13. Dezember: Eine Scheißfamilie
„Mum? Dad? Seid ihr da?" Ron kletterte aus dem Kamin und wäre beinahe über einen Plüschdrachen gestolpert, der direkt vor dem Kamin lag. Er hob ihn auf und setzte ihn auf das Sofa. Der Drache konnte nur Teds Tochter Dora gehören. Bestimmt hatte Charlie ihn den frischgebackenen Eltern aus Rumänien geschickt. Er konnte nicht zu jeder Geburt kommen, aber er hatte noch jedem neugeborenen Baby, angefangen bei Victoire, einen Plüschdrachen zur Geburt geschenkt. Und jedes Kind hielt ihn in Ehren. Hugo nahm seinen sogar noch mit nach Hogwarts, so sehr hing er an dem Kuscheltier. Wenn der Drache Rosie doch auch noch so viel bedeuten würde.
Das Wohnzimmer war stockdunkel, aber in der Küche brannte Licht.
„Mum, Dad? Hallo?", rief er laut und bleib erstarrt stehen, als er sah, wer mit seinem Eltern beim Abendessen saß. „Was machst du denn hier?", fragte er seinen großen Bruder George überrascht.
„Darf ich nicht meine geliebten Eltern besuchen, Brüderchen?", fragte George grinsend. „Muss ich mich für meinen Familiensinn entschuldigen?" Ron verdrehte die Augen und musste lachen, als seine Mutter George liebevoll in den Arm boxte. „Okay, okay, wenn ihr euch alle gegen mich verschworen habt … Angelina ist mit ein paar Freundinnen weg und ich hatte nichts zu essen. Ich wollte mich nicht vergiften."
„Wenn du dir kein Essen kochen kannst, ohne dich in Lebensgefahr zu begeben, dann habe ich als Mutter versagt", sagte Rons Mutter todernst und schaute George tief enttäuscht an. Ron schnaubte und sein Vater schüttelte sich vor stummem Lachen.
George verdrehte die Augen. „Euch kann man es aber auch nicht recht machen. Ich war mutterseelenalleine und hatte keine Lust, mir Essen zu bestellen. Ich bin zu höflich, bei meinen Geschwistern unangemeldet reinzuplatzen und jetzt muss ich mir auch noch Vorwürfe anhören, wenn ich bei meinen Eltern bin?"
Ron hob abwehrend die Hände. „Ich hab doch gar nichts gesagt. Wenn du willst, hättest du auch zu uns kommen können. Ich weiß, wie einsam das sein kann, wenn die Kinder alle in Hogwarts sind." Das Haus war so schrecklich still gewesen, als auch Hugo sie verlassen hatte, und das würde es für immer sein. Hugo würde nach seinem Abschluss bestimmt nicht mehr bei ihnen wohnen wollen. Rosie hatte ja nicht schnell genug mit diesem Malfoy zusammen ziehen können. Hugo würde es da bestimmt nicht anders machen, auch wenn er keine Freundin hatte, mit der er Ron quälen konnte.
„Und riskieren, euch wieder beim Sex zu erwischen? Nein danke, das eine Mal hat mir gereicht."
Ron lief rot an und verdrehte die Augen. Seine Eltern sah er lieber gar nicht erst an. „Das war ein einziges Mal! Vor Jahren! Wie lange muss ich mir das noch anhören?"
„Bis zu deinem Tod, Brüderchen! Selbst Schuld, wenn du mir so eine Vorlage lieferst."
Ron hatte gar nichts geliefert. Er hatte nur einmal mit seiner Frau im Wohnzimmer geschlafen, als beide Kinder in Hogwarts waren. War das ein Verbrechen?! Woher hätte er denn wissen sollen, dass George einfach so unangemeldet hereinschneien würde? Als ob er der Einzige war, der woanders als im Schlafzimmer Sex hatte! Wenigstens apparierten seither alle Familienmitglieder im Garten, um das nicht zu riskieren. So wie er das höflicherweise bei all seinen Geschwistern auch machte. Das sagte doch schon der gute Anstand.
„Müssen wir das vor Mum und Dad besprechen?", fragte er genervt. Er wusste, dass er mittlerweile rot wie eine Tomate war. Dafür war er eigentlich nicht hergekommen.
Seine Mutter tätschelte ihm mitleidig die Wange. „Ich bitte dich, mein Lieber. Ihr seid alle seit Jahrzehnten verheiratet und habt Kinder. Für wie naiv haltet ihr uns eigentlich? Wir wissen, dass eure Kinder nicht der Storch gebracht hat."
„Ja schon, aber-", murmelte Ron.
„Wir haben selbst sieben Kinder, wir wissen, was Sex ist", schüttete sein Vater auch noch Salz in die Wunde. Sogar George verzog das Gesicht. Sein Vater lachte und schaute seine Mum liebevoll an. „Weißt du noch, wie Bill uns als kleiner Junge dabei gesehen hat?"
Sie lachte. „Natürlich. Er hat gefragt, ob er auch nackt mit Charlie raufen darf, so wie wir."
George verschluckte sich an einem Stück Hackbraten und schaute seine Eltern entsetzt an. „Mum! Dad! Muss das sein?"
„Was denn?", fragte seine Mum unschuldig lächelnd. „Du hast doch von Sex angefangen, Georgie, Schatz, die Suppe musst du jetzt auslöffeln. Willst du ein paar Tipps? Wir haben uns vor ein paar Jahren ein Kamasutra gekauft, das ist gar nicht so schlecht."
George schaute Ron finster an, der Mühe hatte, nicht zu würgen. „Das ist nur deine Schuld! Wir haben hier völlig entspannt gegessen und über Quidditch geredet und kaum kommst du vorbei, werde ich fürs Leben traumatisiert!"
Seine Mutter lachte und tätschelte erneut beiden Brüdern die Wange. „Hat es einen Grund, dass du hier bist, Ron? Nicht, dass wir uns nicht freuen, dich zu sehen. Aber ist alles in Ordnung?"
Ron nickte, dann dachte er ein paar Sekunden darüber nach und schüttelte entschlossen den Kopf. Letzten Endes zuckte er mit den Schultern. „Hermine ist heute Malfoy im Ministerium über den Weg gelaufen und der hat ihr erzählt, dass Rosie und er im Fuchsbau heiraten wollen. Stimmt das? Habt ihr diesem Irrsinn zugestimmt?"
George schaute Ron überrascht an. „Rose will heiraten? Scheiße, dann schulde ich Percy fünfzig Galleonen."
„Was?", fragte Ron verwirrt und entrüstet. „Ihr habt auf meine Tochter gewettet?"
George zuckte mit den Schultern. „Percy hat gemeint, dass die zwei heiraten, wenn Scorpius wieder kommt, ich hab gedacht, die beiden werden dich noch eine Weile quälen und weiter in wilder Ehe leben. Dass Rose mich so enttäuschen muss…", sagte er kopfschüttelnd.
„Ihr habt sie doch nicht mehr alle! Rose wird natürlich nicht heiraten!", widersprach Ron wütend.
„Da hat sie Arthur und mir vorgestern aber was ganz anderes erzählt", erwiderte seine Mutter unbeeindruckt und schwang ihren Zauberstab. Eine Suppenschüssel flog von der Anrichte und ließ sich vor Ron auf dem Tisch nieder. Seelenruhig löffelte sie Eintopf in die Schüssel und schob Ron den Brotkorb hin. Wütend griff Ron danach und rupfte ein Stück auseinander.
„Rosie hat sich da völlig verrannt. Sie wird schon noch zur Vernunft kommen, das sag ich euch, und einsehen, dass das keine Zukunft hat. Als ob sie mit einem Malfoy glücklich werden könnte!"
„In den letzten vier Jahren hat es jedenfalls sehr gut funktioniert", meinte George und aß unbeeindruckt seinen Eintopf.
Ron schnaubte. „Hast du sie im letzten Jahr mal gesehen? Sie war doch nur ein Schatten ihrer selbst. Und daran ist nur er Schuld!"
„Weil sie auf verschiedenen Kontinenten waren. Du bist doch schon deprimiert, wenn Hermine an einem großen Fall arbeitet", widersprach seine Mutter verständnislos. „Ron, wir wissen alle, wie unmöglich die Malfoys sind, alleine was Lucius uns über Jahre hinweg angetan hat, werden wir nie vergessen …" Sie erschauderte und lehnte sich an ihren Mann, der ihr stützend einen Arm um die Schulter legte. „Aber Scorpius kann nichts dafür und wenn du an diesem Hass festhältst schadest du nur dir und allen anderen."
Ron verdrehte die Augen. War ja klar, dass auch hier seine Familie nur gegen ihn war. Er würde nie verstehen, wie Malfoy sie alle rumgekriegt hatte. In dieser Scheißfamilie waren doch alle gleich, das würden die anderen schon noch merken! Er hoffte nur, dass er verhindern konnte, dass Rosie da einheiratete. Bei der Vorstellung wurde ihm regelrecht schlecht. Seine Rosie, eine Malfoy! Was für ein Albtraum! Und er wachte einfach nicht auf, auch nicht nach vier Jahren.
„Ihr werdet ihnen also nicht verbieten, hier zu feiern, hab ich das richtig verstanden?", sagte er unzufrieden. Dass jetzt auch noch sein Elternhaus für diese Farce herhalten musste!
„Natürlich nicht. Sie sind so willkommen, hier zu feiern, wie alle anderen aus der Familie auch", sagte seine Mutter und fing seelig an zu lächeln. „Sie ist das erste meiner Enkelkinder, das hier feiern will. Die Hochzeiten der anderen waren auch alle wundervoll, aber es ist doch immer schön, wenn alle hier sind. Schon damals bei Bill und Fleur. Das war doch ein wundervolles Fest, erinnert ihr euch noch?"
George lachte. „Ganz toll, Mum, wo am Ende fast alle Gäste geflohen sind."
Sie verdrehte die Augen. „Vom Ende hab ich nicht gesprochen, das stand nicht in unserer Macht. Aber das fest davor war doch wunderschön, nicht wahr?"
„Wenn man bedenkt, dass du Fleur nicht mochtest", wandte George ein und schaute Ron vielsagend an.
Seine Mum seufzte. „Ich war ignorant und verbohrt und hatte Unrecht, willst du das hören? Ich bin froh, dass die beiden nicht auf mich gehört haben und jetzt schon so lange glücklich zusammen sind. Und meine Urenkelin ist wunderbar. Hast du sie in der letzten Zeit gesehen, Ron, sie ist schon wieder gewachsen."
„Nein, Mum, hab ich nicht", seufzte Ron unglücklich. Dass George jetzt auch noch von Mum und Fleur anfangen musste. Gut, da hatte sich seine Mutter vielleicht geirrt, als sie gegen die Hochzeit war. Aber das bewies noch lange nicht, dass er auch Unrecht hatte. „Und ich will nur sagen, dass man Fleur und Malfoy nicht vergleichen kann. Sie war nur Französin, er ist immerhin ein Malfoy!"
„Himmel, Ron, wie miserabel haben wir euch eigentlich alle erzogen!", sagte seine Mutter wütend. „Erst wehrt Percy sich wie ein Verrückter gegen Mollys Hochzeit und jetzt fängst du auch so an. Ihr solltet endlich akzeptieren, dass eure Kinder erwachsen sind und ihre eigenen Entscheidungen treffen. Wenn die ein Fehler sein sollten, dann ist das eben so, aber dagegen machen könnt ihr sowieso nichts!"
„Das musst du grade sagen", murmelte Ron. Er hatte wenigstens einen guten Grund für seinen Hass. Seine Mum war viel schlimmer gewesen, so wie sie Fleur abgelehnt hatte. Und wie unfreundlich sie zu Hermine gewesen war, als Rita Kimmkorn in der Hexenwoche diese Lügen über sie verbreitet hatte! Dabei hatte sie Hermine da schon seit Jahren gekannt. Gut, Ron und sie hatten sich mehr als einmal verkracht, aber das war was anderes gewesen. Und er war immer noch der Meinung, dass er im Gegensatz zu allen anderen einen guten Grund hatte. Er konnte einfach nicht verstehen, wie zum Teufel Rose es für eine gute Idee halten konnte, in diese schreckliche Familie einzuheiraten. Bestimmt hatten die völlig absurde Hochzeitsrituale und Rosie musste zur Trauung ein Schwein schlachten. Die Malfoys hatten noch nie ein gutes Haar an ihrer Familie gelassen, warum sollte das jetzt anders sein?
„Lern aus meinen Fehlern, mein Sohn", sagte seine Mutter ernst. „Rose hat nicht nur deinen Sturkopf geerbt, sondern auch den von Hermine, da hast du sowieso keine Chance."
„Da kennst du meinen Sturkopf aber schlecht", widersprach Ron und aß einen Löffel Eintopf. Er schmeckte so gut wie immer. Scheiße.
„Ron, du hast noch nie gegen Hermine gewonnen, und sie ist nicht auf deiner Seite", mischte George sich jetzt ein. „Und sonst auch keiner. Wir alle mögen Scorpius und wir freuen uns für sie, du solltest akzeptieren, dass du verloren hast und den beiden nicht im Weg stehen."
„Das werden wir noch sehen!" Er hatte noch Monate Zeit, Rose diese Hochzeit auszureden. Er hatte Hermine zuliebe letzte Woche vielleicht gute Miene zum bösen Spiel gemacht, aber er war immer noch felsenfest davon überzeugt, dass diese Heirat ein Fehler war. Er verschränkte trotzig die Arme vor der Brust und schaute in die Runde. „Sonst noch was?"
„Ich muss nächste Woche für Einhornpulver zu Hagrid nach Hogwarts", unterbrach George schließlich die angespannte Stimmung. „Soll ich dem einen Kind von dir, das du noch nicht vergrault hast, vielleicht was ausrichten?"
Ron verdrehte die Augen. „Du kannst mich am Arsch lecken!"
George zuckte mit den Schultern. „Okay, ich sag's Hugo, aber ich glaube nicht, dass er sich darüber freuen wird."
Ron warf ein Stück Brot nach ihm und duckte sich, bevor seine Mutter ihm einen Klapps auf den Hinterkopf geben konnte. Eine schöne Familie hatte er!
TBC…
