Unliebsame Überraschungen

„Ich habe womöglich einen Weg gefunden, dir zu helfen." Überrascht blickte Hermine von ihren Unterlagen hoch, die vor ihr auf dem Schreibtisch lagen. Sie musterte über ihre Lesebrille hinweg die schlanke Gestalt ihres besten Freundes. „Bezüglich?" „Deiner Träume." antwortete Harry. Räuspernd blickte Hermine zu der Zimmertüre ihres Büros und formte ein wortloses Schweigezauber zu Harry. Dieser nickte verstehend, zog aus der Innentasche des Umhanges seinen Zauberstabs hervor und sprach mit einen Schwenk die entsprechende Zauberformel und legte diesen Schutz über das Büro. Hermine in der Zwischenzeit entledigte sich ihrer Lesebrille, legte diese neben den Unterlagen ab und schloss ihre beide Händen, auf der Oberfläche ihres Schreibtisches, zusammen. „Ich höre." forderte sie ihm auf und bot ihm den Stuhl ihr gegenüber an. Zögerlich ließ sich Harry auf die Sitzgelegenheit sinken. „Es gibt da etwas, das ich dir zuhause in meinem Arbeitszimmer zeigen möchte. Es wird dir eventuell helfen, den Sinn deiner Träume zu erkennen." „Den Sinn? Wie können diese Träume einen Sinn für mich ergeben, die handeln von einen Jungen denn ich noch nie in meinem Leben gesehen habe geschweige denn werden Ron und ich noch einen weiteren Sohn bekommen." „Ich weiß Hermine, dennoch bitte ich meinen Ratschlag zu folgen." Seufzend betrachtete sie seinen Gesichtsausdruck wenige Sekunden lang, ehe sie nickte. „In Ordnung, ich werde es tun weil ich weiß, dass du als mein langjähriger Freund mich niemals in eine Situation bringen würdest, die nicht gut für mich ist." Harry nickte ihr sichtlich erleichtert zu, empfand im gleichen Moment Hermine gegenüber ein schlechtes Gewissen denn er wusste dass seine Freundin nach dem Nachmittag in seinem Arbeitszimmer nie wieder die gleiche Person sein würde.

„Wann kannst du kommen?" „Ich werde um eins hier fertig sein, danach werde ich via dem Flohnetzwerk zu dir kommen. Danach habe ich bis halb fünf Zeit ehe ich die Kinder von der Schule abholen werde." erklärte Hermine ihm. „Gut, das wird genügen." „Das hoffe ich." „Gut, dann sehen wir uns um halb Zwei am Grimmauld Place." Nickend nahm sie ihre Lesebrille, setze sie sich auf ihre Nase und senkte ihren Blick auf die Unterlagen vor sich herab. Verstehend verließ Harry ohne weitere Worte leise das Büro und verließ schnellen Schrittes den Gangbereich. Über einen Seitenkamin flohte er zurück in sein Arbeitszimmer. Kaum angekommen, nahm er aus dem Schrank einen Glas und die halbvolle Whiskeygaraphe heraus. Seufzend schenkte er sich etwas von dem alkoholhaltigen Getränk ein und trank. „Wie ist es gelaufen?" wollte das Porträt vor ihm wissen. „Ja, sie wird um halb zwei hier sein." „Warum trinken Sie Harry?" „Weil ich das Gefühl verspüre meine beste Freundin soeben betrogen zu haben." „Sie haben Sie nicht betrogen, sie werden ihr damit helfen und damit auch unseren Söhnen." „Das wird sich noch weisen." „Wovor haben Sie plötzlich Angst Harry?"

Der Angesprochene blickte von dem leeren Glas in der Hand hoch zu dem Mann mit den langen dunklen Haaren. Er bemerkte, dass in seiner Frage weder Ironie noch versteckter Sarkasmus gewesen war. Wenn er es nicht besser wüsste, hätte Harry meinen können das es Sorge gewesen war. „Das was ich in Hermines Erinnerungen gesehen habe, sprich aus der Zukunft das war zutiefst verstörend gewesen. Dieser Jeremiah hatte so gar nichts mehr mit jenen gemeinsam dem ich in seinen Verstand angetroffen hatte. Diese Kaltherzigkeit, Skrupellosigkeit mit der er tötete – mit der er mich getötet hat…." Er hielt inne, schluckte heftig hinunter bevor er sich nachschenkte und in einem Zug das Glas leerte. „Ich bin in meinen Leben einige Male Voldemort gegenüber gestanden und hatte immer Angst gegenüber ihm zu verlieren, aber dennoch war da jedes Mal auch so etwas wie Zuversicht gewesen. Ich vermute, dies war Dumbledore zu verdanken gewesen, weil er mich jahrelang angeleitet hatte und auch Ihre Anwesenheit, auch wenn ich es damals nicht als solches wahrgenommen habe." „Und heute?" „Heute, es erfüllt mich mit purer Angst wenn ich daran zurückdenke, denn er ist unberechenbar und in seinem ganzen Tun voller Hass. Als sie von Ihnen gesprochen hat, er wurde derartig wütend dass es die Wände zum Einsturz gebracht hat. Wenn wir sein Erwachen nicht verhindern können, so frage ich mich ernsthaft ob Tristan jemals in der Lage sein wird ihm zu besiegen! Denn ich werde es zweifelsohne dieses Mal nicht sein, denn die Zauberwelt vor seiner Vernichtung retten wird."

„Harry, Sie müssen nicht glauben dass Sie der ultimative Retter sind. Sie sind ein kleiner Junge, der einfach von einem Verrückten dazu auserkoren wurde sein Gegenüber zu sein. Es hätte genauso gut Longbottom sein können, aber seine Eltern waren nun mal von ihren Naturell her anders gewesen als es Potter und Lily gewesen sind. Diese Sache hier, mit Jeremiah ist etwas vollkommen anders. Ihr Einwand bezüglich Tristan ist aber mehr als berechtigt, denn er hat keinerlei Ahnung von dem was das Schicksal für ihm bereithält. Aber dank Ihnen als sein Lehrer wird er zumindest nicht unvorbereitet in diese Schlacht gehen." „Gerade ich soll den Jungen vorbereiten? Sie wären bei weitem ein besserer Nachhilfelehrer was die dunkle Materie der Magie anbelangt." „Das mag schon so stimmen, aber wir wissen beide dass ich nicht mehr am Leben bin und nur durch dieses magische Abbild meines früheren Selbst mit Ihnen kommunizieren kann." Seufzend nickte Harry niedergeschlagen. „Warum ist sie generell in unsere Zeit gekommen und ist nicht viel weiter zurückgegangen?" Snape blickte überrascht, fragend in sein Gesicht. „Was meinen Sie?" „Wieso ist sie nicht in ihre Schulzeit zurückgegangen oder zumindest in unser letztes Schuljahr, kurz bevor Voldemort vernichtet wurde. Es gäbe für sie jede Möglichkeit ihm zu vernichten und dadurch Jeremiahs Aufstieg zum Bösen zu verhindern. Warum gerade jetzt?" Harry konnte beobachten wie es hinter Snapes Stirn heftig arbeitete. „Das ist eine gute Frage Potter, eine sehr gute sogar. Eine Frage die mehr Beachtung finden sollte. Sie hat erwähnt, dass er sie aus einen bestimmten Grund ausgerechnet in Jane verwandelt hat. Was ist wenn sie…" Der Mann hielt inne und seine Augen wurden augenblicklich größer. „Verdammt!" spie er aus. „Oh nein." erkannte Harry im gleichen Moment die Problematik die Snape entdeckt hatte.

„Sie kann nichts davon wissen Severus, denn in ihrer Zukunft hat nie jemand in Tristans Kopf hineingesehen und folglich nie jemand die Erinnerungen gesehen. Faktisch konnte sie nie von ihrer gemeinsamen Vergangenheit erfahren haben." schlussfolgerte der ehemalige Auserwählte der Zauberwelt. „Aber wie um alles in der Welt ist sie dann an die Informationen gelangt, die sie mir erzählt hat! Sie wusste über Dinge Bescheid…" „Severus…." Der ehemalige Lehrer erhob sich plötzlich sichtbar erregt. „Sie darf unter keinen Umständen zu Jeremiah gelassen werden. Geben Sie Narcissa unverzüglich Bescheid!" „Und was soll ich ihr sagen?" „Das Hermine nicht sie selbst ist." „Das ist ja offensichtlich, schließlich ist sie von der Gestalt her Jane, ihre eigene Enkeltochter. Meine Güte wie sich das nur anhört!" „Sie ist ein Spion, ein Spion ohne es selbst vermutlich zu wissen." „Verdammt." murmelte Harry missmutig aus. „Was sollen wir mit ihr machen?" „Bring sie nochmals hierher und dann dring in ihren Kopf ein Harry, nur so finden wir die Wahrheit heraus!" „Langsam macht mich das irre Severus, dieses ewige Eindringen." „Was denken Sie, wie habe ich meine Stellung beim dunklen Lord über viele Jahre hinweg halten können Harry?" Der Angesprochene zuckte ahnungslos mit den Schultern. „Nur durch beinahe tägliches Legilimens! Alleine hätte ich nie das Wissen gehabt, dass ich an Dumbledore weitergab! Sie werden sich mit der Zeit daran gewöhnen und wenn alle Versuche schief gehen reisen Sie selbst in die Vergangenheit und holen Sie mich in die Zukunft!"

Erstaunt riss Harry die Augen auf, öffnete den Mund um zu einer Antwort anzusetzen wurde aber durch heftiges Klopfen an der Zimmertür daran gehindert. „Bitte?" fragte er stattdessen und wandte sich von dem Porträt ab. „Es tut mir leid Harry, aber irgendetwas stimmt mit ihr nicht." Es war Narcissa, die ihm äußerst besorgt anblickte. „Wer?" „Hermine, Jane." antwortete sie knapp bevor sie sich umdrehte und rasch davon eilte. „Gehen Sie und denken Sie an meine Worte Harry!" herrschte Snape ihm an. Verwirrt von seinen letzten Worten nickte er und folgte Narcissa hinunter in sein Wohnzimmer. Dort angekommen konnte er beobachten wie sich Hermine, in der Gestalt von Jane zusammenkrümmte und immer wieder schrie. „Nein, du bekommst mich nicht!" verstand er unter dem heftigen Gestöhne und Geschrei des Mädchens. „Was ist passiert?" fragte er an Narcissa gewandt, die neben ihm stand und hilflos wirkte. „Ich weiß es nicht Harry. Wir haben uns in einen Moment noch unterhalten und im nächsten begann sie sich unter Schmerzen zu krümmen." „Worüber habt ihr miteinander gesprochen?" wollte er plötzlich wissen, da in ihm Snapes Worte wiederhallten. „Über Jeremiah und das sie ihm unmöglich sehen dürfe." In dem Mann stieg heftige Nervosität hoch. Konnte es tatsächlich sein, dass Severus doch mit seiner Vermutung Recht behielt? „Hatte sie den Wunsch danach geäußert Narcissa?" „Nein, ganz im Gegenteil. Sie meinte, dass es sich nicht richtig anfühlen würde und es für alle äußerst gefährlich sein könnte!" „Verdammt!" rief er aus und wollte sich auf das Mädchen vor sich stürzen, doch prallte er heftig an einen Schutzschild ab der sich rund um Jane gebildet hatte. Besorgt kniete sich Narcissa zu Harry hinunter und berührte seine Schultern. „Ist alles in Ordnung?" „Ja, es geht schon. Aber sie hat einen Schutzschild um sich aufgebaut."

Überrascht blickte Narcissa zu ihrer alten Freundin, deren Geschrei und Gestöhne überraschenderweise irgendwann in den letzten Sekunden aufgehört hatten. „Hermine?" „Das hättest du wohl gerne. Die Arme hatte schon ganz Recht, in euch Vertrauen zu säen und gleichzeitig dafür zu sorgen dass ER nicht stirbt. Aber ihr werdet trotz meines Bruders auch in dieser Zeit verlieren! Denn ich werde euch das nehmen, dass euch bisher geholfen hat!" Verdattert beobachteten Harry und Narcissa zusammen, wie sich Jane grinsend erhob und die beiden mit einem bösartigen Grinsen bedachte bevor sie sich in Luft auflöste. „Was kann sie damit gemeint haben?" wollte Narcissa wissen. In Inneren von Harry arbeitete es auf Hochtouren bevor schlagartig die furchtbare Erkenntnis in seinen Verstand sickerte. „Verdammt, er hat es auf Severus abgesehen!" rief er aus, rappelte sich auf und stürzte aus dem Zimmer. Rasch eilte er die Stufen zu seinem Arbeitszimmer hinauf, riss die Zimmertüre auf und erblickte wie Jane vor dem Porträt von Severus stand, das mittlerweile von der Wand abgenommen worden war und unmittelbar vor dem Mädchen stand, die ein Feuerzeug in ihrer rechten Hand hielt. „Severus!" schrie Harry schockiert auf. Dieser blickte von Jane zu ihm hinüber. „Denk an meine Worte Harry!" meinte er mit seelenruhiger Stimme bevor Jane grinsend das Feuerzeug einfach fallen ließ und damit das Porträt in Brand setzte. „Verdammt Hermine!" rief Narcissa, die nun hinter Harry ins Arbeitszimmer getreten war, empört aus.

Harry hingegen zog seinen Zauberstab und richtete diesen auf Jane aus. „Verdammt Harry was tust du da? Das ist doch Hermine!" „Nein, das ist sie nicht. Sie war es vielleicht bei ihrer Ankunft hier in diesen Haus gewesen und auch noch während eurer Unterhaltung doch dieses Mädchen hier, ist nicht mehr Hermine. Hab ich Recht?" forderte er das Mädchen lautstark auf. „Du bist wahrlich Harry Potter!" gab sie zu Protokoll und wandte sich von dem brennenden Porträt ab, hin zu Harry und Narcissa. „Wenn du nicht Hermine bist, wer bist du dann?" fragte Narcissa zögerlich. „Ach liebe Stiefmutter, hast du es noch immer nicht begriffen?" Augenblicklich weiteten sich ihre Augen und sie blickte schockiert zu Harry, der kaum nickte während sein Blick weiterhin auf der Gestalt des Mädchens gerichtet war. „Wie ist das möglich, du liegst in deinen Zimmer!" „Es ist der aus der Zukunft, nicht wahr?" „Richtig." „Warum bist du hier?" „Um eure Pläne in Erfahrung zu bringen. Ich wusste was sie vorhaben und wollte wissen warum." „Tja, da hast du Pech gehabt. Ich werde verhindern, dass du Tristan etwas antust!" „Keine Sorge, ich habe nicht vor meinen Bruder auch nur ein Haar zu krümmen!" „Sondern?" „Das wird sich weisen, sobald ich in meine Zeit zurückkehre." „Was ist mit Hermine? Ist sie tot?" „Nein, sie lebt noch aber sie hat ihren Sinn und Zweck erfüllt. Ich gewähre ihr einen letzten Wunsch! Sie hat vierundzwanzig Stunden!" Ehe Harry darauf etwas antworten konnte fiel das Mädchen vor ihnen in Ohnmacht. „Verdammt!" sagte er und bewegte sich auf die ohnmächtige Gestalt zu. „Was sollen wir nun tun?" „Bring sie in eines der Gästezimmer, die befinden sich gleich im Stock oberhalb dieses Arbeitszimmers." erklärte er abwesend während er auf die Überreste des Porträts seines ehemaligen Professors blickte. Narcissa hob mittels ihres Zauberstabs die leblose Gestalt Janes in die Höhe und ließ sie vorsichtig hinausschweben. Nachdem die beiden Frauen verschwunden waren, kniete sich Harry vor die verkohlten Überreste des Gemäldes, nahm einige Fetzen des Papieres zwischen seine Finger und seufzte.

„Was sollen wir nur ohne dich tun Severus? Wer soll mich nun anleiten?"