Hallo ihr Lieben! Mit viel Action folgt das neue Kapitel. Der Anfang des Kapitels ist ein schöner Kontrast zu dem, was folgt. Ich bin schon gespannt, wie ihr es findet. Es wird wieder düster. Vielen Dank für 2 total liebe Reviews, die mich zum Editieren motiviert haben. Über Rückmeldungen freue ich mich immer sehr! Eure Mary
15. Verborgene Wahrheiten
Aus der Ferne beobachtete Marcus von seinem Platz am Schulhof überrascht, dass Katie immer noch nicht die grünen Strähnen in ihren blonden Chaoshaaren weggehext hatte. Jedes Mal, wenn er den Erfolg seiner Hausaufgaben an ihr sah, machte sich ein warmes Gefühl in seinem Bauch breit. Ach, wem machte er da etwas vor? Jedes Mal, wenn er sie sah, wurde ihm verdammt warm um das Herz. Er konnte immer noch nicht begreifen, wie jemand wie er so ein Glück haben konnte, eine Frau wie sie zu gewinnen. Er war ein verdammt glücklicher Idiot. Zufrieden zog er sich den Schal enger um den Hals, dann schloss er den Reißverschluss seiner Jacke. Es wurde Winter, doch Katie hatte ihn immer noch nicht fallen lassen. Sie war einfach seine Traumfrau. Bald kamen sogar schon die Weihnachtsferien. Marcus hoffte, sie genau wie die Herbstferien in Ruhe im Schloss verbringen zu können. Noch hatte sein Vater keine Anstalten gemacht, ihn ins Manor zu zitieren. Das hieß, ihm stand sogar ein friedliches, ruhiges Weihnachtsfest bevor. Sein Leben verlief gerade echt spitze dafür, dass er ein Jahr wiederholen musste. Er war zwar immer noch eine Zeitverschwendung, aber wenigstens hielt dieses Jahr der Frieden schon erstaunlich lang an.
„Merlin, jetzt starr' ihr doch nicht so offensichtlich hinterher, Marcus", riss ihn ein reichlich verkaterter Miles aus seinen Tagträumen. Er stöhnte leise, bevor er sich geräuschvoll neben ihn auf die Steinmauer fallen ließ. Marcus schenkte ihm lediglich einen unsicheren Seitenblick. Die letzte Nacht schien für seinen Mitbewohner hart gewesen zu sein. Ein leichter Schweißfilm bedeckte seine Nase, dazu sah er richtig blass aus.
Cedric betrat den Hof, entdeckte die beiden sofort und winkte ihnen gut gelaunt zu. „Na, wieder nüchtern?", rief er Miles zu. Er verabschiedete sich von seinen genauso fröhlichen Hufflepuff-Freunden, dann joggte er munter zu ihnen herüber.
„Hey Ced", grüßte Marcus mit unbewegter Miene. Selbst an diesen furchtbar aufgedrehten, viel zu gut gelaunten Hufflepuff hatte er sich inzwischen gewöhnt. Auch wenn Miles so aussah, als würde er sich jeden Moment auf den Hof übergeben, genoss Marcus das gute Gefühl, von seinen Freunden umgeben zu sein. Das achte Schuljahr war definitiv sein Lieblingsjahr.
„Wieso bist du schon wieder so verdammt gut drauf?", beschwerte sich Miles, obwohl er genau wusste, dass es nichts brachte. Irgendwie war das strahlende Gemüt in Cedrics Charakter verankert.
Schmunzelnd überreichte Cedric Miles ein selbstgeschmiertes Brot. „Hier, iss das, Gruffi. Dann geht es dir wieder gut." Ohne große Worte des Dankes riss Miles ihm das Brot aus der Hand und verschlang es in Rekordzeit. „Besser, Kumpel?", fragte Cedric munter.
Miles nickte. „Besser." Er atmete tief durch. Sogar etwas Farbe schlich sich auf seine bleichen Wangen. „Kaum zu fassen, dass du dir als Kind denselben Mist im TV reingezogen hast", fügte er hinzu.
Daher kam also der merkwürdige Spitzname, dachte Marcus mäßig interessiert. „TV ist dieses Fernseh... Ding, nicht?", fragte er abwesend. Cedric nickte begeistert. Ein bisschen beneidete Marcus die beiden ja um ihre Kindheit irgendwo zwischen Muggeln und Zauberern. Ihm waren die Mugglespielereien dank seiner reinblütigen Erziehung verwehrt geblieben.
„Oh, das Reinblut hat zu uns unwürdigen Halbmuggeln gesprochen", foppte Miles ihn sofort. Marcus gab ihm postwendend eine wenig ernst gemeinte Kopfnuss, doch seine Freunde grinsten trotzdem um die Wette. Sie unterhielten sich weiter über dieses TV und den Muggelkram, den er kaum verstand. Er hörte nur mit halben Ohr zu, stattdessen genoss er schamlos, dass er nicht allein war.
Als Miles' Lächeln jedoch schwand und sogar Cedric ernst wurde, runzelte Marcus misstrauisch die Stirn. Er drehte sich langsam um, nur um Oliver zielstrebig auf ihn zukommen zu sehen. „Ärger im Anmarsch", murmelte Miles besorgt. Er legte eine Hand auf Marcus' Schulter, wie um ihn zu schützen. Oliver hatte diesen einen beharrlichen, leicht aggressiven Gesichtsausdruck aufgesetzt, der Ärger bedeutete. Unruhig verschränkte Marcus die Arme. Drachenmist.
Cedric schüttelte den Kopf. „Lasst mich das machen, Jungs", sagte er, legte aber trotzdem eine beruhigende Hand auf Marcus' andere Schulter. Irritiert stellte Marcus fest, dass es ihm gar nicht mehr so viel ausmachte, von Cedric angefasst zu werden. Vielleicht hatte Katie ihn inzwischen abgehärtet oder, Merlin bewahre, er vertraute dem munteren Hufflepuff inzwischen ein bisschen zu sehr.
Marcus kam nicht umhin, trotzdem vorsichtshalber seine Tasche zu verstauen, damit nichts zu Bruch ging, bevor er Cedric ernst zunickte. „Merlin, hoffentlich fängt die Dumpfbacke nicht wieder von Katie an", murrte er beunruhigt. „Wenn ich ihm auf die Fresse haue, wirft Snape mich hochkant aus der Mannschaft. Das darf einfach nicht passieren." Hoffentlich konnte Cedric Oliver beruhigen.
„Ich hasse seinem ignoranten Gryffindorcharme, ich schwör's", murmelte Miles genervt. „Es ist so schade, dass Snape dich von dieser Schlägerei abhält. Ich kenne niemanden, der eine Faust im Gesicht mehr verdient hat als dieser Idiot."
„Hallo Oliver", begrüßte Cedric dagegen den herannahenden Gryffindor mit einem netten Lächeln.
Oliver dagegen ignorierte den bemühten Hufflepuff völlig, stattdessen wandte er sich umgehend an Marcus. „Können wir reden?", knurrte er zwischen zusammengepressten Zähnen. „Allein?" Da ging der Frieden dahin, den Marcus vor einem Moment noch genossen hatte.
„Äh, nein", antwortete Miles stumpf, bevor Marcus auch nur die Chance hatte, sich zu rühren. „Garantiert nicht." Er sprang auf und stellte sich breitbeinig neben Cedric vor Marcus. Wütend funkelten sich die Parteien an.
Marcus seufzte resigniert, aber lange würde er es eh nicht mehr aushalten. Er war noch nie der Typ gewesen, der andere seine Kämpfe ausfechten ließ. „Lasst gut sein, Leute", brummte er grimmig und stand auf. Er folgte Oliver ein paar Schritte, blieb aber in Sichtweite seiner Freunde. „Was ist, Woody? Schlecht geschlafen?", fragte er sarkastisch. „Soll ich deinen Rücken streicheln?"
Sofort pochte diese verdächtige Ader an Olivers Stirn. Jetzt war er wohl sauer. „Was hast du mit Katie gemacht?", zischte er aufgebracht.
Verwirrt runzelte Marcus die Stirn. Er hatte mit Katie zuletzt gestern Morgen gesprochen, da sie zur Zeit neben dem Training alle Hände voll mit ihrem Schulstoff zu tun hatte. Überrumpelt und leicht beunruhigt kramte er in seinem Gedächtnis, was Oliver ihm zum Vorwurf machen wollte. „Hmpf", machte er indifferent, während er angestrengt überlegte, worüber sie gestern geredet hatten, doch ihm fiel nichts Gefährliches ein. Beunruhigt steckte er die schweißnassen Hände in die Taschen seiner Jacke. Hoffentlich war mit ihr alles in Ordnung.
„Tu' nicht so unschuldig, du scheißdämlicher Troll", brüllte Oliver da auch schon wütend. Drohend kam er einen Schritt näher.
„Was ist dein Problem, Alter?", fragte Marcus, bei dem sofort alle Alarmglocken schrillten, finster. Oliver sah aus, als würde er gleich gewalttätig werden. „Ich hab' echt keine Ahnung, was du von mir willst. Was ist mit Katie?" Seine Sorge um Katie wuchs mit jeder Minute, die Oliver ihn nicht in das Problem einweihte. Wahrscheinlich gab es keins.
Oliver atmete schwer durch die Nase. „Ich hab' die blauen Flecken eben in der Quidditch-Umkleidekabine gesehen, du mieser Wichser", zischte er mit kaum verhohlener Wut. Er griff nach Marcus' Jacke, um ihn näher zu ziehen. „Wenn ich beweisen kann, dass du sie schlägst, bist du dran", drohte er böse, dann versuchte er, Marcus zu schubsen. „Ich wusste doch, dass irgendwas mit dir nicht stimmt."
Wütend schlug Marcus Olivers Hände weg. Das war Doxymist, aber solche Anschuldigungen konnten für ihn verdammt gefährlich werden. „Was soll der Scheiß?", fauchte er böse. „Hörst du dir eigentlich selber zu, was du mir da unterstellst, Arschloch? Ich würde ihr nie etwas tun." Zornig war er nun derjenige, der versuchte, Oliver zu schubsen. Sein Herz schlug immer schneller in seiner schmerzenden Brust. Bei allem, was jemals über ihn getuschelt worden war, war das mit Abstand das Verletzendste.
„Ach!" Nun brüllte Oliver wieder. „Und woher kommen dann die blauen Flecken?"
„Wahrscheinlich von deinem dämlichen Klatschertraining!", brüllte Marcus genauso wütend zurück. Aus den Augenwinkeln sah er Cedric und Miles näherkommen, die Zauberstäbe in der Hand. Abgelenkt sah er Olivers Faust nicht kommen, sondern fühlte einfach nur den Aufprall. Am Auge getroffen taumelte er hilflos einen Schritt zurück. Sofort dimmte der Schmerz seine Sinne, doch das Adrenalin hielt ihn auf den Beinen. Aus alter Gewohnheit verbarg er den Schmerz tief in sich, während die Sekunden immer länger wurden. Oliver setzte ihm nach, dann schlug er ihm fest auf die Lippe. Der metallische Geschmack von Blut machte sich in seinem Mund breit, aber den Schmerz fühlte er kaum. Ein Rauschen füllte seine Ohren aus. Wie unter dem Imperius dachte er daran, dass er sich jetzt wehren sollte. Oliver wollte erneut zuschlagen, doch Marcus erwachte endlich aus seiner Starre, blockte ihn mit dem Unterarm ab und schubste ihn grob von sich. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals. Als Oliver ihm das Knie in den Bauch rammen wollte, verpasste er ihm einen gewaltigen Kinnhaken, der ihn sofort bewusstlos zu Boden gehen ließ.
Schwer atmend hielt Marcus seine pochende Hand. „Verdammt, verdammt, verdammt", fluchte er verzweifelt. „Snape bringt mich um!" Was sein Vater dazu sagen würde, daran wagte er erst gar nicht zu denken. Er war so gut wie tot.
Miles was sofort an seiner Seite. „Ced, hol' Hilfe, irgendeinen Lehrer... und finde jemanden, der Katie Bescheid sagt. Keine Sorge, Sonnenschein, ich hab' gesehen, wie er dich provoziert hat. Ich lass' dich nicht allein. Dich bringt niemand um." Miles beugte sich über Oliver, um seinen Puls zu fühlen. „Der ist nur k.o. gegangen. Verdient hat er's."
Marcus' Atem ging immer schneller. Panik stieg in ihm auf, als er den bewusstlosen Oliver am Boden liegen sah. „Scheiße", entfuhr es ihm. „Ich bin am Arsch." Verzweifelt fuhr er sich durch die Haare. Was zur Hölle sollte er jetzt tun? Professor Snape würde ihn lynchen, sein Vater würde... würde sonstwas mit ihm tun. Er konnte sich jetzt schon von seinem Leben verabschieden. Seine Welt war wie in Watte gepackt, die Geräusche seiner Umgebung hörte er nur noch dumpf.
„Setz' dich, Marcus. Du blutest den Boden voll", forderte Miles ruhig. Wiederholt schlug er dem bewusstlosen Oliver auf die Wange, um zu sehen, ob er wieder aufwachte. „Salazar, ist das befriedigend", murmelte er zu sich selbst.
Marcus lief hektisch auf und ab, doch beruhigen konnte er sich keineswegs. Wenn Professor Snape seinen Vater benachrichtige, war er tot. Verdammt! Warum war Oliver so ein verdammter Schwächling, dass er ihn nicht beim ersten Schlag bewusstlos geschlagen hatte? Dann wäre er jetzt bloß im Krankenflügel. Das Leben war unfair. Merlin, er konnte sich noch nicht einmal mehr von Katie verabschieden.
Miles griff nach seinem Arm, damit er stehen blieb. „Salazar, Marcus!", entfuhr es ihm verwundert. „Wovor hast du so eine Panik? Snape kann dir nichts tun, außer dir unverdient Nachsitzen zu verpassen. Entspann' dich, bevor du auch noch ohnmächtig wirst. Du blutest wie ein Schwein."
Cedric kam mit einer beunruhigt aussehenden Professor McGonagall um die Ecke. „Was haben Sie nun schon wieder angestellt?", murmelte die hagere Frau, während sie eine schwebendeTrage heraufbeschwor, auf die Miles Oliver reichlich rabiat bugsierte. Professor McGonagall musterte die beiden Verletzten besorgt, dann scheuchte sie sie ins Schloss. „Wir gehen in den Krankenflügel. Sie auch, Mr. Flint. Sie bluten offensichtlich, das ist unhygienisch. Keine Widerrede." Miles griff nach seinem Ellenbogen und zog ihn umstandslos hinter der Trage her.
„Oliver hat ihn provoziert, ich hab's genau gesehen", wiederholte Cedric zum gefühlt tausendsten Mal. „Es ist wirklich nicht Marcus' Schuld." Er eilte immer ein paar Schritte voraus, um Professor McGonagall alle Türen zu öffnen. Herumstehende Schüler scheuchte er ebenso prompt beiseite.
„Ja, Mr. Diggory", antwortete die hagere Lehrerin mit derselben enervierenden Höflichkeit, die Cedric ebenfalls des Öfteren an den Tag legte. „Hören Sie, Mr. Flint hier steht anscheinend unter einem irgendwie gearteten Schock. Verschlimmern Sie den Schock bitte nicht", wies sie ihn ruhig an.
„Uh, sorry, Kumpel", sagte Cedric überflüssigerweise, doch Marcus realisierte es nur am Rande. Gerade stand er gewaltig neben sich. Er bekam noch nicht einmal mit, dass sie inzwischen den Krankenflügel erreicht hatten. Fast wäre er gegen die Trage gestoßen, als Professor McGonagall stoppte. Er war tot, tot, tot.
Mit gerunzelter Stirn bugsierte Miles Oliver und Marcus auf zwei freie, nebeneinander stehende Betten. „Mir geht es gut, wirklich toll", murmelte Marcus verzweifelt, obwohl er wusste, dass es kein Entkommen gab.
„Ganz toll", antwortete Miles sarkastisch und setzte sich kurzerhand neben Marcus auf das Bett. Selbst als Madam Pomfrey kopfschüttelnd um die Ecke gestürmt kam, stand er nicht auf, sondern blieb bei Marcus.
Madam Pomfrey stürzte sich sofort auf den bewusstlosen Oliver. Sie flößte ihm irgendeinen blauen Zaubertrank ein, der ihn langsam aufwachen ließ. „Dumme Jungen", schimpfte sie leise vor sich hin. Unwillkürlich zog Marcus die Schultern nach oben. Er beobachtete das Geschehen mit ungebremsten Unwohlsein, während seine Gedanken darum kreisten, dass er jetzt ein verdammt großes Problem hatte.
Als Professor McGonagall Marcus am Oberarm berührte, zuckte er erschrocken zusammen und prallte unsanft mit der Schulter an Miles. Die hagere Lehrerin rückte ihre Brille gerade. Mit einem besorgten Blick reichte sie ihm einen Beutel mit Eis. Verwirrt nahm Marcus den Beutel entgegen, starrte ihn aber lediglich irritiert an. „Halten Sie ihn an Ihr Auge, Mr. Flint", forderte Professor McGonagall ihn mit der üblichen enervierenden Höflichkeit auf, dann wandte sie sich der wuseligen Krankenschwester zu, die Oliver ins Leben zurückholte. „Poppy, ich lasse eben den Diagnosespruch über Mr. Flint laufen. Ist das in Ordnung für dich?", fragte sie. Die beiden Frauen tauschten einen schwer deutbaren Blick aus und Madam Pomfrey nickte.
„Nicht nötig", murmelte Marcus unsicher. „Es... es geht mir gut. Es gibt keinen Grund zur Sorge. Wirklich nicht..." Unbeachtet verlor sich seine Stimme im Krankenflügel. Sein Vater würde ihn gewiss nicht ungestraft davonkommen lassen. Er war eine Schande für die Familienehre. Verdammt.
Als Professor McGonagall den Zauberstab auf ihn richtete, gab Marcus sich alle Mühe, nicht die Augen zu schließen. Langsam verließ ihn das Adrenalin, stattdessen machte sich eine allumfassende Übelkeit in seinem Magen breit. „Keine Sorge", murmelte die Professorin konzentriert. „Gleich haben wir es schriftlich, dass Ihnen nichts fehlt." Ein paar leuchtende Worte und Zahlen erschienen in der Luft. Professor McGonagall trat einen Schritt beiseite, damit auch Madam Pomfrey einen Blick darauf werfen konnte. „Kein Knochen ist gebrochen", murmelte Professor McGonagall. „Nur eine aufgeplatzte Lippe und ein blaues Auge." Sie seufzte. „Ich hole Severus, Poppy. Bitte lass' die Missetäter nicht gehen."
Madam Pomfrey schmunzelte. „Aber wo denkst du hin, Minerva?"
O Merlin, dachte Marcus entsetzt. Das war sein Ende. Er hatte sich geprügelt, somit war Professor Snape enttäuscht. Er würde kein Quidditch mehr spielen dürfen, dann würde die Strafe seines Vaters folgen. Heimlich wischte er seine schweißnassen Hände trocken, während ihn die Panik immer noch ungehindert durchflutete. Madam Pomfrey wandte sich ab, um ein paar Tränke zusammenzumischen. „Ich bin am Arsch", flüsterte Marcus resigniert zu Miles, während die Krankenschwester abgelenkt war. „Dieses Mal war's das wirklich. Dabei hatte ich echt das Gefühl, mein Leben wenigstens halbwegs im Griff zu haben. Drachenmist. Die... die werden mir sonstwas antun."
„Chill' mal, Marcus", flüsterte Miles zurück. Selbst Cedric ließ sich nun neben Marcus nieder und schlang locker einen Arm um seine Schultern. „Wir sind für dich da, Alter", flüsterte der Hufflepuff ernst. „Keine Sorge, du hast dich nur verteidigt. Dir wird nichts passieren. Ich verstehe nicht, wovor du solche Angst hast." Miles warf ihm einen warnenden Blick zu. „Oh", machte Cedric daraufhin erstaunt. Marcus beachtete die beiden in seiner Panik jedoch kaum.
Madam Pomfrey zog mit einem kleinen Lächeln die Augenbraue hoch. „Da fehlt wohl nur noch Mr. Davies, hm? Haben Sie sich wieder über diesen blöden Sport gezankt?" Ohne Widerworte zu dulden, drückte sie Marcus eine Phiole in die Hand. Ungeduldig wartete sie, bis er ausgetrunken hatte.
Sofort machte sich ein wohliges, warmes Gefühl in Marcus breit. Worüber hatte er sich gerade noch solche Sorgen gemacht? Es fühlte sich fast wie Feuerwhisky an. Komisch. Ein Kribbeln setzte in seinem Magen ein und breitete sich bis in seine Fingerspitzen aus. Wow, er fühlte sich irgendwie wohl. „Was ist das für ein Trank?", fragte er verwundert, dann entfuhr ihm ein kleiner Schluckauf. Er kicherte kurz, hielt sich aber schnell die Hand vor den Mund. Huch. Was war denn nun los?
Cedric und Miles grinsten ihn breit an. „Ein Beruhigungstrank", erklärte Madam Pomfrey seufzend, bevor sie ihren Zauberstab zückte. „Ich werde jetzt Ihre Wunden heilen. Halten Sie still und schauen sie mich um Himmels Willen nicht jedes Mal wie ein Reh im Scheinwerferlicht an, wenn ich meinen Zauberstab auf Sie richte. Ich bin Krankenschwester, kein Attentäter."
„Was ist ein Scheinwerfer?", fragte Marcus mäßig interessiert, während sich die Leichtigkeit in seinen Kopf fortsetzte. Begeistert wollte er die Arme heben, um zu sehen, ob sie schwebten, aber Cedric und Miles hielten ihn geistesgegenwärtig fest. Seine Gedanken zerstreuten sich in alle Richtungen, deshalb entschied er sich, ein kleines Lied zu summen.
Madam Pomfrey atmete erneut tief durch. „Passen Sie bloß auf, dass er nicht wegläuft", forderte sie Miles auf. „Ich hole Nachschub für Mr. Wood." Sie wandte sich zum Gehen, drehte sich an der Tür aber noch einmal um. „Wehe, Sie treiben Unfug mit ihm in dem Zustand!", drohte sie mit erhobenem Zeigefinder. Marcus sah ihr mit großen Augen hinterher. So etwas würde Miles doch nie tun. Glücklich grinste er seinen Freund an.
Sobald die Tür hinter Madam Pomfrey zuschlug, rieb sich Miles schadenfroh die Hände. „Marcus steht unter Drogen. Was wolltest du ihn schon immer fragen, Ced? Jetzt gilt's", flüsterte er aufgeregt.
„Au ja", machte Cedric. „Ich fange an." Er wischte sich mit einer affektierten Geste den Pony aus der Stirn. „Wer sieht besser aus? Miles oder ich?", fragte er, während er schelmisch lachte.
Marcus erwiderte sein Lächeln, ohne zu zögern. „Du siehst am besten aus, Ced. Aber das macht nichts. Denn ihr seid beide tolle Menschen. Die besten Freunde, die ich habe", gestand er mit leichtem Herzen, während er versuchte, beide fest zu umarmen. „Ich habe euch echt gern." Er grinste breit, während sich das unbekannte Glücksgefühl in seinem Herzen ausbreitete.
Cedric lachte. „Danke, Mann", verkündete er. „Das ist echt nett von dir. Ich wusste gar nicht, dass du zu so vielen Gefühlen fähig bist." Unwillkürlich fragte Marcus sich, ob er gerade veräppelt wurde, doch der Gedanke verlor sich im Nebel.
„Gruselig", flüsterte Miles mit breitem Grinsen. „Jetzt bin ich dran. Hast du eigentlich schon mit Katie geschlafen? Wie war's?"
Marcus kicherte wie ein kleines Mädchen. „Nein, das mache ich nicht, bevor ich mir nicht ganz sicher bin, dass sie auch will", gestand er und merkte, wie die Wärme in seine Wangen kroch. „Sie bedeutet mir wirklich viel. Ich bin verliebt in sie." Er seufzte glücklich. „Ich glaube, das muss ich ihr dringend sagen. Sie ist mir unglaublich wichtig."
„Es ist echt gruselig", flüsterte Cedric zu Miles, der sich die Faust in den Mund schob, um nicht laut zu lachen. „Ich wusste gar nicht, dass du so sentimental bist, Marcus", gestand Miles grinsend. Was hatten die beiden denn bloß?
In diesem Moment wurde die Tür zum Krankenflügel erneut geöffnet. Katie, der die wirren Haare zu Berge standen, stürmte herein. „Was habt ihr angestellt?", fauchte sie aufgebracht.
„Hallo Schatz", sagte Marcus mit einem breiten Lächeln. „Es ist schön, dich zu sehen. Du bist nett und hübsch und toll und..." Er seufzte erneut glücklich. „Es gibt so viel, dass ich dir noch sagen möchte..."
Das brachte selbst Katie ins Straucheln. Sie musterte Marcus mit weit aufgerissenen Augen und vergaß ihre ganze Wut. „Schatz?", zitierte sie verwirrt. „Was ist denn mit dir los, Flint?"
Marcus fuhr unbeeindruckt fort. „Was ich dir schon immer sagen wollte, ich bin sehr verl-" Geistesgegenwärtig warfen sich Miles und Cedric gleichzeitig auf Marcus und hielten ihm reichlich rabiat den Mund zu. Leider fehlte es Marcus an Kraft, sich zu wehren. Seine Glieder fühlten sich immer noch so schön leicht an. Er würde sie jetzt wirklich gern küssen.
„Hör' nicht hin, Katie", sagte Cedric angestrengt. „Madam Pomfrey hat ihn unter Drogen gesetzt." Das stimmte wohl, dachte sich Marcus in seinem benebelten Kopf. Den Kausalzusammenhang verstand er aber trotzdem nicht.
„Gruselig, nicht?", fügte Miles hinzu, dann lachte er zögernd. Langsam ließen die beiden Marcus wieder los, der perplex schwieg. „Ich hab' unseren Sonnenschein noch nie lächeln sehen."
„Halt' bloß die Klappe, Marcus", zischte währenddessen Cedric. „Das bereust du morgen."
„Was ist denn überhaupt passiert?", fragte Katie, während sie sich die ohnehin schon zerzausten Haare raufte.
Cedric seufzte. „Wir haben es nicht ganz mitbekommen. Oliver wollte mit ihm sprechen. Er war total aufgebracht. Es ging wohl um dich. Die beiden haben kurz gebrüllt, dann ist Oliver auf Marcus losgegangen", gab er die Kurzfassung wieder.
Miles zuckte mit den Schultern. „Ein Schlag und dein Kapitän ging zu Boden. Der Sonnenschein hat echt Kraft." Er schlug Marcus beeindruckt auf die Schulter. „Das kommt wahrscheinlich von den vielen Liegestützen."
Als Marcus immer noch breit grinsend anfing, seine Muskeln spielen zu lassen, schlug sich Katie mit der flachen Hand vor die Stirn, ließ das Thema aber fallen. „Testosterongesteuerte Idioten", grummelte sie genervt.
Marcus mochte es nicht, wenn sie so angespannt war. „Bekomme ich einen Kuss?", fragte er liebenswürdig. „Ich möchte dich so gern umarmen. Du riechst gut, mein Schatz."
„Total gruselig", stimmte Katie mit einem kleinen Lächeln zu, gab ihm aber trotzdem einen Kuss auf die Stirn. „Tut's arg weh, Marci?", fragte sie mit Sorge in der Stimme. Sie streichelte ihm vorsichtig über die geschundene Wange.
Während sich Miles und Cedric über den neuen Spitznamen amüsierten, schüttelte Marcus dagegen nur lächelnd den Kopf. „Der Trank macht mein Leben schön und leicht", erklärte er in einem leichten Singsang. „So könnte es jeden Tag sein."
Langsam regte es sich auch im Nachbarbett. „Wieso fragst du eigentlich nicht nach meinen Schmerzen, Katie?", fragte Oliver beleidigt.
Katie rollte mit den Augen. „Mit dir rede ich nicht, Wood", erklärte sie stumpf. „Ich habe dir hundert Mal gesagt, lass die Finger von Marcus. Hoffentlich tut es ordentlich weh, damit du es endlich lernst. Mach' es wenigstens wieder gut, indem du Snape gleich keinen Scheiß erzählst." Miles lachte schadenfroh und hob die Hand zum Highfive, doch Katie gönnte ihm lediglich den Lass-Es-Blick.
Verdutzt schaute Marcus in die Runde, doch er war zu verwirrt, um etwas zu sagen. In diesem Moment betrat Professor Snape den Krankenflügel, dicht gefolgt von Professor McGonagall.
Sofort sprang Cedric auf. „Das ist alles Olivers Schuld, wirklich!", beteuerte er dieses Mal Professor Snape, während Katie vergebens versuchte, mit ihrem Körper das Sichtfeld zu Marcus zu blocken.
„Merlin steh' uns bei", grummelte der stets bestens gelaunte Professor. „Alle, die sich nicht geprügelt haben, warten draußen vor dem Krankenflügel." Miles und Cedric gehorchten sofort mit eingezogenen Köpfen, doch Katie zögerte. „Auf der Stelle, Miss Bell", fuhr er schärfer fort, dann folgte Katie den beiden mit grimmiger Miene.
„Hallo Professoren", grüßte Marcus seine Lehrer mit einem leichten Grinsen und immer noch ganz viel Nebel im Kopf.
Professor McGonagall seufzte. „Poppy hat ihm einen Beruhigungstrank gegeben, Severus", erklärte sie kopfschüttelnd. Endlich konnte Marcus ungestört ausprobieren, ob seine Arme fliegen konnten. „Am besten erzählt uns Mr. Wood, was passiert ist." Zu Marcus' Überraschung blieb Oliver sogar bei der Wahrheit. Nur die Sache mit Katies blauen Flecken ließ er außen vor.
„Nun denn." Professor McGonagall wandte sich an Professor Snape. „Du kennst die Regeln genauso gut wie ich, Severus", sagte sie ruhig.
Professor Snape nickte knapp. „Wir werden die Eltern beider Parteien informieren müssen", antwortete er ernst. „Es ist egal, wer angefangen hat oder worum es ging." Die beiden tauschten einen knappen Blick aus. „Es ist unsere Pflicht."
Etwas in Marcus erstarrte trotz des Tranks zu Eis. Verdammt, das war nicht gut. „Oh nein, das gibt bestimmt zwei Tage Hausarrest", murrte Oliver, aber Marcus nahm es nur aus der Ferne wahr. Sein Vater würde ihn umbringen. Er konnte genauso gut gleich heute vom Astronomieturm springen. Sein Vater hasste ihn sowieso schon, aber jetzt hatte er erneut Schande über die Familienehre gebracht. Drachenmist, Professor Snape durfte ihn nicht tadeln. Die Konsequenzen wären... Marcus versank in Erinnerungen an den letzten Sommer und erstarrte in absoluter Bewegungslosigkeit jetzt, da seine Befürchtungen Realität wurden. Sein Herz pochte unangenehm heftig gegen seine Rippen. Übelkeit stieg in ihm auf und verdrängte die angenehme, neblige Wirkung des Tranks. Zurück blieb nur das dumpfe, leicht betäubende Gefühl, in Watte gepackt zu sein.
Marcus sah, wie Professor Snape zu ihm sprach, aber er verstand ihn nicht richtig. „W-wie bitte?", stotterte er verlegen, wagte aber immer noch nicht, sich zu bewegen. Er hatte solche Angst.
Wieder tauschten die beiden Lehrer einen langen, bedeutungsschweren Blick. „Werden Sie die Weihnachtsferien mit Ihrer Familie verbringen?", wiederholte Professor Snape ungewohnt sanft.
„Nein, Sir, ich glaube nicht", erwiderte Marcus so neutral, wie es unter dem Bann des Tranks ging. „Meine Eltern haben geschrieben, dass meine Anwesenheit im Manor nicht erforderlich ist. Allerdings weiß ich nicht, ob mein Vater seine Meinung noch ändert nach diesem Vorfall." Immer noch klopfte sein Herz schmerzhaft heftig. Merlin, den Konsequenzen der Schlägerei würde er, solange es irgendwie ging, aus dem Weg gehen. Leider vergaß sein Vater nichts. Möglichst unauffällig versuchte er, seine schweißnassen Hände an der Hose abzustreifen.
„Nicht erforderlich", wiederholte Professor McGonagall mit hochgezogenen Augenbrauen. „Severus, das klingt doch - äh - positiv." Ihr Gesichtsausdruck sagte dagegen etwas ganz Anderes. Verdammt, irgendetwas lief hier gerade reichlich schief. Sie schenkte Marcus einen langen Blick, dann seufzte sie ergeben. „Kommen Sie, Mr. Wood. Ich bringe Sie zu Ihrem Schlafsaal. Wie ich es eben vernommen habe, ist Miss Bell ja gerade nicht so gut auf Sie zu sprechen." Mit hängendem Kopf stand Oliver auf.
„Sehen wir uns nachher in meinem Büro, Minerva?", fragte Professor Snape. Die alte Dame nickte knapp, bevor sie mit Oliver den Krankenflügel verließ. „Mr. Flint." Der Professor wandte sich Marcus zu, der aber vorsichtshalber lieber das Linoleum betrachtete. „Ich sehe doch, wie Sie reagieren, auch wenn Sie es noch so sehr verbergen wollen. Wovor haben Sie solche Angst? Vor Ihren Eltern?"
Frenetisch schüttelte Marcus den Kopf. „Mein Vater ist ein respektabler Mann", sprudelte es aus ihm heraus. „Er erzieht mich im traditionellen Sinne zu einem wertvollen Mitglied unserer Gesellschaft." Das waren die tröstenden Worte seiner Mutter, die seinen Mund verließen wie ein Gebet. Vage stellte er fest, dass er sie lange nicht mehr gehört hatte.
Professor Snape seufzte. „Reden Sie mit mir, sonst kann ich Ihnen nicht helfen." Er kam einen Schritt näher, berührte ihn aber nicht. „Was auch immer es ist, es gibt eine Lösung."
„Mir geht es super", log Marcus sofort. „Alles bestens." Er brachte sogar ein falsches Lächeln zustande. Alles nur nicht das. Niemand durfte ihm zu viel Aufmerksamkeit schenken. Sein Vater tat doch sein Bestes, oder nicht? Er war eben ein Volltrottel, da war so eine Erziehung doch gerechtfertigt. Nein, es war alles richtig so. Wenn ein Lehrer ihn tadelte, verdiente er es, bestraft zu werden. Das war doch schon seit der ersten Klasse klar. Er schluckte schwer. Verdammt. Seine Gedanken rasten, aber sein Kopf wollte einfach nicht klar werden. Er war ein Volltrottel, eine Zeitverschwendung. Er hatte eine Strafe verdient.
Professor Snape glaubte ihm nicht und machte sich noch nicht einmal die Mühe, das vor ihm zu verbergen. „Sie können jederzeit in mein Büro kommen", versprach er resigniert. „Bis dahin möchte ich Sie noch einmal daran erinnern, Mr. Wood zu meiden, Ihre Hausaufgaben zu machen und weiterhin im Unterricht Ihr Bestes zu geben." Er schenkte ihm ein kleines sarkastisches Lächeln. „Meinen Rat, Miss Bell aus dem Weg zu gehen, haben Sie ja schon gekonnt ignoriert."
Das mit Oliver musste so kommen, seid mir nicht böse. Genug Vorwarnung hattet ihr ja. Ob es nicht besser gewesen wäre, hätte Katie von Marcus' Gefühlen gewusst? Für Marcus steht aber gerade sowieso nicht Katie, sondern seine Angst im Vordergrund. Im nächsten Kapitel geht es wieder etwas ruhiger zur Sache. Über Reviews freue ich mich sehr!
