Kapitel 55: Zu früh gefreut…

Bella:

"Kleines, er ist gleich wieder da…Kopf hoch!" Emmets Worte hallten in meinem Kopf. Wie lange war es jetzt her, dass er mir das gesagt hatte?

Und Edward war immer noch nicht da.

Was hielt ihn denn davon ab, zu mir zu kommen?

Ich dachte, er würde mich lieben

Alice und Jasper waren inzwischen auch gekommen. Meine kleine Alice. Sie war schier ausgeflippt, als sie mich gesehen hatte. Ihre Freude war einfach ansteckend gewesen, und die bedrückte Stimmung war verschwunden.

Sie hatte mir erzählt, wie lange ich schon im Krankenhaus war, und was alles passiert war.

Und dann hatte Alice plötzlich so komisch ausgesehen. Sie war von einem Moment auf den anderen ganz ruhig geworden und starrte einfach durch mich durch. Jasper hatte sie an der Hand genommen und irgendetwas gemurmelt von, dass das alles für Alice wohl ziemlich viel war, und hatte sie aus meinem Zimmer gebracht.

Irritiert hatte ich ihm nachgeblickt. So etwas hatte Alice doch öfters. War ihm das entgangen? Aber wenn es doch mir auffiel, dann musste er als ihr Freund es doch auch schon öfters gesehen haben. Naja, Männer….die waren nicht immer die Einfühlsamsten. Ich lächelte in mich hinein.

Langsam wurde ich ungeduldig. Edward war immer noch nicht da.

„Emmet, bring den Kerl hierher, oder ich geh ihn suchen, und dann kann er was erleben!" Meine Stimme war hart.

Mein Herz verlangte nach Edward. Jede Faser meines Körpers sehnte sich nach ihm….und er war einfach nicht da. Trotzig schob ich die Unterlippe vor und starrte an die Wand.

Esme und Emmet verließen den Raum. Sie würden ihn jetzt suchen…

Vorsichtig setzte ich mich in meinem Bett auf. Ich musste herausfinden, wie mobil ich eigentlich war…und was mir noch alles weh tat. Aber es ging erstaunlich gut. Ich fühlte mich nur schwach….aber Schmerzen hatte ich eigentlich keine.

Und dann drehte ich mich um und stellte das nervende Piepen ab. Mein Herz schlug, das hörte ich selber, also brauchte diese Foltermaschine mich nicht weiter ärgern.

Ja, so fühlte ich mich doch schon ein bisschen besser…

Im Gang draußen wurden Stimmen laut. Irgendjemand diskutierte. Ich war mir nicht sicher, aber es klang nach Emmet…und da war auch Alices Stimme. Sie wussten sicher, warum Edward nicht kam.

Zaghaft setzte ich den ersten Fuß an den Boden. Ich wollte nachschauen. Was außerhalb von meinem Zimmer los war. Dann setzte ich den zweiten Fuß auf den Boden und richtete mich auf. Bis hier war alles prima.

Vorsichtig, mit einer Hand am Bett, versuchte ich mich hinzustellen…

Im ersten Moment wurde es schwarz, dann wurde mir schwindlig, und gerade als ich dachte, ich sollte mich besser wieder auf mein Bett sinken lassen, war das ungute Gefühl weg. Ich stand, und es ging mir gut.

Das Problem mit der Infusion hatte ich schon gelöst, bevor ich darüber nachgedacht hatte. Ich zog den Beutel von der Halterung und trug ihn.

Langsam, Schritt für Schritt, bewegte ich mich auf die Tür zu.

Es ging richtig gut, und ich war stolz auf mich.

Mit einer Hand stützte ich mich an der Wand ab, mit der anderen öffnete ich leise die Tür.

Ich schielte durch den Spalt und war mehr als überrascht.

Dort im Gang standen sie alle: Carlisle, Esme, Emmet, Alice, Jasper….und auch Edward.

Sie erhielten sich sehr aufgeregt. Ich sah es an ihren Handbewegungen. Die waren so schnell, ich konnte kaum mit den Augen folgen.

Ich hatte zwar gute Ohren, aber sie sprachen doch etwas zu leise. Ein paar Wortfetzen von Alice drangen bis zu mir. „Rose………….Alireza…………….Volturi………..Bella……….."

Mit diesen Worten konnte ich nicht wirklich viel anfangen…

Aber der Name Alireza weckte die Erinnerungen. Er hatte mir aus meiner Traumwelt geholfen. Dank ihm war ich wieder hier… Er hatte auch gesagt, ich würde ihn wieder sehen, wenn ich wieder wach wäre. Aber er war nicht hier.

Ich würde Edward fragen, wenn er denn endlich mal zu mir kommen würde.

Meine Ungeduld siegte, und ich öffnete die Tür ganz. Leise trat ich auf den Flur und schaute sie an.

Sie hatten mich noch immer nicht bemerkt

Wie konnten sie nur so in Gedanken versunken sein?

Es musste wirklich was wichtiges sein.

„Edward?" meine Stimme war nur ein Hauch. Ich glaubte nicht, dass er mich gehört hatte, aber ich hatte mich getäuscht. Ruckartig drehten sich sechs Köpfe zu mir um. In ihren Augen sah ich die Überraschung, aber es verlor alles an Bedeutung, als ich in die Augen meines Geliebten schauen konnte.

Seine wunderschönen Augen, in denen ich mich immer und immer wieder verlor….

„Edward!" seinen Namen auszusprechen tat so gut.

Er stand noch immer ein paar Meter von mir entfernt und starrte mich einfach nur an.

Zaghaft streckte ich ihm meine Hand entgegen….und er folgte meiner Aufforderung.

Edward:

Ich hatte auf dem Weg zum Krankenhaus Rose angerufen. Ich wollte ihr danken.

Dank ihr war Bella zurückgekommen.

Aber sie nahm das Handy nicht ab. Zuerst dachte ich mir nichts dabei und versuchte es noch ein paar Mal.

Nach dem fünften ergebnislosen Versuch fing ich mir an Gedanken zu machen.

Rose hatte ihr Handy immer bei sich….

Als ich die Etage erreicht hatte, auf der Bella lag, kamen mir Alice, Jasper und Carlisle entgegen. Ihre Blicke waren sorgenvoll, also las ich Alices Gedanken.

Was ich da sah, versetzte mir einen Stich.

Aro hatte Alirezas Erinnerungen durchforstet und wollte nun Bella sehen… Sie faszinierte ihn. Und als Druckmittel behielt er Rose.

Hinter ihnen sah ich Emmet und Esme kommen, und Alice erzählte alles in einer Kurzfassung.

„Rose hat ihn zurück nach Volterra begleitet. Aro war aufmerksam geworden und hatte seine Erinnerungen angeschaut. Sie lassen sie erst gehen, wenn wir mit Bella zu den Volturi gingen. Das ist die reinste Erpressung….aber wir müssen es tun,"

Emmet war mehrmals zwischendrin lauter geworden. In ihm brodelte der Hass gegen die Volturi. Sie hatten seine Geliebte.

„Edward?" Es war ganz leise gesprochen, aber ich hatte es dennoch vernommen. Es war die wundervolle und sanfte Stimme meines Engels.

Ruckartig drehte ich meinen Kopf in die Richtung.

Ich starrte sie nur an.

Die Überraschung lähmte mein Denken.

Hier stand sie im Flur und wollte zu mir.

Ein Glücksgefühl durchströmte mich.

Ein Kribbeln in meinem Bauch machte sich bemerkbar…

Niemals hatte ich gedacht, dass meine geliebte Bella noch einmal vor mir stehen würde.

Aber wieso stand sie überhaupt hier im Flur?

Wieso war sie nicht in ihrem Bett?

Ging es ihr schon wieder so gut? Durfte ich das schon hoffen?

„Edward!" sprach sie mich noch einmal an. Ich hatte mich einfach nicht gerührt. Sie streckte mir ihre Hand entgegen…

Es war eine Aufforderung. Ich verdrängte unser Problem einen Moment und ließ mich von meiner Liebe zu ihr überwältigen.

Meine Starre löste sich und ich ging schnell auf sie zu..

Ich schloss sie in meine Arme, und ihre Nähe berauschte mich noch immer.

Leise murmelte ich in ihr Haar:

„Bella, ich liebe dich. Du bist mein Leben. Bitte, verlass mich nie wieder!"

Ich bettel jetzt auch mal nen weng um Reviews :-) Im übrigen....vielleicht lass ich Bella doch noch sterben :-)