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LG Sirisa

52. Spurensuche

Snape kam langsam die Stufen wieder hinunter, die er so eilig erklommen hatte.

Er musterte Gina kalt.

„Schlampe!"

Gina schloss die Augen.

„Bitte Severus, ich bin auch nur ein Mensch!"

„Benehmen sich so die Menschen hier in Blankenstein?", wütete Severus.

„Ich dachte Du hättest soviel Anstand im Leib, nicht sofort wieder mit dem Erstbesten ins Bett zu steigen. Verdammt noch mal Gina, was soll das?"

„Was soll was, Severus? Ich kann mich sehr gut an das Gestammel deiner kleinen, verstörten Frau erinnern, die komplett aus der Spur geworfen war, als sie realisieren musste, dass ihr vergötterter Ehemann genauso schwanzgesteuert ist, wie jedes andere männliche Exemplar auf diesem Erdboden. Was zum Teufel bildest Du dir ein. Mir steht das gleiche Recht zu, mich zu vergnügen, wie dir. Wie viele Huren hast du dir ins Bett geholt, während Hermine hier bei mir brav studiert hat?"

FLATSCH!

Severus flache Hand hatte Ginas Wange mit einer Ohrfeige getroffen. Sie taumelte zurück, musste sich an den Vorhängen festhalten um nicht zu stürzen. Ungläubig starrte sie ihn einen Moment an. Sie hatte ihre Hand auf ihre Wange gelegt, die Severus getroffen hatte. Geschockt drehte sie sich um, rannte hinaus in den Garten.

Snape zitterte am ganzen Körper. Er spürte eine unglaubliche Wut und Hilflosigkeit in sich.

Gina und Pascal de la Mardique, der Gedanke daran brachte seine Magenwände dazu, sich umzukrempeln.

Nicht genug, dass seine Frau ihn mit seinem Schwager betrogen hatte, seine Schwester musste es auch noch mit diesem verdammten Mardique treiben. Wie tief waren die Abgründe eigentlich, die sich in diesem verfluchten Haus noch auftun würden.

Wie in Zeitlupe drehte er sich um, stieg Stufe um Stufe hinauf in die erste Etage, wo sich die Schlafräume befanden. Lucius Schlafzimmer war früher sein Gästezimmer gewesen, wenn er bei Gina übernachtet hatte. Das Lucius hier nach seiner Hochzeit mit Gina eingezogen war, hatte ihn gleichermaßen amüsiert wie verärgert. Amüsiert deshalb, weil Lucius brav den Platz einnahm, den Gina ihm zuwies, denn trotz ihrer angeblich so großen Liebe wollte sie ihn dann doch nicht rund um die Uhr an ihrer Seite haben.

Dass er sein Bett in Ginas Haus nun ausgerechnet an Lucius Malfoy abtreten musste, hatte Snape etwas verstimmt und er musste sich hart zusammennehmen, dass man ihm diese alberne Eifersucht nicht ansah, zumal Gina bald drauf für seiner Frau im Erdgeschoss ein wirklich sehr großzügiges und hübsches Zimmer eingerichtet hatte.

Doch dass jetzt Pascal de la Mardique in diesen Kissen lag, das empfand er als Schlag ins Gesicht.

Er stieß die Tür zu Lucius Schlafzimmer mit einer solchen Wucht auf, dass die Tür krachend an die Wand schlug und wieder zurückschwang.

Pascal aus dem Schlaf gerissen fuhr hoch und brauchte einen Moment um zu realisieren, dass er sich einem wutschnaubenden Severus Snape gegenüber sah.

Hektisch zog er die Bettdecke über sich, als fürchtete er, Snape könne ihn mit einem Fluch an seinen empfindlichsten Teilen treffen.

„Raus hier, Merdique!" zischte Snape mit vor unterdrückter Wut zitternder Stimme.

„Raus hier, oder ich vergesse mich!"

„Severus, ich… Gina….deine Schwester… es war nicht meine Idee!", stammelte Pascal und überlegte verzweifelt, wo er seinen Zauberstab abgelegt hatte.

„Anscheinend stand ihr mal der Sinn nach Abschaum!", fauchte Snape. „Ich hatte gehofft dich nie wieder zu sehen, Du eitler Fatzke. Wenn Du glaubst Du könntest dein angekratztes Image auf Kosten meiner Schwester wieder aufpolieren, dann hast Du dich getäuscht!"

Drohend hatte sich Snape vor dem Bett aufgebaut und zielte mit seinem Zauberstab auf Pascal.

„Severus, zum hundertsten Mal, es war ein Unfall damals. Niemanden hat Veroniques Tod mehr getroffen als mich!"

„Erzähl mir keine Märchen, Du hast sie deiner verdammten Eitelkeit geopfert. Warum hast Du sie nicht einfach weiter mit dem Wolfsbanntrank versorgt. Aber nein, du musstest an ihr herumexperimentieren. Und nun raus hier, sonst könnte es sein, dass Du auch zu einem Unfallopfer werden könntest."

Pascal raffte hektisch seine Kleider. „Ich hoffe Du erlaubst dass ich mich anziehe. Ich möchte nicht nackt auf die Strasse laufen müssen!"

„Du hast 30 Sekunden!" knurrte Snape, drehte sich um und begann die Türen von Lucius Kleiderschrank aufzureißen und den kompletten Inhalt auf den Boden zu schmeißen.

Noch während Pascal in seine Hosen sprang, begann dieser den Rückweg anzutreten. Keine Sekunde länger als nötig wollte er mit Snape in einem Raum verbringen. Dabei hätte man ihr einstiges Verhältnis fast freundschaftlich bezeichnen können. Als seine Frau vor fünfzehn Jahren von einem Werwolf gebissen wurde, da war ihm Severus Snape als Tränkemeister empfohlen worden. Verzweifelt hatten Veronique und er sich an ihn gewandt und er konnte ihnen wirklich regelmäßig mit einem eigens für Veronique abgestimmten Wolfsbanntrank helfen. Als Transformationsgenetiker hatte er all sein Können und seine Energie dann in die Forschung gesteckt, in der Hoffnung eines Tages seine Frau heilen zu können. Doch dann war es in seinem Labor zu einem schrecklichen Irrtum gekommen. Seine Frau verwechselte zwei Injektionsspritzen und setzte sich eine tödliche Dosis eines noch unerprobten Medikaments, noch ehe er eingreifen konnte. Viele seiner Kritiker, und auch Severus Snape, hatten ihn damals öffentlich beschuldigt, seine Frau als Versuchskaninchen benutzt zu haben.

Die eingeleitete Untersuchung des Ministeriums hatte ihm aber nichts nachweisen können, was nichts daran geändert hatte, dass er mit seinen Selbstvorwürfen über Veroniques Tod leben musste. Er hatte sich komplett in sich selber zurückgezogen und Jahre gebraucht, bis er in der Lage war wieder zu arbeiten. Und hier an der Zweiburgenuniversität, an der Seite von Gina Nicemeadows fand er wieder Freude und Sinnhaftigkeit an seiner Arbeit, fast glaubte er wieder an neues Lebensglück.

Und diese neue Sache mit Gina wollte er sich nicht durch Snape kaputt machen lassen. Wenn er noch mal in seinem Leben die Gelegenheit hatte, an der Seite einer solchen Frau leben zu dürfen, dann würde er bereit sein darum zu kämpfen. Und was war sie vor eine Frau. Trotz seines Ärgers und des Schocks über Snapes Verhalten drängten sich die Erinnerungen an den Sex mit Gina wieder in sein Bewusstsein und als er die Strasse zu seiner Wohnung hinunterlief, da pfiff er eine kleine vergnügte Melodie vor sich hin.

Snape hingegen zerlegte Lucius Zimmer in der Zwischenzeit in seine Einzelteile. Er suchte in den Taschen seiner Anzüge, zwischen den gebügelten Hemden und der Unterwäsche genauso, wie unter der Matratze und hinter den Schränken. Doch er fand einfach nichts. Selbst die Lampenschale hatte er von der Decke gehext und sie untersucht. Letztlich sah das Zimmer aus wie ein Schlachtfeld, doch das Ergebnis seiner Suche war gleich Null.

Wütend über sich selber, über das unbefriedigende Resultat und noch immer wütend über Gina, rauschte er die Treppe hinunter. Wo sollte er noch suchen und wo zur Hölle war Gina?

Mit energischen Schritten ging er hinaus in den Garten, der inzwischen im Stockdunklen lag.

Am Ende des parkähnlichen Geländes sah er Licht in der Gartenhütte brennen.

Ja natürlich, Lucius Werkstatt, wenn man seine dilettantisch eingerichtete Bastelbude so nennen wollte, dachte Snape verächtlich.

Kurz drauf hatte er das Häuschen erreicht und riss gewohnt schwungvoll die Tür auf.

„STUPOR!" ein roter Blitz verfehlte ihn nur knapp und traf mit Gewalt die Türzarge, von der sofort mit einem ungesunden Geräusch ein großes Stück Holz absprang.

„GINA VERDAMMT!"

Gina funkelte ihn aus ihren grünen Augen böse an. „Wenn ich gewollt hätte, dann wärst Du jetzt tot!" Sie stand vor der Werkbank und trug noch den seidigen Kimono. Ihre rechte Hand hielt den Zauberstab aus Ebenholz fest umklammert.

Es zuckte in Snapes Händen, ebenfalls nach seinem Zauberstab zu greifen.

„Denk nicht mal dran, Bruder!" Das letzte Wort verächtlich betonend starrte sie ihn voller Trotz an. „Erinnere dich, was mein letzter Expelliarmus angerichtet hat!"

Ihre Stimme war eine einzige, eisige Drohung.

„Du bedrohst mich?", fragte Snape kalt.

„Gestatte mir die Gegenfrage, bist Du gekommen um mich wieder zu schlagen?" Obschon Gina barfuss in den Holzspänen stand, schien sie zu wachsen.

„Unfug!" Snapes Schultern sackten leicht herab, er machte einen kleinen Schritt zur Seite und bemühte sich, Gina nicht direkt in die Augen zu sehen. Trotz seiner Wut bekam er jetzt Gewissensbisse. Es war nicht seine Art, Frauen zu schlagen. Es war nicht seine Art Gina zu schlagen. Überhaupt war es erst das zweite Mal, dass ihm bei ihr die Hand ausgerutscht war.

Schlagartig dachte er an die Auseinandersetzung zurück, die damals zu seinem Bruch mit Gina geführt hatte. So etwas wollte er nicht wiederholen.

„Es tut mir leid!", presste er zwischen den Zähnen hervor.

„Was GENAU tut dir leid, Severus?" Gina baute sich höhnisch vor ihm auf.

„Dass du mich geohrfeigt hast? Dass du mich beschimpft hast? Dass du nicht mit meiner Kooperation rechnen kannst, wenn Du mich so behandelst wie du mich behandelst?"

Obwohl sie kleiner als er war, sah sie auf ihn herab. und man merkte ihr an, wie sehr sie ihre momentane Überlegenheit genoss.

„Warum Mardique?" fragte Snape leise.

„Er war gerade da!", gab Gina ihm kalt zur Antwort. „Es hätte heute jeder andere sein können, der einen halbwegs gesunden Eindruck gemacht hätte."

„Du empfindest nichts für ihn?", seine Stimme klang seltsam verändert, fast verletzt.

Gina lachte hart und freudlos. „Blödsinn, Sev! Das war nur Sex! Er ist mir gerade über den Weg gelaufen als ich Lust dazu hatte. Mach da nicht so eine Sache raus. Und überhaupt, wem bin ich denn noch verpflichtet außer mir selber!"

„Aber ausgerechnet Mardique...!" Snape schüttelte angewidert den Kopf, dann blickte er Gina direkt an.

„Was ist mit Lucius? Bedeutet er dir denn gar nichts mehr?"

„Nicht mehr als jedes andere Stück Fleisch!" gab Gina frostig zurück. „Meine Solidarität dient der Sache, nicht der Rettung des neuen Traumpaares!"

Snape fasste vorsichtig mit beiden Händen das Revers von Ginas Kimono und zog es fürsorglich etwas in der Mitte zusammen. Ihr halbnackter Anblick behagte ihm nicht. Es schickte sich nicht, sie in diesem Aufzug zu sehen.

„Dann wirst Du mir trotzdem helfen, Hermine zu finden?", fragte er sie bittend.

„Was bekomme ich denn, wenn ich herausfinde wo sie hin sind?" Gina sah ihn lauernd an.

Snape zuckte hilflos mit den Schultern. „Was möchtest Du?"

Plötzlich wurde ihr Gesicht sehr weich. „Ich habe dann einen Wunsch frei!"

Er lächelte sie versöhnlich an. „Auch zwei, wenn es sein muss!"

„Sei nicht so leichtfertig mit deinen Versprechen!", flüsterte sie.

Sie sahen sich schweigend in die Augen.

„Du weißt wo sie sind, richtig?" Snape streichelte ihr über die Wange, die noch von seinem Schlag gerötet war.

„Richtig!" Sie lächelte ihn an. Der Brief, den sie aus der Tasche ihres Kimonos zog machte ein raschelndes Geräusch.

„Lucius hat ein Haus geerbt, schon vor Jahren. Ich wette, er ist dort." Sie gab Snape den Brief zu lesen.

„Frankreich!" sagte er nachdenklich. „Bist du dir sicher, dass sie dort sind?"

„Nein, Severus, wie könnte ich mir sicher sein, aber ich habe da so ein Gefühl!" Sie schlug nachdenklich mit dem Zauberstab in ihre Handfläche. „Und wo sollte er sonst hin! Außerdem würde das auch erklären, wieso er so unvermittelt über Geld verfügt."

„Wo hast du den Brief gefunden?" Snape sah sich in der kleinen Werkstatt um.

Gina deutete auf einen Stapel loser Papiere. „Hier zwischen seinen Plänen für die Zauberstäbe!"

Snape griff sich den losen Stapel Papier. „Ich nehme das an mich, vielleicht findet sich darin noch ein brauchbarer Hinweis!"

Gina lachte spöttisch. „Seine hingekritzelten Aufzeichnungen werden uns bestimmt nicht weiterhelfen, lass und lieber direkt aufbrechen!"

Snape schüttelte jedoch mit dem Kopf. „Nein, erst im Morgengrauen! Es ist zu gefährlich bei Neumond auf unbekanntes Terrain zu apparieren! Außerdem sollten wir uns einige Stunden vorher ausruhen!"

„Gut!" Gina nickte. „Dann gleich morgen früh!", und sie ging zur Tür hinaus.

Snape hielt sie nochmals fest und drehte sie zu sich um.

„Es tut mir wirklich leid!"

Sie sah ihn prüfend an und es war ihm kurz, als würde sie in seinen Geist eindringen.

„Ja Severus!", sagte sie da. „Ich glaube dir!"

tbc