20. Februar – Erlaubter Unfug

Minerva McGonagall war außer sich, denn ihre Kollegin Dolores hatte sie soeben vor all ihren Schülern gedemütigt.

„Sagen Sie, Minerva", hatte Dolores bittersüß gefragt, als Minerva mittendrin gewesen war, ihren Drittklässlern die Verwandlung von einem Bleistift in einen Regenschirm zu erklären, „warum haben Sie eigentlich nie geheiratet?"

Minerva hatte ein paar Mal verdutzt geblinzelt, während alle Schüler sie gespannt angesehen hatten. „Ich denke nicht, dass ich Ihnen darauf eine Antwort schuldig bin", hatte sie schließlich kühl erwidert.

„Oh, ich denke schon. Chrm, chrm. Wissen Sie, ich mache mir deswegen nämlich ein wenig Sorgen, was Ihren Charakter anbelangt."

„Meinen Charakter?!", hatte Minerva verwundert gerufen.

„Ja, Ihren Charakter", hatte Dolores gespielt lieblich erwidert. „Vielleicht sind Sie ja unausstehlich und deswegen noch immer allein."

Minerva war für einen Augenblick die Luft weggeblieben. „Sie sind doch auch unverheiratet!", hatte sie dann gerufen.

„Das stimmt. Aber ich bin auch eine viel beschäftigte Person."

„Ich auch!"

Da war Dolores aufgestanden, war zur Tür gegangen und hatte einmal herzlos aufgelacht. „Ja, natürlich", hatte sie dann höhnisch gemeint und war gegangen.

Minerva waren vor Wut und Demütigung die Tränen gekommen und daher hatte sie ihre Klasse früher in die Pause gelassen; die Schüler hatten den Klassenraum eilends und still verlassen – erst auf dem Flur hatte das Gerede begonnen…

Die Professorin war nun auf dem Weg in ihr Büro, schnell weg von allen Schrecken hier draußen, als sie ein unverwechselbares Gelächter hörte – Peeves.

Der Poltergeist schwebte schon im nächsten Moment um die Ecke, schlug ein paar Purzelbäume und gackerte dabei ununterbrochen.

„Peeves!"

Der Poltergeist sah sich verwundert um, bis er die Professorin entdeckte. „Schönen guten Morgen", grüßte er schmierig und schlug einen weiteren Purzelbaum.

„Peeves, ich habe einen Auftrag für dich."

„Und welchen?"

„Aber nur, wenn das unter uns bleibt."

Jetzt war sein Interesse geweckt. „Was soll ich denn tun?"

„Kannst du eine Stinkbombe in Professor Umbridges Büro losgehen lassen?"

Er sah sie verwundert an, dann lachte er laut. „Sieh an, sieh an, die Professorin ist eigentlich ein Tunichtgut."

„Bin ich nicht", grummelte Minerva.

„Aber ich darf doch gar keinen Unfug anstellen?", meinte Peeves da und blickte unschuldig drein. „Der Schulleiter und alle Lehrer verbieten es mir. Selbst Sie."

„Dies ist eine Ausnahme."

„Erlaubter Unfug also. So, so." Er überlegte einen Augenblick theatralisch, bis er schließlich erfreut rief: „Das gefällt mir. Ich mach's!"

Da breitete sich ein diabolisches Lächeln auf ihrem Gesicht aus. „Gut. Stinkbomben findest du in Mr Filchs Büro. Nimm dir einfach ein paar."

„Soll ich es denn machen, wenn Umbridge in ihrem Büro ist oder wenn es verlassen ist?", fragte der Poltergeist da ganz geschäftsmäßig.

„Das erste", erwiderte Minerva sofort.

Peeves lachte laut. „Sie gefallen mir immer besser."

„Danke, Peeves", lächelte sie und ging danach in ihr Büro.

Es war für sie in den nächsten paar Tagen das reinste Vergnügen, die Schüler und ihre Kollegen zu beobachten, wie diese jedes Mal die Nase rümpften, wenn eine im wahrsten Sinne des Wortes stinksaure Dolores an ihnen vorbeiging.