YorkBuckley09
hide bio
PM . Follow . Favorite
Joined 06-12-19, id: 12435369, Profile Updated: 06-12-19

Die Digitalisierung nimmt Jobs, die Digitalisierung gibt Jobs. Aber eigentlich nicht "die" Digitalisierung, sondern deren Anwendung in Unternehmen. Ach, die Digitalisierung oder was darunter alles subsumiert wird. Man kann sein Leben füllen mit diesem Oberbegriff, der nicht selten einfach nur als Begriffshülse für Visionen und Ängste daherkommt. Während es in vielen und für viele Unternehmen um die Frage tradierter und neuer Geschäftsmodelle geht, springen andere auf die teilweise Begriffshuberei auf und machen ihr eigenes (Veröffentlichungs-)Geschäftsmodell daraus. Das führt dann in unseren Zeiten zu einem bunten Strauß an kritischen Digitalisierungsexperten, die durch die Medien gereicht wird. So beispielsweise der Soziologe Harald Welzer.

Aber das Lager der Pessimisten und Untergangspropheten kann sich ja durchaus auf seriösere Quellen berufen. Immer noch ungebrochen ist der Verweis auf die bereits 2013 publizierte Studie The Future of Employment: How Susceptible are Jobs to Computerisation? Carl Benedikt Frey and Michael A. Osborne. Darin findet man diesen Befund: »According to our estimates, about 47 percent of total US employment is at risk.« Da ist sie, die Zahl, die seitdem überall herumgeistert und sich verselbständigt hat. Bei einem derart komplexen Thema wie den Beschäftigungsauswirkungen dessen, was als "Digitalisierung" verhandelt wird, kann es naturgemäß kein Entweder-Oder geben. Man muss genau und differenziert hinschauen. Wir haben es - soweit man das derzeit überhaupt auf den Punkt bringen kann - weniger mit einem Entweder-Oder, sondern mit einem Sowohl-als-Auch zu tun. Denkbar wäre sogar eine Entwicklung, in der mehr Beschäftigung hinzukommt als verloren geht.

So die beiden IAB-Wissenschaftlerinnen Britta Matthes und Katharina Dengler, die in einem Interview ihre neue Studie Substituierbarkeitspotenziale von Berufen: Wenige Berufsbilder halten mit der Digitalisierung Schritt erläutern und die Befunde einordnen. Wie immer bei solchen komplexen Themen ist es für viele hilfreich, einen Blick auf die Praxis zu werfen. Und da wird man in diesen Tagen mit einem Unternehmen, das die meisten kennen, und einem Sachverhalt konfrontiert, der wie bestellt daherkommt für die Pessimisten: Zalando ersetzt in Berlin 200 Mitarbeiter durch Algorithmen. Da haben wir es. Die Digitalisierung frisst ihre Kinder. Und dann auch noch nicht irgendwelche, sondern Leute mit Jobs, die man nicht unbedingt als niedrigqualifiziert bezeichnen würde: »Der Online-Modehändler Zalando will seine Produkte noch stärker mit Hilfe von Computerprogrammen vermarkten und baut deshalb Stellen im Marketing in Berlin ab. »Der Online-Modehändler Zalando steht vor dem größten Umbau seiner noch jungen Unternehmensgeschichte.

Die komplette Marketingabteilung wird umstrukturiert und mehr von Algorithmen getrieben sein. Dieser Bereich ist für das Unternehmen sehr wichtig. Der Online-Modehändler hat es unter anderem mit dem Werbespruch „Schrei vor Glück“ geschafft, seine Marke bekannt zu machen. Doch auch das Geschäft verändert sich. In der Hauptstadt arbeiten mehr als 6.000 der global 15.000 Mitarbeiter von Zalando. Aufgaben, die bislang von Menschen erledigt wurden, wie etwa das Versenden von Werbe-E-Mails, sollen zukünftig verstärkt von Algorithmen oder Künstlicher Intelligenz gesteuert werden, kann man dem Artikel von Jansen entnehmen. Also genau das Abbauszenario, auf das die Pessimisten immer hinweisen. Auf den ersten Blick.

Wie immer lohnt es sich auch hier, genauer hinzuschauen. So wird Rubin Ritter, Co-Chef von Zalando, in dem FAZ-Artikel mit diesen Worten zitiert: „Wir gehen davon aus, dass Marketing in Zukunft noch datenbasierter sein muss. Insgesamt wird der Modehändler in diesem Jahr personell wachsen; Zalando kündigte zuletzt an, bis zu 2.000 neue Stellen größtenteils in Berlin zu schaffen. „Dazu gehört es manchmal leider auch, solche Schritte zu gehen. Jeder Umbau bedeutet aber auch, dass bestimmte Aufgaben, die es vorher gab, nicht mehr da sein werden. Einschnitte im Online-Marketing des Unternehmens dürften auch in den anderen Unternehmensbereichen für Unruhe sorgen. Zwar ist im Prinzip wohl allen Mitarbeitern bewusst, dass es angesichts von künstlicher Intelligenz und Big Data nur eine Frage der Zeit ist, bis sich Jobs wandeln. Dass Mitarbeiter aber gerade dann, wenn sie erfolgreiche Prozesse etablieren, sich selbst und ihren Unternehmensbereich weitgehend überflüssig machen, ist ein Problem im System ..

Man kann das auch an diesem Beispiel verdeutlichen: Künstliche Intelligenz schlägt Top-Anwälte bei Vertragsanalyse, so hat Jannina Schäffer ihren Artikel überschrieben. Ihr Ausgangspunkt: Bisher ging man nicht davon aus, dass auch der Anwaltsberuf zu den Jobs gehört, die der Digitalisierung zum Opfer fallen könnten. Für Aufsehen sorgte daher ein Experiment der Plattform LawGeex. Das Unternehmen hat sich auf die automatische Überprüfung von Vertragstexten spezialisiert. »Einer von LawGeex geschaffenen künstlichen Intelligenz ist jetzt das gelungen, vor dem sich viele klassischen Anwälte fürchten. Die KI hat in einem Test 20 US-Anwälte bei der Analyse von Verträgen klar hinter sich gelassen - sowohl in puncto Genauigkeit als auch bei der Dauer. Auf die Geschäftsmodelle kommt es an: Man kann das an dem hier als Beispiel zitierten Unternehmen selbst verdeutlichen.

»Zalando ist ein Online-Versandhaus für Mode und gehört zu einem der umsatzstärksten Online-Shops in Deutschland. Im Jahr 2017 belief sich der Umsatz von Zalando auf rund 4,49 Milliarden Euro. Im gleichen Jahr konnte das Unternehmen einen Gewinn in Höhe von 102 Millionen Euro ausweisen. Die Zahl der aktiven Zalando-Kunden lag bei rund 23 Millionen. Insgesamt wurden 90,5 Millionen Bestellungen im Jahr 2017 getätigt, deren Warenkorbwert sich im Durchschnitt auf 64,50 Euro belief. Nach einer Umfrage in Deutschland zu den beliebtesten Versandhäusern belegte Zalando den dritten Platz«, so die statistische Beschreibung des Unternehmens. Wir haben es also mit einer ganz großen Nummer zu tun. Und die wird nicht überall begeistert begrüßt. »Das Augsburger Fair-Fashion-Label Manomama hat keine Lust, für den Moderiesen Zalando zu produzieren - wegen dessen Geschäftspraktiken.

Für ihre Weigerung bekommt Manomama-Gründerin Sina Trinkwalder im Netz nun jede Menge Applaus«, kann man diesem Artikel entnehmen: Manomama-Gründerin legt sich mit Zalando an - und das Netz feiert sie dafür. Antwort von Manomama-Gründerin Sina Trinkwalder auf eine Anfrage von Zalando. Trinkwalder will Zalandos Geschäftmodell offenbar nicht unterstützen. Sie begründet ihr Ablehnung damit, das Geschäftsmodell von Zalando gehe "zu Lasten unzähliger kleiner Einzelhändler und Hersteller". Und zur Abrundung des Fallbeispiels Zalando: Arbeitsplatzverlust durch Algorithmen - Ex-Mitarbeiter starten Kampagne, berichtet das Handelsblatt: Zalando-Mitarbeiter beschreiben die Stimmung im Hauptsitz als schlecht. Es seien teilweise ganze Teams entlassen worden und auch eine schwangere Mitarbeiterin habe einen Aufhebungsvertrag angeboten bekommen. Es wäre für die Digitalisierungsdiskussion sicherlich mehr als hilfreich, sich endlich oder wieder in Erinnerung zu rufen, dass die Frage der technischen Machbarkeit das eine, die Frage der (betriebswirtschaftlichen) Umsetzung das andere ist.

Und mit dem letzten Punkt ist auch die Frage der Kosten (und Gewinne) verbunden, die - von wem? Zuweilen bekommt man in der aktuellen Debatte den Eindruck, dass es immer stärker auf die Frage hinausläuft, wie man die Arbeitnehmer dazu bringt, sich ein Leben lang anzupassen an die auch in diesem Beitrag beschriebenen Veränderungen. Wir kennen diese Einseitigkeit des Diskurses über die Anpassung aus der "Employability"-Debatte, bei der die "Beschäftigungsfähigkeit" auch von vielen ausschließlich mit Blick auf die Arbeitnehmer diskutiert wurde. Aber es gibt auch eine Beschäftigungsfähigkeit (oder eben eine gestörte) auf Seiten der Unternehmen. Und eine möglichst ausbalancierte Beschäftigung mit beiden Seiten wird für eine produktive Gestaltung dessen, was mit "der" Digitalisierung an Veränderungen auf uns zukommen wird, von entscheidender Bedeutung. Aber automatisch wird das nicht kommen.

Vielmehr muss die Frage beantwortet werden, wie mithilfe der neuen Technologien ein zusätzlicher Wertbeitrag für das Unternehmen erreicht werden kann. Das heißt konkret, die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern - zum Beispiel durch gute Prognosen und durch aussagekräftige Analysen und Berichte, die mehr sind als das vergangenheitsbasierte Zusammentragen von Daten. Weißenberger: Der CFO muss sich letztlich neu erfinden. Früher war der CFO der Spezialist für Regeln und Recheninstrumente im Accounting. Er wusste zum Beispiel mit seinem Team genau, wie man den Standard zur Leasingfinanzierung umsetzt. Dieses Detailwissen wird heute zunehmend weniger relevant - denn diese Fragen werden heute automatisiert beziehungsweise durch KI-Systeme gelöst. Stattdessen viel wichtiger ist, dass man sich über die realen Konsequenzen eines solchen Leasing-Vertrages Gedanken macht oder wie man das Geschäft an den Kapitalmarkt kommuniziert.

Und da verändert sich das Aufgabengebiet des CFO. Weißenberger: Genauso wie Sie heute das Auto nehmen, wenn Sie von Köln nach Düsseldorf wollen, genauso wird es für Sie selbstverständlich sein, das Zusammenstellen von Informationen und Berichten durch die IT übernehmen zu lassen. Die neue Frage ist dann, wie Sie mit den so produzierten Informationen umgehen und wie Sie sie einordnen. Die neue Technologie erlaubt, dass Sie den Dingen leichter und genauer auf den Grund gehen können. Weißenberger: Der CFO steuert natürlich weiterhin über Kennzahlen und über Vorgaben. Aber nicht mehr so statisch wie früher. Unternehmen müssen heute schließlich immer agiler werden, weil sich die Geschäftsmodelle ändern.

Heute muss der CFO einen guten Rahmen setzen, in dem sich die Mitarbeiter dann schließlich bewegen können. Er muss Raum für neue Ideen und neue Kreativität geben können. Das ist ein Aspekt, der in der Zukunft immer wichtiger wird. Weißenberger: Ein gutes Beispiel ist die Deutsche Post DHL, die ganz beeindruckend ihre Supply Chain organisiert und dabei vorbildlich vom Finanz-Bereich unterstützt wird. Durch gute Prognosen, durch schlanke und effiziente Prozesse sowie durch aussagekräftige Daten. Ein anderes Unternehmen ist Evonik, die als Spezialchemiehersteller den Weg der Digitalisierung gehen. Ein drittes Unternehmen ist die Deutsche Lufthansa, die in einem extrem volatilen Umfeld immer wieder attackiert wird durch neue Unternehmen.

NRW-Wirtschaftsminister Pinkwart hat seine Digitalstrategie vorgestellt. Ein Bündel ambitionierter Maßnahmen, von der Opposition umgehend zerpflückt. NRW-Digitalminister Andreas Pinkwart (FDP) wischt sich durch das Basisvokabular, das wilden Tatendrang signalisiert. . Am Mittwoch (10.04.2019) stellt er seine Digitalstrategie vor. Stolz verkündet Pinkwart, die Strategie sei mit allen Ressorts abgestimmt. Sie sei ohne externe Berater - eine Replik auf die Berichterstattung von Westpol - und unter Bürgerbeteiligung entstanden. Europa will der Minister werden. Und nennt dann die Parameter, an denen sich die Landesregierung künftig messen lassen muss. Die Investitionen in Start Ups sollen auf 500 Millionen Euro anwachsen, bis 2022 sollen alle Schulen in NRW ans Gigabyte-Netz angeschlossen sein, alle gewerberechtlichen Verfahren sollen "medienbruchfrei digital" laufen. Arbeitswelt, Mobiltität, Gesundheitswesen, Forschung und Innovation - kein Bereich bleibt ausgespart.

Und die Digitalisierung der Landesverwaltung soll bis 2025 abgeschlossen sein. Da sei man auf einem guten Weg, immerhin sei dort "die elektronische Laufmappe" bereits am Start. Die SPD-Abgeordnete Christina Kampmann kritisierte die geringe Bürgerbeteiligung bei der Entwicklung der Digitalstrategie und rechnete vor, nur 0,00096 Prozent der Menschen in NRW hätten mitgemacht. Das Konzept sei "ein Sammelsurium von Einzelmaßnahmen". Kampmann gestand aber auch ein, "in den Zielen sind wir uns ganz oft einig". So verwundert es nicht, dass ein Großteil ihrer Rede aus persönlichen Angriffen in Richtung Pinkwart ("Sie sind sich selbst der größte Fan") bestand. Der Grüne Matthi Bolte-Richter bemängelte, das mehrfach angekündigte Open-Data-Gesetz liege immer noch nicht vor. Die Investitionen in Künstliche Intelligenz würden mit 23 Millionen für fünf Jahre viel zu niedrig ausfallen. Und der AfD-Abgeordnete Sven Tritschler nannte die Digitalstrategie einen "Fünf-Jahres-Plan des obersten Sowjets" - was Pinkwart nur schmunzeln ließ. Zum Kern der Debatte kommt man, wenn man zwei Dinge abzieht: Zum einen das übliche Wortgeklingel und zum anderen den ewigen Streit darum, wer wann was in welcher Regierungszeit angestoßen hat und für sich reklamieren kann. Übrig bleibt dann die weitgehende Einigkeit, dass die Digitalisierung DAS große Zukunftsthema ist und dringender Investitionen bedarf.

Vor drei Monaten hatte Innenminister Seehofer die damalige BAMF-Chefin Cordt entlassen, jetzt wechselt sie in sein Ministerium. Laut einem Medienbericht soll sie jedoch deutlich weniger verdienen. Die ehemalige Präsidentin des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF), Jutta Cordt, soll sich laut einem Zeitungsbericht im Bundesinnenministerium um Digitalisierungsthemen kümmern. Das schreibt die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf einen Ministeriumssprecher. Innenminister Horst Seehofer hatte Cordt vor drei Monaten im Zuge der Debatte um zu Unrecht bewilligte Asylanträge in der Bremer BAMF-Außenstelle entlassen. Cordt wird laut dem Bericht in ihrem neuen Posten weniger verdienen: Sie falle von der B9-Besoldung um drei Stufen auf die B6-Besoldung für Unterabteilungsleiter in Ministerien.

Das bedeute einen Gehaltsverlust von monatlich rund 1700 Euro. Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen soll hingegen nach seinem Wechsel ins Seehofer-Ministerium in seiner Gehaltsstufe B9 bleiben. Seehofer hatte Cordt im Juni auf dem Höhepunkt der Krise um das überlastete Bundesamt von ihren Aufgaben entbunden. Dabei spielte auch die Affäre um die Außenstelle in Bremen eine Rolle, wo laut ursprünglichen ersten Berichten in zahlreichen Fällen zu Unrecht Asyl gewährt worden sein soll. Zunächst war deswegen sogar ein Untersuchungsausschuss im Bundestag erwogen worden - nach Angaben aus dem BAMF vom Montag ergab die Untersuchung dieser Vorfälle aber, dass nur bei 1,1 Prozent aller Bremer Verfahren besonders schwerwiegende Fehler festgestellt wurden. Zum neuen Chef der obersten Flüchtlingsbehörde machte Seehofer den Asylexperten aus dem bayerischen Innenministerium, Hans-Eckhard Sommer. Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. September 2018 um 13:30 Uhr in den Nachrichten.