A/N: Irgendwie funktioniert fanfiction . net heute nicht :)


Hermine wollte Tonks in der Zentrale besuchen. Daher bat sie Harry, sie hinzubringen und nun saß sie hier bereits seit einer halben Stunde. Allein mit einer Person, die Hermine sehr geholfen hat, während sie unter einem furchtbaren Fluch stand.

„Hey.", sagte Emilia hinter ihr.

„Komm doch rein.", antwortete Hermine schließlich.

„Alles gut?", fragte Emilia nach einer kurzen Pause.

„Wirkt es denn so?"

„Nicht sonderlich, muss ich sagen. Aber ich denke, dass ihr das schon schafft."

„Wusstest du es denn?"

Emilia nickte, „Ich weiß es seit ein paar Wochen. Ich habe am Anfang genauso reagiert, wie ihr. Aber… Naja. Es gibt einen Grund, wieso ich möchte, dass das Kind soweit es geht von der Zentrale weg aufwächst. Sie kann einen verschlingen, wenn man nicht aufpasst."

„Aber wie willst du das bewerkstelligen? Du arbeitest hier."

„Nicht mehr lange. Ich werde Heiler im Sankt Mungos und dann sehen wir weiter. Aktuell braucht der Kampf mich, aber danach… Ich treffe schon seit langem Vorbereitungen und außer zu Notfällen werde ich auch nicht mehr alarmiert. Hoffen wir nur, dass England den Krieg übersteht."

„Wer ist denn gerade bei…"

„Jason passt auf sie auf. Ich schwöre, wenn er sie verwirrt indem er sich in mich verwandelt, ist er ein toter Mann."

Es verging ein Moment in Stille und Hermines Blick schweifte wieder auf Tonks. „Weißt du, wann man…"

Emilia schüttelte den Kopf, „Ich weiß nicht, wann sie das tun werden oder getan haben. Es ist ja nicht so, als wäre Tonks entgegenkommend was ihren Zustand angeht."

„Aber sie kann ja nichts dafür.", widersprach Hermine.

„Ich bin mir nicht sicher. Also ich gebe ihr natürlich keine Schuld aber… Es kann sein, dass sie sich versteckt, oder so etwas Ähnliches.", erwiderte Emilia.

Emilia ging ein paar Schritte in Richtung des Bettes, „Hast du ihre Akte gesehen?", fragte sie dann.

Hermine schüttelte den Kopf.

„Ich wollte sie mir eigentlich gar nicht ansehen aber… Ich bin echt ungeduldig. Vor allem, wenn es um so jemanden geht. Aber ich kann mir schon denken, was da drinnen steht. Ich habe genug Menschen gesehen, die betroffen waren. Das ist ein enormer geistiger Stress, das kann man sich nicht vorstellen.", fing Emilia an.

„Was treibt dich überhaupt hier her? Bis wir mehr wissen, wird sich hier nichts verändern.", fragte Hermine nun.

„Weißt du, normalerweise werden…", sie brach ab, denn Stimmen waren im Gang zu hören.

Hermine stand ebenfalls auf und lugte um die Ecke in die Richtung aus der die Stimmen kamen. Ein Mann mit Ballonkopf und ein relativ teuer angezogener Mann von asiatischer Abstammung.

„Wir wären soweit. Wir wissen noch nicht genau, ob die Technik funktionieren wird, doch wir sind sehr zuversichtlich. Die Angaben der Eingreifzauberer dahingehend waren nicht sehr zuverlässig.", sprach der Ballonmann und der andere nickte stumm.

„Ich muss Ihnen ja keine Achtsamkeit einbläuen. Sie wissen selbst am Besten, was geschieht, wenn Sie versagen. Sehen sie zu, dass es nicht dazu kommt.", sprach der Asiate und drehte sich prompt um.

Der Ballonmann schritt weiter auf das Tonks Zimmer zu.

„Herschel.", grüßte Emilia ihn knapp.

„Brown.", erwiderte der Mann, „Ich bin nicht sicher, was sie erwarten hier zu sehen. Aber ich kann ihnen versprechen, dass es wohl nicht viel zu sehen geben wird. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass der Zustand unserer jungen Patientin sich nach Zerstörung des Artefakts sonderlich verändern wird. Den größten Einschnitt, den wir vorgenommen haben, haben wir bereits durchgeführt, als wir die Münze aus ihrem Besitz entfernt haben."

„Aber sie bekommt doch psychiatrische Behandlung?", schnitt Hermine ein, bevor sie sich stoppen konnte, „Sie wissen ja gar nicht, wie sie sie heilen können, wenn sie sie nicht untersuchen lassen!"

Herschel wandte sich um und lächelte, doch irgendwie konnte Hermine spüren, dass er nicht unbedingt erfreut über ihren Einruf war.

„Miss Granger – ja, ich habe von Ihnen gehört – wir sind hier eine professionelle Einrichtung mit ausgebildeten Fachkräften. Zwei Bücher zu lesen wird nicht dazu führen, dass sie plötzlich eine medizinische Ausbildung haben. Wir sind hier keine Muggel. Wir nehmen unser Doktorat sehr ernst.", erklärte Herschel, sanft, aber doch sehr genervt.

Hermine zog es vor, lieber nichts zu erwidern, auch wenn sie seine Äußerung verachtenswert fand.

„Brown, könnten sie eine momentane Zustandsaufnahme durchführen?", fragte der Mann nun, und fing an, Hermine zu ignorieren.

Emilia nickte stumm und stand auf, um dem Mann zu helfen. Die ganze Sache ging still vonstatten und Hermine hatte das Gefühl, dass sie eigentlich nichts getan hatten, als Herschel wieder den Raum verließ und Emilia wieder mit Hermine allein ließ.

Emilia wandte sich ihr zu, „Sie werden es jetzt gleich machen. Das Artefakt zu zerstören wird sie wahrscheinlich ein wenig durchrütteln. Vielleicht ist es besser, wenn wir hier sind."

Es war seltsam, Tonks die ganze Zeit anzustarren und darauf zu warten, dass etwas mit ihr geschah. Viel Regung zeigte sie nicht, egal, in welchem Stadium der Prozedur man war. Einmal raste ihr Puls kurz nach oben, doch er war schon wieder normal, bevor sich irgendjemand überhaupt geregt hatte.

„Man hat ihr den Trank des lebenden Todes gegeben.", kommentierte Emilia, „Sie wird nicht aufwachen. Es ist wahrscheinlich auch besser, wenn sie es nicht tut. Wir sollten ihr ein paar Stunden Zeit geben, um sich anzupassen. Immerhin war sie ein halbes Jahr unter dem Einfluss."

„Aber ist das gut wenn sie die ganze Zeit nur mit sich ist? Es wäre vielleicht gut wenn sie jemanden sieht, den sie kennt, jetzt wo sie frei ist.", sprach Hermine.

„Aber wir wissen ja nicht, ob das eine gute Idee ist. Es kann ja gut sein dass sie gar nicht mehr aufwachen kann.", entgegnete Emilia.

Es zeigte sich bald, dass sie Unrecht hatte. Eine Erschütterung ging durch den Gang, als würde die Erde beben und irgendwo viel ein Glas herunter. Ein tiefes Grollen ging durch das Gebäude als Tonks sich plötzlich aufsetzte und keuchte.

Emilia und Hermine machten beide einen Satz, um neben ihr zu sein. Als Tonks zu würgen begann, reagierte Emilia blitzschnell und hielt ihr eine Schüssel hin, die unter dem Bett stand.

Aus einem der anderen Zimmer ertönte ein ähnliches Geräusch.

Es dauerte ein paar Momente, bis Tonks sich wieder beruhigt hatte.

„Boah mir ist schwindelig.", krächzte sie. Und das obwohl es gar nicht so lange her war, dass sie ihre Stimme verwendet hatte.

„Tonks? Brauchst du etwas? An was kannst du dich erinnern?", die Fragen drohten aus Hermine herauszubrechen, doch sie versuchte, sich zurückzuhalten.

Sie wusste natürlich, dass es ihr nicht gut ging. Und sie wollte wahrscheinlich ihr Leben zurück. Doch jetzt war die erste Priorität, dass sie wieder auf die Beine kam.

„Wasser.", krächzte Tonks darauf.

Emilia reichte ihr ein Glas von dem Beistelltisch und Tonks nippte an dem Wasser.

„Besser?", fragte Emilia langsam.

Tonks schluckte ein wenig und murmelte dann, „Nein."

„Brauchst du etwas Bestimmtes?", fragte Hermine dann, „Soll ich Remus holen oder irgendwen Anderes?"

„Auf keinen Fall.", krächzte Tonks, „Lasst mich einfach in Ruhe. Ihr könnt beide gehen."

Hermine wollte etwas sagen, doch Emilia hob die Hand. Schlussendlich sprach Emilia zaghaft, „Tonks, du bist gerade erst…"

„Es ist mir egal, okay? Geht. Haut ab. Vergammeln kann ich hier auch alleine.", zischte Tonks nun stimmlos.

Hermine wollte etwas erwidern doch Emilia griff sie lediglich am Arm und zog sie aus dem Zimmer.

„Sie hätte nicht aufwachen können sollen. Ihre Bindung zu dem Artefakt muss stärker gewesen sein, als wir gedacht hatten. Immerhin war sie mehr als ein halbes Jahr daran gebunden. Wir müssen äußerst vorsichtig sein und wir werden nicht mit ihr reden bis ein Psychiater an ihr dran war.", flüsterte Emilia Hermine leise zu.

Sie hatten von Tonks an dem Tag nichts mehr gehört. Auch nicht an dem darauffolgenden. Tatsächlich hatte sie, seitdem sie aufwachte, auch ein Monat danach noch niemand von ihnen gesehen.


Harry war noch immer in Hogwarts stationiert, unabhängig davon, ob er in Einsätzen tätig war oder nicht. Also hatte er noch immer sein Quartier. Hermine saß neben Ron auf dem Bett und sah Harry erwartungsvoll an. Sie glaubte nicht, dass er es vergessen hatte – er hatte diesen Abend das Date mit Luna Lovegood. Es war noch immer lustig, allerdings hatten sie sich inzwischen alle etwas beruhigt. Bis auf Ron, der ab und zu noch immer darüber lachte.

Harry schien kein bisschen nervös. Er war die Ruhe in Person – und das, obwohl er ein wenig ausrasten sollte. Es wäre immerhin normal.

„Was?", fragte Harry irgendwann irritiert, „Wieso starrt ihr mich an als wäre irgendwas falsch mit mir?"

Ron fuhr sich mit der Hand durch die Haare. „Also, Harry… Du hast heute Abend eine Verabredung."

„Ja und?", entgegnete Harry. Es war manchmal schwierig, mit ihm zu arbeiten.

„Du scheinst nicht aufgeregt aber… also ich finde, dass du ein wenig aufgeregt sein solltest. Für Luna und so.", entgegnete Ron.

„Also soll ich nervös sein, damit es ihr besser geht? Würde sie es nicht viel eher begrüßen, wenn ich mehr bin als ein Bündel Nerven?", erwiderte Harry ein wenig angesäuert.

Ron zuckte mit den Schultern und Harry wandte sich um. Hermine ahnte bereits, was er dachte.

„Du glaubst, dass ich das zu einfach nehme. Glaub mir, wenn ich dir sage, dass nichts einfach für mich ist.", zischte Harry, „Ich fühle mich unwohl im eigenen Körper, meine Aura wirkt anscheinend so einschüchternd, dass sich Leute spürbar unwohl fühlen und ich glaube nicht, dass es irgendjemanden freuen würde, die Hand von jemanden zu halten, der eisig kalt ist."

„Naja, es gibt immer noch Wärmezauber.", murmelte Ron hörbar.

„Sehr witzig, Ron. Aber wie ich sagte, es ist alles gut und ich bin bestens vorbereitet, Dankeschön. Mich jetzt unsicher zu machen würde nur einen Schatten auf den Abend werfen.", entgegnete Harry darauf. Er hielt kurz inne, „Der Witz war ein Versehen."

„Du siehst aber nett aus, wo hast du die Kleidung her?", fragte Hermine dann.

Es war ihr schon einige Male an ihm aufgefallen, doch sie hatte sich nie etwas dabei gedacht.

„Ich war mit Emilia einkaufen… Ist aber ein halbes Jahr her. Lustig dass dir das jetzt erst auffällt."

„Du bist meistens in Uniform.", erwiderte Hermine, „Aber wenn du nicht nervös bist, heißt das, du hast etwas vorbereitet? Und wann überhaupt?"

Harry grinste, „Also nicht nur alleine. Eigentlich hatte ich Hilfe."

„Wie hoch ist die Chance, dass du uns darüber aufklärst?", fragte Ron darauf.

„Wahrscheinlich sehr gering. Ich glaube, ihr würdet es nicht gutheißen. Immerhin sollte ich etwas Normales machen, mir ihr irgendwo hingehen und dann sehen, was passiert. Aber wieso sollte ich? Ich kann doch auch einfach dem Glück etwas nachhelfen und gleichzeitig den Leuten etas Gutes tun. Außerdem hat mich Jason ein wenig beraten."

„Harry, wie viel hast du ausgegeben?", fragte Hermine nun in einem misstrauischen Ton.

Harry grinste nur als Antwort. Ron räusperte sich und wechselte das Thema.

„Ist dein Dolch eigentlich immer noch kaputt?", fragte er und Hermine bemerkte, dass Harry etwas betreten drein sah.

„Jupp. Selbst reparieren ist schwierig, weil er aus Silber ist.", erwiderte Harry.

„Na sag das doch gleich.", meinte Ron und mit einem wortlosen Schlenker seines Zauberstabs fügten sich die Teile des Holzes zusammen und der Dolch sah aus wie neu. Harry begutachtete die Waffe mit sichtlicher Zufriedenheit. „Hält das?"

„Du bist ein Arsch. Natürlich hält das.", knurrte Ron genervt.

Harry hielt kurz inne. Es schien als wäre er eine eine Idee gekommen und dem Schalk in seinen Augen nach zu Urteilen, als er Ron ansah, verhieß es für den Rotschopf nichts Gutes.

„Und, was macht ihr, wenn ich auf einem Date bin? Ich meine, sonst habt ihr ja nichts zu tun. Und da ich weiß, dass Ron normalerweise nicht so schnell ist, gebe ich ihm mal einen kleinen Denkanstoß damit er früh genug darüber nachdenkt und nichts komplett Hirnrissiges macht."

Ron machte große Augen und Hermine wusste genau, worauf Harry hinauswollte. Sie wurde ein wenig rot, doch hielt tapfer seinem Blick stand. Mit einem Blick, der hoffentlich streng wirkte, starrte sie Harry an.

„Bitte was?", fragte Ron nun, als er seine Stimme wiedergefunden hatte.

Harry wandte sich, offenbar äußerst zufrieden, zum Spiegel, „Heute ist doch ein besonderer Tag. Harry Potter, der sonst es niemals schafft, Frauen anzusprechen, weil er in so etwas total kacke ist, hat ein Date. Sein Freund, Ronald Weasley, der wiederholt die Gelegenheit hatte und sich dann im Nachhinein beschwert – bereits zwei Mal – wenn jemand anderes schneller ist, hat heute die einmalige Gelegenheit, all das wieder gut zu machen. Und Ronald Weasley hat keine Entschuldigung. Er kann weder auf schlechten Zeitpunkt noch auf Unreife plädieren. Er ist ausgebildetes Ordensmitglied und hatte von seinem besten Freund jetzt eine ordentliche Vorwarnung erhalten. Also, was tut Ronald Weasley heute?"

Ron war sprachlos. Nicht nur das - Hermine konnte sehen, wie in dem Rotschopf alle sprichwörtlichen Zahnräder angehalten hatten und es würde vielleicht einiges an Arbeit benötigen, sie wieder in Gang zu setzen.


Sie liefen von Hogwarts aus in Richtung von Hogsmeade. Es war gar kein Wochenende, doch für Harry war das recht egal. Er hatte Dumbledore überzeugen können, dass er Luna genügend beschützen konnte. Außerdem war es eine Komplikation, dass Luna offenbar am Wochenende ein großes Malprojekt vorhatte. Und es absolut nicht verschieben konnte, da sie wohl die Thestrale malen wollte, während diese sich paarten.

Er wusste nicht so recht, wohin er mit seinen Händen sollte. Luna schritt neben ihm, mit einem kleinen Lächeln auf dem Lippen. Er wusste selbst, dass er eigentlich nur er selbst sein und damit nicht viel falsch machen konnte. Doch irgendwie war ihm ein wenig unwohl. Als würde er versuchen den Jungen zu spielen, der er vor einem Jahr gewesen war.

Ihm war bewusst, dass die Zentrale den perfekten Moment bei ihm ausgenutzt hatte. Er hatte Gehorsam und Disziplin gelernt, während er noch unter dem Einfluss der Flüche stand. Jetzt fühlte er sich wie ein Fremder in einer Welt, die ihm mal vertraut war. Er hoffte inständig, dass er keinen Schaden davongetragen hatte, doch irgendwie konnte man das nicht wissen. Aber Luna mochte ihn. Es war ihr wohl egal, ob er klar im Kopf war oder nicht – solange er nett war. Bei jedem anderen hätte er sich unwohl gefühlt, doch bei ihr wollte er sich ein wenig in das fremde Gewässer wagen.

„Du denkst zu viel nach.", meinte Luna dann plötzlich, „Die Stille ist nicht unangenehm, wenn du dich weniger auf dich und mehr auf deine Umgebung konzentrierst."

Harry musste schmunzeln, „Aber ist Stille nicht gerade deswegen unangenehm, weil man in Begleitung ist?"

„Du könntest auch aufhören zu grübeln, Harry.", erwiderte sie.

„Eigentlich fühl ich mich ja recht wohl.", gab Harry dann zu. Luna lächelte erneut.

„Das freut mich zu hören, Harry Potter. Außerdem… du musst nicht versuchen, deine Aura zu unterdrücken.", sprach sie dann an.

Sie hatte Recht. Er versuchte das schon die ganze Zeit. Es lief im Grunde genommen nur darauf hinaus, dass er versuchte, in alle Richtungen, nur nicht in ihre abzustrahlen.

„Ich wollte nicht, dass du…", setzte er an, doch er hatte eigentlich keine Ahnung, was er wollte. Vielleicht wollte er sich nicht schämen müssen.

„Es gibt bei allem gute Seiten und wenn du darüber nachdenkst, fällt dir mit Sicherheit eine ein.", sagte Luna darauf, „Und außerdem…"

Sie streifte ihren Handschuh ab und bot ihm ihre Hand an. Zögerlich ergriff er sie und sofort bemerkte er, dass ihre Hand recht warm war. Eigentlich sehr warm sogar. Es war als würden seine Finger kribbeln und die Wärme stieg in seinen Arm. Ein wohliger Schauer lief über seinen Rücken, als er bemerkte, dass er komplett aufgewärmt wurde.

„Ich würde ja fragen, wie du das machst, aber ich fürchte, die Antwort wird Magie sein.", bemerkte er fröhlich.

„Es ist in der Tat magisch. Ich wollte nur sagen, dass du dir keine Sorgen machen musst. Ich kann uns gut beide wärmen.", schmunzelte Luna darauf.


Thomas erreichte Nurmengard kurz vor Schichtwechsel.

Der Auror, der bereits seine zweite Gedächtnislöschung hinter sich hatte, grüßte ihn freundlich und machte sich auf den Weg, sich umzuziehen. Von dort aus würden sie an eine andere Stelle apparieren, von der sie ihren offiziellen Dienst beendeten.

„Du machst das jeden Tag?", fragte Emilia von hinten. Thomas seufzte. Sie hatte darauf bestanden, mitzukommen.

„Nein, nicht jeden Tag. Ich muss dir nicht erklären, wieso das wichtig ist.", sprach Thomas.

Emilia schritt an ihm vorbei und obwohl sie gerade einmal durch eines der äußeren Tore gegangen waren, schien sie sich bereits unwohl zu fühlen.

„Wie groß ist der Komplex?", fragte sie dann.

Thomas wusste es natürlich haargenau. Wenn es einen Ort gibt, der ihm vertrauter war, als alles andere, war es dieser. Grindelwald hatte hier die Versuchskinder untergebracht.

Er nahm sich dennoch einen Moment, um sich umzusehen. Man sollte meinen, dass diese dunklen, großen Mauern keine Macht mehr über ihn hätten.

„Der Komplex selber ist circa 1300 qm groß.", erwiderte Thomas ruhig.

„Und ihr…"

„Dort oben.", antwortete Thomas. „Sammelräume und Trainingslager. Unten wurden die jüdischen Magier aus dem Reichsgebiet untergebracht. Grindelwald war darauf bedacht, sie möglichst schnell zu zerstören und damit die Nester bewachen zu lassen."

Emilia schritt an der Mauer entlang.

„Und was machst du hier?", fragte sie.

Thomas sah sie an. Sie war von ihm abgewandt.

„Ich stelle sicher, dass der gesicherte Trakt, der Grindelwalds Schutzzauber beherbergt, noch intakt ist und funktioniert."

Für einen Moment herrschte Stille, bevor Thomas wieder das Wort an Emilia richtete, „Es wäre mir unbehaglich, wenn du mitkämest."


Luna hielt für einen Moment inne, bevor sie wieder anfing, zu reden. Allerdings sehr zaghaft. „Also ich möchte direkt mit dem Elefanten anfangen… Nur damit das aus der Welt ist."

„Nein, habe ich nicht.", antwortete Harry direkt und unterbrach was auch immer sie postulieren wollte, „Ich habe dich gefragt, weil ich möchte und mich bei dir am Wohlsten fühle. Die viel wichtigere Frage ist doch, wieso hast du ja gesagt?"

Sie lächelte. „Ich denke aus demselben Grund. Na dann, Harry Potter, wo gehen wir als erstes hin?"

Das stimmte Harry fröhlich. Er hatte sich Mühe gegeben, da das Leben unter der Woche in Hogsmeade doch sehr anders war als das Leben am Wochenende. Doch ein wenig Improvisation und eine kleine Spende hatte den Drei Besen nicht nur gefüllt, sondern auch mit den richtigen Leuten.

Als sie über die Türschwelle traten, funkelten Lunas Augen. Es war beinahe golden beleuchtet und voller ausgelassener Menschen. Harry wusste genau, dass die Leute hier ein wenig Abwechslung brauchen. Also hatte er die erstbeste Band herbestellt, die ihm von Jason vorgeschlagen wurde.

Man konnte Jason vieles Absprechen, aber einen guten Geschmack hatte er durchaus. Harry zog Luna an einen freien Tisch, den er für sie reserviert hatte. Harry war immerhin nicht komplett dämlich.

Als sie saßen, sah Harry, dass Luna in ihren Augen nicht nur eine Frage, sondern sogar Schock hatte.

„Du wusstest, dass die Band hier spielt?", fragte Luna neugierig.

„Öh kann man so sagen, ja.", erwiderte Harry und war ein wenig nervös.

„Hast du irgendwas gemacht?", fragte Luna nun fordernd und lehnte sich etwas nach vorn, „Sowas macht man nicht einfach so!"

Harry zuckte mit den Schultern, „Also, normalerweise nicht. Aber…", er zog eine Galleone aus seiner Tasche. Jason hatte ihm das genauso gesagt und auf erschreckende Weise leuchtete es ihm ein, „Weißt du, wie viel Wert das in ein paar Wochen noch hat? Ob wir überhaupt Zugang zu diesen Dingern haben?"

Luna schüttelte den Kopf, „Aber wenn du doch… Du könntest es außer Landes schaffen."

Harry nickte. Er hatte längst daran gedacht. Doch die einzige Möglichkeit war, all sein Geld in Muggelgeld zu verwandeln, und das war nicht einfach.

„Aber es ist doch schön, dass ich dich habe sprachlos machen können.", kommentierte er.

„Du hast mich schon oft sprachlos gemacht, Harry Potter. Du hast es nur nicht gemerkt.", erwiderte Luna und prompt wusste Harry nun nicht mehr, was er sagen sollte.


Egal, welche verschiedenen Ahnungen und Alpträume Emilia von diesem Ort hatte, sie hatte keine Ahnung, was sie oben in der Festung erwarten würde. Es sah alles normal aus. Es war dunkel und kalt, allerdings waren hier keine der üblichen Erscheinungen in der Gegenwart eines… Seelenfängers. Weder Verwesung noch die Präsenz von schwarzer Magie.

Thomas Schritte hallten durch den Treppenaufgang und Emilia folgte ihm auf dem Fuße. Es war ihm vielleicht unbehaglich doch Emilia hatte das starke Gefühl, dass es einfach nötig war, das zu sehen.

„Wurdest du je angewiesen…", setzte Emilia an, doch sie brach ab. Sie wusste nicht so recht, wie sie das formulieren sollte.

Thomas wusste aber genau, was sie meinte, „Ich habe, als sich Europa langsam aber sicher Grindelwald und den Deutschen unterwerfen musste, in einigen… Kommandos mitgewirkt."

„Kommandos?", hakte Emilia nach.

„Ich verstehe nicht, wieso du das breittreten möchtest. Ich war bei vollem Bewusstsein, als ich diese Dinge getan habe. Man hat mich nicht foltern müssen.", murmelte Thomas. Sie waren oben angekommen.

Er lehnte sich gegen die Wand und Emilia verstand nicht, wieso er sich so unwohl fühlte. Immerhin war Emilia auch nicht sonderlich unschuldig.

„Was für Kommandos, Thomas? Bitte… ich… möchte nur verstehen.", sprach sie. Sie hoffte, dass ihn das etwas entspannte.

„Du weißt, dass von Seiten der Muggel die systematische Deportation erst ein Jahr später begann. Damit du weißt, wie das einzuordnen ist… Auf dem Höhepunkt meiner eigenen Tätigkeit schien der Krieg an der Westfront schon beinahe gewonnen und Polen wurde bereits überfallen. Russen und Deutsche haben im Land gewütet und Grindelwald hatte die Chance genutzt um…", Thomas brach ab.

„Um seine eigenen Gegner frühzeitig auszuschalten.", beendete Emilia seinen Satz. Es war irgendwie klar.

Thomas nickte, „Zwei Familien, ohne Kinder, aber insgesamt 20 Personen, im Wald an der russischen Grenze. Beinahe 200 Magier aus Weißrussischen Lagern. Meistens habe ich sie nur gebunden, damit sie erschossen werden konnten. Bei anderen habe ich sie persönlich zerlegt."

Emilia nickte bedächtig. „Du standest unter magischer Beeinflussung.", erwiderte Emilia.

„Ich hätte sterben sollen. Es wäre besser gewesen, hätte man mich irgendwo zum Sterben zurückgelassen, doch ich wurde immer wieder zurückgeholt. Und irgendwann, da konnte ich es nicht mehr. Du kannst es schönreden, wie du möchtest, aber es ändert nichts an den Tatsachen."

„Tatsache ist aber auch, dass wir uns viele Dinge immer noch nicht erklären können. Und kein Schatten hat ein volles Bewusstsein. So funktionieren unsere Gehirne nicht. Selbst, wenn du unterrichtet wurdest, standest du ja trotzdem unter dem Einfluss derselben Flüche und warst daher nicht verantwortlich.", entgegnete Emilia, „Außerdem ist es lange her."

„Nicht verantwortlich? Du hast wirklich keine Ahnung, wovon du redest. Komm. Bringen wir es hinter uns."


„Du hast ja alles geplant.", bemerkte Luna, als das Butterbier gebracht wurde. Harry prostete ihr zu und nippte an seinem Bier.

Luna führte das Glas zum Mund, doch zögerte sie. Mit einem Schalk im Auge fragte sie, „Hast du auch geplant, was nach dem Date passiert?"

Prompt floss das Butterbier in den falschen Hals und Harry musste husten. Das Lachen von Luna verriet ihm, dass sie ihn wieder einmal veralbert hatte. Er wurde auch immer schlechter in sowas.

„Und du hast nicht darüber nachgedacht, deine Galleonen in Muggelgeld zu verwandeln?", fragte Luna nun.

„Den Gedanken hatte ich gerade auch noch einmal. Das ist nicht so einfach, da die Muggelwelt dahingehend total anders ist. Die Muggel verwenden Geld ohne Gegenwert und das mögen die Kobolde nicht. Kann ich auch nachvollziehen. Keine Zaubererbank die etwas auf sich hält wird einem so einfach Muggelgeld aushändigen. Und du kannst dir sicher vorstellen, was für eine Flutwelle die Kobolde lostreten würden wenn man seine Galleonen einschmelzen lässt. Ganz zu schweigen davon, dass das gar nicht funktioniert."

Luna nickte zustimmend, „Und was hast du dann vor? Sicher werden die Unsäglichen doch Geld benötigen."

Harrys Gesicht verzog sich leicht zu einer Grimasse.

„Kein schönes Thema?", fragte Luna dann, „Ist es das Geld oder die Unsäglichen?"

„Die Unsäglichen. Aber das ist auch gar nicht wichtig. Wie ist dein Schuljahr gewesen?", fragte Harry dann.

„Sehr schön bisher. Ich mochte es, dass eine Freyja da war. Das hat dem Ganzen eine neue Perspektive gegeben. Sie ist aber sehr stark im Charakter manchmal."

Nun fing auch Luna an, langsam aber sicher ihr Butterbier zu leeren.

Die Band fing an, ein etwas schnelleres Stück zu spielen und der Lärmpegel stieg ein wenig an. Jason war wirklich gut in solchen Dingen. Harry hätte absolut keine Ahnung gehabt. Doch hier, unter den ganzen Leuten, die einfach nur einen schönen Abend in Ruhe verbringen wollten, fielen weder Luna noch Harry allzu sehr auf. Und das war ja das Wichtigste.

Harry hatte es an dem Punkt geschafft, die Themen ein wenig unbelasteter zu halten. Sowohl Luna als auch er hatten eigentlich noch einiges miteinander zu klären. Doch diese Dinge betrafen den Krieg und die andere Seite und er hatte wirklich keine Lust, das zum Thema dieses Abends zu machen. Luna schien sich jedenfalls gut zu amüsieren und Harry tat es auch.

Das lag vielleicht daran, dass die morbide Faszination, die man für Luna anfangs entwickelte, sich nun in ein stilles Einvernehmen entwickelt hatte. Sie beide hatten schwierige Themen und schwierige Erfahrungen, doch das machte sie nicht komplett aus. Luna verstand das.

Sie erzählte ihm davon, dass sie ihr Haus bemalte – was Harry schon wusste – und davon, wie sie sich früher mit Ginny Streiche gegen ihre Brüder ausgedacht hatte.

Harry erzählte von einigen harmloseren Eskapaden von ihm und seinen Freunden und auch, dass er Fred und George seinen Gewinn des Trimagischen Turniers übergeben hatte.

Luna war überrascht und froh darüber. Harry musste rückblickend sagen, dass das eine der besten Entscheidungen seines Lebens war.

„Hier ihr beiden.", unterbrach Madame Rosmerta sie an irgendeinem Punkt und Harry hätte fast vergessen, dass er noch eine Kleinigkeit vorbereitet hatte.

Luna machte große Augen, als vor sie jeweils eine Schüssel Pudding gestellt wurde.

„Harry, dass… Wie kannst du überhaupt wissen, dass das mein Lieblings…", setzte Luna an, doch brach ab, und Harry war ziemlich stolz.

„Das ist das zweite Mal, dass du sprachlos bist.", nahm er zufrieden zur Kenntnis.

„Langsam glaube ich, dass du das zu einem Wettbewerb machst, Harry Potter.", entgegnete Luna mit etwas in der Stimme, dass er für Belustigung hielt.

Doch als sie aufstand, um den Tisch schritt und ihre Lippen auf seine legte, war nicht nur klar, wer gewonnen hatte.


Der Gang war kahl und leer. Aber furchtbar lang. Emilia konnte kaum das Ende ausmachen und war sich sicher, dass sie nach der Hälfte aus der Festung heraus getreten sein mussten.

Natürlich verstand sie, worauf Thomas hinauswollte. Solche Taten vergab man nicht. Doch es war Emilia auch klar, dass Thomas gar nicht ganz bei Verstand gewesen sein konnte. Außerdem hatte die Zentrale ihn ja aus guten Gründen angestellt.

„Dumbledore hatte mich gebrauchen wollen. Immerhin war ich Grindelwalds Frontsoldat. Oder zumindest einer davon. Außerdem hat meine… besondere Abstammung wohl einen gewissen Instinkt in Dumbledore geweckt.", erklärte Thomas vor ihr und Emilia runzelte die Stirn. Seine Aussage klang sehr seltsam.

„Ich bin nicht sicher, was…"

„Zwing mich bitte nicht, es dir zu buchstabieren. Das Leben ist so schon genug kompliziert, ohne über die Vorlieben alter Männer nachdenken zu müssen.", herrschte Thomas sie an. Irgendwie fand Emilia das witzig.

„Ist ja gut.", gab sie nach, „Was machst du hier jetzt eigentlich?"

Thomas seufzte, „Es gibt… bestimmte… Abläufe, die ich hier tun muss. Allerdings… Ich glaube, dass es ein wenig zu langwierig ist, um es dir zu erklären."

„Zu schwer oder zu unangenehm?", hakte Emilia nach.

Thomas seufzte schonwieder. „Grindelwalds Schutzzauber sind zwar sehr stark, und es gibt auf der Welt keine, die auf diese Art funktionieren, aber es wäre dennoch schön, wenn das Wesen, das sich hier befindet, nicht dagegen ankämpfen würde. Daher…"

„Thomas!", rief die Stimme eines Kindes. Emilia wandte ihren Kopf blitzschnell um und starrte auf den kleinen Jungen, der eine Zimmertür aufstieß.

Zu ihrem Schreck, ertönte eine zweite Stimme, aus einem der Zimmer.

„Was ist?", rief diese. Der Junge verschwand aus dem Gang und trat in das andere Zimmer hinein.

„Es ist dieser eine Tag.", murmelte Thomas von ihrer Seite, „Wenn er diesen Tag erlebt, wieder und wieder, hält es ihn vielleicht davon ab, alles zu zerstören."


A/N

Ich weiß jetzt, woran es lag: "fanfiction" . n e t entfernt alles, was ein minus ist oder auch nur im Geringsten wie ein Link aussieht.

Update 2019-05-03: Ich habe das Luna-Pudding Klischee mal drin gelassen - es hat beim Schreiben, wenn ich mich recht entsinne, doch spaß gemacht und es schadet ja keinem ;)