Disclaimer: Der letzte Disclaimer in dieser Geschichte... Harry Potter gehört Joanne K. Rowling und ‚Old Faces, New Tricks' ist geistiges Eigentum von Jagged Epiphany – ich bin hier nur die Übersetzerin!

Ü/N: Gott, ich kann es nicht fassen. Das große Ende… Fünfzig Kapitel Freude, Leid, Lachen und Tränen.

Dann auch wie versprochen die Infos zum Sequel:

Der Titel ist (auch wenn ich es wahrscheinlich schon X-mal erwähnt habe... ich geh lieber auf Nummer sicher) ‚Castles in the Air' (dt. „Luftschlösser").

Alicia versucht, dass CITA fünfzig Kapitel lang wird, sodass es mit OFNT zusammen schöne, runde Hundert ergibt. Jedes Kapitel wird mindestens fünfundzwanzig Seiten lang sein, wodurch CITA länger sein wird als OFNT, bei dem die Kapitel zu Beginn recht kurz sind.

Kapitelnamen wird es grundsätzlich geben, damit Alicia Anhaltspunkte zum Inhalt hat... und auch für die Leser ist das ja gar nicht so schlecht. Im Laufe des Kapitels wird auch klar, warum es gerade so heißt. Am Anfang wird immer ein Zitat stehen, das irgendetwas mit dem Inhalt zu tun hat.

Tja, bezüglich des Plots war die Autorin mit Informationen sehr zurückhaltend und ich werde hier nur das sagen, was sie auch erwähnt hat. Sie hat verraten, dass in den letzten paar Kapiteln von OFNT viele Hinweise auf das Sequel zu finden sind, die möglicherweise jedoch erst beim zweiten Lesen auffallen. Alles passiert aus bestimmten Gründen.

Jetzt zum allgemeineren CITA-Info. Es wird spektakulär. Wer die letzten Kapitel von OFNT gut fand, den wird CITA vom Hocker reißen, weil es noch viel intensiver ist. In OFNT machen die Charaktere dumme Fehler. In CITA machen sie auch Fehler, aber das werden die Fehler von Erwachsenen sein, die sie ja schließlich sind. Insgesamt wird das ganze Drumherum erwachsener. Es wird trotzdem noch Humor und Romantik geben, doch könnte das möglicherweise von den dunkleren Tönen überschattet werden.

In CITA wird es viel mehr um die Gefühle der Charaktere gehen. Außerdem wird die Geschichte nicht mehr so stark von der Beziehung zwischen George und Alicia dominiert werden. OFNT war die Geschichte ihrer Liebe, darum wurde sie überhaupt geschrieben. Doch in CITA wird es ausgeglichener sein, die anderen Vier werden ebenso große Rollen spielen. Die Autorin freut sich sogar mehr auf die Storylines für F/A und K/L als auf alles andere. Angelinas komisches Verhalten hat einen Grund, der erklärt wird, ebenso wie der Ausflug in Lees Vergangenheit.

Alicia (also, die Autorin) hat ein paar Asse im Ärmel, die schockieren werden (ihre Worte), weil man so was von ihr nicht erwatet. Nur vier Tipps, die man im Hinterkopf behalten sollte:

1. Wir kennen Jasmines Vater immer noch nicht.

2. Oliver ist immer noch am Leben und Single.

3. Krieg bedeutet Tod.

4. Es gibt keine Garantie auf Happy Endings für alle.

Zum Schluss noch fünf zusammenhanglose Worte, die im Sequel von großer Bedeutung sein werden. Sie stehen in keiner besonderen Reihenfolge:

Oliver. Crucio. Verrat. Spanien. Baby.

Das war es zu CITA. Und jetzt weiter mit dem letzten Kapitel, worauf sicher schon alle warten.

Kapitel 49 (50)

In den Tausenden von Jahren, in denen es majestätisch und einladend der Zeit trotzte, war Hogwarts für seine Schüler immer mehr gewesen als nur eine Schule. Es war ein Zuhause in der Ferne. Ein Ort, wo sie sich keine Gedanken darüber machen mussten, was der Rest der Welt tat. Sie fanden in seinen geweihten Hallen immer ein freundliches Gesicht. Praktischerweise war das Schloss auch groß genug, um die unfreundlichen Gesichter zu meiden.

Leider bemerkten die meisten Hogwarts-Schüler nicht einmal, wie außergewöhnlich ihre Schule war, bis es fast zu spät war. In ihren letzten paar Wochen sahen sie es mit neuen Augen. Es war, als wenn sie wieder Erstklässler waren. Plötzlich waren die Ländereien erstaunlich schön und die alten Gemäuer im Innern erzählten zahllose Geschichten. Im Mai und Juni sah man Siebtklässler mitten im Gang inne halten, um mit den Geistern ein Pläuschchen zu halten, beim Abendessen herzhaft zugreifen, Filch anlächeln und mit den Fingern über alte Bücher in der Bibliothek fahren. Alles war neu und faszinierend für sie.

Die Spitze des höchsten Turmes bot die beste Aussicht über die gesamte Schule. Als die Gryffindors zur Spitze des Nordturm hinaufgingen, waren sie nicht die ersten Siebtklässler, die an dieser Stelle standen. Alicia, die sich ein Fotoalbum zusammenstellte, das sie mit ins Ausland nehmen wollte, versuchte, die anderen Drei dazu zu bringen, für sie zu posieren.

„Näher zusammen", befahl Alicia. „Lee, leg deine Arme um die beiden. Um Gottes Willen, zuck nicht so zusammen, Katie, es ist doch nur Lee. Lächeln, Angelina!"

Fred und George waren vor drei Tagen entkommen. Das große Loch, das sie hinterlassen hatten, war noch lange nicht gestopft, doch langsam fiel es ihnen etwas leichter. Alle redeten noch immer über ihren spektakulären Abgang, was ihren Freunden nicht unbedingt dabei half, es zu vergessen. Angelina erzählte immer noch jedem, der es hören wollte, dass Fred ihr Freund war. Leider hatte das zu einer unschönen Auseinandersetzung mit einer Gruppe von Sechstklässlerinnen aus Ravenclaw geführt, die behauptet hatten, dass Fred sich nicht einmal mehr an Angelinas Namen erinnern würde, nachdem sie mit ihm fertig waren.

Glücklicherweise war Lee da, um die brüllende und um sich tretende Angelina wegzuzerren.

„Lee! Wohin willst du?", schrie Alicia.

„Es bringt nichts, ein Foto machen zu wollen, wenn Katie nicht will, dass ich sie berühre", murmelte er ohne sich umzudrehen, während er die Tür öffnete.

„Komm schon, Lee! Geh nicht!"

„Wir sehen uns beim Abendessen. Versucht, euch nicht allzu viel Ärger einzuhandeln." Er betrat die Treppe, ohne sie noch eines Blickes zu würdigen.

Sobald sich die Tür geschlossen hatte, wandten sich Alicia und Angelina Katie zu. Diese seufzte nur tief und sah hinaus auf die Ländereien. „Ich fand schon immer, dass Hogwarts in der Dämmerung am Schönsten aussieht", sagte sie.

„Was war das gerade?", wollte Angelina wissen.

„Wie konntest du ihm das antun?", fragte Alicia und trat neben sie.

„Du solltest ein Foto machen, bevor das Licht weg ist", sagte Katie, ihre Fragen ignorierend.

Sie hätte es besser wissen sollen. Angelina mochte es nicht, ignoriert zu werden. Sie packte Katie bei den Armen und drehte sie zu sich herum. „Warum behandelst du ihn so? Er war in den letzten Tagen so wundervoll."

„Ich weiß!", schrie Katie plötzlich.

Angelina ließ sie überrascht los. Katie wurde fast nie wütend. Eigentlich hob sie kaum ihre Stimme, wenn sie wütend war. Jetzt war ihr hübsches Gesicht vor Qual verzerrt. Sie stürmte hinüber zur anderen Seite des Turms und vergrub das Gesicht zwischen den Händen.

Alicia tauschte einen besorgten Blick mit Angelina. Es war so untypisch für ihre Freundin. „Katie?", fragte Alicia sanft.

„Ich liebe ihn immer noch, okay!", sagte Katie laut. Sie ließ ihre Hände sinken und enthüllte feuchte Augen. „Es wird immer schwerer, es zu verstecken, wo er so aufmerksam und liebevoll ist. Warum kann er nicht ein selbstsüchtiger, schäbiger Idiot sein, genau wie jeder andere Typ an der Schule?"

„Weil er unser Lee ist", sagte Angelina einfach.

„Er ist aber nicht wirklich mein Lee, stimmt's?", fragte Katie verzweifelt. „Ich meine, egal wie ich empfinde, er liebt mich trotzdem nicht."

„Wo ist der Beweis?", fragte Alicia. Sie legte Katie den Arm um die Schultern. „Alles, was ich sehe, ist, dass du ihm etwas bedeutest."

„Das ist nicht genug." Katie drehte sich um und umarmte Alicia fest. „Ich kann nicht mit jemandem zusammen sein, der meine Liebe nicht erwidert. Es war nicht fair, für keinen von uns."

„Was willst du dann tun?"

„Über ihn hinwegkommen, denke ich. Ich werde aber wohl meine Pläne für London aufgeben müssen. Da geht er hin, wenn er mit der Schule fertig ist. Es gibt noch ein paar andere magische Krankenhäuser im Land, wo ich meine Ausbildung machen kann."

Angelina stampfte mit dem Fuß auf und ihre Freundinnen sprangen erschrocken auseinander. „Ich werde auf keinen Fall zulassen, dass ihr beide mich verlasst."

„Ich werde dich von Zeit zu Zeit besuchen kommen", sagte Katie schnell.

„Nein! Das wird nicht reichen!", sagte Angelina, ihre Stimme dünn und hoch. „Wir haben nicht sieben Jahre miteinander geteilt, um so getrennt zu enden. Das wird nicht passieren!"

„Beruhig dich", sagte Alicia beschwichtigend. „Menschen leben sich nach der Schule auseinander. So ist das Leben, Süße."

„Das wird bei mir nicht klappen", sagte Angelina stur und verschränkte die Arme vor der Brust. „Wen werde ich noch haben, wenn ihr beide geht? Sicher, mit Fred kann man gut knutschen, aber manchmal ist ein ernstes Gespräch mit ihm so lustig wie sich mit dem spitzen Ende eines Federkiels ins Auge zu stechen. Zu wem soll ich dann gehen?"

„Du übertreibst, Ang, es ist ja nicht so, als wären wir auf dem Mars", sagte Katie.

„LEE!", kreischte Angelina. „Komm sofort wieder hier raus!"

Jegliche Farbe wich von Katies Gesicht. Alicia runzelte verwirrte die Stirn. Angelina lächelte nur süffisant und drehte sich wieder zur Tür um. Nichts passierte und sie wurde wütend.

„Lee Jordan, du hast genau fünf Sekunden um hier raus zu kommen! Eins! Zwei! Dr-"

Die Tür schwang langsam auf und enthüllte Lee, der am Kopf der Wendeltreppe stand. Sein Gesichtsausdruck war unlesbar. Katie quietschte und vergrub ihr Gesicht an Alicias Hals.

„Du wusstest, dass er die ganze Zeit dort gestanden hat", sagte Alicia zu Angelina.

Diese zuckte nur mit den Schultern. „Ich bin überrascht, dass ich die Einzige war, die wusste, dass er da bleiben würde. Ehrlich mal, er war nie mehr als ein paar Meter von uns entfernt seit die Jungs weg sind. Habt ihr wirklich gedacht, dass er uns hier alleine lassen würde, ohne vorher sicher zu gehen, dass wir okay sind?"

„Er hat alles gehört", schluchzte Katie leise. „Ich fühle mich wie so ein Idiot."

„Du bist kein Idiot, Kat, rede einfach mit ihm."

„Ich kann ihn nicht mal ansehen."

Alicia seufzte, während Katies Tränen über ihren Kragen rannen. Sie winkte Lee herüber, doch er stand nur da und starrte sie an. Angelina knurrte und schob ihn in die richtige Richtung.

„Da, siehst du, Katie, Lee ist jetzt hier. Ang und ich werden euch jetzt alleine lassen, damit ihr alles klären könnt."

„Geht nicht", sagte Katie und verstärkte ihren Griff.

„Das wird schon", versicherte Alicia ihr. Sie löste sanft die Finger ihrer Freundin von ihrer Taille. „Nimm sie, Lee."

Lee streckte die Arme aus, um Katie zu packen, doch sie war zu schnell für ihn. Sie setzte sich einfach dort hin, wo sie eben noch gestanden hatte und zog ihre Knie an die Brust. Sie vergrub wieder ihr Gesicht. „Ich will, dass du auch gehst", sagte sie rau. „Du hast mich schon wie einen Idioten dastehen lassen."

„Wenn es dich tröstet, so wollte ich das nicht. Ich hatte ja nicht wissen können, dass du so was sagen würdest." Seine Stimme war sanft, nah. Er musste vor ihr sitzen.

„Ich habe das, was ich gesagt habe, nicht so gemeint", beharrte Katie wenig überzeugend.

Als Lee wieder sprach, war seine Stimme leicht und jovial. „Das hier erinnert mich an unsere Begegnung von der Nacht des Weihnachtsballes. Erinnerst du dich daran?"

„Natürlich", murmelte sie und fragte sich, worauf er hinauswollte.

„Du wolltest mich damals auch nicht angucken. Ich bin aber zu dir durchgekommen, oder? Ich habe die den Umhang weggezogen und du bist auf mich gefallen. Dann haben wir uns zum ersten Mal geküsst. Kannst du dich daran erinnern? Ich nenne den Kuss kurz und überragend. Ein bisschen wie du, Glöckchen."

Katie lächelte und lachte beinahe auch. Sie konnte sich gerade noch davon abhalten, was ihr jedoch einen Schluckauf einbrachte. Glöckchen war der Spitzname, den ihre drei älteren Brüder ihr als Kind gegeben hatten. Sie hatte es immer gehasst, die Jüngste und Kleinste zu sein.

Lee lehnte sich in ihre Richtung. Sie konnte seinen warmen Atem auf ihrem Ohr und ihrem Hals spüren. Sie wollte wegrücken, konnte es jedoch nicht. „Du weißt aber, wie überragend du bist, oder?"

„Oh", stöhnte Katie. Er zog sie langsam aber sicher aus ihrem Schneckenhaus. Sanft umwerbend und schmeichelnd, seine Worte nicht zufällig, sondern geübt und geplant, als wenn seine einzige Aufgabe im Leben war, ihren Widerstand zum Schmelzen zu bringen. Die ersten Schichten begannen bereits zu fallen, wie Rinde, die von einem Baum geschabt wird.

„Ich wette, du möchtest wissen, warum du so überragend bist. Ich werde es dir sagen, weil du sicher vor Neugierde stirbst. Du bist überragend, weil so viel in diese kleine, perfekte Schale passt. Früher habe ich versucht herauszufinden, wie das möglich ist. Ich habe entdeckt, dass je mehr man versucht es zu analysieren, desto verworrener wird es. Du bist, wer du bist, meine überragende Katie Bell."

Als er den letzten Satz in ihr Ohr flüsterte, hickste sie laut, worauf er lachte und ihr den Rücken rieb. „Weißt du eigentlich, wie viele verschiedene Arten zu lachen du hast? Natürlich weißt du es nicht. Na ja, ich habe sie gezählt, es sind zwölf. Wie kann eine so kleine Person so viele verschiedene Arten des Lachens haben? Eins meiner liebsten ist das freche Kichern, das du von dir gibst, wenn du gerade eine kleine Fiesheit begangen hast. Davon laufen mir wohlige Schauer über den Rücken. Oh, das nervöse Lachen, das vor Quidditchspielen auftaucht ist immer süß. Mein Liebling ist aber definitiv dein hysterisches Lachen. Das ist das, wo du wirklich loslässt. Du weinst und ringst nach Atem, während es deinen Körper verkrampft, verdreht und schüttelt. Es fesselt mich jedes Mal."

„Stop", sagte Katie plötzlich und hob abrupt den Kopf. Mehr und mehr Schichten waren von ihr abgefallen und ins Nichts gesegelt. Wenn er sie weiter so abschälte, würde ihr nichts mehr von sich bleiben.

Lee lehnte sich zurück, einen zufriedenen Ausdruck auf dem Gesicht. „Ich hab dich schon wieder hervorgeholt, Glöckchen, und dieses Mal musste ich nicht mal Gewalt anwenden. Es ist wirklich schade, dass du nichts von dem gemeint hast, was du vorhin gesagt hast. Weißt du, ich könnte auch nicht mit jemandem zusammen sein, der meine Liebe nicht erwidert."

Katie blinzelte und ein paar verirrte Tränen fielen von ihren Wimpern. „Willst du damit sagen, dass du mich liebst?"

„Du bist ein beängstigend merkwürdiges Mädchen", sagte er liebevoll, „aber ja, ich liebe dich."

Katie wollte so vieles sagen – sie war kurz vorm Bersten. Alles, was sie jedoch herausbrauchte, war ein Hicksen und das unsinnige Wort „Gorbel".

Lee nickte, als wenn es das Tiefgründigste wäre, das er je gehört hatte. „Da stimme ich zu. Ganz klar Gorbel."

Lachen stieg in Katies Hals auf, kämpfte sich an dem Klumpen dort vorbei und brach dann in einer Kakophonie von Hicksen, Husten, Schluchzen und Kichern aus ihr hervor. Es half auch nicht, dass Lee irgendetwas Unsinniges sagte, nur um sie weiter lachen zu hören. Als sie schließlich wieder still und ruhig war, fühlte sie sich gleichzeitig erschöpft und aufgedreht. Sie fühlte sich wieder ganz, als wenn sie ihr Leben zurückbekommen hätte.

„Schatz, kannst du dich kurz aufsetzen?"

Katie gehorchte sofort und richtete sich wieder auf. Sie fuhr sich mit den Händen durch die Haare und hoffte, dass sie nicht so aufgelöst aussah, wie sie sich fühlte. „Tut mir Leid, dass ich mich so verrückt benommen habe", entschuldigte sie sich verlegen.

Lee hielt sie davon ab, weiter an ihrem Haar zu zupfen, indem er ihre Hände nahm und sie fest zwischen seinen hielt. „Dich verrückt benommen? Ich glaube, wir können ohne schlechtes Gewissen sagen, dass es nie anders war. Nein, lass deine Haare in Ruhe. Sie sehen auch so wunderschön aus."

Katie schüttelte den Kopf. „Sei wenigstens so anständig und sei ehrlich. Ich weiß, dass ich schrecklich aussehen muss. Sag es einfach."

„Du siehst absolut grauenhaft aus. Zufrieden?"

„Nein, komischerweise nicht."

„Es wäre auch okay, wenn du grauenhaft aussehen würdest. Ich würde immer noch gerne wollen, dass du mit mir zusammenziehst."

„B-bitte?", stotterte Katie.

„Würdest du nach der Schule mit mir zusammenziehen?", fragte Lee ernst und drückte ihre Hände.

„Ich? Mit dir?"

Er lächelte und nickte langsam. „Ja. Du und ich. Wie klingt das?"

„Ich weiß nicht", sagte Katie. Irgendwann hatte sie angefangen zu zittern und jetzt konnte sie nicht damit aufhören. „Wo würden wir denn wohnen?"

„Meine Eltern haben eine kleine Wohnung im Außenbereich von London. So eine Investment-Sache. Jetzt bestehen sie darauf, dass ich darin wohne."

Mit Lee in einer Wohnung in London wohnen? Es war zu schön um wahr zu sein. Katie grub heimlich ihre Fingernägel in die Handfläche. Es tat ziemlich weh und sie wachte nicht auf. Lee fragte sie wirklich, ob sie mit ihm zusammenziehen wollte. Vor zehn Minuten war sie sich sicher gewesen, dass er sie hasste. Es war ein bisschen viel auf einmal.

„Ich werde darüber nachdenken müssen." Sie biss sich auf die Lippe und hoffte, dass er nicht allzu sehr verletzt sein würde.

Er jedoch lächelte nur sein preisgekröntes Lächeln und blieb unbeirrt. „Das hatte ich erwartet. Weißt du, du kannst dir so lange Zeit nehmen, wie du willst. Wenn du dich nicht dabei wohl fühlst, sofort nach der Schule einzuziehen, können wir auch noch ein paar Monate warten. Was immer dich glücklich macht. Alternativ könnten wir auch-"

„Ja!"

„Was?"

„Ja! Ich werde mit dir zusammenziehen!"

„Äh, das ging schnell. Bist du dir sicher, dass du das willst?", fragte Lee, mehr als nur ein wenig angespannt aussehend.

Katie nickte nachdrücklich mit leuchtenden blauen Augen. „Da gibt es nicht viel nachzudenken. Ich würde viel lieber mit dir in einer hübschen Wohnung leben als zusammen mit Fremden auf der Akademie."

„Weißt du aber auch, was das Zusammenleben mit sich bringen würde? Die Wohnung hat nur ein Schlafzimmer und ein Bad, Katie."

Sie zuckte mit den Schultern und grinste frech. „Das ist ganz einfach zu lösen. Du schläfst auf dem Sofa und ich gehe jeden Morgen zuerst ins Bad. Ich kann aber nicht garantieren, dass ich genug heißes Wasser übrig lasse."

„Das ist nicht ganz das, was ich mir vorgestellt hatte, als ich dich gefragt habe, ob du mit mir zusammenziehen willst", sagte Lee, zögerlich und nervös aussehend. „Ich bin mir nicht sicher, ob du wirklich verstehst, was ich meine."

Katie schlang beruhigend einen Arm um seinen Hals. „Entspann dich, ich weiß genau, was du meinst. Ich hab doch nur Spaß gemacht. Ich verstehe schon, dass zusammenleben auch bedeutet, ein Leben miteinander zu teilen. Es macht mir nichts aus, ein Bett oder Bad mit dir zu teilen."

„Wirklich?"

Wirklich!"

„Ich glaube, ich liebe dich sogar noch mehr."

Dann küssten sie sich endlich. Aus irgendeinem Grund fühlte es sich anders an als jeder Kuss, den sie vorher geteilt hatten. Es war womöglich das Bewusstsein ihrer Gefühle, das es besser machte. Ein Kuss mit jemandem, den man mag, ist eine Berührung der Lippen; ein Kuss mit jemandem, den man liebt, ist eine Berührung der Seelen. Zum ersten Mal waren Lee und Katie auf einer Ebene miteinander verbunden, die über das Körperliche hinausging. Beide fühlten es und lehnten sich gleichzeitig zurück.

„Whoa", sagte Lee leise.

„Das war anders, hm?"

„Definitiv. Es scheint, als wären wir ziemlich gut zusammen."

„Ziemlich gut? Wir sind verdammt perfekt!", sagte Katie.

Lee gab ihr noch einen kurzen Kuss. Mittendrin flog die Tür auf und es gab einen hellen Blitz und das Klicken einer Kamera. Als das Paar sich voneinander löste, standen Angelina und Alicia da, mit feuchten Augen, aber glücklich.

„Habt ihr alles gehört?", fragte Katie aufgeregt, erhob sich und zog Lee mit sich.

„Wir haben jedes Wort gehört", bestätigte Alicia. „Ich will, dass Lee mein Freund ist."

„Jah, Fred hat mir nie gesagt, dass ich überragend bin", fügte Angelina hinzu.

„Na ja", sagte Lee etwas verlegen, „um ehrlich zu sein, habe ich diese kleine Rede schon eine ganze Weile geplant. Ich dachte nur nicht, dass ich sie schon vor der Abschlussfeier halten würde."

„Trotzdem war es wirklich süß von dir."

Alicia seufzte verträumt. „Ich mochte den Teil, wo du ihr von ihren Arten zu lachen erzählt hast."

„Mm. Und als du sie gefragt hast, ob sie mit dir zusammenziehen würde, auch wenn sie grauenhaft aussieht."

„Oh, als du den kurzen und überragenden Kuss mit Katie selbst verglichen hast! Das war wundervoll", schwärmte Alicia.

„Ich habe mich selbst immer für recht poetisch gehalten", sagte Lee, nachdenklich in die Ferne starrend.

Angelina sah ihn an, grüblerisch auf ihrer Lippe kauend. „Ich wünschte, Fred würde solche Dinge zu mir sagen. Am nächsten daran ist er je gekommen, als er mir gesagt hat, dass mein Arsch in der Jeans heiß aussieht. Kann ich auch bei dir wohnen, Lee?"

Katie verdrehte die Augen und nahm besitzergreifend seine Hand. „Okay, das war genug ‚Wir-verehren-Lee'. Er gehört jetzt ziemlich offensichtlich mir."

Die Mädchen sahen sich für eine Sekunde an und quietschen dann alle gleichzeitig. Lee drückte sich die Hände auf die Ohren und musste einen Schritt zurücktreten, während die Jägerinnen sich umarmten. Na ja, es sah mehr wie ein Gedränge im Rugby-Spiel als wie eine Umarmung aus. Sie hüpften im Kreis, kichernd und jubelnd. Lee konnte sie nur anstarren und lächeln.

Alicia verließt den Haufen als Erste und umarmte Lee. „Ich bin so froh, dass sich für euch beide alles wieder eingerenkt hat."

Das Problem war nur, dass sie nicht mehr allzu froh aussah. „Was ist los?", fragte er.

„Ah, aufmerksam ist er auch noch", sagte Alicia spielerisch und wehrte so seine Besorgnis ab. „Könnte es sein, dass Lee Jordan der perfekte Mann ist?"

„Ich glaube, wir wissen alle, dass die Antwort ja ist. Also, warum bist du nicht mehr so glücklich wie noch vor einer Minute?"

„Ist egal."

„Es ist nicht egal", sagte Lee. „Ich habe Fred versprochen, dass ich ein Auge auf dich haben würde und sichergehe, dass du okay bist, was ja aber momentan nicht der Fall ist."

Fred hat dich darum gebeten, ein Auge auf mich zu haben? Es war nicht George?" Alicias Augen sahen plötzlich sehr groß und braun und feucht aus.

„Ich bin sicher, dass George wusste, dass es dir gut gehen würde. Fred wollte nur doppelt sicher gehen, nehme ich an. Es ist ja auch egal. Ich will wissen, was los ist."

Alicia spähte über ihre Schulter und sah, dass Angelina und Katie eine aufgeregte Unterhaltung über London führten. Sie schienen ihre Abwesenheit nicht einmal bemerkt zu haben. „Hast du einen Job in London gefunden? Was ist mit dem Kommentieren?", fragte sie Lee.

„An einen Job als Quidditch-Kommentator zu kommen ist nicht gerade leicht. Es gibt nur eine begrenzte Anzahl und sie sind hauptsächlich mit Veteranen und ehemaligen Spielern besetzt, die schon lange im Geschäft sind." Lee zuckte mit den Schultern. „Ich werde eines Tages reinkommen. Inzwischen, habe ich mir gedacht, sollte ich mir lieber mit meiner Stimme einen Namen machen. Was wäre dafür besser als der Magische Rundfunk?"

„Wow! Du gehst zum Radio?", fragte Alicia und wurde wieder aufgeregt.

„Dank McGonagall. Sie hat mir ein glühendes Empfehlungsschreiben geschrieben. Weißt du, ungefähr wie: ‚Mr. Jordan hält niemals die Klappe'. Ein paar Wochen später habe ich ein Stellenangebot von ihnen gekriegt, das ich natürlich angenommen habe. Ich denke, ich werde wahrscheinlich mit Bürotätigkeiten anfangen, wie Kaffee holen und Recherche betreiben."

Alicia umarmte ihn noch einmal und sah dieses Mal ehrlich begeistert aus. „Das ist fantastisch, Lee. Ich bin echt stolz auf dich. Ich wünschte nur, dass ich hier sein könnte, um dich zu hören, wenn du senden darfst."

„Ich werde dir Aufnahmen von meinen Sendungen schicken, wenn du versprichst, mir als Gegenleistung den Quidditch-Klatsch zu schicken."

Alicia schnaubte. „Der Prophet fände es sicher ganz reizend, wenn ich Informationen an unsere Konkurrenz weitergäbe."

Lee grinste und drehte sich um, damit er Katie beobachten konnte, sein Gesicht strahlend vor Glück. Alicias kurzer Moment der Fröhlichkeit war wieder von Melancholie verschluckt. Es war offiziell. Alle außer sie würden in London sein. Sie würden sich zweifellos treffen und zusammen losgehen. Würden sie sie überhaupt vermissen?

„Wirst du mich vermissen, Lee?"

Er drehte sich wieder zu ihr um und runzelte die Stirn. „Gott, natürlich werde ich das, Leesh."

„Und der Rest? Wird die Gruppendynamik sich ohne mich verschieben oder werdet ihr einfach weitermachen?", fragte Alicia, sich halb vor der Antwort fürchtend.

„Darum bist du also so neben dir? Du denkst, dass wir dich nicht brauchen oder so?", sagte Lee. Er legte ihr den Arm um die Schultern und sagte, „Hör mal, ich kann dir hier und jetzt sagen, wie es für uns sein wird, wenn du nicht mehr da bist. Zum Einen mal, wenn du nicht mehr da bist, um uns zu sagen, dass wir Idioten sind, werden die Zwillinge und ich wahrscheinlich nach Askaban kommen, weil wir dem Zaubereiminister einen gefährlichen und dummen Streich gespielt haben. Angelina wird wegen jeder Kleinigkeit sauer werden und weil du nicht da sein wirst, um Pazifismus zu predigen, wird sie in Dauerrage sein. Und Katie, tja, sie wird nicht so hart für die Akademie lernen, weil du nicht da bist, um sie dazu anzustacheln."

„Danke, das war nett... denke ich."

„Glaub nur niemals, dass wir ohne dich besser zurechtkommen. Wir werden dich alle vermissen – einige mehr als andere."

Alicia wusste, dass Lee auf George anspielte und ihr damit eine Gelegenheit gab, über ihn zu reden. Sie wusste jedoch, dass wenn sie damit anfinge, würden sich die Tränendämme öffnen und sie würde noch aufgewühlter. Sie war entschlossen, für Katie glücklich zu sein, die es wahrhaftig verdient hatte, endlich mit Lee zusammen zu sein.

Alicia zog Lee hinüber zu den Mädchen und wedelte mit ihrem Fotoapparat. „Okay. Ich will jetzt dieses Bild."

xxxxx

Es war kein Geheimnis, dass Angelina Johnson oftmals ein Problem damit hatte, loszulassen. Ihr Leben war so instabil gewesen, dass sie sich nach Stabilität sehnte und Veränderungen verdammte. Hogwarts zu verlassen, würde die größte Veränderung ihrem bisher kurzen Leben sein. Sie fürchtete sich so sehr davor, dass sie vor Kurzem sogar überlegt hatte, absichtlich durch die UTZe zu fallen, sodass sie ihr letztes Jahr wiederholen musste. Die Dummheit dieses Plans war ihr jedoch klar geworden, als ihr aufgegangen war, dass ihre Freunde gehen würden und sie mit den Mädchen aus der jetzigen Sechsten festsitzen würde. Diese waren Tussis erster Klasse und Angelina würde es keine Woche unter ihnen aushalten.

Dann war Fred gekommen und die Veränderung war ihr nicht mehr so immens erschienen. Ihn loszulassen, auch nur für kurze Zeit, war ein harter Kampf für sie gewesen. Sie hatte sich auf das Ende des Schuljahres gefreut, nur damit sie ihn wiedersehen konnte. Jetzt war sie in Aufruhr bezüglich des Abschlusses. Mit einer Hand würde sie Freds ergreifen und gleichzeitig würde ihre andere die größte Stabilität ihres Lebens hinter ihr lassen.

Seitdem Angelina mit Alicia auf dem Bahnsteig Neundreiviertel zusammengestoßen war und sie die Koffer vertauscht hatten, waren ihre Leben miteinander verwoben gewesen. Angelina hatte sich oft gefragt, ob ihr Treffen Schicksal oder Zufall gewesen war. Sie war normalerweise nicht sehr offen für die Schwingungen des Schicksals, aber es war doch ein wenig verdächtig, dass ihr Kofferwagen in jener Sekunde scharf nach rechts ausgebrochen war und dass sie Alicias Abteil gefunden hatte, als sie die Suche gerade aufgeben wollte.

Natürlich waren sie irgendwann Freunde geworden, da sie beide in Gryffindor waren, aber Angelina dachte lieber, dass ihr vorheriges Treffen die Freundschaft ein klein wenig anders, besonderer, machte. Die beiden hatten so verschiedene Ansichten über die Welt, dass es ein Wunder war, dass sie sich niemals ernsthaft gestritten hatten. Meist hatten sie sich einfach über ihre Uneinigkeit geeinigt und sich nicht weiter darum gekümmert, weil ihre Beziehung einfach zu wichtig war, um wegen einer Kleinigkeit weggeschmissen zu werden. Sie schämte sich dafür, doch manchmal fragte Angelina sich, was passieren müsste, um ihre Freundschaft endgültig einzureißen. Es müsste etwas Großes sein. Ein Moment des äußersten Betrugs vielleicht.

Wenn Alicia im Ausland war, würde es schwierig werden, in regelmäßigem Kontakt zu bleiben. Es würde wahrscheinlich anstrengend werden im Scherzladen und Alicia würde zweifellos damit beschäftigt sein, Quidditchspielern hinterher zu jagen. Es war unvermeidlich, dass ihre Briefwechsel abebbten und es schließlich nur noch zu Weihnachtskarten reichen würde. Sieben Jahre würden einfach so vergessen sein.

Vielleicht würde Angelina, wenn sie älter war, nichts mehr von Alicia haben als Erinnerungen. Es gab schöne und schlechte. Ihre erste Zugfahrt war eine der schönsten Erinnerungen. Genau wie das erste Quidditchspiel. Das Gewinnen des Quidditchpokals war leider ein wenig verschwommen. Die Vorbereitungen für den Weihnachtsball, dann Alicia, wie sie mit George tanzt... Der Moment in dem sie ihr und Katie erzählt, dass sie weggeht.

Es war schade, dass ihr letztes gemeinsames Spiel unter die Kategorie für schlechte Erinnerungen fallen würde.

Angelina grunzte, als sie sich ihre Handgelenkschoner anzog. Sie hatte schon vor Langem akzeptiert, dass es für sie nicht vorgesehen war, dass sie den Quidditchpokal in ihrem Jahr als Captain zu gewinnen. Sie und ihr Team hatten ihr Bestes getan, doch es war nicht genug. Sie hatten es mit Glück ins Finale geschafft und alles, worauf sie hoffen konnten, war, dass sie nicht allzu schlimm geschlagen wurden. Sie hatte entschieden, dass sie ihrem Team einfach sagen würde, da draußen Spaß zu haben, kein Druck.

Oliver würde einen Herzinfarkt haben, wenn er jemals herausfände, dass sie das sagen wollte. Er hätte dem Team zweifellos gesagt, weiterzumachen und den Gegnern nichts zu schenken. Bei Wood ging es um Alles oder Nichts.

Angelina strich ihren Umhang glatt und nahm ihren Besen. Sie atmete tief durch und setzte ein Lächeln auf, bevor sie das Kapitänsbüro verließ. Ihr Team war ein bisschen besser drauf, als sie es noch vor dem letzten Spiel gewesen waren. Sie fühlten sich anscheinend nicht unter Druck gesetzt; niemand erwartete von ihnen den Sieg.

„Fertig, Leute?"

Katie sprang auf und salutierte. „Wir sind fertig, Ma'am!"

„Lasst das ruhig", sagte Angelina fröhlich. „Lasst uns da draußen einfach etwas Spaß haben. Es wird das letzte Spiel in Hogwarts für uns drei, also sollten wir das Beste daraus machen."

Alicia und Katie senkten beide die Köpfe und schnieften leise. Ron warf ihnen merkwürdige Blicke zu und wollte gerade fragen, was los war, doch Ginny unterbrach ihn.

„Theoretisch können wir Ravenclaw immer noch schlagen", sagte sie. „Wäre es für euch Drei nicht schöner, wenn ihr mit einem Sieg gehen könntet?"

„Jah, aber ihr braucht euch nicht hoffnungsvoll ins Spiel zu stürzen. Du und Andrew und Jack, ihr wart großartige Neuzugänge in letzter Sekunde und ich habe es wirklich genossen, mit euch dreien zu spielen. Ron", sagte Angelina, trat zu ihm und legte ihm die Hand auf die Schulter, „ich war vielleicht kurz angebunden mit dir, aber ich glaube ehrlich, dass du ein talentierte Quidditchspieler bist. Ich hätte dich nicht ausgesucht, wenn ich nicht geglaubt hätte, dass du echtes Potential hast. Du hast noch keine Gelegenheit gehabt, allen zu zeigen, was du kannst, aber nächstes Jahr, da bin ich sicher, wirst du ein viel selbstsichererer Spieler sein."

Rons Ohren wurden rot und seine Stimme war heiser, als er sagte, „Es tut mir Leid, dass ich nicht so gut bin. Ich bezweifle, dass ich nächstes Jahr wieder genommen werde."

Angelina lächelte freundlich und nahm Rons Gesicht in beide Hände, sodass er nicht wegsehen konnte. „Süßer, wenn Harrys Verbot nächstes Jahr noch steht, könntest du selbst Captain sein. Ich werde dich McGonagall empfehlen, sollte Harry außer Frage stehen."

Rons ganzes Gesicht wurde rot und er stammelte etwas Unverständliches. Ginny übersetzte es mit: „Danke, Angelina, du bist wunderbar."

„Ich war nicht so nervös seit meinem ersten Spiel", gestand Katie Alicia, während Angelina mit ihren Treibern redete.

„Fred und George sollten hier sein", erwiderte Alicia seufzend. „Es fühlt sich nicht richtig an ohne sie."

„Sie sollten wenigstens zuschauen dürfen", stimmte Katie zu. „Dumbledore würde sie definitiv kommen lassen, doch leider sitzen wir mit Umbridge der Unerträglichen fest."

Angelina klatschte laut in die Hände. „Es wird Zeit, Leute. Lasst uns der Schule wenigstens eine gute Show bieten."

Alle standen auf und gerade als Angelina losmarschieren wollte, ergriff Ginny ihren Arm. „Die Jungs und ich haben bereits darüber gesprochen und wir finden, dass ihr Jägerinnen als letzte rausgehen solltet. Wir würden euch außerdem gerne Spalier stehen."

„Was?", entfuhr es Angelina und sie blinzelte das jüngere Mädchen an.

„Es war nur so eine Idee", sagte Ron schnell, „ihr müsst das nicht machen. Es war wirklich eine echt dumme Idee."

„Wovon redest du eigentlich, Ron? Es war deine Idee", sagte Andrew Kirke.

Alicia und Katie schlangen gleichzeitig die Arme um Ron, Tränen in den Augen. Ron versuchte erfolglos, sich zwischen ihnen herauszuwinden, während sie ihn drückten und ihm sagten, wie süß er war. Sie ließen ihn schließlich los und er strich seinen tränenfeuchten Umhang glatt, ein wenig aus der Bahn geworfen, aber recht zufrieden.

„Ich hätte es nicht vorgeschlagen, wenn ich gewusst hätte, dass ihr so heulen würdet", sagte er empfindlich.

Ginny verdrehte nur die Augen und schulterte ihren Besen. „Jah, klar, Ron. Morgen wirst du bei deinen Freunden angeben, dass die Jägerinnen versucht haben, dich zu begrapschen. Du bist so durchschaubar."

Lachend reichte Angelina Ron ihren Besen und schlang die Arme um Alicia und Katie. „Gebt den anderen eure Besen und dann lass uns rausgehen."

Alicia und Katie überreichten ihre Besen und Angelina zog sie aus ihrer Umkleide und in den Tunnel, der zum Feld führte.

„Ich werde den Quaffel nicht sehen können, wenn ich so weitermache", sagte Katie, während sie sich die Wangen mit ihrem Ärmel abwischte.

„Was sagt ihr, hinterlassen wir einen Eindruck?", fragte Angelina, ihre Stimme hallend im Tunnel. „Ich schlage vor, wir gehen sicher, dass wir niemals vergessen werden. Lasst uns allen zeigen, was wir wirklich drauf haben."

„Ich denke, wir haben nichts zu verlieren", sagte Katie.

Alicia war ein bisschen zögerlicher. „Was genau hast du vor? Ich gehe nicht nackt, weißt du."

„Warum denkst du gleich an Nacktheit?", zog Angelina sie auf. „Ich dachte eigentlich daran, dass wir all die Spielzüge machen könnten, die wir im Training ausprobiert haben, aber aus Angst vorher nie im richtigen Spiel angewandt haben. Ich schlage vor, wir machen sie heute."

„Meinst du den Wollongong Shimmy?", fragte Alicia leise.

„Größer, Baby." Angelina grinste diabolisch. „Lasst uns aufs Ganze gehen. Lasst uns den Leuten was zeigen, was sie noch nie gesehen haben. Abgesehen von allen bekannten Spielzügen dachte ich an Olly's Ally-oop."

Katie schnappte nach Luft und Alicia quietschte. Olly's Ally-oop war ein Spielzug, den sie nach Oliver benannt hatten, weil er versucht hatten, ihn ihnen in seinem letzten Jahr beizubringen. Leider war der Spielzug auf dem Papier um Einiges einfacher als in der Realität und das ganze verwirrende Verweben und Ausweichen hatte in vielen Beulen und Blutergüssen geendet. Die Mädchen hatten sich schnell geweigert, den Spielzug je wieder auszuprobieren. Jetzt schien ein guter Zeitpunkt, ihn zu benutzen.

„Ich sage, wir machen es", sagte Alicia und hielt im Tunnel an, um den Rest des Teams vorbei zu lassen. „Es wäre eine nette Erinnerung an Oliver und wir alle wissen, dass wir ihm eine Menge schulden. Ich wäre sicher nicht hier, wenn er nicht gewesen wäre."

„Okay, ich gebe euch das Zeichen, wenn ich den Quaffel habe. Erinnert ihr euch an die Spielzug?"

„Wir haben ihn so oft ausprobiert, dass er auf ewig auf der Innenseite meines Schädels eingraviert sein wird", antwortete Katie sarkastisch.

Alicia sah den Tunnel entlang zum Ausgang, wo die anderen Vier gerade raustraten. „Ich kann nicht glauben, dass es das jetzt ist."

Angelina nahm ihre und Katies Hände und sie gingen zusammen den Tunnel hinunter, der Lärm der Menge wuchs mit jedem ihrer Schritte. Ron, Ginny, Andrew und Jack standen am Ende des Tunnels, die Besen zu einem Bogen gehoben, unter dem die Mädchen hindurchschritten.

„Diese Ehrengarde", sage Lee gerade, „ist natürlich für die großartigen Jägerinnen, die dieses Jahr ihren Abschluss machen und das Gryffindorteam mit einem großen Loch zurücklassen. Diese Ladies werden in die Geschichte eingehen als eins der besten Jägerteams das Hogwarts je gesehen hat. Hier sind sie! Captain Angelina Johnson, Katie Bell uuund Alicia Spinnet!"

Die Menge flippte aus und die drei überwältigten jungen Frauen traten zum letzten Mal hinaus auf das Quidditchfeld Hogwarts'. Sie duckten sich unter den Besen ihrer Teamkollegen hinweg und gingen zur Mitte des Feldes ohne einander loszulassen. Sie sogen für einen Moment die Atmosphäre in sich auf, dann ließen sie sich los, um Madam Hooch für all ihre Jahre als Schiedsrichterin zu danken, während das Ravenclawteam herauskam. Die beiden Mannschaften stellten sich schließlich an der Linie auf und die Kapitäne schüttelten sich die Hand.

„Viel Glück, Johnson", sagte Roger Davies, wobei er allerdings eher mit ihrer Brust sprach.

„Dir auch, Davies", erwiderte sie kühl und widerstand dem Drag, ihm ihr Knie zwischen die Beine zu rammen.

Das Spiel begann. Die Menge war gespannt, das Ravenclawteam war nervös, die Gryffindors waren gleichgültig. Alle wollten sehen, was passieren würde. Würde Gryffindor kämpfen? Würde Ron wie durch ein Wunder Talent bekommen haben? Würden die Ravenclaws etwas Gnade zeigen?

Innerhalb von Minuten wurde deutlich, dass die Antwort auf all diese Fragen nein war. Davies schoss ein leichtes Tor.

„Na ja, ein Sieg wäre nett gewesen. Lasst uns anfangen", sagte Angelina.

„Falkenkopf?", fragte Katie.

„Gut zum Aufwärmen."

Die Jägerinnen ‚fingen an', indem sie die Dinge mit der Falkenkopf-Angriffsformation ins Rollen brachten. Es war ihr Markenzeichen und garantierte ein Tor. Dieses Mal war es nicht anders. Die Reaktion der Menge war etwas zögerlich. Niemand schien sich zu früh Hoffnungen machen zu wollen. Als John Bradley den Mädchen auswich und zum Tor raste, planten die Jägerinnen bereits den nächsten Angriff.

„Lasst uns mal ein bisschen Dampf machen!", rief Angelina von irgendwo über Alicia.

„Porskoff-Täuschung!", rief Katie. Sie hatte sichtlich Spaß.

Auch Alicia machte es Spaß. Zum ersten Mal war es egal, wenn sie einen Fehler machte. Die Mädchen gingen in Position für die Porskoff-Täuschung, als Bradley den Quaffel warf. Dann passierte das Wunder. Ron tauchte nach links und schaffte es, den Quaffel zu halten. Er wehrte ihn nach oben ab und fing ihn dann. Für eine Sekunde starrte er auf den leuchtend roten Ball in seinen Händen, als wenn er nicht wüsste, wir er dahin gekommen war.

„RON!", kreischte Angelina und schoss mit dem Arm wedelnd auf ihn zu.

Ron warf ihr den Quaffel zu, ein guter, starker Pass. Das Ravenclawteam war ein bisschen geschockt und Angelina bekam so einen Vorsprung. Sie brauchte die anderen beiden Mädchen dieses Mal nicht. Sie schaffte es problemlos zu den Torposten der Ravenclaws und schlug den erstaunten Hüter ohne große Mühe. Die Menge explodierte, ihre Hoffnungen, ein spannendes Spiel zu sehen, waren gestiegen.

„Glaubst du, das war nur Glück?", fragte Alicia Katie.

„Keine Ahnung, aber guck dir mal Ronnie an."

Alicia spähte über ihre Schulter. Ron saß viel aufrechter auf seinem Besen, sein Blick konzentriert auf das Spiel gerichtet. In diesem Moment erinnerte er sie an Oliver. Ihr wurde leichter ums Herz. Das ganze Team wusste, dass Ron nur ein bisschen Selbstvertrauen brauchte.

„Wir könnten gewinnen", sagte Alicia mit unverhohlenem Unglauben in der Stimme.

Katie kam zu ihr rüber, als Timothy Chambers mit dem Quaffel im Arm das Feld hochgeflogen kam. Sie grinste breit. „Ich rieche Porskoff."

Alicia zwinkerte ihr zu und sie flogen los, um Chambers abzufangen, bevor er in die Nähe des Tores kam. Zusammen konnten sie ihm den Quaffel abnehmen. Katie war in Besitz, also hielt Alicia sicher unter ihr und wartete auf den Pass. Und er kam. Alles, was Alicia tun musste, war einem Klatscher auszuweichen und den Hüter reinzulegen. Er berührte den Ball mit den Fingerspitzen, konnte ihn aber nicht abwehren, und er segelte durch den Ring.

Die Menge war wieder am Feiern. Sie liebten es, wenn die Drei so schwierige Spielzüge wie diesen einsetzten. Kein anderes Team in Hogwarts hatte so gut aufeinander abgestimmte Jäger, sodass es bei ihnen nicht klappte. Man musste die Körpersprache der Teamkollegen genau lesen können. Zum Beispiel wussten nur Alicia und Angelina, dass Katie den Quaffel gleich passen würde, wenn sie leicht die Schultern sacken ließ.

Während Alicia die Glückwunsche von ihren Teamkollegen entgegennahm, stiegen wieder Tränen in ihren Augen auf. Niemals würde sie eine engere Freundschaft haben. Sicher, sie würde andere Freunde haben, aber es wäre niemals wieder so. Sie blinzelte, um ihre Sicht zu klären und stürzte sich wieder ins Spiel. Es war sinnlos, über Dinge zu trauern, die sie nicht ändern konnte.

Das Tempo des Spiels zog an. Das Ravenclawteam wollte verzweifelt herausfinden, ob Rons Glanzleistung nur Glück gewesen war und das Gryffindorteam wollte verzweifelt Tore schießen, falls es wirklich so sein sollte. Ron schaffte drei oder vier brillante Paraden und die Mädchen konnten noch zwei weitere Tore schießen. Als Gryffindor mit bequemen Fünfzig zu Zehn führte, wankte Ron leider ein wenig unter dem Druck. Die Treiber von Ravenclaw beschossen ihn mit Klatschern, was vorher nie jemand für nötig gehalten hatte. Er war damit beschäftigt, diesen Angriffen auszuweichen, als Davies zuschlug. Der Quaffel schob sich am Innenrand des linkes Rings vorbei.

Die Slytherins, die vorher schockiert geschwiegen hatten, begannen fröhlich mit ihrem ‚Weasley ist unser King'. Rons Schultern sackten zusammen, genau wie Alicias. Andrew und Jack verloren wieder die Kontrolle über die Klatscher. Also mussten sich die Jägerinnen vor verirrten Klatschern ducken und gegen die frischen Mutes angreifenden Ravenclaws ankämpfen. Weil sie fühlten, dass ihre Strähne vor bei war, verloren die Drei ihren Elan. Ron ließ drei Tore in nacheinander durch und die Slytherins bereiteten sich auf den Gnadenschuss vor.

„NEIN! Ich werde mir diesen Spiel nicht durch die Finger gleiten lassen, wenn wir immer noch eine Chance auf den Sieg haben!", brüllte Angelina über die Gesänge von ‚Weasley ist unser King'. Ihre nächsten Worten gingen im Lärm unter und Alicia und Katie runzelten die Stirn und zuckten verwirrt mit den Schultern. Angelinas Gesicht verhärtete sich entschlossen. Sie schlug sich mit der Hand aufs Herz.

Das war das Zeichen für Olly's Ally-oop. Katie presste sich ebenfalls die Hand auf die Brust und wandte sich zu Alicia um. Ohne zu zögern wiederholte Alicia die Geste. Es fühlte sich komisch an. Sie und Oliver hatten sich das Zeichen ausgedacht, als sie noch ein Paar gewesen waren. Damals war es lustig gewesen, ihre Beziehung unter den Augen ihrer nichtsahnenden Teamkollegen so offen zu zeigen. Sie hatte so lange nicht an Oliver gedacht, bemerkte Alicia. Sie fühlte, wie ihr Herz gegen ihre Rippen schlug und ihr Magen sich zusammenzog.

Angelina flog los, um Bradley den Quaffel aus den Armen zu schlagen. Sobald sie den Ball sicher hatte, kamen die anderen beiden zu ihr. Alicia flog schräg links über Angelina; Katie flog schräg rechts unter Angelina. Sie blieben in dieser Diagonale, bis sie bis zwanzig gezählt hatten, dann ändern sie die Positionen. Alicia ließ sich sinken, sodass sie auf gleicher Höhe mit Katie war und die Drei ein Dreieck bildeten, Angelina an der Spitze. Diese konnte jetzt theoretisch zu jeder der beiden passen. Die Ravenclaw-Jäger versuchten rauszufinden, wohin sie passen würde, als sie schon wieder die Formation veränderten. Davies flog nur noch durch den leeren Flecken Luft, wo eben noch Angelina gewesen war.

Diese hatte sich ebenfalls sinken lassen und somit das Dreieck umgedreht. Jetzt kam der schwere Teil. Bisher war es einfaches Formationsfliegen gewesen, wie beim Falkenkopf, jetzt kam es auch auf das perfekte Timing an. Angelina warf den Ball hoch zu Katie und alle Ravenclaw-Jäger stürzten sich auf diese. Keiner von ihnen bemerkte, dass Alicia vorbeigeschossen kam und den Pass abfing. Es schien, dass sie einen Pass ihres eigenen Teams abgefangen hatte. Natürlich war es so geplant gewesen. Sie bildeten wieder ein Dreieck, diesmal mit Katie an der Spitze.

Die Menge sah in verwirrtem Schweigen zu. Sogar Ginny und Cho beobachteten sie. Der arme Lee hatte ebenfalls Schwierigkeiten, den Geschehnissen zu folgen und sagte nur noch ab und zu, „Wow!" und „Whoa!". Es war offenbar ein durchdachter Spielzug, doch keiner wusste, was es genau war. Es schien wie eine Mischung aus Falkenkopf/ Wollongong Shimmy/ Porskoff-Täuschung. Spektakulär, konnte man nur sagen.

Als sich das Ravenclawteam auf Alicia stürzte, flog Angelina zwischen ihr und Katie hindurch. Alicia täuschte einen Pass auf Angelina vor, warf den Ball aber dann in Wirklich zu Katie, die zwischen ihr und Angelina hindurchflog. Katie warf den Ball hoch zu Angelina, doch wieder fing Alicia den Pass ab.

Der ganze Angriff war nur noch ein roter Schatten für den Hüter von Ravenclaw, der zu jeder Gottheit betete, die ihm einfiel. Als wenn die Gryffindor-Jägerinnen nicht auch schon so furchteinflößend genug wären, ohne dass sie einen komplizierten Spielzug ausführten. Am anderen Ende des Feldes hielt Ron die Luft an. Er schwebte still vor seinen Ringen, was er eigentlich nicht tun sollte. Angelina hatte ihm eingeschärft, dass er in Bewegung bleiben musste, doch er war zu sehr fasziniert. Er wusste, dass die Mädchen gute Spielerinnen waren, doch er hatte sie noch nie zuvor so etwas machen sehen, nicht mal beim Training.

Angelina flog unter Alicia und Katie lang, die jetzt mit einem der Ravenclaw-Jäger Schweinchen in der Mitte spielten. Einmal kam ein Klatscher auf Katie zugeschossen, die jedoch glücklicherweise mit einer Faultiertolle ausweichen konnte. Angelina seufzte erleichtert. Sie durften den Quaffel jetzt nicht verlieren, wo sie so nah vor dem Abschluss des Spielzuges standen. Als Alicia ihre Knöchel unter dem Besen überkreuzte, wusste Angelina, dass es Zeit war. Das war das abschließende Signal. Es war Zeit für den Ally-oop-Teil von Olly's Ally-oop.

Alicia, Angelina und Katie flogen genau im selben Moment los. Das Timing dabei musste perfekt ein. Das war der Teil, mit dem sie beim Training vor all den Jahren Schwierigkeiten gehabt hatten. Sie flogen auf denselben Punkt mitten in der Luft, kurz außerhalb des Torkreises. Alle wussten, dass nur ein Jäger zur Zeit in diesem Kreis sein durfte. Wäre es Alicia oder Katie? Sie behielten ihre waghalsige Geschwindigkeit bei und flogen genau aufeinander zu. Sie würden zusammenstoßen!

Die Hälfte der Zuschauer kniff die Augen zu, die andere fluchte, kreischte oder schnappte nach Luft. Die beiden Jägerinnen verfehlten einander nur um Zentimeter. Alicia ließ den Quaffel genau in dem Moment los, als sie und Katie aneinander vorbeirasten. Angelina schoss wie eine Kanonenkugel zwischen ihnen hindurch und schnappte sich den Quaffel. Irgendwie hatten die Mädchen es in derselben Bewegung geschafft, einander auszuweichen und den Quaffel zu passen. Der Hüter von Ravenclaw hatte kaum Zeit, sich zu bewegen, als Angelina nur Sekunden nach dem Schuss den Quaffel warf. Der Ball segelte säuberlich durch den Mittelring.

In den Zuschauerrängen standen alle. Die Mitglieder des Ravenclawteams schüttelten in widerwilliger Bewunderung die Köpfe. So was hatte Hogwarts seit Jahrzehnten nicht gesehen und es würde Jahre dauern, bis es wieder geschah. Es war ein Zeichen dafür, dass die Jägerinnen über den Hogwarts-Standard hinausgewachsen waren. Sie waren eine Stufe über jedem anderen Spieler an der Schule.

Rons Mund stand offen. Er wusste es in diesem Moment noch nicht, aber er hatte gerade ein Stückchen Geschichte gesehen. Angelina, Alicia und Katie würden Olly's Ally-oop nie wieder zusammen ausführen und er würde auch nie wieder in Hogwarts richtig ausgeführt werde. Er war zu gefährlich und kompliziert, um von Jägern ausgeführt zu werden, die nur eine oberflächliche Beziehung hatten. Innerhalb von ein paar Wochen würden jedoch die professionellen Teams ihn übernehmen. Wenn der Name des Spielzuges aufgedeckt würde, würde er für immer als Olly's Ally-oop bekannt sein, wodurch gesichert war, dass Oliver Woods Name in die Bücher der Quidditchgeschichte eingehen würde.

Auf Alicias Gesicht breitete sich ein Grinsen aus, als Angelina und Katie an ihr vorbeirasten. Der Applaus hielt eine ganze Weile und die Euphorie der Drei ebenso. Sie waren so aufgedreht, dass sie fast vergaßen, dass sie noch immer ein schwieriges Quidditchspiel spielten. Deshalb hatte Chambers ein ganzes Stück Vorsprung auf sie und kam in Reichweite der Gryffindor-Torstangen. Eine halbherzige Version von ‚Weasley ist unser King' kam auf, doch Ron behauptete sich. Chambers flog in Schlangenlinien und im Zickzack und versuchte, ihn zu verwirren.

Chambers schoss und Ron tauchte ab. Er nahm beide Hände vom Besen und griff zu. Er bekam den Quaffel zu fassen und drehte sich kopfüber. Als er sich wieder aufgesetzt hatte, warf er den Quaffel zu Katie und umklammerte mit weißen Knöcheln den Besenstiel. Ron hatte noch nie zuvor eine so waghalsige Parade gemacht. Er hätte vom Besen fallen können! Der Olly's Ally-oop der Jägerinnen war genug Motivation gewesen. Er wollte auch in Erinnerung bleiben. Er wollte, dass die Leute auch für ihn aufstanden und ihn anfeuerten. Zur Hölle, er wollte auch einen Spielzug nach sich benannt haben!

Von da an lief alles perfekt. Ron wehrte eine ganze Reihe Torschüsse ab und die Mädchen trafen drei Mal nacheinander. Ravenclaw verlor langsam die Kontrolle. Sie versuchten verzweifelt, an den Quaffel zu kommen und ihre Klatscher gingen alle ins Leere. Es stand Neunzig zu Fünfzig als Ginny und Cho plötzlich in den Sturzflug gingen. Cho hatte den schnelleren Besen und war knapp vorn. Ginny wollte das Spiel nicht verlieren, nachdem ihr Bruder eine solche Glanzleistung hingelegt hatte. Sie flog aus Chos Windschatten hinaus. An Harry denkend legte sie sich noch tiefer über den Besenstiel und holte leicht auf. Chos ausgestreckte Hand wackelte und sie griff ins Leere. Ginny jedoch nicht.

Die Jägerinnen flogen instinktiv jubelnd aufeinander zu und schwebten lange Zeit in einem tränenfeuchten Haufen in der Luft. Niemand sagte etwas; es wäre über den Lärm der Menge hinweg eh nicht verstanden worden. Alles war Chaos. Die Mädchen landeten eher schlecht als recht und wurden sofort von ihren Teamkollegen umringt. Es gab eine Menge verworrener Küsse und Umarmungen. Angelina packte Ron und weigerte sich, ihn wieder loszulassen, was ihm anscheinend nicht viel ausmachte.

„Ich kann gar nicht glauben, dass ihr Drei so was geschafft habt!", rief Ginny, während sie Alicia und Katie umarmte.

„Wir auch nicht", gab Katie zu und merkte, wie ihr Gesicht langsam vom vielen Lächeln zu schmerzen begann.

„Ich kann nicht glauben, dass Ron diese ganzen brillanten Paraden gemacht hat!", warf Angelina ein. Sie drückte Ron dankbar und er errötete vor Freude. Langsam verteilten sich die Zuschauer auf dem Feld.

„Ich weiß wirklich nicht, wie ich all diese Paraden hinbekommen habe", sagte Ron heiser. „Ich weiß nur, dass mir im Spiel zwei Dinge aufgegangen sind. Als ich das erste Mal gegen Bradley gehalten haben, habe ich mir gesagt, dass ich das wieder kann, wenn ich mich nur anstrengen würde. Dann habe ich offensichtlich wieder die Zuversicht verloren. Nachdem ihr Mädels dann diesen irren Angriff durchgezogen habt, ist mir klar geworden, dass ich auch über mich hinauswachsen muss. Ich konnte euch Mädels doch nicht ohne den Pokal gehen lassen."

Ginny verdrehte die Augen, während Angelina ein halbes Dutzend kleiner Küsse auf Rons Gesicht pflanzte. Alicia und Katie taten es ihr nach und er fing förmlich an zu glühen. Ginny wusste, dass das nicht so sehr daran lag, dass ihn drei hübsche Mädchen geküsst hatten; es war mehr, dass die ganze Schule es gesehen hatte. Glücklicherweise zog die Menge Ron weg, bevor er die Mädchen dazu bringen konnte, ihn noch mal zu küssen.

Während das Team sich auf das Podest zu bewegte, trat Ginny neben Angelina und ließ ein Blatt Pergament in deren Hand gleiten. „Er ist von Fred. Er hat mich gebeten, ihn dir nach dem Spiel zu geben."

Angelina dankte Ginny, dann entfaltete sie das Pergament. Darauf stand:

Angel,

Ich schreibe das hier in der Nacht bevor wir gehen. Es ist nachdem wir... na ja, du weißt schon, was wir getan haben. Mir ist aufgegangen, dass ich dich am Spieltag nicht sehen oder dir einen Brief schreiben kann. Ich will nicht, dass irgendein schleimiger Slytherin unsere private Korrespondenz liest. Ich schreibe zwei Versionen dieses Briefs, für den Fall dass das Unglaubliche geschieht und ihr tatsächlich den Pokal gewinnt. Ich hoffe, du liest den Glückwunsch-Brief.

HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!

Wenn du diesen Brief liest, dann müsst ihr gewonnen haben. Ich wusste, ihr könnt es schaffen. Keiner sonst hätte das hinkriegen können. Ihr habt den Pokal mit einem Team gewonnen, das auf dem Standard einer Reserve-Mannschaft ist. Du bist brillant, Angelina. Ich wusste immer, dass du es bist. Wenn wir uns sehen, erwarte ich eine ausführliche Beschreibung des Spiels. Na ja, ich nehme an, dass wir nicht gerade Lust auf eine lange Unterhaltung haben werden, wenn wir uns wiedersehen.

Ich liebe dich.

Fred.

Angelina biss sich auf die Lippe, um nicht in Tränen auszubrechen und faltete den Brief vorsichtig wieder zusammen. Sie steckte ihn in die Brusttasche ihres Umhangs, sodass er über ihrem Herzen lag.

„Da sind ja meine Mädels!", rief Lee und schubste sich seinen Weg durch die Menge. Er erreichte Angelina und zog sie in eine Umarmung. Sie klammerte sich an ihn und dachte an Fred.

„Lass uns auch mal", beschwerte sich Alicia und zupfte an Angelinas Ärmel.

Lee umarmte und küsste sie alle drei. Er nahm sie unter seine Fittiche und bahnte ihnen einen Weg durch die Leute, wobei er alle Hände derjenigen männlichen Zuschauer wegschob, die zu aufdringlich wurden. Angelina, Alicia und Katie traten zum Rest ihres Teams auf die Bühne. Umbridge stand am Rand und runzelte verärgert die Stirn. Es war offensichtlich, dass sie den Pokal nicht an die Gryffindors geben wollte. Angelina marschierte hinüber zum Tisch und holte persönlich den Pokal. Sie hob ihn in die Luft und die Menge der Schüler antwortete mit einem Jubeln.

„Sag etwas", drängte Lee und schob Angelina sein magisches Megafon entgegen. Sie reichte Andrew und Jack den Pokal und nahm das Megafon.

Sie hatte keinen Sieg erwartet und deshalb auch keine Rede geplant. „Ich möchte meinem wundervollen Team danken. Keiner hätte gedacht, dass wir es schaffen. Einige wollten sogar nicht, dass wir es schaffen."

Umbridge kniff bei diesen Worten die Augen zusammen und Alicia ergriff Angelinas Arm um diese zu warnen, dass sie sich auf sehr dünnem Eis befand. Sie wollte keine von Umbridges Folterstunden/Strafarbeiten ertragen, also hielt sie sich zurück. Sie wollte jedoch trotzdem noch etwas sagen, um zu zeigen, dass sie nicht kapituliert hatte. Sie warf einen Seitenblick auf Ron. Wie könnte man Umbridge besser ärgern, als ihr den Erfolg Ron Weasleys unter die Nase zu reiben?

„Ich habe nur noch eine Sache zu sagen." Angelina packte Rons Arm und riss ihn in die Höhe. „WEASLEY IST UNSER KING!"

„Ließ keinen Quaffel durch den Ring!", fügte Ginny hinzu, sich in Richtung Megafon lehnend.

Katie riss Rons anderen Arm in die Höhe. „Weasley fängt doch jedes Ding!"

„Hütet nämlich jeden Ring!", brüllte Alicia.

Die Treiber hüpften auf und ab. „Und wir Gryffindors nun sing'..."

„WEASLEY IST UNSER KING!", schrie das Team gemeinsam.

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Keiner war auf Juni vorbereitet. Er kam aus dem Nichts und ließ die Fünft- und Siebtklässler in Panik geraten. Jeder, der es wagte, einen lernenden Schüler zu stören, wurde prompt angebrüllt. Sogar die Schüler wie Hermine und Alicia, die mehr als vorbereitet waren, konnte man bei panischem Lernen in letzter Minute erwischen. Katie wies Alicia wiederholt darauf hin, dass ihre UTZ-Ergebnisse kaum noch eine Rolle spielten.

„Es würde trotzdem nicht gut aussehen, wenn ich irgendwo ein ‚M' kriege, oder?", sagte Alicia sauer. Sie knallte ihr Verwandlungsbuch zu und wandte sich ihrem Frühstück zu. Nicht, dass sie irgendwas essen könnte.

Es war der Tag vor Prüfungsbeginn. Die Fünft- und Siebtklässler saßen an den jeweiligen Haustischen und lasen in ihren Büchern. Das Essen wurde kaum angerührt.

„Ich weiß nicht, warum sich alle so aufregen", sagte Lee und nahm etwas Bacon von Katies Teller.

„Netter Versuch, Lee", sagte Angelina. „Wir haben dich gestern alle heimlich in einer Ecke des Gemeinschaftsraums lernen sehen. Du bist genauso aus dem Häuschen wie alle anderen."

„Sprich leiser", zischte er und sah sich um. „Sonst braucht das niemand wissen. Die Leute schauen zu mir auf, jetzt wo Fred und George weg sind, weißt du."

„Natürlich tun sie das, Schatz", sagte Katie sanft ohne von ihrem Zauberkunstbuch aufzusehen.

Bei der Erwähnung von Fred und George verfielen Angelina und Alicia in Stillschweigen. Alicia hatte sich seit dem Quidditchfinale recht gut gehalten. Sie war so mit ihrem Lernen beschäftigt gewesen, dass sie kaum einen Gedanken an George verschwendet hatte. Okay, sie hatte vielleicht ein paar Träume über ihn gehabt, aber daran war ganz allein ihr Unterbewusstsein schuld. Sie hatte nicht träumen wollen, dass George in der Nacht vor der Abschlussfeier in ihrem Zimmer auftauchte.

Angelina hatte sich unter gegebenen Umständen ebenfalls sehr gut gehalten. Vor dem Quidditchfinale hatte sie ein paar mal am Tag an Fred gedacht. Seit sie nach dem Spiel seinen Brief gelesen und angefangen hatte, die Tage bis zu ihrem Wiedersehen zu zählen, dachte Angelina ungefähr alle zehn Minuten an ihn, was sie anfangs beunruhigt hatte. Sie hatte den Mädchen und Lee ihr Problem gesagt und sie hatten dabei geholfen, rauszufinden, dass es nichts Schlimmes für sie war, an Fred zu denken.

Kurz gesagt: Alicia versuchte, nicht an George zu denken und Angelina verlor sich in Tagträumen über Fred. Sie hatte gerade einen solchen Tagtraum über ihr Wiedersehen, als das Inquisitionskommando mit einer handvoll Briefen eintrat. So kam die Post jeden Morgen an, seit Umbridge befohlen hatte, dass alle reinkommende und ausgehende Post untersucht werden sollte.

Warrington näherte sich den Vieren und hielt Alicia zwei Briefe hin. Sie warf ihm einen finsteren Blick zu und versuchte, ihre Briefe zu ergreifen, doch er zog sie weg und grinste widerwärtig. „Nicht so schnell, Spinnet. Ich dachte, du bist mit einem dieser dreckigen Weasley-Zwillinge zusammen."

Angelina schreckte bei diesem Kommentar aus ihren Träumen hoch. Sie hatte sich schon halb erhoben, als Alicia ihr beruhigend eine Hand auf die Schulter legte. Alicia stand ruhig auf und streckte dem Slytherin die offene Hand entgegen. „Es geht dich nichts an, mit wem ich zusammen bin. Gib mir meine Briefe."

„Dann triffst du dich auch mit diesem Kerl?", fragte Warrington und hob eine Augenbraue. „Du bist verdorbener, als ich je gedacht hätte."

„Niemand weiß, wovon du redest, Warrington." Lee stand auf und starrte ihn über den Tisch hinweg finster an. „Gib ihr ihre Briefe und verschwinde."

„Vögelst du den Kommentator auch noch?", schnaubte Warrington hämisch. Er lachte, als Alicia rot wurde, dann gab er ihr die Briefe. Er ging weiter, jedoch nicht, ohne ihr noch über die Schulter zuzuzwinkern.

„Wovon redet er? Wen meinte er, als er gefragt hat, ob du dich auch noch mit ‚diesem Kerl' triffst?", fragte Angelina.

„Ich wette, es ist ein Brief von George", sagte Katie verträumt, mit glitzernden Augen bei dem Gedanken an einen Versöhnungsbrief.

Alicia sah hinunter auf die Briefe in ihrer Hand. Beide waren nachlässig aufgerissen worden. Der erste war vom Tagespropheten. Der zweite Umschlag trug ihren Namen, in dunkelblauer Tinte geschrieben. Sie erkannte die unordentliche Handschrift sofort.

„Oh Gott!", keuchte sie.

„Er schreibt dir Briefe?", fragte Lee.

„Nein, du Idiot. Er ist von Oliver."

„Oh Gott", murmelte Lee zustimmend.

„Was er wohl will?", fragte Angelina vorsichtig beim Anblick des angespannten Ausdrucks auf dem Gesicht ihrer Freundin.

„Ich bin mir sicher, dass es unwichtig ist." Alicia atmete tief ein, um sich zu beruhigen. Sie setzte sich wieder auf ihren Platz und öffnete zuerst den Brief vom Tagespropheten. Ihre Augen überflogen ihn schnell und wurden mit jedem Wort größer. „Leute, ich habe gerade meinen ersten Auftrag bekommen", sagte sie zittrig.

„Und?"

„Und ich gehe nach Sydney! Ich gehe nach Australien!"

Die Mädchen und Lee jubelten und schrieen, wobei sie viele böse Blicke von den lernenden Schülern ernteten. Sobald sie sich alle beruhigt hatten, erzählte Alicia ihnen den Rest der Neuigkeiten, der nicht so toll war.

„In den nächsten Wochen werden ein paar internationale Freundschaftsspiele gespielt. Australien spielt gegen ein europäisches Team und sie haben entschieden, dass wir uns darum kümmern werden. Drin steht, dass ich mich mit den anderen in Leeds treffen muss, sobald die Schule vorbei ist. Ich muss direkt von Hogmeade mit dem Zug fahren."

„Was?", wollte Katie wissen. „Bedeutet das, dass du nicht mit uns im Hogwarts-Express fahren wirst?"

Alicia nickte still. „Ich werde nur einen Tag in Leeds sein und dann mit einem Portschlüssel nach Australien reisen."

Das ließ die gute Laune verebben. Es würde keine Zeit mehr für Partys oder sonstige Arten von Abschied sein. In einem Monat würden sie sich trennen und Alicia bezweifelte, dass sie vor Weihnachten zurückkommen könnte. In der Tat wäre es sogar schon Glück, wenn sie es bis dahin zurück nach England schaffte. Alles wies darauf hin, dass ihr erstes Jahr als Reporterin hektisch werden würde.

Alicia ließ ihren Freunden Zeit, das zu verarbeiten und öffnete Olivers Brief. Sie hatte seit seinem katastrophalen Hogsmeade-Besuch im letzten Jahr nichts mehr von ihm gehört. Sie konnte sich nicht vorstellen, was er auf einmal wollte. Seine Schrift war unsauber und an einigen Stellen verwischt. Er war entweder in Eile oder sehr aufgeregt gewesen, als er geschrieben hatte.

Alicia,

die Quidditch-Welt ist in Aufruhr. Gerüchte über das, was du und die Mädels beim Endspiel gemacht habt, kursieren. Einige Scouts von verschiedenen Clubs waren da und alle waren nachhaltig beeindruckt. Ich kann nicht glauben, dass ihr Drei den Ally-oop gemacht habt. Ich bin schon mindestens ein Dutzend mal danach gefragt worden.

Oh, ich habe die Formalitäten vergessen. Tut mir Leid. Wie geht es dir? Mir geht es fantastisch. Ich hoffe, den anderen geht es gut. Ich habe es ins schottische Nationalteam geschafft! Wir spielen nächsten Monat ein Freundschaftsspiel gegen Australien. Ich habe gerade eben erst einen Zeitplan für unseren Aufenthalt bekommen. Kannst du dir vorstellen, wie überrascht ich war, als ich gesehen habe, dass ich ein Interview mit J. Lennox und A. Spinnet darauf sah?

Ich wünschte, du hättest mir erzählt, dass du einen Job beim Propheten bekommen hast. Ich bin wirklich glücklich für dich, aber doch ein bisschen enttäuscht, dass du es mich nicht eher wissen lassen hast. Ich freue mich schon darauf, dich bald zu sehen. Es wird schön sein, ein freundliches Gesicht in Sydney zu sehen. Wir werden uns definitiv treffen und uns austauschen müssen, bevor das Interview stattfindet. Wird George mitkommen?

Ich hoffe, dass bei dir alles gut gelaufen ist. Ich habe so lange darauf gewartet, von dir zu hören. Ich hätte schon eher geschrieben, aber das letzte Mal sind wir ein wenig merkwürdig auseinander gegangen und ich wusste nicht, wie die Dinge zwischen uns stehen. Ich hoffe, dass du mir nichts von dem, was passiert ist, vorwirfst.

Oliver.

P.S.: Sag Ang und Katie, dass sie für jedes Team ihrer Wahl spielen können, nach dem, was beim Finale los war.

Alicia räusperte sich leise und steckte den Brief zurück in den Umschlag. Also hatte Oliver ihr einen Brief geschrieben. Also würde Oliver in Sydney sein. Also würde sie ihn sehen müssen, ob sie wollte oder nicht.

Kein Problem. Nichts, worüber sie sich Sorgen machen müsste.

Trotz dieses Bemühens um Gleichgültigkeit, machte Alicias Verstand sich selbstständig und für einen Moment konnte sie nur noch Bilder von sich alleine mit Oliver sehen. Ein Picknick auf dem Quidditchfeld. Die Weltmeisterschaft. Die Dusche.

„Alles okay?", fragte Angelina.

Alicia sah auf und merkte, dass ihre Freunde sie aufmerksam betrachteten. „Ist schon okay. Oliver wollte mich nur wissen lassen, dass er in dem schottischen Team sein wird, das gegen Australien spielt."

Lee zuckte mit den Schultern und begann, eine Scheibe Toast zu buttern. „Ich nehme an, darum hat sich der Prophet für dieses Spiel entschieden. Grüß ihn von mir."

Katie und Angelina wollten nicht so leicht glauben, dass alles okay war. Sie hatten gesehen, wie blass Alicia geworden war. Katie wollte gerade nachfragen, als Draco Malfoy die Gruppe unterbrach. Er warf Angelina wortlos einen Brief zu, dann ging er davon.

„Dreckiges, kleines Frettchen", sagte Lee und besprühte Katies Buch mit Toastkrümeln, was ihm einen Knuff in die Rippen einbrachte.

„Endlich", sagte Angelina und riss den Brief aus dem Umschlag. „Sie hat ja auch lang genug gebraucht, um zu antworten."

„Deine Mutter?", riet Katie.

„Jah." Angelina wurde still, als sie zu lese begann, was ihre Mutter ihr zu ihrem Zusammenziehen mit Fred geschrieben hatte. Sie brauchte nicht sehr lange, da der Brief sehr kurz war. Alles, was da stand, war:

Darling-

Du wirst nicht glauben, wie schwer es ist, die Frau eines erfolgreichen Geschäftsmannes zu sein. Ich habe kaum Zeit, Luft zu holen. Ich haben deinen Brief erst gestern unter einem Stapel alter Zeitschriften gefunden. Er war mir völlig entfallen. Ich werde alle deine Sachen am Tag nach deinem Abschluss hinüber zu Gregs Apartment schicken.

Deine Mutter.

Angelina drehte das Blatt Pergament um. Das war's. Das war alles, was ihre Mutter ihr zu sagen hatte. Und wer zur Hölle war Greg? Sie hätte sich ja wenigstens darum bemühen können, den Namen des Freundes ihrer Tochter richtig zu schreiben, dachte Angelina.

„Was hat sie gesagt?", fragte Katie.

Angelina zerknüllte den Brief in ihrer Faust. „Es ist ihr egal, dass ich zu Fred ziehe. Ich habe das Gefühl, dass ich ihr sonst zwischen Maniküre und Gurkensandwiches in die Quere gekommen wäre."

Niemand sagte etwas. An diesem Punkt hätte Alicia normalerweise einen tröstenden Kommentar fallen gelassen. Doch sie hatte Schwierigkeiten damit, das Bild eines gewissen Ex-Quidditch-Kapitäns aus ihrem Kopf zu bekommen.

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Das Beste, das alle über die UTZe sagen konnten, war, dass sie schnell vorbei waren. Die Schülerschaft war sich nicht sehr einig darüber, ob es schwer gewesen war oder nicht. Die gute Nachricht war jedoch, dass niemand einen Nervenzusammenbruch erlitten hatte. Die allerletzte Prüfung für die Siebtklässler war Zauberkunst. Alicia war die letzte der Vier, die aufgerufen wurde, also warteten die anderen Drei draußen in der Eingangshalle auf sie. Als sie fertig war, ging sie langsam ans Ende der Großen Halle.

Während Alicia auf die Tür zuging, fühlte sie sich mit jedem Schritt besser. Schicht um Schicht der angestauten Anspannung fiel von ihr ab. Jahre voll Arbeit und Sorge verschwanden, als sie die Türen öffnete. Der Schiefer war reingewaschen. Sie fühlte sich strahlend und neu.

Als sie die Tür aufschob, kamen Lee und die Mädchen aus dem Nichts auf sie zu. Lee hob sie hoch und wirbelte sie herum, während Angelina und Katie quietschten. Ein paar wartende Schüler warfen ihnen böse Blicke zu. Die Vier bemerkten nicht, dass es noch andere Leute auf der Welt gab, während sie lachten und jubelten.

„Oh!", rief Angelina plötzlich und wand sich aus der Gruppenumarmung. „Wir müssen es einfach machen!"

„Was machen?"

„Etwas, das wir noch nie getan haben. Kommt schon!"

Angelina drehte sich um und lief auf die Eingangstüren zu. Es war ein Zeugnis ihrer Aufregung, dass die anderen ohne Nachfragen folgten. Alle Vier begannen draußen zu rennen. Es war ein warmer, angenehmer Tag und Luft roch nach Freiheit und neuen Horizonten. Hogwarts war ihnen nie so grün und lebendig erschienen. Die Gryffindors rannten noch immer, obwohl ihnen vor Lachen und Befreiung bald die Puste ausging.

Angelina hielt am Ufer des Sees an und begann sofort, ihre Schuhe und Socken auszuziehen. Katie quietschte aufgeregt und zog ihren Schulumhang aus.

„Nicht in den See, Leute", protestierte Alicia.

„Angst?", fragte Lee, während er seine Krawatte löste.

„Natürlich habe ich Angst. Es gibt einen Grund dafür, dass wir nie vorher im See geschwommen sind. Habt ihr alle etwa vergessen, dass es darin einen Riesenkraken und Wassermenschen gibt?"

„Schau mal, du kannst entweder deinen Umhang und deine Schuhe ausziehen, oder wir können dich in voller Montur reinschmeißen", sagte Angelina, ließ ihre Socken fallen und begann, ihren Umhang aufzuknöpfen.

„Leute, ihr wisst doch, dass ich nicht sehr gut schwimmen kann", sagte Alicia nervös.

„Es wird schon gut gehen. Wenn irgendwas passiert, dass wird der Krake dir sicher eine Mund-zu-Mund-Beatmung verpassen." Katie kicherte, als Alicia ihr einen bösen Blick zuwarf. „Haben Kraken überhaupt Münder?"

„Sie haben diese hässlichen, schnabelartigen Teile", erwiderte Lee und zog seine Schuhe aus.

„Da hast du's, Leesh, du bekommst eine Schnabel-zu-Mund-Beatmung. Wer würde das nicht wollen?", fragte Angelina rhetorisch.

Nachdem sie ihre Schuhe, Socken, Umhänge und Krawatten abgelegt hatten, rannten Angelina und Katie mir Blusen und Röcken ins Wasser und wateten hüfttief hinein. Alicia stand stoisch neben Lee am Ufer. Sie würde auf keinen Fall in dieses kalte, tiefe Wasser gehen. Als Lee sie plötzlich packte und sie über seine Schulter warf, schrie sie den ganzen Weg bis er im Wasser stand. Er watete weit genug, dass es bis an seine Brust und Alicias Knie reichte, was dazu führte, dass sie wild um sich schlug.

„Ich werde nie mehr mit dir reden, wenn du mich fallen lässt!", drohte sie.

„Lass sie fallen", sagten Angelina und Katie.

Lee kam dem Wunsch mit einem triumphierenden Lachen nach. Alicia schrie wieder und es gab ein lautes Platschen. Sie fand festen Grund unter den Füßen und tauchte auf, Wasser aus dem Gesicht wischen. Die bösen Blicke, die sie ihren Freunden zuwarf, hätten einen Eisblock tauen können.

„Ich kann nicht glauben, dass ihr mir das angetan habt!"

„Sieh es als Abschiedsgeschenk", sagte Katie und versuchte, eine ernste Miene beizubehalten.

Alicia zog eine Strähne nassen Haares von ihrer Wange. „Geschenk? Meine Schuhe sind ruiniert!"

„Wird mal locker", riet Angelina. Alicia öffnete den Mund und Angelina spritzte ihr einfach eine Ladung Wasser ins Gesicht.

„Blrgh!" Alicia hustete und prustete. „Ich habe was davon geschluckt! Ich habe was vom Seewasser geschluckt! Danke sehr."

Lee spritzte noch ein wenig mehr Wasser auf sie. „Um Merlins Willen, Spinnet! Die Schule ist für immer vorbei und du gehst bald nach Australien. Sei doch einmal locker."

Alicia hatte irgendwann die Nase voll und spritzte zurück. Bald waren alle am Kreischen und Lachen. Die Vier bekamen nach und nach Gesellschaft von immer mehr Siebtklässlern und Alicia befolgte Lees Rat. Sie vergaß all ihre Sorgen um ihre Zukunft und hatte einfach Spaß. Kurz vorm Abendessen tauchte Umbridge auf, die von ein paar Siebtklässlern des Inquisitionskommandos einen Tipp bekommen hatte, und beendete die Stegreif-Party. Die vier Gryffindors ließen sich jedoch nicht beirren. Sie verlegten ihre Party einfach in das Zimmer der Mädchen, aßen dort ihr Abendessen und blieben auf, um zu reden.

Sie waren noch immer wach, als die Neuigkeiten von dem Aufruhr draußen sie erreichten. Es war Ginny Weasley, die um ein Uhr nachts an die Tür klopfte. Lee, der am nächsten an der Tür war, riss sie auf.

„Hey, Gin, super Timing. Die Mädchen und ich wollten gerade eine Runde Flaschendrehen spielen."

„Er lügt", sagte Alicia schnell.

„Es war Alicias Idee", sagte Lee in lautem Flüsterton. „Sie hechelt mir schon seit Jahren heimlich nach."

Alicia stapfte rüber zur Tür und schob Lee beiseite. „Jah? Gut, dann erzähle ich Fred und George, dass du ihrer kleinen Schwester einen unsittlichen Antrag gemacht hast. Was gibt's, Ginny?"

Der Rotschopf unterdrückte ein Grinsen. „Äh, ich weiß nicht genau, was los ist. Der Gemeinschaftsraum wird aber immer voller. Ich dachte, da du ja Senior-Vertrauensschüler von Gryffindor bist, willst du vielleicht runterkommen und rausfinden, was passiert ist."

Es gab ein dumpfes Poltern hinter ihnen, als Angelina vom Bett fiel. Die Reaktion der anderen war ähnlich. Es waren in letzter Zeit so viele schreckliche Dinge passiert, dass alles außer Kontrolle zu geraten schien und es immer schlimmer wurde. Erst Cedrics Tod, Du-weißt-schon-wers Rückkehr, Umbridges Ankunft, ein Massenausbruch aus Askaban, Fred und Georges Flucht, Dumbledores Verschwinden... jetzt das hier. Was auch immer geschehen war.

Die Vier eilten hinter Ginny die Treppe runter. Sie fanden durch Dean und Seamus heraus, dass Hagrid rausgeschmissen und McGonagall schwer verletzt worden war. Lee traf es am meisten. Er beschuldigte sich selbst dafür, Schuld an Hagrids Rauswurf zu sein, weil dieser für den Zwischenfall mit den Nifflern verantwortlich gemacht worden war. Katie ging mit ihm rauf in sein Zimmer und Alicia und Angelina blieben im Gemeinschaftsraum bis alle anderen ins Bett gingen.

Die Stimmung war am nächsten Morgen im Gryffindor-Gemeinschaftsraum sehr gedrückt. Alle wussten, dass sie keine stellvertretende Schulleiterin, keine Hauslehrerin, niemanden mehr hatten, der Umbridge in Schach hielt. Die Fünftklässler hatten ihre letzte Prüfung und alle anderen waren im Unterricht, daher hatten die Siebtklässler den Gemeinschaftsraum für sich. Lee war immer noch geschockt von dem, was passiert war.

„Es war nicht deine Schuld", versichte Angelina ihm zum zehnten Mal.

Lee schüttelte den Kopf und fuhr sich mit den Händen übers Gesicht. „Ich denke, ich sollte Umbridge sagen, dass ich derjenige war, der die Niffler in ihr Büro geschmuggelt hat."

„Das werde ich nicht zulassen", sagte Katie nachdrücklich und ergriff seinen Arm. „Gott allein weiß, was sie dir dieses Mal antun würde."

„Aber ich kann einen unschuldigen Mann nicht die Verantwortung für das tragen lassen, was ich getan habe."

„Katie hat Recht. Umbridge kann dich rauswerfen, Lee. Du verlässt diesen Gemeinschaftsraum auf keinen Fall. Wir jagen dir die Ganzkörperklammer auf den Hals, wenn du uns dazu zwingst", fügte Alicia hinzu.

Lee seufzte, als er einsah, dass die Mädchen das ohne mit der Wimper zu zucken durchziehen würden. „Wisst ihr, all das wäre nicht passiert, wenn Fred und George nicht gegangen wären. Ich wünschte, sie würden mal an andere denken, bevor sie ihre blöden Entscheidungen treffen."

„Warte mal", sagte Angelina mit sanfter Stimme, aus der man jedoch einen scharfen Unterton raushören konnte. „Sie konnten nicht wissen, dass das hier passiert."

„Wahrscheinlich nicht", stimmte Lee leise zu.

Katie legte ihm den Arm um die Schultern und gab ihm einen Kuss auf die Wange. „Sie hätten dich trotzdem nicht alleine zurücklassen sollen."

„Er ist wohl kaum alleine." Angelina ging rüber und setzte sich an Lees andere Seite. „Wie auch immer, wer braucht schon die beiden, wenn man uns Drei haben kann?"

„Na ja, ihr Mädels riecht auf jeden Fall besser und habe bessere Tischmanieren."

Katie lachte zustimmend. „Ich wette, die Zwillinge werden traurig sein, dass sie das Schwimmen im See verpasst haben."

„Sie werden wahrscheinlich weinen, wenn sie merken, dass sie euch Jägerinnen in nassen T-Shirts verpasst haben."

Alicia beobachtete ihre Freunde von ihrem Platz im Sessel aus. Sie mochte Momente wie diesen. Inmitten all der Verwirrung und Angst konnten sie noch immer miteinander lachen. Wie lange würden sie es noch können?

„Was werden wir tun, falls es losgeht?", fragte Alicia leise, ihre Ängste aussprechend und damit die gute Laune zerstörend.

„Falls was losgeht?", fragte Katie.

„Der zweite Krieg mit Voldemort."

„Ich denke, das ist eine Frage von wann und nicht von ob", sagte Angelina.

Katie schauderte und packte Lees Arm fester. „Ein Krieg. Wer wird eigentlich gegen Du-weißt-schon-wen kämpfen? Es ist ja nicht so, als ob wir eine Armee hätten."

„Jah. Wer wird sich gegen ihn behaupten? Harry, Ron und Hermine? Sie werden Hilfe brauchen", sagte Lee.

Das war etwas, worüber sich Alicia in letzter Zeit ebenfalls Sorgen gemacht hatte. Du-weißt-schon-wer hatte seine Todesser hinter sich stehen. Wen hatten Harry und Dumbledore hinter sich stehen? Plötzlich kam Alicia ein Gedanke.

Der Orden.

Sie war in den letzten Monaten mit so vielen Dingen beschäftigt gewesen, dass sie das Geheimnis nicht hatte ergründen können. Alles, was sie wusste, war, dass die Weasleys mittendrin steckten und dass Erica sich dagegen entschieden hatte. Um das Ganze noch weiter zu verkomplizieren, schien ihre Mutter ebenfalls vom Orden zu wissen. Ihre Mutter war sicher gegen Du-weißt-schon-wen, aber sie hatte das nie an die große Glocke gehängt oder sich leidenschaftlich dazu ausgesprochen.

„Es gibt Leute, die willens sind, gegen ihn zu kämpfen", sagte Alicia fest. Die anderen sahen sie fragend an. „Ich weiß, dass sie da draußen sind. Harry und Dumbledore werden nicht alleine sein."

„Tja, ich werde da sein."

Stille folgte auf Angelinas Kommentar. Niemand sonst sprach sich für die Kriegsteilnahme aus. Das ärgerte Angelina natürlich. „Oh, kommt schon! Werdet ihr euch alle zurücklehnen und andere Leute für eure Freiheit kämpfen lassen?"

„Niemand von uns weiß, wie man kämpft", sagte Lee nüchtern. „Wir würden einer nach dem anderen ausgelöscht werden."

Katie nickte zustimmend. „Er hat recht, Ang. Das, was wir in der DA gelernt haben, wird gegen die Todesser nicht viel helfen. Wir würden umgebracht werden."

„Also lehnen wir uns zurück und tun nichts?", grollte Angelina.

Alicia wünschte sich, sie hatte das Thema nicht aufgebracht. Das alles erinnerte sie zu sehr an den Streit, den sie mit George gehabt hatte. Jetzt behauptete Angelina, dass sie genau dasselbe tun würde. So sehr Alicia auch ihren Mut bewunderte, hinterfragte sie doch ihre Absichten. Sich in etwas zu stürzen ohne vorbereitet zu sein, war typisch für Angelina, doch sie hatte gedacht, dass George ein bisschen überlegter handeln würde.

„Ich werde kämpfen, wenn Lee es auch tut", sagte Katie zögerlich.

Lee warf ihr einen scharfen Blick zu. „Das wirst du nicht. Wenn ich in dieser Auseinandersetzung mitmische, dann gehe ich alleine. Wenn dir etwas passieren würde, dann könnte ich nicht mehr mit mir selbst leben."

„Aber wenn dir etwas passiert, würde ich wenigstens bei dir sein."

Lee löste sich von Katie und sah sie bestürzt an. „Schau mal, keiner von uns sollte jetzt übereilte Entscheidungen treffen."

Angelina und Alicia hatten bemerkt, dass sie einer sehr privaten Unterhaltung zwischen dem Paar lauschten, also schlichen sie sich heimlich davon. Lee und Katie bemerkten es kaum.

„Theoretisch könnte dieser Krieg jede Minute anfangen", beharrte Katie, ihr Wangen rosa vor Verzweiflung. „Denkst du nicht, dass wir so viel Zeit wie möglich miteinander verbringen sollten?"

„Das habe ich schon immer gedacht! Verdammte Scheiße, ich dachte, du hättest das gemerkt!"

„Ah. Deshalb wolltest du dich auch von mir trennen. Du wolltest mehr Zeit mit mir verbringen. Klar. Das ist doch männliche Logik."

Lees Mund stand offen. „Wovon redest du? Wann habe ich mich je von dir trennen wollen?"

„Ich habe es getan, bevor du es konntest!"

„Oh mein Gott", zischte Lee, seine Augen tellergroß. „Wir sind wahrscheinlich die blödesten Menschen auf der ganzen, weiten Welt."

„Sprich für dich selbst, Jordan."

Lee ergriff ihre Hände. „Das war's. Wir gehen hoch, um alles in Ordnung zu bringen."

„Warum? Ich will da nicht hochgehen", beschwerte Katie sich.

„Halt dieses Mal bitte den Mund", sagte er und zog sie hoch.

„Lee, ich will nicht-"

Nicht ein Wort."

Katie warf Angelina und Alicia einen verwirrten Blick zu, während Lee sie durch den Gemeinschaftsraum zerrte. Sie gingen hoch in sein Zimmer, das jetzt ziemlich sauber war, wo es nur einen Bewohner gab. Lee begann, unter seinem Bett rumzukramen und Katie wartete geduldig, bis sie es nicht mehr aushielt. Das dauerte ungefähr dreißig Sekunden.

„Okay. Was machst du da?"

„Sch. Ich suche nach etwas. Gott. Wo habe ich es hingetan?"

Katie seufzte. „Lass mir dir wenigstens suchen helfen."

„Nein!", kam die gedämpfte Antwort. „Geh rüber zum Fenster und sei still."

Sie schnaubte und stolzierte rüber zum Fenster. Gerade, als es so gut lief, fing Lee wieder an, sich wie ein Irrer zu benehmen. Das letzte Mal, als er sich so benommen hatte, hatten sie sich getrennt. Katie sah raus auf die Ländereien, bewunderte, wie blau der Himmel und wie grün das Gras war. Sie sollte Alicia sagen, dass es ein wundervoller Tag für Fotos war.

„Katie?"

Als sie sich umdrehte, fiel sie beinahte über Lee, der hinter ihr kniete. „Gott, willst du mich umbringen?"

„Äh, nein."

Katie runzelte die Stirn und sah auf ihn runter. „Hast du gefunden, was du gesucht hast? Können wir jetzt wieder runter gehen?"

„Noch nicht." Lee hob den Arm, der bisher locker an seiner Seite gehangen hatte. Er öffnete seine Faust, hinter der eine kleine Schatulle zum Vorschein kam.

Katies Augen leuchteten auf. „Du hast mir Schmuck gekauft!"

Lee nickte und öffnete die Samtschatulle. Darin steckte ein Goldring mit einem kleinen, aber wunderschön geschliffenen Diamanten. Katie schnappte nach Luft und trat einen Schritt zurück. „Du kannst mir so was nicht schenken. Das ist zu viel. Diamantringe schenkt man nicht einfach so."

Lee lächelte sanft. „Ich schenke ihn dir nicht einfach so. Er ist ein Versprechen von mir."

„Ein Versprechen wofür?"

„Kate, ich knie gerade vor dir nieder."

„Ich weiß und es fängt an, mich zu nerven, weil ich zu dir runter... gucken... muss." Katie presste eine Hand auf ihren Mund, während sie mit der anderen zur Stütze nach dem Fensterbrett griff.

„Katie Patricia Bell-"

„Großer Gott."

„Sch. Lass mich ausreden." Lee räusperte sich und streckte ihr den Ring entgegen. „Katie Patricia Bell. Willst du mich heiraten?"

Katie begann zu zittern und zu weinen. Lee wusste nicht, was das bedeutete, doch er ließ sie in Ruhe und betrachtete sie hoffnungsvoll. Katie wandte ihm den Rücken zu und schluchzte laut.

„Katie? Ich brauche irgendeine Antwort, Schatz, mein Knie wird wund. Ja oder Nein?"

„Warum?", fragte sie, ihre Stimme schwach und gepresst.

„Warum nicht?"

„Das ist kein Grund, um zu heiraten."

„Ich weiß. Ich habe nur Spaß gemacht. Wenn du dich wieder umdrehst, sage ich dir, warum ich es gemacht habe."

„Mach erst die Schatulle zu. Ich kann den Ring nicht noch mal ansehen."

Lee machte mit einem Schnappen die Schatulle zu. Es war wahrscheinlich kein gutes Zeichen, dass sie es nicht aushielt, den Ring noch mal zu sehen. „Okay. Du kannst dich umdrehen."

Katie folgte der Aufforderung langsam, sich die Augen wischend. „Steh bitte auf."

Er stand auf und sein Herz rutschte ihm in die Hose. Es schien nicht gut zu laufen. So hatte er es ursprünglich nicht geplant. „Das war keine spontane Aktion. Na ja, das ist wahrscheinlich offensichtlich, wo ich doch den Ring schon hatte und so. Oh Gott, es läuft alles falsch."

„Wie lange läuft das schon so?"

Lee nahm ihre Hand und führte sie zu seinem Bett. „Es bist immer du gewesen, Katie. Das solltest du inzwischen wissen. Nach dem, was mit Cedric passiert ist, habe ich mir alles noch einmal durch den Kopf gehen lassen. Ich habe gemerkt, dass ich so, wie die Dinge jetzt stehen, es mir nicht leisten konnte, noch länger zu warten. Ich würde dich wahrscheinlich eh irgendwann heiraten, aber ich kann das Risiko, dass einem von uns beiden etwas passiert, nicht ertragen."

Katie biss sich auf die Unterlippe, während seine Worte in ihrem Kopf wirbelten. „Aber – aber wäre es nicht besser für uns, wenn wir warten, bis alles vorbei ist?"

„Das habe ich zuerst auch gedacht, aber es gibt keine Garantie, dass alle diesen Krieg überleben werden. Ich will den Rest meines Lebens mit dir verbringen und ich will, dass der Rest der Welt es auch weiß."

„Wirklich?", fragte sie leise.

Lee nickte sanft. „Natürlich. Ich wollte dich an dem Tag fragen, als du dich von mir getrennt hast. Du hast gesagt, du wüsstest, was ich sagen wollte und dann hast du plötzlich gesagt, dass du mich nicht liebst."

„Das war eine Lüge." Katie rutschte näher und errötete. „Darf ich den Ring noch einmal sehen?"

Grinsend öffnete er die Schatulle und gab sie ihr. „Magst du ihn?"

„Er ist wunderschön", seufzte sie. „Wo hast du das Geld dafür her?"

„Habe ich nicht. Das ist der Verlobungsring meiner Mutter."

„Oh, Lee!", quietschte Katie. „Ich kann doch nicht den Ring deiner Mutter kriegen!"

Er zuckte mit den Schultern. „Es ist ja nicht so, als hätte ich eine Schwester, die ihn erben könnte. Es war schon immer geplant, dass ich den Ring der Frau gebe, die ich heiraten will. Und das bist du, Glöckchen."

Katie nahm vorsichtig den glänzenden Ring aus der Schatulle. „In all diesen geheimnisvollen Briefen ging es um den Ring und er war auch in dem Paket, das du bekommen hast, oder?"

„Ja. Es hat eine Weile gedauert, bis meine Mutter verstanden hat, dass es mir hiermit sehr ernst war. Ich weiß, dass ich es im Scherz schon einmal gesagt habe, aber warum nicht? Nichts hält uns davon ab, uns zu verloben."

„Wir müssten auch gar nicht gleich heiraten", sagte Katie, während sie den Ring zwischen ihren Fingern drehte und beobachtete, wie der Diamant das Licht brach.

„Du könntest dir jedes Datum für die Hochzeit aussuchen, das du haben willst", stimmte Lee zu.

Eine Hochzeit. Katies Herz klopfte aufgeregt. Etwas Gutes inmitten all diesem Tod und Chaos klang wirklich anziehend. Lee hatte recht, dass sie sowieso früher oder später geheiratet hätten. Warum dann nicht jetzt? Waren sie einfach zu jung? War das Alter überhaupt wichtig?

Die Zeit stand still. Das Schicksal stand auf Messers Schneide. Die nächsten Worte aus Katies Mund würden eine Kette von Ereignissen in Gang setzen, die für einige in einer Katastrophe enden würden, aber für alle Herzbruch bedeuteten.

„Ja, ich will dich heiraten, Lee."

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Katie erzählte Angelina und Alicia nicht gleich von den Neuigkeiten. Sie schrieb nicht mal ihrer eigenen Familie davon. Sie wollte sich erst selbst mit dem Gedanken anfreunden. Es gab keinen Zweifel, dass sie Lee heiraten wollte. Sie war nur nicht sicher, ob es der richtige Zeitpunkt war. Am Ende waren es die Ereignisse in der Mysteriumsabteilung und alles, das folgte, die den Ausschlag gaben. Sie entschied, dass sie die Gelegenheit nicht durch ihre Finger gleiten lassen würde. Wenn etwas in diesem Krieg passieren würde, dann könnte sie nicht mehr mit sich leben. Alles war so unsicher, dass es beruhigend war, etwas zu haben, an dem man sich festhalten und auf das man sich freuen konnte.

Wie auch immer, nun, dass sie sich selbstsicherer fühlte, wollte Katie es ihren Freundinnen sanft beibringen. Sie würden Hogwarts in ein paar Tagen verlassen, also hatte die Jägerinnen angefangen, ihre Habseligkeiten einzupacken.

„Wie hat sich nur dieser ganze Krempel angesammelt?", fragte Alicia, die sich auf ihren Koffer gesetzt hatte, um ihn zuzukriegen.

„Ich habe ungefähr fünf mal so viele Sachen wie bei meiner Ankunft", stimmte Katie zu, an ihrer Honigtopf-Schokolade knabbernd.

„Wenigstens werde ich mit einer Sache weniger abreisen", murmelte Angelina.

Leider hörten die anderen beiden sie laut und deutlich. „Was lässt du hier?"

„Das würdet ihr beiden nicht verstehen. Vergesst einfach, dass ich was gesagt habe."

„Keine Geheimnisse", sagte Katie unnachgiebig.

„Ihr wollt es wahrscheinlich eh nicht wissen."

„Okay, wie viele Regeln hast du gebrochen?", fragte Alicia misstrauisch.

„Ein paar, aber das ist nicht der Punkt. Ihr werdet ausflippen", sagte Angelina.

„Nein, werden wir nicht. Sag uns einfach, was du hier lässt."

Angelina verdrehte die Augen und seufzte. „Schön. Es fängt mit J an."

„Jagdgewehr!", riet Katie sofort.

Alicia schüttelte langsam den Kopf. „Hatte sie nie. Ein Jahrbuch?"

„Nein. Ich wette, es ist eine Jacke."

„Oder eine Jeans?"

„Ihr beide seid Idioten. Es hat mit Fred zu tun, wenn ihr es unbedingt wissen wollt."

Alicias größte Angst wurde bestätigt. Sie hatte schon eine Ahnung gehabt, was es sein würde, aber sie hatte gehofft, dass sie falsch lag. Leider war das nicht der Fall. Sie starrte Angelina an, die nur verlegen den Blick senkte.

Katie hatte eine etwas längere Leitung. „Aber du hast Fred doch für dich gewonnen, also ist es eigentlich kein Verlust", sagte sie, offensichtlich verwirrt.

„Sie hat ihn gevögelt", sagte Alicia unverblümt und wandte sich wieder ihren Koffern zu.

Es gab ein Keuchen und ein Husten, als Katie sich am letzten Stück Schokolade verschluckte. Angelina klopfte ihr auf den Rücken und sah zu, wie Alicia anfing, Bücher in ihren Koffer zu werfen.

„Danke dir, Leesh", sagte sie sarkastisch. „Ich wollte es euch sanft beibringen."

„Wann ist es passiert?", fragte Katie zwischen zwei Hustenattacken. So viel zu ihren eigenen aufregenden Neuigkeiten.

„Die Nacht bevor er gegangen ist. Wir sind zum Raum der Wünsche gegangen." Angelina marschierte hinüber zu Alicia, ihre Arme verteidigend vor der Brust gekreuzt. „Und es ist mir egal, was du von mir hältst. Es war meine Idee und ich bereue es nicht."

„Ich habe gar nichts gesagt."

„Eben. Du willst mich nicht mal ansehen! Du denkst, dass ich liederlich bin, nicht wahr? Tja, es ist mir egal, wenn du das tust. Es ist mein Leben und ich kann tun, was ich will. Ich bin achtzehn Jahre alt, um Merlins Willen! Du möchtest vielleicht den Rest deines Lebens eine Jungfrau bleiben, aber ich nicht."

Alicia ließ mit einem dumpfen Klatschen ihr dickes Zaubertränke-Buch in den Koffer fallen. Trotzdem war ihre Stimme ruhig. „Ich bin nicht deine Mutter, Angelina, du kannst nicht immer mit meiner Missbilligung rechnen."

„Also missbilligst du es!"

Brauchst du denn meine Zustimmung? Wenn ich sage, dass es eine schlechte Idee ist, wirst du dann nicht wieder mit ihm schlafen?", fragte Alicia.

„Das würde ich ihm nie antun."

„Dann verstehe ich nicht, warum es dich so sehr kümmert, was ich denke." Alicia knallte ihren Koffer zu und verschloss ihn. Angelina blieb überraschend still. Als Alicia sich umdrehte, fand sie heraus, dass das daran lag, dass diese weinte. Echte Tränen liefen Angelina Johnson über die Wangen.

„Du bist meine beste Freundin. Ich – ich hasse es, dich zu enttäuschen. Ich brauche deine Unterstützung. Ich muss wissen, dass ich das Richtige getan habe", sagte Angelina zwischen zusammengebissenen Zähnen hindurch. Sie fuhr sich wütend über die Wangen, um die Tränen fortzuwischen, die sie so hasste.

„Du hast mich nicht enttäuscht. Und das wirst du auch nie, Angelina." Alicia lächelte sanft und reichte ihr ein Taschentuch aus ihrer Tasche. „Du bist mir manchmal ein Rätsel, aber das kommt nur, weil du so unglaublich stark und fähig bist. Du hast immer gute Entscheidungen getroffen. Ich verstehe Fred manchmal nicht, aber ich weiß, dass er tief im Innern ein guter Mensch ist. Er hat Glück, dass er dich hat."

Angelinas Zöpfe flogen, als sie ihren Kopf schüttelte. „Nein, hat er nicht. Ich habe nur mit ihm geschlafen, um sicher zu gehen, dass er sich von anderen Frauen fern hält. Das ist falsch, oder? Ich wollte sicher gehen, dass er nur an mich denken kann."

Alicia legte ihr eine Hand an die nasse Wange. „Ich weiß, dass das nicht der einzige Grund ist. Du liebst Fred – das ist das Wichtigste."

„Ja, das tue ich. Gott, es tut so gut, endlich darüber reden zu können."

„Aber keine Details bitte. Er ist zu sehr wie ein Bruder für mich und es wäre merkwürdig. Vielleicht möchte Katie es hören", sagte Alicia und umarmte Angelina fest. Als sie über ihre Schulter sah, fand sie heraus, warum Katie so still gewesen war. Sie weinte ebenfalls. „Nicht du auch noch! Was ist hier los?"

„Ich werde heiraten!", brach es aus Katie heraus.

„Hat sie gerade heiraten gesagt?", fragte Angelina leise und löste sich sofort aus der Umarmung.

Alicia zuckte mit den Schultern und die beiden setzten sich zu ihrer Freundin. Sie warf sich über Angelinas Schoß und sagte, „Da war ein Diamantring und Lee war auf dem Boden und er hat meinen zweiten Vornamen gesagt. Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Ich habe mich fast auf ihn übergeben. Ich habe mich fast auf meinen Freund übergeben! Da war ein Diamantring. Sein Vater hat ihn seiner Mutter gegeben und dann hat Lee ihn mir gegeben."

„Äh, okay. Also hat Lee um deine Hand angehalten?", fragte Alicia.

„Ich habe Ja gesagt! Ich weiß nicht, warum ich so schnell Ja gesagt habe. Ich hätte ihm sagen können, dass ich noch Zeit brauche. Cedric ist tot!"

Angelina strich Katie über die Haare, ihre eigenen Tränen waren vergessen. „Was hat er damit zu tun?"

„Es hätte Lee sein können", antwortete sie. „Er hat meinen zweiten Vornamen gesagt! Er will für immer mit mir zusammen sein. Habt ihr schon mal gemerkt, wie lang für immer ist?"

Alicia tauschte einen verwirrten Blick mit Angelina. „Fühlst du dich gut, Katie? Ich könnte dir einen schönen Entspannungstrank von Madam Pomfrey holen."

Katie setzte sich auf, ihre Haare und Augen wild. „Ich brauche kein Beruhigungsmittel! Ich brauche eure Zustimmung! Soll ich ihn wirklich heiraten?"

Angelina fragte, „Na ja, liebst du Lee?"

„Ja."

„Willst du Lee heiraten?", fragte Alicia.

„Ja."

„Du hast das Richtige getan", sagten Angelina und Alicia gemeinsam.

„Aber wir sind so jung!"

„Das Alter sollte in Dingen wie diesen keine Rolle spielen", sagte Angelina ehrlich. Es war etwas, an das sie immer geglaubt hatte. „Erinnerst du dich daran, was Alicia gerade zu mir gesagt hat? Dasselbe gilt für dich. Du triffst immer die richtigen Entscheidungen und Lee hat Glück, dich zu haben."

„Ich habe Glück, ihn zu haben", sagte Katie ernst und wischte sich ihr Gesicht mit dem Ärmel ab. „Ich werde Lee Jordan heiraten", sagte sie mit zittriger Stimme.

„Oh, meine kleinen Mädchen werden so schnell erwachsen", sagte Alicia nur halb im Scherz. Die beiden schienen in ein paar Minuten um Jahre gealtert zu sein.

„Und ihr seid nicht sauer oder enttäuscht?", fragte Katie.

„Sind wir zur Hochzeit eingeladen?"

„Natürlich!"

„Dann freuen wir uns für dich", sagte Angelina entschieden.

Katie grinste und schlang ihre Arme um sie. „Ich weiß nicht, was ich ohne euch beide tun würde. Ich kann gar nicht glauben, dass Trelawney Recht damit hatte, dass ich Hogwarts ohne einen Freund verlassen würde. Ich habe einen Verlobten!"

„Komm schon, dann zeig uns den Diamantring!"

Alicia bewunderte zusammen mit Angelina den Ring. Sie kicherte über Angelinas Erzählung von dem Treffen im Raum der Wünsche. Sie setzte ein glückliches Gesicht auf. Unterdessen hatte sich ein schweres Gewicht in ihrem Magen niedergelassen. Etwas stimmte nicht. Beide Neuigkeiten hatten ihr Inneres aus irgendeinem Grund allmählich verkümmern lassen.

Konnte sie wirklich enttäuscht oder wütend auf das sein, was ihre Freunde getan hatten? Nein. Es war wahr, dass sie Erwachsene waren und auf sich selbst aufpassen konnte. Es musste etwas anderes sein, etwas wie... auf einmal verstand Alicia, dass sie eifersüchtig auf die beiden war.

Sie war diejenige, die das Land verließ, und doch fühlte sie sich, als wäre sie diejenige, die zurückgelassen wurde.

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Der Tag vor der Abschlussfeier war einer der merkwürdigsten Tage in Alicias jungem Leben. Sie fühlte sich unwohl in ihrer eigenen Haut. Den größten Teil des Morgens verbrachte sie damit, durch die Schule zu wandern und sich von den Lehrern, Geistern und anderen Schülern zu verabschieden. Dumbledore und McGonagall waren beide zurück, also unterhielt sie sich eine ganze Weile mit jedem von ihnen. Es fühlte sich noch immer komisch an. Es war, als wäre ihr Körper nicht ihr eigener. Sie sah von ferne zu, wie sie die Gänge ziellos durchstrich. Sie hatte noch nicht einmal ihren Abschluss und doch fühlte sie sich, als würde sie nicht mehr zu Hogwarts gehören.

Es war, als würde man nicht mehr in seine Lieblingsjeans passen. Egal, wie sehr man zerrt und keucht und hüpft, es fühlt sich nicht mehr an wie vorher. Alicia wusste, dass sie aus der Schule herausgewachsen war. Das Angsteinflößendste war, dass sie nicht sicher war, ob sie je wieder so einen Ort finden würde. Gab es noch einen anderen Ort auf der Welt, wo sie wirklich hingehörte?

Sie saß bei den Überresten von Fred und Georges Sumpf, als sie darüber nachdachte. Vielleicht gehörte sie gar nicht in die Welt. Es konnte keinen Platz für jemanden wie sie geben. Die Leute mochten rechthaberische, hochnäsige, herablassende, selbstgerechte Wichtigtuer nicht, sagte sie sich. Und doch, das war, wer sie war und sie wusste nicht, wie sie es ändern konnte. Sie konnte sich genauso wenig selbst so ändern, dass sie zu dem wurde, was die Welt wollte, wie sie die Welt nach ihren Vorstellungen ändern konnte. So liefen die Dinge einfach nicht.

Die Welt wird mich einfach so akzeptieren müssen, wie ich bin, dachte sie stur.

Katie kam plötzlich um die Ecke gerast und unterbrach ihre Gedanken. „Alicia! Was machst du? Angelina und ich haben dich schon überall gesucht!"

„Was ist los?"

„Du musst kommen und dir anschauen, was wir gefunden haben!"

„Was denn?", fragte Alicia und stand langsam auf.

„Komm und sieh es dir selbst an! Es ist erstaunlich!"

Interessiert eilte Alicia der aufgeregten Blondine nach, die ihren Ring jetzt mit Stolz trug. Sie liefen zurück zum Gryffindor-Turm und hoch in ihren Schlafsaal. Alicia bemerkte, dass Angelinas Nachttisch aus irgendeinem Grund in die Mitte des Raumes geschoben war. Angelina selbst kniete auf dem Boden und starrte verzückt darauf.

„Habt ihr beide was getrunken?", fragte Alicia ernst.

„Endlich!", rief Angelina. „Ich habe meinen Nachttisch beiseite geschoben, um nachzuschauen, ob auch nichts dahinter oder darunter gefallen war. Komm und sieh dir an, was ich gefunden habe!"

„Wenn ihr mich hierher gezerrt habt, um mir eine alte Socke oder einen toten Käfer zu zeigen, dann werde ich wirklich sehr wütend." Alicia ging rüber zu Angelina und starrte mit ihr hinunter auf den Holzboden. Es war keine Socke oder Käfer, so viel war sicher. Sie musste sich ebenfalls runter auf Hände und Knie beugen.

Etwas war in den Hartholzboden geritzt worden. Alicia schnappte nach Luft, als sie es las.

Frauen aus Gryffindor von 1519.

Hiernach folgen die Namen der Frauen, die vor euch waren. Dieser Raum trägt die Erinnerungen, Träume und Stärken einiger der Gryffindor-Frauen, die die Schule bereits verlassen haben. Fügt eure Namen der Liste hinzu und geht sicher hinaus in die Welt, mit offenen Augen und offenem Herzen.

Unter diesem Absatz waren mindestens hundert Namen in das Holz geritzt worden. Die Namen ließen Alicias Kopf brummen. Sie erkannte ein paar aus dem Unterricht für Geschichte der Magie. Sie hatte nie darüber nachgedacht, aber Hogwarts musste schon seit tausend Jahren existieren und Millionen von Leuten mussten es erlebt haben. Allein schon Tausende mussten ihre sieben Jahre in diesem Schlafsaal verbracht haben.

„Oh mein Gott", sagte Alicia und fuhr mit dem Finger über die Kerben. „In diesem Raum steht mindestens ein halbes Jahrhundert Geschichte."

„Ganz zu schweigen die erste Hälfte des Jahrhunderts", sagte Katie, als sie Alicias Nachttisch beiseite schob. „Nur weil ihre Namen nicht hier stehen, heißt das nicht, dass sie nicht ihre eigenen Abdrücke hinterlassen haben. Hier sind noch mehr Namen!"

Angelina und Alicia eilten zu ihr rüber. Dort erkannten sie noch ein paar mehr historische Persönlichkeiten. Unter Katies Nachttisch fanden sie neuere Namen.

„Miranda Habicht und Bathilda Bagshot", sagte Angelina, die Namen der Autorinnen vom ‚Lehrbuch der Zaubersprüche' und ‚Geschichte der Zauberei' vorlesend.

„McGonagall!", quietschte Alicia und wies auf den Namen.

„Wow", sagte Katie leise. Ihre Augen fuhren über die Namen unter ihrer Hauslehrerin. Sie sah einen sehr bekannten. „Hey, das ist meine Großmutter! Schaut, Katherine Rolland? Ich bin nach ihr benannt!"

„Das ist das Coolste, was ich je gesehen habe", sagte Alicia, als sie nach ihren eigenen Familienmitgliedern suchte.

„Es muss noch mehr geben. Diese Frauen hier müssen schon vor ungefähr sechzig Jahren ihren Abschluss gemacht haben." Angelina sprang auf und sah sich im Raum um. Ihre Augen fielen schnell auf die große Kommode, die sie sich teilten.

Ein schneller Schwebezauber später und die Kommode war aus dem Weg und hatte weitere Namen enthüllt. Der erste war Millicent Bagnold.

„Die Zaubereiministerin vor Fudge", sagte Alicia.

„Meine Tante Becky!", rief Angelina glücklich.

Alicia suchte nach dem Namen ihrer eigenen Mutter, konnte ihn aber nicht finden. Sie fand jedoch einen Namen, der ihr Herz hüpfen ließ. Molly Prewett.

„Ang, Fred und Georges Mum war in unserem Zimmer."

Bevor Angelina darauf reagieren konnte, quietschte Katie und ergriff ihren Arm. „Ich kann es nicht glauben! Sie war in unserem Raum. Sie hatte vielleicht sogar mein Bett!"

„Wer?"

„Lily Evans!"

„Und wer soll das bitte sein?"

„Harrys Mum, natürlich! Evans ist ihr Mädchenname", antwortete Katie, als wäre das offensichtlich.

Angelina verdrehte die Augen. „Gott, du bist wirklich besessen von Potter."

„Halt den Mund. Sie war eine großartige Frau und ich bin geehrt, im selben Schlafsaal wie sie gewesen zu sein."

„Tja, meine Mum ist hier nicht bei", sagte Alicia mit einem Seufzer. „Sie müsste zwischen Mrs. Weasley und Harrys Mum sein."

Die Drei gingen die Liste durch und lasen jeden Namen abwechselnd laut vor. Der allerletzte Name ließ Alicias Augen feucht werden. Sie hätte wirklich wissen sollen, dass Erica in diesem Raum gewesen war, wo sie doch das Jahr vor ihrer Ankunft ihren Abschluss gemacht hatte.

„Ich glaube nicht, dass das hier ein Zufall ist", sagte Angelina, als sie aufstand. Sie begann, in ihrem Koffer nach dem Lehrbuch der Zaubersprüche zu suchen. „Schaut euch all die großen Frauen an, in deren Fußstapfen wir treten. Schriftsteller, eine stellvertretende Schulleiterin, eine Zaubereiministerin-"

„Mrs. Potter und Mrs. Weasley", fügte Katie hinzu.

„Unsere Familien", sagte Alicia und wünschte sich plötzlich, dass sie mit ihrer älteren Schwester sprechen könnte.

Angelina schlug das Inhaltverzeichnis des Buches auf. „Also fügen wir unsere Namen hinzu und gehen hinaus in die Welt, mit offenen Augen und offenen Herzen."

„Wenn ich nur halb so viel schaffe, wie eine dieser Frauen, dann wäre ich schon glücklich."

Alicia nickte zustimmend. „Wir haben ein Vermächtnis fortzuführen. Generationen von Gryffindor-Frauen zählen auf uns."

„Wir können es schaffen." Angelina reichte ihr das Buch. „Ich habe einen Gravur-Spruch gefunden. Los geht's."

Einer nach der anderen fügten sie ihre Namen den Hunderten der anderen Frauen hinzu. Alicia war die Letzte, da sie alphabetisch vorgingen. Sie setzte ihre Namen ein und sah hoch zu ihren Freundinnen. „Wisst ihr, woran wir hier teilhaben? Das ist mehr als Gryffindor-Frauen. Das ist mehr als sogar Hogwarts-Frauen."

„Wirst du philosophisch?", fragte Katie misstrauisch.

Alicia ignorierte sie und streckte ihren Arm aus, sodass die Handfläche zur Decke zeigte. „Denkt an das Blut, das durch unsere Adern fließt. Die alte Magie, die in unserem Blut ist. Sie geht weiter zurück als die Gründung von Hogwarts. Ich rede von den Druiden und Priesterinnen."

„Das Blut von Morgan le Fay", murmelte Angelina, auf die Innenseite ihres Handgelenks starrend. „Die alten Hexen, die Magie ausgeübt haben und dabei ihr Leben riskierten. Wir schulden es ihnen, die besten Hexen zu sein, die wir sein können."

Katie biss sich zögerlich auf die Lippe. „Ich hatte zuerst Angst vor meiner Magie."

Alicia legte einen Arm um sie. „Meine Mum hat mir von meiner Magie erzählt, bevor ich an der Muggelschule angefangen habe. Ich habe sie viele Jahre lang ignoriert, weil ich dazu gehören wollte."

„Ich habe jede Nacht gebetet, dass meine Magie sich zeigen würde. Ich wollte so sehr eine Hexe und kein Squib sein. Ich wollte wichtig und etwas Besonderes sein. Ich wollte nicht dazu gehören", sagte Angelina mit einer Spur von Belustigung in ihrer Stimme.

Für einen Augenblick schwiegen sie. Jede versuchte zu verstehen, was vor ihnen lag. Es war noch schwerer für sie zu verstehen, woher sie gekommen waren. Die Magie von Morgan le Fay und Merlin war eine Welt weit entfernt von der, in der sie lebten. Trotzdem fühlten sie, dass sie ein Korn dieser Größe in sich hatten und sie klammerten sich daran. Keine von ihnen wollte diejenige sein, die das beträchtliche Vermächtnis beschmutzte, das ihnen anvertraut worden war.

„Denkt ihr, dass wir bereit für die Welt sind?", fragte Katie leise.

„Natürlich", sagte Angelina und grinste, „aber ist die Welt auch bereit für uns? Das ist die richtige Frage."

xxxxx

Ihre Abschlussfeier war genauso prunkvoll wie jedes andere Fest in Hogwarts. Die ganze Sache wurden von den Schulsprechern geleitet, die alle begrüßten und dann an Dumbledore übergaben. Der Tonfall seiner Rede war ungewöhnlich düster.

„Ich möchte Sie alle zu der Abschlussfeier in Hogwarts begrüßen. Ich kann mit gutem Gewissen sagen, dass dieser Jahrgang einer der besten ist, der die Schule in den letzten Jahren durchlaufen hat. Leider hat dieser Jahrgang auch mehr gelitten als seine Vorgänger. Gute Freunde sind gegangen, einige aus freiem Willen, andere wurden genommen", sagte Dumbledore und seine Augen glitten von den Gryffindors zu den Hufflepuffs. „Egal, wie eure UTZ-Ergebnisse ausfallen, ihr alle solltet stolz sein, hier zu sitzen. Ihr seid jetzt junge Erwachsene vor einem Abgrund. Ihr werdet für immer einen besonderen Platz in der Geschichte einnehmen.

„Die Rückkehr Voldemorts lässt nichts mehr sicher sein. Auch das Schicksal Hogwarts' ist unbekannt. Denkt an meine Worte, der zweite Krieg mit Voldemort hat begonnen. Dieses Mal gehört der Kampf eurer Generation. Ihr seid wahrscheinlich zu jung, um euch daran zu erinnern, wie es vor seiner Niederlage war, doch einige von euch tragen noch immer die Narben. Dieses Mal habt ihr die Möglichkeit, eure eigenen Entscheidungen zu treffen. Als die neuesten Hogwarts-Absolventen werdet ihr von denen versucht werden, die euch benutzen wollen. Trefft eure Entscheidungen sorgfältig", sagte er, seine Augen auf den Slytherins ruhend.

Alicia, die zwischen Angelina und Lee saß, nahm deren Hände, während Dumbledore sprach. Er bat sie mehr oder weniger direkt, während des Krieges auf seine Seite zu kommen. Natürlich sagte er es nicht wörtlich, aber die Aufforderung lag deutlich vor ihnen. Er betonte, dass es ihre Wahl war. Alicia fühlte sich nicht so, als hätte sie momentan besonders viele Möglichkeiten.

Dumbledore fuhr fort, „Eure Lehrer und ich haben uns bemüht, euch so viel Wissen mit auf den Weg zu geben wie möglich. Ihr geht aus dieser Schule mit gelehrten, frei denkenden Köpfen. Benutzt sie gut, meine Freunde. Eure Leben werde nicht einfach sein und der Schmerz dieses Krieges wird viele von euch treffen. Baut keine Verteidigungen auf und vergesst zu fühlen. Liebe wird alles überleben."

Das Zwinkern, das in die Augen des alten Schulleiters zurückgekehrt war, ließ eine Welle der Zuversicht durch die Siebtklässler laufen. Solange sie Dumbledore als ihren Anführer hatten, würden sie sicher sein. Die meisten von ihnen würden hinaus in die Welt gehen und ihr Bestes tun, um allen zu beweisen, das Dumbledore ihnen die bestmögliche Ausbildung hatte zukommen lassen. Einige würden ihn bis in ihren Tod verteidigen. Sogar diejenigen Slytherins, deren Schicksal es war, sich ihm entgegen zu stellen, würden ein geheimes Gefühl der Bewunderung für den großen Zauberer hegen.

Applaus klang durch die Große Halle und die Gryffindors waren die Ersten, die auf die Füße sprangen. Fast alle anderen folgten. Alicia drehte sich um und sah, dass auch ihre Mutter aufgestanden war und ihre Augen mit einem Taschentuch betupfte. Neben ihr standen Katies Eltern und zwei ihrer Brüder und applaudierten ebenfalls herzlich.

Dumbledore nickte dankbar und alle setzten sich wieder. „Jetzt möchte ich Professor McGonagall auf die Bühne bitten, um die Abschlusszertifikate zu verleihen."

Einer nach dem anderen wurden die Schüler auf die Bühne gerufen, wo sie einer langen Reihe von Lehrern die Hand schüttelten und dann von Dumbledore Rollen aus goldenem Pergament gereicht bekamen. Nach den Zertifikaten wurde es Zeit, den Gewinner des Gründer-Preises zu verkünden. Der Gewinner wurde von den Lehrern gewählt und an den schlauesten Schüler des Jahrgangs vergeben. Gerüchte besagten, dass die Entscheidung zwischen Alicia und ein paar anderen fiel.

Angelina knuffte Alicia, die etwas errötete. Sie war sich nicht sicher, ob sie den Preis überhaupt haben wollte. Sie müsste eine kleine Rede halten, wenn sie ihn gewann. Schon seit mehr als einem Jahr hatte George darauf bestanden, dass sie ihn locker gewinnen würde. Alicias eigene Sicherheit verschwand regelmäßig, aber George behielt seinen Glauben in sie und war immer da, um sie zu ermutigen. Ohne ihn gab sie sich selbst keine Chance.

Sie hatte es nicht geschafft, Schulsprecherin zu werden, sogar als sie Favoritin für den Posten gewesen war, also konnte theoretisch dasselbe mit dem Gründer-Preis passieren. Es wäre jedoch schön, ihn zu haben. Ihre Schwester hatte ihn damals gewonnen, und Percy natürlich auch. Es war ein-

„Leesh!", zischte Angelina. „Worauf wartest du? Sie haben deinen Namen ausgerufen!"

Alicia blinzelte hoch zum Podium. Dumbledore lächelte ihr zu. „Miss Spinnet, würden Sie hochkommen und Ihre Medaille abholen?"

„Ich?", quietschte Alicia.

„Soweit ich weiß, bist du die einzige Alicia Spinnet in unserem Jahrgang", flüsterte Katie über Lees Kopf hinweg.

„Geh schon", dränge Angelina.

Alicia stand langsam und zitternd auf, während die Leute zu klatschen begannen. Glücklicherweise schaffte sie es zur Bühne, ohne zu stolpern. Dumbledore schüttelte ihr die Hand und legte ihr die Medaille um den Hals. Sie starrte sie für eine Sekunde an. Sie hatte sogar ihren Namen darauf.

„Miss Spinnet wird nun ein paar Worte sagen."

Alicia war kurz davor abzulehnen. Sie sah hinaus auf das Meer von Gesichtern und trat hinauf zum Podium. Sie fühlte, wie sich die Magie eines Sonorus-Zaubers über sie legte und räusperte sich.

„Ich würde gerne allen meinen Lehrern dafür danken, dass ich die beste magische Ausbildung der ganzen Welt bekommen habe. Außerdem möchte ich mich besonders bei meiner Familie und bei meinen Freuden für ihre ständige Ermutigung bedanken. Ohne euch wäre ich nicht hier oben." Alicia sagte das alles, ohne von ihren Händen aufzusehen, die das Podium fest umklammerten. Sie hatte keine Ahnung, was sie noch sagen sollten. Obwohl sie nicht aufsah, fühlte sie die erwartungsvollen Blicke des Publikums auf sich. Für eine Sekunde flackerte ihr Blick darüber und sie sah einen Flecken von Rot am Ende der Halle.

Tief im Innern wusste sie, dass es nicht George sein konnte. Es gab viele rothaarige Leute auf der Welt. Trotzdem fühlte sie sich durch den Anblick gestärkt. Sie sah auf das Publikum und seufzte. „Sehen Sie, wir wissen alle, dass es nur einen Grund gibt, warum ich hier oben bin. Diese Medaille hatte seit dem ersten Jahr Cedric Diggorys Namen darauf. Er sollte die Feier mit Meenal leiten. Er sollte hier oben stehen, nicht ich. Ich fühle mich sehr geehrt, diesen Preis mit ihm teilen zu dürfen."

Alle klatschten und jubelten. Alicia konnte sehen, wie Lee pfiff und in seinem Sitz hüpfte, während Katie verlegen ihr Gesicht in ihren Händen verbarg. Ein Kichern unterdrückend, fuhr Alicia fort, „Ich habe nicht erwartet, diesen Preis zu bekommen. Eine Person hat an mich geglaubt. Er ist heute nicht hier, aber das hier ist auch ihm gewidmet. Danke."

Alicia fühlte, wie ihre Wangen brannten, als sie vom Podium zurücktrat und von der Bühne runterstieg. Sie fing den Blick ihrer Mutter auf und lächelte ihr zu. Ihre Freunde begrüßten sie mit Umarmungen und Küssen. Die Schulsprecher standen auf, um die Abschlussrede zu halten.

„Wir haben diese Halle vor sieben Jahren als Elfjährige betreten. Wir haben uns aus Angst aneinander gedrängt", begann Mark.

„Wir alle waren furchtsam und eingeschüchtert. Einige von uns waren sogar nass", sagte Meenal mit einem schelmischen Lächeln.

„Ich habe ihr ausdrücklich gesagt, dass sie das nicht erwähnen soll", sagte Angelina und rutschte tiefer in ihrem Stuhl, als die Leute um sie herum lachten.

„Wir kamen als Kinder nach Hogwarts, doch wir verlassen es als Erwachsene. Freundschaften sind entstanden, die ein Leben lang halten werden. Identitäten wurden geformt, Träume wurden verwirklicht und Bande geknüpft."

Meenal fügte hinzu, „Die Erinnerungen, die wir mit uns nehmen, sind unbezahlbar. Auf dem Weg aus der Halle wird jeder von euch ein Jahrbuch mit Bildern und Anekdoten bekommen. Behaltet es. Bewahrt es. Erinnert euch an eure Zeit in Hogwarts. Erinnert euch an Cedric Diggory. Erinnert euch an das Gute und das Schlechte. Erinnert euch an jeden, den ihr hier getroffen habt, weil wir eines Tages alle berühmt sein werden."

„Wir sehen uns bei der Wiedersehensfeier in zehn Jahren!", rief Mark. Er zog seinen Zauberstab aus der Tasche und streckte ihn über seinen Kopf. „Auf drei. Eins. Zwei. Drei!"

Die Große Halle brach in Jubel aus, als die Siebtklässler rote, grüne, gelbe und blaue Funken aus ihren Zauberstäben schießen ließen. Lee sprang auf seinen Stuhl und begann, die Schulhymne zu brüllen. Als alle anderen mit einstimmten, tat er, als würde er sie mit seinem Zauberstab dirigieren.

„Könnt ihr glauben, dass ich ihn heiraten werde?", fragte Katie, während sie liebevoll zu Lee hochsah.

„Auf jeden Fall", antwortete Alicia.

Als Lee aufhörte, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, gingen die vier rüber zu ihren Familien. Katies Eltern trafen Lee das erste Mal, was recht interessant war. Sogar noch besser war das Verhör, das Katies Brüder mit Lee durchführten.

„Hast du einen guten Job?", fragte Samuel, der sechsundzwanzig und bereits verheiratet war.

„Ja", antwortete Lee wie aus der Pistole geschossen.

Tristan, der dreiundzwanzig (und ziemlich gutaussehend war, wie Alicia feststellte), fragte die wirklich schweren Fragen. „Für welches Quidditch-Team bist du?"

„Äh, die Kenmare Kestrels."

Tristan warf seinen Arm um Lees Schultern. „Willkommen in der Familie. Also, wer ist dein Lieblingsspieler und was hältst du von den Chancen in der nächsten Saison?"

Katie verdrehte die Augen und stöhnte. „Ihr Mädels habt so ein Glück, dass ihr keine Brüder habt."

„Du hast Glück, dass deine Familie wenigstens gekommen ist", sagte Angelina bitter.

„Du hast deine Mutter oder deinen Vater nicht mal eingeladen", erwiderte Alicia diplomatisch.

„Sie beide wissen, wann meine Abschlussfeier ist. Sie hätten kommen können, aber sie haben sich dagegen entschieden. Dad ist wahrscheinlich mit seiner neuen Tochter beschäftigt und Mum ist ohne Zweifel beim Friseur."

Katie hakte sich bei Angelina unter und sagte, „Vergiss es. Los, lasst uns die Jahrbücher rumreichen."

Die Siebtklässler gingen nach und nach raus vor das Schloss, wo Jahrbücher und Glückwünsche ausgetauscht wurden. Ein paar der Slytherins gaben sich sogar Mühe. Sie unterzeichneten alle Jahrbücher, die ihnen gereicht wurden und schafften es sogar, das Schnauben auf ein Minimum zu reduzieren. All das dauerte eine ganze Weile und als die Gryffindors endlich Zeit hatten, sich hinzusetzen und ihre Bücher durchzublättern, hatten sie nur noch eine halbe Stunde, bevor sie zum letzten Mal in den Hogwarts-Express steigen würden.

Das bedeutete außerdem, dass sie nur noch eine halbe Stunde zusammen hatten. Alicias Zug würde zwanzig Minuten nach der Abfahrt des Hogwarts-Express eintreffen. Sie mussten sich verabschieden.

„Wir sind zum besten Paar gewählt worden!", rief Katie und stieß Lee ihren Ellbogen in die Rippen.

„Natürlich. Das ist schließlich der einzige Grund, warum ich um deine Hand angehalten habe."

„Verzieh dich, Jordan."

„Heißeste Mitschülerin und Nummer eins bei ‚spielt später professionelles Quidditch'?", las Angelina unter ihrem eigenen Bild. „Ich bin zur Hälfte beleidigt und zur anderen Hälfte geschmeichelt. Was ist mir dir, ‚Licia?"

„Nummer eins bei ‚wird später Zaubereiminister/in' und... whoa. George und ich sind laut Wahl diejenigen, die am ehesten sieben Kinder haben werden", murmelte Alicia.

Es dauerte eine Weile, bis Angelina, Katie und Lee sich vor Lachen wieder eingekriegt hatten. Als sie sich wieder beruhigt hatten, gingen sie weiter die Bücher durch. Jeder der Schüler war gebeten worden, seine Lieblingserinnerung in Hogwarts anzugeben. Angelina hatte das erste Mal, das sie den Quidditchpokal gewonnen hatten, ausgesucht. Katie hatte den Moment ausgesucht, in dem sie nach Gryffindor gekommen war. Lee hatte den Moment ausgewählt, in dem er Katie getroffen hatte, was ihm einen Kuss einbrachte.

Nach viel Hin und Her hatte Alicia sich für den Weihnachtsball entschieden. Es war ein fantastischer für sie alle gewesen. Es gab ein Bild von ihr und George tanzend auf dem Weihnachtsball. Sie wirbelten herum und lachten, ohne etwas von der Zukunft zu ahnen.

Alicia bemerkte erst, dass sie weinte, als eine große Träne mitten auf der Seite landete. Das schien das Signal zu sein, das alle veranlasste, ihre Bücher zu schließen und sie anzustarren. Sie wischte sich die Tränen weg und erzwang ein Lächeln. „Ihr müsst bald gehen. Wir sollten uns Lebewohl sagen und so."

„Ich werde es nicht sagen", verkündete Angelina nachdrücklich.

„Angelina..."

„Ich werde es nicht tun und du kannst mich nicht dazu zwingen. Man sagt nicht Auf Wiedersehen zu seiner besten Freundin, wenn die Möglichkeit besteht, dass man sie nie wieder sieht."

„Sag doch nicht so was Lächerliches. Ich werde zurückkommen."

Lee nickte zustimmend. „Das stimmt. Sie wird zu unserer Verlobungsparty kommen, nicht wahr, Katie?"

„Aber sicher. Sie kommt auch nicht um die Brautjungern-Verpflichtungen herum."

„Brautjungfer?", echote Alicia.

„Du und Angelina. Ich würde niemand anderes an meiner Seite haben wollen."

Plötzlich gab es viele Tränen. Jeder sagte etwas, doch alle waren zu unglücklich, als dass es wirklich zu ihnen durchdrang. Ihre Gefühle hingen jedoch unausgesprochen zwischen ihnen in der Luft.

„Ihr wisst, dass ich euch liebe, ja?", sagte Alicia und versuchte, nicht an ihren Tränen zu ersticken. „Euch alle drei. Und die Zwillinge. Sagt ihr ihnen, dass ich sie liebe?"

„Sobald wir sie sehen", versprach Angelina.

Katie klammerte sich fest an Alicias Hals. „Wir lieben dich auch."

„Vergiss uns nicht so schnell, okay?", sagte Lee. Er schien leicht verlegen, dass auch er weinte. Wenigstens waren die Zwillinge nicht da, um es zu sehen.

Alicia küsste ihn über Katies Schulter hinweg. „Niemals. Ich werde euch niemals vergessen. Ich werde jeden Tag Briefe schreiben und sie über Express-Portschlüssel-Post an euch schicken. Ich erwarte viele schnelle Antworten."

Schüler kamen aus dem Portal des Schlosses. Es wurde Zeit zu gehen.

„Wir sagen dir sofort Bescheid, wenn wir ein Datum für die Verlobungsparty festlegen", sagte Katie und ließ Alicia endlich los.

„Ich werde definitiv da sein." Alicia umarmte Lee, dann Angelina.

„Ich werde es noch immer nicht sagen", sagte Angelina.

Alicia lächelte ein zögerliches, melancholisches Lächeln. „Ihr solltet besser gehen. Ihr wollt doch nicht euren Zug für eure letzte Fahrt verpassen."

Lee nahm Katies Hand und begann, sie mitzuziehen. „Auf Wiedersehen!", rief Katie.

„Wir werden uns bald sehen", sagte Lee, während er winkte.

„Auf Wiedersehen! Ich liebe euch!", rief Alicia, als die beiden den anderen Schülern folgten. Sie wandte sich Angelina zu. „Wirst du es jetzt sagen?"

„Nein."

Alicia konnte nicht anders, als zu grinsen. „Pass für mich auf die anderen auf, Ang. Pass auf, dass die Zwillinge keine Körperteile verlieren. Lass sie bloß nicht die Verlobungsparty organisieren. Sag ihnen, dass sie nicht-"

„Entspann dich", unterbrach sie. „Wir werden okay sein. Traurig, aber okay."

„Auf Wiedersehen, Angelina."

Angelina zwinkerte und warf Alicia einen Luftkuss zu. Ohne ein weiteres Wort drehte sie sich um und ging davon. Alicia konnte nicht glauben, dass sie es wirklich nicht gesagt hatte. Ihre Augen folgten Angelina den ganzen Weg bis hinunter zum Tor. Sie war die Letzte, die die Schule verließ. Alicia trocknete ihre Tränen und zog ihren Koffer den Pfad hinunter, der zum Eingangstor führte. Sie setzte sich auf ihren Koffer, während sie den Rest ihres Jahrbuchs durchlas.

Alle hatten ihr zum Schluss nette Worte geschrieben. Katie und Lee hatten zusammen eine ganze Seite gefüllt. Alicia kicherte und blätterte weiter. Die Tränen, die zuvor kurz unter der Oberfläche verborgen gewesen waren, brachen wieder hervor. Die Worte AUF WIEDERSEHEN waren in Angelinas Handschrift quer über die Seite geschrieben.

Diese verdammte Frau, dachte Alicia, als sie ihr Buch schloss, um es nicht mit Tränen zu beschmieren.

„Kann ich mal an deinem Eis lecken?"

Alicia fiel fast vom Koffer. Die Stimme und die Worte waren ihr so bekannt. Sie rieb sich übers Gesicht und drehte sich langsam um. Er war es.

„Was – warum bist du – du solltest nicht hier sein", stammelte sie verlegen.

George schob seine Hände tief in die Taschen seiner Hose und zuckte mit den Schultern. „Ich habe die Erlaubnis von Dumbledore."

Alicia konnte nicht aufstehen. Sie glaubte nicht, dass ihre Beine sie in diesem Moment halten würden. Sie starrte zu ihm hoch, während ihr warm wurde und ihr Herz zu pochen begann. „Warum?"

„Ein kleines Vögelchen hat mir gesagt, dass du nicht auf Gleis Neudreiviertel sein würdest."

„Katie?"

„Lee."

„Oh. Ihr großes Mundwerk muss auf ihn abgefärbt haben."

„Lee hat uns von der Verlobung erzählt. Es ist ein bisschen merkwürdig, wenn du mich fragst."

Alicias Augenbrauen zogen sich zusammen. „Sie lieben sich und sie wollen heiraten. Was ist daran merkwürdig?"

George zuckte wieder mit den Schultern, was Alicia wie eine schmerzhaft lockere Geste erschien. Er sah auf jeden Fall viel ruhiger aus, als sie sich fühlte. „Lee ist achtzehn und Katie ist erst siebzehn. Sie sind ziemlich jung, um zu heiraten."

„Das wahre Leben hat dich zynisch gemacht", kommentierte sie leise, während sie langsam die Kontrolle über ihre Gefühle erlangte.

„Vielleicht ein bisschen." Er sah sie mit einem ruhigen, durchdringenden Blick an.

„Du hast dich verändert", platzte Alicia heraus, ohne darüber nachzudenken.

„Inwiefern?"

„Zum ersten siehst du mir in die Augen. Vor ein paar Monaten konntest du das nicht. Du scheinst einfach... älter."

Er lächelte. Es war trotz alledem das selbe, alte Lächeln. Alicia musste sich auf die Innenseite ihrer Wange beißen. „Ich hatte eine Menge Zeit, um darüber nachzudenken, was zwischen uns passiert ist", sagte er. „Ich komme besser damit klar."

„Vor nicht allzu langer Zeit hast du mir gesagt, dass du mich nie wiedersehen willst." Sie konnte nicht anders, als es zu sagen.

„Ich habe gemerkt, dass wir es einander schulden, uns vernünftig zu verabschieden. Kein Brief oder Streit, Alicia. Ein ehrlicher Abschied. Denkst du nicht, dass unsere Freundschaft wenigstens das verdient?"

Alicia nickte zögernd. Sie hatte gehofft, dass er gekommen war, um sie zum Bleiben zu bewegen oder zu verkünden, dass er mit ihr käme. Das war offensichtlich nicht der Fall.

„Ich wollte es mit den anderen am King's Cross machen, aber dann habe ich den Brief von Lee bekommen. Ich musste nach Hogwarts kommen, um dich zu sehen. Fred hat heute den Laden übernommen."

„Ich weiß nicht, was ich dir sagen soll", gab Alicia zu. „Ich habe noch niemals nicht gewusst, was ich zu dir sagen soll und ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich es nicht mag."

„Es war immer klar, dass es nicht einfach sein würde", sagte George ehrlich. „Du könntest alles etwas leichter machen, indem du aufstehst."

„Ich weiß nicht, ob ich das kann."

Er streckte ihr die Hand entgegen. Mit seiner Hilfe kam sie wackelig auf die Füße. Sie ließ seine Hand nicht los und er zog sie nicht weg.

„Ich wusste, dass du den Gründer-Preis bekommen würdest."

Alicia umklammerte die Medaille, die noch immer um ihren Hals hing. „Das warst du, den ich am Ende der Halle gesehen habe."

George nickte. „Deine Dankesrede kam von Herzen. Sie war gut."

„Du warst die Person, von der ich geredet habe. Du warst immer derjenige, der an mich geglaubt hat."

„Ich glaube immer noch an dich."

Alicia schloss kurz ihre Augen und atmete tief ein. „Mein Gott. Es ist so schwer. Ich weiß nicht, was ich sagen soll."

„Dann sag einfach nichts."

George zog sie sanft an sich und sie hob automatisch ihren Kopf. Der Kuss kam, langsam und leidenschaftlich. Alicias Knie zitterten leicht, doch George war da, um sie oben zu halten. Er war immer da gewesen, um sie zu halten und sie zu stützen. Sie schlang ihre Arme um seinen Hals und erwiderte den Kuss. Die Linie zwischen ihren Augenbrauen zeigte, wie sehr sie sich konzentrierte. Sie wollte sich an seine Lippen, seine Hände, seinen Mund erinnern.

Alicia fühlte den Kuss in jedem Teil ihres Körpers. Jedes Haar auf ihrem Kopf bebte, als wenn es elektrisch geladen wäre. Sie war sich jeder Nervenendigung nur zu schmerzlich bewusst, da sie alle zugleich prickelten. Ihre Zehen in den Schuhen krallten sich in die Sohle und sie ballte ihre Hände an seinem Nacken zu Fäusten. Ihre Zunge brannte, wo sie gegen seine strich.

Als er sich von ihr löste, wimmerte sie leise. Ihr Mund war leicht geöffnet und ihre Augen waren groß. George schenkte ihr ein träges, zufriedenes Lächeln und sagte, „Scheint, als könnten wir es immer noch."

„Wir werden es immer können", flüsterte sie. „Wir sehen uns auf Lees und Katies Verlobungsparty."

„Du wirst definitiv da sein?"

„Niemand wird mich davon abhalten können."

„Ich habe gehört, dass du als erstes nach Sydney gehst", sagte er.

„Schon wieder Lee?"

„Nein. Katie."

„Typisch."

„Sie hat mir auch erzählt, wer noch da sein wird."

Alarmglocken schrillten in Alicias Kopf. „Oh?"

„Du kannst, weißt du", sagte er.

„Ich kann was?"

„Du und Oliver", erklärte er simpel. „Ihr könnt machen, was immer ihr wollt. Ich werde euch nicht im Weg sein."

Oliver?", wiederholte Alicia ungläubig. „George, wenn ich mit jemandem zusammen sein könnte, dann würde ich dich wollen. Ich liebe dich, nicht Oliver."

„Manchmal reicht Liebe eben nicht, nicht wahr?"

Er glitt zurück in seine alte Angewohnheit der Eifersucht. Wenn das passierte, dann musste es in einem Streit enden.

„Lass uns nichts mehr sagen. Wirst du mit mir warten, bis mein Zug kommt?"

„Wenn du möchtest."

Sie saßen nebeneinander auf ihrem Koffer und schwiegen. George blätterte durch das Jahrbuch und lachte, als er sah, was unter seinem Bild stand. Irgendwie hatten er und Fred es geschafft, auf Platz eins sowohl bei ‚später erfolgreich' als auch bei ‚landet im Gefängnis' gewählt zu werden. Alicia ging kurz weg, um ein paar Blumen zu pflücken, die sie trocknen und als Erinnerung an Hogwarts behalten konnte.

Als sie zurückkehrte, war es Zeit für sie, sich auf den Weg nach Hogsmeade zu machen. Sie wandte einen Schwebezauber auf ihren Koffer an und setzte ihren Rucksack auf. All ihre anderen Habseligkeiten waren nach Leeds vorausgeschickt worden.

„Viel Glück mit allem", sagte George.

„Dir auch. Schreibst du mir?"

„Ich versuche es. Aber keine Versprechungen. Für eine Weile ist es vielleicht zu schmerzhaft."

Alicia nickte. „Das verstehe ich."

Er legte seine Hand an ihre Wange. „Hey, du weinst nicht."

„Wow. Das habe ich noch nicht mal bemerkt." Alicia berührte scherzhaft ihre trockenen Wangen. Ihr war nicht nach weinen zumute. Zum Teil hatte sie keine Tränen mehr. Hauptsächlich jedoch fühlte sie sich besser, jetzt wo sie wusste, dass George sie nicht hasste und sie seine Unterstützung hatte.

Er schüttelte den Kopf und sagte, „Ich habe mir selbst versprochen, dass ich dir das nicht noch einmal sagen würde, aber ich liebe dich. Das kann ich nicht leugnen."

„Der Brief den du mir geschrieben hast, hat mich sehen lassen, wie sehr du mich wirklich liebst. Ich – ich hoffe nur, dass du eines Tages eine andere Frau triffst, die du so lieben kannst."

„Die Möglichkeit besteht."

Alicia stand für einen Moment da und wusste nichts, was sie tun sollte. Schließlich gab sie ihm einen Kuss auf die Wange. „Ich muss gehen. Wir sehen uns auf der Verlobungsparty."

Er erwiderte den Kuss. „Auf Wiedersehen, Alicia."

„Leb wohl."

Bevor sie sich damit lächerlich machen konnte, dass sie in seine Arme sprang, drehte sie sich um und ging davon. George sah ihr nach, wie sie Hogwarts und sein Leben für immer verließ. Er sah zurück auf das Schloss, dass für die letzten sieben Jahre sein Zuhause gewesen war. Es sah leer und niederschlagend aus, wenn keine Schüler darin waren.

Wenn er in der Zukunft an Alicia dachte, dann würde er immer an Hogwarts denken, und umgekehrt.

Er steckte seine Hände wieder in seine Taschen und sagte, „Uns bleibt immer noch Hogwarts."

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ENDE

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A/N: An dieser Stelle ein riesengroßer Dank an alle Leser, die ihre Kommentare hinterlassen haben! Ohne eure Unterstützung hätte ich dieses Projekt niemals durchziehen können, ich bin euch allen sehr, sehr dankbar. Eure Kommentare haben mich aus Tiefs herausgezogen und mich daran erinnert, dass diese Story es verdient, übersetzt zu werden.

Besonders zu erwähnen sind: Zutzi alias Susi, die eine lange Zeit für mich gebetat hat und mich immer ermutigt hat; Jean nin asar shi smabell, die Größte aller Weasley-Fans :-); KitKat2006 für ihre Aufrufe an alle Schwarzleser, die mich immer zum Grinsen gebracht haben – Danke!; Maia May für regelmäßig Unterstützung zu Beginn dieses langen Wegs; Sanny12, die zwar nicht immer einen Kommentar hinterlassen hat, aber von Anfang bis Ende da war; und ganz besonders Mondfee, deren Verdienst es ist, dass die Kapitel mehr oder weniger pünktlich da waren, die seit Kapitel 23 regelmäßig Kommentare hinterlassen hat und die immer ermutigende Worte auf den Lippen hat – ich kann dir gar nicht genug danken!

Dank auch an die Leute, die diese Übersetzung gelesen haben, auch ohne eine Review zu hinterlassen. Solange es Spaß gemacht hat und ihr vielleicht gelacht oder geweint habt, war es die Arbeit wert.

Ein Dank muss noch sein. Der Dank an die Autorin der Original-Geschichte, Jagged Epiphany, natürlich. Ohne ihr Okay wäre das hier nicht möglich gewesen. Ich konnte mich bei Fragen immer an sie wenden und konnte jammern, wenn ich nicht weiterkam. Sie versteht zwar kein Wort von dem, was ich hier schreibe, aber ich bin sicher, sie weiß, worum es geht. )

Tja, das ist nun das Ende von OFNT. Heute (2. Oktober 2007) hat diese Story 204 Kommentare verteilt auf 49 Kapitel, das sind im Durchschnitt 4,16. Die meisten davon kamen zu Kapitel 1 (10 Reviews) und Kapitel 16 (9 Reviews), die wenigsten zu Kapitel 13 und 42 (je 1 Kommentar). Die Geschichte steht bei 25 Leuten in den Favoriten (von denen ich zum Teil nie was gehört habe) und bei 20 Personen auf der Alert-Liste. Der Hit-Zähler misst in diesem Moment 14162 Klicks.

Ich habe gemischte Gefühle bei dem Gedanken, dass es nun vorbei ist. Sicher, das Sequel kommt, aber dennoch ist es erst mal ein Abschied. Nehmt euch die Zeit für einen kleinen Kommentar, sagt mir, was euch gefallen hat oder was ihr überhaupt nicht mochtet, wer eure Lieblingsfigur ist oder was ihr vom Sequel erwartet. Zeigt mir einfach, dass ihr da seid.

Die Fortsetzung kommt garantiert! Vielleicht sehen wir uns wieder?