Hermine erwachte als Sonnenlicht ihr Zimmer durchflutete.
"Guten Morgen, Miss", sagte Scampy, die ein Tablett mit Essen aufs Bett stellte. "Madam Pomfrey, sagt Miss Hermine kann heute etwas Richtiges Essen."
Der Geruch von Eiern und Toast machte ihr den Mund wässrig und wie zur Bestätigung knurrte ihr Magen.
"Danke, Scampy«, sagte sie. Es fiel ihr heute viel leichter sich aufzurichten. Sie lächelte.
„Es geht mir wirklich viel besser."
Die Hauselfe musste ihr nicht einmal mehr beim Essen helfen. Als der größte Hunger gestillt war, fiel Hermines Blick auf ein frisches Nachthemd, dass Scampy ihr zu Recht gelegt hatte. Langsam zog sie sich aus und erwickelte Scampy unauffällig in ein Gespräch. Nach einer Weile stellte sie die entscheidende Frage.
"Wie ging es Master Severus, als er gestern Abend hier war?" fragte sie wie nebenbei die Hauselfe.
"Scampy hat nicht gesagt, dass Master Severus in der Nacht hier war, Miss!", Hermine sah, dass die Hauselfe nervös war.
"Nein, aber ich habe ihn gefühlt. Er kam in mein Zimmer, legte seine Hand auf meinem Gesicht und dann nahm er die Statue von Merlin und Nimue mit", erwiderte Hermine und hielt Scampy Blick stand.
Diese gab ihr keine Antwort, drehte aber ängstlich das Geschirrtuch in ihren langen Fingern.
"Bitte sag mir, warum ist er nicht geblieben?"
Scampy Augen huschten von einer Seite zur anderen und dann
trat sie sehr nah an Hermine heran und sprach im Flüsterton.
„Master Severus hat Scampy nichts gesagt. Aber ich habe seinen Brief weggenommen. So konnte Master Severus ihn nicht mitnehmen."
Sie griff in die Tasche ihrer Schürze und gab Hermine das Pergament. Diese griff danach und drückte sie an ihre Brust.
"Danke!"
Dann wurde sie plötzlich hektisch.
„Bring mir ein Kleid und hilf mir beim Anziehen. Ich habe einiges zu erledigen."
Leider war Hermines Timing denkbar schlecht, denn genau in diesem Moment öffnete sich die Tür ihres Krankenzimmers und Madam Pomfrey betrat den Raum.
„Leg Dich wieder hin", wies sie Hermine an.
„Du siehst heute viel besser aus, noch ein Tag Bettruhe und Du bist so gut wie neu."
"Nein!" Hermine war verzweifelt. "Bitte, ich kann nicht noch einen Tag bleiben! Ich habe wichtiges zu tun."
Madam Pomfrey Ausdruck wurde sehr ernst.
"Wenn ich muss, Hermione, werde ich dich zwingen, mir zu gehorchen."
Sie zog ihren Zauberstab und hob die Augenbrauen.
Hermine verzog ihr Gesicht. Sie wollte sofort zu Severus, aber sie wusste auch, dass Madam Pomfrey ernst machen würde. Wohl oder übel lenkte sie ein.
"Ich werde im Bett bleiben."
"Gib mir Dein Wort als Hexe", sagte die Matrone.
"Ja Madam", sagte sie bedrückt.
Die Matrone nahm die erste Flasche von Hermines Tränken zur Hand und reichte sie ihr.
Mit Argusaugen beobachtete sie wie ihre Patientin das Gebräu zu sich nahm.
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Hermines Tag schleppte sich so hin. Die Zeit verging viel zu langsam.
Sicher sie bekam Besuch, las in ihren Büchern und schlief. Trotzdem.
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Severus betrat seine Räume müde und total ausgelaugt. Er hatte wieder einen ganzen Tag mit den Auroren verbracht und wollte nun nicht anderes als ein Glas Firewhisky und viel Schlaf.
Er hatte keinen Gedanken mehr an das Mädchen verschwendet oder besser er verbot es sich an sie zu denken. Nur keine Gefühlsduseleien.
Und wenn er doch über sie nachdachte, wiederholte er sein neues Mantra: das Mädchen ist nicht mehr mein Problem.
Die Wiederholung war zweifellos der Trick. Er war ein Mann von Intelligenz und großer Selbst-Disziplin. Er hatte einfach nur rational zu handeln.
"Das Mädchen ist nicht mehr mein Problem", informierte er den Kristall-Dekanter als er sich ein weiteres Glas eingoss.
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Scampy verlies gerade Hermines Zimmer als Madam Pomfrey hereinkam. Sie wollte Hermine noch einmal untersuchen.
„Bitte Madam, ich fühle mich wirklich gut. Kann ich nicht endlich gehen?"
Die Medi-Hexe sah sie ernst an.
„Nun, wenn Du allein aufstehen und Dich anziehen kannst, darfst du den Krankenflügel verlassen."
Hermine strahlte sie an. Sie stand kurz davor Severus wiederzusehen. Nur noch diese kleine Hürde.
Sie setzte sich auf die Bettkante und stand dann vorsichtig auf.
Wie Severus hatte auch sie ein neues Mantra: Ich kann es schaffen.
Sie hielt sich am Bettpfosten fest und griff nach ihrer Tasche.
Bei all dem beobachtete Madam Pomfrey sie argwöhnisch.
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Hermine hatte ihre Zeit im Krankenflügel genutzt und herausgefunden wo sich Severus aufhielt.
Professor Vector hatte ihr verraten, dass Professor Snape den ganzen Tag mit den Beamten des Ministeriums verbracht hatte. Zum Glück hier auf Hogwarts und dorthin führte sie ihr erster Weg nachdem sie das Krankenzimmer verlassen konnte.
Als sie in dem großen Konferenzraum ankam, war dieser leider leer.
Nun ja, vielleicht war Severus schon im Kerker. Das war sogar besser für ihren Plan, wenn sie es recht bedachte. Aber um den auszuführen brauchte sie noch etwas.
Unerschrocken machte sie sich auf den Weg zu Professor Dumbledore.
Auch jetzt konnte sie Informationen verwenden, die man ihr als Kranke verraten hatte.
Sie kannte das aktuelle Passwort und schon stand sie im Zimmer des Schulleiters.
»Sir«, sagte sie ohne den alten Mann zu begrüßen, "leihen ich mir bitte Ihr Denkarium? Nur für eine kleine Zeit und ich verspreche, dass ich darauf aufpassen werde."
"Hermine!" sagte Dumbledore und erhob sich.
"Ich bin so froh, dich zu sehen."
Sie lächelte ihn an.
„Oh, danke Sir."
Der alte Mann drehte sich um und ging zum Schrank. Dort stand ein Denkarium, dass er vorsichtig herausholte und auf den Tisch stellte.
"Ich möchte es nicht verkleinern, denn die magischen Fähigkeiten könnten damit beeinträchtigt werden. Damit Du es besser tragen kannst, habe ich es mit einem Schwerelosigkeitszauber belegt."
Er nahm eine lilafarbende Tasche und stellte es hinein.
Hermine bedankte sich bei und nahm die Tasche vom Tisch. Sie war wirklich ganz leicht.
"Hermine", sagte der Direktor zaghaft, "darf ich fragen, was Du jetzt machen willst, wo der Fluch nicht mehr auf Dir lastet?"
Hermine blinzelte.
„Was meinen Sie, Sir?"
"Ich hoffe, Du hältst mich nicht für taktlos, „ sagte Dumbledore, "aber ich glaube, dass Du die Situation für alle Beteiligten so einfach wie möglich machen solltest."
Hermine fühlte Wut in sich aufsteigen.
„Professor, wen meinen Sie mit alle Beteiligten?"
Trotz ihrer Wut, zwang sie sich höflich zu sein.
"Nicht viele", versicherte dieser ernst. "Ich habe versucht so wenige Menschen wie möglich einzuweihen. Nur ich, Professor Snape und Du waren beteiligt sind; später informierte ich Professor McGonagall. "
"Und für wen von uns soll der Übergang leichter gemacht werden?"
Das Atmen fiel ihr schwer. Was erlaubte sich dieser Mann eigentlich?
"Für Dich und Professor Snape, würde ich denken", gab Dumbledore zu.
Hermine hob ihr Kinn, ein Zeichen, das Harry, Ron oder Severus gut kannten. Es hätte Dumbledore warnen sollen, aber er kannte Hermine nicht so gut.
"Glauben Sie wirklich, dass Sie das etwas angeht, Sir?"
Dumbledore runzelte die Stirn und breitete die Hände aus.
„Nun ja. Hermine, du bist eine intelligente junge Hexe. Es kann Dir doch nicht Ihr entgangen sein, dass Professor Snape's Gefühle für Dich unangemessen sind."
"Unangemessen?", flüsterte sie, entsetzt über seine Wortwahl.
"Natürlich", antwortete er.
"Ich habe ihn an das Versprechen erinnern müssen, das er mir gab als die Sache begann. Es ist nur fair, dass Du ihn nun auch gehen lässt."
Hermione starrte den Mann an, den sie verehrt hatte seit sie 11 Jahre alt war. Im Gegensatz zu Harry hatte sie seine Entscheidungen ab und zu in Frage gestellt, aber letztendlich doch seiner Weisheit vertraut.
"Lassen Sie mich das ganz klar sagen, Professor Dumbledore", sagte sie.
"Ich liebe Severus Snape und ich bin überzeugt, dass er in mich liebt. Es ist mir egal, welche Art von Versprechen er ihnen gegeben hat: aber ich verspreche Ihnen: Wenn Sie sich zwischen uns stellen, werden Sie das aufrichtig bereuen."
Sie konnte den Anblick des alten Manns einfach nicht mehr ertragen. drehte sich an der Tür aber noch einmal um
„Und wenn Sie mir nicht glauben, fragen Sie Rita Skeeter oder Dolores Umbridge."
Dumbledore sah ihr hinterher. Sie konnte es wohl nicht erwarten, Severus zu sehen.
„Der arme Mann" murmelte er.
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Severus trank gerade seinen zweiten Drink als sich die hölzerne Tür seines Wohnzimmers öffnete. Er stockte mitten in der Bewegung. Da stand das Mädchen, für das er nicht mehr verantwortlich war.
Außer Atem und sehr gut aussehend, wenn man bedachte, dass sie gerade aus dem Krankenflügel kam.
Er stand nicht auf, als sie die Tür hinter sich schloss.
„Hast Du Dich verlaufen?"
Hermine sah ihn an.
„Versteckst Du Dich?"
Sie sah so wunderbar aus, dachte er. Aber nein, sie gehörte nicht zu ihn. Er durfte so etwas nicht denken.
„Wenn Du nun schon einmal hier bist, nimm Deine Sachen mit, wenn Du gehst."
Nein, so einfach war das mit dem Mantra in ihrer Anwesenheit nicht. Also ging er einfach in sein Schlafzimmer. Er schloss die Tür hinter sich und lehnte sich dagegen. Sein Herz klopfte wie wild. Minuten stand er einfach nur so da.
Ob sie wohl schon weg war? Dabei hätte er sie so gern in den Arm genommen.
Nein, das Mädchen ging ihn nichts mehr an.
Plötzlich bewegte sich die Türklinke.
„Severus."
Er ging von der Tür weg und lies sie herein.
Da stand sie – in dem grünen Nachthemd, dass sie in der ersten Nacht mit ihm getragen hatte.
Er schloss die Augen und versuchte zu vergessen, das sie darunter nichts trug.
„Bitte lass mich", flüsterte er.
„Komm mit mir."
Sie hörte einfach nicht auf ihn.
„Ich muss Dir etwas zeigen. Komm."
Sie zog ihn zurück ins Wohnzimmer und setzte sich mit ihm auf die Couch.
„Warum hast Du mich nicht besucht?"
„Ich hatte zu tun."
„Warum?"
Er atmete tief durch. Er wusste, dass sie sich nicht mit so einer einfachen Antwort abfinden würde.
„Komm schon, du weißt warum. Voldemort ist tot, der Fluch gelöst und Du brauchst mich nicht mehr."
„Severus, sieh mich an. Ich liebe Dich und Du liebst mich. Warum tust Du das?"
„Unsinn. Lass mich zufrieden."
Er versuchte gemein zu klingen. Erfolglos.
Hermine holte seinen Brief heraus.
Verdammt, dachte er.
„Hier steht es. Du liebst mich."
Severus schüttelte den Kopf.
„Ich dachte, dass ich sterben muss. Da schreibt man so manches."
„Das musst Du mir genauer erklären."
Severus begann mit seiner langen, gut vorbereiteten Erklärung, die selbst in seinen Ohren unglaubwürdig klang.
„Also die Zusammenfassung ist: Du hast mich geliebt, weil du dachtest Du stirbst. Nun lebe ich und Du liebst mich nicht mehr."
Er öffnete den Mund.
„Sei ruhig. Ich glaube Dir kein Wort. Ich liebe Dich und Du liebst mich. Ich weiß es."
Sie sahen sich an.
„Der Dunkle Lord ist tot und wir sind frei. Nun müssen wir uns überlegen was wir machen werden."
Er sah sie an, mit ihrem zerzausten Haar und den fleckigen Wangen war sie bezaubernder als jede andere Frau. Und sie hatte mehr Macht über ihn als der Dunkle Lord.
Sie hielt ihm ihre Hand hin.
„Erfüll mir einen Wunsch. Komm mit und sieh Dir meine Erinnerungen an. Bitte."
Er ignorierte ihre Hand.
„Warum. Das ändert nichts an meiner Meinung."
„Es ist wirklich wichtig."
Sie bettelte ihn inzwischen fast an und warum sollte er ihr diesen Wunsch abschlagen.
„Gut. Und welche Erinnerung sehen wir uns an?"
„Die Nacht meiner Entführung."
Ohne ihm die Gelegenheit zu geben, etwas zu erwidern, tauchten sie in das Denkarium.
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Alles begann in einer dunklen Novembernacht.
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