TRIGGER-WARNUNG:

Hallo ihr Lieben, ich wollte an der Stelle noch mal auf das M Rating von dieser Fanfiction hinweisen. Dieses Kapitel ist teilweise sehr deprimierend und enthaltet stellenweise Gewalt, auch Gewalt gegen Kinder. Wer sowas nicht lesen möchte- ihr wurdet gewarnt!

Rückblick:

„Elf,...Zwölf,..."

Das kleine Mädchen lugte zwischen ihren kurzen, pummeligen Fingern hervor und grinste aufgeregt.

„Dreizehn,...Vierzehn,..."

Ein Knacken zu ihrer Linken, und sie presste hastig die Augen zusammen, während sie angestrengt nachdachte und dabei weiter zählte:

„acht,...neun..."

Wieder knackte es und nun wollte sie nicht länger warten. Das Mädchen riss die Hände vom Gesicht und sah mit großen Augen in dem sonnigen Garten umher. Direkt vor ihr befand sich ein großer Teich, den man schon fast als kleinen See bezeichnen konnte. Gerade noch war der geschuppte Schwanz einer schimmernden Kreatur zu erkennen, ehe er wieder im Wasser versank.

Und dahinter schimmerte das Pink des Rosengartens und der Duft der frischen Blühten wehte hinüber.

Das Spielhaus lag hinter dem Mädchen und sie rannte los, vorbei am großen Teich, dem Alraunenbeet und Lina, dem Pfau.

Das Mädchen keuchte angestrengt als es rannte, denn ihre kurzen Beine brachten sie nur mühsam voran, doch ihr Ziel hatte sie bereits vor Augen, und Siegeseifer übernahm ihr Gemüt.

Mit einem lauten „Hab dich!" hopste sie hinter einem Felsen hervor, blieb dann allerdings enttäuscht stehen. Dieser Platz war nicht belegt. Nach kurzem Stauen spürte das Mädchen aber wieder die Aufregung in sich aufkommen, und hastig rannte es weiter, hin zu seinem nächsten Ziel.

Der prächtige Apfelbaum, mit seinen roten, fetten Früchten war nun nicht mehr weit und ein Knacken und Ächzen schien von seinen Zweigen zu kommen, als sich etwas Schweres weiter nach oben zog.

Dann blieb das Mädchen stolpernd stehen und besah sich den Stamm. So weit unten befanden sich keine Zweige, was es unmöglich machte hinauf zu klettern. Sie kniff die Augen zusammen und spähte hoch, doch die Blätter waren so dicht, dass sie niemanden erkennen konnte. Die Hände nach oben gestreckt, überlegte das Mädchen, ob es wohl half im richtigen Moment, zusammen mit einem Windstoß zu springen und sich einfach von der Brise tragen zu lassen.

Doch die Äste waren weit entfernt, und langsam dämmerte es ihr, dass wohl nur ein Zaubertrank, der sie schnell wachsen ließe, helfen könnte.

„Mafoy!" rief das Mädchen laut, doch nichts regte sich.

Helen lief weiter im Garten umher, um sicher zu sein, nichts übersehen, oder verpasst zu haben, und sie blickte sich mit zunehmender, neuer Zuversicht um, sah hinter einigen Steinen und Büschen nach.

Doch das Knacken der Äste und das Rascheln des Laubs führten sie immer wieder zurück.

„Mafoy, das ist ungerecht! Kein Zaubern!" Rief Helen nun lauter und wurde dabei zunehmend frustriert.

Er spielte nicht fair, wenn er einfach nach oben flog, so hoch, dass sie ihm nicht folgen konnte. Noch immer sagte er nichts, also trat Helen beleidigt gegen den Stamm und setzte sich mit verschränkten Armen und einem leisen „Hmpf!" auf die breiten Wurzeln.

Sie wartete ein paar Sekunden lang, stierte dabei aber heimlich nach oben.

Dann tat sich eine Wolke auf und eine leichte Brise, die ihr Gänsehaut bereitete, ließ die Blätter über ihren Kopf im Wind rascheln und schon schwebte ein langsamer Schwarm Blüten auf sie hinab. Helen schloss kurz die Augen als die Blätter ihr Gesicht streiften und stellte sich vor, mitten auf einer Blumenwiese zu sitzen und sie breitete erfreut die Arme aus.

Doch dann wurde der Wind stärker und sie sah erneut nach oben.

Und nun sah sie es doch.

Irgendwo, inmitten der Blätter konnte sie ihn erkennen – einen Fuß! Das leuchten des blauen Turnschuhs hob sich eindeutig von seinem Untergrund ab.

„Ha!" Rief Helen und sprang wieder auf die Beine, wobei ihr ein paar Blätter im Nacken hängen blieben und dann, von ihr unbemerkt, langsam das T-Shirt hinab glitten.

„Hab dich, komm runter!"

Doch der Fuß zog sich schnell wieder zurück, hoch hinauf in die Äste und Helens Aufforderung blieb unbeantwortet.

Wütend sah sie jetzt aus, formte die kleinen Hände zu Fäusten und hatte plötzlich keine Lust mehr zu spielen.

„Das ist unfair, komm runter!"

Immer noch nichts.

Helen sah sich verstohlen im Garten um. Von den Erwachsenen war keine Spur, und Twonki war bestimmt noch in der Küche beschäftigt. Helen holte tief Luft und grinste plötzlich, als sie mit großen Augen sagte:

„Heey Dwaco!" Wobei ihre kindlichen Lippen es nicht ganz schafften, den Namen richtig auszusprechen.

Helen ließ ein kleines Quietschen ertönen und hielt sich aufgeregt die Hände vor den Mund und blickte umher, als erwarte sie jeden Moment, einen brüllenden Troll, oder eine Horde wütender Monster herbeizustürmen. Doch nichts geschah, und so ließ Helen ein nervöses Kichern hören und sagte dann erneut, mit nun kräftigerer Stimme:

„Dwaco, komm runter!" doch die aufgeregte Freude über diesen kleinen Ungehorsam hielt nur kurz, denn als der Junge über ihr noch immer keine Anstalten machte hinunter zu kommen und sich zu zeigen, da verlor Helen den Spaß.

Beleidigt stampfte sie mit dem Fuß auf den Boden und wandte sich dann ab, um ins Haus zurückkehren. Da meldete sich dann doch eine laute, verschmitzte Stimme, hoch über ihren Kopf hinweg:

„Komm doch rauf und hol mich!" Und nun war auch sein Gesicht zu sehen. Der Junge spähte zwischen den Blättern hindurch, wobei sein Gesicht verschmutzt und schlammig war und in seine Wange drückte sich einer dieser köstlichen, roten Äpfel, die sie beide so gerne aßen.

Helen traf seinen Blick und er grinste spitzbübisch.

„Aber wie?" fragte sie hilflos und genervt und besah sich noch mal den Baum. Sie würde richtig klettern müssen, mit eigener Kraft.

Helen betrachtete hilflos ihre Arme und bezweifelte stark, dass sie dazu in der Lage war.

„Jemand muss mich tragen!" sagte sie und blickte sich gleichzeitig nach Hilfe um, doch der kleine Junge verdrehte nur die Augen und kam allmählich doch hinunter.

Er kletterte ohne zu zögern, mit so viel Sicherheit und fast schon Eleganz, dass Helen nur staunend den Mund offen hielt. Die letzten zwei Meter sprang er dann, wobei er nicht einfach wie ein schwerer Sack zu Boden fiel, sondern sanft und langsam hinab ins Gras glitt.

Grinsend blickte er ihr entgegen.

Helen kannte das schon, das machte er immer, doch wollte er nie sagen wie. Beeindruckt war sie trotzdem und klatschte freudig.

„Du hast trotzdem verloren." sagte Malfoy und begann sich die Erde von den nackten Knien zu reiben.

„Stimmt nicht, hab dich gefunden!" sagte Helen sofort und stemmte die Hände in die Seiten.

„Aber nicht gefangen!" sagte er feixend und Helens Hand schnellte hervor und packte sein Shirt an der Brust. Nun grinste sie zu ihm hoch und nun war er es, der trotzig die Augen verdrehte.

„Zählt nicht." sagte er nur und schüttelte sie ab.

„Es zählt!" Sie streckte ihm die Zunge raus und ging dann los um Lina zu streicheln.

Malfoy folgte ihr zögernd.

„Vater sagt, die soll man nicht streicheln." sagte er sofort, doch seine Augen wirkten neugierig und folgten jeder ihrer Bewegungen.

„Vater sagt dies, Vater sagt das." äffte Helen ihm nach, während das weiche, wunderschöne Gefieder des großen Vogels durch ihre Finger glitt. „Sei kein Angsthase!"

Doch den letzten Satz bereute sie sofort.

Malfoy schlug ihr fest mit der Faust auf die Schulter und Helen stieß ein schmerzhaftes Japsen aus und fasste sich an den Arm.

„Du sollst so nicht sprechen!" sagte Malfoy wütend und verschränkte die Arme.

Helen begann zu weinen und schrie zurück: „Du sollst mich nicht hauen!"

Sie schniefte laut, doch Malfoy ließ sich ins Gras sinken und zupfte an den Gänseblümchen herum. Helen zögerte einen Moment, denn ihre Schulter tat immer noch richtig weh. Doch Malfoy schien irgendeinen Plan mit den Blumen zu haben. So siegte die Neugierde und Helen hörte auf zu weinen, ließ sich zu ihm auf den Boden sinken und versuchte zuzusehen.

„Was machst du?" fragte sie dann, doch er brachte sie mit einem „Shhh." zum Schweigen. Sie wartete geduldig und versuchte ihm nicht allzu interessiert zu zusehen, wo er doch offenbar etwas geheim machen wollte. Dann ließ er das kleine Etwas schnell in seiner Tasche verschwinden, wobei er sehr zufrieden mit sich aussah.

Helen begann gerade die weißen Blüten der Gänseblümchen zu essen, da ertönte ein leises Plopp und Twonki die Hauselfe, erschien direkt vor ihnen. Sie trug nichts als ein ausgewaschenes und sehr schäbiges Geschirrtuch.

Ihre langen Ohren berühren fast den Boden, als sie sich Malfoy zuneigte, doch der sah nur verächtlich aus.

Das mochte Helen nicht. Twonki war immer lieb, und wenn er so tat, dann wirkte er genau wie sein Vater. Helen rümpfte die Nase und sagte ein wenig hochnäsig:

„Du hast da Dreck, Mafoy." Und sie deutete auf seine erdige Wange.

Er ignorierte sie und Twonki sprach mit lauter Piepsstimme:

„Meister Malfoy, Miss Potter, es ist Zeit reinzukommen, bald gibt es Essen. Und ihr seid wieder ganz verdreckt!" Tadelte Twonki und jammerte dann mit besorgter Stimme vor sich hin:

„Oh nein, oh nein. Heute gibt es Besuch. Der Meister schickt Twonki, euch für das Abendessen zurecht zu machen, und dann seid ihr so verschmutzt. Oh nein, oh nein."

Sie folgten Twonki den Kiesweg entlang zurück zur Gartentür und Helen freute sich. Besuch kam zwar nie für sie, meistens waren es Freunde von Narzissa oder Lucius, doch sie brachten ihre Kinder mit. Kinder, die zwar eigentlich nicht mit Helen spielen durften, es aber trotzdem taten.

Malfoy hatte immer Schwierigkeiten sich anderen zu nähern, war er doch viel schüchterner und unsicherer als Helen. So ging sie stets voran und mit der Zeit traute dann auch er sich. Außerdem hatte Helen ihre Erdbeerschokolade vom letzten Wochenende extra aufgehoben, und geplant, sie dem nächsten Kind zu schenken, das sie kennenlernte, um einen besseren Eindruck zu machen.

Twonki schickte die beiden baden und überwachte Helen sogar dabei, um sicherzugehen, dass sie sich ordentlich saubermachte, und auch die Haare wusch. Immer wieder nahm sie Helen einfach den Schwamm ab und rubbelte ihn über Arme und Beine, da Helen selbst viel zu sehr damit beschäftigt war, Burgen und Schlösser aus dem Badeschaum zu bauen, oder Seifenblasen, die sich auf ihrem Körper gebildet hatten, platzen zu lassen und in Twonkis Gesicht zu pusten.

Twonki mahnte sie ständig zur Eile, und Helen tat was sie konnte, doch ein bisschen spielen wollte sie trotz allem.

Danach steckte sie Helen in ein wunderschönes Kleid.

Es war orange, Helens Lieblingsfarbe, und jemand hatte es mit weißen, kleinen Blümchen bestickt und Helen fragte sich, ob sie jetzt so hübsch war wie Narzissa.

Ihre schwarzen Haare band Twonki zu einem Pferdeschwanz zusammen.

„Und jetzt gehen Sie Misses, hinunter ins Esszimmer, gehen Sie Miss. Twonki muss schleunigst den Braten aus dem Ofen nehmen, oh ja, beeilen Sie sich Misses." Und Twonki verschwand mit ihrem üblichen Plopp.

Als Helen den langen Flur entlang spazierte, der in die Treppe zur Eingangshalle mündete, die Erdbeerschokolade in der kleinen Seitentasche ihres Kleides verstaut, holte Malfoy von hinten auf.

Er trug einen sehr hübschen, dunkelgrünen Zaubererumhang und seine Haare, die so hell waren, dass man sie manchmal fast gar nicht mehr sah, waren streng zurückgekämmt. Sie schritten zusammen den Weg zur Wendeltreppe, Helen ganz aufgeregt und Malfoy, wie immer etwas nervös. Dann vernahmen ihre Ohren plötzlich laute, fremdartige Stimmen, und sie hielten unsicher an.

Durch das Treppengeländer hervor spähend, sahen sie hinab in die Halle. Narzissa saß am Tisch, zusammen mit einer Frau, die Helen nicht kannte. Sie hatte langes schwarzes Haar, und eine schmale Statur, doch mehr konnte sie nicht erkennen, da sie ihnen den Rücken gekehrt hatte.

Kinder konnte sie keine sehen.

Neugierig lehnte Helen sich weiter nach vorne, wobei auch Malfoy nun neben ihr kauerte und sie versuchten gemeinsam zu lauschen.

„Bella du suchst seit Jahren. Jahren!" sagte Narzissa gerade. „Ich denke du musst langsam einsehen, dass er fort ist! Der Dunkle Lord ist nicht mehr!"

Helen fühlte sich augenblicklich alarmiert, denn Narzissa wirkte aufgewühlt- etwas, das sie gar nicht gerne sah.

„Pah!" machte die Frau, wobei sie ungeduldig mit der Hand durch die Luft wedelte und Helen zuckte zusammen. Sie hatte eine sehr laute, klare Stimme, aber sie klang auch unerwartet hart.

„Er wird zurückkommen, und ich werde da sein, ich werde bereit sein, wenn es so weit ist." Sie sprach leidenschaftlich und schlug beim Sprechen mit der Faust auf den Tisch.

Helen und Malfoy sahen einander mit großen Augen an.

Wenn einer von ihnen auf den Tisch schlug, dann wurde immer sofort geschimpft.

Nun trat Lucius plötzlich hervor. Helen hatte ihn zuvor nicht bemerkt.

„Azkaban ist es, wo du sein wirst!" sagte er ruhig, doch die Frau lachte nur.

„Crouch ist verbissen, Bella. Und nach heute Abend...Frank Longbottom, ein Auror-".

Begann Narzissa, aber die Frau schnitt ihr das Wort ab und schnaubte gehässig:

„Denkt ihr, ich fürchte Azkaban? Denkt ihr, ich fürchte diesen Blutsverräter?! Oh nein, soll er doch kommen, soll er es doch versuchen, ich bin bereit!"

„Du weißt ja nicht, was du redest!" sprach Narzissa aufgebracht und fasste diese Frau nun an der Schulter, zwang sie, sie anzusehen:

„Denkst du, Crouch wird allein kommen? Du hast einen Auror angegriffen! Es würde mich nicht wundern, wenn bald die gesamte Abteilung hier aufkreuzt! Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Longbottoms den Mund aufmachen und-"

Doch wieder lachte die Frau, und es war grauenhaft, schaurig, ließ Helens Nackenhaare sich sträuben.

„Glaube mir Zissi, ich habe dafür gesorgt, dass sie nie mehr den Mund aufmachen werden!"

Narzissa stockte einen Moment, dann sagte sie, wobei ihre Stimme fast einen flehenden Unterton annahm:

„Sei vernünftig Bella! Es sind jetzt vier Jahre! Jene Nacht, als Harry Potter-."

Doch nun wirkte die andere Frau sehr zornig. Sie bäumte sich auf und fuhr mit lauter Stimme dazwischen:

„Komm mir nicht mit diesem Balg!"

Und Narzissa verstummte abrupt.

Helen und Malfoy tauschten einen weiteren aufgeregten Blick, doch Helen verstand nicht, um was es hier ging. Harry Potter? Sprachen sie etwa über Helen?

Wahrscheinlich hatten sie einfach den Namen falsch gesagt, dachte sie und schüttelte den Kopf über diesen Fehler.

Gerade wollte Narzissa noch etwas entgegnen, öffnete den Mund, doch da räusperte sich Lucius plötzlich. Er blickte zu ihnen hoch. Hatte sie entdeckt.

„Habe ich dich nicht gelehrt, dass es eine Untat ist, Erwachsene zu belauschen?" Er sprach zu Draco, doch sie beide sprangen ertappt hoch und spazierten hinunter. Helen fühlte sich plötzlich, als hätte sie einen Klos im Hals. Sie versuchte nun nicht mehr zu der Frau zu sehen, sondern starrte auf ihre Füße.

Insgeheim war sie froh, dass Lucius sie beide gemeinsam erwischt hatte, denn nun hatte sie nicht seine volle Aufmerksamkeit. Lucius war schon immer etwas gruslig und einschüchternd gewesen, vor allem, wenn er wütend war.

„Tut mir Leid Vater." sagte Draco, wobei er ehrlich schuldbewusst blickte, aber selbst auch etwas verschreckt aussah.

Die Frau und Narzissa hatten sich ebenfalls erhoben und traten näher. Helen unterdrückte den Drang, Malfoy an der Hand zu fassen.

„Draco." sagte Narzissa und streckte ihre Hand nach ihm aus. Er ging zögerlich zu ihr, sie legte ihm den Arm um die Schultern und führte ihn weiter, wobei Helen ein wenig schüchtern folgte. Sie blieben direkt vor der Frau stehen, dessen Gesicht Helen nun sehen konnte. Sie hatte sehr blasse Haut wie Narzissa, und große Augen, doch ihre Gesichtszüge waren hart und ihre Lippen schmal, was sie zwar hübsch, aber irgendwie auch bedrohlich machte.

Helen hätte sich gerne hinter Narzissa versteckt und drückte sich unsicher im Hintergrund rum, wobei sie mit einer Hand an ihren Umhang fasste und nicht mehr los ließ.

„Du triffst endlich meine Schwester, Bellatrix Lestrange. Deine Tante!" fügte sie noch ein wenig streng hinzu, denn Helen wusste, dass auch Draco bestimmt nicht sehr begeistert aussah. Diese Bellatrix wirkte nicht, wie eine sehr freundliche Person, obwohl sie nun erstmals lächelte.

„Hallo." hörte sie Draco unsicher sagen, doch Bellatrix entgegnete mit höhnischem Unterton:

„Du siehst wie Lucius aus."

Niemand schien recht zu wissen, ob das nun ein Kompliment, oder eine Beleidigung war und es folgte ein wenig peinliche Stille.

Dann wanderte Bellatrix´ Blick plötzlich weiter und fand den Helens.

Helen blickte automatisch weg, sah hin zu Narzissa, doch diese wirkte auf einmal seltsam verkrampft und antwortete nicht mit dem üblichen Lächeln. Das machte Helen nur noch nervöser und sie konnte fühlen, wie sich ihr Herzschlag beschleunigte, als diese Frau langsam näher trat, die Augen nun weit aufgerissen.

„Das ist nicht dein ernst Zissi." sagte sie dann und ihr Blick fixierte Helen dabei, dass sie sich ganz klein fühlte und meinte, sich nicht mehr bewegen zu können.

Aus den Augenwinkeln sah sie, dass auch Draco sie beide unsicher betrachtete.

„Bella-." Narzissa löste ihren Umhang sanft aus Helens Umklammerung, tat einen Schritt auf Bellatrix zu, und hob beschwichtigend die Hände.

„Ist euch bewusst wer das ist?! Sie ist eine Gefangene! Ein Stück Dreck! Und doch kleidet ihr sie wie eine von euch." Schnitt sie Narzissa das Wort ab und wirkte plötzlich sehr gefährlich, wurde ihre Stimme doch immer lauter.

Helen konnte spüren, wie ihre Augen wässrig wurden, doch sie biss die Zähne fest zusammen und zwang die Tränen mühsam zurück, während sie sich fragte, was sie nun schon wieder angestellt hatte.

Was hatte diese Frau gegen sie? Sie hatte doch gar nichts Unrechtes getan? Gerade wollte sie eben dies sagen, da sprach Narzissa wieder und Helen warf ihr einen hoffnungsvollen Blick zu.

„Mir ist bewusst, wer sie ist Bella. Das ändert aber nichts daran, dass sie etwas zu essen braucht, Kleidung-."

„Kleidung wie eine Malfoy!" sagte die Frau, wobei sie immer fassungsloser, wütender wirkte.

„Sie ist keine Malfoy. So viel haben wir immer klargestellt." Meldete sich nun Lucius zu Wort.

Doch die Frau warf ihm nur einen flüchtigen Blick zu und sagte dann laut, wobei ihre Augen wieder die Helens fanden und ihr Körper bewegte sich auf sie zu, wie ein Raubtier, das sich an seine Beute anpirschte: „Ich bin da draußen, Tag für Tag, suche nach dem Dunklen Lord. Lebe an den schmutzigsten Orten, umgebe mich mit den feigsten Schwächlingen, alles um ihn zu finden. Und was macht ihr? Ihr lasst ´siebei euch leben? Unter eurem Dach sich bewegen, sich kleiden, essen, schlafen in euren Betten?"

Dann spuckte sie plötzlich auf den Boden zu Helens Füßen und fuhr sich fassungslos mit der Hand durchs Haar.

Helen fühlte sich verletzt und allein.

Sie zitterte.

Sie verstand nicht was los war, warum sie alle so gemein über sie sprachen, warum sie so taten, als könnte sie nicht jedes Wort hören, das sie da über sie schimpften.

Doch Helen hatte auch Angst. Sie fühlte sich klein und verletzlich, wie sie da ganz alleine stand, inmitten ihrer Familie, mit dieser fremden, bösen Frau, die sie aus irgendeinem Grund zu hassen schien.

„Sie ist keine Malfoy!" fauchte Lucius noch einmal.

Narzissa schwieg.

„Ach und weiß sie das auch, ja?" sagte die Frau und klang nun wieder hämisch. Lucius trat näher und Helen wusste, dass er nun wütend wurde.

„Wir mögen sie gut versorgen, doch haben wir nie vergessen was sie ist! Und sie weiß es. Sie weiß, dass sie nicht ist, wie wir. Sie weiß, dass sie keine Malfoy ist und sie muss uns auch mit entsprechendem Respekt behandeln. Selbst Draco ist für sie Mister Malfoy!"

Doch die Frau schien alles andere als überzeugt. Sie betrachtete Helen so angewidert, als hätte diese soeben etwas ganz Schreckliches, Beleidigendes gesagt. So, als wäre nicht sie selbst es, die da mit Beschimpfungen um sich warf.

Dann schloss Bellatrix kurz die Augen und tat ein paar beruhigende Atemzüge. Danach wandte sie sich wieder an Narzissa, wobei ihre Stimme wieder beherrschter, aber nicht weniger verächtlich klang:

„Ich hätte es wissen müssen. Du bist zu schwach, hast ein zu weiches Herz für diese Aufgabe Zissi. Ich werde jetzt übernehmen."

„Bella!" Doch Narzissa schien nun tatsächlich beunruhigt und sie sagte nicht mehr, ihr Protest blieb kurz.

Lucius legte ihr eine Hand auf die Schulter und sie sahen einander einen Moment lang in die Augen.

Dann tat Narzissa etwas, was Helen nie vergessen würde- sie wandte sich ab, sah zu Boden und Helen meinte zu sehen, dass eine einzelne Träne ihre Wange hinabfloss.

Doch das musste ein Irrtum sein, denn Narzissa Malfoy weinte niemals, sie hatte nie Angst und war nie traurig.

Unterdessen bemerkte Helen, dass Bellatrix näher trat. Sie war nun ganz nahe und betrachtete Helen mit ihren großen, weit aufgerissen Augen. Taxierte sie. Und Helen hätte nicht mehr wegsehen können, auch wenn sie es gewollt hätte.

„Was denkst du, wer du bist?" sagte die Frau, aber Helen verstand die Frage nicht. Sie sah sie nur verwirrt an, schwieg und zögerte dabei einen Moment zu lang.

WUMMS.

Die Frau verpasste Helen eine saftige Ohrfeige, die sie fast von den Beinen riss. Helen taumelte und griff sich erschrocken und entsetzt zugleich an die Wange, die nun heiß brannte. Gleichzeitig konnte sie fühlen, wie ihr Tränen des Schocks übers Gesicht liefen. Sie sah wieder zu Narzissa, und diese erwiderte jetzt zwar ihren Blick, sagte ansonsten aber nichts. Gleichzeitig hielt Lucius noch immer ihren Arm mit einer Hand umklammert.

„Ich habe dir eine Frage gestellt." Wiederholte die Frau, nun mit zuckersüßer Babystimme und Helen fand das irgendwie verstörend. Sie biss fest die Zähne zusammen in der Hoffnung, die Tränen, die nach wie vor ihre Wangen hinab flossen zu stoppen und spürte gleichzeitig, wie ihre Unterlippe heftig zitterte.

Dann nuschelte sie mit weinerlicher Stimme:

„Mein Name ist Helen Potter, Miss."

Bellatrix blinzelte ein paar Mal sehr schnell, dann lehnte sie sich plötzlich weit zurück, als sie laut zu lachen begann. Aber es klang nicht nach einem lustigen, fröhlichen Lachen, eher im Gegenteil.

Es machte Helen Gänsehaut.

Dann trat die Frau wieder zurück und spazierte auf Malfoy zu, der sich augenblicklich verkrampfte, und offenbar ebenso große Angst hatte wie Helen. Er stand zitternd neben seinen Eltern und fummelte mit seinen Fingern nervös an dem Zipfel seines prächtigen Umhangs herum.

Die Frau trat auch ganz nah zu ihm, beugte sich hinab und ihre Nasenspitzen berührten einander fast.

„Wie nennt sie dich?" hauchte Bellatrix und wirkte nun unheimlich amüsiert.

„Sie, sie nennt mich Mister Malfoy." stammelte er hervor, wobei er seinen Eltern einen kurzen, sorgenvollen Blick zuwarf, offenbar unsicher, ob er die richtige Antwort gegeben hatte.

„Immer?" harkte die Frau nach und Malfoy sah nun hilfesuchend zu seinen Eltern. Als aber keiner von ihnen etwas tat, da sagte er:

„Manchmal nicht. Wenn wir allein sind nicht. Heut hat sie mich Draco genannt."

Helen wusste, dass er das nur gesagt hatte, weil er ebenso große Angst hatte wie sie, doch das änderte nichts daran, dass er sie soeben verraten hatte und Helen weinte noch mehr, als große Angst in ihr aufstieg.

„Ach." sagte Bellatrix und hob erneut den Arm. Helen schloss die Augen, und hob abwehrend die Hände, doch der erwartete Schlag blieb aus.

Blinzelnd erkannte sie dann, dass Narzissa die Frau offenbar am Handgelenk gepackt und somit eine weitere Ohrfeige verhindert hatte.

„Genug, Bella!" zischte sie.

Bellatrix riss empört den Mund auf, und wollte schon etwas entgegnen, die Hand noch immer in der Luft erhoben, da fuhr Narzissa fort:

„Twonki," sagte sie und mit einem Plopp erschien die alte Hauselfe in ihrer Mitte, die sich mit großen Augen umsah, „bring die Kinder hoch in ihre Zimmer. Jetzt sofort!" Fügte sie mit kalter Stimme hinzu, als Bellatrix nun offensichtlich protestieren wollte.

„Ich will mit meiner Schwester alleine sprechen." Narzissas Augen verließen beim Reden nie das Gesicht der Frau, dessen Hand sie noch immer umklammert hielt.

Twonki trieb sie beide nach oben, und Helen musste sich das nicht zweimal sagen lassen. Hastig mühte sie sich die hohen Stiegen zu erklimmen, und diese gruslige, böse Frau hinter sich zu lassen, hoffte gleichzeitig, sie niemals wieder sehen zu müssen.

Oben angekommen hatte Twonki mit einem richtigen Schauspiel zu kämpfen.

Die kleine Helen weinte und weinte und wischte sich dabei immer wieder die Nase an ihrem hübschen Kleid ab, während Twonki ihr mitfühlend den Rücken tätschelte. Sie erzählte ihr sechs Mal, wie die Frau sie geschlagen hatte, wobei Helens Geschichte jedes Mal ein bisschen schlimmer wurde, und beim letzten Mal erwähnte sie ausführlich, wie Bellatrix sie angespuckt getreten und dann nochmals geschlagen hatte.

Auf der anderen Seite des Bettes hatte auch Draco längst zu weinen begonnen. Er hatte sie zuerst unsicher beobachtet, hielt es aber nie lange aus, wenn Helen weinte. Und nun weinten sie gemeinsam, die unbeholfene Hauselfe in ihrer Mitte.

Als es schließlich dunkel wurde, schickte Twonki Draco in sein eigenes Zimmer.

Helen hatte diesen Abend so große Angst einzuschlafen, wie schon lange nicht mehr. Immer wieder musste sie an die Frau und daran, dass sie nach oben zu ihr kommen könnte, denken. Fünf Mal rief sie Twonki zu sich, immer mit der Frage, ob sie denn noch im Haus war, und wann Narzissa endlich kommen und ihr Gute Nacht wünschen würde. Sie bekam immer die selbe Antwort:

„Heute nicht mehr kleine Misses. Bitte schlafen Sie jetzt, es ist schon spät!" Und Twonki streichelte ihr über die Wange, ehe sie wieder mit einem Plopp verschwand und Helen allein in der Dunkelheit zurückließ.

Irgendwann öffnete sich dann doch die Zimmertüre und jemand schlich sich auf Zehenspitzen hinein. Helen fühlte, wie das Bett zu ihrer Rechten absank und dann kroch auch schon Malfoys kleine Gestalt zu ihr unter die Decke.

Helen lächelte erleichtert und sie kuschelten sich aneinander, nun weniger einsam und weniger ängstlich, denn zu zweit war alles leichter.

Es war schon öfter vorgekommen, dass Narzissa oder Lucius unheimlichen Besuch bekamen, von Menschen, die sie böse ansahen, laut sprachen und zornig mit der Faust auf den Tisch donnerten. Doch an solchen Abenden brachte Narzissa sie stets ins Bett, erzählte ihnen eine Gute-Nacht-Geschichte, und versicherte ihnen, keine Angst haben zu müssen.

Trotzdem hatte Malfoy sich an jedem dieser Abende zu ihr ins Zimmer geschlichen, denn alle diese Besuche machten auch ihm große Angst.

Er fand die Freunde ihrer Eltern üblicherweise viel grusliger als Helen, was auch der Grund dafür war, warum sie ihn manchmal einen Feigling nannte.

Heute allerdings war es anders, denn Narzissa hatte sich nicht mehr blicken lassen, und das obwohl diese Frau Helen sogar geschlagen hatte, was noch nie zuvor geschehen war. Und so fürchtete sie sich in dieser Nacht noch viel mehr, und kuschelte sich dankbar in seine Arme.

Als Helen dann meinte, endlich einschlafen zu können, nuschelte Malfoy leise in ihr Ohr:

„Tut mir Leid, dass ich dich verraten hab, Helen."

„Ist schon gut Dwaco."

Hauchte sie zurück, ohne ihr Gespräch noch richtig wahrzunehmen, denn ihre Glieder waren schwer und der Schlaf übernahm ihr Bewusstsein.

Das war allerdings nicht alles, was in jener ereignisreichen Nacht noch geschah.

Helen bekam weiteren Besuch.

Der nächste Besuch, war ihr auch sehr recht. Helen hatte die Augen nur halb geöffnet und bemerkte, schlaftrunken wie sie war, die schemenhaften Umrisse einer Gestalt in ihrem Zimmer stehen. Das Mondlicht spendete nur wenig Licht, doch Helen würde diese Person überall erkennen. Sie lächelte müde und streckte ihre Arme nach dieser Frau aus.

Narzissa sah kurz zu der kleinen Gestalt ihres Sohnes und seufzte tief. Dann strich sie Helen mit der Hand durchs Haar, die schon wieder in den Schlaf hinüber glitt.

Helen begann erneut zu träumen, und hörte so niemals die leisen, geflüsterten Worte, die Narzissa zu ihr sprach, ehe sie, nach einem letzten Kuss auf die Stirn, das Zimmer wieder verließ.

Das dritte Mal, als diese Nacht ungeplanter Besuch zu Helen kam, meinte sie, sich inmitten eines wahr gewordenen Alptraumes zu befinden.

Helen schlief auf dem Rücken, ihr Lieblingsplüschtier, Mr. Niffler lag ihr auf der Brust, wobei sie sowohl ihre Arme, wie auch Beine um Malfoys Bauch geschlungen hatte, der selbst seelenruhig schlummerte, und sich von dieser Umklammerung nicht stören ließ.

Doch wieder öffnete sich die Türe und wieder bewegte sich jemand in ihr Zimmer hinein und Helen erwachte abermals. Erst glitten ihre Lieder langsam nach oben, doch es brauchte nicht lange, da fuhr sie erschrocken zurück.

Das Gesicht in der Dunkelheit weiß leuchtend, die Augen hervortretend und die Hände gierig nach ihr ausgestreckt, stand Bellatrix Lestrange am Fußende von Helens Bett.

Und sie war auch nicht die Einzige.

Männer, viele Männer standen hinter ihr. Manche trugen Kapuzen, hatten ihre Gesichter verborgen, andere lächelten sie breit und euphorisch an, zeigten spitze Zähne und taten begierige Bewegungen, zuckten mit den Händen in ihre Richtung.

Helen keuchte angstvoll, drückte sich an die Wand zurück, und blickte ihnen mit weit aufgerissenen Augen entgegen, tastete gleichzeitig mit der rechten Hand nach Malfoy.

Sie packte ihn fest an der Schulter und stammelte:

„Mafoy, Mafoy, wach auf! Wach jetzt auf!"

Er rührte sich nur langsam, schreckte dann aber ebenfalls hoch, sobald er ihren Besuch bemerkt hatte. Zusammen pressten sie sich nun an die Wand hinter dem Bett, hielte einander umklammert und warteten angstvoll, was als nächstes geschah.

„Was machst du hier Draco?" Ertönte dann die gedehnte Stimme von Lucius Malfoy, wobei er sehr enttäuscht klang und Dracos Gesicht verlor den letzten Rest Farbe.

„Vater? Ich, ich wollte-."

Doch die Frau schnitt ihm das Wort ab.

„Das interessiert jetzt nicht, Junge!" Und ihre Auge fanden wieder die Helens und sie schien glücklich, ja euphorisch zu sein. Beide Kinder begannen nun zu weinen, und Helen hörte einige der Männer höhnisch lachen.

„Der Junge, im Bett mit dem Feind." zischte eine gedämpfte Stimme, und Helen wusste, es war einer der Männer, die Kapuzen trugen.

„Halte den Junge da raus, Barty!" Fuhr die Frau ihn an, dann sagte sie an Helen gewandt:

„Zeit zum Umziehen, Potter!"

Und ehe Helen wusste wie ihr geschah, hatten zwei der Männer sie schon an den Knöcheln gepackt und zogen sie vom Bett hinunter, wobei Helen verzweifelt versuchte sich an Malfoy zu klammern, der ihre Arme ebenso festhielt und schrie.

„Schluss mit dem Unsinn. Ab ins Bett mit dir Draco!" zischte Lucius und plötzlich ließ Draco los.

„Nein, nein! Nein, nein, nein!" Schrie Helen angstvoll und wehrte sich heftig, doch als wäre sie nichts weiter als ein Sack voll Federn, als würde sie nicht mit ihrer gesamten Kraft kämpfen und um sich schlagen, warf einer der Männer sie einfach über die Schulter und trug sie aus dem Zimmer.

Helen und Draco tauschten einen letzten, angstvollen und verzweifelten Blick, nicht ahnend, was nun mit Helen geschehen, nicht ahnend wo sie hingebracht würde, und unwissend der Tatsache gegenüber, dass sie sich in den nächsten acht Jahren, nur noch ein einziges Mal wiedersehen würden.

Helen schrie den gesamten Weg hinunter.

Sie strampelte wie wild und rief immer und immer wieder Narzissas Namen, nannte sogar Draco bei seinem Vornamen, und bemerkte kaum, wo sie hingebracht wurde, während ihre Stimme durch das gesamte Anwesen schallte.

Doch sie gingen immer mehr Treppen hinab, durchschritten die hohen Hallen, und trugen sie schließlich die letzten Stufen hinunter in den dunklen Keller, den Helen nie betreten durfte.

Die Tür quietschte laut, als sie wie durch Zauberhand von selbst aufschwang, und sie blickten hinein in einen dunklen, kalten Raum.

Die Frau war ihnen gefolgt, befand sich nun hinter ihnen, zusammen mit vier weiteren Männern, und sie lachten laut und schienen entzückt über Helens Grauen.

Und dann setzte der Mann sie ab, ihre Füße berührten kalten Stein und sie hastete schleunigst weg von ihm. Drückte sich gegen die Wand.

Helen betrachtete die Gruppe starr vor Angst, fürchtete sich mittlerweile so sehr, dass kein Platz mehr für Tränen war. Nur furchtvolles Erstarren war noch in ihr Gesicht gezeichnet.

Dann löste sich die Frau aus der Gruppe und sie trat ganz dicht an Helen heran, die sich nun nicht mehr rühren konnte.

„Willkommen in deinem neuen Zuhause. Ich denke du wirst bald sehen, dass dieser Ort besser zu dir passt!"

Und sie streichelte ihre Wange mit einem Finger, und Helen wäre gerne vor ihr zurück gezuckt, hätte sich gerne abgewandt, doch die Angst lähmte ihre Glieder.

Ein paar Männer lachten noch, doch die Frau wandte sich wieder ab und kehrte ihr den Rücken.

„Wir sehen uns schon bald wieder, kleine Potter. Ich denke, wir werden noch viel Spaß miteinander haben!"

Noch mehr Lachen, doch die Gruppe entfernte sich von ihr, verließ den kleinen Raum und Helen fürchtete sich plötzlich, hier allein zurückgelassen zu werden. Sie wollte etwas sagen, wollte etwas tun, etwas sagen, um sich zu verteidigen, doch ihre Zunge formte die Worte nicht. Helen verstand nicht, was hier geschah, wusste nicht, was sie falsch gemacht hatte und vor allem fragte sie sich, wo Narzissa war, und wann sie endlich kam, um sie zu retten.

Und dann taten sie es tatsächlich.

Sie ließen sie allein.

Mit einem ohrenbetäubenden Quietschen fiel die Tür ins Schloss, und Helen verschwand in absoluter Dunkelheit.

Das Geräusch ihres Atems erschien ihr plötzlich ungeheuer laut, und sie schlang die Arme um sich selbst, als ihre Beine noch immer festsaßen, wie in Stein gemeißelt.

Doch es brauchte für Helen nicht lange, um aus ihrer Lähmung zu erwachen.

Bald schon rannte sie im Keller auf und ab, trat gegen die Mauern, schrie sich die Lunge aus dem Hals, weinte hysterisch.

Helen raufte sich die Haare und rief nach Narzissa, immer und immer wieder rief sie ihren Namen, erhielt jedoch keine Antwort.

Mit frierenden Gliedern kam sie irgendwann auf einer kleinen Matratze im Eck zu stehen und Helen war so verstört und ihre Gedanken so aufgewühlt und verletzt, dass sie in einen Schlaf aus purer Erschöpfung sank, der schon fast einer Ohnmacht glich.

Die folgenden Tage waren sehr schlimm.

Es gab nichts zu essen, und nur einen großen Kübel, den Helen in der Dunkelheit ertastet hatte. Er hatte viel Wasser, doch es schmeckte abgestanden und irgendwie erdig.

Trotzdem trank sie so viel, dass ihr der Bauch wehtat, oder war es doch der Hunger der schmerzte?

Helen wusste es nicht mehr. Das Grauen in ihr war zu groß, drückte ihr schwer auf die Glieder, auf die Ohren, auf jede Pore ihres Körpers.

Manchmal, da lag sie einfach nur da, kämpfte damit zu atmen, kämpfte mit Gedanken an Narzissa. Denn an diese Frau zu denken wurde allmählich zur Qual. Alles Denken wurde allmählich zur Qual.

Helen verstand nicht, was sie falsch gemacht, was sie angestellt hatte, um so etwas zu verdienen.

Doch das hielt sie nicht davon ab Narzissas Namen in die Dunkelheit zu flüstern, in der Hoffnung, irgendetwas würde geschehen.

Helen lag nun tagelang alleine in absoluter Finsternis. Doch das fehlende Licht war nicht das Schlimmste. Die Kälte, den Schmutz, den erdigen Boden und die abgestandene Luft – all das, meinte sie ertragen zu können. All das, schmerzte nicht so sehr.

Dass es nichts zu essen gab war schwer, doch am meisten schmerzte, am meisten verstörte, die Einsamkeit. Helen war ganz allein, und das ertrug sie nicht.

Sie hatte niemanden zum Reden, hatte niemanden an den sie sich nachts kuscheln konnte. Hatte niemanden der sie tröstete, hatte noch nicht mal Mr. Niffler dabei, den sie doch immer zum Einschlafen brauchte.

In nichts weiter als einem T-Shirt und einer Strumpfhose, die mittlerweile sehr verdreckt sein musste, gekleidet, rollte sie sich wie eine Raupe in ihrem Kokon zusammen, die Arme um sich selbst geschlungen und tat oft lange Zeit nichts, außer mit offenen Augen in die Dunkelheit zu starren.

Die Tage und Nächte zogen vorbei und mit der Zeit erlebte Helen fast einen tranceartigen Zustand.

Sie saß da, mit dem Rücken gegen die Wand, kämpfte mit einem fiesen Schnupfen, den ihr ohne Zweifel die kalten Temperaturen hier beschert hatten, und sah in die Finsternis. Dann schloss sie plötzlich die Augen, drückte mit den Fingern fest gegen ihre Lider, und betrachtete die kleinen Lichter und Farben die vor ihrem inneren Auge auftauchten. Sie betrachtete sie so lange, dass ihr gar nicht auffiel, als tatsächlich eine kleine Kreatur vor ihr Gestalt annahm.

Licht flammte auf, und das Geschöpf trug eine kleine blaue Flamme, die nach leichtem Zucken der linken Hand, in die Luft aufstieg, und den gesamten Raum erstmals beleuchtete. Das Licht offenbarte auch, um welches Geschöpf es sich hier handelte, es war ein Geschöpf mit langen spitzen Ohren, und großen, traurigen Augen.

Helen betrachtete dieses Gesicht lange Zeit wortlos. Dann regte sich allmählich doch etwas in ihrem Bewusstsein, als ihre Ohren die vertraute Stimme vernahm.

„Kleine Miss Potter! Oh meine arme Misses! Arme, arme Misses!" Die Stimme klang schrill und schmerzte Helen in den Ohren, nachdem sie so lange mit der Stille gekämpft hatte.

Helen blinzelte noch einige Male, dann wurde ihr endlich bewusst, was die Anwesenheit dieser Kreatur hier bedeutete.

„Tw, Twonki?" fragte sie und ihre Stimme zitterte so heftig, das Helen vor sich selbst erschrak.

„Ja meine kleine Misses, Twonki ist es! Twonki ist gekommen, um Misses zu sehen!"

Und das war alles, was Helen brauchte.

Twonki konnte nichts mehr sagen, denn da lag Helen schon in ihren Armen. Sie weinte lange Zeit und ließ sich von der Hauselfe trösten, ließ sich über die Stirn streicheln und ließ sich von dieser lauten, piepsigen Stimme besänftigen.

Dann fand Helen ihre Stimme irgendwann wieder, und begann sich zu beklagen. Sie erzählte Twonki, wie sie sie einfach mitgenommen hatten. Wie mitten in der Nacht, diese böse Frau, mit den lachenden Männern gekommen war. Dass Malfoy versucht hatte, ihr zu helfen, dass er es nicht geschafft hatte, und, dass es sonst niemand versucht hatte.

Und dann sprach Helen über diesen Raum, wie kalt es hier war, wie dunkel, dass sie hunger hatte, dass niemand ihr zu essen gab, und wie allein sie hier war. Helen erzählte mit heiserer Stimme davon, wie sie alleine einschlafen musste, ohne Gute-Nacht-Geschichte, ohne Decke und ohne Kissen, ohne Mr. Niffler.

Twonki hielt sie die ganze Zeit über im Arm, schaukelte sie hin und her und murmelte dabei vor sich hin:

„Oh meine arme, arme Misses, meine arme kleine Misses!"

Irgendwann bekam Helen einen heftigen Schluckauf, und sie hatte Schwierigkeiten weiterzuerzählen. Sie brachte noch heraus, wie Bellatrix diesen Raum ihr „neues Zuhause" genannt hatte, dabei hatte Helen noch nie etwas gesehen, dass einem Zuhause weniger ähnelte. Hier gab es doch noch nicht mal Licht! Kein Bett, keine Spielsachen!

Als Helen geendet hatte, befreite sich Twonki sanft aus ihrer Umklammerung und betrachtete sie traurig über ihre lange Nase hinweg.

Dann schnippte sie einmal mit den Fingern, und der Geruch von köstlichen Speisen füllte plötzlich den kleinen Raum. Helen spürte, wie ihr das Wasser im Mund zusammenlief, und sie dann sogar ein bisschen sabberte, als Speichel ihre Mundwinkel hinab floss.

„Twonki hat Misses was zu essen mitgebracht!" Verkündete die Elfe laut.

„Hier, ihr Lieblingsessen, kleine Misses!" und sie zog Helen am Ärmel, hoch in eine sitzende Position.

Helen streckte begierig die Hände aus und erkannte-

„Erbsenreis!" Freudig und ungehalten stürzte sie sich nun auf den Teller, verschlang alles binnen kürzester Zeit und sah erleichtert, wie der Teller sich von selbst wieder füllte. Twonki hielt eine Hand an ihrem Rücken, die ganze Zeit über, bis Helen laut Rülpsend verkündete, endlich satt zu sein.

Twonki fiel es sichtlich schwer ihren Tadel zu unterdrücken, doch als sie, mit einem weiteren Schnipsen, den Teller wieder verschwinden ließ, wurden ihre Augen allmählich wieder traurig. Sie sah Helen einen langen Moment in die Augen, dann schnippte sie erneut mit den Fingern und ein kleiner, brauner Sack tauchte in ihrer Mitte auf. Helen betrachtete ihn aufgeregt, und Twonki ließ traurig die Ohren hängen, als sie mit einer Hand hinein fasste.

„Herrin ist untröstlich, müssen Sie wissen, untröstlich, ja wirklich." jammerte Twonki leise.

„Narzissa?" fragte Helen und ihre Stimme wog schwer mit Gefühlen, sie spürte wieder die Sehnsucht und Traurigkeit in sich aufkommen.

Twonki nickte und sagte, nun sehr leise:

„Herrin hat alles getan, was sie konnte kleine Misses. Sie hat versucht ihnen zu helfen, das dürfen sie nie, niemals vergessen!"

Helen begann zu weinen, doch sie wusste nicht warum, hatte sie die Bedeutung dieser Worte doch noch nicht verstanden.

„Herrin hat Twonki gesagt, gesagt hat sie, Twonki soll der kleinen Misses das hier geben. Hat gesagt, die kleine Misses wird ihn brauchen!" Und sie zog Helens kleinen, plüschigen Niffler aus dem Sack hervor.

Unter anderen Umständen, schon nur ein paar Stunden zuvor, hätte Helen sich sehr über ihn gefreut.

Doch irgendetwas hier war falsch, irgendetwas war ganz und gar nicht in Ordnung. Ein Teil von Helen schien bereits zu verstehen, was es war, und dieser Teil weinte auch bitterliche Tränen, als sie Mr. Niffler an sich drückte. Der andere Teil jedoch, war voll des Unverständnisses, wartete auf noch mehr.

Twonki sah immer bekümmerter aus und putzte sich nun selbst die große Nase an ihrem hässlichen Geschirrtuch, ehe sie fortfuhr, eine Hand, schon wieder tief im Beutel verborgen.

„Dann ist auch der kleine Meister gekommen, der kleine Meister ist auch sehr traurig, kleine Misses, sehr traurig! Er hat Twonki das hier gegeben,und Twonki gibt es der kleinen Misses!"

Und sie hielt Helen nun ihre kleine Faust entgegen. Helen streckte langsam ihren Arm aus und in die leere Handfläche fiel plötzlich etwas Kleines, sehr Leichtes.

Sie betrachtete es genauer und erkannte- es war ein Armband aus Gänseblümchen, selbst gemacht und ihr wurde auch bewusst- das war es gewesen, was Malfoy vor all den Tagen vor Helen versteckt hatte!

Er hatte es selbst gebastelt und nun Helen geschenkt! Mit ehrfürchtiger Miene drückte sie es an sich.

„Meister sagt, er sagt, er hat es verzaubert kleine Misses!" Sprach Twonki erneut. „Verzaubert, so dass sie niemals verwelken werden!"

Stille folgte und Helen tat nichts anderes als die kleine traurige Gestalt, die da neben ihr auf dieser dreckigen, kalten Matratze saß ins Gesicht zu sehen. Helen war zwar erst vier Jahre alt, doch eines verstand sie ganz genau; irgendetwas hier, verlief überhaupt nicht gut.

Sie saß da, mit ihren Geschenken, Mr. Niffler in der linken Hand, während Twonki das Armband über ihre Rechte stülpte und merkte plötzlich, wie ihr Herz wieder zu rasen begann.

Sie sah Twonki in die Augen, und es war dieser Moment, als Helen bewusst wurde, dass Twonki ihren Blick nicht erwidern konnte. Sie schaffte es nicht Helen anzusehen, als schämte sie sich, das zu tun.

„Warum, warum ist Narzissa nicht selbst gekommen?" fragte Helen langsam. „Warum ist sie nicht hier, um mich zu befreien?"

Helen sah, wie Twonki begann sich sogar körperlich von ihr zu entfernen. Die kleine Elfe zitterte nun und bekam selbst feuchte Augen, als sie sagte, wobei Scham und Reue ihre Glieder zierten: „Herrin kann Ihnen nicht helfen, kleine Misses. Sie hat es versucht. Sie hat versucht sie freizubekommen, kleine Misses. Doch nun schickt sie Twonki, arme Twonki muss nun mit der kleinen Misses sprechen, und ihr alles erklären!" Twonki rieb sich die müden Augen, doch Helens Mund war plötzlich trocken geworden.

Sie sah hoch zu der Elfe, die sich nun rückwärts von ihr weg bewegte und wusste nichts mehr zu tun.

„Twonki ist auch gekommen, um sich zu verabschieden, kleine Misses! Die kleine Miss darf nicht hierbleiben. Die kleine Miss wird hier weggehen."

Und sie ging immer weiter weg von ihr, dabei versuchte Helen doch gar nicht sie aufzuhalten, versuchte doch gar nicht sich zu rühren, verstand auch nicht, was hier geschah. Nur ihr Herz raste, als wolle es ihre Brust verlassen.

„Herrin hat gekämpft, oh ja, das hat sie, Twonkis Herrin. Aber diese böse Frau hat entschieden, und sie wird die kleine Miss mitnehmen, an einen anderen Ort."

Dieser letzte Satz erreichte dann doch etwas in Helen und sie zuckte mit dem Kopf. Sie mitnehmen? An einen anderen Ort? Bellatrix Lestrange?

Und mit einer gewaltigen Wucht, wie ein elektrischer Schlag, der ihren ganzen Körper durchfuhr, setzte Helens Überlebensinstinkt ein und sie sprang auf, und stürzte auf Twonki zu, während ihr Körper sich selbstständig machte, noch ehe Helen selbst alles verstanden hatte.

„Nein, nein, nicht hier, nicht gehen!" Schrie sie unzusammenhängend und panisch, doch noch ehe ihre kleinen Hände Twonki erreicht hatten, noch ehe sie die Chance hatte, die kleine Hauselfe festzuhalten, an sich zu drücken, da verschwand ihre Besucherin plötzlich mit nichts als einem leisen Plopp, und Helen knallte gegen die Wand, war wieder ganz alleine.

Twonki hatte auch das Licht mitgenommen, und so blieb Helen erneut in vollständiger Dunkelheit zurück, kauerte an der Wand, wo Sekunden zuvor noch Twonkis Gestalt gestanden hatte, und brachte dieses Mal nicht mehr die Kraft auf, wieder aufzustehen.

Doch es dauerte nicht lange, da kam erneut Besuch.

Es waren vielleicht zwei Tage vergangen, als das Quietschen ertönte und Licht herein fiel. Helen saß auf ihrer kleinen Matratze, Mr. Niffler, den sie jetzt immerzu bei sich trug, lag auf ihrem Schoß und sie betrachtete die Tür und das Licht.

Es war nur ein schmaler Strahl, und Helen konnte sehen, wie Staubpartikel in ihm umher flogen. Sie kniff die Augen zusammen und rieb sich das Gesicht, obwohl sie schon lange keine Tränen mehr geweint hatte. Es war, als hätte ihr Körper einfach keine mehr übrig.

Sie sah zur Tür mit klopfendem Herzen. Zum ersten Mal seit Tagen schlich sich doch wieder etwas wie Leben in ihr Gesicht. Zum ersten Mal seit Tagen, verspürte sie den Drang auch etwas zu tun. Aufzustehen, zu sehen wer da kam.

Und auch wenn ihre Situation scheinbar hoffnungslos und aussichtslos war, auch wenn Helen traurig, und verletzt und so, so müde war, verspürte ihr kleiner Kopf so etwas wie Neugierde und Hoffnung, und diese beiden Gefühle durchströmten nun ihren Körper.

Auch wenn Helen zum ersten Mal seit Tagen wieder etwas fühlte, etwas anderes verspürte als die Angst und Verzweiflung, trotz allem, wagte sie es noch nicht sich zu rühren. Wagte noch nicht, einen Schritt zu tun und auf ihren liebsten Menschen zu hoffen.

Helen blieb mit dem Rücken gegen die Wand, im Schneidersitz hocken und starrte zur Tür, während sie mit den Händen ihre Knie festhielt und gleichzeitig meinte, vor Aufregung verrückt zu werden, als ihr Herz wieder so stark zu pochen begann, als wollte es ihr aus der Brust springen.

Eine hohe Gestalt trat in die Schatten und Helens Lippen verselbstständigten sich plötzlich in ihrer Aufregung, in ihrer Verzweiflung und formten jenes Wort, jenen Namen, der ihr am Liebsten war, und wonach sie sich am meisten sehnte:

„Narzissa?"

Dumpf merkte Helen wie anders ihre Stimme klang. Sie war so leise und klang so unfassbar schwach und zittrig. Helen fand nicht, dass sie sich wie die ihre anhörte. Und doch wog sie in der Stille schwer und sie wusste, dass die Frau, die da herein kam, sie genau gehört hatte.

Doch Helens Glück währte nur kurz.

Die Frau tat einen weiteren Schritt und nun wurde ihre Statur von dem Lichtstrahl erfasst und Helen sank das Herz.

Bellatrix lachte mit ihrer hohen Stimme, doch sie war auch nicht die Einzige. Es war noch ein Lachen erklungen, ein tiefes Brummen das eher an einen wilden Bären, als einen Menschen erinnerte. Und doch trat nun ein Mann herein. Helen kam er wage bekannt vor, doch er hatte seinen Zauberstab erhoben und tauchte den Raum zum ersten Mal in ein angenehmes Licht.

Der Mann hatte auch eine sehr schmale Statur, jedoch breite Schultern. Sein Gesicht offenbarte, im Schein seines Zauberstabs, ein eher fieses Lächeln.

Helen hörte wie ihrem Körper die Luft entwich und ihre Hände tasteten blind in der Dunkelheit umher, fassten Mr. Niffler fest am Schnabel und wollten ihn nie mehr loslassen.

„Ooh das tlitze tleine Baby Potter schaut aber gar nicht so glücklich aus."

Bellatrix Stimme war voller Hohn und Helen trieb es nun doch wieder die Tränen in die Augen. Sie war zwar erst vier, verstand aber sehr wohl, wenn jemand sie verspottete – das Letzte was sie jetzt gebrauchen konnte.

Die beiden traten näher, wobei der Mann vorausschritt. Er ging auf Helen zu und sank dann direkt vor ihr in die Hocke. Helen fühlte sich zu schwach, um sich abzuwenden, zu schwach um überhaupt irgendetwas zu tun.

Das Licht seines Zauberstabs beleuchtete Helens Gesicht und sie sah, wie er sie abschätzend musterte. Helens Blick blieb an seiner unnatürlich geraden Nase hängen, doch seine Augen schienen die ihren zu durchbohren.

„Sieh mal, wie dünn sie jetzt schon ist. Nicht, dass sie uns noch wegstirbt." Er sprach zur Frau, verließ mit seinen Augen aber nie ihr Gesicht.

Bellatrix schnaubte verächtlich und trat nun neben den Mann.

„Du klingst schon wie Zissi, Antonin. Die hält das aus, sieh mal, da ist noch jede Menge Babyspeck vorhanden!" und bei den letzten Worten, klang ihre Stimme wieder spöttisch, so als versuchte sie Babysprache nachzuäffen, scheiterte aber kläglich.

„Wie du meinst," fuhr der Mann fort, wobei er immer noch Helens Augen betrachtete, es war entnervend, „aber du weißt, dass wir sie brauchen. Wenn sie uns wegstirbt und wir den Dunklen Lord finden-."

„Ich weiß, ich weiß, für wen hälst du mich?" fauchte Bellatrix und fügte dann, mit ihrer normalen Stimme und einem Augenrollen noch hinzu: „Wenn wir hier fertig sind, kriegt sie was zu essen, einverstanden?"

Helen verstand nicht viel von dem, was die Zwei da sprachen, aber sie verstand, dass sie etwas zu essen kriegen würde. So als wäre es ihm auf einmal erlaubt, so als wäre ihrem Körper gerade erst wieder bewusst geworden, dass es ihn ja auch noch gab, so meldete sich plötzlich ihr Magen mit einem lautstarken und schmerzhaften Knurren.

Helens Besucher begannen daraufhin schallend zu lachen, doch das Verstörende daran war, dass es nach aufrichtiger Freude, keinem höhnischen Spott, klang.

Die Frau seufzte glückseelig, als sie geendet hatten, doch wirkte auf einmal auch ziemlich geschäftsmäßig. Sie rieb sich die Hände und fasste dann in ihre Tasche, zog eine goldene Münze heraus.

Dann tauschte sie und der Mann einen sehr langen Blick.

„Ich nehme sie." sagte schließlich die Frau. Der Mann musterte sie einige Zeit lang, und es schien fast so, als wollte er protestieren, dann zuckte er aber mit den Achseln und wich ein wenig zurück.

Nun lag ein ganz und gar hungriger Gesichtsausdruck auf Bellatrix Lestrange Zügen. Sie beugte sich nach vorne und fasste Helen an den Haaren. Hielt sie in einem eisernen Griff und Helen wünschte plötzlich, sich doch bewegt, doch etwas getan zu haben. Sie hätte versuchen sollen zu fliehen, solange diese Menschen miteinander gesprochen hatten, solange sie abgelenkt gewesen waren.

Schon trieb es Helen vor Schmerz die Tränen in die Augen, als die Frau an ihren Haaren zog und sie packte Mr. Niffler noch fester.

Dann sah sie plötzlich blaues Licht die Luft erfüllen und sie verspürte ein furchtbares Reißen an ihrem Nabel.

Helen fühlte sich, als würde sie in die Luft geschleudert, doch noch immer spürte sie auch Bellatrix´ Hand in ihren Haaren, fühlte wie ihre Nägel über ihre Kopfhaut kratzten.

Dann war es auch schon wieder vorrüber und Helen konnte wieder sehen. Sie meinte einen Moment, sich überhaupt nicht bewegt, überhaupt nicht den Ort gewechselt zu haben. Der Mann stand immer noch neben der Frau, Helen saß am Boden und Bellatrix hatte sich immer noch über sie gebeugt, die Hand in ihren Haaren, Mr. Niffler auf ihrem Schoß.

Doch dann erkannte Helen plötzlich, dass sie nicht mehr auf einer weichen Matratze, sondern auf harter Erde saß. Die Wände waren nicht länger kalter, harter Stein, sondern muffige, schwarze Erde.

Und sie waren nah!

Viel zu nah!

Das Zimmer hier war klein, und kalt und es stank und Helen wünschte sich augenblicklich in diesen anderen, furchtbaren, dunklen Keller zurück.

Sie betrachtete diese engen Wände, und fühlte sich eingeschlossen, fühlte sich beengt, fühlte sich, als würden sie jeden Moment zusammenbrechen, sie jeden Moment unter sich begraben.

Und Helen hatte plötzlich Probleme zu atmen.

Unterdessen ließ Bellatrix endlich ihre Haare los, und betrachtete sie ganz genau, wobei sich ohne Zweifel Erregung in ihr Gesicht schlich.

Auch der Mann trat vor und sprach, mit seiner ruhigen, langsamen Stimme:

„Ich muss dir danken, Bellatrix." Und wieder musterte er Helen, wobei er nun mit dem Zauberstab zwischen den Fingern spielte.

„Für diesen...Zeitvertreib." Und ein leises Lächeln umspielte nun seine Lippen.

Bellatrix Lestrange allerdings begann so laut zu lachen, dass Helen zum ersten Mal erschrocken zusammen zuckte. Dass sie zum ersten Mal seit sie hier angekommen waren, von diesen engen, nahen Wänden abgelenkt wurde.

Bellatrix fasste den Mann an der Schulter und sagte:

„Dank nicht mir, Antonin, dank dem Dunklen Lord." Und dann fanden auch ihre Augen die Helens und ein hungriger Ausdruck lag in ihrem Blick.

Hunger und Erregung.

Helen hatte Angst und wieder sah sie zu den Wänden, und wieder meinte sie keine Luft zu bekommen.

„Für dieses kleine Spielzeug."

Helen konnte nicht mehr sagen, wer diese letzten Worte geflüstert hatte, denn danach geschah etwas Neues. Helen sah gerade noch hoch zu dem Mann, den Bellatrix, Antonin genannt hatte, da hob auch die Frau ihren Zauberstab.

Sie sah Helen an, und ihr Gesicht wirkte plötzlich wahnhaft. Bellatrix schien das Reich der Vernunft verlassen zu haben. Sie betrachtete Helen, mit leicht geöffneten Mund, den Körper ein wenig nach vorne geneigt, wie um jede Reaktion, jede Regung Helens, genau zu sehen.

Und dann formte ihr Mund ein Wort, das Helen nicht verstand, doch nie vergessen würde. Es war ein Wort, das Helens Leben für immer veränderte.

Und Helen sah hoch, sah hoch zu diesen zwei Menschen, die ihr solch eine Angst, solch einen Schrecken bereiteten, und meinte für einen kurzen Moment, dass ihre Strafe nun vorbei sein musste, dass sie genug gelitten hatte, und dass diese zwei Menschen, sie nun wieder frei, sie zu Narzissa zurückkehren lassen würden.

Und dann sprach Bellatrix das Wort und es brannte sich in Helens Gedächtnis ein.

„Crucio."

Sie sagte es nicht mal laut, nicht gehässig, nicht wütend. Liebevolle Freude lag in jeder Silbe und Helen starrte ihnen wortlos entgegen, starrte wortlos, als der Fluch in ihre Brust fuhr, als ihre Glieder brannten, und ihre Welt endete.

So, ich habe lange überlegt, wie ich dieses Kapitel schreiben soll, weil es für die spätere Handlung doch sehr wichtig ist, aber gleichzeitig auch niemand lesen will, wie ein Kind gefoltert wird. Ich hoffe ihr seid mit meiner Lösung zufrieden.

Das nächste Kapitel spielt wieder in der Gegenwart.

Ich würd mich außerdem wirklich sehr über ein Review freuen und würde gerne wissen, was ihr von meiner Geschichte haltet :)