Hallo, leider ist der Sohn der Autorin dem Lateinischen nicht so gewogen! Die Implementierung des individuellen Supports, zwecks nachträglicher Akzeptanz durch die Lehrerschaft nahm und nimmt einige Zeitkapazitäten in Anspruch!
Ich bitte deshalb temporäres Versiegen des Schreibflusses höflichst zu entschuldigen!
53. Ein Kessel explodiert
Obwohl es für Snape eine Zumutung in seiner derzeitigen emotionalen Situation war, musste er weiter unterrichten. Leider hatte sich die Qualität der Schüler nicht verbessert, wie er sich alltäglich eingestehen musste, und eine Hermine Granger fand sich so leicht kein zweites Mal. Nach unten war eine Steigerung aber immer möglich, wie er an dem Beispiel Sandra Peters fast täglich sah.
Sandra Peters war für ihn die schlimmste Landplage seit Neville Longbottom. Das hatte Snape bereits in der ersten Stunde der Erstklässler im letzten Sommer festgestellt.
Die wenige Magie die ihr innewohnte hatte sie genauso wenig unter Kontrolle wie ihre Gesichtszüge, die permanent in den Ausdruck hilfloser Ahnungslosigkeit entglitten.
Trotzdem war Sandra Peters unglaublich von sich eingenommen. Nicht nur dass sie mit ihrer schrillen Stimme ständig meinte seinen Unterricht kommentieren zu müssen, nein sie war auch resistent gegen jegliche Kritik.
Sie verwechselte mit steter Regelmäßigkeit die Trankzutaten, wusste nicht wo rechts und links war und schaffte es nicht einmal ein einfaches Rezept von der Tafel abzuschreiben.
Sein Sarkasmus perlte an ihr ab wie Wasser auf Fettpapier, Strafarbeiten führte sie so fehlerhaft aus, dass er sich die Haare raufte und ihr neue Strafarbeiten aufbrummen musste, wenn er es nicht letztlich aufgegeben und sie in die Sparte „Hoffnungslose Fälle" gesteckt hätte.
Zu allem Überfluss war sie eine Slytherin und seine einzige Chance nicht übermäßig viel Punkte seinem eigenen Haus abziehen zu müssen, lag darin, sie einfach zu ignorieren um ihr keine Gelegenheit zu geben, Fehler zu machen.
Trotzdem drängte sie sich beständig vor und da in seinem Unterricht die Beteiligung der Schüler meist sehr zu wünschen übrig ließ, kam er manchmal nicht umhin, sie nach vorne an seinen Demonstrationskessel treten zu lassen um sie einfache bzw. nur die allereinfachsten Tränke unter seiner Aufsicht brauen zu lassen.
Sandra Peters Augen funkelten dann altklug hinter ihren eckigen Brillengläsern, die Oberlippe hatte sie kraus über die biberbreiten Schneidezähne ihres Oberkiefers gezogen und ihre gesamte Ausstrahlung vermittelte Triumph über den Rest der Klasse. „Seht her, ich kann es" schien sie mit ihrer Haltung auszusagen. Aber sie konnte nichts. Sie war einfach stockdumm, so stockdumm, dass sie es nicht einmal merkte.
Snape hatte in der Pause Aufsicht führen müssen. Sein verstohlener Blick ging trotz aller guten Vorsätze hinauf zu dem Gryffindor Turm und er hatte Hermine tatsächlich gesehen, die wie es ihre Art war, in der Fensternische ihres Zimmers hockte und nach draußen starrte.
Als sie ihn sah, war sie abrupt aufgestanden und die letzten Überreste seines Herzens fühlten sich herausgerissen und unter den Füßen der johlenden und Schneebälle schmeißenden Schülerschaft zerstampft.
Er war noch sehr mit seinem Schmerz beschäftigt, als er eine halbe Stunde später in den Kerker musste, um die Erstklässler und mit ihnen die fürchterliche Sandra Peters zu unterrichten.
Er fühlte sich wegen der letzten durchgrübelten Nächte kraftlos. Gina war in Blankenstein, da sie Vorlesungen halten musste und konnte ihn deshalb nicht ablenken.
Sofort war er wieder in tiefe Melancholie gefallen. Was hatte sein ganzes Tun und Handeln denn noch für einen Sinn? Er war nicht in der Lage heute etwas Anspruchsvolles zu unterrichten. Er nahm sich vor, die Klasse mit einem langwierigen aber leichten Trank zu beschäftigen. Vor allem würde er heute das Gequake von Sandra Peters nicht ertragen können.
Er schleppte sich müde zu seinem Lehrerpult und mit ihm schleppte sich sein geschundenes Herz. Er sehnte sich nach der Ruhe seiner Wohnung, nach der Abgeschiedenheit seines Labors, wo ihn alles an Hermine erinnerte und wo diese Erinnerung an sie noch so stark sein durfte, dass sich seine Gefühle unbeobachtet ihren Weg aus seinen Augen suchen konnten.
Er würde sie einen Trank gegen Kopfschmerzen brauen lassen. Das war eine gute Idee. Erst würde die lästige Horde eine Stunde Zutaten schnibbeln, dann mussten sie diese Zutaten nur in den großen Kessel werfen und die lästige Sandra Peters durfte ihn umrühren. Und er würde bei allem alleräußerste Ruhe verlangen und kein anderes Geräusch dulden als die sanften Töne der umsichtig geführten Schneidemesser.
Mit einem nachlässigen Wusch seines Zauberstabes schmiß er die Formel für den Trank an die Tafel.
Seeigelstacheln, Pottgras, Windwurz, Wieselmilz, alles einfache Zutaten mit aufwändiger Zubereitung. Er setzte sich hinter sein Pult und hielt ein Buch vors Gesicht.
Da stand auch schon Sandra Peters neben ihm, klein aber aufgeregt wie ein Legehühnchen.
„Herr Professor, Herr Professor," schräpte ihre kleine aufdringliche Stimme, „Herr Professor, wir haben nicht genug Seeigelstacheln, Herr Professor," und sie wippte altklug vor ihm auf den Fußballen.
Mit unwilligem Geknurre stand er auf. Er würde Nachschub aus seinem privaten Vorräten holen müssen.
An der Tür drehte er sich zur Klasse um. Sein Rücken war gerade, beide Beine fest in den Boden gerammt. „Keinen Mucks!" seine Stimme war eine einzige eisige Drohung. Drohung genug für alle, mit gesenktem Kopf weiterzuarbeiten. Nur die fürchterliche Sandra Peters strahlte ihn dümmlich an uns schräpte. „Herr Professor, machen wir Herr Professor"!
Nein, dieses Kind war einfach nur saudumm.
Mürrisch stapfte er in seine Wohnung und in sein Labor. Er verweilte kurz an dem Tisch, der Hermines Arbeitsplatz gewesen war, streichelte das Holz mit einer als Wischen getarnten Bewegung. Fast erlag er der Versuchung nicht zurück ins Klassenzimmer zu gehen, aber wie sollte man 28 Elternpaaren erklären dass sich ihre Kinder selber in die Luft gesprengt hatten, weil er, Severus Snape der Lehrer, nicht rechtzeitig zurück war. Und er traute Sandra Peters alles zu.
Er ging zum Vorratsregal, im unteren Fach ganz hinten an der Wand stand der Eimer mit den Seeigelstacheln. Er musste sich fast auf den Boden legen um ihn zu erreichen. Er zerrte den Eimer hervor und füllte einige Hände voll ab. Als er den Eimer dann mit einem jähzornigen Schubs zurückschleudern wollte, da verkantete er sich und viel dann um. Der nachlässig geschlossene Deckel sprang auf und die Seeigelstacheln kullerten zu Hunderten über den Boden. Ein Severus Snape ist so schon schlimm genug, aber ein Severus Snape der Seeigelstacheln mit der Hand vom Boden klauben musste, der war entsetzlich.
Wütend auf sich selber robbte er über den Boden um auch die letzten Stacheln noch einzusammeln und wie er den letzten Stachel hinter dem Schrank herzog, da sah er ein Stückchen Pergament. Nanu? Seine schlanken Finger hangelten das Papier hervor und noch bevor er die Schrift darauf gelesen hatte, wusste er, dass dies der zweite Teil von Potters Brief sein musste. Von wegen verbrannt! Er schnaubte und dann las er die Zeilen.
Ich hoffe es geht dir gut und die alte Fledermaus ist erträglich oder besser noch inzwischen am eigenen Gift erstickt.
Ich freue mich, dich endlich wiederzusehen.
Fühl dich innigst umarmt und geküsst
Harry"
…oder besser noch an seinem eigenen Gift erstickt…..
….oder besser noch an seinem eigenen Gift erstickt….
Wieso hatte sie den Fetzen nicht verbrannt. Ein hämisches Geschreibsel von Potter und sie begab sich sogar in Gefahr, dass er, die fiese Fledermaus, den Zettel finden würde. Könnte er jetzt die Zeit zurückdrehen, er hätte sie bestraft, er hätte sie bestraft so wahr er hier noch auf dem Boden hockte, zwischen den Trümmern seines Herzens.
Wie ein alter Mann stand er auf, sein Gesicht war noch fahler geworden. Mechanisch griff er nach den abgefüllten Seeigelstacheln und er wusste später nicht mehr, wie er überhaupt zurück in das Klassenzimmer gekommen ist.
Die unmögliche Sandra Peters stand vor der Klasse an SEINEM Kessel.
„PETERS, setzen sie sich sofort, oder ich vergesse mich!" Und diese Drohung meinte er ernst. Er stellte sich vor, wie er sie an ihrem hageren Hals packen und Kopf voraus in den Kessel stülpen würde.
Sie sollte erst später den Antizahnschmerztrank umrühren, erst wenn er es wollte.
Er würde jetzt die Maulkronen hinzugeben und dann konnte das dummer Geschöpf erst einmal eine halbe Stunde rühren.
Er nahm das Glas mit den Maulkronen in die Hand.
„In die Basislösung des Antizahnschmerztrankes gehören 3 Maulkronen!" referierte er mechanisch.
Er nahm drei Maulkronen in die Hand und ließ sie in den Kessel fallen.
„Professor!" quietsche Sandra Peters entsetzt und Snape sah auf den Beutel mit den Seeigelstacheln. Weshalb hatte er die noch holen müssen? Dann sah er verwirrt auf die Tafel mit dem Rezept. Antikopfschmerztrank! Im nächsten Moment wurden die Fundamente des Kerkers durch eine Explosion erschüttert, wie es sie seit den ersten erfolglosen Versuchen von Neville Longbottom nicht mehr gegeben hatte.
Die kompletten Erstklässler stürmten aus den Überresten des Klassenzimmers und verteilten sich auf dem Gang unter den anderen Schülern, die durch den gewaltigen Rums angelockt wurden.
Einige besonders Tapfere wagten sich bis zum Klassenzimmer vor und trauten sich, einen Blick auf Severus Snape zu werfen, der vor den Trümmern seines Demonstrationskessels stand und sich weigerte das zu verstehen, was ihm gerade passiert war.
Ihm war sein eigener Kessel explodiert!
tbc
