LV. Tote leben Länger

Das erste was ich bemerkte war ein beißender schwefliger Geruch der sich bis in mein Gehirn hochzubrennen schien. Meine Augen flatterten mehrmals, es war unglaublich hell um mich herum und für einen Moment fragte ich mich ob ich vielleicht schon in der Unterwelt gelandet war. "Unglaublich, er wacht tatsächlich auf. Wie viel Glück muss man haben um alleine und unbewaffnet so lange im Untergrund zu überleben." drang eine weibliche Stimme an mein Ohr, die sich anhörte als wäre der Kehlkopf mit einer dicken Teerschicht ausgekleidet worden, auch das trockene Husten passte zur Kettenraucherin. Ich brummte und wedelte mit der Hand herum um diesen ekligen Gestank zu vertreiben, der beißend durch meine Atemwege zog. Dann öffnete ich die Augen endgültig und blickte direkt in das ungläubige Gesicht einer Frau von vielleicht fünfzig oder sechzig Jahren. Die Haut war tiefbraun gebrannt und ledrig - vermutlich vom jahrelangen und ziemlich exzessiven Nutzen eines Solariums. Die Augen der Frau waren tiefbraun, ihr Haar wasserstoffblond, auch wenn man deutlich die inzwischen schon fingerbreiten schwarzen Ansätze sehen konnte. Ich revidierte mein Urteil - höchstens Mitte vierzig, vermutlich einfach nur eine Partylady erster Klasse, Koks und Vodka machen auf Dauer eben alt! "Wo bin ich?" fragte ich verdattert als ich an die schneeweiß getünchte Decke blickte die sich vermutlich fast zwei Meter über mir erhob und von der herab alte, häufig kaputte Neonröhren einen großen Raum in ein kaltes weißes Licht tauchten. Ich versuchte mich aufzurichten und wurde von meiner Aufsichtsperson direkt wieder zurück auf meine Liegeunterlage gedrückt, die sogar ziemlich weich war.

"Hey - nicht so schnell mein Junge, du bist gegen eine Wand geschleudert worden - verfluchte Sache, ich hab ja immer Gesagt man sollte diese verdammten Alligatoren ausrotten." beschwerte sich die Frau. Alligator? Geht's noch, Alligatoren sind bei weitem langsamer, jedenfalls hier unten! Und in dem kalten Kanalwasser würden sie niemals überleben! Aber das behielt ich für mich, ich hatte ja keine Ahnung in was für einer Gesellschaft ich hier gelandet war. "Wo bin ich eigentlich?" fragte ich verwundert. "In der Unterwelt Junge, das hier ist ein Ehemaliger Atomschutzbunker aus dem kalten Krieg! Als diese verdammten Kommunisten näher gekommen sind haben sich viele Leute hierhin zurückgezogen, hier haben wir Strom und sogar Wasseraufbereitungsanlagen." berichtete die Frau mir. "Mit dem Essen siehst verdammt schlecht aus, die meisten von den Konserven hier kann man wirklich nicht mehr essen." erklärte sie und zog eine angewiderte Grimasse, nicht mal nen ordentlichen Schnaps ham die hier unten." beschwerte sie sich. "Und die Kippen - eine Qual, alles Menthol." jammerte sie und fischte aus der Brusttasche ihrer weißen Bluse eine Zigarette, welche sie mit einem billigen Plastikfeuerzeug anzündete. Sie nahm hustend einen ersten Zug. "Wie beim Allmächtigen hast du es bloß all die Wochen allein da draußen geschafft." in ihre Augen trat ein prüfender, argwöhnischer Blick "Oder bist du einer von diesen verdammten Bastarden?" fragte sie blaffend. "Wenn ja - dann wirst du dich wünschen von dem Alligator verspeist worden zu sein, das ist nichts dagegen mit einem Brotmesser gehäutet zu werden." sagte sie mit einem grausamen Lächeln im Gesicht. Der Krieg machte Menschen zu Bestien, mir drehte sich fast der Magen um und genau das war wohl auch beabsichtige. Ich blickte mich in dem Großen Raum um, der wohl früher ein Schlafsaal für die Insassen des Bunkers gewesen war.

Abgesehen von einer Menge Feldbetten, die auch größtenteils bezogen waren und offensichtliche Gebrauchsspuren aufwiesen gab es hier kaum Möbelstücke. Ich lag ebenfalls in einem Feldbett, dessen Ehemals weißes Bettlaken von großen, gelblichen Flecken verunziert wurde. Mein Bett befand sich - zusammen mit mehreren anderen etwas abseits hinter einem weißen Plastikvorhang, der Momentan allerdings nicht zugezogen war. Scheinbar handelte es sich hier um eine Art Krankenstation, die anderen Betten waren fast alle belegt und die Leute die dort zu großen Teilen ziemlich abwesend herumlagen hingen an Infusionen oder wiesen schwere Verbände auf. Ein älterer Mann begutachtete mich interessiert und hob schwach lächelnd einen Bandagierten Armstumpf. Offensichtlich hatte es in der Kanalisation mehrere Zusammenstöße mit Monstern gegeben. Was mich allerdings wunderte war die Tatsache, dass hier überhaupt noch Leute lebten. Eine Familie, zwei Erwachsene und drei kleine Kinder lungerten in einer Ecke des Schlafsaals auf mehreren Betten herum, zwei der Kinder spielten fangen und tobten ausgelassen um die Feldbetten herum. Ihre freudigen Quietscher waren erfrischend nach all dem Tod und der Trauer der letzten Wochen. Es sind solche kleinen Dinge die das Leben erträglich machen - nicht pathetische Reden von irgendwelchen Präsidenten oder Göttern. "Wie kommt ihr eigentlich zurecht, wegen der Kommunisten, ich mein finden die Euch hier unten nicht?" fragte ich die Frau, welche offensichtlich so etwas wie eine Krankenschwester war. "So Mr. Jefferson, dann ist es wieder Zeit für unsere Tabletten und ein bisschen Morphium.

" Flötete sie als sie dem Mann der mir zugewinkt hatte mit einer dieser weißen Tablettenschalen und einer - vermutlich mit Wasser gefüllten- Aluminiumtasse entgegentrat. Der arme Kerl machte ein ganz leidendes Gesicht. "Muss das sein Miss?" quengelte er wie ein kleiner Junge. Ich musste grinsen. Dieses Grinsen verging mir allerdings sofort als ich feststellte, dass ich ein Nachthemd trug, ein hellgrünes, weites, mit Blümchen besticktes Nachthemd! Ich konnte förmlich fühlen wie mir die Schamesröte ins Gesicht stieg. Hätte ich mich nicht schon auf den Bettrand gesetzt hätte ich mich direkt wieder unter die dicke Decke verkrümelt. Aber ich hatte einen tierischen Hunger und noch größeren Durst. Bestimmt hatte ich wieder eine ganze Ewigkeit geschlafen. "Wo ist eigentlich meine Kleidung?" fragte ich bestimmt und höflich. "Und wo sind die Leute die mich hierher gebracht haben?" erkundigte ich mich. Die Krankenschwester fuhr herum und schlug dem alten Herrn dabei gegen den verbunden Arm, worauf der einen spitzen Schmerzensschrei ausstieß und seine Tasse fallen ließ. "Idiotischer Bauertrampel - Pass doch auf die Transuse!" fluchte er mit hochrotem Kopf. Die Krankenschwester blickte mich jedoch mit aufgerissenen Augen an, ihr Kiefer klappte nach unten. "Du musst doch mindestens zwanzig Knochen gebrochen haben!" stammelte sie nur. "Sieht nicht so aus." bemerkte ich und ließ die Schultern kreisen und krümmte anschließend meinen Nacken einmal auf die rechte und die linke Seite, sodass ein vernehmbares Knacken ertönte als die Wirbel wieder in ihre Idealpositionen zurückglitten. Sie stieß einen Schrillen Schrei aus, der die beiden Kinder die eben noch freudig herumgetollt waren ängstlich zu ihren Eltern fliehen ließen. Diese Nachthemd war auch wirklich furchterregend stillos, aber darum musste man sich doch nicht so aufregen oder? "Scheiße - an den Experimenten vom FBI war doch was dran. Keinen Schritt weiter sie Monster! Keinen Schritt, oder - oder ich ramm dir diese Spritze in die Elektronik verdammter Cyborg!" kreischte die Aufgebrachte frau und hielt mir drohend eine kleine - mit einer klaren Flüssigkeit halb gefüllte Spritze entgegen.

Inzwischen stand ich also im Zentrum der allgemeinen Aufmerksamkeit, wirklich sehr unangenehm, und wie erklärt man Leuten das man nicht verletzt ist, nachdem man von einem gewaltigen Krokodilähnlichen Vieh gegen eine Backsteinmauer geschleudert worden ist? Leuten die nichts von Magie und Göttern wissen - also gewöhnlichen Spießbürgern. "Hey, alles in Ordnung, ich bin mit Sicherheit nicht von der Regierung, die gibt es nämlich ziemlich sicher nicht. Und ich bin auch kein verdammter Kommunist!" sagte ich laut und deutlich, abwehrend die Hände erhoben. Die Alte war immer noch nicht überzeugt, sie starrte mich auskugelrunden Augen an als ob sie gerade auf einem Trip war, vielleicht waren das doch keine Mentholzigaretten? "Also, ich will keinen Ärger hier klar, sie können ihre Spritze da übrigens wegstecken, wenn ich gegen eine Betonwand." ich versuchte das Wort lächerlich zu betonen "fliegen kann ohne verletzt zu werden, dann wird dieses kleine Ding mich wohl kaum außer Gefecht setzen oder?" versuchte ich sie zu überzeugen. "Was isn das fürn Geplärr, kann man hier nicht mal pennen?" knurrte einer der verletzten verärgert und zeigte mir den erhobenen Mittelfinger. Mehrere Leute stimmten in seine Pöbeleien ein, es war ein ziemliches Durcheinander, während sich die ziemlich durchgeknallte Frau mit ihrer kleinen Morphiumspritze immer näher an mich heranschlich. Das war ja wirklich lächerlich, hätte ich wirklich etwas tun wollen, hätte ich längst ihren Arm verdreht, die Spritze in ihren Oberschenkel gejagt und ihr anschließend das Genick gebrochen. "Was ist denn hier los!" dröhnte eine mir bekannte Stimme, sie war tief und majestätisch. Der Mann der den Raum betreten hatte war ein Riese, schwarz wie die Nacht und nebenbei bemerkt - JORDAN! Ich vergaß meine Würde vollkommen und stürmte wie ein kleines Kind auf ihn zu, sprang über die im Weg stehenden Betten und stolperte über den Saum meines Nachthemdes direkt gegen seinen Brustkasten.

"Jack mein Junge." stieß er dröhnend und raffte mich zusammen, das ich tatsächlich dachte 20 gebrochene Knochen im Leib zu haben. Ich revanchierte mich offensichtlich, denn als wie uns wieder losgelassen hatte rieb er sich die rechte Seite. "Wie kommst du denn hier her? Seid ihr nicht in Kanada?" fragte er verwundert. Mit einem Schlag war meine Hochstimmung entflohen, wie Wasser aus einem gebrochenen Krug. Alles kam wieder vor mein inneres Auge, das Begräbnis - der Verlust der Schmidtestate, Lynns Tod. Die ganze Zeit hatte ich meine Trauer darüber runtergeschluckt, verschlossen in einem eisernen Kästchen - ich hatte meine Leute führen müssen. Ich hatte entschlossen und stark sein müssen, aber jetzt musste ich das nicht mehr. Jordan bemerkte sofort das etwas nicht stimmte als er in mein Gesicht sah, er war besorgt und um meine Fassung war es endgültig geschehen, ich drehte mich um und setzte mich auf das nächste Bett während meine Sicht vor Tränen verschwamm und ich zu heulen begann wie ein kleines Kind. Jordan setzte sich neben mich und redete mir gut zu, obwohl er selbst wohl auch ziemliche Sorgen hatte, denn normalerweise war ich niemand der schnell zu weinen begann. Allerdings, so sehr ich auch versuchte ihm zu erklären was passiert war, ich schaffte es nicht, meine Stimme war weg, die Nase Verstopft und die Hände vor dem Gesicht. Schließlich hatte ich mich einigermaßen wieder beruhigt und riss mich zusammen, seltsamerweise fühlte ich mich nun besser.

Es war als sei eine große Last von meinen Schultern genommen worden. Nun erst fiel mir ein, dass mich alle Leute hier im Raum gesehen hatten. Nach Jordan waren offensichtlich einige Männer hereingekommen, sie alle wirkten recht kräftig und trugen Baseballschläger, Messer und Pistolen. Das würde ihnen hier unten wohl kaum etwas nützen. Jordan selbst hatte seine Rabenschnäbel am Gürtel hängen, wie ich feststellte. Vier ziemlich junge Burschen trugen Kurzschwerter, eine von ihnen spielte mit einer Bronzewaffe herum. "Also, was ist los Jack - gafft nicht so, der Junge hier hat mehr Eier als ihr alle zusammen und jetzt verpisst euch." blaffte Jordan ungehalten, seltsamerweise hörten alle auf ihn. Auch wenn einer der Jungen Männer mit einem unvergleichbar spöttischen Lächeln im Gesicht bemerkte. "Bei den Göttern, heute wieder super drauf alter Mann." er war ziemlich groß und schlank, sein rechter Arm - fehlte, er trug eine schwarze Augenklappe über seinem linken Auge. Aber trotzdem, diese blonden Haare, die spöttische Visage und das eine lustig funkelnde blaue Auge. Der Mann war Connor wie ausgekotzt, von der ziemlich zerquetschten Nase mal abgesehen. "Ich dich auch Travis und schick deine Hulda gleich mal vorbei." brummte Jordan. Hulda? Wer hieß denn bitte so! "Ok Jordan - nachdem du weg warst ist einiges schief gegangen. Die Götter haben einen Krieg geführt, das Gemetzel in Kanada war nur ein kleines Vorspiel. Weißt du - es war so schlimm das ich endlich die Gelegenheit den Namen Pendragon wieder rein zu waschen. Bei den griechischen Göttern - aber der Preis. Na, wie kann ich es ausdrücken - die Schmidt Estate ist überrannt worden während wir das Palladion gesucht haben. Fast alle sind dabei gestorben. Sahra, Jakis, Dr. o Neil." ich konnte nicht noch mehr Namen aufzählen ohne die Fassung zu verlieren.

Ich starrte auf meine Hände und ließ die Knöchel knacken. Dann haben wir Rache geschworen und sind in die USA gegangen, wo wir nicht nur herausgefunden haben, wer Carlos ist. Wir haben auch den Olymp gerettet, nachdem fast die ganzen USA in Schutt und Asche gelegt worden sind, von den Monstertruppen unter dem Augenbanner, dessen Anführer niemand anderes als Prometheus war. Wir haben ihn getötet!" stieß ich mit grimmiger Genugtuung aus. "Jetzt herrscht hoffentlich wieder Frieden - auch wenn wir nur noch wenige sind. Shigeru, Sam, Dimitrij, ich und du." sagte ich tonlos. "Das ist alles was von den Stammmitgliedern der Schmidt Estate übriggeblieben ist." Erst jetzt blickte ich Jordan an und sah die Tränen die über sein Ausdrucksloses Gesicht rannen. "Gut das du diesen Bastard umgelegt hast. Wie - wie sieht es in Kanada aus?" fragte Jordan mit unverhohlener Furcht in der Stimme. "Ruhig, in Kanada haben die griechischen Götter keine Macht, dort ist nicht gekämpft worden, weshalb auch viele Amerikaner jetzt dort sind - also die die es geschafft haben rechtzeitig abzuhauen." er atmete sichtlich erleichter durch, ich war mir ziemlich sicher das ich den Grund kannte - Margareth. "Und was machst du hier, du siehst ziemlich abgewrackt aus." bemerkte Jordan, der sich das Wasser aus den Augen gewischt hatte. "Ich bin hier weil ich im Auftrag von Lord Hades zusammen mit Carlos die Reste der Monsterarmee vernichten soll, die versucht die Unterwelt zu stürmen." erklärte ich, als Jordan mich zweifelnd ansah. "Ich bin bei weitem nicht mehr so zerbrechlich wie du mich kennst, ich habe den Segen der Styx - das heißt ich bin Achilles in besser." erklärte ich trocken. Naja, Achilles in besser war vielleicht doch ein bisschen dick aufgetragen. Aber das sollte Jordan zumindest den Eindruck geben das ich nicht vollkommen verrückt war. "Also ist alles vorbei und die Leute können wieder in die Stadt?" fragte Jordan mich ernst. Ich überlegte, sicher war es da oben noch lange nicht. Andererseits gab es mehr als genug Land auf dem man sich niederlassen konnte, wenn erst mal alles wieder renaturiert war - und das konnte eigentlich schon im Moment der Fall sein. Schließlich konnten die Olympier zum Wiederaufbau all ihre Kräfte einsetzen, das ließen ihre seltsamen Gesetze nämlich zu. "Also ich würde das was von L.A. übrig ist nicht bewohnen wollen, jedenfalls nicht als Mensch ohne entsprechende Bewaffnung und Kampfausbildung. Und ich habe das verdammt Gefühl das diese Gegend noch ziemlich lange Monsterverseucht bleiben wird, da weder Halbgötter erübrigt werden können die hier die Sachen klären, noch wir die entsprechenden Mittel dafür haben. Jedenfalls nicht in der nächsten Zeit. Allerdings gibt es wegen der vielen geflohenen und Toten mehr als genug leer stehende Häuser draußen auf dem Land für alle die dort leben wollen. Ein paar Landwirte wirds ja wohl geben die den Leutchen hier beibringen was Subsistenzwirtschaft ist oder?" fragte ich. "Subsis -was?" fragte Jordan verdattert. "Subsistenzwirtschaft ist der Ökonomische Begriff für Selbstversorgung." erklärte ich mit dem Anflug eines Lächelns, das sollte eigentlich auch Jordan wissen. "Gut, du bist dir also ziemlich sicher, dass wir auf dem Erdboden genauso gut aufgehoben sind wie darunter?" fragte er.

"Ich weiß ja nicht wie viel Nahrungsmittel in diesem Bunker gelagert sind und wenn ja ob man sie noch essen kann, aber viel schlechter sollte es eigentlich nicht sein. Warum bist du eigentlich wieder hier?" fragte ich ihn. Sicher es war schön Jordan wiederzusehen, ich hatte nicht mehr damit gerechnet, aber ihn ausgerechnet in seiner Geburtsstadt wiederzutreffen war schon - seltsam, wenn man bedachte wie groß seine Abneigung gegen sein hier geführtes Leben war. "Ich weiß nicht, Nostalgie trifft es wohl am ehesten. Weißt du, als ich mich abgesetzt habe um Margareth, naja um alles wieder auf die Reihe zu bringen bin ich kreuz und Quer durch Manitoba gefahren, habe sämtliche Auskünfte und Wohnungsvermieter angerufen. Eine Vermisstenanzeige aufgegeben. Schließlich hat mir die Polizei dann wenigstens gesagt wo sie sich befand, kurz bevor man mich zum Militärdienst einziehen wollte, wirst du bestimmt auch mitbekommen haben oder?" ich nickte zustimmend und dachte leicht erheitert daran zurück wie geschickte wir diese Offiziere übertölpelt hatten. "Also hab ich Rosen gekauft und bin zu ihr gefahren, naja - hat nicht geklappt, egal was ich auch gesagt habe, von einem Neuanfang ohne Monster und Co wollte sie nichts hören. Sie hat mich weggeschickt obwohl sie geweint hat - und ich war so blöd wirklich wegzugehen Jack!" knurrte Jordan stützte sich vorgebeugt auf die Knie. "Ich war jedenfalls ziemlich unten durch und zu euch wollte ich auch nicht zurück. Ich war nämlich ziemlich sauer auf dich Jack - ich wollte nicht einsehen das es meine Schuld gewesen ist, das unsere Beziehung in die Brüche gegangen ist und ihr ja nicht im geringsten dafür konntet." Er klatschte in die riesigen Hände. Ich beschränkte mich aufs zuhören, auch wenn die Tatsache, dass Jordan wütend auf mich gewesen war mir einen kleinen Stich versetzte.

Verständlich war das ganze allerdings schon, schließlich war es ja die Sorge um uns, die sozusagen als unsichtbarer Druck dazu geführt hatte, dass er mit nach Vancouver geflogen war."Und dann bin ich einfach losgefahren, über die Grenze, für jemanden der so weit in Kanada rumgekommen ist stellt das keine Schwierigkeit da. Ich habe gehört das es in den USA ziemlich heiß her geht - ich war wütend und wollte meinen Zorn gegen irgendetwas richten." er lachte heiser. "Genug Gelegenheit hatte ich, hier war die Hölle los und ehe ich Kalifornien erreicht wäre ich am liebsten unter den Rock meiner Mama gekrochen, aber ich denke da ging es nicht nur mir so." das stimmte allerdings, es gab schon so eine Situationen in der letzten paar Monaten in denen ich mich unter jedem Rock verkrochen hätte, wenn er mich denn geschützt hätte. "Hmh." brummelte ich. "Und dann traf ich schließlich in den Ruinen von irgendeinem kleinen Kaff an der Küste auf Travis und ein paar von seinen Freunden - Halbgötter, dementsprechend scheiße sahen sie auch aus. Travis ist fast tot gewesen als ich da ankam. Ein Glück das in meinem Wagen immer genug Ambrosiaextrakt für eine halbe Armee gewesen ist. So hat er nur einen Arm und ein Auge verloren." bemerkte John. "Wir sind nach Süden gegangen, weil wir dachten, dass hier weniger los wäre. Haben uns allerdings geirrt und sind vor den Monstern, zusammen mit immer mehr anderen Leuten nach LA geflohen, es war wirklich beeindruckend was die US Streitkräfte hier aufgefahren hatten, aber als die Monstertruppen dann hier ankamen gab es das reinste Chaos - Travis meint Hades hätte sich da höchstpersönlich eingemischt." bemerkte Jordan schulterzuckend.

"Wir jedenfalls haben dafür gesorgt aus der Schusslinie zu kommen, zum Glück wusste Colonel Smith, die bei der Armeeverwaltung hier tätig war wo sich dieser alter Bunker befindet, der immer noch für den Nuklearen Ernstfall bereitgehalten worden ist. Und so haben wir uns hier unten verschanzt um das ganze auszusitzen. Mit der Zeit ist es ein paar Leuten zu langweilig geworden und wir haben begonnen die Kanalnetzwerke zu untersuchen und es war so eine Truppe die dich gefunden hat - Steven und Travis waren zum Glück dabei, die haben das Monster das dich verspeisen wollte direkt zu Hackfleisch verarbeitet, kaum zu glauben wie flink dieser Stoll mit nur einem Arm immer noch ist." sagte Jordan kopfschüttelnd. "Dann wird ich mich bei denen wohl bedanken, n Bier spendieren kann ich ihnen ja momentan schlecht." antwortete ich. Es war immer noch unfassbar das Jordan lebte, und dann auch noch der Bruder von Connor. Totgesagte leben länger, das stimmt wohl wirklich. Jordan nickte. "Gut Jack - ich denke ich habe einiges an Arbeit vor mir, die Leute zu motivieren, Rucksäcke zu packen und durch die gefährliche Außenwelt zu fliehen, du meinst wirklich das es machbar ist?" Jordan schien skeptisch. Ich nickte bekräftigend. "In der Tat - ich bin über einen Tag da draußen herumgelaufen, als Halbblut das ich jetzt bin. Die normalen Menschen werden nicht halb so viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen wie ich und die anderen Halbgötter, wenn wir einen anderen Weg aus der Stadt nehmen, dann wird vermutlich nicht einmal eine halbverhungerte Drakaina bemerken welche ein Festmahl da an ihr vorbeimarschiert. Wie sieht es bei euch denn mit der Bewaffnung aus, genug Bronzewaffen? Und viel wichtiger, wie viele Sehende sind hier?" fragte ich meinen Freund. Denn wenn die anderen Menschen nicht Monster, sondern Panzer und Kommunistische Partisanen sahen, war ein taktisches Vorgehen so ziemlich unmöglich.

Da alte Mann fuhr sich durch die dichten Haare. "Hmm - es dürften mit den Halbgöttern so ungefähr 20 bis 30 Prozent der anwesenden sein. Wir sind insgesamt etwas mehr als 70 Leute, also könnte es schlimmer sein. Holzknüppel sind hier leider recht selten, Feuerwaffen gibt es mehr als genug, allerdings hat niemand Bronzekugeln und da niemand hier so freundlich war seine Bronzebudhasammlung mitzunehmen wird sich daran so schnell auch nichts ändern." bemerkte er. "Auf größere Kämpfe können wir uns nicht einlassen, aber ich denke wenn es wirklich so ist, das Monster eher Halbblute jagen als normale Menschen, dann könnten wir ja einfach dich, Connor und die Jungs direkt nach Westen schicken, während wir einen Umweg in Richtung Süden laufen. Ich muss mir noch ausdenken, wie ich das den Leuten plausibel verkaufe, aber ich denke da komm ich schon auf was." schloss er. " Andere Frage, hast du nicht was anderes an Kleidung als dieses - Ding da?" fragte ich und zeigte auf das Nachthemd. Jordan lachte herzlich. "Junge, du hast wirklich Probleme - immer noch der gleiche eitle Fatzke wie früher." er schüttelte den mächtigen Schädel. "Jaja - warum initiieren wir nicht einfach einen Streit zwischen Travis und dir - oder ist der nicht der Anführer der Halbgötter?" fragte ich, ein Streit wäre eine einfache und für jeden plausible Lösung um die Gruppen zu trennen. Die Halbgötter würden vermutlich sowieso alle nach Camp Halfblood gehen, da war ich mir ziemlich sicher. In Zeiten der Not gab es einfach keinen besseren Ort, auch wenn man da den ganzen Tag machen musste was sich ein alter Zentaur und ein schlechtgelaunter Gott ausdachten.

"Eine gute Idee, warum bin ich da nicht selber drauf gekommen - das heißt ich werde mit ihm zuerst darüber reden. Stimmt wir hatten sogar schon öfters einen lautstarke Unterhaltung, vor allem wegen dem Theater das seine Freundin veranstaltet." bemerkte Jordan. "Hm - wieso Theater?" erkundigte ich mich. "Naja, sie ist ständig depressiv, meckert die ganze Zeit nur herum und jault immer das sie in diesem toten Betonklotz keine Luft bekäme, damit geht sie jedem auf die Nerven, außer Travis." erklärte Jordan, dessen Brauen sich zusammenzogen als er auf diese Freundin anspielte. Also um Jordan zu nerven musste man schon ziemlich nervig sein , dieses Mädchen könnte wirklich interessant sein - also im platonischen Sinne. "Ok, naja Liebe macht blind oder?" scherzte ich. "Da hast du Recht Jack - Scheiß auf die Weiber!" bemerkte Jordan bitter und knuffte mich herzhaft in die Seite. Ich lachte mit - an seiner Stelle hätte ich glaube ich auch erst einmal die Nase voll vom anderen Geschlecht, es wäre vielleicht wirklich besser wenn ich mir diese Haltung angewöhnte, erst recht da meine Tätigkeit nicht gerade dafür sorgte das ich beziehungstauglicher wurde. Der kleine widerspenstige Muskel in meiner Brust protestierte allerdings schon bei dem Gedanken. "Wo sind eigentlich die ganzen Leute?" fragte ich, in dem gesamten, weitläufigen Schlafsaal befanden sich vielleicht 10 Personen.

"Die meisten befinden sich in den Gemeinschaftsräumen, diese Politiker haben in dem Bunker echt alles eingebaut, Spielräume, ein Fitnesscenter, sogar ein Schwimmbad - auch eine Art Kantine. Alles wirklich gute Qualität, Lynn würde es toll finden, wie in den 80ern." bemerkte Jordan. "Ja, das würde er. Naja, jetzt hat er vermutlich die Villa die er immer haben wollte. Wenn nicht statte ich Lord Hades einmal einen Besuch ab." witzelte ich mit einem melancholischen Lächeln im Gesicht. Jordan stieß zischend die Luft aus und straffte seine Körperhaltung. "Hatte er es schnell hinter sich?" fragte er gequetscht. Ich nickte. "Ein Höllenhund hat ihm den Schädel abgerissen, zumindest Schmerzlos war es." stellte ich fest und schluckte einmal trocken. "Also, bringst du mich dann einmal zu meinen Rettern - und was ist jetzt mit meinen Klamotten?" fragte ich ihn. "Oh - ja, da müsste etwas da sein, sonst ziehst du einfach was von mir an, besser Schlabberlook als das." stellte er fest. Alles war besser als ein geblümtes Nachthemd Jordan - da würde ich ja noch ernsthaft darüber nachdenken Nudist zu werden, wenn ich mit sowas durch eine Stadt gehen sollte! "Schlabberlook trifft es nicht einmal halb, ich werde in deinen Sachen schwimmen und das ohne Wasser alter Mann. Alles nur wegen der Steroiden." bemerkte ich mit einem süffisanten Lächeln. "Höre ich da etwas Neid?" stichelte Jordan und klopfte mir dröhnend auf die Schulter.