Als ich langsam wach wurde schmerzte mein ganzer Körper. Das Atmen fiel mir so unglaublich schwer, meine Rücken tat weh und ich hatte das Gefühl durch den Fleischwolf gedreht worden zu sein.

Ich konnte kleine Hände und etwas Nasses in meinem Gesicht fühlen. Mühevoll schaffte ich es die Augen zu öffnen. Als sich meine Sicht langsam klärte, sah ich, dass Laddie neben mir kniete.

„Du bist wach!" Seine Stimme dröhnte in meinem Kopf und ich keuchte als er die Arme um meinen Hals legte. Ich schaffte es die Hand zu heben und auf seinen Kopf zu legen.

Langsam kam die Erinnerung zurück und ich wurde unruhig.

Ein großer Schatten fiel über mich und ich schrie und versuchte trotz der Schmerzen weg zu kommen, als ich Dwayne über mir erkannte. Erschrocken war Laddie vom Sofa gesprungen auf dem ich lag. Dwayne stand neben mir und hielt mich sanft an den Schultern fest.

Ich sah panisch zu ihm auf. Was würde er jetzt mit mir machen?

„Beruhig dich bitte, Kätzchen. Wenn du dich noch mehr bewegst reißen die Wunden wieder auf. Ich tue dir nichts. Wenn ich das wollte wärst du schon längst tot." Seine Worte brauchten lange um in mein Bewusstsein zu dringen. Erst als seine braunen Augen meine fanden wurde ich ruhiger.

Ich kannte diese Augen, es lag kein goldener Schimmer mehr darin, es waren einfach nur seine braunen Augen. Er hatte Recht. Wenn er das war was ich vermutete, dann hätte er mehr als einmal die Gelegenheit gehabt mich zu töten.

„Lass mich dir helfen." Ich sog scharf die Luft ein als er mir so sanft wie möglich half mich aufzusetzen. Er kniete sich vor mir auf den Boden und winkte Laddie wieder heran. Der Kleine kletterte wieder neben mich und sah mich mit großen Augen an.

„Wird sie wieder gesund?", fragte er seinen großen Bruder. Dwayne lächelte ihn an.

„Wird sie. Danke für deine Hilfe, Kumpel." Er strahlte über das ganze Gesicht und erklärte mir, dass er mir immer wieder kalte Tücher auf die Stirn gelegt hatte um mein Fieber zu senken.

„Was ist passiert?" Ich sah Dwayne unsicher an. Auch wenn ich ihm immer noch vertraue, ich fühlte mich trotzdem ein wenig unwohl.

„Laddie, schau mal ob du Star findest. Sie soll ein bisschen mit dir spielen." Enttäuscht rutschte er vom Sofa nachdem ich ihm ein kleines Lächeln geschenkt und kurz seine Hand gedrückt hatte.

Dwayne seufzte und setzte sich langsam neben mich auf die Lehne des Sofas.

„Du erinnerst dich nicht mehr was passiert ist?", er sah auf mich hinunter und ich schüttelte den Kopf.

„Nein. Zumindest nicht mehr an alles… Ich erinnere mich an Michael und… An euch. Dass ich weggelaufen und einen Abhang hinunter gefallen bin. Danach ist alles verschwommen. Da war ein Wolf. Und danach weiß ich nichts mehr… Seid ihr wirklich Vampire?" Er sah mich traurig an und nickte. Ich musste schwer schlucken.

„In Ordnung. Also gibt es Vampire… Tut mir Leid das ist gerade noch ein bisschen viel. Ich war immer überzeugt davon, dass das Legenden und die Erfindung eines betrunkenen Iren sind. Ich würde lügen, wenn ich behaupte, dass mich das nicht zumindest ein bisschen beunruhigt." Unsicher zupfte ich an meinem Kissen.

„Bitte erzähl mir was da im Wald passiert ist." Dwayne versteifte sich ein wenig, sagte aber nichts. Ich war mir nicht sicher ob ich noch einmal fragen sollte.

„David hat uns hinter dir her geschickt, bevor du dich verletzt. Da sind so viele Schluchten und Spalten im Wald, die du hättest übersehen können. Wir wurden angegriffen. Von drei Wölfen. Wir wussten, dass da noch mehr sein mussten, also ist Paul zurück geblieben. Wäre ich eine Sekunde langsamer gewesen… Einer von ihnen hat dich auch angegriffen. Du warst bewusstlos und er hätte dich fast getötet. Da war so viel Blut, obwohl er dich kaum erwischt hat… Ich war schneller. Ich weiß wie man Wölfe tötet…"

Ich schluckte und sah an mir hinunter. Jemand hatte mir ein T-Shirt angezogen, das mir nicht gehörte und ich fühlte einen strammen Verband um meinen Oberkörper. Ich errötete.

„Wer…?"

„Star. Keine Sorge, von uns hat dich niemand angefasst. Ich habe deine Wunden zwar versorgt, aber Star hat aufgepasst, dass nichts zu sehen ist. Sie hat dich dann auch verbunden und dir eins von meinen Shirts angezogen, die von den anderen hätten dir nicht gepasst."

Ich nickte. Er hatte mir das Leben gerettet, obwohl er es nicht gemusst hätte.

„Aber was waren das für Wölfe? Ich habe in meinem Leben noch nie so einen riesigen Wolf gesehen…" Ich sah zu ihm auf und konnte ihm ansehen, dass er dieses Gespräch gerade hasste, auch wenn es unvermeidlich war.

„Nein waren es nicht. Das waren Werwölfe. Dich haben sie wahrscheinlich angegriffen, weil du nach Vampir riechst. Wie wussten nicht mit Sicherheit, dass es ein neues Rudel hier gibt. Leider ist Santa Carla so eine Art Ankerpunkt für übernatürliche Wesen. Die Meisten bleiben allerdings nicht lange hier und ziehen schnell weiter." Natürlich. Wenn es Vampire gab, gab es auch Werwölfe. Ich holte angestrengt Luft. Das alles war zu viel.

„Was geht in deinem Kopf vor, Kätzchen?" Vorsichtig legte er einen Arm auf die Lehne hinter mir und sah auf mich hinunter. Ich wusste nicht warum, aber ich genoss seine Nähe noch immer, obwohl ich wusste was er war.

„Zu viel. Ich weiß gerade nicht wirklich was ich denken soll. Ich weiß, dass ich Angst vor dir haben sollte. Dass ich laufen sollte…" Er sah mich an und fuhr sich durch die Haare.

„Dass du weggelaufen bist ist nur natürlich. Du hast das getan was dein Körper instinktiv wusste, dass die einzige Chance darin besteht zu laufen. Auch wenn es nichts gebracht hätte, wenn wir dich hätten verletzen wollen…"

Ich zuckte zusammen. Seine erschreckend ehrlichen Worte trafen mich unvorbereitet. Aber natürlich. Wie hatte ich annehmen können, dass es möglich war einem Vampir zu entkommen?

Ich sog scharf die Luft ein, als ein Schmerz durch meinen Oberkörper zuckte. Ich wollte mir das Shirt fort reißen und den Verband loswerden. Es drückte und brannte. Dwayne packte meine Handgelenke.

„Nicht. Es muss heilen. Verletzungen durch Werwölfe sind hässlich, sie schmerzen mehr und entzünden sich viel zu schnell. Hier." Er hielt mir eine Tablette hin und zögernd nahm ich sie in den Mund. Ich spülte sie mit dem Wasser das er mir reichte weg.

„Schau nicht so skeptisch. Das war nur etwas gegen die Schmerzen." Er grinste mich an. Ich spürte wie ich wieder müde wurde und legte vorsichtig meinen Kopf gegen seine Schulter. Sein Geruch hüllte mich sofort ein und beruhigte mich.

„Dwayne… Ich mag nicht mehr mit Star spielen. Sie ist doof…" Ich öffnete die Augen. Vor uns stand Laddie mit in die Hüften gestemmten Armen und einem Schmollmund. Dwayne lachte laut. Überrascht sah ich ihn an. Ich hatte ihn noch nie so ehrlich lachen gesehen. Und es gefiel mir wie er den Kopf dabei nach hinten fallen lies und seine langen Haare wie ein Wasserfall nach unten fielen.

Er streckte die Hand aus und der Kleine kletterte auf seinen Schoß.

„Erzähl mir eine Geschichte. Eine Indianergeschichte!" rief der Junge aufgeregt und ich musste lächeln. Die beiden zusammen waren einfach goldig.

Dwayne tat so als müsste er überlegen. „Na schön. Lassen wir Kim schlafen." Laddie klatschte in die Hände.

Bevor sich der große Mann erheben konnte griff ich seine Hand und er sah mich fragend an.

„Bleibt bitte. Es stört mich nicht. Ich will nur nicht alleine sein…" Er drückte meine Hand beruhigend. Er erhob sich von der Armlehne und wechselte auf meine andere Seite, wo noch Platz auf der Sitzfläche war. Laddie warf sich sofort auf die Armlehne, sodass er sich unter Dwaynes Arm schieben konnte.

Nach kurzem Zögern lies ich mich auch gegen Dwayne sinken. Um mir etwas mehr Platz zu machen schob er ein Bein zwischen mich und die Rückenlehne des Sofas. Das hatte zur Folge dass ich jetzt halb zwischen seinen Beinen lag und mich an seinen Oberkörper lehnen konnte, ohne dass etwas wehtat.

Ich bekam noch mit wie er seine Geschichte begann zu erzählen. Von Indianern, wie Laddie es sich gewünscht hatte, der weiten Prärie, Bisons und Geistern. Langsam driftete ich ab während Dwayne sanft durch meine Haare fuhr. Bald war ich eingeschlafen obwohl ich mich gegen an einen Vampir kuschelte, der mich jederzeit töten könnte…