50. Ventrobi III
Die "Unsichtbare Hand" war schon ziemlich lange im Orbit von Coruscant. Alles war bislang nach Plan verlaufen. Kanzler Palpatine war ganz offiziell von Count Dooku und General Grievous entführt worden, um die Republik in Zugzwang zu bringen, den Separatisten Zugeständnisse zu machen. Würden die Forderungen der Separatisten, als deren Anführer Count Dooku fungierte, erfüllt werden, dann würde man den Kanzler wieder freilassen. Natürlich hatten die Jedi ihre beiden besten Männer, Anakin Skywalker und Obi-Wan Kenobi losgeschickt, um den Kanzler zu befreien. Dooku hatte gerade mit Hilfe der Macht ein riesiges Metallteil auf Obi-Wan geworfen, während sein Padawan Anakin Skywalker vehement versuchte, Dookus rote Klinge abzuwehren. Dooku bezweifelte, daß der Jedi seit ihrem letzten Duell auf Geonosis, wo Skywalker seine rechte Hand verloren hatte, wirklich so viele Kräfte hinzugewonnen hatte, wie er jetzt behauptete. Dazu wirkte Skywalker etwas schwerfällig. Erst als ein ziemlich schneller Hieb beide Hände des Count abtrennte, merkte Dooku, daß es sich bei diesem Anfangsgeplänkel wohl um eine Finte gehandelt haben musste, einem Vortäuschen von Schwäche, wo keine war. Sein rotes Lichtschwert mit dem elegant gebogenen Silbergriff fiel auf den Boden. Anakin zögerte nicht, es mit Hilfe der Macht an sich zu ziehen. Nur eine halbe Sekunde später kreuzten die rote Klinge gemeinsam mit Anakins blauer Klinge vor dem Hals des nun handlungsunfähigen, vor dem Jedi knieenden Sith-Lords.
„Töte ihn, Anakin!", hörte Dooku die vergnügt lachende Stimme seines Meisters, der gefesselt auf einem Sessel saß, der sich auf einem Podest befand, was dem Kanzler einen guten Überblick über die drei um ihn kämpfenden Männer gab. Dooku glaubte seinen Ohren und Augen nicht zu trauen. So war das nicht abgesprochen gewesen. Sollte sein Ende der eigentliche Zweck dieses ganzen Unternehmens gewesen sein? War also seine Eifersucht auf den jungen Jedi, von dessen Macht- und Schwertkünsten Darth Sidious immer wieder geschwärmt hatte, doch nicht unbegründet gewesen? „Töte ihn, mein Junge. Er ist zu stark, um am Leben gelassen zu werden", wiederholte Kanzler Palpatine seine Bitte mit etwas mehr Nachdruck. Jetzt begriff Dooku. Er hätte es wissen müssen. Er hätte Mutter Talzin glauben sollen, als diese ihm eröffnet hatte, daß sein Meister bereits nach einem neuen Schüler suchen würde. Aber was hätte eine siegreiche Talzin wirklich mit ihm vorgehabt, außer sich mit ihrem grünen Nebel an seinen Lebenskräften zu bedienen, wo sie doch Maul hatte, ihren Sohn? Nein, Dooku hätte damals auf Ventress hören sollen, als diese ihn bat, sie zur Sith-Lady, zu seiner richtigen Schülerin zu machen und mit ihm gemeinsam Sidious zu stürzen, bevor dieser ihm befahl, seine Lieblingsattentäterin auszulöschen. Er hätte vor kurzem noch auf Boz Pity eine Chance gehabt, seine vielen Irrtümer wiedergutzumachen, hätte er entgegen dem Befehl von Darth Sidious statt des schwerbeschädigten Generals Grievous einfach Asajj Ventress in seinem Raumschiff mitgenommen. „Tu es!", zischte Darth Sidious jetzt ungeduldig in Richtung Anakin. Und jetzt gehorchte ihm der Jedi. Mit Ventress' Bild vor Augen starb Count Dooku, als die beiden Lichtschwerter mit Leichtigkeit seinen Kopf vom Körper schnitten.
Darth Sidious war erleichtert, als er zusammen mit Anakin Skywalker und Obi-Wan Kenobi wieder den festen Boden Coruscants unter seinen Füßen spürte. Nicht, daß er Angst gehabt hätte, daß sein Plan schief gehen könnte oder ihm während seiner „Gefangennahme" durch General Grievous ernsthaft etwas passieren hätte können. Er war seit dem Tod Dookus vielmehr damit beschäftigt gewesen, vor seinen beiden Begleitern seine Präsenz als Sith-Lord sowie seine innere Anspannung zu verbergen, die dadurch verursacht wurde, daß er sich während seiner „Rettung" aus der "Unsichtbaren Hand" lediglich auf das Geschick und die Machtkünste der beiden Jedi und deren Astromech-Droiden R2D2 verlassen musste, anstatt in Gefahrensituationen selbst die Macht viel effizienter und intensiver zu nutzen als das offensichtlich seine beiden „Beschützer" könnten. Wie dumm, daß Anakin Skywalker damit beschäftigt war, seinen früheren Meister Obi-Wan Kenobi, den Dooku mithilfe der Macht durch herabfallende Raumschiffteile bewusstlos geschlagen hatte, zu retten und eine Zeitlang auf seiner Schulter durch den Irrgarten der "Unsichtbaren Hand" zu schleppen, anstatt sich mit ihm, seinem geliebten Kanzler, schnell aus dem Staub zu machen, womit das Ende des ohnmächtigen Kenobi besiegelt worden wäre. Das wäre ein gefährlicher Jedi weniger gewesen, mit dem später zu rechnen war. Wie lächerlich, daß die Beiden nicht in der Lage waren, den Strahlenschild, in dem Grievous sie eine Zeitlang gefangen hielt, mit Hilfe der Macht zu deaktivieren. „Das können wir doch besser", hatte Kenobi gesagt. „Offenbar nicht", war Anakins Antwort gewesen. Dabei wäre es für den obersten Sith-Lord doch so einfach gewesen, mit einer machtvollen Handbewegung diesen Strahlenvorhang zur Seite zu wedeln - freilich nicht für diese beiden Jedi. Wie demütigend, daß er, Darth Sidious, stattdessen mit ihnen in dieser Strahlenkapsel warten musste, bis R2D2 geruhte, endlich zu erscheinen, nur, damit die Vier dann doch von Kampfdroiden überwältigt und zu Grievous gebracht wurden. Er hatte den Kampf, der daraufhin im recht überschaubaren Cockpit der "Unsichtbaren Hand" hautnah um ihn herum getobt hatte, genossen. Und er war sich sicher, daß es das letzte Mal gewesen war, daß er den Durastahlgeneral direkt vor sich lebend gesehen hatte. Denn Grievous war plötzlich verschwunden. Kurz darauf wurde das Starten der Rettungskapseln vermeldet. Keine Überraschung, nachdem Sidious erlebt hatte, wie sehr Grievous den beiden Jedi unterlegen war, trotz der Unterstützung, die er von seinen Superkampfdroiden hatte.
Auch, als sie Coruscant erreicht und er endlich mit Anakin allein war, hörte die Anspannung nicht auf. Sein Schützling eröffnete ihm nun, daß Padme von ihm schwanger war. Darth Sidious hörte diese Neuigkeit mit gemischten Gefühlen. Jetzt würde sein zukünftiger Schüler noch mehr abgelenkt sein von seinem Traktorstrahl, der ihn möglichst bald auf die Dunkle Seite ziehen sollte. Und Padme entwickelte sich zu einer ernsthaften Konkurrenz zu ihm, was Anakins Zuwendung und Loyalität betraf. Sie musste bald verschwinden. Er entschied sich, damit zu warten, bis sie ihr Kind geboren haben würde. Es würde sicherlich ebenso stark in der Macht sein wie sein Vater. Und man konnte nie wissen, wofür es später noch gut sein könnte. Jetzt, wo er wieder einmal alleine war – ohne einen Schüler. Aber er spürte, daß es nicht mehr lange dauern würde, bis Anakin bereit sein würde, den toten Dooku zu ersetzen.
Dann dachte er an Maul. Der war seit seinem Anschlag auf Palpatines Büro unauffindbar. Anscheinend hatte er sich irgendwo verkrochen und leckte seine Wunden oder heckte irgendetwas aus. Und von seiner Gespielin Kilindi Matako hatte er, seit er sie damals im Senatsgebäude gesehen hatte, auch nie wieder etwas gehört. Entweder war sie mittlerweile verstorben oder aber sie hatte soviel Angst und versteckte sich so gut, daß sie nicht zu finden war, so wie es ihr auf Orsis beigebracht worden war. Zumindest gab es keinerlei Sith-Lord-Gerüchte, die an seiner Integrität als Kanzler kratzten und dabei irgendeine Spur zu Kilindi oder Maul gewiesen hätten. Sollte Maul doch ruhig im Verborgenen seine Nadelstiche setzen und weiter mit seinem Sklavenmädchen spielen – die Beiden waren für ihn und seine Pläne jetzt keine Gefahr mehr. Er dachte jetzt an Ahsoka Tano. Diese war spurlos verschwunden und Sidious stellte zu seiner eigenen Überraschung fest, daß er ein wenig traurig darüber gewesen war, als sein ehemaliger Schüler sie ihm derart brutal entrissen hatte. Wie schön sie doch ausgesehen hatte, als sie so wütend und verzweifelt wurde, während sie mit ihren beiden Klingen so hoffnungslos an den seinen festgeklebt hatte. Er würde mit diesem Bild und den damit verbundenen Gefühlen die Dunkle Seite in sich weiter nähren und sich ansonsten nicht weiter um den Verbleib der ehemaligen Padawan seines Schützlings kümmern. Diese amüsanten, aber eigentlich unwichtigen Dinge würden irgendwann schon von selbst wieder zu ihm kommen. Oder auch nicht.
Obi-Wan Kenobi war hin und hergerissen. Gerade eben hatte ihn Asajj Ventress angerufen und ihm mitgeteilt, daß die Entbindung unmittelbar in den nächsten Stunden bevorstehe, weil die Wehen eingesetzt hätten. Sie hatte ihm gestanden, daß sie alleine mit den drei Kindern nicht aus der Klinik wegkommen könne und auch gar nicht wisse, wohin mit sich und den Kleinen, da der Vater Savage Opress unter noch ungeklärten Umständen von zwei Lichtschwertern getötet worden sei und nur zwei Wochen später auch Mutter Talzin, ihre letzte Zuflucht, von den Lichtschwertern von General Grievous durchbohrt wurde. Und sie jetzt nicht mehr weiterwisse. Obi-Wan überlegte. Ja, der Bericht des CCC, wo Asajj Ventress zusammen mit dem Bruder von Darth Maul auf dem Sky-Car in Sundari gesehen worden war, kurz, bevor er getötet wurde, würde sich gut an den Anfang einer Schwangerschaft legen lassen. Aber warum war sie deshalb danach so weit weg nach Kamino geflogen, um dort zu entbinden? Nur fünf Standardminuten später kam ein Anruf von Meister Yoda persönlich. Der Kanzler der Republik hatte sich wieder einmal mit einem Spezialauftrag im Namen des Friedens an die Jedi gewandt und der Jedi-Rat hatte Obi-Wan den Auftrag erteilt, im Utapau-System General Grievous zu finden und zu töten. Eigentlich lag es auf der Hand, zuerst Grievous auszuschalten. Das war immerhin ein offizieller Auftrag vom Jedi-Orden. Andererseits war es wohl egal, ob Grievous noch ein paar Tage in irgendeiner Höhle auf Utapau vor sich hinrostete, während die Geburt von Ventress' Kindern nicht einfach aufschiebbar war. Außerdem hatte Ventress zuerst angerufen. Andererseits hatten sie in der Klinik genügend Personal und er war schließlich keine Hebamme. Und Ventress würde sich sicherlich freuen, wenn er ihr noch in der Klinik die freudige Mitteilung machen konnte, daß er General Grievous getötet hatte, der für den Massenmord an den Nachtschwestern und an Mutter Talzin verantwortlich war. Er würde somit nicht nur den Mord an ihrem Volk rächen, sondern auch ihr selbst etwas Genugtuung für die bisher erlittenen Ungerechtigkeiten und Verluste verschaffen, etwas was Asajj Ventress sich schon immer gewünscht hatte, seit sie ein Kind war. Und diese Freude würde er ihr machen und stellvertretend für sie Rache an General Grievous nehmen.
Vorher traf er sich noch mit seinem ehemaligen Padawan. „Viel Glück bei der Jagd auf Grievous, mein alter Meister", sagte Anakin. „Nur für den Fall, daß es länger dauert, bis wir uns wieder sehen: Du hättest mir damals ruhig sagen können, daß da was mit Ventress läuft, anstatt zu behaupten, du hättest nicht gewusst, was sie im Jedi-Tempel will." Obi-Wan wurde rot. „Aber das ist schon solange her. Da ist nichts zwischen mir und Ventress". „Jaja, das hast du bei Herzogin Satine auch gesagt", sagte Anakin etwas anzüglich grinsend. „Könnte es nicht sein, daß Ventress sie möglicherweise durch Maul hat umbringen lassen, um freie Bahn bei dir zu haben?" „So ein Quatsch", entrüstete sich Obi-Wan. „Darth Maul braucht bestimmt niemanden wie Asajj Ventress, um ihm zu sagen, wen er umbringen soll." „Aber Savage Opress. Überleg doch mal. Er wurde noch am selben Tag mit zwei Lichtschwertern umgebracht. Asajj Ventress hat zwei davon." Jetzt lachte Obi-Wan. „Ich glaube, du liest zu viel Klatschpresse, Anakin. Sie hat ihn geliebt. Und sie erwartet Kinder von ihm." „Woher weißt du das?", fragte Skywalker alarmiert und argwöhnisch. Jetzt wurde Obi-Wan wieder rot und war sprachlos. Da war es wieder: Das Misstrauen von Skywalker ihm gegenüber, das kurz aufflammte, um dann kurze Zeit später wieder von der Loyalität besiegt zu werden, die er gegenüber seinem ehemaligen Meister hegte. Anakin las normalerweise keine Klatschpresse. Wo hatte er wohl all dieses krude Zeug aufgeschnappt? „Zumal sie ja schon einmal auf Raydonia versucht hatte, Savage für Kopfgeld zu schnappen. Das hast du mir damals selbst erzählt. Hast du mir nicht auch auf Dathomir, als wir dort den Jedi-Mörder von Devaron suchten, gesagt, daß die Nachtschwestern die Männer umbringen, von denen sie Kinder erwarten?", bohrte Skywalker weiter. „Das wäre doch ein gutes Motiv für Ventress für einen Mord an Savage, oder?" „Aber doch nicht unmittelbar nach der Zeugung", widersprach Kenobi. „Und sie war schon auf Raydonia Savage hoffnungslos im Kampf unterlegen. Und im übrigen gibt Ventress nicht so viel auf die Gebräuche der Nachtschwestern. Und auch du solltest nicht so viel auf das dumme Geschwätz in der Presse geben. Kümmere du dich mal lieber um Padmé. Auch sie steht schließlich kurz vor der Entbindung." Anakin schaute Obi-Wan erneut zweifelnd an. Woher wusste Kenobi, daß Ventress genauso weit war wie Padme, wenn er angeblich keinen Kontakt mehr zu ihr hatte? „Das werde ich. Möge die Macht mit dir sein", sagte Anakin, bevor sich die Einstiegsluke von Kenobis Raumschiff schloß.
Es war einfach, im Utapau-System Verbündete zu finden, die ihm Grievous' Aufenthaltsort verrieten, denn der Durastahl-General war nicht nur dort bestens verhaßt. Es war nicht ganz einfach, dem von ihm verletzten General, der jetzt nur noch mit einem Arm kämpfen konnte, zu folgen, als er mit seinem Rad-Gefährt den Berg hinunterrollte. Aber schließlich gelang es Kenobi, dem General die Stahl-Brust aufzureißen und er sah lebendige Organe darin – ein Anblick der ihn befremdete und zugleich erschreckte. Als Grievous schließlich an einem von Kenobi gezielt gesetzten Blasterschuß verendete, wurde Obi-Wan beinahe übel, so unheimlich und schrecklich erschien ihm das Blendwerk aus geschmolzenen Drähten, Kabeln und dem Verbrennen natürlicher Organe im Inneren dieser Cyborg-Maschinerie. Ja, der General war einst ein natürliches Wesen aus Fleisch und Blut gewesen. Auch wenn das viele Leute nicht wahrhaben wollten. Und Kenobi ekelte es davor, diesen Tod mit einem in seinen Augen unzivilisierten Blaster seines Gegners verursacht zu haben, weil Grievous vorher sein, Kenobis, Lichtschwert außer Reichweite gekickt hatte. Dann sah er Commander Cody auf sich zukommen, sein verlorenes Lichtschwert in der Hand. „Ich schätze, das hier werdet Ihr brauchen", sagte der Klon-Kommandeur lächelnd zu Obi-Wan. „Auf den treuen Cody ist doch stets Verlaß, danke", sagte Obi-Wan noch. Aber nur eine halbe Minute später sah Kenobi die Klonsoldaten auf sich zukommen, ihre Blaster auf ihn gerichtet. „Es tut mir leid, Sir", sagte Commander Cody noch zu ihm, bevor er auf ihn zielte. Kenobi verstand nicht, was hier vorging, aber er würde schon noch herausfinden, was es mit diesem wundersamen Umschwenken der Loyalität der Klonsoldaten auf sich hatte. Vorher aber wollte er nach Kamino fliegen.
Ventress hatte bereits entbunden, als Obi-Wan in die Klinik kam. Da die Kinder sehr klein waren, hatte sie bei der Geburt so gut wie keine Verletzungen davongetragen und es ging ihr gut. Sie freute sich wirklich über den Tod von General Grievous. Wenn die Kleinen nur nicht ständig geschrien hätten. Sie konnte sich mit Obi-Wan keine fünf Minuten unterhalten. „Warum gibst du den Kleinen nicht die Brust?", wollte er wissen. „Aber ich will doch bald wieder arbeiten gehen. Und dann muß sich jemand anders um die Kinder kümmern, während ich weg bin. Da geht Stillen gar nicht. Stellt Euch mal vor, ich will gerade einen Verbrecher verhaften und mir läuft plötzlich Milch aus der Brust und versaut mir die Kleidung? Wie soll so ein Krimineller da vor mir Respekt haben? Ich hab mir eine Spritze geben lassen, die den Milchfluß stoppt. Und dann kann ich auch Fläschchen geben. Und die Hilfe, die ich später mal engagiere, kann das dann auch. Die haben hier auf Kamino sehr gute Säuglingsnahrung. Das wird schon gehen", meinte sie gequält lächelnd.
„Wollt Ihr nicht erst einmal zu Hause bleiben, wenigstens ein Jahr? Soviel ich weiß, machen das viele Mütter. Padme will das auch so machen, wenn ihr Kind da ist, hat sie mir erzählt." „Padme sitzt in irgendeinem schicken Appartment und geht hin und wieder zu irgendwelchen Senats-Sitzungen, die keine zwei Stunden dauern. Und sie hat genügend Geld beiseite gelegt. Sie hat Anakin Skywalker. Und was habe ich? Ein Raumschiff, mit dem jetzt Ahsoka Tano unterwegs ist und der Vater Savage Opress ist tot. Und ich soll mich dann zu Hause mit drei kleinen Kindern ein Jahr lang langweilen? Nein!" „Ihr habt mich", sagte Obi-Wan spontan zu Ventress, und war im gleichen Moment über diese Verbindlichkeit erschrocken. In diesem Moment rief Meister Yoda an. „Ich habe General Grievous getötet, aber kurz darauf wurde ich von meinen eigenen Klonsoldaten angegriffen. Ich sitze jetzt erst einmal fest und weiß noch nicht, wie und wann ich nach Coruscant zurückkommen kann", sagte ein etwas gehetzter Obi-Wan, darauf bedacht, daß kein Säugling oder Milchfläschchen in den Empfangs- und Sendebereich seines Komlinks geriet. „Das jetzt in der Galaxis überall passiert, vorerst bleibt, wo Ihr seid, bevor nähere Informationen wir haben", sagte Meister Yoda, bevor er die Verbindung beendete.
Kurz darauf erschien der Klinikdirektor in Ventress' Zimmer. „Möchten Sie, daß der Herr hier bleibt, während ich Euch etwas … ähmm … Heikles frage?" „Ja, gerne, ich habe keine Geheimnisse vor ihm. Er ist ein guter Freund", sagte Ventress arglos, jetzt, wo er sich ihr so selbstlos zur Verfügung gestellt hatte. „Meine Dame, unsere routinemäßigen Blutuntersuchungen haben bei Ihren Kindern ergeben, daß das Gen-Material der beiden Mädchen nur zu 30% mit denen des Jungen übereinstimmt. Bei normalen Geschwistern, die keine Zwillinge sind, wären das 60-80%. Das heißt, der Junge hat einen anderen Vater als die beiden Mädchen. Wie habt Ihr das nur geschafft?" Ventress schluckte hart. „Nun, vielleicht war die Spermaprobe verunreinigt?" „Nein, diesen Vorwurf weist unsere Klinik weit von sich!", sagte der Direktor streng, um nachzusetzen: „Allerdings müsste es sich bei den Vätern um nahe Verwandte handeln, zum Beispiel Brüder, denn sonst wären die genetischen Verschiedenheiten noch größer." Ventress war jetzt alles egal. „Ich habe den Samen des einen Bruders hier in die Klinik mitgebracht, kurz nachdem ich mit dem anderen Bruder Sex hatte. Das ist alles." Obi-Wans Augen wurden immer größer. „Würdet Ihr das auch der Zeitung erzählen, die wir gleich anrufen werden? Das würde für unsere Klinik finanziell sehr erfolgsträchtig werden und für Euch und die Kinder wird natürlich auch ein beträchtliches Honorar dabei anfallen. Bitte gebt Eure Zustimmung. Ihr werdet es bestimmt nicht bereuen. Ihr und Eure Kinder seid ein medizinisches und biologisches Wunder, das der Galaxis nicht vorenthalten werden darf." „Warum eigentlich nicht? Dann wird es zu Hause, wo immer das sein mag, bestimmt auch nicht langweilig werden", sagte Ventress fröhlich. Obi-Wan schaute noch einmal auf Ventress und ihre Kinder; den Jungen mit der gelben Haut und die beiden Mädchen mit einer Hautfarbe wie Ventress. Dann zog er es vor, zu verschwinden, als die Reporter auftauchten. „Obi-Wan", rief ihm Ventress hinterher. „Danke, daß Ihr den verdammten Blechhaufen Grievous endlich zerlegt habt." Dann lachte sie.
Ahsoka Tano musste das Kanzler-Shuttle irgendwie wieder loswerden. Solange es im Hangar auf Pleem's Nexus stand, war es keine Gefahr für sie. Aber sie wusste, daß sie damit nirgendwo landen konnte, ohne Aufsehen zu erregen. Also entschied sie sich, damit nach Tatooine zu fliegen, um es dort zu verkaufen. Der toydarianische Schrotthändler, der einst der Herr von Anakin Skywalker war, bekam riesengroße glänzende Augen, als er das Schiff sah. Er nutzte sogleich die Gelegenheit, den Verkaufspreis ziemlich zu drücken, war ihm doch bewusst, daß dieses Schiff nicht nur illegal auf Tatooine gelandet war, sondern als Ganzes auch nicht mehr weiterverkäuflich war, ohne Probleme mit dem Imperium zu bekommen. Also müsste er es zerlegen lassen und die Teile anderweitig verwenden. Das wäre zeit- und arbeitsaufwändig, was die junge Dame doch einsehen müsse. Ahsoka war froh gewesen, wenigstens genügend Credits dafür zu bekommen, um davon ein halbes Jahr lang auf Pleem's Nexus zu leben und daß sie mit einem unregistrierten Raumschiff nach Coruscant zurückfliegen konnte, um Ventress' Chryya-Flieger wieder abzuholen. Als sie an Bord eines kleinen unregistrierten Fliegers nach Coruscant geflogen war und an der Landeplattform ankam, wo Anakin Skywalker den Chryya geparkt hatte, stand er glücklicherweise noch da, wo er ihn stehengelassen hatte. Jetzt musste sie ihn nur noch nach Tatooine bringen. Ventress hatte ihr gesagt, sie solle ihn in einem bestimmten Hangar abstellen und die Schlüsselkarte dazu in einen bestimmten Briefkasten werfen. Das war alles, was sie von Ventress wußte. Also warf ihr Ahsoka ihre neue Komlinknummer in den Briefkasten. Allerdings vergaß sie, ihrer Komlinknummer die Schlüsselkarte beizulegen. Sie flog wieder nach Pleem's Nexus zurück, um dort für das Erste unbehelligt zu leben, zu arbeiten und auf einen sporadisch vorbeischauenden Maul zu warten.
