Ein kleines Osterei, ganz ohne suchen. Ich wünsch euch frohe Feiertage!
Kathi: Huch, plötzlich eine Review zu Kapitel 18? Und noch dazu die zweite von dir. *gg* Bist du da verrutscht oder hat dir ff. net einen Streich gespielt? Trotzdem natürlich ein dickes Dankeschön! Ich freu mich immer zu sehen, dass du den Missing Scenes noch treu bist. :)
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- Gespräch mit Minerva (im Laufes des 51. Kapitels)
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Es war laut. Und es war früh. Und der Kaffee war eine Zumutung. Die ganze Frühstücksorgie in der Großen Halle war eine Zumutung. Dumm von ihm, trotzdem herzukommen. Sein Blick flog am Gryffindor-Tisch vorbei und fand ihren buschigen Haarschopf ohne wirklich zu suchen. So kurz nur fixierte er ihn, dass es gerade reichte zu bemerken, dass sie ihn gar nicht zur Kenntnis genommen hatte. Sie war in ein Buch vertieft. Vermutlich Recherche bezüglich des Dunklen Mals. Wäre er eifersüchtig veranlagt, hätte er auf den Gedanken kommen können, sie mochte das Mal mehr als ihn. Aber er war nicht eifersüchtig veranlagt. Er war nur... unzufrieden.
Und allem Anschein nach war er nicht der einzige. „Welch eine Überraschung, dich am Frühstückstisch zu treffen", stellte Minerva neben ihm fest und führte mit geziert abgespreiztem Finger die Teetasse an die Lippen.
„Ich wollte wissen, ob der Kaffee hier auch so schlecht schmeckt wie in meinen Räumen", erklärte er mit ätzender Stimme. Diese Frühstücksorgie reizte seine Nerven mehr als der erste Jahrgang Gryffindor und Slytherin im Unterricht.
„Und?"
„Er schmeckt noch schlechter."
„Vielleicht solltest du dann einmal den Tee versuchen."
Severus wandte endlich den Blick von der Halle und dem Slytherin-Tisch, an dem der Platz von Draco frei war, und sah seiner Kollegin in die Augen. „Ich will wach werden, Minerva, nicht einschlafen."
„Der schwarze Tee erfüllt diesen Zweck ebenso." Ihre Mundwinkel zuckten, ohne dass auch nur ein Hauch von Vergnügen in ihren Augen stand.
„Danke, ich komme zurecht." Seine Hand verschwand in einer der vielen Taschen seines Umhanges und kam mit einem Flachmann in den Fingern wieder heraus. Kurz darauf war der Kaffee gestreckt und wohlschmeckend mit einem Aroma, das ihm auf der Zunge brannte.
Minerva sah ihn an, als hätte er Käfer in seine Tasse geschüttet. „Du solltest vorsichtig sein mit diesem Ding. Seit dem Desaster mit Mad-Eye Moody sind wir hier alle etwas empfindlich geworden."
„Ich denke, du würdest es merken, wenn ich nicht ich wäre." Wieder wanderte sein Blick zum leeren Platz am Slytherin-Tisch.
„Hast du ihn schon besucht?", fragte Minerva, die Stimme gesenkt. Anscheinend hatte sie seinen Blick verfolgt.
„Nein", knurrte Severus.
„Warum nicht?"
„Keine Zeit."
„Wenn du sie lieber mit Miss Granger verbringst..."
„Sind wir schon wieder bei diesem Thema? Ich dachte, das wäre geklärt. Und überhaupt: Vergiss nicht, dass du sie mir auf den Hals gehetzt hast." Aus dem Augenwinkel sah er, wie Filius ihnen einen verstohlenen Blick zuwarf, ehe er die Nase in den Tagespropheten steckte.
„Ich habe sie dir nicht auf den Hals gehetzt."
„Doch, das hast du. Erst hat Albus es getan, dann hast du sein Erbe angetreten. Sieh sie dir doch an! Steckt schon beim Frühstück die Nase in Tränkefachliteratur – die sie übrigens aus meinem Bücherregal hat! Nur weil Albus den Verdacht hat, Voldemorts Tod könnte mich ebenfalls das Leben kosten."
„Du solltest froh sein, dass sie sich bereit erklärt hat, dir zu helfen", zischte sie aufgebracht.
Severus lachte hohl. „Als ob sie eine Lösung für das Problem finden könnte, nachdem selbst ich erfolglos versucht habe, das Ding loszuwerden."
„Sie ist eine intelligente Hexe und sie schaut über ihren Tellerrand hinaus."
„Was willst du mir damit sagen?"
„Dass sie sich nicht ausschließlich auf Tränke beschränkt, nur weil es ein- oder zweimal schief ging, wenn sie einen Zauber zu wirken versucht hat."
„Das tue ich auch nicht!" Seine Kaffeetasse klapperte bei einer unbedachten Bewegung über die Tischplatte, als er sich Minerva zuwandte.
„Doch, Severus, das tust du. Tränke und Legilimentik sind das einzige, auf das du dich wirklich verlässt. Bei komplizierterer Zauberei hältst du dich bedeckt, schon seitdem ich eine Note für deine Leistungen finden musste."
„Du hast mich ja auch hinreichend damit unter Druck gesetzt, genauso wie du mich jetzt mit Miss Granger unter Druck setzt."
„Ich setze dich unter Druck?" Die Direktorin lachte affektiert.
„Natürlich tust du das. Erst setzt du sie mir vor die Nase, länger als mir lieb ist, und dann versuchst du rauszufinden, ob ich mich ihr ungebührlich nähere. Wenn du wissen willst, ob Miss Granger und ich eine dreckige kleine Affäre in den Kerkern am Laufen haben, dann schau doch einfach nach!" Er deutete auf seinen Kopf, woraufhin Minerva schluckte, auf einmal sehr kleinlaut. „Aber das ist ja der Teil der Magie, vor dem du dich drückst, nicht wahr? Legilimentik erfordert nunmal ein bisschen mehr als dieses alberne Zauberstabgefuchtel."
Ohne dass es ihm bewusst gewesen ist, war seine Stimme lauter geworden, so dass Filius nun übertrieben laut mit der Zeitung raschelte und sich räusperte. Er lehnte sich von Minervas anderer Seite zu ihnen und sagte: „So sehr ich es begrüße, dass ihr endlich anfangt, eure gegenseitigen Verdächtigungen und Differenzen zu besprechen, so sehr würde ich euch empfehlen, es nicht am Frühstückstisch zu tun. Außer ihr legt es darauf an, zum Schlossgespräch zu werden."
Gleichzeitig wandten Minerva und Severus sich der Halle zu, doch außer ein paar weniger Schüler, die in unmittelbarer Nähe des Lehrertisches saßen, hatte niemand ihren Disput mitbekommen. Auch Hermine nicht, die gerade ein mit Marmelade beladenes Toast so nah an seinem Buch aß, dass ihm das linke Augenlid zuckte. Er nahm seine Kaffeetasse zur Hand und trank einen Schluck.
„Ich drück mich nicht vor Legilimentik", zischte Minerva ihm kurz darauf aus dem Mundwinkel zu.
„Und ich drücke mich nicht vor dem Zauberstabgefuchtel", entgegnete Severus auf dieselbe Art.
„Schluss jetzt!", zischten alle anderen anwesenden Lehrkräfte unisono und die beiden Streithähne sanken unzufrieden über ihrem Frühstück zusammen.
