Wieder einmal fragte sich Adam, warum die meisten Hochzeiten immer im Sommer stattfinden mussten. Sicher lag es auch daran, dass er doch eine sehr turbulente Woche hinter sich hatte und so in der Kirche die Minuten gezählt hatte, bis die Trauung vorbei war. Nun lehnte er gegen einen Zaun der Pferdekoppel auf der Ranch von Toms Vater und versuchte, gegen die Müdigkeit anzukämpfen.
„So wie du aussiehst, dachte ich mir, du willst etwas Kühles trinken?"
Mit einem Lächeln nahm Adam seinem Vater das Glas ab. „Danke, Pa."
„Bereust du es, dass du erst heute morgen vom Berg zurückgekommen bist?"
„Wenn ich gestern schon wieder gekommen wäre, hättest du mich wahrscheinlich heute nicht aus dem Bett bekommen."
Ben sah in sein Glas und zögerte. „Adam, geht es dir jetzt wieder besser und ich meine nicht die Wunden, die man sehen kann?"
Sein Sohn holte tief Luft. „Ich denke schon."
„Darf ich fragen, was in dem Brief stand, der dich so aufgeregt hat? Habt ihr Probleme mit der Holzlieferung für deinen Freund?"
„Nein. Dort läuft alles nach Plan, sogar noch besser, als wir erwartet haben."
Ben konnte seine Freude über diese Nachricht nicht verbergen. „Dann hat dein Freund schon einen Folgeauftrag bekommen?"
„Ja, hat er. Er hat sogar zwei bekommen. Die Eisenbahngesellschaft möchte, dass er einen kleinen Bahnhof in Greenfield baut und danach einen größeren in Beardstown. Dieser soll unter anderem eine Verladestation werden, da dort der Schiffsverkehr ebenfalls ausgebaut werden soll."
„Dann ist er schon in Beardstown?"
Adam sah ihn verwundert an. „Nein. Er und seine Familie werden Anfang nächsten Monats nach Greenfield aufbrechen."
„Ach so, ich dachte nur, weil auch der Brief aus Beardstown kam ?"
Adam nahm einen Schluck aus dem Glas. Seine Augen waren auf seinen Vater gerichtet. Langsam setzte er das Glas ab. „Er war von einer Freundin von mir."
Bens Augen verkleinerten sich und er wandte den Blick von seinem Sohn nicht ab? „Muss ich mir Gedanken machen, dass du nicht zu deiner Verantwortung stehst?"
Adam brauchte einen Moment, um zu begreifen, was sein Vater damit meinte und dann musste er schmunzeln. „Nein Pa, das brauchst du nicht. Das letzte Mal, dass ich sie gesehen habe ist jetzt fast drei Jahre her."
Ben schaute ihn fragend an, weil er sich nicht erklären konnte, was Adam dann so aufgebracht haben könnte. „Pa, ich bin wirklich von den letzten Tagen geschafft und dann hatten Koko und ich heute noch ein langes und anstrengendes Gespräch gehabt. Ich bin sehr müde und ich würde gerne dieses Thema an einem anderen Tag fortsetzten."
„Dann willst du heute auch nicht mit mir über Koko reden? Denn ich denke, darüber sollten wir uns auch noch einmal unterhalten."
Adam schüttelte nur den Kopf. „Gut. Dann werde ich mal David suchen. Er wollte mit mir noch etwas besprechen."
Ben schlug seinem Sohn auf den Rücken und lief zurück zu den anderen.
Adam sah seinem Vater nach, dabei hörte er eine ihm vertraute Stimme. „Nein. Will nicht."
Adam schaute in die Richtung aus der die Stimme seiner Schwester kam. Er musste lachen, als er sah, wie verzweifelt Little Joe versuchte, Sarah zum Aufstehen zu bewegen. Mit einem Grinsen lief er zu seinen Geschwistern. „Na ,kleiner Bruder. Hast du ein Problem?"
Little Joe drehte sich um und sah ihn böse an. „Adam, sie nervt mich. Erst rennt sie mir ständig nach und jetzt will sie nicht mehr mitkommen. Ich kann sie doch hier nicht einfach sitzen lassen."
„Wynono."
Sarah strecke ihm die Arme entgegen. Adam hob seine Schwester hoch. „Na, kleines Fräulein. Hast du den armen Little Joe geärgert?"
Sarah zog eine Schnute und sah Joe finster an. „Joe ist böse."
„Bin ich gar nicht. Du hörst doch nicht darauf, was ich sage."
„Böse."
Joe trat einen Schritt vor. „Ich zeig dir gleich mal, was böse ist."
Adam schob ihn mit der Hand von sich weg. „Joe ich glaube, ich kümmere mich um Winona und du kannst zu deinen Freunden gehen."
Joe sah seine Schwester immer noch unwirsch an. „Zicke."
„Joe!"
Joe drehte sich um und suchte seine Freunde. „Und nun mein Sonnenschein, was machen wir jetzt?"
„Will runter."
Adam ließ seine Schwester vom Arm und diese nahm dann sofort seine Hand. „Wynono, komm."
Adam ließ sich von Sarah zu den Buggys ziehen, die in der Nähe der Scheune standen. Sarah kletterte auf den Wagen und holte ihr Kuschelltuch hinter dem Sitz hervor. Adam lachte. „Hast du das an Pa vorbeischmuggeln können?"
Strahlend nickte Sarah mit dem Kopf. Adam hockte sich hin und sah sie sanft an. „Bist du so müde?"
„Nein. Für Wynono. Wynono ist müde."
Sie drückte ihm ihr Tuch in die Hand. Voller Liebe sah er sie an und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. „Danke dir mein Sonnenschein, aber ich denke, auch du bist ein wenig müde."
Schnell schüttelte sie den Kopf. Adam stand auf und nahm sie an die Hand. „Jetzt zeig ich dir etwas."
Adam sah seinen kleinen Bruder nicht weit von sich mit einigen anderen Jungen stehen. „Joe…" Sein Bruder drehte sich zu ihm. „Wenn Pa oder Emillia uns suchen, sag ihnen bitte, dass wir hinter der Scheune sind."
Little Joe sah ihn zuerst noch immer leicht genervt an, dann jedoch verwandelte sich sein Gesicht zu einem Grinsen. „Mach ich, Adam."
Adam sah sofort, dass seinem Bruder wieder etwas durch den Kopf ging, was nicht gut sein konnte. „Joe?"
Das Grinsen verwandelte sich wieder in eine ernste Miene. „Ich habe doch gesagt, ich sage Bescheid."
Beide Brüder schauten sich noch kurz an. Dann lief Adam mit Sarah hinter die Scheune. Dort zog er seine Jacke aus und legte sie auf den Boden. „Weist du, Winona, Koko und ich haben uns früher ganz oft auf die Wiese gelegt und die Wolken angesehen und wenn wir Glück hatten, haben wir viele Tiere gesehen. Möchtest du das mit mir auch probieren?"
„Winona will Wolf haben."
Mit den Kopf in Adams Arm sahen beide in den Himmel. „Mit etwas Glück werden wir auch einen Wolf sehen."
Es dauerte nicht lange und Sarah war in seinem Arm eingeschlafen.
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„Hoss, was ist los? Hast du keine Lust mehr, zu tanzen?"
Hoss steckte die Hände in die Taschen und sah an Koko vorbei. „Na, ja schon aber…"
Er sprach nicht weiter. „Was aber?"
„Na, ja wir haben doch schon zweimal getanzt."
Koko wartete vergebens darauf, dass Hoss weitersprach. „Ja und Hoss? Sind dreimal zu viel?"
Hoss sah nun auf seine Füße. „Ja….ich meine ….nein..aber…." Er atmete geschafft aus. „…du bist doch mit Adam hier und ich will keinen Ärger mit ihm haben."
Koko drehte sich im Kreis und lachte. „Also Hoss, ich kann ihn beim besten Willen nicht sehen."
Hoss nahm den Kopf wieder hoch. „Koko, du weißt genau, was ich meine."
Sie nahm seine Hand und sah ihn einfühlsam an. „Hoss, dein Bruder hat schon in der Kirche kämpfen müssen, dass er nicht im Stehen einschläft. Er hat sich bei mir entschuldigt und wird jetzt, denke ich, irgendwo hier sein und mit sich und seiner Müdigkeit kämpfen. Denn eigentlich war es Wahnsinn, dass wir ihn mit seiner Kopfverletzung einfach alleine auf den Berg haben gehen lassen." Sie lächelte. „Also, da ich nun keinen Begleiter mehr habe, würde ich mich freuen, wenn du mich den Rest des Tages begleitest."
„Ich finde das nicht gut."
Koko stemmte die Hände in die Seite. „Hoss, was denkst du, wird dein Bruder machen? Dir den Kopf abreißen, nur weil du mit mir tanzt?"
„Du kennst ihn doch. Wenn es um sein Mädchen geht, kann er….naja…doch manchmal recht komisch sein."
Mit großen Augen sah Koko ihn an. „Ich bin nicht Adams Eigentum." Sie zog ihn auf die Tanzfläche. „Wenn ich mit dir tanzen möchte, dann tanze ich mit dir, Hoss Cartwright. Verstanden?"
Hoss holte wieder Luft. „Ja.."
Hoss tanzte gleich mehrmals hintereinander mit Koko, aber immer wieder sah er sich um, ob er seinen Bruder irgendwo stehen sah.
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„Ben, ich kann dir nur sagen, so einen Bullen hast du noch nicht gesehen. Ich würde ihn ja selbst kaufen, aber ich kann ihn mir dieses Jahr einfach nicht leisten aber wenn du ihn dir ansehen würdest und kaufst, dann würde ich dir nächsten Jahr ein Jungtier von ihm abkaufen."
Ben überlegte. „Die Ranch liegt auf dem Weg von unseren Viehtrieb. Also könnten wir uns ihn ansehen….." Er kratzte sich am Kopf. „Das Problem ist nur, dass ich nicht mit auf den Viehtrieb gehe. Adam wird ihn leiten."
David zuckte mit den Schultern. „Wo ist das Problem? Du hast doch einen intelligenten Jungen. Er wird doch wohl einen guten Zuchtbullen erkennen, wenn er einen sieht."
„Es gibt eigentlich kein Problem, nur, dass ich ihn mir lieber selber angesehen hätte….. aber gut. Ich schlage vor, wir reden gleich mit Adam, denn ich denke, er wird vor dem Trail nicht mehr die Zeit haben, zu dir raus zu reiten."
Sie stellten ihre Gläser ab und Ben sah sich um, ob er irgendwo seinen Sohn entdecken konnte. Nach einer Weile sah David ihn schmunzelnd an. „Dein Sohn wird doch nicht schon nach Hause gegangen sein, weil Hoss die ganze Zeit mit seiner Freundin tanzt?"
Ben brabbelte etwas Unverständliches vor sich hin. In dem Moment lief Joe an ihm vorbei. „Joseph, weißt du, wo dein Bruder ist?"
Little Joe grinste. „Na, dort."
Er zeigte auf Hoss, der bei Koko stand. Schon leicht genervt sah sein Vater ihn an. „Ich meine Adam."
„Ach Adam…warte mal…" Little Joe kratze sich an der Stirn und gab vor, schwer zu überlegen, dann schnippte er mit dem Finger. „Doch natürlich, habe ich ihn gesehen. Vor gut einer Stunde ist er mit einem Mädchen hinter der Scheune verschwunden und….ich glaube, bis jetzt sind sie noch nicht zurück."
Bens Augenbrauen schossen in die Höhe. Little Joe schlug grinsend seinem Vater gegen den Arm. „Pa, und sie war hübsch…..zwar denke ich, sie etwas zu jung, aber du kennst ja Adam…"
Sein Vater hielt die Luft an und David betrachtete die Steine am Boden. „Brauchst du mich noch, Pa? Sonst würden Greg und ich jetzt etwas essen gehen."
Mit zusammengebissenen Zähnen antwortete Ben seinem Sohn. „Du kannst gehen."
Sein Blick ging zur Scheune und er lief los. „Ben…" Er drehte sich zu David um. „Ich denke, ich warte hier. Du weißt ja wo ihr mich dann findet."
Ben nickte nur kurz mit de, Kopf und setzte seinen Weg zum Schuppen fort.
Die ganze Zeit überlegte er, was er seinem Sohn sagen sollte. Schon seit einiger Zeit war ihm das Verhalten seines Ältesten ein Dorn im Auge. Zuerst erzählt er ihm, dass er und Koko nicht die Absicht haben, zu heiraten und dann trafen sie sich wieder fast jedes Wochenende oder er ging mit anderen Mädchen aus der Stadt aus. Und dass Amarok mit Aponi nicht mehr auf der Farm wohnten, machten die Sache nicht besser. Er hatte seit dem Vorfall am Montag versucht, Verständnis für Adam zu haben, aber nun konnte er sich beim besten Willen nicht mehr zurückhalten. Besonders, da David sich bereits darüber lustig gemacht hat, dass Hoss sich den halben Tag um Koko kümmerte. Mit dementsprechender Wut bog er um die Ecke der Scheune und stoppte. Mit einem Lächeln sah er dann auf das Bild, das sich vor ihm bot. Leise murmelte Ben vor sich hin. „Little Joe, wenn ich dich heute noch zu fassen bekomme." Sarah lag eng an Adam gekuschelt und beide schliefen. Zwar änderte es nicht die Sache, dass er aus dem Verhältnis zwischen Koko und Adam nicht schlau wurde, aber jedes Mal, wenn er Sarah mit Adam so sah, wurde es ihm warm ums Herz und all seine Wut war verraucht.
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„Pa, hast du Zeit? Ich würde gerne etwas mit dir besprechen."
Ben ließ die Zeitung sinken und sah zu Adam hoch, der hinter dem Sofa stand. „Natürlich. Gibt es etwa Probleme bei den Vorbereitungen für den Trail? Das wäre schlecht, ihr wollt doch übermorgen los."
„Nein, da läuft alles, aber ich dachte, wenn du hier bleibst, könnte ich dir eine Aufgabe geben." Adam grinste seinen Vater an. „Damit du dich hier nicht langweilst."
„Mein lieber Sohn. Ich kann immer noch meine Sachen packen und euch begleiten."
Adam lief zum Schreibtisch und holte einige Unterlagen und reichte seinem Vater eine Zeichnung. „Wir hatten uns ja darüber unterhalten, das Esszimmer zu vergrößern. Ich habe dir mal einen Entwurf angefertigt, wie es aussehen könnte." Ben legte die Zeitung auf den Tisch und betrachtete sich die Zeichnung. „Ich bin mehrere Möglichkeiten durchgegangen. Am Ende blieben eigentlich nur zwei Ideen übrig. Entweder, wir verlängern das Zimmer, so wie auf der Zeichnung oder wir gehen in die Breite, aber dann müssten wir einen Teil vom Garten wegnehmen und das wäre schade. Emillia hat ihn wieder so schön hergerichtet."
„Auf gar keinen Fall. Nein…ich finde diese Idee sehr gut. Wann willst du mit dem Bau anfangen?"
„Nach dem Trail." Er reichte seinem Vater ein Schriftstück. „Deswegen wäre es gut, wenn du schon mal das Holz schlagen lässt. Ich habe dir hier aufgeschrieben, wie viel ich benötige…."
Ben schaute auf das Papier und mit jeder Zeile wurden die Falten auf seiner Stirn größer. „…..und Mr. Grünberg kommt nächste Woche vorbei, um mit Emillia zu besprechen, wie der neue Esstisch aussehen soll."
„Adam…" Ben sah vom dem Stück Papier hoch zu Adam und wieder zurück. „….ich….. also….kann es sein, dass du recht großzügig kalkuliert hast?"
Adam setzte sich auf die Lehne des Sofas. „Nur im normalen Rahmen. Ich soll mir doch auch noch ein eigenes Büro bauen."
Ben sah wieder auf das Schriftstück und überschlug noch einmal die Zahlen Inzwischen kam Emillia die Treppe herunter und setzte sich zu den Männern. „Also Adam, ich weiß ja nicht, wie groß dein Büro sein soll, aber wenn du sicher bist, dass die Zahlen hier alle korrekt sind, mache ich mir ernsthaft Sorgen, dir immer mehr das Geschäftliche der Ponderosa zu überlassen."
Adam kratzte sich hinter dem Ohr und sah leicht nach unten. „Ich baue mein Büro unten an der kleinen Quelle. Dort wo der alte Stall stand."
Ben legte die Unterlagen auf seinen Schoß. „Warum das denn? Wir haben doch hier genug Platz. Du kannst doch zum Beispiel das untere Gästezimmer zu deinem Büro machen."
Adam fasste sich durch das Gesicht und atmete nochmal tief durch. „Das Zimmer wäre zu klein und ich habe da nicht genug Tageslicht."
„Zu klein? Adam, was willst du bauen? Einen Palast?...obwohl wenn ich mir deine Berechnungen ansehe, kann ich davon ausgehen."
„Ich brauche das große Büro, da ich Platz brauche für meine Zeichnungen."
„Was für Zeichnungen?"
„Für einen Bahnhof."
Ben warf die Unterlagen auf den Tisch. „Adam, kannst du aufhören, um den heißen Brei zu reden."
„In Ordnung. Ich bin jetzt der Partner von Frederic. Wir beide leiten seit letzter Woche nun offiziell gemeinsam die Firma…." Er machte eine kurze Pause. „….und wir haben den Auftrag der Eisenbahngesellschaft bekommen, schon einmal einige Entwürfe für die Bahnhöfe in Kalifornien vorzulegen."
Sämtliche Farbe wich aus Bens Gesicht. Ungläubig sah er Adam an. „Du willst die Ponderosa verlassen?"
„Das habe ich nicht gesagt, Pa. Ich werde mich um die Entwürfe kümmern und Frederic um die Baustellen. Sicher werde ich das eine oder andere Mal kurz nach Kalifornien reisen müssen, wenn wir endgültig den Zuschlag bekommen, aber ich habe nicht vor, die Ranch zu verlassen und nur noch für meine Firma zu arbeiten."
Adam stand noch einmal auf und holte eine weitere Zeichnung vom Schreibtisch und reichte sie an Ben weiter. Lange sah Ben auf den Entwurf. Seine Stimme war sehr leise. „Was soll dieser Unfug, Adam?"
„Warum war mir es klar, dass du das nicht verstehen kannst….." Adam rieb sich die Augen. „…Pa ,wenn ich mir schon so ein großes Büro baue, kann ich das gleich in ein Haus integrieren."
„Du hast dein Zimmer hier."
„Ich habe nicht gesagt, dass ich dann gleich komplett rüber ziehe, aber wenn ich für die Firma arbeite, brauche ich Ruhe und ….ich würde gerne auch mal abends alleine am Feuer sitzen und ein Buch lesen. Ich möchte mich nicht immer in mein Zimmer zurückziehen müssen, wenn ich einmal etwas Zeit für mich brauche."
„Ich halte das für völlig unnötig."
Ohne von ihrer Näharbeit auf zusehen, mischte sich Emillia ein. „Also Ben, ich finde das eine sehr gute Idee."
„Warum wundert mich das nicht, Emillia."
Adam sah zu Emillia. „Emillia, ich danke dir, aber ich möchte nicht, dass du dich meinetwegen mit Pa streitest."
„Das werden wir uns nicht, Adam. Ich sage nur meine Meinung dazu und wenn dein Vater meint, sich deswegen gleich streiten zu müssen…bitte schön."
Wütend stand Ben auf. „Ich streite mich auch nicht ich sage nur, dass das völlig unnötig ist, außer du sagst mir, du ziehst nicht alleine in das Haus ein."
Adam verschränkte die Arme und fuhr sich mit der einen Hand über die Augen. „Pa….wenn ich die Absicht habe, irgendwann zu heiraten, dann werde ich dir das rechtzeitig mitteilen…jetzt brauche ich einfach ein großes Büro und einen Ort für mich und wenn du nicht willst, dass ich dort das Haus baue, werde ich es woanders bauen."
„Also, ich würde Adam das Haus hier bauen lassen….denn dein Sohn wird sich sicherlich nicht von anderen Männern unterscheiden…." Verwundert sah Ben seine Frau an. „…na, solange es nur wenige Meter vom Haus entfernt immer noch ein warmes Essen gibt und jemand, der die Wäsche macht, wird er noch sehr oft hier sein. Wohnt er jedoch in der Nähe der Stadt…."
Sie sprach nicht weiter und schaute nur Adam an, der sie angrinste. Ben sah zwischen den beiden hin und her. „Ich bin immer wieder überrascht, wie gut ihr euch versteht, dafür dass mein Herr Sohn mir über ein Jahr lang keinen Brief geschrieben hat, weil er sauer mit mir war."
Ben lief am Kamin entlang. „Und du bist der Meinung, dass du beides unter einen Hut bekommst? Die Arbeit hier auf der Ranch und die Arbeit für die Firma?"
„Ich sehe da kein Problem und bis jetzt haben wir auch noch nicht den Zuschlag bekommen."
„Wann willst du mit dem Bau anfangen?"
„Wenn ich zurück bin, werden Hoss und ich mich um das Esszimmer kümmern. Das sollte nicht all zu lange dauern und dann will ich sofort mit dem Haus anfangen. Ich will spätestens Ende Herbst fertig sein."
„Ach, mein anderer Herr Sohn weiß über deine Pläne schon Bescheid?"
Adam sah seinen Vater verschmitzt an. Ben setzte sich wieder in seinen Sessel und nahm seine Zeitung. „Ich hoffe, dass ich im nächsten Jahr hier überhaupt noch etwas zu sagen habe."
Emillia und Adam blickten sich nur grinsend an.
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Hoss wischte sich mit dem Handrücken über die Stirn und legte den Hammer zur Seite. „Das war der letzte Pfahl, Adam. Ich kann es nicht glauben, dass wir so schnell mit dem Zaun fertig geworden sind." Er sah zum Himmel hoch. „Wie sieht es aus, großer Bruder. Wollen wir heute noch an deinem Haus weiter bauen?"
Adam packte die Sachen ein und stieg dann auf sein Pferd. „Ich glaube, wir beide haben uns auch einmal einen Tag Pause verdient. Du hast mir in den letzten Wochen schon so viel geholfen." Adam lehnte sich mit den Armen auf das Sattelhorn und lächelte seinen Bruder an. „Also Hoss, ich weiß aus sehr zuverlässigen Kreisen, dass es heute bei Koko frischen Kuchen gibt. Was hältst du davon, wenn wir der Farm einen kleinen Besuch abstatten."
Hoss kletterte auf den Wagen. „Sehr viel sogar, dann kann ich auch noch nach Ramero sehen."
„Ramero? Ist das nicht der Hengst, den ihr für sehr viel Geld für die Zucht gekauft habt?"
Hoss wurde leicht rot. „Ja, ich weiß. Du hast mir gesagt, er ist zu teuer gewesen, aber er ist ein gutes Pferd und du sagst doch immer, einmal muss auch etwas wagen."
„Ja, aber nicht verrückt sein und ich verstehe dich und Koko nicht, dass ihr dieses Pferd gekauft habt. Und warum willst du nach ihm sehen?" Sag mir jetzt nicht, dass er krank ist."
„Nein….er…. er ist in ein kleines Loch getreten und seitdem lahmt er."
Adam holte hörbar Luft und verdrehte leicht die Augen. „Dann lass uns nach eurem Wunderpferd sehen."
Beide erreichten nach kürzester Zeit die Farm von Koko. Diese stand am Zaun der Koppel und als sie die beiden sah, lief sie ihnen entgegen. „Was führt denn meine beiden Lieblingsmänner hierher?"
Adam stieg vom Pferd und gab Koko einen Kuss auf die Wange. „Natürlich nur die Sehnsucht nach der hübschesten Frau im Umkreis von fünfzig Meilen."
„Du bist unmöglich, Adam."
Hoss sprang vom Wagen. „Hallo, Koko. Ich wollte nur noch mal nach Ramero sehen und…..natürlich dein Kuchen."
Koko hakte sich bei Hoss ein. „Siehst du, Adam. Dein Bruder ist wenigstens ehrlich. Deswegen bekommt er das größte Stück ab." Dann wurde ihr wieder Gesicht ernst. „Sieh selbst. Es ist noch nicht besser geworden."
Alle drei stiegen über den Zaun und liefen zu dem Pferd. Adam streichelte Ramero über die Brust und fuhr dann mit der Hand über das Bein. Als er an die verletzte Stelle kam, zuckte das Pferd zusammen und wurde unruhig. „Wann war der Unfall und was habt ihr bis jetzt mit ihm gemacht?"
Koko tätschelte den Hengst und versuchte, ihn damit wieder zu beruhigen. „Ich habe es letzten Sonntag festgestellt und seitdem haben wir das Übliche gemacht. Versucht, ihn ruhig zu halten und mit verschiedenen Kräutern eingerieben."
„Tja, dann würde ich sagen, ihr habt keine andere Wahl mehr." Er sah Hoss und Koko an. „Soll ich das für euch erledigen?"
Koko schaute ihn entsetzt an. „Du willst ihn erschießen?"
„Natürlich. Was bleibt euch anderes übrig. Ich würde mal sagen, da habt ihr eine Menge Geld zum Fenster hinausgeworfen."
Ziemlich wütend blickte sie Adam an. „Ja, das ist natürlich wieder typisch für dich. Mir bei der erst besten Gelegenheit vorzuwerfen, dass wir in deinen Augen zu viel bezahlt haben, aber im Gegensatz zu dir, sehe ich es, wenn ein Pferd es wert ist, etwas mehr für es zu bezahlen."
Adam verschränkte die Arme, auch seine Stimme wurde etwas lauter. „Vielleicht er es mal wert gewesen, aber jetzt bekommst du für ihn keinen Cent mehr und es ist mir neu, dass du ein Pferd unnötig leiden lässt."
Hoss stand daneben und wusste nicht, was er sagen sollte. Mit großen Augen verfolgte er das Streitgespräch zwischen den beiden. „Ramero ist sein Geld immer noch wert und wir werden nicht so schnell aufgeben. Wir werden es weiter versuchen, bis er wieder fit ist."
Adam ließ die Arme sinken und sah sie nun mit einem überheblichen Blick an. „Koko, du hast schon zu viel in dieses Pferd gesteckt. Mit jedem Tag länger, verlierst du mehr Geld. Dein Superpferd hat wirtschaftlich ausgedient."
Koko trat einen Schritt vor und tippte Adam gegen die Brust. „Und das ist der Unterschied zwischen uns beiden, Mr. Cartwright. Ich sehe hier in erster Linie das Pferd und du nur, ob es noch Geld bringt. Ich sage dir, wir werden es weiter versuchen."
„Ach Koko, jetzt werde hier nicht emotional. So kannst du die Farm nicht führen."
Adam wollte nach dem Pferd greifen, um es von der Koppel zu führen. „Du lässt Ramero los und verlässt am besten sofort meine Farm."
Langsam ließ Adam das Pferd los. „Das meinst du ernst, nicht wahr?"
„Sicher."
„In Ordnung." Er schlug Hoss gegen den Arm. „Komm, lass uns gehen."
„Nein, Hoss bleibt hier."
Adam blieb stehen und sah zwischen seinem Bruder und ihr hin und her. Dieser hatte jedoch bei Kokos Worten sofort den Kopf gesenkt. „Ich soll die Farm verlassen und Hoss darf hier bleiben?"
„Genauso sieht es aus." Seine Augen wurden sehr klein und er ging wieder einen Schritt auf sie zu. „Kommt aber später nicht angerannt und fragt mich, was ihr tun sollt."
Koko stellte sich mit verschränkten Armen neben Hoss und sah Adam wütend an. „Sicher, nicht."
Adam lief zu seinem Pferd und verließ mit einem letzten Blick auf Koko und Hoss die Farm.
