Kapitel 55
~ Die Gefahr lauert überall ~
Der Sommer und somit auch die Ferien für Severus waren viel zu schnell vorbei. Selbst in seiner freien Zeit hatte er wenig Zeit gehabt seine Familie zu sehen und Amanda wusste nur zu gut, dass es nun, da die Schule wieder begonnen hatte, nicht besser werden würde. Dumbledores Anwesenheit würde in der momentanen politischen Situation nichts ändern.
Im Verlauf des Sommers war die Winkelgasse von einigen schweren Todesser-Angriffen getroffen worden. Zunächst war Florean Fortescue verschwunden und sein Eissalon seitdem, verwüstet wie er war, geschlossen. Allein das war schon sehr beunruhigend, doch nur kurze Zeit später verschwand Mr. Ollivander und dass schockierte alle Geschäftsinhaber der Winkelgasse sehr nachhaltig. Es schien überhaupt keinen Sinn zu machen, diese beiden älteren Herren zu entführen oder zu töten, wie Amanda sich immer wieder in Erinnerung rufen musste, auch wenn sie das Beste für beide hoffte. Aufgrund dieses fehlenden Musters, fühlte sich nun jeder in der Winkelgasse bedroht. Mit den sinkenden Kundenzahlen wurden auch die Öffnungszeiten der Geschäfte kürzer. Vor allem wegen ihrer Erlebnisse aus dem vergangenen Frühling, fühlte sich Amanda zunehmend unwohler in ihrem eigenen Laden. Dennoch musste sie arbeiten und einen Weg finden, trotz allem genügend Geld einzunehmen. Immerhin hatte sie noch immer einen Kredit zu bedienen, Matthew wollte bezahlt werden und mit einem Baby wurden die Umkosten auch nicht gerade weniger. Gegen Ende August traf sie schließlich die Entscheidung den Versandhandel weiter auszubauen und schickte Briefe mit dieser Information und den verkürzten Öffnungszeiten an ihre Stammkunden. Amanda ahnte, dass vor allem im bevorstehenden Winter kaum jemand noch in die Einkaufsstraße kommen würde und wenn sicher nur gegen Mittag, wenn es am hellsten war. Aus Sicherheitsgründen nahm sie Christopher nur noch ungern mit zu Felonwood. Wenn etwas passieren sollte, sollte wenigstens ihr Sohn nichts damit zu tun haben. Doch nicht immer fand sie jemanden, der auf den Kleinen aufpassen konnte, vor allem weil sie ungern ihre Mutter darum bat. Häufig war aber Sandra bereit, zusätzlich noch auf ihren Neffen aufzupassen.
Trotz Amandas anfänglichen Zweifeln, funktionierte der Versandhandel recht gut und nahm während der Herbstmonate noch weiter zu. Severus sah sie nur alle paar Wochen für einige Stunden und das begann ziemlich an ihr zu nagen. Nicht nur die wenige gemeinsame Zeit und dass sie mit Christopher so gut wie alleine war, machte ihr zu schaffen - es war auch Severus Verhalten. Vielleicht bildete sie es sich nur ein, aber sie hatte den Eindruck, dass Severus ihr gegenüber verschwiegener und verschlossener war als sonst. So hatte Amanda manchmal den Eindruck, sie hätte gar keine Ahnung mehr, was wirklich bei ihm los war und was ihn alles beschäftigte. Doch jeder Versuch diese Situation zu ändern scheiterte mit immer der gleichen Antwort von Severus: Dass er ihr einfach nicht alles erzählen könnte, aus Sicherheitsgründen natürlich. Es blieb Amanda also nichts anderes übrig als zu versuchen, sich möglichst wenige Gedanken zu machen und zu hoffen, dass ihre Beziehung nicht so sehr darunter litt, wie es sich für sie manchmal anfühlte.
Ende November trat aber plötzlich ein gänzlich anderes Ereignis in ihren Alltag. Es war mitten in der Nacht und Amanda hatte Christopher gerade wieder in sein Bett gelegt, als jemand mehrfach an der Tür klingelte. Sofort beschleunigte sich Amandas Herzschlag. Aufgrund des Fidelius-Zaubers konnte es nur jemand aus der Familie sein, dennoch ängstigte sie dieser Besuch um diese Zeit. Immerhin konnte das nur bedeuten, dass etwas passiert war. Mit dem Zauberstab in der Hand lief sie die Treppe hinunter und sah schließlich Sandra vor ihrer Tür stehen. Irgendwie beruhigte Amanda das. Was sollte bei ihr schon schlimmes passiert sein? Vielleicht hatten sie und David sich nur gestritten, doch würde sie dann zu ihr kommen? Verwundert öffnete Amanda schließlich die Tür. „Sandra! Was ist denn los?", wollte sie sogleich wissen, trat aber schon zur Seite, um sie einzulassen. Ihre Schwägerin in spe trat fahrig und offensichtlich aufgeregt in den Flur. „David ist verschwunden", sagte sie mit viel zu hoher Stimme. Amanda sah sie erschrocken an. „Was? Wie? Seit wann?"
„Er ist heute Abend nicht nach Hause gekommen, hat keine Nachricht geschickt und ist bei keinem seiner Freunde. Seine Kollegen sagen er hätte sich ganz normal auf den Weg gemacht. Ich habe keine Ahnung was ich noch tun soll!" Hektisch strich sie sich die Haare aus dem Gesicht. Offensichtlich hatte sie geweint. Doch ihr Bericht war tatsächlich sehr beunruhigend, auch wenn Sandras Angst Amanda erstaunlicherweise ein Stück weit beruhigte, sie konnte immerhin nicht beide in Panik verfallen. „Komm erst einmal richtig rein und setz dich", sagte Amanda und brachte die junge Hexe ins Wohnzimmer, wo diese sich auf das Sofa setzte. „Und was machen wir nun?", wollte sie auch gleich wissen. „Ich werde Severus fragen", sagte Amanda und holte das kleine Notizbuch vom Küchentisch, begann ihm schnell einige Zeilen zu schreiben und hoffte, dass er es trotz der späten Uhrzeit noch vor dem Morgen lesen würde. „Ich mache dir erst einmal einen Tee", sagte sie dann zu Sandra und verschwand in die Küche.
Severus war entgegen Amandas Vermutung ausnahmsweise nicht gänzlich unglücklich darüber, dass das neue Schuljahr wieder begonnen hatte, denn so hatte er wenigstens wieder etwas mehr Freiheit und es schlich nicht ständig jemand um ihn herum. Dennoch war es im Grunde so, dass er Wurmschwanz gegen Draco eingetauscht hatte. Aufgrund seines Versprechens, auf den Slytherin Acht zu geben, hatte er auch trotz der neugewonnenen Freiheit kaum Zeit, Amanda und Christopher zu besuchen. Die Vorfälle in der Winkelgasse machten ihm diesen Verzicht kaum leichter. Jeden Tag an dem Amanda arbeiten musste, machte er sich erneut Sorgen um sie. Daher war er auch mehr als froh, dass sie nun auch eingesehen hatte, dass der Laden kein guter Aufenthaltsort für ihren gemeinsamen Sohn war.
Als Severus Amandas Nachricht bekam, war er gerade im Begriff ins Bett zu gehen. Als er jedoch las, dass David verschwunden war, war seine Müdigkeit mit einem Schlag wieder verflogen. Mit dem Buch in der Hand ging Snape daher zurück ins Büro, um Amanda zu antworten.
Hallo Amanda,
was heißt nirgendwo zu finden? Und seit wann? Ich weiß von nichts. Ist er nicht von der Arbeit zurückgekommen?
Kaum war Amanda mit dem Tee zurück und hatte ihn Sandra gereicht, sah sie die Farbveränderung des Buches. „Oh, zum Glück. Er ist noch wach." Sie setzte sich, las was Severus geschrieben hatte und antwortete dann schnell:
Ja, er ist nicht nach Hause gekommen, auch wenn seine Kollegen gesagt haben, er wäre normal gegangen. Er ist auch bei keinem seiner Freunde.
Severus seufzte leise als er das las. Das konnte doch nicht wahr sein! Er sah auf die Uhr und überlegte sich, was er Amanda nun zurückschreiben sollte. Offenbar erwartete sie von ihm eine Lösung für das Problem. Schließlich fragte er, ob David alleine von der Arbeit heimgegangen war, oder ob er mit anderen das Ministerium verlassen hatte. Amanda gab die Frage an Sandra weiter, welche diese mit Ja beantwortete. David war mit einem Kollegen gegangen, den Amanda nicht kannte. Diese Info gab sie schließlich an Severus weiter. Der antwortete umgehend und teilte den beiden Frauen mit, dass er sehen würde, was er tun könne. Außerdem riet er Sandra, sich wieder nach Hause zu begeben, sofern sie es sich zutrauen würde. Vielleicht würde David doch noch auftauchen oder vielleicht würde sich das magische Strafverfolgungskommando bei ihr melden. „Severus rät dir wieder nach Hause zu gehen, falls David doch noch auftaucht. Vielleicht kannst du ja deine Eltern fragen, ob sie mitkommen wollen, damit du nicht so alleine bist." Sandra nickte. „Ja, das wäre vielleicht das Beste." Das schrieb Amanda dann auch Severus und hoffte, während Sandra sich wieder auf den Weg machte, dass David tatsächlich nur etwas trinken war. In der Zeit hatte sich Severus wieder umgezogen. Als er Amandas Nachricht gelesen hatte, wünschte er ihr noch eine gute Nacht, bevor er sich selbst auf den Weg aus dem Schloss machte. Je früher er womöglich etwas über Davids Verbleib in Erfahrung bringen konnte, umso besser. Einige Stunden später war Severus bedauerlicherweise nicht viel schlauer als zuvor, dafür aber umso müder. Aus diesem Grund entschied er sich, nicht mehr nach Hogwarts zurückzugehen, sondern die letzten paar Stunden der verbliebenen Nacht bei Amanda zu verbringen. So konnte er ihr am Morgen auch gleich sagen, was er - oder besser - was er nicht erfahren hatte und vielleicht gab es dann auch schon Neuigkeiten von Sandra.
Es dauerte eine ganze Weile bis Amanda nach diesen Ereignissen schlafen konnte. Immerhin war es ihr Bruder, der da so plötzlich verschwunden war und in diesen Zeiten war das definitiv ein Grund zur Sorge. Als sie endlich eingeschlafen war, schlief sie unruhig und träumte von Severus. Als sie am frühen Morgen von Christophers Weinen wach wurde, sah Amanda auch den möglichen Grund für ihren Traum, denn Severus war gerade dabei, ihren Sohn aus seinem Bett zu heben. „Und wie willst du nun den Grund seines Protests beheben?", wollte sie noch verschlafen wissen. Severus drehte sich um, als er unerwartet Amandas Stimme hinter sich hörte. „Ich bringe ihn einfach dir, wenn er nicht ruhig wird", antwortete er dann, küsste Christopher kurz und wog ihn anschließend sanft im Arm. „Sicher hat er wieder Hunger." Amanda lächelte sanft. „Das ist zu vermuten um diese Uhrzeit. Das wird schön, wenn das füttern auch jemand anderes übernehmen kann." „Für dich", scherzte Severus und grinste, dann brachte er seinen Sohn zu Amanda und legte sich wieder zurück ins Bett. Er war noch immer ziemlich müde, allerdings wusste er, dass er sich bald auf den Weg zurück nach Hogwarts machen musste.
Amanda brachte sich in eine etwas bequemere Position, um Christopher zu stillen. „Natürlich. Wir üben auch schon fleißig daran", meinte sie und sah Severus an. „Schön, dass du da bist." „Hm ja", entgegnete er brummend und legte sich auf die Seite, um Amanda ansehen zu können. „Ich war müde und wollte mitten in der Nacht nicht mehr zum Schloss zurücklaufen. Außerdem kann ich so wenigstens ein paar Stunden bei euch sein" „Hast du etwas herausgefunden?" Severus seufzte leise. „Nein, leider nicht. Nicht einmal Gerüchte. Wir können nur hoffen, dass Miss Adams heute schon Neuigkeiten hat oder dass ich heute Abend noch etwas in Erfahrung bringen kann." „Das hoffe ich auch. Hoffentlich war er nur noch etwas trinken oder so." „Ja." Kurz sah Severus auf die Uhr. Ein wenig Zeit hatte er noch, um liegen zu bleiben. „Wollen wir noch zusammen frühstücken, oder bleibst du noch liegen, wenn er gegessen hat?" „Wir können auch gleich runter gehen, dann kann der kleine Herr hier noch etwas Brei essen üben." „Also schön. Dann lass uns gehen..." Langsam schälte sich Snape aus dem Bett, dann verschwand er kurz im Bad, um sich für den Tag fertig zu machen. Einige Minuten später kam er zurück und zog sich um.
Als Severus aus dem Bad kam, waren Amanda und Christopher mit dem ersten Teil des Frühstücks gerade fertig geworden und erhoben sich aus dem Bett. „Dann mal los." Gemeinsam gingen sie in die Küche und Amanda begann Tee zu kochen. Severus ging ihr beim Frühstück machen zur Hand, bevor sie sich schließlich zusammen an den Tisch setzten und zu essen begannen. Amanda fütterte derweil Christopher mit ein paar kleinen Löffeln Bananenbrei, auch wenn ihr Sohn nach kurzer Zeit nicht mehr so begeistert war. „Ja... so einfach ist das noch nicht."
Nachdem Amanda sich schließlich ihrem Frühstück zugewandt hatte, wollte sich Severus langsam auf den Weg zurück nach Hogwarts machen. Plötzlich kam jedoch eine Stimme aus dem Kamin im Wohnzimmer. „Das hört sich wie Sandra an", sagte Amanda aufgeregt und ging eilig nach nebenan. „Was ist denn?", wollte sie dann auch gleich von der jungen Frau im Kamin wissen. „Davids Kollege mit dem er gegangen ist wurde tot gefunden", sagte diese ziemlich aufgelöst. Erschrocken sah Amanda sie an. „Was? Woher weißt du das?" „Leute vom Ministerium waren gerade hier. Weil die beiden ja zusammen gegangen sind, wollten sie wissen, ob ich etwas weiß. Aber ich habe noch immer keine Ahnung. Weiß Professor Snape denn etwas?"
Severus, der Amanda gefolgt war und alles mit angehört hatte, trat nun auch vor den Kamin. „Nein. Ich konnte nichts in Erfahrung bringen. Aber ich werde weiter sehen was ich tun kann. Wissen sie genaueres über den Toten? Wo er gefunden wurde?"
„Nein ich weiß nicht." Sandras Stimme wurde zunehmen panischer. „Irgendwo in London." Das half ihm auch nicht sonderlich viel weiter dachte Severus, bevor er hörbar ausatmete. „Ich muss jetzt gehen", sagte er schließlich, mehr zu Amanda als zu Sandra. „Ich melde mich, sobald ich neues weiß. Das wird aber nicht vor heute Nacht sein. Vielleicht kommen sie derweil ein bisschen hierher, Miss Adams", schlug er dann Sandra noch vor.
Sandra nickte. „Ja, das wäre vielleicht gut." „Hier ist es schließlich in jedem Fall sicher", fügte Amanda noch an, auch um ihre Schwägerin zu beruhigen. „Gut, bis gleich. Danke schon einmal, Professor Snape", antwortete Sandra schließlich zum Abschluss, bevor sie aus dem Kamin verschwand. Amanda atmete tief durch und sah Severus an. „Das hat ja gerade noch gefehlt…" Der nickte nur zur Bestätigung. Es war durchaus beunruhigend, dass der Kollege, mit dem David die Arbeit verlassen hatte, nun tot aufgefunden worden war. „Ich muss jetzt zurück nach Hogwarts. Ich werde mich melden, sobald ich neues weiß."
„Ja, bitte. Ich werde versuchen Sandra zu beruhigen." Amanda gab Severus einen Kuss. „Sei du vorsichtig bitte." Severus nickte erneut, verabschiedete sich und machte sich auf den Weg zurück nach Hogwarts. Bei Amanda klingelte es kurz darauf an der Tür. Sandra stand mit ihrer kleinen Tochter dort und war noch immer ziemlich aufgelöst. Natürlich machte sich auch Amanda Sorgen um ihren Bruder, aber die Aufregung ihrer Schwägerin zwang sie zumindest zur äußeren Ruhe. Während die beiden Frauen beim Tee zusammen saßen, versuchte Amanda Sandra zu beruhigen und nicht das Schlimmste anzunehmen. Immerhin ließen sich die beiden Kinder nicht von der Stimmung beeindrucken und spielten, soweit ihr Alter das zuließ, zusammen. Es dauerte eine Weile bis es Sandra möglich war etwas anderes zu tun, als herumzusitzen und sich Sorgen zu machen, doch dann gingen sie und Amanda mit den Kindern spazieren. Es war ohnehin nicht zu erwarten, dass Severus in den nächsten Stunden Neuigkeiten haben würde und so versuchten sie sich zu beschäftigen in der Hoffnung, dass der Tag möglichst schnell vorbei ging und es schließlich doch eine Nachricht über David geben würde.
Severus ging den Tag über wieder seinen Verpflichtungen in Hogwarts nach. Er konnte nicht leugnen, dass er sich währenddessen durchaus auch seine Gedanken über Davids Verbleib und seine Gesundheit machte, obwohl er sich noch immer nicht sonderlich gut mit ihm verstand. Dennoch war es Amandas Bruder und natürlich wünschte er ihm daher nichts Böses. Sobald es seine Zeit wieder zuließ, machte sich Snape daher erneut auf den Weg, um etwas über Davids Verbleib herauszufinden. Wieder war er den ganzen Abend und fast die ganze Nacht unterwegs gewesen, doch schließlich hatte er endlich in einer ziemlich zwielichtigen Magierkneipe die erste nützliche Information erhalten. Der nächste Morgen brach schon wieder an, als Severus sich zurück auf den Weg nach Hogwarts machte. Er musste dringend mit dem Schulleiter reden, dachte er sich, denn sollte David tatsächlich noch leben, war nun schnelles Handeln gefragt. Sein Kollege war schon ermordet worden, also konnte ihm das gleiche Schicksal auch bald blühen.
Nachdem Snape Dumbledore aus dem Bett geholt und mit ihm eingehend alles besprochen hatte, hatte er endlich auch Gelegenheit, Amanda eine Nachricht zu schicken. Danach fiel Severus auch schon müde auf sein Bett und war kurze Zeit später auch schon eingedöst. Zum Glück war Wochenende!
Amanda bemerkte erst etwas später, dass Severus ihr in das gemeinsame Buch geschrieben hatte. Schnell las sie, was er zu berichten hatte und war erleichtert und beunruhigt zu gleich. Doch erst einmal riefen nun Christopher und auch Isabella, welche sich nun mit ihrem Cousin ein Zimmer teilte. Beide waren aufgewacht. Kaum hatte Amanda ihren Sohn auf dem Arm, betrat auch Sandra müde das Zimmer. Offensichtlich hatte sie schlecht bis gar nicht geschlafen. Während beide Frauen ihre Kinder wickelten und anzogen, berichtete Amanda was Severus berichtet hatte. Sandra brauchte einige Momente um diese Informationen zu verarbeiten, doch während des Frühstücks beschloss sie, dass es gute Nachrichten waren und Amanda war froh darüber, denn Zuversicht konnte sie alle gut gebrauchen. Später fand sie auch noch Zeit um Severus kurz zu antworten.
Ein lautes Klopfen an seiner Kerkertür riss Snape wieder aus dem Schlaf. Er fühlte sich wie gerädert, als er sich aus dem Bett quälte, um zu öffnen. Es war Dumbledore, der offenbar Neuigkeiten für ihn hatte. „Albus… Was gibt es Neues? Hast du mit den Auroren um Kingsley gesprochen?" Severus bat seinen Besucher herein und bot ihm einen Sitzplatz an. Dann entschuldigte er sich kurz nach nebenan, um sich eine Ladung kaltes Wasser ins Gesicht zu spritzen, damit er wieder wach wurde.
Dumbledore wartete, bis Snape zurückkam, dann antwortete er auf dessen Frage. „Ja. Ich bin gerade damit fertig geworden. Kingsley wird sich um alles kümmern. Allerdings wird das noch einiges an Zeit brauchen." „Zeit? Wie viel denn? Wir haben vielleicht keine Zeit mehr! Browns Kollege wurde schon vor mehr als vierundzwanzig Stunden tot aufgefunden. Ich glaube nicht, dass sie ihn noch allzu lange am Leben lassen werden, sofern er es überhaupt noch ist!"
„Das weiß ich, Severus. Bitte beruhige dich! Du kannst nicht mehr tun, das weißt du."
„Ich bin ruhig!", schnaubte Snape, während seine Finger auf die Lehne seines Sessels trommelten. Es gefiel ihm ganz und gar nicht, dass die Auroren erst in ein paar Stunden würden zuschlagen können.
„Severus?" Albus sah den Jüngeren über seine Brillengläser hinweg forschend an. „Was?", entgegnete dieser daraufhin unwirsch und sah ihn an. „Ich möchte dich wirklich bitten, keinen Unsinn zu machen." „Ich mache keinen Unsinn!" „Das hoffe ich. Kingsley wird schon das Richtige tun. Dich brauche ich noch an anderer Stelle." Daraufhin erhob sich Dumbledore und stich seine voluminösen Roben glatt. „Ich werde dich auf dem Laufenden halten, Severus. Es wird bestimmt alles ein gutes Ende nehmen!"
Snape kommentierte die Worte des Schulleiters nur mit einem Schnauben. Er selbst war sich da keineswegs sicher, dass es ein gutes Ende nehmen würde und es wurmte ihn, dass er nun nichts mehr tun konnte als warten und das obwohl er genau wusste, wo sich David höchstwahrscheinlich befand. Natürlich war ihm bewusst, was für eine wichtige Aufgabe er an Dumbledores Seite noch zu erfüllen hatte, aber sollte er dafür untätig bleiben, wenn womöglich sein Schwager ermordet wurde? Unzufrieden mit der Situation erhob sich Snape, als Dumbledore gegangen war ebenfalls, und ging zunächst einmal duschen. Vielleicht würde er danach wieder auf andere Gedanken kommen können.
Doch dem war nicht so. Snape versuchte zwar, sich nach dem Duschen und Frühstücken mit Korrekturen abzulenken, aber er konnte sich nicht konzentrieren. Immer wieder wanderten seine Gedanken zu David und damit auch zu Amanda und Sandra, die sich womöglich auch schon fragten, wie lange es wohl noch dauern würde, bis sie Nachricht über Davids Verbleib und Wohlergehen bekommen würden. Ob er Dumbledore wohl davon überzeugen würde können, dass er sie besuchen gehen wollte? Grübelnd tippte Snape mit seiner Feder auf einem Pergament herum, dann legte er sie beiseite und räumte seine Arbeit zur Seite. Er würde es auf einen Versuch ankommen lassen. Alles war gerade besser als allein herumzusitzen.
Kurze Zeit später war er auch schon auf dem Weg hinaus, in Richtung der winterlichen Ländereien. Er hatte Dumbledore dazu überreden können, ihm zu erlauben, Amanda besuchen zu dürfen. Allerdings hatte er ihm dafür hoch und heilig versprechen müssen, auch wirklich nichts Verräterisches zu Davids Befreiung beizutragen. Das war etwas, was er ihm ohne weiteres hatte versprechen können. Snape hatte selbst nicht vor, seine Tarnung für David auffliegen zu lassen und damit wahrscheinlich auch gleich sein Leben zu verlieren. Dennoch war er im Begriff, sich nicht nur deshalb zu Amanda zu begeben, nur um ihr und Sandra Trost und Zuspruch zu spenden, sondern weil es von dort aus auch ohne weiteres möglich war, spontan irgendwo anders hinzugehen.
Bei dem Klingeln zuckte Amanda zusammen und eilte zur Tür. Auch wenn es mitten am Tag war, war Sandra gerade auf dem Sofa eingeschlafen und sie war mit den Kindern nach oben gegangen. So beeilte sie sich die Tür zu öffnen. „Severus!", begrüßte sie ihn aufgeregt. „Was gibt es?", wollte sie gleich wissen. „Hallo", begrüßte der sie zunächst und trat ins Haus. Während er seinen Winterumhang ablegte, antwortete er jedoch auch auf Amandas Frage. „Nichts Neues. Ich bin nur gekommen, weil mir das untätige Warten in Hogwarts langsam ziemlich auf die Nerven geht." Amanda seufzte. „Ach so. Wie lange kannst du denn bleiben und was passiert denn nun? Oder passiert gar nichts?"
„Ich weiß nicht wie lange. Wir werden sehen... Und ich hoffe doch, dass etwas passiert. Dumbledore hat seine Kontakte zu den Auroren spielen lassen. Angeblich werden sie sich sobald wie möglich um das Problem kümmern. Wann das aber genau sein wird, weiß ich auch nicht." Severus beendete seine Ausführungen etwas schmallippig. Wer ihn kannte wusste, dass er mit der momentanen Lage der Dinge nicht gerade zufrieden war. Amanda nickte. „Gut, das ist wohl das Beste oder so etwas Ähnliches. Wir gehen am besten nach oben, Sandra ist gerade eingeschlafen." Begeistert hörte sie sich nicht an, aber das war wohl auch kaum zu erwarten in dieser Situation.
Severus nickte, dann folgte er ihr. Oben angekommen begrüßte er erst einmal Christopher, bevor er erneut das Wort ergriff. „Dumbledore will mir Nachricht geben, sobald er neues weiß. Ich hoffe, das wird bald der Fall sein." „Das hoffe ich auch", sagte Amanda leise, während sie sich zu den Kindern auf den Boden setzte und gleich von Isabella in Beschlag genommen wurde. Auch Severus setzte sich schließlich dazu. „Hast du ihr einen Trank gegeben, oder ist sie so eingeschlafen?"
„Sie wollte nichts, aber ich denke sie hat die ganze Nacht nicht geschlafen. Insofern…" Christopher hatte vor einigen Tagen entdeckt, dass man Sachen wiederbekam, wenn man sie Erwachsenen gab, also hielt er seinem Vater nun einen Bauklotz hin und sah ihn an.
„Hm", brummte der nur auf Amandas Worte hin, dann sah er seinen Sohn an und lächelte ein wenig. „Was ist? Bekomme ich den Blauklotz etwa?" Dann nahm er ihn entgegen, behielt ihn aber so in der Hand, dass Christopher ihn weiterhin sehen oder auch wieder ergreifen konnte.
Amanda lächelte als sie die beiden so spielen sah und beschäftigte sich dann weiter mit ihrer Nichte. Christopher sah seinen Vater kurz an und nahm dann den nächsten Holzstein, befühlte ihn kurz bevor er ihn in den Mund steckte, ihn noch mal ansah und dann wieder Severus hinhielt. Auch dieses Klötzchen nahm dieser entgegen und bedankte sich. Es war doch immer wieder interessant, an was kleine Kinder doch alles ihre Freude hatten.
„Das findet er gerade ganz toll", kommentierte Amanda das Spiel, bevor Christopher sich zu Severus beugte um den Stein wieder zu bekommen. Der lächelte und gab ihm das Holzklötzchen wieder zurück. „Ja, ich sehe schon... Das scheint ihm Spaß zu machen." Amanda nickte nur und so verliefen die nächsten Stunden überraschend friedlich und wurden nur kurz durch Alans Heimkehr von der Wochenendarbeit und Sandras Hinzustoßen zu der kleinen Spielgruppe unterbrochen. Langsam begann es draußen zu dämmern und die Kinder wurden quengelig und verlangten einen Nachmittagsimbiss.
„Soll ich uns auch gleich eine Kleinigkeit zu essen machen, während ihr hier beschäftigt seid?", wollte Snape wissen, während er schon im Begriff war, das Zimmer zu verlassen, damit die beiden Frauen in Ruhe stillen konnten. „Brauchst du nicht extra, du kannst dich auch einfach etwas ausruhen." „Es ist mir momentan eigentlich lieber, wenn ich etwas zu tun habe. Aber wenn ihr keinen Hunger habt, dann lasse ich es." Daraufhin verließ Snape das Zimmer und ging derweil nach unten. Er holte sich zunächst etwas zu trinken aus der Küche, dann ging er nach nebenan ins Wohnzimmer, wo er auf Alan traf. Dieser begrüßte Severus noch einmal und fragte ihn dann ob es bei David etwas Neues gab. Auch er machte sich natürlich Sorgen um Amandas Bruder. Snape verneinte, nachdem er sich zu ihm gesetzt hatte. „Ich hoffe aber, dass sich bald etwas tut. Meiner Erfahrung nach schwindet mit jeder Stunde auch die Chance, dass er noch am Leben ist. Auch wenn ich es ungern zugebe – vor allem vor Amanda und Miss Adams." Alan seufzte und nickte. „Das ist wohl nur allzu wahr, hoffe es ist nicht wirklich so. Traurig, dass erst so etwas passieren muss, damit wieder Zeit füreinander da ist."
„Das hoffe ich auch nicht", entgegnete Snape, dann wechselte er das Thema. „Wie geht es eigentlich ihrem Freund in Spanien?" Noch während er redete, kroch hinter Severus ein diffuser weißer Nebel durch die Terrassentür. „Gut soweit, es ist eben recht friedlich im Verhältnis zu dem wie es hier ist." Dann bemerkte Alan den seltsamen Nebel. „Das ist jetzt aber durchaus beunruhigend", sagte er und zeigte Richtung Tür.
Eigentlich hatte Severus noch etwas antworten wollen, aber als Alan etwas von beunruhigend sprach und gleichzeitig noch hinter ihn und Richtung Garten zeigte, war er alarmiert. Sofort stand er auf, drehte sich währenddessen auch schon um und zog seinen Zauberstab. Der Nebel floss währenddessen weiter durch die geschlossene Glastür und sammelte sich am Boden, bevor er sich schließlich langsam zu einem riesigen Phönix zu formieren begann. Snape seufzte leise, dann steckte er seinen Zauberstab wieder weg. „Nur ein Patronus", sagte er dann zu Alan, bevor er in Richtung Tür ging. „Ich bin kurz nebenan", fügte er schließlich noch an, dann verließ er den Raum. Der Phönix folgte ihm.
Alan runzelte die Stirn. Dass sich ein Patronus so verhielt, hatte er zuvor noch nicht gesehen. Aber er sah auch keinen Grund, warum Snape ihn anlügen sollte und in der Tat sah die Gestalt aus wie ein Patronus. Kaum hatte Snape den Raum verlassen, hörte Alan eine Stimme, die nicht zu ihm gehörte. Das Ganze war schon seltsam fand er, aber erst einmal wollte abwarten was als nächstes geschehen würde.
Es dauerte nur kurze Zeit, dann kam Snape nachdenklich aussehend wieder zurück ins Wohnzimmer, der Patronus jedoch war verschwunden. „Das war ein ungewöhnlicher Patronus", stellte Alan bei Snapes Rückkehr fest. „Von Dumbledore", entgegnete dieser nur knapp, dann sah er kurz auf die Uhr. „Ich werde jetzt mal wieder nach den anderen sehen." „Gut, hoffe es gibt gute Neuigkeiten." „Das wird sich in den nächsten Stunden noch zeigen", entgegnete Snape daraufhin nur noch, dann nickte er Alan zur Verabschiedung noch kurz zu und verließ den Raum.
Auf dem Weg nach oben griff er sich unwillkürlich kurz an den linken Unterarm. Sein Mal hatte sich in den letzten Minuten ungewöhnlich stark bemerkbar gemacht und er hoffte, dass das kein schlechtes Zeichen war. Noch wurde er nicht gerufen, aber er hatte ein ungutes Gefühl beim Gedanken daran, dass es derart ziepte und David noch nicht wieder in Sicherheit war.
Während Sandra gerade ihre Tochter mit Brei fütterte, war Amanda schon mit dem Wickeln fertig. Auch wenn sie für ihren Sohn gerade Grimassen schnitt, war Amanda eigentlich nicht danach. Severus klopfte und als er hereingebeten wurde, trat er ins Zimmer. „Ich habe gerade Nachricht von Dumbledore bekommen", begann er sofort und sah erst Sandra, dann Amanda an. Beide Frauen hielten mit ihren Tätigkeiten inne und Sandra versteifte sich unbewusst, während sie Isabella enger an sich drückte. „Was ist denn?", wollte sie wissen. „Die Auroren werden in der nächsten halben Stunde –", plötzlich brach Severus ab, schloss für einen Moment die Augen und ballte unbewusst die Linke zur Faust. Das durfte nicht wahr sein! Nicht jetzt! Doch genauso schnell wie ihn der Schmerz erfasst und überwältigt hatte, genauso schnell hatte sich Snape auch wieder unter Kontrolle. „Sie werden in der nächsten halben Stunde losschlagen", beendete er seinen Satz, dann ging er zu Amanda. Auch er musste nun gehen – und zwar schnell!
Sandra war zu erschrocken und nickte nur, während Amanda Severus Reaktion gesehen hatte und sich nun zusätzliche Sorgen machte, denn sie ahnte, was es zu bedeuten hatte. „Sei vorsichtig", sagte sie sehr leise zu ihm, als er neben ihr stand. „Immer", antwortete er ebenso leise, dann küsste er sie sanft. „Ich melde mich wieder, sobald ich kann." Dann verabschiedete er sich auch noch von Christopher. „Falls sich dein Bruder vor mir meldet, sag mir Bescheid." „Ja, natürlich."
Angespannt sah Sandra die beiden an und hoffte, dass am Ende doch alles gut werden würde, denn etwas anderes schien ihr nicht übrig zu bleiben. „Wiedersehen, Miss Adams", verabschiedete sich Severus noch von ihr, bevor er schließlich das Haus verließ. Er hätte Sandra gerne noch etwas Aufmunterndes gesagt, doch er konnte es nicht. Es wäre eine glatte Lüge gewesen zu sagen, dass ihr Freund bestimmt bald wieder heil daheim ankommen würde. Momentan hatte Snape eher die Befürchtung, dass sie alle froh sein konnten, wenn er überhaupt noch lange genug leben würde, bis die Auroren ihn befreien würden.
Snape wusste, dass er eigentlich noch einiges an Zeit hatte, bevor er dem Ruf des Dunklen Lords wirklich folgen musste. Schließlich ging dieser davon aus, dass er von Hogwarts zunächst zur Apparationsgrenze laufen musste. Daher machte er sich zunächst auf an einen anderen Ort. Er hatte die Vermutung, dass der Ruf des Dunklen Lords direkt mit Davids Verschwinden zusammenhing und wenn er Recht hatte, so war dieser spätestens dann verloren, wenn ihn seine Entführer zum Dunklen Lord geschleppt hatten. Von dort konnten ihn wahrscheinlich nicht einmal mehr die Auroren lebend zurückbringen. Daher wollte Snape lieber sicher gehen, dass David erst gar nicht bis zum Todessertreffen kommen würde.
Es war stockfinster in dem kleinen Wäldchen, in dem Snape wieder reapparierte. Schweigend und lautlos sah er sich einige Zeit um, bis er sicher war, dass ihn niemand gehört hatte und auch niemand in der Nähe war. Er zog sich die Kapuze seines Winterumhangs tief ins Gesicht. Wenn ihn hier jemand erwischen würde, wäre das gar nicht gut.
Vorsichtig und mit gezogenem Zauberstab ging er über den gefrorenen Waldboden, bemüht, keine Geräusche zu machen. Nach einigen Metern gelangte er schließlich an den Waldrand, in dessen Nähe ein kleines, schäbiges, aber beleuchtetes Häuschen stand.
Severus schlich im Schutz der Bäume noch näher heran, sodass er die Tür im Auge behalten konnte. Offenbar war noch niemand ausgeflogen, denn im Schein der Beleuchtung, welche aus einem der Fenster drang, konnte er erkennen, dass im frisch gefallenen Schnee vor der Tür keine Fußspuren zu sehen waren. Das war gut. So war die Chance, dass David lebte, durchaus noch vorhanden. Doch wo blieben die Auroren? Lange konnte er nicht mehr warten, das wusste Snape. Genauso gut wusste er, dass die Zeit, die ihm Dumbledore durch seinen Patronus mitgeteilt hatte, nun ebenfalls langsam gekommen war. Dennoch war weit und breit nichts von Kingsley und seinen Leuten zu sehen.
Es waren vielleicht ein oder zwei Minuten, die Snape noch regungslos und still an seinem Platz verharrte, als plötzlich unter leisem Knarren die Tür der Hütte einen Spalt geöffnet wurde. Severus schreckte unwillkürlich auf und seine Sinne waren wieder bis aufs Äußerte gespannt. Langsam und lautlos zog er sich noch weiter in den Schatten der Bäume zurück, sodass er ungesehen bleiben würde. Waren nun auch die Bewohner der Hütte zum Treffen gerufen worden? Und wie zum Henker sollte er eingreifen, wenn es so wäre? Wo bei Merlins Bart blieben diese verdammten Auroren, wenn man sie einmal brauchte?!
Stimmen ließen Severus die Aufmerksamkeit wieder auf die Hütte lenken. Die Tür wurde aufgerissen und ein ungepflegter älterer Mann trat hinaus. „Na los, Frank! Bring den kleinen Bastard raus! Wir wollen den Lord doch nicht warten lassen!" Ein dreckiges Lachen folgte den Worten, dann hörte man deutlich eine weitere Stimme aus dem Haus, die dem anderen antwortete und offenbar mit einer dritten Person redete. „Jaja… Ich komme ja schon! Na los, du Abschaum! Gleich hat dein letztes Stündlein geschlagen…"
„Fass mich nicht an", schnauzte David sein gegenüber verächtlich an. Es war nicht so als hätte er keine Angst, aber das mussten die ja nicht wissen. „Halt den Mund!" Mit einem Wink seines Zauberstabes verpasste sein Bewacher David einen Schlag ins Gesicht. „Na los, beweg dich!" Dann stieß er den jungen Mann vor die Tür, sodass dieser über die Stufen nach unten fiel und im Schnee liegen blieb. „Uuuups!", kam es schließlich von ihm, gefolgt von einem dreckigen Lachen, in welches der andere Mann auch sogleich einstimmte.
Snape beobachtete noch immer das Treiben an der Tür und überlegte nun fieberhaft, was er tun könnte, um den kleinen Tross noch etwas aufzuhalten. Noch immer war von den Auroren noch weit und breit nichts zu sehen oder zu hören und es war nur noch eine Frage der Zeit, bis die beiden Todesser mit David apparieren würden. David schmeckte erneut Blut und versuchte es auszuspucken. Was zum Teufel hatte er angestellt um hier zu landen, das fragte er sich immer wieder. Neben der Frage wie er wieder lebend dort weg kam.
„Na los, steh auf!" Der zuerst aus der Tür getretene Todesser trat David unsanft in die Seite und zog seinen Zauberstab. „Zum Schlafen hast du nachher noch ewig Zeit." Dann lachte er wieder boshaft. „Also Frank... Du nimmst diesen Versager da mit. Bis gleich!" „Jaja, bis gleich", entgegnete der Angesprochene, dann zog er David unsanft auf die Füße, während sein Partner schon apparierte.
Nun war es höchste Zeit, dachte sich Snape. Er konnte nicht mehr länger warten, bis die Auroren kommen würden und auch er selbst musste bald zum Treffen apparieren, sonst würde er womöglich das Misstrauen des Dunklen Lords erregen. Der verbliebene Todesser bugsierte David gerade noch ein paar Schritte weiter vom Haus weg, um apparieren zu können, während Severus unbemerkt seinen Zauberstab auf ihn richtete. Einen Moment später umschlang der Schnee die Beine des älteren Mannes so, dass er stolperte und fiel. Severus zog sich währenddessen sofort wieder hinter einen der Bäume zurück, als er den Zauber gewirkt hatte. Er hoffte, dass David nun intelligent genug war zu wissen, welche Chance sich ihm da gerade bot.
David wusste so schnell gar nicht was geschehen war und sah sich panisch um. Der Todesser war auf den Boden gerissen worden. Ohne viel nachzudenken stürzte er sich auf den Mann und riss ihm den Zauberstab aus der Hand. Er brachte gerade noch einen sehr unkoordinierten Fesselungszauber zustande, bevor er recht gedankenlos apparierte.
Snape seufzte innerlich auf als er sah, dass David begriffen hatte. Kaum war dieser verschwunden, zog auch er sich noch mehr in das Wäldchen zurück, um selbst unbemerkt apparieren zu können. dann hörte er plötzlich aus allen möglichen Richtungen Appariergeräusche. Nun war es wirklich höchste Zeit! Seine Todesser-Maske noch schnell überstreifend verschwand auch er zügig vom Ort des Geschehens.
David landete mitten auf einem verschneiten Feld und stürzte durch die Drehung des Apparierens. Er hatte keine Ahnung wo er war, doch das war erst einmal nicht wichtig. Irgendwie hatte er es geschafft dort wegzukommen, warum auch immer dieser verfluchte Todesser einfach umgefallen war. Langsam rappelte sich David wieder auf und klopfte sich den Schnee von der Kleidung, bevor er sich umsah. Doch die dunkle Umgebung gab keinerlei Aufschluss über seinen Aufenthaltsort. Er seufzte und versuchte sich zu sammeln und apparierte erneut und dieses Mal tatsächlich nach Hause. Doch dort angekommen, konnte er niemanden finden. Allerdings sah sonst in der Wohnung alles normal aus, so dass er nicht befürchten musste seine Familie wäre einem Todesserangriff zum Opfer gefallen. Außerdem, rief er sich ins Gedächtnis, wussten die Anhänger Voldemorts auch nicht wer er war. Vielleicht waren Sandra und seine Tochter bei Amanda, das wäre immerhin in jedem Fall ein sicherer Ort. Doch bevor er dorthin ging, wollte David noch einen passenderen Zauberstab holen. Dieser fremde des Todessers fühlte sich einfach zu seltsam an. Also ging er ins Schlafzimmer und suchte im Schrank seinen alten Zauberstab aus der Schulzeit hervor. Der war zwar nicht mehr der beste, aber angenehmer als der gestohlene. Einige Minuten später stand David nun vor der Tür seiner Schwester und klingelte. Amanda sprang vom Sofa auf und lief in den Flur, um die Tür schneller zu öffnen als David erwartet hatte. „Merlin sei Dank!", rief seine Schwester und fiel ihm um den Hals. „Komm schnell rein!" Kaum hatte Amanda die Worte ausgesprochen, war auch schon Sandra da und drückte ihren Freund an sich.
„Schön, dass es euch gut geht", sagte David leicht erdrückt. „Aber es tut gerade etwas weh und kalt ist es auch." Sandra lachte und weinte gleichzeitig und bugsierte David in den Flur. Es dauerte einige Zeit bis sich die Aufregung bei allen Beteiligten gelegt hatte und sie gemeinsam auf dem Sofa saßen. Amanda hatte David gerade einen schmerzstillenden Trank gegeben, denn er hatte doch einiges abbekommen in den vergangenen Tagen. Zur weiteren Stärkung stand noch Essen auf dem Herd. Zufuhr von Nahrung schien nicht die Priorität von Todessern zu sein. „Du solltest dich im Ministerium melden, David. Damit die Bescheid wissen", meinte Amanda. Ihr Bruder nickte nur und würgte den Trank hinunter. Doch eine halbe Stunde später, nachdem alle etwas gegessen hatten, folgte David ihrem Rat und somit verließen er und seine Familie Amandas Haus, damit die Zauberer des Ministeriums sie zu Hause besuchen konnten, das war bei Amanda schließlich nicht möglich. Diese hatte schon kurz nach Davids Ankunft Severus informiert und fand nun Zeit ihre beiden Eltern in Kenntnis zu setzen, um ebenfalls diesen die gute Nachricht zu überbringen.
