"The Lost Boys 1987" Eine junge Frau hat sich ihr ganzes Leben lang gefragt, warum ihre Familie nicht über ihren leiblichen Vater sprechen möchte. Christina will nur wissen, wer sie wirklich ist und warum ihr Stiefvater sie so sehr hasst! Deshalb verlässt sie nach einem schrecklichen Vorfall ihre Familie und versucht, in Santa Carla ein neues Leben aufzubauen. Sie bekommt Hilfe von Zoe, der jüngeren Schwester von Edgar und Alan Frog.

Es war schon früh am Morgen, als Paul die Werkstatt erreichte, aber von der Sonne war noch nichts zu sehen. Er hoffte, David, Dwayne und Laddie im Gemeinschaftsraum vorzufinden. Es war noch etwas Zeit, bevor die Vampire sich zum Schlafen zurückziehen mussten.

Paul hatte während der Fahrt immer wieder versucht, in die Gedanken von David und Dwayne einzudringen, um sie zu rufen, aber die Beiden hatten noch immer einen Schutzschild darüber gelegt und Paul erhielt keine Antwort.

Paul stieg von seinem Motorrad ab und blieb in Gedanken versunken neben seiner Maschine stehen. Der große, blonde Vampir fürchtete sich davor, dass sein Sire wieder von seiner Wut geleitet sein könnte, wie damals, nachdem Edgar Frog Marko schwer verletzt hatte.

David hatte Dwayne und Paul in der besagten Nacht in einen Rachefeldzug in das Haus von Michaels Großvater geführt, völlig planlos. Bis alle vier Vampire sich nach diesem Ereignis von den Konsequenzen dieser Gedankenlosigkeit erholt hatten, waren Jahre vergangen. Der einzig positive Effekt dieser Nacht war die Tatsache, dass Max ausgelöscht wurde, und zwar unwiederbringlich!

Die Frog Brüder wussten genau, was sie taten, aber eine Sache hatten sie offensichtlich nicht gewusst! Wenn man einen Vampir wirklich vernichten wollte, musste man seine Überreste verbrennen, oder diese dem direkten Sonnenlicht überlassen. Paul war dankbar dafür, dass das nicht geschehen war. Trotz der blöden Umstände musste er grinsen, als er sich vorstellte, dass Edgar oder Alan ihm oder seinen Brüdern eines Tages über den Weg laufen könnten.

Paul wurde schnell wieder ernst, als er darüber nachdachte, wie unberechenbar David sein konnte, wenn er wütend war. Paul dachte nicht gerne an die Zeit zurück, als er damals aus seinem Grab zurückgekehrt war. Aber in dieser blöden Situation fiel es ihm wieder ein.

Paul kannte nur die Sachlage seiner eigenen Auferstehung genau. Wie seine Brüder zurückgekehrt waren, wusste er nur aus Erzählungen von David und Dwayne.

Was sich neunzehnhundertfünfundneunzig aus dem Grab quälte, war nur schwer als Paul zu erkennen. Seine wilden, blonden Haare waren ihm ausgefallen, bis auf einige Büschel hier und da.

Pauls Haut hatte sich zwar neu gebildet, aber sie war noch pink und dünn, wie Papier. Paul konnte nichts sehen, da seine Augenlieder noch geschlossen waren. Seine Brüder fragten sich, ob seine Augen sich vollständig regenerieren würden, oder ob er blind bleiben würde. Außerdem konnte Paul sich nicht artikulieren und seine Gedanken waren wirr.

Es war offensichtlich, dass es für Paul eigentlich zu früh war, zu seiner Familie zurückzukehren, dennoch, irgendetwas hatte ihn vorzeitig erweckt, aber seine Brüder waren einfach froh, dass Paul trotz seines schlechten Zustandes den Weg nach Hause gefunden hatte!

Erst ein halbes Jahr später war Paul wieder er selbst. Während dieser Zeit würde Paul ausschließlich mit Davids Blut aufgepäppelt. David musste sich während dieser Monate für Zwei ernähren. Den Vampiren war klar, Sireblut würde Paul am schnellsten auf die Beine bringen. David, Dwayne und Marko wollten ihren stets gut gelaunten Freund endlich zurück haben.

David und Dwayne spürten in jener Nacht die fürchterlichen Qualen, die Paul erleiden musste, als er in die mit Weihwasser gefüllte Wanne gestoßen wurde. Ihn zu verlieren, nachdem Mako schon verletzt wurde, brach den beiden Vampiren das Herz. Das war wohl mit ein Grund, aus dem diese dummen Kinder in jener verhängnisvollen Nacht überhaupt ein Chance hatten, die Vampire zu besiegen.

Paul hatte damals nur seine Deckung verlassen, um Star und Laddie zu beschützen. Hätte er das nicht getan, wäre diese Nacht mit Sicherheit anders verlaufen. Aber so war Paul nun mal, völlig selbstlos, wenn es um seine außergewöhnliche Familie ging. Paul würde jederzeit sein Leben opfern, wenn es darum ging ein Mitglied des Rudels zu retten.

Ihm war damals bewußt, dass Star sie betrogen und verraten hatte, dennoch war sie eine von ihnen, und David wollte seine Frau und vor allem den kleinen Laddie zurück haben. Paul war damals noch nicht bereit, seine Schwester aufzugeben. Er hatte einfach nicht damit gerechnet, dass seine Hilfsbereitschaft ihn derart lange außer Gefecht setzen würde.

Paul wußte genau, dass er und seine Brüder damal hochmütig waren und sich für unantastbar hielten. Die Vampire hatten diese dummen Kinder damals einfach unterschätzt und teuer dafür bezahlt.

David war der Älteste und Stärkste der vier Lost Boys. Er beherrschte die Manipulation der Gedanken von Menschen nahezu perfekt und setzte diese Gabe gerne ein, um seine Brüder zu unterhalten. Er war nach dem Kampf gegen Michael auf ein Tiergeweih aufgespießt worden und hatte zwei Löcher in der Brust. Alles, was man heute noch davon sah, war eine Farbabweichung der Haut. David hatte großes Glück, da sein Herz nicht getroffen wurde.

David hatte noch gespürt, wie Max, sein Sire, verging und war dankbar ihn endlich los zu sein. David war damals in einen Dämmerzustand gefallen und hatte mitbekommen, dass Michael und dessen Großvater seinen Körper von dem Geweih befreit hatten. Von dem Schmerz, den Davids Verletzung brachten, befreiten sie den Vampir damit allerdings nicht, aber immerhin setzte der Heilungsprozess sofort ein.

David hatte auch mitbekommen, dass sein lädierter Körper in ein altes Bettlaken gewickelt und achtlos in ein Loch in der Erde hinter dem Haus geworfen wurde.

Davids Narben saßen tief, sein Stolz war verletzt und er hatte alles verloren, was ihm wichtig war. Das schlimmste für ihn war die Tatsache, dass nur er selber Schuld am Niedergang seiner Familie trug. Er hatte sich von Max manipulieren lassen und schließlich bereit erklärt, Michael in sein Rudel zu integrieren.

Seine Brüder wollten das nicht, aber er hatte sie davon überzeugt, dass es eine gute Idee wäre, nur aus Angst, dass Max David und seine Brüder, die von Davids Blut waren, vernichten würde.

David und seine Brüder hatten damals alles daran gesetzt, Michael abzuschrecken. Das war den Vampiren auch gelungen, sie hatten allerdings nicht damit gerechnet, dass die ganze Geschichte ein derartiges Ende finden würde.

Tatsächlich hätte David weitaus früher auferstehen können, aber er wollte es nicht. Er zog es vor ein komplettes Jahr in der Erde zu ruhen, um sich zu erholen. Es gab durchaus Zeiten, in denen David erwachte. Er konnte dann die Welt über ihm bewusst wahrnehmen. Aus diesem Grunde wusste David, dass Star regelmäßig weinend an seinem Grab stand, und dass Paul und Dwayne in Gräbern neben ihm lagen.

Er hörte, dass Star mit ihm redete und ihm ihre Sorgen anvertraute, aber er wollte nicht wissen, was sie zu sagen hatte. David war nicht bereit, ihren Verrat an ihm und seinen Brüdern zu verzeihen. Einmal, als Star erneut sein Grab aufsuchte, hörte er das Weinen eines Säuglings und er vernahm einen Namen, Christina.

David kümmerte sich nicht weiter darum und vergaß es sofort wieder. Nach diesem Besuch an Davids Grab kam die junge Frau nicht mehr wieder, sie hatte mit Michael und Christina Santa Carla verlassen.

Als David endlich bereit war, sein Grab zu verlassen, machte er sich umgehend auf den Weg in das versunkene Hotel. Er ging davon aus, dass dort von Michael und den Anderen alles ausgeplündert und zerstört worden war. Er machte sich Sorgen um Marko und befürchtete, dass irgendwelche fremden Leute sein zu Hause für ihre Partys missbraucht haben könnten.

Als er die Höhle betrat, stellte er jedoch erleichtert fest, dass dort alles noch genauso war, wie er es mit Paul und Dwayne vor einem Jahr hinterlassen hatte. David fand auch Marko genau dort, wo er ein Jahr zuvor von seinem Schlafplatz heruntergestürzt war, nachdem Edgar den Pflock in seine Brust gestoßen hatte. David war erneut glücklich darüber, dass dieses Arschloch Markos Herz verfehlt hatte.

Trotzdem hatte Marko annähernd alles Blut verloren. Seine Wangen waren eingefallen und seine Haut war grau geworden. David hatte Marko damals vorsichtig vom Boden aufgehoben und ihn in einem der Räume, die sich im hinteren Teil der Höhle befanden, versteckt. Er brachte regelmäßig Opfer für Marko mit in die Höhle, meist waren es Obdachlose, die keiner vermissen würde. David wollte nicht auffallen. Jeder dachte, er sei tot, und David wollte, dass das so bleibt.

Marko war nicht in der Lage, selbständig zu trinken, und David hatte keine andere Wahl, als Marko das Blut einzuflößen. Marko blühte jeden Tag etwas mehr auf und schließlich machte David sich daran, Marko zu erwecken. Er wusste, dass er vorsichtig sein musste, damit nichts schief geht.

Es war schon vorgekommen, dass wiedererweckte Vampire den Verstand verloren hatten und völlig außer Kontrolle gerieten. Man hatte dann keine andere Möglichkeit, als sie zu vernichten. Das wollte David auf gar keinen Fall riskieren. David wusste, was er zu tun hatte, er musste nur vorsichtig sein!

Paul dachte darüber nach, dass Dwayne drei Jahre nach Marko zurückgekehrt war. Man sah von den traumatisierenden Verletzungen, die der dunkelhaarige Vampir erlitten hatte, nichts mehr.

Dwayne beharrte jedoch darauf, dass der verletzte Arm der bei der Explosion abgerissen wurde, als der Pfeil, der in Dwaynes Brust steckte, sich in die Musikanlagenlage bohrte, nicht mehr so gut funktionierte, wie der andere. Er hatte hin und wieder Schmerzen in dem Handgelenk. Außerdem litt er unter Gedächtnislücken. Er konnte sich an die Geschehnisse im Hause von Michaels Großvater nicht mehr erinnern. David musste Dwayne immer wieder erzählen, was damals vorgefallen war.

Anfangs vergaß Dwayne immer, wo er seine Sachen abgelegt hatte. Häufig suchte er seine geliebten Bücher, seine Jacke und seine Motoradschlüssel. Schließlich gewöhnte Dwayne sich an, seine Sachen nur noch an bestimmte Stellen zu legen, das erleichterte ihm das Leben erheblich.

Dwayne war auch derjenige, der das Wekzeug penibel genau nach Größe sortiert in die rote Werkzeugbox in der Höhle einsortiert hatte, damit er nicht ständig alles suchen musste. Dwayne zog sich gerne dorthin zurück, wenn er alleine sein wollte. Er zog es vor dort ungestört an den Motorrädern der Lost Boys zu arbeiten, statt die Werkstatt zu nutzen, wenn alle zu Hause waren.

Die Wekstatt überließ er gerne David, der dort für den Bürgermeister und seine Leute alle möglichen Fahrzeuge in Stand hielt. Das war ein Teil der Abmachung zwischen David und dem Stadtoberhaupt. David hasste es zwar, aber er sah ein, dass es irgendwelche Regeln geben musste. Nur so war es möglich, dass die Vampire in der Stadt, die sie liebten, bleiben konnten. Außerdem brachten diese Arbeiten gutes Geld.

Paul wusste, dass er eigentlich lieber nachsehen sollte, ob seine Brüder zu Hause waren, aber er zündete sich trotzdem eine weitere Zigarette an, bevor er die Werkstatt betrat. Er seufzte und hoffte wirklich, dass sich die Geschehnisse aus dem Jahre neunzehnhundertsiebenundachzig nicht wiederholen würden.

Paul schmiß die Zigarette, die er nur zur Hälfte geraucht hatte in die Metalltonne, die neben dem Eingang stand. Anschließend durchquerte er die Werkstatt und öffnete die durch ein Regal versteckte Stahltüre, um in die privaten Räumlichkeiten der Vampire zu gelangen.

Das Regal, in dem Ersatzteile für alle möglichen Fahrzeuge lagen, stand auf Rollen und war an der Türe befestigt. Um die Türe zu öffnen, musste man einen Sicherheitscode im Smartphone eingeben. Den Code kannten selbstverständlich nur die Vampire und seit einigen Wochen auch Laddie. Zwei Minuten lang blieb die Türe dann geöffnet, bevor sie sich automatisch wieder verschloss.

Paul ging in den Gemeinschaftsraum, wo er von David, Dwayne und Laddie schon erwartet wurde. "Verdammt, Paul," herrschte David ihn an. "Wo hast du die ganze Zeit gesteckt?"

Paul sah seinen Sire mit hochgezogenen Augenbrauen an. "Ich habe nach euch gerufen," antwortete er patzig. "Aber offensichtlich verbirgt hier irgendjemand seine Gedanken vor mir!"

Natürlich waren alle total angespannt und Paul und David blickten sich genervt an. Dann sah David zu Boden und ging zu Paul hinüber. Er legte ihm eine Hand auf die Schulter und lächelte gequält.

Dwayne saß auf der Armlehne eines Sofas und beobachtete die Beiden schweigend. Auf dem Sofa lag Laddie. Er sah aus, als wäre er völlig berauscht. Paul bemerkte es erst garnicht. Er lächelte zurück und setzte sich auf einen Stuhl. Er befreite sich von Christinas Tasche und warf sie zu David hinüber. Der fing die Tasche mit einer Hand auf. "Was soll ich damit?", fragte er.

"Christinas Tasche und Markos demoliertes Motorrad ist alles, was ich gefunden habe," erklärte Paul aufgebracht. "Wir finden Marko und Christina," antwortete David und klang sehr sicher.

Dann blickte David zu Laddie hinüber. Paul folgte seinem Blick und bemerkte nun endlich Laddies Zustand. Er sah Dwayne fragend an. Der sah nicht sonderlich erfreut aus und wollte gerade etwas sagen, aber David kam ihm zuvor. "Willst du unser neustes Familienmitglied nicht willkommen heißen, Paul?", fragte er.

Paul schüttelte mit gerunzelter Stirn den Kopf. "Das kann doch wohl nicht euer Ernst sein," motzte Paul. "In dieser beschissenen Situation macht ihr ihn zu einem von uns? Ihr müsst den Verstand verloren haben! Das ist total riskant!"

David lachte einmal auf. "Der Zeitpunkt könnte garnicht besser sein," antwortete er überzeugt. "Die beiden Arschlöcher wissen offensichtlich von uns, aber von Laddie haben die keine Ahnung! Außerdem kennt Laddie Christinas Freundin, und die ist mit einem der beiden Kerle zusammen!"

Paul verzog völlig verständnislos das Gesicht. "Ihr wollt einen neu geborenen Vampir mit diesen Typen konfrontieren? Das könnt ihr nicht ernsthaft in Erwägung ziehen!"

Hilfesuchend sah der große, blonde Vampir zu Dwayne hinüber. Dem schien diese Idee auch nicht sonderlich zu gefallen, denn Laddie war von seinem Blut, aber er blickte nur schweigend zu Boden. David war nun mal der Boss und Dwayne vertraute ihm. Wenn es darauf ankam, war Davids Wort Gesetz, und er wusste, was er tat!

David seufzte. "Paul, ich habe nicht vor, Laddie mit denen zu konfrontieren," erklärte er. "Aber wie wir alle wissen, kennt er diese Zoe schon sehr lange. Sie vertraut ihm. Ihn wird sie in ihr Haus bitten, und damit ist sie uns gegenüber machtlos. Sie weiß nicht, dass Laddie ein Vampir ist, und diese Typen wissen das auch nicht!"

Paul sah nachdenklich von David zu Dwayne. "Aber er geht nicht alleine dorthin?", fragte er. Dwayne schüttelte den Kopf. "Nein, wir gehen alle," antwortete er bestimmt. "Diese Typen haben Marko und Christina, wir werden ihnen auch etwas wegnehmen! Laddie wird uns dabei helfen!"

David lächelte. "Und wir werden deshalb nicht mal Probleme bekommen," erklärte er. "Die jagen hauptsächlich Werwölfe. Wenn wir diese miesen Typen ausschalten, steht der Bürgermeister in unserer Schuld. Damit schützen wir nicht nur unsere Familie, sondern auch das Rudel der Wölfe! Wir hätten dadurch die Möglichkeit, unsere Situation in dieser Stadt erheblich zu verbessern!"

Paul nickte, aber er war sich nicht sicher, was er von alledem halten sollte. David ging zu ihm und legte seine Hand an Pauls Wange. "Keine Sorge, Paul. Ihr seid meine Brüder, meine Kinder. Was damals geschehen ist, wird nicht wieder passieren. Diesmal lassen wir uns nicht von unserer Wut leiten," versprach David. "Diesmal haben wir einen Plan! Ich kann euch nicht noch einmal verlieren!"

Es wurde nun Zeit für die Vampire sich in ihre Schlafkammer zurückzuziehen. Dwayne half Laddie auf die Beine. "Komm, Junge," sagte er. "Du kannst nicht hier bleiben, wir schlafen alle zusammen. Du musst dich nun daran gewöhnen, wie ein richtiger Vampir zu schlafen!"

Laddie grinste immer noch völlig berauscht, dann entdeckte er Paul, und stolperte auf ihn zu. Der fing an zu lachen. "Langsam mein Freund," sagte er. "Willkommen, nun bist du endlich einer von uns! Hat lange genug gedauert!"

"War nicht so leicht," erklärte Laddie. "Aber mit der Hilfe der Beiden habe ich es geschafft!" In der Schlafkammer half Dwayne seinem Zögling dabei, die Schuhe und Socken auszuziehen. Paul zeigte Laddie dass er einfach nur zur Eisenstange, die an zwei Wänden befestigt war schweben braucht. "Sag im Gedanken einfach, dass du nach oben willst," erklärte Paul lächelnd. "Dann geschieht der Rest ganz von alleine!"

Einige Minuten später hingen die vier Vampire kopfüber schlafend, wie es sich für einen echten Vampir gehörte, an der Eisenstange. Bis die Sonne wieder untergehen würde, waren sie nun tot für die Welt!

Noch bevor die Vampire wieder erwachten, hatten Michael und Sam sich auf den Weg nach Santa Carla gemacht. Lucy würde sich während Michaels Abwesenheit um Robin und Denise kümmern. Michael war noch immer davon überzeugt, dass ein Aufenthalt in Santa Carla absolut keine gute Idee war. Diese Reise brachte all die Erinnerungen zurück, die er in den vergangenen Jahren verdrängt hatte. Niemand wusste, was tatsächlich in dem Mann vorging.

Michael war, genau wie der Rest seiner Familie traumatisiert, nach den Geschehnissen mit den Vampiren. Allerdings fühlte er sich schuldig. Er hatte die Lost Boys gemocht, egal, was sie waren. Er war damals derart entsetzt, über das gewalttätige Vorgehen, dass Edgar und Alan an den Tag gelegt hatten. Michael fragte sich, aus welchem Loch die Beiden gekrochen waren, die waren doch nicht ganz klar im Kopf.

Die beiden Brüder kamen schneller voran, als Christina einige Monate zuvor. Sie wechselten sich mit den Fahren ab, und brauchten deshalb nicht so viele Pausen einlegen. Sam saß am Steuer und war gerade dabei, einen Rastplatz anzusteuern. "Wir müssen hier tanken," erklärte er seinem Bruder. "Möchtest du auch einen Kaffee haben?"

Michael hatte geschlafen. Er blickte zu seinem Bruder hinüber und nickte. "Lass uns beide da rein gehen," antwortete er. "Ich könnte auch etwas zu essen vertragen!" Sam nickte und stieg aus. Nachdem er den Tank gefüllt hatte, fuhr er seinen SUV auf den Parkplatz des kleinen Restaurants und ging mit Michael hinein.

Schweigend saßen die Beiden sich einige Minuten gegenüber, nachdem die Kellnerin ihnen ihre Speisen und Getränke gebracht hatte, die Sam und Michael zuvor an der Theke bestellt und bezahlt hatten.

"Du weißt schon, dass wir schneller wären, wenn wir geflogen wären?", nörgelte Michael. "Wir haben noch einige Kilometer vor uns, und verlieren wertvolle Zeit, wenn die Situation so gefährlich für Christina ist, wie du mir weismachen willst!"

Sam blickte beleidigt zu seinem Bruder hinüber. "Ich bin nicht derjenige, der das Mädchen in diese Situation gebracht hat," erwiderte er schließlich vorwurfsvoll. "Es ist nicht so einfach, auf die Schnelle einen passenden Flug zu bekommen, deshalb habe ich es vorgezogen mit dem Auto zu fahren!"

Michael sah wütend aus. "Ich konnte doch nicht ahnen, dass sie in diese verfluchte Stadt zieht," rechtfertigte er sich aufbrausend. "Ich bin davon ausgegangen, dass sie bei diesem Freund bleibt, bis sie eine eigene Wohnung findet. Sie hat schließlich Verpflichtungen."

Sam sah seinen Bruder mit hochgezogenen Augenbrauen an. "Michael, ich verstehe dich schon lange nicht mehr," antwortete Sam. "Was ist aus meinem sensiblen Bruder geworden, der immer viel von Gerechtigkeit hielt?"

"Wie soll ich das denn verstehen?", fragte Michael erstaunt. "Ich bin noch der gleiche Mann wie früher!" Sam lachte kurz auf. "Nein, mein lieber, dieser Mann bist du schon lange nicht mehr," erklärte Sam.

Sam blickte kurz aus dem Fenster, bevor er fortfuhr. "Wenn ich ehrlich sein soll, du hast dich in ein sehr ungerechtes Arschloch verwandelt! Christina war sehr bemüht, dir immer alles recht zu machen, sie hat quasi deine Kinder erzogen! Und sie hat einen verdammt guten Job gemacht! Und wie hast du ihr das gedankt? Michael, du warst der einzige Vater, den sie jemals hatte! Herrgott noch mal, warum siehst du bloß nicht ein, dass ich Recht habe?"

Michael blickte seinen Bruder zornig an. "Du hast doch keine Ahnung," motzte er. "Als Star damals mit ihr schwanger war, habe ich wirklich gehofft, dass sie mein Kind ist! Ich habe mir vorgenommen, dieses Kind zu lieben, auch wenn ich vielleicht nicht der Vater bin! Die Hebamme legte mir Christina nach der Geburt in die Arme. Ich sah sie an und sie lächelte zu mir hinauf, ich hatte das Gefühl, David würde mich anlächeln. Ich war so enttäuscht, und auch die letzten Gefühle, die ich für meine Frau noch hatte, erstarben. Christina hat alles verändert!"

Sam blickte seinen Bruder nachdenklich an. "Michael, deine Stieftochter ist genauso ein Opfer, wie wir es damals waren," erklärte er lächelnd. "Sie hat sich das nicht ausgesucht, und sie hat nichts falsches getan."

Michael schüttelte den Kopf. "Du verstehst mich nicht! Ich verstehe mich ja selber nicht," rechtfertigte er sich. "David hat mir damals seine Freundschaft angeboten. Ich wollte seine Anerkennung. Er bat mir diese Freundschaft selbst noch in dem Moment an, als er schon alles verloren hatte. Ich dachte, ich tue das Richtige, wenn ich ihn töte. Aber es war nicht richtig! Meine Liebe zu Star starb mit David, und alles, was uns danach noch zusammenhielt, war dieses gemeinsame Erlebnis! Warum seht ihr alle eigentlich nicht ein, dass wir damals die Monster waren."

Michael blickte einige Minuten schweigend aus dem Fenster. "Ich habe mir all die Jahre eingeredet, dass es nur diesen einen Weg gab, aber ich habe mich selber angelogen! Nach Stars Tod wurde mir mein Fehler klar. Es war niemals Christina, die ich gehasst habe, ich hasse mich selbst! Ich hasse mich dafür, dass ich David getötet habe, und ich hasse mich dafür, dass ich geholfen habe, seine Brüder zu töten! Alles, was ich Christina zugefügt habe, galt eigentlich mir selber! David war ein guter Freund, und ich habe ihn vernichtet, weil er anders war, wie wir!"

Sam war nach dem Geständnis, dass sein Bruder ihm soeben offeriert hatte völlig entsetzt von seinem Stuhl aufgesprungen und hatte sein Besteck wütend auf den Teller geworfen. "Du tickst doch nicht ganz sauber," brüllte er, und es war ihm völlig egal, dass die anderen Gäste ihn anstarrten. "Wie kannst du es wagen, auch nur in Erwägung zu ziehen, einer von denen zu sein? Aber gut, dann wird es dich ja sicher freuen, wenn ich dir sage, dass deine Freunde zurück sind! Keine Ahnung, wie die das gemacht haben, aber die sind nicht tot!" Nach diesen Worten rauschte Sam aus dem Lokal, er brauchte dringend frische Luft!

Viele Kilometer von dem Restaurant entfernt, in dem Sam und Michael saßen, öffnete Christina ihre Augen. Sie hatte fürchterliche Kopfschmerzen und eine Kruste hatte sich über der Platzwunde gebildet, die Ted ihr mit seiner Waffe zugefügt hatte. Christina fühlte sich schrecklich, versuchte sich aber dennoch aufzurichten. Als ihr das endlich gelang, übergab sie sich.

Sie hätte nicht so viel trinken sollen! Es dauerte eine Weile, bis sie sich an die Geschehnisse der Nacht erinnern konnte und sie blickte sich verwirrt um. Sie hatte keine Ahnung, wo sie war.

Der Raum war dunkel und sie fühlte etwas hartes unter sich. Als sie endlich in der Lage war, sich aufzurichten, stellte sie fest, dass sie auf einer staubigen Stahlliege gelegen hatte. Verängstigt versuchte irgendetwas zu erkennen.

Es schien in dem Raum keine Fenster zu geben, aber nach einer Weile gewöhnten ihre Augen sich an die Dunkelheit und sie konnte schemenhafte Umrisse des kalten Raumes wahrnehmen.

Dann hörte sie jemanden stöhnen und hörte etwas, dass sich anhörte, wie das Klirren von schweren Ketten. "Hallo," rief sie unsicher. Die andere Person stöhnte erneut. "Hallo, wer ist da?", fragte sie laut.

Die Ketten klirrten wieder. Wieder erklang das Stöhnen. "Verdammte Scheiße," hörte sie eine männliche Stimme fluchen. "Christina," flüsterte die Stimme. "Ich bins, Marko."

Christina erinnerte sich an die Veränderung, die sie nach dem Sturz in Markos Gesicht gesehen hatte, sie geriet in Panik. Sie musste dort raus. Marko war an einer Wand mit Ketten gefesselt worden, die an der Wand befestigt waren. Sein Körper schmerzte noch von dem Weihwasser, dass Ted ihm in den Körper geschossen hatte. Es ging ihm aber trotzdem wesentlich besser wie vor einigen Stunden. Die Menge des Weihwassers hatte bei Weitem nicht ausgereicht, den Vampir ernsthaft zu verletzen, trotzdem war Marko geschwächt.

Er sah, dass Christina Angst vor ihm hatte, was in seinen Augen durchaus logisch war. Trotzdem, er musste sie davon überzeugen, dass sie nur aus dieser Situation fliehen konnten, wenn sie zusammenarbeiten würden!

Marko konnte sich vorstellen, wohin er und Christina von Ted gebracht worden waren. So sehr er diesen Mann hasste, er konnte ihn für die Wahl des Gefängnisses, in dem er sich befand, nur beglückwünschen. Dieser Dreckskerl schien genau zu wissen, was er tat!

Marko lag mit seiner Vermutung völlig richtig. Nachdem Ted die junge Frau und den Vampir außer Gefecht gesetzt hatte, hatte er die Beiden achtlos in den Kofferraum seines Autos verfrachtet. Ted war verärgert, er hatte sich bei dieser Aktion seinen besten Anzug ruiniert! Er hatte dann sein Smartphon aus der Hosentasche gezogen und versucht, William zu erreichen, doch der war offensichtlich zu beschäftigt, um an sein Telefon zu gehen!

Daraufhin war Ted eine halbe Stunde lang mit seinen Gefangenen im Kofferraum ziellos duch die Stadt gefahren, er konnte die Beiden schlecht in seiner Wohnung festsetzen.

Dann fiel ihm ein, dass der alte Schlachthof am Stadtrand seit einigen Jahren leerstand. Tedrick überlegte nicht lange. Er hatte das nötige Werkzeug bei sich um in das Gebäude zu gelangen. Grinsend hatte er beschlossen, dass das ein angemessener Ort für einen Vampir war.

Dort könnte er mit William an den Gefangenen rumexperimentieren. Die beiden könnten sich die Seele aus dem Leib schreien, niemand würde sie hören! Er brachte Christina als erstes nach innen. Er legte sie auf einem Stahltisch ab und machte sich garnicht erst die Mühe, sie irgendwie zu fesseln. Mit dieser kleinen Person würde er ohne Weiteres fertig werden.

Er leuchtete mit seiner Taschenlampe die Wände ab und lächelte, als er die schweren Ketten entdeckte, die von der Wand herunterhingen. "Bingo," sagte er laut. "Genau das Richtige für den Blutsauger!"

Er brachte Marko in den Raum um wickelte die Ketten um seine Hand- und Fussgelenke. Glücklicherweise steckte der Schlüssel in dem rostigen Schloss der schweren Stahltür. Ted schloss ab und nahm den Schlüssel mit, dann ging er zum Auto zurück und versucht erneut, Bill zu erreichen. Nach einigen Minuten gab er auf und fuhr nach Hause, irgendwann würde Bill schon dort auftauchen!