Kapitel 35

Als Hermine und Thorin den Raum erreichten, in dem die Gemeinschaft sich den Geräuschen zufolge nach zurückgezogen hatte, fanden sie ein Bild vor, wie sie es auf der Reise häufiger gesehen hatten. Bilbo und Bombur standen an einem Kessel und waren uneins darüber, ob eine Zutat hinzugefügt werden sollte oder nicht. Aber anstatt wie sonst die Geschmacksnerven des Zwerges anzuzweifeln, war Bilbo damit beschäftigt, von ihrem kurzen Aufenthalt bei Bard zu berichten. Damit gab er Bombur reichlich Gelegenheit, beliebige Zutaten in den Eintopf zu werfen, was dieser nach einer Weile unter dem Lachen der anderen Zwerge ausnutze, um so zu tun, als ob er einfach alles in Reichweite hineinwerfen wollte, von Steinen über Besteck bis hin zu Bilbo, wobei er letztere Absicht nur mit Gesten vermittelte. Thorin räusperte sich und sofort verstummte das Lachen, als sich alle Aufmerksamkeit auf ihn richtete. Er aber sah Hermine an, die noch immer seine Hand hielt.

"Erzähl uns, wie Smaug sein Ende gefunden hat. Und sag uns, wie es jetzt weiter gehen soll, damit deine Vorhersagen nicht eintreffen", bat er sie. Dabei zog er sie an sich, sodass sie halb vor und halb neben ihm stand und er sie im Arm halten konnte, während sie sprach.

Hermine versäumte es bei ihrem Bericht nicht, den Zwergen für ihre Hilfe zu danken, da es ihnen sicher geholfen hatte, dass Smaug schon verletzt war, als er auf die Menschengruppe traf. Besonders glücklich waren die Zwerge nicht damit, dass es am Ende ein Mensch gewesen war, der Smaug getötet hatte, aber als Krieger, die sie alle in gewisser Weise waren, konnten sie den Mut und die Fähigkeiten Bards nicht einfach abtun. Und so kam Hermine schließlich auch zu ihrer Frage, deren Antwort auch Leben des Menschen verändern könnte.

"Ich habe mich gefragt, ob es möglich ist, aus Drachenhaut und Drachenschuppen Rüstungen herzustellen", begann sie und wandte sich dabei in Thorins Arm herum, sodass sie ihn ansah. Damit wollte sie nicht etwa andeuten, dass sie von vielen der anderen wusste, dass sie ganz andere Professionen als die des Schmieds verfolgt hatten.

"Lederrüstungen aus Drachenleder werden sich kaum anders verhalten als normale. Was die Schuppen betrifft..." Thorin sah an Hermines Kopf vorbei zu Balin, aber auch der alte Zwerg sah unschlüssig aus. Er erklärte den anderen auch, was Thorin von ihm wissen wollte.

"Vor langer Zeit hat eine Gruppe Zwergenkrieger schon einmal einen Drachen getötet und es ist ihnen nach mehreren Versuchen gelungen, die Schuppen zu einer Rüstung zusammenzufügen. Ihr größtes Problem war, die Schuppen zu befestigen, da die Schuppen beim Versuch, Löcher hindurch zu bohren, splitterten. Irgendwo im Berg müssten sich die Rüstungen, die sie aus den verbliebenen, nicht in den Versuchen beschädigten Schuppen gefertigt hatten, befinden, falls Smaug sie nicht gefunden und vor Wut über den Umgang mit einem seiner Artgenossen zerstört hat. Wenn wir die Rüstungen oder die Aufzeichnungen zu ihrer Entstehung finden, müssen wir nicht selbst experimentieren, um die beste Verbindung für die Schuppen zu finden." Hermine nickte verstehend.

"Theoretisch ist es also möglich. Hättet ihr dann Interesse daran, euch um Smaug zu kümmern? Es wäre Verschwendung, ihn einfach verrotten zu lassen, und solche Rüstungen dürften einiges Wert sein, nicht wahr?" Thorin sah Hermine aufmerksam an und lächelte. Es war offensichtlich, dass sie auf etwas bestimmtes hinaus wollte, aber nicht direkt fragen wollte. Kurz berührte er ihre Hand.

"Raus mit der Sprache. Wir verdanken dir viel, wir werden dir keine Bitte grundlos abschlagen." Für einen Augenblick sah es so aus, als wolle Hermine schmollen, weil er sie ertappt hatte, dann seufzte sie.

"Ich will eine Lederrüstung für Bilbo und mich und genug Drachenleder für eine weitere Rüstung für einen Menschen. Bard und sein Sohn sollten ebenfalls Rüstungen erhalten, ob ihnen Leder- oder Schuppenrüstungen nützlicher wären, wird er am besten wissen. Sofern er es sich nicht anders überlegt hat, würden wir euch den ganzen Rest überlassen, damit ihr damit tun könnt, was ihr wollt. Dabei solltet ihr aber bereit sein, Bard eine Gegenleistung zu bieten, immerhin hat er Smaug getötet und ihr könnt mit seinen Überresten eure Krieger ausstatten", gab sie dann wie gefordert ihre Gedanken und Wünsche wieder. Thorin wartete, ob jemand protestieren würde, aber seine treuen Gefährten, die kein Blatt vor den Mund nahmen, wenn ihnen etwas missfiel, nahmen wohl an, er würde richtig entscheiden. Nicht, dass sie an seiner Entscheidung etwas würden ändern können, aber sie waren viel zu vertraut, als dass dieser Umstand sie zum Schweigen bringen würde.

"Dann werden wir es so machen. Die Drachenhaut und die Schuppen werden mehr wert sein als alles, dass der Mensch sich zu fordern trauen würde", beschloss er daher. Dankbar lächelte Hermine ihn an und fragte sich, was er dazu sagen würde, wenn er wüsste, weshalb sie genug Leder für eine weitere Rüstung zurückbehalten wollte. Sollte sie doch noch irgendwann einen Weg zurück nach Großbritannien finden, würde Hatte eine Rüstung bestimmt gut gebrauchen können. Sei es, weil der Krieg noch immer tobte und er Schutz vor den Todessern brauchte, oder weil er nicht verhindern konnte, auch weiterhin in Abenteuer zu stolpern. Zu Thorins Verwunderung legte sie ihre Hand auf seine Wange und streichelte ihn, ehe sie sich vor lehnte und ihn sanft küsste. Sie wollte in Mittelerde bleiben, bei ihm, aber sie wollte sich auch verabschieden. Aber dann sprach sie weiter, als wäre nichts geschehen.

"Dann bleibt nur die Frage, ob und wie wir Smaug zurück in den Berg bekommen. Ich kann ihn nicht leichter machen, solange er durch seine Haut geschützt ist, ihr müsst ihn also entweder irgendwie hierher bekommen, oder ihn dort häuten, wo er gerade liegt. Aber bald werden die Elben hier sein, falls sie es nicht schon sind, und dann werden die Orks kommen. Habt ihr Dain schon benachrichtigt?" Balin nickte.

"Sofort, nachdem du hier aufgetaucht bist, während ihr beide noch draußen wart", spezifizierte er. "Falls die Vögel ihre Aufgabe noch beherrschen, sollte Dain morgen Abend hier eintreffen." Hermine überlegte. Im Buch waren die Orks aufgetaucht, kurz bevor der Streit zwischen Elben, Menschen und Zwergen eskalieren konnte. Das bedeutete, dass die Schlacht ebenfalls morgen Abend stattfinden würde.

"Wir müssen die Elben hinhalten, falls sie schon vorher Forderungen stellen. In der Schlacht werden wir ihre Hilfe benötigen und wenn sie bekommen, was sie verlangen, werden sie abziehen. Wir sollten aber auch verhindern, dass sie zu früh angreifen, also beleidigt sie nicht. Außerdem werde ich Bard warnen und um Hilfe bitte. Jetzt, da sie sich auf den See zurück ziehen können, haben die Menschen keinen Grund, sich an der Schlacht zu beteiligen. Sie müssen nicht um ihr Leben kämpfen, aber sollten die Orks gewinnen, würden sie zu ihren neuen Nachbarn werden, was ihnen sicher nicht gefallen würde." Hermine schluckte und senkte den Blick. "Wenn die Schlacht beginnt... Thorin..." Sie traute sich gar nicht, ihn darum zu bitten, aber sie hatte solche Angst um ihn, dass sie es wenigstens versuchen musste. "Halte dich von Azog und Bolg fern. Führe die Zwerge an, verteidige Verwunde, was auch immer du willst. Aber bitte, ich flehe dich an... zieh nicht los, um es mit den beiden aufzunehmen. Sollen sich die Elben um sie kümmern, oder eine ganze Gruppe Krieger, aber mach es nicht zu deiner Aufgabe. Und falls doch, dann lass mich nicht zurück. Ich werde es mir nie verzeihen können, wenn ich nicht alles versuchen würde, um dich zu retten, und dazu muss ich bei dir sein." Nur weil die Tränen in ihren Augen ihm verrieten, was ihre leise, stockende, aber dennoch seltsam gefasste Stimme zu verbergen suchte, gab der stolze Zwergenkönig seine Zustimmung und umschloss sie wieder mit seinen Armen. Keiner ihrer Freunde würde ihm Feigheit vorwerfen, wenn er es für sie tat, und sie alle fürchteten ebenfalls um ihn, nun da Hermine sie erneut an die mögliche Zukunft erinnert hatte. Die Möglichkeit, im Kampf zu sterben, war etwas, dem sie sich ständig stellten, aber vorher gesagt zu bekommen, dass es geschehen würde, hinterließ ein gänzlich anderes Gefühl. Wie sollte man sich einem solchen Schicksal stellen?

Jetzt, da sie nicht mehr den verborgenen, schwer zu erreichenden Hintereingang nehmen mussten, war der Weg vom Berg bis zum See und damit auch der Stelle auf etwa zwei Dritteln des Weges, an der Smaug lag, nicht mehr so weit, weshalb die Zwerge beschlossen, mit der Arbeit an dem Drachen zu beginnen, solange sie die Gelegenheit dazu hatten. Balin, Bifur, Bofur und Gloin zogen gemeinsam los und als Hermine von ihrem Ausguck gegen Nachmittag erkennen konnte, dass die Zwerge ihr Ziel erreicht hatten, murmelte sie "Finite Incantatem" und beendete damit den Schutzzauber um den Drachen herum. Da der Drache und damit auch der Schutzkreis so groß waren, war es nicht weiter schwer, sie auch aus dieser Entfernung zu treffen. Darüber, ob sie ihn anschließend auch aus der Ferne wieder würde schützen können, hatte sie sich keine Gedanken gemacht, da die Zwerge ihre Einwände nicht hatten hören wollen und es daher sowieso einerlei war. Sie würde es versuchen und wenn es nicht ging, mussten sie darauf vertrauen, dass die Menschen ihr Anrecht auf den Drachen akzeptierten.

Während sie darauf gewartet hatte, dass die Zwerge ihr Ziel erreichten, hatte sie einen Patronus zu Bard geschickt, um ihm in groben Zügen zu erklären, was sich in den nächsten Tagen ereignen würde, und bat ihn, sie wenn möglich zu unterstützen. Sie hoffte, dass seine Kinder bei ihm waren, wenn der Patronus ihn erreichte, um ihm diesen doch sehr seltsamen Boten vielleicht etwas leichter akzeptieren zu lassen.

Mit Hilfe des Fernrohrs, das Balin ihr gegeben hatte, bevor sie losgezogen waren, konnte sie beobachten, wie die Zwerge ihr Werk schließlich begannen, beobachtet aber ansonsten ungestört von den Schaulustigen aus Esgaroth. Was auch immer Bard getan oder gesagt hatte, niemand machte ihnen den Drachen offen streitig. Sie konnten wohl wirklich riskieren, ihn ungeschützt liegen zu lassen, bis sie ihre Arbeit beenden konnten, zumal es unwahrscheinlich war, dass die Menschen über geeignetes Werkzeug verfügten, um mehr tun zu können als auch Smaug einzuhaken. Die dadurch entstehenden Löcher würden die Nutzung des Leders zwar einschränken, aber allzu viel Schaden dürften sie nicht anrichten können. Hermine wurde aus ihren Überlegungen gerissen, als Bilbo angerannt kam.

"Thorin schickt mich", keuchte er außer Atem. "Du sollst sofort zum Tor kommen, die Elben haben einen Boten geschickt. Es ist der Prinz. Beeile dich, bevor Thorin etwas unüberlegtes tut." Das erklärte auch, warum Bilbo so schnell gerannt war. Nicht etwa, um Thorin einen Gefallen zu tun, sondern um Hermine die nötige Zeit zu verschaffen, eine mögliche Katastrophe zu verhindern. Elben und Zwergen konnte man einfach nicht trauen, wenn sie miteinander konfrontiert wurden.

"Danke, Bilbo. Ruh dich aus, bevor du die Treppen wieder runter gehst", riet sie ihm noch und reichte ihm außerdem das Fernrohr. Dabei grinste sie und nach ihren Worten erwiederte der Hobbit es. "Sieh den Zwergen bei der Arbeit zu, wenn dir zu langweilig wird." Und damit apparierte sie direkt zum Tor, wo Thorin schon ungeduldig wartete. Gemeinsam gingen sie hinaus und traten Legolas gegenüber, der in sicherer Entfernung zum Tor stand.

Als Legolas Hermine neben Thorin aus dem Berg kommen sah, zog er fragend die Brauen in die Höhe, ließ sich aber nicht dazu herab, seine Frage laut zu stellen. Hermine lächelte ihn an und zuckte mit den Schultern.

"Ich habe doch gesagt, ich würde nicht ohne die Zwerge gehen. Dass ihr mir nicht zugetraut habt, sie mitzunehmen, wenn ich gehe, ist euer eigener Fehler", erklärte sie ihm amüsiert. Es ärgerte sie, wenn sie unterschätzt wurde, aber sie begann, den Vorteil darin zu erkennen, und das erlaubte es ihr, den Elben damit aufzuziehen. Unter anderen Umständen hätte er womöglich mit freundlichem Geplänkel auf ihr Necken reagiert, da er die Wahrheit ihrer Worte erkannte, so jedoch neigte er nur zustimmend den Kopf. Dann fixierte er Thorin.

"Wir sind gekommen, um die Sternensteine zurück zu fordern. Euer Volk hat kein Recht, sie sein eigen zu nennen. Ihr habt die Wahl, ob ihr sie uns freiwillig überlasst oder wir sie uns holen werden. Unser Heer steht bereit, euch aus dem Berg zu vertreiben, also überlegt es euch gut." Er konnte noch hören, wie Thorin sich fragend an Hermine wandte, was den Elben irritierte, da er erwartet hatte, der Zwerg würde ihn sofort wutentbrannt fortschicken. Und dann verstand er plötzlich kein Wort mehr von dem, was die beiden besprachen.

"Was hat es eigentlich mit den Sternensteinen auf sich?", wollte Hermine nun verspätet wissen, da Legolas es erneut so klingen ließ, als ob die Zwerge die Elben bestohlen hätten. Sie blieb zwar dabei, dass sie die Elben hinhalten müssten, aber falls es stimmte, was er sagte, würden sie vorsichtig sein müssen, wenn sie künftigen Beziehungen zwischen den Völkern nicht noch weitere Steine in den Weg legen wollte.

"So genau wissen wir das auch nicht. Thranduil ist besessen von ihnen, seit er erfahren hat, dass wir sie haben", erklärte Thorin, dessen Blick von Legolas zu Hermine wanderte und dabei weich wurde. Er trat einen Schritt auf sie zu, seine Haltung machte deutlich, dass er sie an sich ziehen wollte, aber stattdessen tat er so, als wolle er trotz ihres Zaubers, um den Elben am Lauschen zu hindern, so leise wie möglich sprechen können. Was zwischen ihnen war ging den verdammten Baumprinzen schließlich nichts an. "Sie sind schon seit Urzeiten in unserem Besitz und die Elben behaupten, wir müssten sie ihnen vor Jahrtausenden gestohlen haben, da sie es für unmöglich halten, wir hätten sie rechtmäßig erwerben können." Nachdem Hermine Legolas Reaktion auf Thorins Besitz von Orcrist gesehen hatte, zweifelte sie nicht daran, dass die Elben die Wahrheit zu ihren Gunsten verschoben.

"Du solltest sie ihnen trotzdem geben, wenn wir die Schlacht überstanden haben, als Zeichen der guten Absichten und als einen Ausgangspunkt für gute Handelsbeziehungen. Aber nicht jetzt, wir brauchen ihre Hilfe einfach. Vielleicht sind sie verständig genug anzuerkennen, dass Smaug den Berg verwüstet hat und wir die Steine erst finden müssen, aber bereit sind, sie ihnen zu geben, sobald wir sie gefunden haben. Ich glaube nicht, dass es Thranduil reichen wird, um sich zurückzuziehen." Genau das sagte Thorin Legolas schließlich, der den Zwerg spöttisch ansah. Glaubten die beiden denn wirklich, sie würden ihnen so einfach vertrauen? Von Hermine, die für einen Menschen recht klug und umsichtig erschienen war, hatte er wirklich mehr erwartet.

"Dann werden wir solange warten. Ihr solltet euch also mit der Suche beeilen, sonst bekommen wir den Eindruck, dass ihr Hilfe benötigt." Es bestand kein Zweifel daran, dass sie sich dann, wenn sie die Gelegenheit hätten, weiterer Schätze bemächtigen würden, zu denen sie meinten, Ansprüche zu haben. Doch wieder reagierte Thorin nicht so wie gedacht, wenn gleich Legolas nicht sehen konnte, dass der Zwerg Hermines Hand ergriffen hatte, um sich zu beruhigen.

"Das werden wir, nur keine Sorge", stimmte er daher ruhig zu und drehte sich dann ohne Abschiedsworte um. Hermine folgte ihm, winkte Legolas aber kurz zu. Sie hoffte, sie könnten in Zukunft zumindest neutrale Bekannte sein.

Der Abend erfüllte Hermine ihren Wunschs nach Zweisamkeit endlich, denn die Zwerge hatten einige der den am Eingang nächsten Behausungen, die Hermine durch ihren Aufbau über- und nebeneinander an eine Mischung aus Reihenhäusern und Hochhäusern erinnern, durch Feuer in den Herden wohnlich gemacht, sodass sich jeder eines aussuchen konnte, um dort sein Lager aufzuschlagen. Nutzen wollte allerdings keiner die Jahrzehnte alten Decken und Matratzen, sodass sie weiterhin auf ihren Bettrollen schlafen mussten.

Nach dem Essen hatte sie den anderen gute Nacht gewünscht und sich eines der noch freien Häuser ausgesucht, ohne auf Thorin zu achten. Sie wollte ihn bei sich haben. Sie wollte ihn so sehr bei sich haben, dass sie wusste, sie würde sich die Nacht über darüber ärgern, dass sie einfach gegangen war, aber etwas hielt sie davon ab, ihn darum zu bitten, sie zu begleiten. Die Anwesenheit der anderen, die vermutlich annehmen würden, sie und Thorin würden ihre Zweisamkeit ausnutzen um Dinge zu tun, an die zu denken ihr die Röte ins Gesicht trieb. Sie musste sich allerdings eingestehen, dass sie es ihm nicht verwehren würde, falls es tatsächlich so weit kommen würde. Ihre Mutter wäre entsetzt und sie selbst wäre es ebenfalls, wenn jemand anderes ihr die Geschichte erzählen würde, aber mit seinem möglichen Tod vor Augen erschienen die Dinge in einem anderen Licht. Also ging sie einfach, um den Zwergen nichts zu reden zu geben, und sich selbst vor dummen Entscheidungen zu bewahren.

Doch nachdem sie eine Zeit, die ihr unendlich lang erschien, im Dunkeln gelegen hatte - sie hatte die Tür zum Hauptraum, in dem das Feuer brannte, geschlossen - und keine Ruhe fand, überlegte sie schon, wieder aufzustehen und Thorin zu suchen, da öffnete sich quietschend die Tür. Durch das Licht, das ihn von hinten beschien, konnte sie Thorins Silhouette problemlos erkennen, und ihr Herz schlug schneller. Er hatte sich also kein anderes Lager gesucht.

"Hermine?", flüsterte er heiser in die Dunkelheit, nachdem er die Tür wieder geschlossen hatte. Noch einmal zögerte sie. Sie könnte so tun, als würde sie schlafen, abwarten, was er dann tun würde, aber wenn er ging...

"Ich bin noch wach", sagte sie daher so plötzlich, dass sie gar nicht wirklich darüber nachgedacht hatte, was weiter geschehen würde. "Willst du... bleibst du heute Nacht bei mir?" Ihr Zauberstab war schnell gegriffen und zeigte ihm mit einem Lumos den Weg zu ihr. Neben ihrem Lager angekommen, begann er seine Schuhe und seine Rüstung abzulegen und sie kam sich dabei, ihn zu beobachten, sehr seltsam vor. Ihren Blick abwenden konnte sie aber auch nicht, und so starrte sie ihn noch an, als er bei seinem Hemd angekommen war. Schmunzelnd sah er sie an, wartete, bis sie bemerkte, dass er innegehalten hatte. Ihr Gesicht wurde heiß, aber sie senkte den Blick nicht, und so zog er schließlich auch sein Hemd aus, ehe er sich neben ihr auf dem Lager niederließ. Und weil er keine große Sache daraus machte, versuchte sie, es ihm gleich zu tun. Mit "nox" verdunkelte sich der Raum wieder.

Sie rutschte dichter an ihn heran und hob ihren Kopf, als er ihr andeutete, es zu tun, damit er seinen Arm darunter legen konnte, damit er keine Barriere zwischen ihren schuf. Ihren Kopf auf seine Schulter gebettet begannen ihre Finger wie von selbst, über seine Brust zu streichen, durch die dunklen Haare zu fahren und die ansonsten glatte Haut zu liebkosen. Es war seltsam. Sie hatte gedacht, sie würde total nervös werden, sollte einer von ihnen sich weiter entkleiden, als es sonst immer der Fall gewesen war, aber statt zu rasen schlug ihr Herz langsam und kräftig. Mit einem unbeabsichtigten, zufriedenen Seufzen schmiegte sie sich an ihn, fühlte den kräftigen Arm in ihrem Rücken, der sie an ihn drückte, und fühlte sich geborgen und zufrieden.

"Stirb nicht", murmelte sie, nicht sicher, ob sie laut genug sprach, dass er sie hören würde, aber unwillig, etwas daran zu ändern und den Moment zu zerstören. "Bei dir zu sein fühlt sich... richtig an." Besser konnte sie es nicht beschreiben. "Ich will dich nicht verlieren, ohne dich fehlt mir etwas, das haben mir die letzten Tage deutlich gezeigt", gab sie zu.

Sanft berührten seine rauen Finger ihre Wange. Fast war es zu viel für sie, die Zweisamkeit, die sich perfekt anfühlte, und der drohende Verlust am Horizont. Sie schloss die Augen im Versuch, die Tränen zurück zu halten.

"Ich kann es dir nicht versprechen, meine Hexe", gab Thorin ehrlich zu, was sie beide wussten. "Aber ich werde es versuchen. Ich habe meine Heimat zurück, jetzt will ich hier leben, mit dir an meiner Seite." Auch wenn sie es nicht sehen konnte, auch wenn es angesichts des Themas seines Todes unangemessen war, schmunzelte er. Er wusste, dass seine nächsten Worte auch sie aus den dunklen Gedanken reißen würden und stattdessen Gedanken heraufbeschwören würden, die ihr zwar peinlich wären, von denen er aber anhand ihres Verhaltens annahm, sie wären willkommen. Den Kopf hebend, damit sein Mund ihren Ohren näher wäre, sprach er mit leiser, tiefer Stimme, deren Vibrationen sie meinte, spüren zu können.

"Jetzt, da wir endlich allein sein können, werde ich mich von Azog nicht davon abhalten lassen, dir zu zeigen, was du in mir auslöst, und dir die Aufmerksamkeit zu teil werden zu lassen, die du verdienst." Dabei strichen seine Finger von ihrer Wange über ihren Hals hinab zu ihren Brüsten, wo sie kurz verweilten, ehe er die Hand sinken ließ. Die Aussage war deutlich und er wertete es als gutes Zeichen, dass Hermine nicht protestierte, sondern mit dem Spiel ihrer Finger auf seiner Haut fortfuhr.

Der nächste Tag war gezeichnet von Vorbereitungen auf die Schlacht. Waffen wurden geschärft, Thorin händigte Hermine das Mithrilhemd aus, das sie nur annahm, als er ihr versprach, Bilbo würde die erste Drachenrüstung bekommen würde, was dann auch am Abend geschah, nachdem die Zwerge gegen Mittag zurückgekehrt waren und Balin sich sofort an die Arbeit gemacht hatte. Als Bilbo sie schließlich anzog, sah sie so unauffällig aus wie jede andere Lederrüstung auch, zumindest wenn man von der rötlichen Färbung absah. Der Kitzelzauber, mit dem Hermine Bilbo daraufhin belegen wollte, schlug jedoch wie erhofft fehl und auch ein Stich mit einem spitzen Dolch war nicht mehr als ein Stoß für den Halbling. Die Rüstung war ein Erfolg und Bilbo konnte die begeisterten Zwerge nur mit Mühe davon abhalten, ihn zum Versuchskaninchen zu machen, was für ihn im besten Fall mit blauen Flecken und im schlimmsten mit blutenden Wunden geendet hätte.

Und dann überschlugen sich die Ereignisse, denn die Menschen, Zwerge und Elben trafen nahezu zeitgleich vor dem Berg ein, mit dem zusammen sie die Seiten eines Vierecks bildeten. Im Fall der Elben und Zwerge war dieses aufeinander abgestimmte Eintreffen kein Zufall, wie sie sofort zu hören bekamen, als Thorin den Berg verließ, um Dain und seine Krieger zu begrüßen.

"So sieht es also aus, wenn ihr in eurem Berg nach meinem Eigentum sucht? Ihr holt ein Heer herbei, dass euch dabei behilflich sein soll? Oder ist es doch eher seine Aufgabe, mich davon abzuhalten, mir zu nehmen, was mir gehört?" Das Elbenheer war still, während sein König sprach, rührte sich überhaupt nicht, wie aufgereihte Statuen, während die Zwerge sofort zu fluchen und schimpfen begannen. Die Menschen hingegen forderten zu erfahren, was hier vor sich ging. Bard hatte ihnen nur erzählt, dass Späher ein herankommendes Orkheer entdeckt hatten, um damit Hermines Vorwissen zu verschleiern, jetzt aber sollten sie dabei zusehen, wie Elben und Zwerge stritten? Viele waren mit ihm gekommen in der Hoffnung, sie könnten Tahl tatsächlich neu aufbauen, nicht nur Freunde und Verbündete von ihm, sondern auch Mitglieder der Stadtwache, die bisher für treu dem Bürgermeister gegenüber gehalten worden waren. Nun jedoch ergriffen sie die Gelegenheit, sich von dem egozentrischen Mann zu trennen mit beiden Händen.

Erst jetzt trat Hermine, gefolgt von Bilbo und der Gemeinschaft der Zwerge, ebenfalls aus dem Berg und blieb ungefähr dort stehen, wo sich die Mitte zwischen den drei Gruppen befanden, während Bilbo im Hintergrund blieb und die Zwerge sich zu ihren Verwandten gesellten.

"Thorin?" Sie hatten natürlich schon darüber gesprochen, dass es besser wäre, wenn sie das Reden übernahm, da sie zu keiner der Gruppen wirklich dazu gehörte und die Menschen sowieso keine Partei des momentanen Konflikts waren. Kurz war auch der Gedanke aufgekommen, Bilbo diese Rolle zu überlassen, aber bei der Vorstellung hatte er so verängstigt geguckt, dass er sie eine besseren belehrt hatte. Trotzdem, um auch Dain Eisenfuß, der von Zwergen, Kriegern und noch viel mehr von sich selbst überzeugt war, zu z eigen, dass es Thorins Entscheidung war, wandte sie sich erst an ihn. Er sah sie an, wie sie dort stand, stolz, entschlossen und mit einem ehrenhaften Ziel, und nickte lächelnd.

"Nur zu."

Hermine hatte die Aufmerksamkeit aller, die der Elben, weil sie sie als diejenige erkannten, die den Zwergen zur Flucht verholfen hatte und sie sich trotzdem durch ihre Kleiderwahl - die den Jagdanzügen der Elben glich, eigentlich aber ihre eigene, verwandelte Kleidung war - ihren guten Willen dem elbischen Volk gegenüber zu erkennen gab. Den Zwergen fiel ihre Kleidung daher natürlich entsprechend negativ auf, aber sie konnten das Vertrauen, dass Thorin in sie setzt, in dem er ihr die Verhandlung überließ, nicht ignorieren. Für den Moment würden sie es daher akzeptieren, bald jedoch würden sie Antworten und Gründe verlangen. Unter den Menschen hingegen hatte sich die geflüsterte Nachricht, dass dies die Frau sei, die Bard dabei geholfen hatte, Smaug zu töten, wie ein Lauffeuer verbreitet. Und so hörten ihr alle zu, als sie sich direkt an Thranduil wandte.

"Dein Eigentum? Sind die Zwerge etwa in den Düsterwald eingedrungen und haben beim Verlassen Dinge mitgenommen, die sie nicht auch selbst mitgebracht haben? Oder ist es ihnen gar gelungen, dich zu überfallen?" Thranduil musste nun nicht nur für sein eigenes arrogantes Verhalten gerade stehen, Hermine projizierte auch ihre Abneigung gegenüber den Malfoys auf den Elben, da die Ähnlichkeit in bestimmten Bereichen wie Aussehen und Überheblichkeit es geradezu heraufbeschwor. Daher gestand sie ihm auch keine höfliche Anrede mehr zu.

"Sag mir, wenn die Sternensteine dein Eigentum sein sollen, wie sind sie in zwergischen Besitz gelangt?" Es war wohl nur der elbischen Selbstbeherrschung verschuldet, dass Thranduil nicht auf der Stelle auf sie losging, da sie ihn entweder als Lügner oder Schwächling bezeichnet hatte, was bei den Zwergen natürlich für Erheiterung sorgte. Nur kurz blitze in Thranduils Augen der Zorn auf, ehe er sich wieder unter Kontrolle hatte.

"Die Sternensteine sind elbischer Herkunft. Kein Elb hätte sie jemals freiwillig einem Zwerg überlassen", erwiderte er mit kalter Stimme, die seinen nun wieder hochmütigen Gesichtsausdruck unterstrich. "Es ist daher mein Recht als einer der Erstgeborenen, sie von den Zwergen zurückzufordern." Er konnte sich auch einfach nicht vorstellen, dass jemand es im Angesicht des Elbenheeres wagen würde, ihm zu widersprechen. Da die Zwerge nun allerdings ebenfalls ein Heer an ihrer Seite hatten, würde ein Kampf nicht ganz so schnell ablaufen, wie ursprünglich gedacht und erhofft, aber für ihn bestand kein Zweifel daran, dass sie den zu kurz geratenen Kreaturen überlegen waren, zumal sie gerade einen langen Marsch hinter sich hatten.

"Du behauptest zwar, dass ein Elb sie nicht abgegeben hätte, beweisen kannst du es aber nicht. Wir wurden schon bei der Reise durch den Düsterwald beschuldigt, elbische Waffen gestohlen zu haben, die wir im Lager eine Gruppe Trolle gefunden haben. Kannst du beweisen, dass etwas derartiges nicht auch mit den Sternensteinen geschehen ist?", forderte sie Thranduil heraus, der darauf wie erwartet keine Antwort hatte. "Aber Thorin ist bereit, dir die Steine zu geben, als Zeichen des guten Willens und für den Neubeginn einer guten Nachbarschaft. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass ihr uns helft." Thranduil öffnete sofort den Mund um zu protestieren, aber sie redete einfach weiter.

"Es ist auch nicht so, als ob euch wirklich eine Wahl bliebe, denn der Feind gegen den ihr uns unterstützen sollt, ist nicht mehr weit. Und ich denke nicht, dass die Orks euch unbehelligt ziehen lassen, solltet ihr euch gegen den Kampf entscheiden." In dem Moment, als Thranduil verstand, dass sie sein eigenes Verhalten gegen ihn genutzt hatten, verschlug es ihm die Sprache. Er wusste nicht, ob er sie auf der Stelle hinrichten lassen und sich mit seinem Heer auf den Rückweg machen sollte, Orks hin oder her, oder ihr gratulieren sollte. Die Entscheidung wurde ihm abgenommen, als Gandalf - wie üblich zu spät - in vollem Galopp die Versammlung erreichte, wo er sein Pferd rechtzeitig vor einem Zusammenstoß mit einem stoischen Elben, der gar nicht daran dachte, aus dem Weg zu treten und damit die Formation zu zerstören, zügelte. Und anscheinend fürchtete er das, was jeder denken würde, wenn ein Heer Elben einem Heer Zwergen gegenüber stand.

"Haltet ein! Ihr dürft nicht kämpfen, Orks sind auf dem Weg hier her!" Seine Warnung wäre allerdings zu spät gekommen, wenn Hermine sie nicht schon darauf vorbereitet hätte, denn noch bevor sie Gandalf darüber aufklären konnten, dass die Zwerge nicht beabsichtigten, gegen die Elben zu kämpfen, kamen die ersten Wargreiter über einen Hügel im Südwesten angelaufen. Ihnen sollten weitere folgen, und auch aus dem Norden, auf den der Berg ihnen die Sicht versperrte, würden die Orks sie bald erreichen. Der Tag, vor dem Hermine sich gefürchtet hatte, war gekommen.