54. Quendolins Rätsel

Mein Kompliment Dumbledore. Alberich scheint sich doch nicht in Ihnen getäuscht zu haben. Sie scheinen auf die Ratschläge ihrer Verbündeten zu hören.

Verzeihen Sie mir die kleine Intrige, aber ich weiß, dass in Hogwarts viele Hauselfen beschäftigt sind, ein ehemaliger Todesser und ein Werwolf zu ihren Verbündeten gehören. Mich würde nur interessieren, ob sie selbst dahinter gekommen sind oder den Vorschlägen ihrer Helfer gefolgt sind. Aber unabhängig davon: Sie haben es geschafft dieses Schreiben zu entziffern. Und nun zu unseren Bedingungen.

Wie ich Ihnen bereits mitgeteilt habe, bestehe ich auf den jungen Harry Potter als Verhandlungspartner. Und gestatte ihm folgende Begleiter:

ein befreiter Hauself

ein ehemaliger Anhänger Lord Voldemorts

ein Werwolf

Personen, die einen Tag älter oder einen Tag jünger sind als Potter

und jene Person, die den Ort unseres Treffens lokalisieren konnte.

Der Ort unserer Zusammenkunft ist an der Stelle, wo sich die vier Elemente vereinen und die Erde ihre Stimme immer wieder aufs neue erhebt.

Der Zeitpunkt ist die nächste Vollmondnacht um Mitternacht.

Wenn Harry Potter zu diesem Zeitpunkt erscheint, können wir mit unseren Verhandlungen beginnen, wenn nicht, ist der Fall für uns erledigt und wir werden uns zurückziehen, so dass wir nicht in den Krieg, der doch nicht unserer ist, mit einbezogen werden.

Der Rest ist allein Ihre Entscheidung.

unterzeichnet:

Quendolin III"

Nachdem Dumbledore den Brief zu Ende gelesen hatte, war es kurz still im Raum. Bis McGonagall empört anfing: „Quendolin gestattet Harry einen Werwolf in einer Vollmondnacht mitzunehmen, verzeih mir Remus, aber das finde ich unverantwortlich."

Doch Dumbledore fiel ihr ins Wort: „Minerva, darf ich dich daran erinnern, dass sich Remus seit über einem Jahr nicht mehr verwandelt hat?"

Harry bekam große Augen. Er hatte sich zwar selbst gewundert, wieso Remus ganz offiziell die Erlaubnis in Hogwarts zu unterrichten erhalten hatte, hatte ihn aber nie nach dem Grund gefragt. Remus bemerkte seinen fragenden Blick und ergriff das Wort: „Das stimmt. Und so sehr ich zu Beginn gezweifelt hatte, so sicher bin ich mir heute, dass es kein Problem sein dürfte, Harry zu begleiten."

„Gut", meinte Dumbledore, dann wäre das geklärt. Severus, wie steht es mit ihnen? Wären sie bereit zu Harrys Schutz mitzukommen?"

Harry sah zu Snape. Er konnte sich nicht vorstellen, dass dieser die Aufgabe annehmen würde. Umso erstaunter war er als Snape nickte: „Wenn es denn nicht anders geht. Wobei ich nach wie vor glaube, dass es ein Fehler ist, Potter zu schicken. Ich halte ihn nicht für fähig, solche Verhandlungen zu führen. Aber wenn Quendolin nicht anders beizukommen ist ... ."

„Ich möchte Potter auch begleiten." warf McGonagall ein, „Er gehört schließlich zu meinem Haus, und ich fühle mich für ihn verantwortlich."

„Liebste Minerva, auch wenn ich mich sehr bemühe, kann ich doch keinen Punkt in Quendolins Aufzählung entdecken, der auf dich zuträfe. Und auch wenn der nächste Vollmond bereits in zwei Tagen und somit noch in den Ferien liegt, kann ich nicht so viele Lehrer auf einmal entbehren. Es wird schon so genug Aufsehen erwecken, wenn Severus und Remus mit Harry gemeinsam verschwinden.

Aber ich möchte natürlich die Möglichkeiten, welche Quendolin uns geboten hat voll ausschöpfen.

Als befreiter Hauselfe bietet sich natürlich Dobby an, der Harry so ergeben ist, dass er sich sicherlich bereit erklärt mit ihm zu kommen. Und als diejenigen, die einen Tag älter oder jünger als Harry sind, kommen wohl nur Neville Longbottom und Claire in Frage. Also Claire, was hältst du davon?"

„Tja, ich glaube zwar nicht, dass ich Harry eine große Hilfe sein könnte, wäre aber natürlich bereit mitzukommen. Ich weiß, dass Frauen bei den Waldelfen nur eine sehr untergeordnete Rolle spielen und bloß geduldet werden. Umso mehr verwundert es mich, wen sie noch als Begleiter akzeptieren."

Dumbledore schmunzelte jetzt und sagte: „Du verkennst die Lage da ein wenig: die Elfen sind sehr naturverbunden und wissen, wann sie Zugeständnisse machen müssen. Und auch sie sind offener geworden in den letzten Jahren. Was wäre doch die Welt ohne den Frauen? Sie wäre um so viel ärmer und farbloser."

„Aber wo befindet sich jetzt dieser Ort, den Quendolin so eigenartig umschrieben hat? Und wieso kann den nur eine bestimmte Person lokalisieren?" Remus hatte die Frage in den Raum gestellt.

„Das weiß ich leider auch nicht. Aber ich habe da so eine Idee." antwortete Dumbledore.

„Könnte es sein, dass damit Hermine gemeint ist?" fragte Harry.

„Das war auch mein Gedanke. Es scheint doch alles seinen Sinn zu haben. Auch die Ereignisse, die dazu führten, dass sie so überraschend von ihren Fähigkeiten erfahren hat." Dumbledore blickte jetzt sehr nachdenklich. „Aber ich bin mir nicht sicher, ob sie jetzt schon weit genug ist, um dieses Rätsel zu lösen."

„Ach, Quendolin hat doch auch bei der Entschlüsselung des Schreibens zugelassen, und sogar gewollt, dass sie andere um Hilfe bitten. Also darf Hermine ihrerseits ebenfalls Hilfe in Anspruch nehmen. Ich denke, dass wir Mater Major wieder herbitten sollten.", warf Claire ein. Doch gleich darauf erstarrte sie und ergänzte: „Aber sie kann zur Zeit nicht weg. Also müssten wir sie aufsuchen. Soll ich Hermine zu ihr begleiten, oder sollten wir gleich alle einen Zwischenstopp bei ihr einlegen? Ich denke, zweiteres wäre vernünftiger, wissen wir doch nicht, wie lange Hermine benötigt um den Ort aufzuspüren."

„Zuallererst müsst ihr Hermine einmal fragen, ob sie überhaupt bereit dazu ist. Sie scheint ja noch nicht so recht darüber hinweg, dass da noch einiges auf sie zukommen wird." warf Lupin zu Recht ein.

„Da hast du allerdings Recht Remus. Ich werde Dobby fragen und Harry und Claire, ihr bittet Hermine um ihre Hilfe und fragt Neville, ob auch er mitkommen würde. Ich denke, wir können Hermine die Angelegenheit eine Nacht überschlafen lassen. Aber morgen müsstet ihr euch auf den Weg machen - so Hermine bereit ist – denn sonst macht es keinen Sinn. Mir selbst fallen zwar ein paar Plätze ein, auf die sich diese Beschreibung beziehen könnte, aber ich könnte mich nicht für einen entscheiden." Dumbledore schien nachdenklich.

„Und an welche Plätze denken sie?" erkundigte sich Snape. Er hatte sich zuletzt im Hintergrund gehalten und aufgegeben Einwände zu äußern. Aber er schien mit der Entwicklung der Ereignisse nicht glücklich zu sein. „Und welche Hilfe sollte Longbottom schon sein?"

„Ich denke Quendolin wird schon wissen was er tut. Und ein Ort, wo sich die vier Elemente vereinen: also Feuer, Wasser, Erde und Luft. Abgesehen vom Feuer könnte das jeder Platz am Rande eines Gewässers sein. Beim Feuer wird es schon konkreter: ich denke hier am ehesten an einen Vulkan – aber ob wirklich ein aktiver Vulkan gemeint ist, weiß ich eben nicht. Wir hatten im vergangenen Herbst ja schon den Vulkanausbruch in Island und dann in Italien am Vesuv – aber das schlösse ein, dass Quendolin wüsste, welcher Vulkan in zwei Tagen ausbrechen würde. Die Elfen sind zwar wirklich fast eins mit der Natur, aber ob sie solche Ereignisse so gezielt vorahnen können? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht." Er hielt ein um dann fortzufahren: „Claire, du scheinst mir an meinen Überlegungen zu zweifeln, oder irre ich mich?"

„Aber Sir, Sie irren sich doch selten." Claire grinste dabei verschmitzt, „Das mit dem Vulkan glaub ich nicht so recht. Mir fiel dabei zuallererst ein Gebiet ein, wo es zwar vulkanische Tätigkeit gibt, aber eben nicht direkt einen Ausbruch. Ein Sulfatarfeld zum Beispiel, warme Quellen, die ja durch das Feuer im Erdinneren gewärmt werden. Geysire wären auch eine Möglichkeit – die verbinden die vier Elemente sogar auf besonders eindrucksvolle Art: Das Feuer im Erdinneren erhitzt das Wasser, das sich dann in regelmäßigen Abständen über die Erde erhebt und sich in die Lüfte begibt. Da gibt es aber auch einige Möglichkeiten."

„Und wie passt dabei dieses: wo die Mutter Erde immer wieder ihre Stimme erhebt, dazu?" Snape hatte ihr aufmerksam zugehört. Ihre Erklärung erschien ihm einleuchtender, als jene von Dumbledore.

Schön langsam kapierte er, weshalb Dumbledore sie bei dem Gespräch dabei haben wollte. Es steckte doch mehr hinter dieser Schülerin, als es den Anschein hatte.

„Mutter Erde hat viele Stimmen. Leise, die nur von denen gehört werden, die auch wirklich still sein können. Aber auch lautere, angefangen von dem Raunen des Windes, bis zu dem Tosen zu dem sie das Meer herausfordert. Sie ächzt und stöhnt, wenn sich die Erdplatten gegeneinander schieben und die freigesetzte Kraft sich in einem gewaltigen Erdbeben entlädt, sie brüllt, wenn sich das Feuer aus ihrem Inneren an die Erdoberfläche ergießt. Jene Orte, von denen ich zuvor gesprochen habe sind auf jeden Fall solche, an denen die Erde ihre Stimme erhebt. Aber welchen Platz Quendolin nun genau gemeint hat, muss uns Hermine sagen. Die wir ja noch fragen müssen. Also gibt es noch etwas wichtiges, oder sollen wir die Arme gleich mal überfallen?"

„Ich denke, das wäre es vorläufig. Fragt Neville und Hermine, aber macht ihr auch klar, dass wir ihre Hilfe benötigen. Ich schlage vor, dass ihr morgen Vormittag gemeinsam zu mir ins Büro kommt. Dann werde ich dir auch die notwendigen Instruktionen geben, Harry." Dumbledore erhob sich. „Danke, dass ihr mir eure Zeit geopfert habt."

Claire sah Snape fragend an, ob sie ihr Nachsitzen jetzt noch nachholen sollte, aber der schüttelte kurz den Kopf und meinte: „Du kannst gehen. Aber wie schon gesagt: du wirst die Stunden später nachholen."

Harry ging mit Claire gemeinsam nach oben. Zuerst schweigend aber dann bestürmte er sie mit Fragen: „Wieso bist du nur draufgekommen? Wo doch selbst Dumbledore überfragt war. Und weshalb verwandelt sich Remus nicht mehr in einen Werwolf? Hast du was damit zu tun? Oder ist das gar Snapes Werk? Glaubst du, dass Hermine sich bereiterklärt zu helfen? Sie ist doch so voller Zweifel. Und was wohl Ron dazu sagen wird, wo doch keine Rede von ihm war. Er wird mal wieder ganz schön sauer sein. Aber ich kann ja nichts dafür. Es sind doch Quendolins Bedingungen."

„Falls du Antworten auf deine Fragen willst, musst du auch mal den Mund halten."

Harry schloss beleidigt seinen Mund, der schon zur nächsten Frage ansetzen wollte und wartete.

„Also, was Hermine dazu sagt, werden wir bald wissen. Dass sich Ron mal wieder zurückgesetzt vorkommen wird steht wohl außer Zweifel. Was Remus betrifft – ja, es ist ein Trank von mir, der seine Verwandlungen verhindert. Leider ist er nicht perfekt, denn er muss ihn nach wie vor täglich zu sich nehmen damit er wirkt. Ich hatte so gehofft, ihn so verändern zu können, dass er seinem Leiden ein für alle Mal ein Ende bereitet, doch dafür müsste ich mit einem ganz anderen Ansatz an die Sache herangehen, und ich habe für diese Trankrezeptur bereits eineinhalb Jahre gebraucht. und dabei eigentlich nur ein uraltes bestehendes Rezept, das allerdings nie funktioniert hat, etwas modifiziert."

Sie hatten das Porträt der fetten Dame im 7. Stock erreicht: „Quasselstrippe" sagte Claire, und das Porträt klappte zur Seite.

Im Gemeinschaftsraum warteten Hermine und Ron bereits auf Harry.

„Was war denn los? Weshalb wollte Dumbledore dich sprechen?" fragte Ron und Hermine fügte hinzu: „Hast du mal wieder etwas ausgefressen?"

Harry sah kurz zu Claire, ob sie erzählen wollte, doch da sie schwieg und zu Neville ging begann er von der Unterredung in den Kerkerräumen zu erzählen. Sowohl Ron, als auch Hermine hörten ihm erstaunt zu. Nur die Reaktionen der beiden waren höchst unterschiedlich:

Während Ron erwartungsgemäß mit: „Ihr begebt euch ins nächste Abenteuer und ich bin mal wieder nicht mit von der Partie. Stand in diesem Brief denn nichts, das sich auf mich beziehen könnte?" - reagierte, war Hermine entsetzt, dass es ihr zugemutet wurde, dieses Ortsrätsel zu lösen. Auch die Aussicht auf die Unterstützung Mater Majors vermochte sie nicht zu beruhigen.

„Aber woher soll ich denn wissen, welchen Ort dieser Quendolin meint? Ich bin doch noch gar nicht so weit herumgereist, dass ich so einen Ort schon zu Gesicht bekommen hätte."

Harry stieg plötzlich ein seltsamer Geruch in die Nase. Es schien sich mal wieder um Räucherwerk zu handeln, ein Duft von einer schweren, herben Note, der ihm zu Kopf stieg und irgendwie schläfrig machte. Es schien ihm, als würden sich alle um ihn plötzlich wie in Zeitlupe bewegen. Fast wären ihm schon die Augen zugefallen, als er eine dunkle Stimme vernahm.