12. Dezember: Pläne

„Grandma? Grandpa?" Rose kletterte aus dem Kamin im Fuchsbau und schüttelte sich die Asche aus den Haaren. Sie schaute sich im leeren Wohnzimmer um. War etwa keiner zu Hause? Bisher war noch immer jemand da gewesen, wenn sie unangemeldet vorbeigeschaut hatte. „Jemand da?"

„Hat jemand gerufen?", hörte sie die Stimme ihrer Großmutter aus der Küche.

„Ich bin's, Rose", rief Rose zurück und legte ihren Umhang über einen der zerschlissenen Sessel, die im Wohnzimmer standen. Sie sahen vielleicht nicht so toll aus, aber sie waren wahnsinnig bequem.

„Rosie!" Grandma kam aus der Küche und strahlte Rose glücklich an. Rose war überrascht, dass sie ein Baby im Arm hielt, das auf einem Beißring herumkaute.

„Ist das Dora?", fragte Rose ungläubig und strich dem Kind über die Haare. Dadurch, dass die Haare neongrün waren, erübrigte sich die Frage eigentlich. Das Kind kam ihr nur viel zu groß vor. Als sie Victoires und Teds Tochter zum letzten Mal gesehen hatte, war sie noch viel kleiner gewesen.

„Sie ist riesig, nicht wahr?", sagte Grandma stolz und kitzelte die Kleine unter dem Kinn. „Möchtest du sie vielleicht halten?"

„Oh, ich muss nicht-" Bevor Rose noch weiter protestieren konnte hatte Grandma ihr Dora schon in die Hand gedrückt und Rose beeilte sich, sie auf ihre Hüfte zu setzen. Sie liebte die Kleine, aber Roses Pullover war neu und Dora sabberte sehr gerne, gerade jetzt, wo sie anfing, Zähne zu bekommen. Nun gut, musste sie ihren Pullover hinterher eben wieder sauber zaubern. „Wie alt ist sie noch mal?"

„Zehn Monate. Ist doch unglaublich, wie die Zeit vergeht, nicht wahr?" Grandma kniff Rose in die Wange und lächelte melancholisch. „Ich kann mich noch erinnern, als dein Vater so ein kleiner Wurm war. Ist ständig den Zwillingen hinterhergelaufen und hat alles mit sich machen lassen." Sie seufzte. „Wo ist nur die Zeit geblieben?"

Rose schluckte. Sie wusste nie, was sie sagen sollte, wenn ihre Großmutter in diese Stimmung verfiel. Sie beschränkte sich darauf, ihr mit ihrer freien Hand die Schulter zu tätscheln und Dora auf die Wange zu küssen, die fröhlich vor sich hinbrabbelte. „Wieso hast du sie? Ist Victoire auch da?" Sie hatte nicht mit ihrer Cousine gerechnet, freute sich aber immer, sie zu sehen.

„Nein, nein, ich hab angeboten zu Babysitten. Vicky wollte sich ein Kleid für Louis' Hochzeit kaufen und kein kleines Baby mitschleppen."

Rose runzelte die Stirn. „Wann ist die Hochzeit noch mal?" Sie wusste, dass Louis und Annie schon eine ganze Weile verlobt waren, aber weil die beiden es klein halten und nicht die ganze Familie einladen wollten, hatte sie das irgendwie ausgeblendet. Außerdem war sie vollauf mit ihrer Ausbildung beschäftigt und depressiv wegen Scorpius gewesen. Eine Hochzeit war das letzte gewesen, was sie interessiert hatte.

„In zwei Wochen am Valentinstag. Die haben wohl eine süße kleine Kapelle in Annies Heimatort. Keine Sorge, Bill hat versprochen, alles zu filmen." Annie hatte sich tausendmal entschuldigt, dass die Weasleys nicht alle dabei sein konnten, aber Rose störte es ehrlich gesagt wenig. Die Weasleys konnten wahnsinnig anstrengend sein, wenn sie erstmal loslegten, und auch wenn Annie die Familie ins Herz geschlossen hatte, manchmal wollte man es einfach etwas ruhiger angehen lassen. Rose konnte das verstehen, sie hatte schließlich ernsthaft in Erwägung gezogen, mit Scorpius durchzubrennen, auch wenn er da nie mitmachen würde.

„Aber Grandpa und du seid doch dabei, oder?"

Grandma nickte begeistert. „Oh ja. Fleur und ich haben uns schon vor Monaten neue Kleider gekauft, ich kann's kaum erwarten. Ist nur schade, dass du nicht auch dabei bist."

Rose zuckte mit den Schultern. „Ich muss sowieso arbeiten. Am Valentinstag wollen die meisten Heiler frei haben, da müssen wir Auszubildenden die Stellung halten." Da hatten sie leider nicht viel mitzureden, ganz am unteren Ende der Karriereleiter.

„Ja, so ist das im echten Leben. Vicky ist schon ganz aufgeregt, dass Teddy ausnahmsweise am Valentinstag frei gekriegt hat, um dabei zu sein." Ted hatte es noch viel schwieriger als Rose im Krankenhaus, weil es in der Zaubertränkeabteilung weitaus weniger Mitarbeiter gab. Aber Ted arbeitete schon ziemlich lange dort und hatte sehr viel mehr Mitspracherecht, was seine freien Tage anging. Für seine eigene Hochzeit hatte Ted den Großteil seines Urlaubs geopfert, dafür hatten sie aber auch eine ganze Woche auf dem Anwesen von Fleurs Eltern gefeiert. Es war toll gewesen, aber nach einer Weile hatte man auch genug von so vielen Weasleys.

„Ich freu mich jedenfalls, dass du hier bist", wechselte Grandma das Thema und schaute Rose prüfend an. „Du siehst so viel besser aus. Dann ist Scorpius wohl wieder da?"

Ein strahlendes Lächeln breitete sich auf Roses Gesicht aus und sie nickte glücklich. „Ja, seit letzter Woche. So gut hab ich schon lange nicht geschlafen." Und sie meinte nicht mal den Sex. Sie hatte schon fast vergessen, wie schön es war, in Scorpius' Armen einzuschlafen und sich nicht nur mit ihren Katzen die Wohnung zu teilen. Außerdem hatte es was, wenn ihre Klamotten nicht in alle Ecken verstreut herumlagen sondern aufgeräumt im Schrank waren. (Rose war zwar sehr organisiert, hatte aber überhaupt keinen Sinn fürs Aufräumen. Scorpius war der Ordentliche von ihnen beiden.)

„Das freut mich aber", sagte Grandma zufrieden und zog Rose in die Küche. „Ich hab gestern Kekse gebacken, wenn du welche haben willst. Du bist so dünn geworden in den letzten Monaten. Und hattest so dunkle Augenringe. Deine Eltern haben sich schreckliche Sorgen gemacht."

„Ich weiß", seufzte Rose und drückte Dora fester an sich, als die versuchen wollte, sich aus ihren Armen zu winden. Schnell setzte sie sich an den Küchentisch und nahm sie auf den Schoß. Wann war die Kleine nur so beweglich geworden, das war ja schrecklich! „Ich hätte nicht gedacht, dass Scorpius mir so fehlt."

„Ihr hattet es einfach, weil ihr im gleichen Schuljahr wart. So wie dein Großvater und ich", sagte Grandma verständnisvoll und stellte einen großen Teller mit Schokokeksen auf den Tisch. Bevor Rose auch nur nach einem greifen konnte, hatte Dora sich schon vorgebeugt und mit ihren Patschehändchen auf den Teller gehaut.

„Nicht so gierig, meine Süße", lachte Grandma und drückte ihr einen einzelnen Keks in die Hand. „Lass Tante Rose auch was übrig, die hat das viel nötiger als du." Sie drückte Rose ebenfalls einen Keks in die Hand und küsste sie dann auf die Stirn. Rose lächelte sie dankbar an. Sie hatte ganz vergessen, wie toll es immer bei Grandma war. Sie liebte es zuhause, aber seit sie mit Scorpius zusammen war, war ihr Vater andauernd so anstrengend, dass sie immer ein bisschen auf der Hut sein musste. „Wieso hast du Scorpius nicht gleich mitgebracht, ich hätte ihn gerne gesehen."

„Der musste leider ins Ministerium", seufzte Rose. Er hatte seine freien Tage aufgebraucht und musste diese Woche dringend wieder in die Abteilung. Er konnte es gar nicht erwarten, mit seinem Chef die Änderungen zu besprechen, die er einführen wollte, um so effektiv wie das amerikanische Ministerium zu werden. „Aber ich kann ihn bald vorbeibringen, wenn ihr wollt."

„Aber immer wieder gerne", sagte Grandma sofort und stellte jetzt auch noch eine Tasse Kaffee vor ihr hin. Hier war es wirklich wie im Himmel! „Du weißt doch, wie gerne wir ihn haben."

„Ja, ich weiß", sagte sie grinsend. Sie war heilfroh, dass ihre Großeltern Scorpius von der ersten Sekunde an willkommen geheißen hatten und er sich hier immer wohlgefühlt hatte. Sie hätten es als Paar sehr viel schwieriger gehabt, wenn ihre Großeltern nicht so unwiderruflich hinter ihnen gestanden hätten.

Die Tür zum Garten ging auf und Roses Großvater kam mit einem Körbchen voller Eier herein. „Rosie? Wie schön, dich zu sehen! Erst Vicky und Dora und jetzt du? Zwei Enkel an einem Tag, das ist ja fast wie Weihnachten!" Er beugte sich vor und küsste Rose erfreut auf die Haare. Danach machte er das gleiche mit Dora. „Du siehst toll aus. Ist Scorpius auch mitgekommen? Er hat versprochen, mir ein paar amerikanische Stecker mitzubringen, auf die freu ich mich schon seit Monaten."

Keiner verstand sich so gut mit Grandpa wie Scorpius, weil er genauso begeistert von Muggeln war wie er. Grandpa war mittlerweile aber sehr viel kürzer im Ministerium getreten, deshalb arbeiteten sie kaum zusammen, doch das tat ihrer Beziehung keinen Abbruch. Der einzige Unterschied war, dass Scorpius tatsächlich verstand, wie technische Geräte funktionierten und nicht so ins Blaue hineinriet wie Grandpa. Die Stecker brachte er ihm aber trotzdem gerne mit. Ohne Strom konnte Grandpa damit schließlich keinen Schaden anrichten.

„Der musste ins Ministerium. Aber er bringt sie dir bestimmt bald vorbei, versprochen." Scorpius hatte ihr gesagt, dass sie sie auch mitnehmen konnte, aber Rose wollte ihm Grandpas Begeisterung nicht vorenthalten.

„Oh, keine Eile", sagte Grandpa nonchalant, konnte aber seine Vorfreude kaum verstecken. „Ich kann doch verstehen, dass ihr Kinder ein bisschen Zeit für euch braucht."

„Die hatten wir schon, jetzt müssen wir wieder arbeiten", seufzte Rose. Aber was soll's, sie hatten ja noch ihr ganzes Leben zusammen vor sich. Schnell hielt sie ihren Keks außer Reichweite, als sie sah, dass Dora danach greifen wollte. „Aber ich wollte was mit euch besprechen, was auch Scorpius was angeht."

„Es ist doch alles in Ordnung, Schätzchen?", fragte ihre Grandma besorgt. „Es geht euch gut?"

Grandpa setzte sich erschrocken neben seine Frau und starrte Rose prüfend ins Gesicht.

„Jaja, natürlich", sagte Rose schnell. Sie wollte nicht, dass ihre Großeltern sich Sorgen machten, das hatten sie in den letzten Monaten schon genug, weil es ihr ohne ihn wirklich nicht gut gegangen war. „Es ist was Gutes. Hoffentlich." Wenn sie nach ihrem Dad und seinen Großeltern ging, dann war es ein Weltuntergang, aber deren Meinung war letzten Endes nicht das, was zählte. Sie hob die Hand hoch, mit der sie bisher Dora gehalten hatte und zeigte ihnen ihren Verlobungsring. „Wir wollen heiraten."

Die Augen ihrer Großeltern wurden groß und sie schauten sich überrascht an. Dann sprang ihre Großmutter sehr behände von ihrem Stuhl auf, eilte um den Tisch herum und drückte Rose so fest an sich, dass Dora zu protestieren begann.

„Das ist ja wunderbar, mein Schatz! Ich freu mich so!" Sie nahm Roses Hand in ihre und betrachtete den Ring. „Der ist ja wunderschön. Hoffentlich hat Scorpius nicht zu sehr in Unkosten gestürzt."

Rose schüttelte den Kopf und lächelte ihre Großmutter erleichtert an. „Nein, nein, das war der Verlobungsring seiner Urgroßmutter. Sie hat ihn Scorpius für mich gegeben." Rose konnte gar nicht sagen, wie erleichtert sie war, dass ihre Großeltern sich freuten. Das machte alles so viel einfacher. Und dann hatte ihr Dad wirklich keine Chance, wenn sogar seine Mutter ihm sagen würde, dass er sich wie ein Vollidiot aufführte.

„Wie schön", sagte Grandma schwärmerisch und trat schließlich zur Seite, damit ihr Großvater sie auch umarmen konnte.

„Ich freu mich so für euch, Engelchen", sagte er begeistert. „Endlich ein echter Muggelversteher in der Familie."

„Grandpa!", grinste Rose. „Tante Audrey ist doch ein waschechter Muggel. Und Mum und Onkel Harry kannst du auch dazu zählen."

Grandpa winkte ab. „Ja, schon, aber keiner von ihnen redet so gerne über Muggelsachen wie Scorpius. Die verstehen mich alle nicht richtig." Wahrscheinlich, weil das für sie alles normal war. Grandpas Fragen konnten schon sehr absurd sein. Scorpius hatte ihr einmal lachend erzählt, wie mehrere Familienmitglieder sich nach seiner zweiten Familienfeier dafür bedankt hatten, dass er sich so lange mit Grandpa über Muggelsachen unterhalten und sie endlich einmal ihre Ruhe gehabt hatten. Scorpius hatte das gar nicht verstanden, er redete immer noch liebend gerne mit Grandpa und erklärte ihm begeistert alles, was er jemals über Muggel gelernt hatte. Einmal hatten sie stundenlang über Flugzeuge gesprochen.

„Arthur, jetzt lass doch deine Muggelsachen ich Ruhe", sagte Grandma augenverdrehend. „Erzähl, Rosie, habt ihr schon Pläne? Wollt ihr es so klein wie Louis und Annie?"

Rose schüttelte den Kopf. „Darüber wollte ich mit euch reden. Scorpius und ich hätten euch gerne alle dabei, aber wir wollen auch nicht allzu viel Aufwand betreiben. Am besten gleich nach Ende des Schuljahres, da hat Al Zeit und Hugo und Lily können auch dabei sein. Und wir haben gehofft, dass wir es vielleicht hier im Fuchsbau machen können?" Sie biss sich auf die Lippe und schaute ihre Großeltern hoffnungsvoll an.

Ihre Großmutter klatschte begeistert in die Hände. „Natürlich, mein Schatz. Oh wie schön, seit George hat keiner mehr hier geheiratet! Irgendwo hab ich noch die ganzen kleingezauberten Festzelte und die Tischchen und die Beleuchtung auch! Mach dir keine Sorgen, denen können wir jede Farbe geben, die du willst, das wird wunderschön. Ich geh gleich mal im Schuppen schauen, ob auch alles noch da ist." Sie wuselte aus der Küche, bevor Rose noch etwas sagen konnte. Rose schaute ihr sprachlos hinterher.

„Ich kann dir gar nicht sagen, was für eine Freude du ihr damit machst, Rosie", sagte Grandpa leise und legte ihr eine Hand auf die Schulter. „Sie wollte zwar nichts sagen, aber es hat sie schon ein bisschen verletzt, dass keins von den anderen Enkelkindern hier feiern wollte. Die Hochzeiten waren immer wunderbar." Die Fotos von den Hochzeiten von den Kindern ihrer Großeltern sahen auch fantastisch aus. Aber Molly hatte unbedingt in London feiern wollen, um es der Familie ihrer Mutter einfacher zu machen, dabei zu sein. Und das Anwesen der Delacours war einfach zu fantastisch, um nicht dort zu feiern.

„Ich wäre ehrlich gesagt am liebsten durchgebrannt", gestand Rose ihm vorsichtig. Sie hatte es zu Scorpius zwar zu Anfang nur im Scherz gesagt, aber am Ende hatte sie sich wirklich für diese Idee erwärmen können. „Das ist alles so schrecklich viel Aufwand. Aber Scorpius will euch unbedingt dabeihaben und das kann ich ihm nicht abschlagen."

„Natürlich will er das, wir sind doch seine Familie", sagte Grandpa selbstverständlich, stand auf und hob Dora von Roses Schoß, als die Kleine langsam ungeduldig wurde. Dora griff sofort nach Grandpas Brillengläsern und begann am Gestell herumzukauen. Grandpa lächelte sie liebevoll an. „Aber mach dir keine Sorgen, Rosie, wir haben hier schon einige Hochzeiten gefeiert und Molly kann das mittlerweile im Schlaf. Du musst ihr nur sagen, was für Farben ihr wollt und wo was stehen soll, und sie macht den Rest. Ihr müsst nur da sein."

„Das wäre toll", sagte Rose erleichtert. Sie hatte ein schlechtes Gewissen, dass sie Grandma die meiste Arbeit überließ, aber so aufgeregt, wie die sofort gewesen war, wäre sie wahrscheinlich sauer, wenn sie nicht das Sagen hätte.

„Deine anderen Großeltern können gerne wieder hier schlafen, wenn sie möchten, wie schon bei Hermines Hochzeit. Sonst habt ihr ja nicht viel Familie bei den Grangers, oder?"

Rose schüttelte den Kopf. An die Eltern ihrer Mutter hatte sie noch gar nicht gedacht. Aber beide waren Einzelkinder, deshalb gab es von dieser Seite nicht viel Familie. Das würde lustig werden, mit den Grangers und den Malfoys. Und sie hatte gedacht, ihr Dad würde ein Problem werden.

„Weißt du schon, wer von seiner Seite alles kommen will?", fragte Grandpa neugierig und hob Dora über seinen Kopf, um sie zu amüsieren. Er machte ein paar brummende Geräusche und Dora lachte glücklich.

„Andromeda natürlich." Auch wenn alle Teds Großmutter zu den Weasleys zählten, betonte sie doch gerne, dass Scorpius wirklich mit ihr verwandt war. Es schadete nicht, ihre Familie daran zu erinnern, dass er nicht nur mit Arschlöchern verwandt war. „Seine Eltern. Mit den Eltern von Astoria hat er noch nicht gesprochen, aber ich nehme an, dass sie auch gerne dabei sein wollen." Sie hatte keinen Grund, anzunehmen, dass die Greengrasses sich nicht für sie freuen würden.

„Und was ist mit den Eltern seines Vaters?"

Rose verzog das Gesicht. „Sein Großvater hat gedroht, ihn zu enterben, ich glaube nicht, dass sie kommen wollen." Und wenn es nach Rose ging, könnten sie ruhig wegbleiben. Diese negative Energie brauchte kein Mensch.

„Enterben?", fragte Grandpa schockiert und ließ sich auf einen Stuhl fallen. Dora schaute ihn überrascht an, weil sie nicht mehr hoch in der Luft war. „Wundert mich nicht. Aber kann er das überhaupt?"

„Onkel Bill sagt nein." Scorpius hatte ihn einmal auf einer Familienfeier gefragt, ob das überhaupt möglich war. „Das Verließ haben sie zu Scorpius' Geburt nur in seinem Namen eingerichtet. Er kann zwar erst mit einundzwanzig rein, aber kein anderer hat das Recht, ihm den Zutritt zu verweigern oder das Gold rauszunehmen." Nicht, dass es ihr wichtig gewesen wäre, wenn er kein Geld erben würde. Aber sie wollte auch nicht daran Schuld sein, dass er nicht das bekam, was seine Familie ihm bei der Geburt zugestanden hatte.

„Dann ist ja gut", sagte Grandpa erleichtert. „Die Kobolde sind da rigoros. Aber ich würde mich nicht wundern, wenn Lucius es trotzdem versucht. Zuzutrauen wäre es ihm allemal." Er schnaubte verächtlich und erinnerte Rose in diesem Moment so sehr an ihren Vater, dass es ihr kalt den Rücken runterlief. Er schaute sie mitfühlend an. „Es tut mir Leid, dass seine Familie dich nicht zu schätzen weiß, Rosie. Die wissen gar nicht, was ihnen entgeht."

„Seine Eltern sind völlig in Ordnung", sagte Rose schnell, weil sie nicht wollte, dass Grandpa sich auch noch über Draco ärgerte. „Sie waren auf jeden Fall sehr viel netter zu mir als Dad jemals zu Scorpius. Er hat zwar nichts gesagt, aber ihm wäre es am liebsten, wenn ich Scorpius zum Teufel schicke."

Grandpa seufzte. „Dein Vater kann sehr nachtragend sein und er hat ein paar wirklich schlechte Erfahrungen mit den Malfoys gemacht."

„Ich weiß, aber Scorpius-"

„Scorpius ist ein wirklich lieber Junge, der nichts falsch gemacht hat. Das haben wir Ron schon alle gesagt. Und ich verspreche dir, dass er das auch irgendwann so sehen wird", sagte er zuversichtlich und nahm Roses Hand, während er Dora mit seiner anderen fest auf dem Schoß hielt. Sanft strich er über ihren Handrücken und schaute sie liebevoll an. Rose stiegen Tränen in die Augen.

„Danke Grandpa. Ich wünschte nur, dass es schon so weit wäre."

„Spätestens wenn du so eins hast wird Ron sich beruhigen, da bin ich mir sicher", sagte er und deutete mit dem Kopf auf Dora, die jetzt auch versuchte, ihre Hand auf die anderen beiden zu legen.

Rose lachte und wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel. „Das wird aber noch ewig dauern."

Grandpa lachte. „Dann ist er hoffentlich nicht so ein Sturkopf wie seine Mutter."

„Wer ist ein Sturkopf, Arthur?", fragte Grandma, die in diesem Moment die Küchentür aufstieß. Sie war voller Staub und in ihren Haaren hatten sich einige Spinnweben verfangen, aber sie sah sehr zufrieden aus. „Es ist alles noch da, mein Schatz, das wird ein Klacks werden. Mach dir keine Sorgen, das wird die Hochzeit deiner Träume."

Rose schluckte schwer und strahlte ihre Großeltern an. Bessere konnte sie sich wirklich nicht wünschen.

TBC…