Hallo ihr Lieben,
das Chapi hier ist kürzer als die regulären, weil es nur so eine Art kleines Extra ist, eine kleine Entschädigung, weil ich schon so oft die Posttermine nicht einhalten konnte.
Morgen lade ich dann wieder ein Chapi in normaler Länge hoch.
Auch während wir darauf warteten von der rothaarigen jungen Frau hinter dem Tresen, die im Rockabilly-Stil gekleidet war, bedient zu werden, huschte mein Blick alle paar Sekunden zu Bella hinüber.
Jas warf mir einen halb forschenden, halb amüsierten Blick zu. "Du lässt sie nicht aus den Augen", meinte er beiläufig, als er der Bedienung mit einem freundlichen Lächeln ein paar Dollarnoten in die Hand drückte. "Braucht ihr sonst noch etwas?", fragte sie hauptsächlich an mich gewandt und fuhr sich mit der Hand kokett durchs Haar. "Nein, Danke", erwiderte ich reserviert und wandte mich ab. Jasper gluckste leise vor sich hin. "Das nenne ich eine unmissverständliche Abfuhr. Die Arme hat nicht die leiseste Chance, oder?"
Ich warf ihm einen kurzen Blick zu. "Tu doch nicht so, als würdest du das bedauern", erwiderte ich, selbst überrascht von mir, dass ich auf seine Stichelei einging. Ich war Jasper wirklich dankbar, dass er im Bezug auf Bella meinem Urteilsvermögen traute, obwohl ich es nicht einmal selber tat. "Oh, Edward, ich kann nicht behaupten, dass es mir leid tut, dich so hin und her gerissen, mitten im Trubel um die erste große Liebe zu sehen..."
Ich schnaubte. "Übertreib es nicht, Bruderherz!"
Er lachte nur und balancierte das Tablett mit den Getränken hinüber zu unserem Tisch.
"Auf den Abend", rief Alice und prostete uns allen zu, bevor sie ihr Glas an die Lippen setzte und einen großen Schluck trank. "Nein, darauf, dass wir den Besuch morgen bei Tante Avery überleben", widersprach Em kläglich. "Auf die Tatsache, das Mike der größte Idiot auf Gottes großer Erde ist", meinte Rose und zwinkerte Bella zu, deren Gesicht einen gequälten Ausdruck annahm.
"Nein, ich würde eher sagen, trinken wir auf Edwards Befreiung von Tanya!", wischte Alice die Vorschläge der anderen weg und hob ihr Glas. Mir entging nicht, dass Bella und Jasper nicht in die überschwänglichen Beglückwünschungen der anderen einstimmten.
Die Band war nicht ganz so schlecht, wie ich befürchtet hatte, aber trotzdem nichts, was ich mir unter normalen Umständen angehört hätte. Der Frontmann hatte ungefähr ein Duzend Piercings im Gesicht, sang allerdings mit der schmelzenden Stimme eines Schlagersängers. Eine interessante Kombination. Bella warf mir einen zweifelnden Blick zu, den ich lächelnd erwiderte. Unsere Blicke blieben ineinander hängen und ich spürte dieses flaue Gefühl in der Magengegend, das mir inzwischen schon so vertraut war. Ihre braunen Augen sandten warme Schauer über meinen Körper. Als Bellas Handy klingelte, brach sie unseren Blickkontakt ab, zog ihr Telefon aus der Hosentasche und warf einen kurzen Blick auf das Display. Ihre Augen weiteten sich überrascht, dann sah sie auf und warf uns ein entschuldigendes Lächeln zu, bevor sie aufstand und in Richtung Ausgang strebte. Ich sah ihr missmutig nach.
Die Band spielte die nächsten drei Lieder, ohne dass Bella wieder auftauchte. Nach dem vierten wurde ich unruhig. "Warum dauert das so lange? Bella ist jetzt schon eine ganze Weile weg." Alice, Rose und Emmett grinsten sich an. "Vermisst du sie schon?", fragte Alice zuckersüß. Ich verdrehte ärgerlich die Augen. Ich war mir durchaus bewusst, dass ich mich selbst verrückt machte, aber dieses ungute Gefühl würde sich nicht abschütteln lassen bevor ich nach ihr gesehen hatte. "Wahrscheinlich telefoniert sie eben noch", meinte Em und zuckte mit den Schultern. Ich wandte mich Jas zu, von ihm konnte ich Unterstützung erwarten. Er enttäuschte mich nicht. "Sehe nach ihr, wenn du dich dann besser fühlst." Ich warf ihm einen dankbaren Blick zu, stand auf und strebte auf den Ausgang zu. Ein kalter Windstoß begrüßte mich, sobald ich die Tür geöffnet hatte. Es war dunkel und die wenigen Straßenlaternen tauchten die Gasse in düsteres Licht.
Die Lichtkegel der einzelnen Lampen vermochten nicht viel mehr als ihre nähere Umgebung zu erhellen. Aus der Ferne drangen Motorengeräusche, Gelächter und Stimmengewirr an meine Ohren. Es hatte geregnet, der Asphalt zu meinen Füßen glänzte schwarz vor Nässe und irgendwo zu meiner rechten war das stetige Tröpfeln einer kaputten Regenrinne zu hören. Bella war nirgends zu sehen. Mit einem Anflug von Panik trat ich in die Mitte der Gasse und sah mich genauer um, in der Hoffnung, sie irgendwo in der Dunkelheit zu entdecken. Die mindestens Zweimeter hohe, rissige Backsteinmauer, die sich zur einen Seite der Gasse dahin zog wirkte schemenhaft und gespenstisch, barg jedoch keine schattenhafte Gestalt. Die Häuser zur anderen Seite waren genauso heruntergekommen und schmuddelig wie zuvor. Meine jäh aufflammende Hoffnung, Bella in einem der Hauseingänge stehen zu sehen, wurde ebenfalls enttäuscht. Stell dich nicht so an! Wahrscheinlich ist sie auf dem Weg zurück in die Gaststube, auf die Toilette gegangen und du hast sie verpasst. , schollt mich eine innere Stimme ärgerlich. Bestimmt war Bella schon längst wieder bei den anderen, während ich hier wie ein Idiot herumstand und mir Sorgen machte. Ich war, so weit wieder beruhigt, im Begriff zurück zu gehen, als ein leiser Schrei die nächtliche Stille zerriss. Ich erstarrte und lauschte angestrengt. Zuerst vernahm ich nichts, als meinen eigenen schnellen Herzschlag und die Geräusche einer fernen Party, doch dann... Stimmen. Zu laut, als dass sie von den Mauern eines Hauses gedämpft sein könnten. Eine von ihnen kristallisierte sich aus dem Wirrwarr heraus. Die Stimme eines Mannes.
Ich hatte mich getäuscht. Die Besitzer dieser Stimmen saßen scheinbar nicht wie ich vermutet hatte, in einem der Lokale beim Kartenspielen am Stammtisch, sondern... Mit langen Schritten eilte ich die Gasse hinab und blickte zu beiden Seiten in die Einbuchtungen, die auf Hinterhöfe und Sträßchen wie dieses hier führten. Der Geräuschpegel wurde lauter. Es waren ausschließlich Männer, vielleicht drei oder vier, schätzte ich anhand der verschiedenen Stimmen. Der Geruch nach Urin stieg mir in die Nase. Angeekelt verzog ich das Gesicht. Die Leute waren scheinbar nicht sehr wählerisch, wenn es darum ging, nach einem Saufgelage einen Ort zu finden, an dem sie sich erleichtern konnten. Als ich um die nächste Ecke bog, blieb ich stehen und spähte hinter einem Mülleimer hervor. Ich erkannte eine Art Innenhof, der zu beiden Seiten von hohen Mauern umgeben war. Sperrmüll und allerlei Unrat türmte sich in den Ecken auf. Nicht weit von mir, an der gegenüberliegenden Seite standen drei Männer. Sie kehrten mir den Rücken zu und waren scheinbar angetrunken. Der Geruch nach Bier und süßen Mixgetränken hing in der Luft. Eine weitere Gestalt befand sich im Schatten der Mauer. Nach der Silhouette zu urteilen, war sie etwa kleiner und von schmächtiger Statur. Vom Alter schätzte ich die Männer auf um die Zwanzig, höchstens fünfundzwanzig.
Mehrstimmiges Lachen dröhnte mir in den Ohren, dann das scharfe Klirren von Glas auf Glas. "Prost, Chris, auf den Fang, der uns heut Abend ins Netz gegangen is!", lallte der mit dem Totenkopf auf der Rückseite seines Shirts. Ich lehnte mich weiter aus meinem Versteck hervor. "Niedliches Ding, oder?", meine der Blonde. Auch seine Zunge war vom Alkohol schwer und seine Sprache entsprechend undeutlich geworden. "Haltet das Maul! Beide!, zischte ein anderer, dessen Stimme kein Bisschen angetrunken wirkte. Er war kleiner und stämmiger als seine Kumpel und trug eine Baseballmütze auf dem Kopf. Die beiden anderen verstummten sofort, was mich darauf schließen ließ, dass dieser Typ ihr Anführer war.
"Na, was sollen wir mit dir machen? Du zitterst, ich könnte dich wärmen..." Auch wenn ich nicht wusste, ob es wirklich Bella war, die da im Schatten der Mauer stand, trat ich nun hinter der Mülltonne hervor. Ganz egal, wen sich diese Machos ausgesucht hatten um ihn zu quälen, ich würde nicht tatenlos zusehen, auch wenn ich meine Chancen bei einem Kampf eher gering einschätzte. Ich konnte mich ganz gut verteidigen und würde es wahrscheinlich mit zwei von ihnen gleichzeitig aufnehmen können. Drei würden allerdings schwierig werden. Ich konnte nur hoffen, dass mir der Überraschungseffekt einen Vorteil einbrachte oder, dass die Typen bereits so betrunken waren, dass sie leicht zu beseitigen waren. Und wenn das alles nicht eintraf, würde ich mir spontan ein Ausweichmanöver einfallen lassen müssen. Der Typ mit der Baseballmütze ging langsam auf die Mauer zu und versperrte mir die Sicht, auf sein potentielles Opfer.
Ich bewegte mich ebenfalls vorwärts und spielte mit dem Gedanken, mich an einen von ihnen heranzuschleichen und ihn von hinten KO zu schlagen, auch wenn dass im Kampf nicht wirklich männlich war, sondern eher feige. Aber in meiner Situation ging es wohl kaum darum, besonders ehrenhaft zu kämpfen. Der Blonde und der Typ mit dem Totenkopfaufdruck auf dem Shirt hielten inne und beobachteten ihren Anführer. Dieser blieb dicht vor der Mauer stehen. "Süße, du und ich werden heute noch ein bisschen Spaß zusammen haben..."
Ich stieß mit dem Fuß gegen etwas Hartes und sah gerade noch, wie eine leere Bierflasche wackelte und schließlich klirrend auf den Steinboden fiel. Ich unterdrückte den Reflex zu fluchen. Zwei der Typen schienen nichts gehört zu haben, doch der Blonde drehte sich um. Seine Augen weiteten sich, als sich unsere Blicke trafen. "Chris!", brüllte er, hin und her gerissen, ob er Panik schieben oder ruhig bleiben sollte. Chris, so hieß scheinbar der Typ mit der Baseballkappe, fuhr herum und gab den Blick auf sein Opfer frei. Bella lehnte zitternd und mit fast apathischem Blick an der Mauer. In diesem Augenblick, der wahrscheinlich nur wenige Sekunden währte, schien mein Gehirn eine scharfe Momentaufnahme geschossen zu haben. Keiner rührte sich, alle wirkten vollkommen überrascht und starrten mich an. Bella schien mich erst jetzt wahrzunehmen. Plötzlich kehrte ein Funken Leben in ihre Augen zurück. Was als nächstes geschah, passierte so schnell, dass ich kaum wusste, wie mir geschah. Bella riss das Knie hoch und rammte es Chris in die Weiteile. Dieser krümmte sich unter Schmerzen zusammen. Dann machte sie einen Satz zur Seite, um dem Blonden auszuweichen, taumelte aber gegen den anderen Typ, der sie sogleich grob packte. Ich war mit wenigen Schritten bei ihr, doch der Blonde stellte sich mir in den Weg und sah mich finster an. Offensichtlich würde mein Einschreiten auf eine handfeste Auseinandersetzung hinauslaufen.
