Konfrontation I

Sie atmete tief durch und ein kalter Schauer lief ihr den Rücken runter. Sie brauchte noch einen Moment, um zu sich zu kommen, doch schlug dann die Augen auf.

Ihr war kalt und sie blickte in den sternenklaren Himmel. Sie befand sich im freien. Ihr Kopf tat etwas weh, doch dann fiel ihr schlagartig wieder ein, was passiert war.

Erschrocken, war sie nun wieder hell wach und wollte instinktiv aufstehen, doch etwas hielt sie zurück.

Sie konnte sich nicht richtig bewegen.

Mit Schrecken stellte sie fest, das sie mit Eisenketten gefesselt war und sie lag auf dem Rücken. Die Ketten waren fest um ihre Hände und fesselten sie über ihrem Kopf. Eine weitere Kette hielt ihre Füße und eine Dritte wurde ihr um die Taille geschlungen worden.

Zu ihrer rechten brannte ein großes, flackerndes Feuer in einem runden Brunnen, der wahrscheinlich in die Tiefe führte. Doch trotz des Feuers, war es kalt, denn man hatte ihr die Ausrüstung und die Jacke abgenommen.

Sie beruhigte sich und ihren Atem, nachdem sie auch feststellte, das sie alleine in einem weiteren, großen Innenhof war und konzentrierte sich auf ihren nächsten Schritt.

Sie rief sich alles in Erinnerung.

Sie war nach dem Kampf gegen die Söldner aus einem Fenster gestürzt und in einem Labyrinth gelandet. Dann war Sara da, doch sie war anders gewesen. Die Cabal hatte sie umgedreht, doch wie, das wusste Lara noch nicht. Sara hatte sie angegriffen und…

…Verdammt, was haben die mit ihr gemacht?…Ich muss hier weg und sie zur Vernunft bringen…

Doch Lara konnte die Ketten um ihren Körper nicht lösen, so sehr sie es auch versuchte.

Entmutigt legte sie denn Kopf zurück und dachte an Kurtis.

Ob er es geschafft hatte?

Ob er dort unten, irgendwo unter ihr war und die Schriftrolle gefunden hatte?

Ob er dort auch wieder raus kam und überlebte?

Sie machte sich Sorgen um ihn, doch sie wusste, das Alister und auch Zip ihn gut unterstützen würden.

…Oh Kurtis…wo sind wir da nur rein geraten?…

Sie schloss kurz die Augen und versuchte jeden Gedanken, der sie ablenken könnte, zu unterdrücken.

Plötzlich hörte sie Schritte, die lauter wurden und Lara öffnete die Augen wieder.

Dann standen Gunderson und Rouzic plötzlich zu ihrer Linken…

,,Tja, so sieht man sich wieder, was Croft?´´ sagte Gunderson mit einem triumphierenden Grinsen auf sie herab blickend.

,,Dabei war ich überhaupt nicht scharf darauf, Sie wieder zu sehen.´´ entgegnete Lara sarkastisch.

Gunderson lachte glucksend und beugte sich zu ihr herunter, um ihr etwas ins Ohr zu flüstern.

Lara ging instinktiv auf Abstand, so weit es eben möglich war.

,,Dir werden dein Sarkasmus und diese lockeren Sprüche schon noch vergehen…Du wirst es noch bereuen, das du hier eingedrungen bist…Dabei fällt mir ein, wo ist doch noch gleich dein Komplize, Trent?´´

Lara schwieg.

,,Rede!´´ forderte Gunderson.

,,Ich habe keine Ahnung wo er ist. Wir haben uns getrennt.´´ entgegnete Lara schlicht, was ja der Wahrheit entsprach.

Gunderson packte ihr Haar und riss es nach hinten: ,,Ich rate dir wirklich mit uns zu kooperieren, denn das könnte sich sehr positiv auswirken…Was habt ihr vor?´´

,,Auf was?…´´ fragte Lara und unterdrückte den Schmerz, als Gunderson an ihren Haare riss, ,,…Die Tatsache, das ihr mich umbringen werdet?…Ein schneller Tot etwa mit einer Pistole in den Hinterkopf oder doch lieber qualvoll dahinvegetieren?…Danke, aber ich passe.´´

Gunderson wurde sauer und entfernte sich einige Schritte von ihr: ,,Wie auch immer. Wenn du bei mir nicht reden willst. Dann wird sich mein Meister darum kümmern und glaube mir, Croft…du wärst besser bedient gewesen, wenn du gleich geantwortet hättest!´´

Rouzic war Gunderson gefolgt und flüsterte ihm dann was ins Ohr: ,,Wieso machen wir das nicht wie bei der anderen?´´

,,In Trance wird sie uns nichts nützen. Der Meister brauchst sie bei vollem Bewusstsein…´´ flüsterte Gunderson zurück, ,,…Außerdem wird er es aus ihr herausbekommen. Dessen können wir sicher sein.´´´´ antwortete Gunderson, ,,…Geh und rufe die beiden.´´

Rouzic nickte und ging davon.

Gunderson blickte zu Lara und sie zu ihm.

Sie hatte genau gehört, was die beiden gesagt haben, trotz des Geflüsters. Und Gunderson wusste das. Er konnte es in ihren Augen erkennen.

,,Du kannst ja doch nichts damit anfangen, Croft. Also erspar es dir darüber nachzudenken.´´ meinte er dann kalt.

,,Seien Sie sich da aber nicht zu sicher, Gunderson.´´ sie sagte es mit Absicht, um ihn zu verunsichern. Natürlich hatte sie keine Ahnung, um was es ging, aber sie konnte in seinem Blick erkennen, das ihre Täuschung funktioniert hatte. Im Innern machte sich ein winziges Triumphgefühl breit. Sie hatte Gunderson doch tatsächlich verunsichert.

Plötzlich erklangen erneut Schritte.

Schritte von drei Personen.

Lara blickte, wie Gunderson, in die Richtung, in die Rouzic eben verschwunden war.

Sie weitet die Augen, als sie die drei erblickte.

Es waren Rouzic, Sara und an ihrer Hand ein weiterer Mann, den Lara ohne weiteres identifizieren konnte. Damian van Eckhardt.

Er war groß, fast genauso groß wie Gunderson, also an die 1,95 cm, aber nicht annähernd so ein Monstrum wie Gunderson.

Damian van Eckhardt trug einen schwarzen Anzug, welcher sein doch gepflegtes Aussehen betonte. Er hatte schwarze, lange haare, die zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden waren, genau wie einst bei seinem Vater Pieter. Ein Kinnbart zierte sein Gesicht und die dunkelbraunen, fast schwarzen Augen, verliehen ihm ein Gespenstiges aussehen mit der weißen Gesichtsfarbe. Dennoch war er keineswegs hässlich oder entstellt, ganz im Gegenteil.

Rouzic und Gunderson zogen sich etwas zurück, um Damian und Sara Platz zu machen. Die beiden traten ebenfalls zu Laras Linker und blickten auf sie herab.

Noch ein kalter Schauer lief Lara über den Rücken, als sie Sara und Damian, Händchen haltend, über sich sah.

,,Guten Abend, Lady Croft…´´ begann Damian mit einer finsteren und tiefen Stimme, ,,…ich freue mich Sie endlich in meiner Gewalt zu haben. Ich hoffe doch das Sara Ihnen nicht allzu viele Unannehmlichkeiten bereitet hat.´´

Dabei fuhr er der Polizistin durchs lange, braune Haar.

Lara kniff die Augenbrauen zusammen: ,,Nun mit einfachem fragen, hätte sie mich nicht überzeugt…Was haben Sie mit ihr gemacht, Damian van Eckhardt?´´

,,Oh bitte…´´ begann er säuselnd, ,,…nennen Sie mich doch einfach Damian, meine Liebe.´´

,,Nun gut, Damian, sagen Sie mir, was Sie mit Sara gemacht haben und wenn Sie gerade dabei sind, können Sie mich auch losbinden!´´ verlangte Lara.

Damian lachte: ,,Ihr Sarkasmus ist wirklich erstaunlich. Sie klopfen hohe Sprüche, selbst wenn Ihr gegenüber keine Sekunde zögern würde, Sie zu töten. Haben Sie denn keine Angst, Lady Croft?´´

,,Vor Ihnen? Nein…Denn Sie brauchen mich ja noch.´´

,,Da haben Sie recht. Aber Sie sind mir nur zu etwas nutze, wenn ich Ihren Komplize finde. Wo ist Kurtis Trent?…Ich weiß, warum Sie beide hier sind. Ich weiß, das Sie die zweite Schriftrolle finden wollen…Ich frage Sie jetzt Lady Croft: Wo befindet sich der Eingang zu den Katakomben unter der Burg?´´

,,Wie ich schon sagte, Kurtis und ich haben uns getrennt. Ich weiß es folglich also nicht…´´ entgegnete Lara, ,,…Ich frage Sie noch mal, Damian: Was haben Sie mit Sara gemacht?´´

,,Beantworten Sie meine Frage, dann werde ich die Ihre beantworten.´´

,,Was spielen Sie hier für ein Spiel?…´´ fragte Lara, ,,…So läuft das nicht. Sie sollten Ihrer Gefangenen etwas entgegen kommen.´´

Damian grinste: ,,Faszinierend…Ich finde es wirklich unterhaltsam mich mit Ihnen zu unterhalten, Lady Croft. Aber wenn Sie so wollen, werde ich Ihre Frage bezüglich Sara Pezzini beantworten.´´

,,Also, dann reden Sie schon.´´

,,Ganz einfach, ich habe sie umgedreht. Sie glaubt alles, was ich ihr erzähle. Ich habe ihre Gedanken umgedreht. Sie hält Sie für die Feindin…´´ erklärte Damian und griff Sara um die Hüfte, ,,...Sie hat sich sehr gewehrt und sehr gelitten, aber ich war einfach stärker als die Trägerin der Witchblade…Sara hat mir alles über Sie und Trent erzählt…Ich wusste von Anfang an, was ihr vor hattet und ihr solltet den Schlüssel zu den Katakomben finden…´´ Damian blickte Lara in die Augen, ,,…Ich weiß mittlerweile alles über Sie, Lara, ich weiß, wie sie denken und daher wusste ich genau, das Sie und Trent sich trennen würden, nachdem meine Männer sie angegriffen haben. Darum habe ich Sara geschickt, um sie zu holen…So bereitwillig, wie sie mir gehorcht, ist es eine Freude für sie gewesen…´´ er strich Sara das Haar hinters Ohr und sah sie an, ,,…Ihre Freundin ist sehr hübsch, Miss Croft.´´

,,Wagen Sie es nicht sie anzufassen…´´ fauchte Lara, ,,…Machen Sie das Rückgängig!´´

,,Nein. Sara gehört mir…´´ Damian lachend, ,,…Sie können nichts dagegen tun. Es ist nun ihr freier Wille.´´

,,Sie haben sie dazu gebracht…´´ entgegnete Lara und sah dann zu Sara, ,,…Sara bitte, ich weiß, das du das eigentlich nicht willst. Erinnere dich!´´

Sara beugte sich zu Lara: ,,Du kannst es nur einfach nicht ertragen, wenn du verlierst…´´ sie erhob sich wieder und drehte sich zu Damian, dabei sprach sie weiter, ,,…Ich würde alles für ihn tun…´´ sie blickte wieder zu Lara, ,,…selbst wenn er von mir verlangen würde dich zu töten, Lara Croft.´´

Damian lachte erneut und legte beide Hände an Saras Hüften. Sara sah ihn an und lies es geschehen, als Damian sie küsste.

Lara weitete erschrocken die Augen.

Was geschah hier?

Ihre Beste Freundin, die ihr wie eine Schwester war, war dem Bösen verfallen und ließ sich von ihm küssen?

Lara glaubte das sie das alles nur träumte.

,,Aufhören!´´ entfuhr es Lara, als Sara Damian weiterhin küsste und ihre Zunge mit ins Spiel brachte.

Sara und Damian lösten sich und blickten zu Lara.

,,Was denn? Ist unsere Liebe zu viel für dich?´´ fragte Damian.

,,Das ist keine Liebe…´´ entgegnete Lara, ,,…das ist einfach nur eine ganz gemeine Falle. Sie haben sich Saras bemächtigt. Lassen Sie, sie laufen und kehren Sie ihren Zauber, oder was auch immer, um!´´

,,Nein!…´´ entgegnete Damian strickt, ,,…die Trägerin der Witchblade gehört mir!…´´ er beugte sich über Lara und packte ihr Gesicht fest mit einer Hand, ,,…Wo ist Kurtis Trent?´´

Lara schwieg und spuckte ihm ins Gesicht.

Damian erhob sich und wischte sich die Spucke mit einem Tuch weg, das er aus seiner Jackentasche zog.

Dann verfinsterte sich seine Miene und er schlug zu.

Laras Kopf fiel zur Seite und Blut rann ihr von der Unterlippe.

,,Überlass sie mir, Damian…´´ sagte Sara und blickte Lara verhasst an.

Lara sah ihrer Freundin in die Augen, doch erkannte, das Saras Augen irgendwie Leer waren. Sie strahlten nicht, wie sonst. Sie wirkten benebelt und Lara wusste, das es die Macht war, die Damian über Sara hatte.

,,Nein…Sie wird noch bekommen, was sie verdient…´´ sagte Damian zu Sara, ,,…Wir müssen Trent in die Finger bekommen!…´´ dann fragte er Lara nochmals, ,,…Wo ist er?´´

Lara schluckte: ,,Tun Sie mir an, was Sie wollen, aber Sie werden niemals etwas aus mir herausbekommen.´´

Damian lächelte nur und drehte sich zu Rouzic: ,,Er streift mit Sicherheit hier irgendwo in der Burg herum. Finde ihn und bring ihn mir. Lebend.´´

Rouzic nickte und ging abermals davon.

Dann drehte Damian sich zu Lara: ,,Da Sie mir nicht geben wollen, was ich haben will, bin ich gezwungen zu drastischen Mitteln zu greifen…´´ er stellte sich an Laras Kopf und entblößte seine langen Finger, die er an ihre Schläfen ansetzte, ,,…und es wird weh tun, aber in deinen Gedanken, werden all meine Fragen beantwortet.´´

Lara sah ihn mit Schrecken an und dann zu Sara, die einfach nur dastand und grinste. Furcht zeichnete sich in ihren Augen ab.

Sie wusste nicht, was auf sie zukam.

Dann zuckte Lara heftig zusammen, als ein stechender Schmerz durch ihren Kopf zog. Doch die Ketten hielten sie weiterhin gefesselt.

Es fühlte sich an, als würden Blitze von Damians Fingern aus durch ihren Kopf ziehen.

Lara hatte mühe, nicht aufzuschreien und hoffte, das Damian bald fertig mit ihr war und die Schmerzen aufhören würden…

,,Und wenn ich eine Illusion anwende. Das würde dir doch sicher gefallen.´´

,,Ja, aber wir haben nicht die ganze Nacht Zeit. Die beste Zeit für das Ritual ist in eineinhalb Stunden an Mitternacht. Das dürfen wir nicht verpassen…