53. Zurück im Fuchsbau

Stefanie konnte mit niemandem über das reden, was ihre Großmutter ihr gesagt hatte. Ihr Vater zeigte Interesse an dem Ring, immerhin war es der seiner Familie, aber nicht mehr, als angebracht war und Mariechen ließ verlauten, dass sie ihre Oma auch besuchen wollte, damit sie vielleicht ein Paar schöne Ohrringe bekäme.

Während der nächsten Tage dachte Stefanie so intensiv über das nach, was sie erfahren hatte, dass sie ganz vergaß, dass sie ihre ZAG-Ergebnisse erwartete, doch als nur wenige Tage später zwei Eulen auftauchten, fiel es ihr sofort wieder ein.

In fiebriger Erregung löste sie den Brief von der Eule, die zu ihr gekommen war, doch enttäuscht musste sie feststellen, dass er nur die normale Bücherliste enthielt, sowie natürlich den Termin für die Winkelgasse.

„So früh war es noch nie", stellte ihre Mutter fest und Stefanie konnte ihr nur zustimmen. Normalerweise war es immer erst im August, aber nicht schon im Juli.

Dennoch, sie hatte nichts dagegen, denn das bedeutete, dass sie früher zu den Zwillingen konnte. Sie schickte Ivy auch gleich mit dem Datum los, bezweifelte aber, dass sie rechtzeitig ankommen würde. Wenn nicht, dann würde sie sich eben etwas überlegen müssen.

Am Tag ihrer Abreise und dem des Einkaufens, hatte sie ihren Koffer schon lange gepackt und mühte sich gerade damit ab, ihn in ihren kleinen Beutel zu stopfen (was eine Herkulesaufgabe war), als Mariechen hereinschneite, um sie an die Uhrzeit zu erinnern.

„Jaja, ich muss nur noch das hier machen", murmelte Stefanie und versuchte den Beutel weiter aufzumachen.

„Ist das dein Ernst?", kicherte Marie, als sie das Werken ihrer großen Schwester sah.

„Ja, es ist mein Ernst", knurrte Stefanie und schaffte es irgendwie, einen Teil des Koffers hineinzubekommen. Sie wusste selbst nicht, wie das gegangen war.

„Zaubere den Beutel doch zwischenzeitlich einfach größer… Schwellzauber, kannst du doch."

Verdutzt sah Stefanie auf, dann schüttelte sie ihren Kopf. „Das ist nur für Organismen." Sie seufzte und endlich gelang es ihr, ihren Koffer in den Beutel zu bekommen.

Marie hüpfte achselzuckend davon. Stefanie konnte hören, dass sie irgendein Lied vor sich hinsang und etwas von „Beeil dich!" rief.

Als Stefanie dann mit ihrem ‚leichten' Gepäck nach draußen trat, wartete ihre Mutter schon auf sie. Eigentlich hatte sie keine Zeit gehabt, aber da sie nicht wollte, dass Mariechen von Stefanie alleine gelassen wurde, hatte sie sich frei genommen, um sie zu begleiten.

Von den Zwillingen hatte Stefanie nichts gehört, aber das war zu erwarten gewesen. Sie würde es schon irgendwie schaffen. Das einzige Problem bestand im Moment darin, dass sie eigentlich nicht wusste, welche Bücher sie brauchen würde, weil sie nicht wusste, in welchen Fächern sie von ihren Noten her weitermachen durfte. Da sie nicht so optimistisch sein wollte, einfach alles zu kaufen, was sie wollte, beschränkte sie sich darauf, gar nichts zu kaufen, und sich in der Winkelgasse lieber nach den Zwillingen umzusehen, von denen aber jede Spur fehlte.

Als es Zeit wurde, sich zu verabschieden, war ihre Mutter nervös.

„Bist du sicher, dass das klappt? Wenn das jetzt nicht geht, dann kannst du nicht mehr zurück, was machst du dann?"

Stefanie lachte. „Das klappt schon, oder denkst du, die werden mich nicht reinlassen? Außerdem hab ich noch andere Freunde, die ich besuchen könnte und zur Not kann ich das Geld, das für die Bücher gedacht ist, und sonst noch von alten Gelegenheiten so in meinem Beutel rumliegt, einfach für ein Gasthaus nehmen. Der Tropfende Kessel ist nicht allzu teuer." Sie grinste ihre Mutter an und gab ihr links und rechts einen Kuss auf die Wange.

„Und Mariechen, wir sehen uns dann in Hogwarts." Sie zwinkerte ihr zu, während ihre Mutter sich besorgt durch das Haar fuhr.

„Bitte, schreib uns doch ein wenig öfter… ich habe dich keinen Monat bei mir gehabt und schon…" Sie seufzte tief. „Ach, mein kleines Mädchen wird flügge und ich war nicht da, um ihr beim Wachsen zuzusehen. Aber man muss loslassen können, nicht wahr?" Ein tapferes Lächeln huschte über ihre Lippen. „Komm her…" Und dann nahm sie Stefanie in ihren Arm und diese ließ es geschehen, während ein klein wenig Wehmut in ihr hochkam.

Als sie ihre Schwester und Mutter dann aber verschwinden sah, kam Vorfreude in ihr hoch, auch, wenn sie erst einmal zusehen musste, wie sie zum Fuchsbau kommen sollte.

Nachdem ihr Brief ganz offensichtlich nicht rechtzeitig angekommen war, würde niemand kommen, um sie abzuholen, also musste sie die Sache wohl oder übel alleine in die Hand nehmen. Sie könnte natürlich das Flohnetzwerk benutzen, aber war es nicht ein wenig unhöflich, wenn sie einfach so im Wohnzimmer der Weasleys erschien?

Nur fiel ihr nichts anderes ein, denn sie wusste nicht einmal, wie sie auf normalem Weg zum Fuchsbau kommen sollte, weil sie sich darüber noch nie Gedanken gemacht hatte. Zwar glaubte sie zu wissen, dass der Fuchsbau in der Grafschaft Devon lag, aber soweit sie wusste, lag das mehrere hundert Kilometer von London entfernt.

Somit war das Flohntzwerk eigentlich ihre einzige Möglichkeit.

Sie seufzte, dann nahm sie ihren Mut zusammen und trat in den Tropfenden Kessel, der an diesem Tag relativ leer war. Tom, der zahnlose, buckelige, alte Wirt, war gerade damit beschäftigt, ein paar Tische abzuwischen, als Stefanie an ihn herantrat und ihn fragte, wie viel eine Reiseportion Flohpulver kosten würde.

„2 Sickel der Messlöffel", antwortete er erstaunlich freundlich und erlaubte Stefanie obendrein auch noch, seinen Kamin zu benutzen, was er allerdings immer tat, denn Stefanie war schon von hier aus in den Fuchsbau gereist.

Als sie allerdings das Flohpulver in die Flammen warf, die daraufhin blau aufzündelten, überkam sie ein ungutes Gefühl. Sie hasste es, unangekündigt irgendwo hereinzuschneien und dann auch noch durch einen Kamin. Würde sie wenigstens vor der Haustüre stehen…

Aber eine andere Möglichkeit sah sie nicht, also holte sie tief Luft, stieg in die Flammen und sagte laut und deutlich: „Fuchsbau."

Sie zog ihre Ellbogen ein und versuchte, sich auf den richtigen Kamin zu konzentrieren, aber irgendetwas Hartes stieß dennoch gegen ihren Arm und sie legte ihn noch enger an ihren Körper. Um sie herum wirbelte alles und sie fand, dass das noch schlimmer war, als zu apparieren.

Als sie dann endlich aus dem richtigen Kamin stolperte, schluckte sie noch eine Menge Asche und musste sich erst einmal die Seele aus dem Leib husten.

Sie blinzelte einige Male, während sie eine Hand auf ihre Rippen legte, die furchtbar schmerzten, und sah sich in der Küche der Weasleys um. Sie war leer.

Zögernd trat sie ein wenig weiter in die Raummitte, wischte sich dann schnell die Asche von der Kleidung, sodass sie auf den Teppich fiel, und spähte dann durch die geöffnete Türe ins leere Wohnzimmer. Auch die Küche, in der sie ja stand, war leer, obwohl auf dem Herd ein Topf stand, in dem fleißig und wie von Geisterhand, ein Löffel herumrührte. Ab und zu übertrieb er es, denn die Wand war ein wenig voll gekleckert, sodass es den Eindruck erweckte, als würde der Löffel nicht ganz zuverlässig arbeiten, wenn Mrs. Weasley ihn nicht überwachte.

Stefanie trat zum Treppenhaus und lauschte hinauf, konnte aber nichts und niemanden hören. Das kam ihr merkwürdig vor.

Komisch, wo bitte waren denn alle?

An der Wand tickte die große Uhr von Mrs. Weasley, die statt zwei Zeigern je einen Zeiger für jedes Familienmitglied hatte. Statt der Uhrzeiten gab es Punkte wie ‚Unterwegs', ‚In tödlicher Gefahr' oder ‚Zuhause'. Bis auf Mr. Weasleys Zeiger, und natürlich die von Bill, Charlie und, so fiel ihr auf, auch der von Percy, standen alle auf ‚Zuhause'. Die der vier Männer jedoch auf ‚Auf der Arbeit'.

Percy arbeitete also schon? Dabei hatte er doch erst vor ein paar Wochen seinen Abschluss gemacht. Hatte er etwa seine UTZ-Ergebnisse schon erhalten? Ging das schneller, als bei ZAGs? Sie wusste es nicht, aber im Moment war es auch nicht so wichtig, denn von viel größerer Bedeutung war es, die Zwillinge, oder zumindest irgendeinen Weasley, zu finden.

Als nächstes ging sie zur Haustüre und warf einen Blick durch das Glas. Erleichterung durchflutete sie, als sie Ginny sah, die ganz alleine auf den Besenschuppen zuging und einen Besen dorthin zurückbrachte.

Stefanie öffnete die Türe und rannte zu ihr. Warme Sommerluft schlug ihr entgegen und ihre Turnschuhe hätten, wenn es nach ihr ging, ruhig Sandalen sein können.

„Hi", keuchte sie ein wenig außer Atem, als sie Ginny erreicht hatte und das Mädchen wandte sich überrascht zu ihr um. Sie schien nicht mit ihr gerechnet zu haben, aber ihre Miene hellte sich auf, als sie sie sah.

„Stefanie! Endlich, ich dachte schon ich würde hier noch versauern, unter all meinen Brüdern! Bin ich froh, dass du da bist! Wann bist du angekommen? Und warum hast du nichts gesagt?"

Sie versperrte den Schuppen und Stefanie grinste, weil sie erst Atem holen musste, um ihre Fragen zu beantworten.

„Ich hab… Ivy geschickt… kommt sicher in ein paar Tagen mit dem Brief, dass ich heute kommen will… und Flohpulver…"

„Ah, okay, verstehe… ich hoffe du hast dich nicht in Unkosten gestürzt, für das Flohpulver."

Stefanie winkte ab und folgte Ginny zurück in Richtung Haus.

„Fred und George entgnomen mal wieder den Garten", erklärte Ginny mit schadenfroher Stimme. „Sie haben Mum mit dem Lärm in ihrem Zimmer in den Wahnsinn getrieben, da hat sie ihnen das zur Strafe aufgehalst…" Sie strich sich eine Haarsträhne hinter das Ohr und blieb an der Hausecke stehen. Wenn man sich nun ein wenig vorbeugte, konnte man in den Garten sehen, wo tatsächlich Geräusche zu hören waren, die wie Entgnomen klangen.

Ein paar begeisterte Jubelrufe der Gnome, die noch nicht an der Reihe waren, und entgeistertes: „LOOOOOSLASSEN!"

Ein Gnom flog direkt an Ginny und Stefanie vorbei, die ihm entsetzt nachschauten, als er hart auf der Erde, direkt vor der Haustüre, aufkam und erst einmal benommen liegenblieb.

„George du Trottel, das war doch die falsche Richtung!", ertönte eine Stimme, die dann wohl Fred gehören musste und Stefanie warf einen Blick um die Hausmauer. Sie konnte Fred sehen, der in jeder Hand zwei Gnome an den Beinen hielt, sie aber einfach nur nach unten baumeln ließ, während er seinen Bruder vorwurfsvoll ansah. George wirkte, als wäre er sich nicht sicher, wie das hatte passieren können. Zwar sah sie nur seinen Rücken, aber er kratzte sich eindeutig verlegen am Kopf.

„Äh… ich schätze ich hab einfach zu früh losgelassen, war im Gedanken, weißt du."

„Im Gedanken? Du kannst denken?"

„Im Gegensatz zu dir sogar an mehr als nur eine Sache", kam es prompt zurück und die freundliche Neckerei zwischen den beiden ließ Stefanie lächeln.

„Streitet euch nicht, sonst erzählt ihr euch bald gar nichts mehr." Sie trat hinter der Hausmauer hervor und Fred erblickte sie, während George sich umdrehte.

„Stefanie! Das nenne ich eine Überraschung!"

„Du hättest uns ruhig Bescheid geben können", sagte George mit vorwurfsvoller Miene und Stefanie grinste.

„Habe ich, nur die Eule war nicht schnell genug, wie es aussieht."

„Naja, wenn du schon mal da bist, kannst du dich gleich nützlich machen", schlug Fred vor und zeigte auf die Gnome, die er gerade in den Händen hielt.

„Wieso? Es macht doch viel mehr Spaß dir dabei zuzusehen, wie du deine Muskeln spielen lässt."

Dieses Argument schien ihm zu reichen, um die Gnome erfolgreich über die Mauer zu katapultieren und auch George begann, sich wieder nach Gnomen umzusehen.

„Meine Güte, Steph hat euch ja besser im Griff als Mum – kein Wunder, dass Mum dich so vergöttert." Ginny grinste und klopfte ihr bewundernd auf die Schulter und Stefanie lachte leise auf.

Ein leiser Wind kam auf, riss eine Strähne aus dem französischen Zopf, den Stefanie sich so mühsam geflochten hatte, und trieb sie in ihr Gesicht. Während sie sie zurück strich, beobachtete sie die Zwillinge bei der Arbeit, die viel anstrengender aussah, als sie sie in Erinnerung hatte. Das könnte allerdings auch an der Hitze liegen. Die T-Shirts der Zwillinge klebten praktisch an ihren Körpern und offenbarten Muskeln, von denen Stefanie bisher nichts gewusst hatte.

„Wie kommts, dass die beiden so viel essen, so wenig Sport machen, und solche Körper haben?", murmelte sie halblaut zu Ginny, die daraufhin kicherte.

„Das nennt sich Gene. Und Ron kann davon nur träumen. Bill, Percy und Ron müssten sehr hart arbeiten, um so auszusehen, während Fred, George und Charlie nur mal kurz drei Sit-Ups machen müssen und schon sieht das so aus."

„Ja, sicher", sagte Stefanie und klang dabei ziemlich sarkastisch. Ginny grinste immer noch und ging dann einen Schritt zurück. „Ich geh jetzt mal rein, Mum suchen."

„Mach das… aber, warte kurz." Sie packte Ginny am Arm, um sie festzuhalten. Verdutzt sah Ginny zu ihr hoch. „Äh, was hast du eigentlich gemacht, vorhin, ehe ich kam? Alleine Quidditch trainieren?"

Ginny wurde rot, beinahe so, wie ihre Haare. Stefanie ließ ihren Arm los und Ginny begann, verlegen von einem Fuß auf den anderen zu treten. „Ja", sagte sie schließlich, „aber sag's niemanden. Die lassen mich nie mitspielen, weißt du… höchstens wenn du da bist, da muss ich halt alleine ran."

Nun grinste sie wieder und sah dabei ziemlich frech aus. „Ich geh dann mal, viel Spaß mit denen."

Sie verschwand und Stefanie sagte erst „Ja, bis dann", als sie schon lange weg war.

Sie drehte sich wieder zu den Zwillingen, die noch fleißig am Arbeiten waren, und fragte sich, ob sie Ginny wirklich nie mitspielen ließen?

Tatsächlich konnte sie sich daran erinnern, dass sie manchmal mit Ginny gespielt hatten, aber da war sie wirklich immer dabei gewesen. Schlossen sie ihre kleine Schwester etwa normalerweise aus? Wie gemein.

Stefanie seufzte und lehnte sich gegen die Mauer des Hauses, während sie den beiden dabei zusah, wie sie einen Wettkampf starteten, wer weiter werfen konnte.

Natürlich, sie waren Jungen und ältere Brüder führten sich meistens irgendwie bescheuert auf. Ginny hatte es sicher nicht einfach mit ihren vielen Brüdern.

Der Stein der Hausmauer war angenehm kühl und Stefanie gestattete es sich, ihre Augen zu schließen. Die Sonne kitzelte ihre Nase und war froh, keine lange Hose, sondern Shorts zu tragen. Zwar war es hier nicht so warm wie bei ihr Zuhause, aber immer noch ziemlich heiß, wie sie fand.

Sie wusste nicht, wie lange sie dort vor sich hindöste, aber als nächstes bekam sie einen Klaps auf ihre Kehrseite und jemand sagte: „Komm Steph, Mum hat das Essen fertig."

Sie öffnete ihre Augen und drehte sich ein wenig empört um, doch die beiden waren schon einige Meter entfernt. Also seufzte sie und lief ihnen hinterher.

Aus der Küche drang inzwischen ein deutlicher Geruch von Essen und Stefanie konnte sehen, dass Mrs. Weasley inzwischen von irgendwo aufgetaucht war. Ron lümmelte auf dem großen Tisch herum und als er Stefanie sah, schien ein Zucken durch seinen Körper zu gehen und sofort saß er kerzengerade auf seinem Stuhl.

„Tag, Ron", grinste Stefanie und als sie ihre Stimme hörte, drehte Mrs. Weasley sich mit einem Strahlen zu ihr um.

„Stefanie! Ginny hat mir erzählt, dass du da bist!"

Sie wuselte zu ihr hinüber und nahm sie in die Arme. Stefanie zwinkerte George über ihre Schulter hinweg zu, während dieser sich eine Scheibe Brot stibitze.

Als Mrs. Weasley sie wieder losließ und den Topf vom Herd holte, setzte Stefanie sich neben Ginny, die gerade die Treppe heruntergekommen war.

„Was genau macht Percy jetzt eigentlich?", fragte Stefanie und deutete auf die Uhr, auf der sein Zeiger ja auf ‚Bei der Arbeit' zeigte.

Fred verzog sein Gesicht, als hätte er in etwas sehr saures gebissen. „Das willst du nicht wissen. Vor allem nicht du."

George grinste. „Stimmt, du wirst sein neues Lieblingsopfer."

Verständnislos sah Stefanie die beiden an und nun schmunzelte auch Ron, während er in der dicken Suppe herumrührte, die seine Mutter ihm gerade hingestellt hatte.

„Er arbeitet in der Abteilung Internationaler magischer Zusammenarbeit."

„Oh", machte Stefanie und nahm mit einem dankenden Lächeln die Suppe entgegen. „Klingt… spannend?"

Fred zog eine Grimasse. „Todlangweilig. Er nervt uns die ganze Zeit mit Vorträgen über die Ministerien und Schlampereien anderer Länder…"

„…und er vergöttert seinen Chef, Mr. Crouch", vollendete George.

Auch Ginny wirkte nicht gerade glücklich, wieder daran erinnert zu werden und Stefanie zog kritisch eine Augenbraue hoch. „Naja… er war schon immer ein bisschen anstrengend. Viel schlimmer…"

„Doch Steph", sagte Fred mit Nachdruck. „Es ging schlimmer, auch, wenn wir es nicht glauben wollten."

Er schüttelte seinen Kopf und Stefanie begann ihre Suppe zu löffeln.

„Ich muss jetzt schnell ein Bett in Ginnys Zimmer aufbauen", sagte Mrs. Weasley und machte sich auf den Weg zur Treppe.

„Oh, das kann ich auch machen, bitte, keine Umstände", wehrte Stefanie ab, nur davon wollte Mrs. Weasley nichts wissen. Als sie gegangen war, seufzte Stefanie.

„Wie waren deine Ferien bisher?", erkundigte Ginny sich interessiert. „Hast du deine ZAG-Ergebnisse schon?"

Aber Stefanie konnte nur den Kopf schütteln. „Nein, leider noch nicht. Dabei hätte ich sie echt gerne."

„Ich nicht", murmelte George und Fred nickte zustimmend. „Jeder Tag, an dem Mum noch nicht weiß, wie schlecht wir waren, ist ein Tag mehr, an dem wir am Leben bleiben."

„Ihr hättet euch ja mehr anstrengen können", rutschte Stefanie heraus und die beiden warfen ihr vorwurfsvolle Blicke zu, sodass sie abwehrend ihre Hände hob. „Schon gut, ich weiß ja, woran's lag."

Ginny und Ron beobachteten sie interessiert, aber niemand sagte mehr etwas dazu.

Nach dem Essen zeigten die Zwillinge Stefanie, was sie inzwischen alles so geleistet hatten. Sie hatten ganze Bestellformulare für ihre Scherzartikel hergestellt, Preislisten angefertigt und so einiges dazu erfunden. „Unsere Würgzungen-Toffees sind endlich fertig… nur testen müssen wir sie noch. Wie lang die Zunge wird, wissen wir nämlich nicht."

„Normalerweise ziemlich lang, eure Schwellzauber sind ja nicht ohne", meinte Stefanie und musterte die harmlos wirkenden Toffees.

„Jepp, mit denen bin ich auch zufrieden. Und sieh mal da: Unsere neuesten Jux-Zauberstäbe." George deutete auf ein paar Hölzchen, die aussahen wie ganz normale Zauberstäbe. Stefanie griff neugierig nach einem, aber Fred hielt sie auf, indem er geistesgegenwärtig ihr Handgelenk umfasste. Irritiert sah sie zu ihm hoch.

„Lass das lieber – der fliegt dir um die Ohren, wenn du ihn anfasst."

Er ließ sie los und Stefanie sah überrascht auf den Zauberstab. „Oh, da habt ihr euch aber was gemeines ausgedacht… ich glaube mir sind die, die sich in Enten verwandeln, ein bisschen lieber…"

„Der hier ist auch für Menschen, die du wirklich nicht magst", erklärte George und blickte liebevoll auf sein Werk. „Wir haben dabei an Montague gedacht und schon lief's wie geschmiert."

„Ist aber euch teurer, als die, die sich verwandeln", stellte Stefanie fest, als sie auf die Preisliste sah. „Meine Güte, billig ist das Zeug nicht…" Sie machte eine kurze Pause, ehe sie fragte: „Wollt ihr das in Hogwarts verkaufen?"

Die beiden nickten. „Ja, wir haben uns gedacht, dass das unser Zielpublikum ist, also können wir ruhig schon mal testen, wie die Sachen dort ankommen."

„Verstehe… ich hoffe nur, dass das, was ihr dann auch wirklich verkauft, schon fertig ist und die Leute nicht umbringt…"

„Mach dir da mal keine Sorgen", beruhigte Fred sie, „wir haben ja alles selbst getestet."

„Bis auf die Würgzungen-Toffees", erinnerte sie ihn und die beiden grinsten.

„Die testen wir auch noch. Nur nicht an uns."

Sie verbrachten den restlichen Tag damit, draußen im Garten zu sitzen und sich einfach nur zu entspannen und über die Scherzartikel zu reden. Stefanie fand es bewundernswert wie konkret die Zwillinge mit ihren Plänen geworden waren und konnte nur fasziniert lauschen, wenn sie über ihre neuen Ideen sprachen.

Dafür hielt sie sich nicht zurück, wenn ihr ein Gedanke zur Umsetzung kam, oder sie etwas zu bemängeln hatte, beispielsweise, wenn die beiden etwas nicht genau durchdacht hatten.

Sie fragte die beiden auch genau über ihre finanziellen Verhältnisse aus und sie hatten tatsächlich schon über 30 Galleonen zusammengespart, auch, wenn das nicht wirklich viel war, angesichts ihrer ambitionierten Pläne.

Weil das Wetter viel zu schön war, um im dunklen Zimmer der Zwillinge zu sitzen, tüftelten sie meistens nur abends herum, während sie tagsüber die Sonne genossen, ein wenig Quidditch spielten, sofern man es bei Stefanie als Quidditch bezeichnen konnte – sie nannte es eher hilfloses Festklammern an den Besen.

„Mensch, Steph!", schimpfte Fred, als sie einen Apfel mal wieder nicht fing. „Du warst doch schon mal besser!"

„Sorry." Sie grinste und band sich ihr langes Haar erneut zurück, wobei sie versuchte, nicht vom Besen zu fallen, während sie sich nicht an ihm festhielt.

„Die Sonne hat geblendet."

„Wir können ruhig mal Seiten wechseln", schlug Ron vor, der zusammen mit George gegen sie spielte, und vermutlich wusste, dass es nicht an der Sonne gelegen hatte.

Weil er es aber so nett anbot, sagte Fred nicht nein und Stefanie sowieso nicht und sie gab sich mehr Mühe, sodass es ihr tatsächlich gelang, ein paar Äpfel zu fangen.

Als sie dann aber zum Abendessen wieder ins Haus gingen, traf Stefanie zum ersten Mal, seit sie wieder im Fuchsbau war, auf Percy.

Tatsächlich hatte sie es bisher geschafft, ihm aus dem Weg zu gehen. Sie war, wenn auch eigentlich unabsichtlich, immer zu spät aufgestanden, um ihn noch zu erwischen und da er gerne Überstunden machte, war sie ihm auch abends nie begegnet.

Nun aber war Freitag und er sah wohl seinem Wochenende entgegen. Mit seiner dicken Hornbrille saß er am Küchentisch und las in einem stattlichen Bündel Pergament.

„Hi", begrüßte Stefanie ihn und er blickte auf.

„Ah, Stefanie, hallo." Er reichte ihr ein wenig selbstgefällig die Hand. Sie ergriff sie, ohne zu zögern und warf dann einen Blick auf seine Unterlagen.

„Was ist das?", fragte sie und setzte sich ihm gegenüber. George, der neben ihr saß, stöhnte auf, aber das ignorierte Percy.

„Das hier sind die momentanen Importraten an Zaubergütern aus verschiedenen Ländern." Er wirkte sehr eifrig, während er sprach und blätterte hastige durch die Blätter, ehe er eines, das er offenbar gesucht hatte, hervorzog. „Das hier ist doch dein Heimatland, oder?"

Er hielt ihr das Pergament hin und sie nahm es neugierig. ‚AUSTRIA' stand groß darauf geschrieben und darunter eine sehr kleine Liste an Gütern.

„Ach du liebes Bisschen", grinste sie, als sie es las, „Ich wusste gar nicht, dass Österreich soviel Zauberstabholz nach Britannien exportiert." Das schien aber auch das Einzige zu sein, dass überhaupt exportiert wurde.

„Nun, man muss geben, was man hat, nicht wahr?", sagte er, ohne eine Antwort zu erwarten, und nahm ihr das Blatt wieder weg. „Und Österreich scheint ja generell nicht viel zu haben. Zumindest sind die geschäftlichen Verbindungen zwischen unseren Ländern sehr lose."

Stefanie zuckte mit den Schultern. „Wir haben nicht einmal ein eigenes Ministerium, sondern teilen es uns mit zwei anderen Ländern. Es wundert mich, dass wir überhaupt irgendetwas nach Britannien exportieren."

„Meiner Meinung nach, müsste man diesem Land einmal den Rücken stärken. Es bietet großartige Möglichkeiten, wenn sie nur nutzt und erkennt. Leider stellt es sich ja quer, genau wie viele andere, magisch unterentwickelte Länder auch." Er seufzte schwer und seine Mutter kam mit dem Essen herein.

Stefanie schnaubte empört. „Magisch unterentwickelt? Na hör mal, du redest ja davon, als wäre es völlig am Ende. Wir stehen wirtschaftlich ziemlich gut dar."

Fred und George warfen Stefanie ihren ‚Wir habens dir ja gesagt'-Blick zu, aber den ignorierte sie. Ja, vielleicht hätte sie besser auf sie hören und nicht mit Percy über so etwas sprechen sollen, aber dafür war es jetzt zu spät.

„Soweit ich weiß, stieß man sogar schon an seine Grenzen, als es darum ging, die magische Bevölkerung zu zählen. Kann man bei euch auch als Minderjähriger zaubern, ohne, dass es auffällt? Habt ihr überhaupt Gesetze? Ihr seid ja nicht einmal im Ministerium gemeldet, so wie es aussieht!"

Stefanie spürte, wie Zorn in ihr hochstieg, gleichzeitig aber auch Scham. Ihre Wangen färbten sich rot und ihre Hände verkrampften sich zu Fäusten.

Das Schlimme war, dass Percy gar nicht so Unrecht hatte. Ja, es schien entweder kein Gesetz zur Überwachung der Zauberei Minderjähriger zu geben, oder es wurde einfach nicht kontrolliert, denn Stefanie hatte sich nie daran gehalten und war nie aufgefallen. Außerdem war sie sich sehr sicher, dass sie nirgendwo aufgelistet war, oder zumindest auf keiner vollständigen Liste, denn ihr Vater dürfte dort nicht stehen und das, obwohl er ein Magier war. Auch ihre Oma war dann vermutlich nicht darauf zu finden, da sie ja keine Österreicherin war. Vermutlich herrschte im deutschsprachigen Ministerium tatsächlich so ein Chaos, wie Percy meinte, aber es machte sie trotzdem wütend, wie überheblich er davon sprach. Es ging hier immerhin um ihr Heimatland und sie fühlte eine gewisse Verbundenheit zu den herrlichen Bergen, auch, wenn sie nicht mehr oft dort war.

Wie konnte er nur so abschätzig darüber reden, während sie daneben saß? Wie konnte er es tun, im Gespräch mit ihr?

Oh, wenn sie hier zaubern könnte, sie hätte schon einen kleinen, unangenehmen Fluch für diesen Menschen auf Lager, aber da sie es nicht durfte, würde der neue Juxzauberstab der Zwillinge es vielleicht auch tun… oder ein nettes Würgzungen-Toffee. Wollten die beiden sie nicht ohnehin testen?

Fred, dem offenbar aufgefallen war, dass sie im Kopf gerade Methoden durchging, um Percy das Maul zu stopfen, stand auf und ging rasch hinter seinem Bruder vorbei, sodass er nun hinter ihrem Stuhl stand.

„Steph, komm mal mit", sagte er und ignorierte dabei die Blicke der anderen, ebenso wie die Tatsache, dass er Percy in seinem Schimpf-Monolog über das ungeordnete deutschsprachige Ministerium unterbrochen hatte, dem Stefanie gar nicht mehr zugehört hatte.

Dankbar eine Ausrede zu haben, um den Tisch verlassen zu können, stand sie auf und folgte Fred brav die Treppe hinauf in den ersten Stock.

„Du sahst so aus, als würdest du ihn am liebsten erwürgen", grinste er, als sie am Ende der ersten Treppe stehen blieben.

Ein wenig zerstreut warf Stefanie ihr zusammengebundenes Haar zurück und zog eine Schnute. „Ich dachte eher an eure neuen Jux-Zauberstäbe. Da muss ich mir die Hände nicht schmutzig machen."

„Haben wir dich nicht gewarnt?"

Sie nickte und seufzte dann schwer. „Doch, habt ihr. Aber ich dachte, es wäre interessant und nicht… so."

„Du denkst ja auch, dass Alte Runen interessant ist." Er schmunzelte. „Also, beruhig dich und dann können wir wieder zum Essen gehen."

Sie nickte und atmete tief ein und aus. Weil sie noch keine Lust hatte, wieder hinunter zu gehen, sondern lieber noch ein wenig im Treppenhaus herumstehen wollte, wobei es dafür eigentlich keinen Grund gab, trat sie an das Fenster und blickte hinaus. Sie konnte hören, dass Fred sich hinter sie stellte und in der Spiegelung des Glases sah sie, dass er seine Hände in seine Taschen versenkt hatte und über ihren Kopf hinweg ebenfalls hinaus sah.

Stefanie konzentrierte sich nun ebenfalls auf das, was hinter der Scheibe lag, und nicht auf das, was davor stand, und schon nach kurzer Zeit meinte sie, am Himmel etwas aufblitzen zu sehen.

„Hast du das gesehen?", fragte sie und gab ein zustimmendes Geräusch von sich.

Sie kniff ihre Augen ein wenig zusammen, um besser sehen zu können und erkannte dann tatsächlich eine Eule, die auf den Fuchsbau zuflog.

„Ich glaube", sagte sie und kicherte leise, „dass das die heldenhafte Ivy ist, die endlich doch ihren Weg hierher gefunden hat."

„Vermutlich ist sie irgendwo in einen Sturm geraten", mutmaßte Fred und Stefanie nickte ein wenig geistesabwesend. „Vermutlich."

Sie fuhr sich mit der Zunge über die Oberlippe, um sie zu befeuchten und öffnete dann das Fenster.

Tatsächlich flog die Eule auf sie zu und landete dann, ein wenig unsanft, auf dem Fenstersims. Sie gab ein merkwürdiges Krächzen von sich und streckte ihnen dann ihren Fuß hin.

„Arme Ivy…" Sanft fuhr Stefanie mit den Fingern über ihre Federn, während Fred sich neben sie gedrängt hatte, um den Brief zu entfernen. Sie spürte, wie er ihren Arm streifte und automatisch trat sie ein klein wenig weiter zur Seite, damit er mehr Platz hatte. Ohne es recht zu merken, fuhr sie mit ihrer Hand über eben diesen Arm, anstatt Ivy weiter zu streicheln.

Fred öffnete den Brief inzwischen, obwohl er schon wusste, was darin stand, und las ihn sogar. Oder er überflog ihn, denn sonderlich lange brauchte er nicht, um ihn zu lesen.

„Nächstes Mal einfach ein bisschen früher", grinste er und steckte den Brief in seine hintere Hosentasche. Stefanie sah beleidigt zu ihm auf.

„Ich kann nichts dafür, schneller konnte ich ihn nicht abschicken, weil ich den Termin erst da bekommen habe."

„Ich weiß ja." Immer noch mit einem schelmischen Funkeln in den Augen drehte er sich um und Stefanie ließ zu, dass Ivy sich Hermes, Percys Eule, anschloss, um jagen zu gehen. Zumindest glaubte Stefanie, dass es sich um Hermes handelte, denn begleitet wurde er von einem Winzling von Eule, die Stefanie nicht kannte.

„Ist das eine Babyeule, oder sieht die nur so klein aus?", fragte sie, als sie beobachtete, wie die drei verschwanden.

Fred winkte ab. „Ach, das ist Rons Eule. Hat er irgendwie geschenkt bekommen, wollte nicht darüber reden. Und sie heißt Pig."

„Pig?" Sie folgte ihm die Treppe hinunter und konnte bereits die Stimmen der anderen hören.

„Naja, ist ne Abkürzung. Keine Ahnung wie der ganze Name geht, den kann sich nur Ginny merken."

Als sie unten ankamen, setzten sie sich wieder, als wäre nichts gewesen und aßen weiter. Stefanie vermied es, Percy anzusehen, aber es war auch nicht mehr nötig, weil er nichts mehr zu ihr sagte.

Nach dem Essen allerdings, als sie zusammen mit den Zwillingen in deren Zimmer hockte, kam das Thema wieder auf.

„Percy war absolut widerlich zu dir", meinte George abschätzig und Fred nickte zustimmend.

„So schlimm ist er zwar immer, aber dass er es zu dir war, geht einfach zu weit."

„Zeit, ihm eine kleine… Lektion zu erteilen." George grinste gemein und Stefanie sah von einem zu anderen.

„Äh… und was stellt ihr euch unter einen kleinen Lektion vor?"

„Oh, glaub mir, wir haben da so unsere Ideen." Fred rieb sich die Hände und George durchwühlte einen Karton nach einem Blatt Pergament, das er wenig später hervorzog.

„Tinte", forderte er Stefanie auf, die ihm gleich eine Feder dazu gab und sich dann hinter ihn stellte, um neugierig mitzuverfolgen, was die beiden da ausgeheckt hatten.

Offenbar schrieb George einen Brief an seinen Bruder Charlie und, Stefanie kicherte, als sie das las, bat um ein wenig Drachenmist.

Sie hatte auch schon ein paar Ideen, was die beiden damit anstellen würden, aber sie weigerten sich, es ihr zu verraten und schickten den Brief noch am selben Abend weg.

Am nächsten Morgen erwachte Stefanie schon mit dem Gedanken, dass es langsam Zeit für ihre ZAG-Ergebnisse wäre und als sie diesen Gedanken mit Fred und George teilte, verzogen diese ihre Münder zu Grimassen.

„Niemals, die können von mir aus unterwegs verloren gegangen sein", meinte Fred, während sie sich zum Frühstück setzten.

Aber das waren sie nicht. Tatsächlich klopften nur wenig später drei Eulen an die Fensterscheibe und Mrs. Weasley ließ sie aufgeregt herein.

„Oh, das müssen eure ZAG-Ergebnisse sein… seht nur, die Briefe tragen das Hogwarts Siegel."

Stefanie wurde richtig nervös, als sie ihren Brief abmachte, auch, wenn die ganze Familie, oder die, die da waren, auf Fred und George sahen und nicht auf sie.

Sie schlitzte ihren Briefumschlag auf und zog wortlos, aber definitiv mit zitternden Fingern, das Blatt Pergament heraus, das dort gesteckt hatte und faltete es auseinander.

ERGEBNIS DER ZAUBERGRAD PRÜFUNGEN

Bestanden mit den Noten: Nicht bestanden mit den Noten:

Ohnegleichen (O)

Erwartungen übertroffen (E)

Annehmbar (A)

Mies (M)

Schrecklich (S)

Troll(T)

STEFANIE GALEN hat folgende Noten erhalten:

Astronomie:…...O

Pflege magischer Geschöpfe:…O

Zauberkunst:…..O

Verteidigung gegen die dunklen Künste:…. ...O

Alte Runen:….O

Arithmantik:…...…..O

Kräuterkunde:….O

Geschichte der Zauberei:…..…...O

Zaubertränke:…..…...…O

Verwandlung:…..…O

Stefanie las sie nacheinander durch, dann ein zweites Mal und dann noch einmal und bei jedem Mal fielen ihr mehr Steine vom Herz. Schließlich seufzte sie erleichtert auf und setzte sich wieder hin. Sie hatte es geschafft. Sie hatte gehalten, was sie McGonagall und sich selbst einst versprochen hatte. Sie hatte 10 Ohnegleichen geschafft und somit den 10ten ZAG. Und sie spürte nicht nur Stolz in sich aufkommen, sondern auch Zufriedenheit. Sie hatte fleißig dafür gelernt und es hatte sich gelohnt.

„Zeigst du's mir?", fragte Ginny, die sah, dass sie es sich schon angesehen hatte und mit einem Nicken reichte Stefanie das Zeugnis an Ginny weiter. Inzwischen war Mrs. Weasley an ihre Söhne herangetreten.

„Und, wie sieht es aus?"

„Äh, was wir uns vorgenommen haben, hat durchaus funktioniert", begann George vorsichtig, zeigte ihr aber seinen Zettel nicht. Fred warf einen flüchtigen Blick auf den seines Bruders und wirkte auf einmal zufriedener.

Nun riss Mrs. Weasley ihm das Blatt aus der Hand und studierte es eingehend.

„Das… kann doch nicht euer Ernst sein! Drei ZAGs? Drei?!" Sie warf den beiden einen scharfen Blick zu, dann fixierte sie Fred. „Wie siehts bei dir aus?"

„Äh… nicht anders." Aber er reichte ihr sein Blatt trotzdem und sie sah es mit denselben Argusaugen an, wie zuvor das von George.

„Und mit solchen Noten wollt ihr ins Ministerium?"

Die beiden schwiegen, offenbar hielten sie den Zeitpunkt nicht für reif, um ihr zu sagen, dass sie nicht ins Ministerium wollten. Stefanie blickte betreten auf ihre Fingernägel und Ginny starrte immer noch auf Stefanies Noten.

„Ich dachte, ihr würdet zumindest doppelt so viele schaffen! Wenigstens in Fächern wie Astronomie hätte man doch mehr erwarten können! Gut, Kräuterkunde mag anspruchsvoll sein, aber Pflege magischer Geschöpfe wäre doch machbar gewesen!"

Stefanie spähte ein wenig hoch und sah, dass die beiden sich betretende Blicke zuwarfen.

„Mum", verkündete Ginny plötzlich, als Mrs. Weasley den Mund öffnete um weiterzuschimpfen.

„Schau mal Stephs Noten!"

Sie reichte ihr Stefanies Blatt und die Zwillinge nutzten den Moment, um ihre Zeugnisse zurückzunehmen, nur, damit Stefanie sie ihnen gleich wieder abnehmen konnte, um sie anzusehen.

Die beiden waren beinahe gleich. Sie hatten ein E in Zauberkunst, Verwandlung und Verteidigung gegen die dunklen Künste, aber das wars auch schon. Fred hatte in Astronomie ein M geschafft, während George nur ein S erreicht hatte, sonst waren ihre Zeugnisse gepflastert mit Ms, bis auf Wahrsagen (S) und Zaubertränke (S).

„Sie hat recht", murmelte Stefanie ihnen zu, „zumindest ein paar Annehmbar hättet ihr locker haben können, wenn ihr euch Mühe gegeben hättet."

Aber die beiden kamen nicht dazu, zu antworten, denn da gab Mrs. Weasley schon ein Geräusch der Überraschung von sich. „Meine Güte, Stefanie! So gut war nicht einmal Bill! Zehn Ohnegleichen! 10! Es wundert mich, dass du nicht Vertrauensschülerin geworden bist!"

„Erinnern Sie mich nicht daran", murmelte Stefanie und gab den Zwillingen ihre Zettel zurück, während sie ihren von Mrs. Weasley entgegennahm, den sich nun auch die Zwillinge interessiert ansahen, ehe George ihr durchs Haar wuschelte.

„Nicht schlecht, Steph. Schade, dass du nicht mehr Fächer hast, dann wär's noch besser."

„Haha", machte sie, klang aber nicht begeistert und faltete es schließlich wieder zusammen. Sie freute sich zwar, aber irgendwie fand sie, dass es nicht richtig war, sich in der Gegenwart der Zwillinge zu sehr damit zu befassen. Das könnten die beiden falsch aufnehmen, glaubte sie.