APOV

Er dreht sich mit einem entsetzten Gesichtsausdruck um und starrt mich an, als ob ich gerade all seine Welpen verspeist hätte. Ich starre grimmig zurück und verschränke meine Arme vor der Brust. Der Regen hat inzwischen etwas nachgelassen, durchnässt aber trotzdem auf unangenehme Weise meinen Körper.

„Was sagst du da?", fragt Christian verzweifelt, als er wieder ein paar Schritte in meine Richtung macht.

„Was hat dich nur geritten, dass du dich wie ein dreizehnjähriger Teenager aufführst, dem man gerade sein Handy weggenommen hat!", werfe ich ihm an den Kopf. Er sieht mich einen Moment nachdenklich an, bevor er zu einer Rede ansetzt.

"Weißt du, es war doch nie geplant, dass du mir so viel bedeutest und dass ich mich so sehr in dich verliebe!"

‚Oh mein Gott! Hat er mir gerade seine Liebe gestanden? Ich meine, er als Christian Grey und nicht als der gekidnappte Christian Steele, der glaubt, dass er das sagen muss, da er mit mir verheiratet ist?' denke ich mir und spüre, wie sich meine Wut in Luft auflöst und die Schmetterlinge im Bauch zu flattern beginnen.

"Aber weißt du was? Es ist passiert und deshalb tut es auch so höllisch weh, dich gehen zu lassen! Aber wenn es dich glücklich macht, werde ich das tun und…".

„Du bist ein Holzkopf!", sage ich, da mein Geduldsfaden gerade gerissen ist und gehe die letzten paar Schritte, die uns trennen, auf ihn zu. „Ich mag vielleicht ein paar fragwürdige Entscheidungen in letzter Zeit getroffen haben, aber ich bin noch lange keine anstandslose Schlampe, die von einem Bett ins nächste hüpft. Jack hat mir eine Kette geschenkt und ich habe mich bedankt, aber du musst dich ja gleich mit ihm prügeln, du Esel!", keife ich ihn an und stemme danach meine Fäuste demonstrativ in die Hüften, während ich versuche, wieder zu Atem zu kommen.

Christian sieht mich ganz ruhig mit einer steinernen Miene an.

„Bist du sauer?", fragt er mich. ‚Was zum Teufel…?'

„Verdammt, JA!" Ich nicke und sehe ihn mit ganz böse funkelnden Augen an. Er zieht mir meinen Schal von meinem Hals, faltet ihn zu einem Dreieck und bindet ihn mir wieder um den Hals, sodass er wie ein Cape an mir hängt.

„Jetzt bist du Super-Sauer!", sagt er und bringt mich damit komplett aus dem Konzept. Ich muss auf einmal so herzlich lachen, dass ich mich vorne über beuge und mir die Hand vor den Mund halte, um nicht gleich die ganze Nachbarschaft aufzuwecken. Als ich mich von dem Lachanfall erholt habe, richte ich mich wieder auf, packe ihn am Kragen und ziehe ihn zu mir um ihn zu küssen. Im Regen. Wie klischeemäßig.

„Entschuldige bitte!", flüstert er mir ins Ohr, als wir uns nach dem Kuss umarmen.

„Du solltest dich bei Jack entschuldigen!", flüstere ich ihm als Antwort in sein Ohr, woraufhin er nickt.

„Das werde ich, keine Sorge! Aber jetzt lass' uns nach Hause gehen und ein sehr, sehr heißes Bad nehmen, ja?", sagt er.

„Du willst doch nur Zeit herauszögern, aber du weißt schon, dass wir über einiges Reden sollten?!", necke ich ihn. "Es gibt einige Dinge, die ich so in Zukunft nicht mehr akzeptieren kann." Christian überlegt.

„Ich habe einmal gehört, dass Kompromisse ganz wichtig in einer Beziehung sein sollen. Also wie wär's, wenn wir in der Badewanne reden, bis unsere Haut ganz schrumpelig ist und ich die heiße 80jährige bestaunen kann?", fragt er mich und bringt mich zum lächeln. Wieder einmal.

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Zeitsprung - Am nächsten Tag

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Am nächsten Tag sitze ich mit Christian in dessen Privatjet auf dem Weg nach Hause.

„Du hast es überhaupt nicht eilig, oder?", frage ich ihn ungläubig.

„Wenn du realisierst, dass du mit jemanden den Rest deines Lebens verbringen willst, dann willst du, dass der Rest deines Lebens so schnell wie möglich beginnt", sagt er zu mir, als wäre es das normalste auf der Welt. Noch einmal blicke ich auf meinen Ringfinger und kann es noch gar nicht fassen, dass da ein Verlobungsring funkelt. Ich wollte ja einen sehr, sehr schlichten Ring haben, mit einem sehr, sehr kleinen Stein, aber Christian hat mich dann doch von einem anderen Modell überzeugt. Es ist ein silberner Ring mit drei Steinen, da er ja nicht nur mit mir, sondern auch mit meinen Jungs eine Familie gründen will. Und obwohl die Steine alles andere als klein sind, möchte ich den Ring um nichts in der Welt tauschen.

Christian legt seinen Arm um mich und ich kuschle mich an ihn, während meine Finger gedankenverloren mit meiner neuen Kette spielen und wir beide aus dem Flugzeugfenster hinausschauen.

„Die Kette war also ein Weihnachtsgeschenk?", fragt er beiläufig.

„Ja, ist sie nicht wunderschön?", necke ich ihn. Er nickt und seufzt.

„Da hat mir dieser Jack einiges vorgelegt. Aber ich werde das sicher noch toppen!", sagt er siegessicher und bringt mich zum kichern. ‚Shit, Weihnachten steht praktisch schon vor der Tür und ich brauche noch ein Geschenk für ihn' denke ich mir.

„Was kann ich dir nur schenken, was du nicht schon hast?", frage ich ihn nachdenklich.

„Eine kleine Tochter."