Zuspruch
Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ
„Ganz ruhig, wir sind's", gebot Tonks Hermione beruhigend, mit erhobenen Händen und trat näher, während Remus seinen Patronus ein weiteres Mal heraufbeschwor, damit die beiden Dementoren nicht so schnell zurückkamen.
„Verdammt, was haben sie mit ihm gemacht?", murmelte die Aurorin entsetzt, als sie ihren Cousin sah. Auf ihre Frage kamen Hermione sofort wieder stärker die Tränen.
„Ich weiß es nicht. Sie haben versucht, ihn … ihn umzubringen. Er ist überall verletzt und… Bitte sag mir, dass ihr die Bürgschaften für ihn zusammen habt?" „Sonst wären wir nicht hier", hauchte Tonks und strich ihr durch die wirren Haare.
„Das Gremium und vor allem die Strafverfolgung hat sich anfangs noch quer gestellt, deswegen kommen wir jetzt erst." „Aber er kommt ins Mungos?" „Ja. Daniel und Poppy werden sich um ihn kümmern. Blaise und die Anderen warten dort auf uns. Sie -" „Tonks?", unterbrach Remus sie ernst, dem sie sofort Platz machte.
„Gib ihn mir", forderte er ruhig. Remus zog erstmal die Jacke weg und murmelte „Aperi", wodurch sich die Schellen lösten und scheppernd neben ihm zu Boden fielen. Im Anschluss hob er ihn vorsichtig hoch, während Tonks Hermione auf die Beine zog.
„Halt dich an Remus und mir fest", erklärte sie und kramte ein kleines Sturmfeuerzeug hervor. Mit der freien Hand griff sie nur noch nach Remus' Arm, bevor sie das Feuerzeug aufklappte. Damit nahm der Portschlüssel seinen Dienst auf und brachte sie fort.
Nur eine Sekunde später tauchten sie in einem sterilen, weiß gekachelten Raum wieder auf. In diesem stand eine Liege, die Hermione mehr an einem OP-Tisch erinnerte. Daneben befand sich ein Tischchen mit jeder Menge medizinischer Utensilien, sowie Tränke, Salben und Verbände. Mit bei ihnen waren, wie versprochen, Madam Pomfrey und Daniel. Aber auch Minerva entdeckte Hermione, die recht bestürzt auf die Vier sah und gleich zu ihnen trat.
„Geht es Ihnen gut?", richtete sich ihre alte Hauslehrerin erstmal an die Hexe, da sie extrem blass war, was durch die blutunterlaufen, verquollen Augen noch schlimmer aussah.
„Mir fehlt nichts, Professor", murmelte sie dünn und sah stattdessen auf Draco, der schwer atmend, schlaff in Remus' Armen lag. Als Minerva ihrem Blick folgte und den halbtoten Slytherin sah, krochen ihr vor Entsetzen beinahe die Augen aus den Höhlen.
„Bei Merlins letztem Willen…", entwich es ihr fassungslos, als sie geschockt die Hand übers Herz legte. Derweil trat Daniel zu Remus.
„Leg ihn hin. Vorsichtig", wies er ihn an, dem Remus sofort nachkam. Kurz darauf scheuchte Poppy alle raus, mit dem Versprechen, sie würden sich gut um ihn kümmern. Hermione bereitete es aber furchtbares Unwohlsein, ihn allein zurückzulassen, obwohl sie wusste, dass er bei Daniel und Madam Pomfrey mehr als gut aufgehoben war. Schließlich schloss sich die Tür vor ihr und er verschwand.
„Mione?", hörte sie keine Sekunde später Blaise verstört hinter ihrem Rücken, zu dem sie sich verheult drehte. Mit bei ihm waren Charlie, Narcissa, die selbst richtig fertig aussah, Kingsley, Molly, Arthur und, was Hermione angenehm überraschte, Luna.
„Scheiße, wie siehst du denn aus?", kam Blaise nicht umhin, dies zu erwähnen und zog sie fest in die Arme, in die sie ihm sofort schluchzte. Es war ein Bild, was sich gerade Narcissa kaum mit ansehen konnte, denn es schürte in ihr nur noch mehr die Unruhe und Angst um ihren Sohn.
„Was ist mit ihm?", sah sie verängstigt zu Remus, der den Anwesenden seine Eindrücke knapp schilderte. Und die waren alles andere als rosig.
Zwischenzeitlich dirigierte Blaise seine Freundin zu ein paar der Bänke. Er selbst nahm neben ihr Platz und zog sie im Anschluss tröstend in die Arme. Zu ihnen gesellten sich Charlie, Tonks und Luna, zu der Hermione überrascht sah.
„Was … was machst du hier?" „Du hast mich gefragt, ob ich euch helfe", erklärte sie frei heraus und sah Hermione warm, mit ihren großen Kulleraugen an. Die Gryffindor konnte daraufhin nicht anders, als zu lächeln, bevor sie die Blonde dankbar in die Arme schloss.
„Danke", schniefte sie, in was auch Blaise und Charlie einstimmten. Sie hätten nicht gedacht, dass sich die quirlige, etwas abgedrehte Hexe dazu bereiterklären würde, ebenfalls eine Bürgschaft zu übernehmen. Dass sie es so ohne weiteres getan hatte, überraschte alle drei. Im Gegenzug wunderten sie sich, besonders Hermione, dass Ginny dem nicht nachgekommen war.
Offensichtlich hatte sie sich doch in der Rothaarigen und ihren neuen Ansichten über Draco getäuscht. Sie hatte gedacht, gehofft, dass Ginnys abweisende Haltung gegen ihn, nach allem, was war, ein wenig zusammengebrochen war. Scheinbar hatte sie sich geirrt.
So verharrte die Meute recht schweigsam auf dem Gang. Dabei fielen Hermione immer mal Molly und Arthur ins Auge. Allen voran Molly, die neben Narcissa saß und dem Anschein nach versuchte, die blonde Hexe etwas aufzubauen und zu trösten.
Hatte Ginny ihr nicht auch gesagt, dass sich ihre Mutter inzwischen ganz gut mit Mrs. Malfoy verstand? Es schien wirklich so, sodass Hermione kurz ein gedrücktes Lächeln über die Lippen huschte.
Die kommenden Stunden zogen sich wie zähflüssiger Kaugummi. Als die Gryffindor eher unbewusst auf die Uhr an der Wand des Gangs blickte, wurde ihr erst richtig klar, wie viel Zeit seither tatsächlich vergangen war. Es war bereits 4:28 Uhr. Sie hockten seit gestern Abend, 22:00 oder 23:00 Uhr, hier auf dem Gang.
Verdammt, wieso dauerte das so lange? Warum kam Daniel nicht zurück und sagte ihnen, dass alles gut war? Als hätte Merlin ihre Gedanken erhört, öffnete sich plötzlich die Tür. Damit war Hermione hellwach, genauso Blaise und Charlie, die sofort zu dem Heiler traten.
„Wie geht's ihm?", platzte es als Erstes aus Blaise heraus. Daniels Gesicht war und blieb ernst.
„Den Umständen entsprechend." „Heißt?", bohrte Charlie, der diese Umschreibung hasste, denn sie konnte alles Mögliche bedeuten.
„Nicht gut. Er hat unter anderem eine sehr schwere Lungenentzündung und Gehirnerschütterung. Fünf gebrochene Rippen, diverse weitere Brüche, teils innere Blutungen, wie auch Verletzungen und ist stark septisch. Seine Wunden konnten wir mittlerweile zum Großteil zwar schließen aber nicht richtig heilen. Sie scheinen einen schwarzmagischen Ursprung zu haben. Flüche oder entsprechende Waffen. Wir haben ihn mit ein paar Tränken erstmal ruhiggestellt. Er wird jetzt eine Zeit lang schlafen." „Wie lange?", hakte Charlie nach, worauf die Mimik seines Vaters noch dunkler wurde und er seufzte.
„Ich weiß es nicht. Er ist extrem mitgenommen. Drei, vier, fünf Tage durchaus. Ich kann es euch wirklich nicht sagen. Unter Umständen sogar noch länger. Für den Moment ist er versorgt und weitestgehend stabil. Allerdings müssen wir sehen, dass wir diese Sepsis in den Griff bekommen. Ich werde dann noch ein paar Salben fertig machen und dann… Abwarten. Er braucht jetzt allen voran tiefe Ruhe." „Können wir zu ihm?", fragte Blaise, zu dem Daniel kurz sah und nickte, bevor er zu den restlichen Anwesenden trat.
Die Drei verschwanden mit Narcissa unterdessen in dem kleinen Zimmer, was sich, seit Hermiones Ankunft, erheblich verändert hatte.
Der Boden war inzwischen mit weißem Linoleum ausgekleidet und die Wände cremefarben gestrichen. An der Fensterfront stand ein Zweisitzer mitsamt Kaffeetisch. Die Liege war einem großen, warmem Bett gewichen, an dem Madam Pomfrey verweilte. Sie zog Draco gerade die dicke Decke über die Schultern und legte ihm im Anschluss einen kalten Umschlag auf die Stirn. Neben dem Bett standen ein paar Stühle, die sich die Freunde gleich ran zogen. Blaise kopfschüttelnd, als er auf die beinahe leichenblasse Erscheinung seines Freundes sah. Kurz darauf kochte eine unbändige Wut in ihm hoch.
„Wenn ich die in die Finger krieg, die dafür verantwortlich sind, dann Gnade ihnen Merlin", knurrte er gefährlich und ballte die Hände wütend zu Fäusten. Hermione schenkte dem kaum Beachtung, da sich ihr Blick sofort auf Dracos Zügen verlor und sie ihm durch die nun wieder sauberen Haare strich.
Er sah inzwischen nicht mehr ganz so horrormäßig aus, wie noch vor ein paar Stunden. Dennoch schlimm genug, was kein Wunder war, nach allem, was Daniel eben aufgezählt hatte.
„Er wird schon wieder werden. Da bin ich mir sicher. Er hat ein sehr starkes Herz, sonst hätte er das nicht so lange durchgehalten", richtete sich Madam Pomfrey aufmunternd an die Freunde und Dracos Mutter.
Es war eine Aussage, die Blaise müde lächeln ließ. Kurz darauf schielte er zu Hermione, die zunehmend in ihren Gedanken versank. Ihre Finger konnte sie dabei nicht wirklich bei sich behalten, denn ihre Hand lag zeitnah an Dracos Kopf. Sie strich ihm behutsam über die Schläfe und schließlich durch die Haare. Eine, wie Blaise fand, mehr als nur freundschaftliche Geste.
Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ
Die kommenden Tage behielt Daniel mit seiner Prognose Recht. Draco wachte nicht aus seinem Tiefschlaf auf, was letztlich auch den starken Schmerzmitteln geschuldet war, die Hermione ihm immer dann verabreichte, wenn das vorherige Mittel seine Wirkung verlor und er unruhiger schlief. Es war ein Prozess, der sich aller drei bis vier Stunden wiederholte.
Auf Blaise' Frage, ob er sie nach Hause begleiten sollte, verneinte sie, da sie ohnehin allein wäre und ihre Bücher konnte sie hier genauso durcharbeiten. Er schüttelte daraufhin schmunzelnd mit dem Kopf und ließ sie ihre Strategie für die Verhandlung weiter ausarbeiten. Bevor er verschwand, gab sie ihm noch eine Liste mit entsprechender Lektüre mit, die sie brauchte oder zu Rate ziehen wollte.
Am dritten Tag tauchte ein Besucher bei ihr auf, mit dem Hermione nicht gerechnet hatte und ihn dementsprechend verwirrt, sowie unschlüssig, ansah.
„Was machst du hier?" „Nach dir sehen?", warf Harry ihr zu, worauf sie zweifelnd eine Augenbraue hob. Nicht zuletzt auch, da er sich nicht zu 100% auf sie konzentrieren konnte, wie er scheinbar wollte, denn sein Blick verweilte doch etwas länger und zudem recht nachdenklich auf Draco.
„Aha", gab sie ihm skeptisch zurück, sodass er seufzte.
„Molly hat gesagt, dass du wahrscheinlich hier bist." „Wenn du mir deswegen jetzt irgendeine Predigt à la Ron halten willst, warum ich ihm helfe und dass er das, was man ihm angetan hat, verdienen würde… Das kannst du dir sparen! Ich hab -" „Ich werd dir keine Predigt halten oder sonst was. Du hast deinen Standpunkt mehr als einmal deutlich gemacht. Es ist deine Sache, was du machst. Nur hat Ron damit ein ziemlich dickes Problem, wie du dir sicher denken kannst? Besonders, dass du dich so sehr vor Malfoy stellst und dann auch noch für ihn bürgst." „Das ist meine Sache, wie du schon sagtest. Davon abgesehen hättet ihr ihm ja nichts erzählen müssen", muffelte sie.
„Wir haben ihm auch nichts davon erzählt, sondern du selbst. Ginny und ich waren mit Ron im Fuchsbau, als deine Patroni kamen." „Oh!" „Ja, Oh! Weißt du eigentlich, was hinterher los war? Allen voran, als Kingsley etwas später mit Arthur bei Molly aufgetaucht ist und sie um Hilfe gebeten hat?", sah er sie durchdringend an, worauf sie den Blick fallen ließ und auf den Grund für den ganzen Trouble sah.
„Ron hat ein riesen Fass aufgemacht und sich deswegen lautstark mit Molly und Arthur gestritten! Er ist noch immer stinksauer. Besonders auf dich!" Daraufhin knirschte sie mit den Zähnen, sodass Harry sich zu ihr lehnte.
„Rede mit Ron! Oder willst du dir alles mit ihm kaputt machen, bloß wegen ihm?", deutete er mit dem Kopf auf Draco, worauf sie Harry wütend ansah.
„Ich will mir gar nichts mit Ron kaputt machen! Ich lass mir von ihm aber nicht vorschreiben, was ich zu tun oder zu lassen hab! Ich bin nicht sein Schoßhund! Außerdem ist es nicht mein Problem, wenn er sich wie ein gekränktes Kleinkind benimmt, dem man den Lolli weggenommen hat!" „Gekränktes Kleinkind? Man, Hermione! Er ist dein Freund! Das dachte ich zumindest. Du nimmst dir aber überhaupt keine Zeit für ihn! Stattdessen scheint dir nur noch Malfoy im Kopf herumzugeistern!", warf er ihr vor, worauf sie wütend nach Luft schnappte, um etwas zu erwidern.
„Nein! Jetzt hörst du mir mal zu! Ron geht's scheiße wegen allem und da -" „Wo geht es Ron bitteschön schlecht?!", polterte sie Harry dazwischen, der langsam böse wurde.
„Fred! Schon vergessen?" Daraufhin biss sie sich auf die Zunge.
„Einer seiner Brüder ist tot! Und das ist kaum drei Wochen her! Ihn nimmt das wahnsinnig mit und er hätte da auch dich als Stütze gebraucht! Dass du selber noch so schwer verletzt warst, hat es für ihn nicht unbedingt besser gemacht! Er hat sich Sorgen um dich gemacht und auch Vorwürfe, genauso wie ich, dass wir dich und Ginny allein gelassen haben. Kaum geht's dir aber wieder halbwegs gut, streitest du dich in einer Tour mit ihm wegen Malfoy!", brauste Harry auf, während Hermione leise knurrte, was ihn weiter reden ließ.
„Er hasst ihn. Das weißt du! Und die Tatsache, dass ausgerechnet dudich auf einmal so sehr vor ihn stellst, ihn in Schutz nimmst und auch sonst ganz offensichtlich alles um dich herum vergisst, macht die Angelegenheit nicht gerade besser!" „Ich würde auch nicht so einen Aufriss machen, wenn sie ihn nicht in so ein Loch geworfen hätten! Merlin, sie haben versucht ihn umzubringen! Das hat er nicht verdient und das weißt du auch, auch wenn du es nicht zugeben willst! Du -" „Du hast Recht. Ich weiß das", unterbrach er sie ruhig und nahm ihr damit kurz den Wind aus den Segeln.
„Ich kann ihn nicht leiden, wegen allem, was die ganzen Jahre war. Ich seh es allerdings auch als falsch an, dass sie ihn mit all den Anderen den Dementoren vorführen wollten bzw. ihn so lange in Azkaban einsperren wollen. So eine Strafe steht in keiner Relation zu dem, was er getan hat. Er hat ordentlich Scheiße gebaut, ja. Er hat mir aber auch von den Horcruxen erzählt. Er hat dir geholfen und uns aktiv im Kampf unterstützt. Und das werde ich vor dem Gamot auch so anbringen." „Du sagst für ihn aus?", konnte Hermione nicht fassen, was sie gerade von ihm hörte und sah ihn mit großen Augen an. Harry nickte und grinste kurz diebisch, aufgrund ihrer Mimik, wurde jedoch gleich wieder ernst.
„Ja. Wie gesagt, ich geb es nicht gerne zu, aber du hast Recht. Ich weiß nicht warum er das alles gemacht hat, aber scheinbar hat er sich doch irgendwann besonnen. Er wäre bei den Kämpfen selbst mehr als einmal fast draufgegangen. Tonks und Luna haben mir vor einer Weile diesbezüglich auch noch ein paar Sachen gesteckt. Er gehört nicht zu denen. Zumindest nicht so, was ich mir lange Zeit einfach nicht vorstellen konnte. Ich weiß ja jetzt nicht mal, was ich von allem halten soll. Ich werde dem Gamot aber sagen, was ich mitbekommen habe. Ich werde ihnen sagen, dass er aktiv auf unsererSeite gekämpft und uns unterstützt hat. Genauso, dass er mir ein paar entscheidende Infos hat zukommen lassen, wodurch wir Voldemort erst zu Fall bringen konnten. Nicht mehr und nicht weniger. Ginny wird sich auch zu allem äußern und bei dem Papierkram, den du neben dir liegen hast, denke ich, werden sie nicht umhinkommen, ein erheblich milderes Urteil zu sprechen", schmunzelte Harry, was sie immer mehr lächeln ließ. Schließlich nahm sie ihren Freund fest in die Arme.
„Danke!" „Ja, ja. Aber jetzt verrat mir mal, warum du dir seinetwegen überhaupt so einen immensen Stress machst? Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich glatt auf die Idee kommen, dass du nicht nur mit Harper und Zabini heimlich befreundet warst, sondern auch mit Malfoy", maß er sie lauernd, worauf sie seufzte.
„Sag jetzt bitte nicht Ja, ansonsten zweifle ich an meinem und deinem Verstand." „Ich kann dich beruhigen, da war nichts." „Aber?", bohrte Harry, womit sie nachdenklich auf den Blonden sah, der noch immer sehr stark fieberte.
„Von der Tatsache einmal abgesehen, dass er mir das Leben gerettet hat, wie auch im Kommenden einigen anderen?", maß sie Harry kurz spitz, der sich ungelenk räusperte und verlegen am Hinterkopf kratzte. Hermione nahm es schmunzelnd auf, wusste allerdings, worauf Harry eigentlich aus war.
„Ganz ehrlich? Ich weiß selbst nicht genau warum, nur, dass ich es auch tun würde, wenn er uns nicht nach Hogwarts gefolgt wäre. Weißt du, er… Als ich die Tage nach der Flucht mit ihm allein war, da… Er war nie in irgendeiner Art und Weise gemein oder verletzend, sondern das genaue Gegenteil. Mir war das unheimlich und ich dachte anfangs auch, dass es ein Trick ist. Dass er mich dazu bringen wollte, irgendetwas zu verraten. Euch, indem er sich mein Vertrauen erschleicht", erklärte sie Harry, der aufmerksam lauschte.
„Es war aber wirklich alles ehrlich gemeint. Weil ich ihm allerdings so sehr misstraut habe, da wollte er mir sogar seinen Zauberstab geben, damit ich mir selbst helfen kann." „Hat er aber nicht", schlussfolgerte Harry. Hermione lächelte dünn.
„Doch. Ich hatte ihn in der Hand. Dra- Malfoy hatte sich dann ziemlich fertig in eine andere Ecke zurückgezogen und es damit irgendwie noch deutlicher gemacht. Er hätte mich gehen lassen. Er wäre freiwillig zurückgeblieben. Schutzlos. Wenn sie ihn dann gefunden hätten, hätten sie ihn umgebracht. Und das… Selbst wenn es mir zu dem Zeitpunkt besser gegangen wäre, hätte ich ihn nicht alleine zurückgelassen. Auch wenn das verrückt klingt, aber er hat sich wirklich wie ein Freund um mich gekümmert und bemüht. Er hat auf mich geachtet, auch als ich geschlafen habe, weil… Weißt du, ich… Ich hatte wahnsinnige Angst, im Schlaf alles erneut vor Augen zu haben und dem hilflos ausgesetzt zu sein. Er hat mir aber versprochen, mich zu wecken, wenn etwas ist. Ich konnte allerdings ruhig schlafen. Als ich wieder wach geworden bin, hat er noch immer neben mir gesessen. Und das richtig übermüdet. Er hat sein Versprechen gehalten. Er hat es nicht nur so dahingesagt, sondern tatsächlich getan und da… Ich hab in dem Moment angefangen, ihm zu vertrauen. Ich hab mich, so verrückt es klingt, bei ihm sicher und beschützt gefühlt und… Er hat mir dann ja auch weiter geholfen und während der Schlacht war er auch ständig irgendwie da und hat uns den Rücken freigehalten. Er hat Crabbe und Goyle von uns abgelenkt. Er hat Greyback und Lestrange getötet und Ginny im Anschluss aus dem Schuttberg geholt. Er hat versucht, uns in Sicherheit zu bringen. Dass sein Vater uns am Ende aufgespürt hat, war Pech, aber dann wart ihr ja da", lächelte sie Harry an, dessen rechter Mundwinkel kurz schwermütig nach oben zuckte, als er das Bild wieder deutlich vor Augen hatte.
Ginny, die durch die dicke Platzwunde bewusstlos war, sodass er und Ron bereits vom Schlimmsten ausgegangen waren. Hermione dasselbe, womit sich noch ein anderer Eindruck stärker in sein Bewusstsein stahl, als er seine Gedanken vermehrt auf diese Erinnerung fokussierte.
Zabini, der als Erster bei Hermione war, während er und Ron sich um Ginny kümmerten. Zwischenzeitlich hatte Malfoy seinen Alten ganz ausgeknockt und trat zu Zabini und Hermione. Er nahm seine Freundin zu sich und lud sie sich auf die Armen, während er selbst mit Ginny aufstand, um sie zu Madam Pomfrey zu bringen.
Ron stieg der Anblick, wie befürchtet in die Nase, sodass er mit zwei Schritten bei Malfoy war und ihm Hermione ein wenig ruppig wegnahm. Es gestaltete sich schwierig, denn sie klammerte sich im Unterbewusstsein recht stark an dem Blonden fest. Malfoys Blick war auch nicht besser, denn er war nicht bloß sauer. Nein, in seinem Blick brodelte es unterschwellig gefährlich.
„Aber warum das alles?", murmelte Harry nachdenklich.
„Was?", sah Hermione ihn stutzig an.
„Wieso dreht er sich von heute auf morgen um 180°?" „Ich weiß es nicht, nur…" „Was?" „Blaise und Charlie haben die ganzen Jahre immer wieder zu mir und Ginny gemeint, er wäre nicht so wie wir denken." „So ein Arschloch?" „Ja. Und… Er hat ja auch zu mir gesagt, dass er alles was war, … dass mit den Death Eatern, selbst wohl gar nicht gewollt hat." „Und warum hat er dann mitgespielt? Warum hat er sie in die Schule gelassen?!", kam Harry einmal mehr auf den für ihn so entscheidenden, schwerwiegenden Punkt zu sprechen. Hermione seufzte.
„Weil er keine Wahl hatte. Er meinte zu mir, dass sie jeden, der ihm wichtig ist, getötet hätten. Angefangen bei seiner Mutter, bevor er selber dran gewesen wäre. Weißt du noch, als du ihn in den Waschräumen entdeckt hast?", erinnerte sie ihn, worauf er nickte.
„Du hast gesagt, er hätte geweint. Vielleicht haben sie ihm da wieder aufs Neue gedroht und unter Druck gesetzt? Immerhin… Seine Mutter war denen doch sicher die ganze Zeit ausgeliefert." „Kann sein", murmelte Harry nachdenklich, sodass Hermione weiter sprach.
„Nach allem, was ich inzwischen von ihm weiß und mitbekommen habe, da glaube ich ihm das auch. Dass er eher unverschuldet in die Sache mit den Death Eatern reingerutscht ist. Dass das alles durch seinen Vater kam. Draco hasst ihn", rutschte ihr unbewusst der Vorname des Blonden heraus, worauf Harry sie verwundert ansah, am Ende aber nicht darauf einging, sondern am eigentlichen Thema festhielt.
„Er hat doch sonst nie etwas auf seinen Alten kommen lassen. Das passt nicht zusammen." „Unter Umständen schon." „Und wie?" „Gute Miene zum bösen Spiel. Vielleicht war es für ihn einfacher, alle das denken zu lassen. Eben auch seinen Vater selbst. Dass er so seine Ruhe hatte. Verstehst du, was ich meine?" „In etwa", murmelte Harry und ging erneut in sich.
Er ließ noch einmal alles, was in den letzten Wochen und Monaten war, Revue passieren. So auch das Gespräch eben. Diese ganzen neuen Aspekte und Ansichten. Am Ende sah er zurück auf den Blonden, der extrem schlecht aussah, obwohl er seit drei Tagen im St. Mungos lag. Hermione hatte wirklich nicht übertrieben, was seinen Zustand anging.
„War er schon mal wach?" „Nein", murmelte sie schwermütig und sah nachdenklich auf Draco.
„Daniel meinte, es wäre nach allem normal, nur…" „Was war jetzt eigentlich alles?", erkundigte Harry sich nun doch etwas genauer, worauf sie seufzte und ihm Daniels Befunde schilderte. Aber auch ihre eigenen Eindrücke, die sie aus Azkaban mitgenommen hatte.
Als sie das tat, legte sie Draco die Kompresse wieder auf die glühende Stirn, da sie ihm runtergerutscht war. Zudem wurde er aufs Neue unruhig. Als sie auf die Uhr sah, wurde ihr klar warum, denn Daniels Mittel verlor langsam seine Wirkung.
Mit dieser Erkenntnis stand sie auf und holte eine neue Phiole. Inzwischen hatte sie Harry auch alles gesagt, dessen rosiger Teint sich mittlerweile in ein schlohweiß verwandelt hatte. Sein Blick fraß sich geschockt an dem Blonden fest, zu dem Hermione wieder trat und ihm vorsichtig das Mittel einflößte.
„Was ist das?", fragte Harry und beobachtete aufmerksam, wie sich Dracos Keuchen legte und er ein wenig ruhiger wurde.
„Ein spezielles Schmerzmittel von Daniel. Damit er richtig Ruhe hat und sich erholen kann. Allerdings wirkt es nicht sehr lange. Höchstens vier Stunden." „Kein Wunder bei alldem", murmelte Harry, worauf sie nickte.
„Verstehst du mich jetzt etwas? Das hätte er nie bis zur Verhandlung überlebt. Er wäre jetzt bereits tot. Und genau darauf hatten es die Typen in Azkaban angelegt. Sie haben versucht, ihn ungesehen umzubringen. Wenn sie ihn wieder dort einsperren, werden sie es garantiert erneut probieren und das will ich nicht. Das hat er absolut nicht verdient, auch wenn ich scheinbar die Einzige bin, die das so sieht", wurde sie leicht verbittert, wofür Harry sie strafend ansah.
„Wenn es so wäre, dann würde ich keine Aussage für ihn machen. Genauso wenig Ginny, Luna und Neville." „Was?", stutzte Hermione und sah überrascht zu ihm. Harry grinste auf ihren Anblick schief.
„Du hast mich schon richtig verstanden. Und wo ich gerade dabei bin, Ginny und ich haben den Antrag letztens auch unterschrieben. Ron weiß allerdings nichts davon und ich denke, es ist besser, das bleibt so, sonst geht gleich wieder 'ne Bombe hoch", schmunzelte er matt. Hermione konnte ihn auf seine Worte nur überfahren anstarren.
„Ihr … ihr habt auch eine Bürgschaft übernommen?" „Ja. Luna und Neville glaube ich auch." „Luna weiß ich, sie war im Mungos, aber -" „Ron war so schon sauer und wir wollten dem nicht noch mehr Zunder geben. Du weißt ja, wie impulsiv er sein kann. Als er sich mit Molly und Arthur gestritten hat, haben Ginny und ich die Papiere schnell unterschrieben und sie Kingsley zugesteckt. Danach haben wir Ron weitestgehend beruhigt und ihn auch ein bisschen angeflunkert", lächelte Harry erneut gedrückt, da er nicht glücklich darüber war, seinen Freund angelogen zu haben. Hermione fiel ihm auf seine Erklärung allerdings ein zweites Mal um den Hals. Und das um einiges überschwänglicher, als zuvor.
„Danke! Du weißt gar nicht, wie viel mir das bedeutet." „Stimmt. So richtig verstehe ich dich trotz allem nicht, nur… Wenn ich ehrlich sein soll, hab ich zunehmend den Eindruck, du hast plötzlich mehr für Malfoy übrig", bohrte Harry lauernd und sah ihr forschend in die Augen. In diesen blitzte es kurz nervös auf, da sich ein Teil ihres Hirns ertappt fühlte, was sich nur eine Sekunde später verräterisch auf ihren Wangen bemerkbar machte.
„Nein! … Ja… Etwas", gestand sie ihm unsicher und strich sich fahrig eine Haarsträhne hinters Ohr.
„Weißt du… Ich… Ich wunder mich teils ja selbst über mich, nur ist inzwischen so viel passiert. Er hat so viel gemacht, was völlig untypischfür ihn ist. Vor allem für … für mich und… Ich weiß durch Blaise und Charlie ja, dass gewisse Dinge auch anders sein können. Dass der Schein manchmal trügt und ganz andere Dinge Realität sind als die, die man sieht oder glaubt zu sehen. Und das, was ich in den letzten Wochen und Monaten von ihm gesehen hab, das war definitiv nicht gespielt. Dann glaub ich eher noch das andere." „Das er das Arschloch nur gespielt hat?" „Ja. Ich will ihm einfach noch eine Chance geben. Genauso wie ich sie erst Blaise und dann Charlie gegeben hab. Ich hoffe, du verstehst das und bist nicht böse deswegen?", sah sie ihn ein wenig bange an, worauf er seufzte.
„Harry?" „Na schön." „Was?" „Es ist deine Sache. Ich werd dir nicht vorschreiben, mit wem du dich abgibst und mit wem nicht. Harper und Zabini scheinen soweit ja wirklich in Ordnung zu sein, was ich echt nie gedacht hätte", gab er zähneknirschend zu. Hermione lächelte jedoch sanft und nicht weniger glücklich, über den Anfang einer beginnenden Einsicht Harrys.
„Ich hab auch eine Weile gebraucht, um das richtig zu verinnerlichen. Und da saß der Groll noch nicht so tief, wie jetzt unter euch." „Hm. Dann verstehst du sicher, dass ich mich nicht so schnell mit alldem anfreunden kann?" „Natürlich", lächelte sie wieder. Und das sichtlich erleichtert, während Harry nochmal auf Malfoy sah. Nachdenklich. Kurz darauf nahm er Hermione erneut in Augenschein.
„Wie gesagt, ich werd dir da nicht reinreden. Nur tu mir bitte einen Gefallen und vernachlässige deswegen nicht den Rest deiner Freunde so sehr. Vor allem Ron. Rede mit ihm. Nimm dir ein bisschen Zeit für ihn. Wenigstens zwei drei Stunden. Die Verhandlung ist erst in gut einer Woche. Bis dahin hast du noch mehr als genug Zeit, irgendwelche geheimen Strategien auszutüfteln, wobei ich mir ziemlich sicher bin, dass du ohnehin schon die Perfekte hast", schmunzelte er, in was sie nicht einstimmte.
„Nicht so richtig. Direkt etwas Vergleichbares hab ich nicht. Ich kann mir nur aus ähnlichen Fällen etwas ableiten. Und ob das reicht, da -" „Hermione. Wir haben acht, neun sehr starke Sprecher auf unserer Seite. Das wird schon alles klappen. Also lass die Bücher mal Bücher sein und geh zu Ron. Bitte!", sah er sie eindringlich, aber auch bittend an, sodass sie seufzte und letztlich resignierte.
„Na gut. Jetzt gleich?" „So schnell?", staunte Harry, worauf sie matt lächelte.
Sie würde jetzt nur mitkommen, da sie wusste, dass Draco durch das Mittel die kommenden Stunden ruhig, wie auch fest weiterschlafen würde. Diese Tatsache hinderte sie dennoch nicht daran, einen Patronus zu Blaise zu schicken, damit im Zweifelsfall jemand bei dem Blonden war. Harry nahm es verwundert zur Kenntnis.
„Für wen war der?" „Hm? Blaise", meinte sie lediglich, was Harry etwas verwirrte. Am Ende tat er es als unwichtig ab und verschwand mit seiner Freundin, die sich nur schwer von Draco losreißen konnte.
Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ
