, doch wahrscheinlich klang es nur niedergeschlagen. "Du hast immer nur die Wahrheit gesagt. Das ist eine Eigenschaft die ich sehr an dir schätze."

"Ja, vielleicht. Aber ich habe es auf eine Art gesagt von der ich wusste das sie dir weh tun würde. Ich wollte dir weh tun."

"Ich weiß. Und ich dir."

Mutter und Tochter sahen sich an. Als sie schließlich beide die Worte fanden sich zu entschuldigen fielen diese Zeitgleich aus ihrem Mund. Padmé sah das zarte Lächeln das sich auf ihren Lippen formte auf dem Gesicht ihrer Tochter. Sie waren sich ähnlicher als sie gedachte hatte.

Sie setzten sich gemeinsam auf die Bank nahe der Terrassentür und sahen sich die Landschaft an. Schließlich sagte Leia: "Eben, als du sagtest ich sei meinem Vater ähnlicher als ich ahne, meintest du da tatsächlich Anakin Skywalker oder Lord Vader?"

Padmés Kopf ruckte hoch, sie sah Leia überrascht an.

"Dad hat es uns gesagt." begann die jüngere Frau. "Das Anakin Skywalker Lord Vader ist." Leia sog die kühle Nachtluft ein und straffte die herabgefallenen Schultern. "Zu seiner Verteidigung: Luke hat es geahnt."

Padmé war sprachlos. Leias Gesicht blieb abgewandt. Was dachte sie darüber? Padmé konnte es nicht sagen. Der erste Gedanke war: Wie konnte er nur? Wie hatte er es ihnen nur sagen können ohne sie zu fragen?

Doch dann kamen Leias Worte über Luke zurück. Wahrscheinlich hatten sie beide ihren Vater in die Ecke gedrängt.

"Es war nicht an ihm das zu entscheiden." Padmés Stimme zitterte.

Leia blickte sie mit gerunzelter Stirn an.

"Er ist unser Dad, natürlich ist es an ihm gewesen es uns zu sagen. Es war uns kaum möglich nach Naboo zu kommen um alles mit dir zu besprechen."

Padmé schwieg. Leias Worte waren wahr.

"Es tut mir leid..." Sie schüttelte schweren Herzens den Kopf. "All die Lügen, all die Geheimnisse. Ich habe es euch nie so schwer machen wollen. Ich hatte gehofft ihr könntet ein normales Leben führen."

Leias Blick war eindringlich. "Ich führe genau das Leben das ich führen will. Ein anderes käme nicht für mich in Frage."

Eine Zeit lang hingen sie beide ihren Gedanken nach. Die Stille der aufziehenden Nacht hüllte sie gutmütig ein.

"Ich meinte Anakin Skywalker." Padmé wartete bis Leia sie ansah, bis sie fortfuhr: "Niemals würde ich einen von euch mit dem Sith vergleichen. Darth Vader ist nicht Anakin Skywalker."

Padmé strich ihrer älteren Tochter das Haar aus dem Gesicht. Sah die Ähnlichkeit zu ihrem Vater, zu ihrer eigenen Familie und dahinter die Ähnlichkeit zu Obi-Wan, die tiefer lag als das was man sehen konnte. Es war alles hier, in ihrem Gesicht.

Plötzlich wirkte sie wie ein kleines Mädchen auf sie, als sie sich so das Gesicht streicheln ließ. Sie wirkte wie jemand der Heimweh hatte.

"Ich vermisse unsere Familie, Mom. Alles ist so anders."

Padmé wünschte sie könnte sich an diese Zeit erinnern, so wie Leia. Ihre Augen waren feucht, ihr Mund trocken.

"Luke und ich sind Soldaten. Dad ist unser General. Alles hat sich verändert." Sie schüttelte den Kopf, als könne sie es nicht glauben. Nach einiger Zeit mit Blick auf ihre Mutter fuhr sie fort: "Es ist wirklich so das er immer wieder mal Angebote von Frauen bekommt, weißt du. Manche sind nicht einmal halb so alt wie er." Leia schnaufte und sah auf ihre Hände. "Da ist diese eine Frau, sie ist in der Pilotenstaffel. Dad kennt sie von Tatooine. Ist das nicht verrückt? Kavanaugh, ja so heißt sie."

Padmé spürte wie eine Erinnerung sie durchzuckte.

Karlie. Karlie Kavanaugh.

Die großgewachsene, blonde Schönheit. Veras Lieblingsnichte. Die Erinnerung führte Padmé in die Wüste Tatooines. An einen lauen Abend an dem ein Willkommensfest zu Ehren der jüngeren Frau stattgefunden hatte.

Sie erinnerte sich daran wie Obi-Wan mit der jungen Frau getanzt hatte. Padmé fühlte sich als habe Leia mit ihrer Äußerung eine Kiste mit verborgenen Dingen geöffnet. Es erstaunte Padmé. Es erschreckte sie ebenso sehr.

Für einen Moment konnte sie sein Gesicht so klar vor sich sehen, als stünde er direkt hier bei ihnen. Sein Haar war noch rot, damals. Seine Augen hingegen strahlten meerblau vor der Eintönigkeit des Wüstenplanet.

Die Gefühle die bei diesen Erinnerungen ausgelöst wurden waren stark. So stark das Padmé erstaunt Luft holte und die Hand vor die Brust schlug.

Leia sah sie erstaunt an, als verstünde sie nicht was passierte.

"Mom? Ist alles ok?"

Es dauerte einen Moment bis sie sich gefangen hatte. Sie stammelte etwas, das sie sich tatsächlich an eine Kavanaugh erinnerte. Weißt du noch, Veras Nichte? Doch Leia erinnerte sich nicht, es war zu lange her.

Doch Padmé stand in ihrer Erinnerung neben ihrem jüngeren Selbst, die den windenden Luke an sich presste und Obi-Wan und Karlie zusah.

Karlie Kavanaugh. Der Dorn in ihrer Seite.

Da war sie wieder- und es gefiel Padmé ganz und gar nicht.