"The Lost Boys 1987" Eine junge Frau hat sich ihr ganzes Leben lang gefragt, warum ihre Familie nicht über ihren leiblichen Vater sprechen möchte. Christina will nur wissen, wer sie wirklich ist und warum ihr Stiefvater sie so sehr hasst! Deshalb verlässt sie nach einem schrecklichen Vorfall ihre Familie und versucht, in Santa Carla ein neues Leben aufzubauen. Sie bekommt Hilfe von Zoe, der jüngeren Schwester von Edgar und Alan Frog.

Es besteht noch Hoffnung

Michael stand wie vom Donner gerührt neben dem Tisch, an dem er eben noch mit seinem Bruder gesessen hatte. Er sah Sam hinterher und es war ihm völlig egal, dass jede einzelne Person in dem Restaurant ihn anstarrte.

Was hatte Sam da gerade gesagt? Michael konnte es nicht glauben. Das war absolut unmöglich! Michael hatte doch mit eigenen Augen gesehen, dass die Vampire tot waren! Er hatte mit eigenen Augen gesehen, was von Paul und Dwayne übrig geblieben war! Paul war nichts weiter, als ein Skelett, und man konnte den großen, blonden Vampir nur noch anhand seiner Kleidung identifizieren. Dwayne war zwar noch zu erkennen, aber bei der Explosion wurde sein Kopf abgerissen und eine Hand wurde am Handgelenk vom Arm abgetrennt.

Michael hatte damals gemeinsam mit seinem Großvater Davids Körper von dem Geweih befreit; David sah im Moment seines endgültigen Todes so unschuldig und friedlich aus, fast so, als wäre er erleichtert, diese Welt endlich verlassen zu dürfen. Michael hatte damals nichts als Mitleid für den Anführer der Lost Boys empfunden. Wie war David nur zu dem geworden, was er war?

Später in dieser Nacht hatte Michael mit seinem Großvater drei Gräber hinter dem Haus ausgehoben. Dort sollten David, Dwayne und Paul ihre entgültige Ruhestätte bekommen.

Nachdem die Gräber fertig waren, gingen die Beiden in das nahezu zerstörte Haus zurück und wickelten die Überreste der Vampire in alte Bettlaken, die Lucy in der Zwischenzeit herausgesucht hatte.

Micheal war sich sicher, den Anblick der drei Vampire, um dessen Freundschaft er sich bemüht hatte, würde er niemals vergessen können, solange er lebte. Michael konnte damals seine Gefühle nicht einordnen.

War er erleichtert, dass der ganze Spuk nun ein Ende hatte? Fühlte er Hass, weil David ihn in diese Dunkelheit ziehen wollte? Vielleicht war es auch Trauer, weil er sein gerade erst gewonnenen Freunde verloren hatte, oder ärgerte es ihn irgendwie, dass er das Angebot auf ewige Jugend einfach so weggeworfen hatte.

Es war immerhin ein sehr verlockendes Angebot! Strebten die Menschen im allgemeinen nicht danach, für immer jung zu bleiben? Michael wusste damals schlichtweg nicht, was er fühlte, aber es war, als wäre ein wichtiger Teil von ihm mit den Vampiren für immer verloren!

Michael war auf jeden Fall entsetzt darüber, wie würdelos er und sein Großvater die Überreste der Vampire in ihre Gräber bugsiert hatten. Er fragte sich oft, ob nicht jeder Verstorbene am Ende seines Lebens wenigstens ein paar nette Worte verdiente, egal, was aus ihm geworden war. Die Lost Boys waren doch schließlich irgendwann auch junge, sterbliche Männer!

Michael war zu diesem Zeitpunkt erst zwanzig Jahre alt, und somit kein Kind mehr. Er war nicht dumm und erkannte, dass sein Großvater mehr über die Vampire wusste, als er zugeben wollte. Der alte Mann weigerte sich, darüber zu reden, er hatte sein Wissen über die dunkle Seite von Santa Carla mit ins Grab genommen.

Der Alte hatte jedoch Edgar und Alan mit nicht sonderlich freundlichen Worten nach Hause geschickt, nachdem die Vampire vernichtet waren. Es war klar zu sehen, dass er die Beiden absolut nicht leiden konnte. Erst dann machte der Alte sich umgehend daran, Davids Körper mit Michaels Hilfe von dem Geweih zu befreien.

Sam war in jener Nacht natürlich garnicht begeistert über das Verhalten seines Großvaters. Edgar und Alan waren schließlich die einzigen Freunde, die er in Santa Carla gehabt hatte. Letztendlich sagte er aber auch nicht viel zu deren Verteidigung, da er einfach nur froh war, daß sein Bruder gerettet war.

Nachdem Max in jener Nacht ins Gras gebissen hatte, und Michael, Star und Laddie endlich wieder frei waren, bemerkte Michael sehr schnell, dass sich seine Gefühle für Star verändert hatten. Er fühlte sich bei Weitem nicht mehr so sehr zu ihr hingezogen, wie zuvor. Erklären konnte er sich diese Veränderung jedoch damals nicht.

Eigentlich erwartete Michael, dass seine Freundin, die einfach bei ihnen blieb, sehr glücklich sein sollte, dass sie nun frei war von David und den Anderen, und das war sie auch, zunächst. Dieses Glücksgefühl der jungen Frau hielt jedoch nicht sonderlich lange an.

Es war noch keine Woche vergangen, da fing sie an im Schlaf zu weinen und nach David zu rufen, und auch während sie wach war, redete sie viel über den Vampir. Sie sagte es niemals direkt, aber an der Wahl ihrer Worte konnte Michael sehr wohl erkennen, wie sehr sie ihn vermisste, und um ehrlich zu sein, Michael vermisste dieses sarkastische Arschloch auch!

Der Sarkasmus war nur ein kleiner Teil, der Davids Charakter ausmachte. Der Anführer der Lost Boys hatte viel Wissen und besaß Humor und Gelassenheit. Das musste wohl daran liegen, dass er wahrscheinlich wesentlich älter war, als er eigentlich aussah. Er musste in all der Zeit, die er gelebt hatte, als Mensch, und dann als Vampir, eine Menge erlebt haben.

Nach dem Massaker an den Surf Nazis vor all den Jahren, hatte David Michael zu Hause aufgesucht. Michael konnte sich nie erklären, warum David ihn um dieses Gespräch gebeten hatte, aber aus irgendeinem Grund war es wohl wichtig für den Vampir. Nachdem Michael ihn dann in sein Zimmer gelassen hatte, was echte Überredenskünste von David gefordert hatte, hatten die Beiden sich eine ganze Weile unterhalten.

Er hatte Michael gegenüber zugegeben, dass die Vampire zwar manchmal etwas derartiges genossen, und dass eine gute Jagd immer spannend war, aber für gewöhnlich lief ihre Nahrungsaufnahme wesentlich unauffälliger ab. Sie waren keine gedankenlosen Killermaschinen, die alles töteten, was ihnen über den Weg lief. Das konnten sie sich nicht leisten, und meist wollten sie das auch nicht.

Aber menschliches Blut war nun mal eine Notwendigkeit für die Vampire, ein Lebenselexier, ohne das die Geschöpfe der Nacht sehr schwach werden würden! Trotzdem wiederholte David immer wieder, daß die Lost Boys sich das Vergnügen einer "echten" Jagd nur selten erlaubten, weil es einfach zu gefährlich für sie wäre.

Michael hatte damals einfach nicht kapiert, wieso es etwas geben könnte, das für einen Vampir gefährlich wäre. Denn genaugenommen standen diese Kreaturen auf der Nahrungsmittelpyramide noch über den Menschen. Erst von Edgar und Alan erfuhr Michael, dass Vampire während des Tages verletzlich waren, weil sie dann in einen todesähnlichen Schlaf fielen und nicht über ihre Kräfte verfügen konnten, wie in der Nacht.

Während des Gesprächs mit David erwähnte Michael, dass ihm die Plakate der vermissten Personen aufgefallen waren und er unterstellte David, dass dafür doch wohl die Vampire verantwortlich seien. David hatte ihn daraufhin ausgelacht und erklärt, dass nur wenige dieser Leute auf das Konto der Lost Boys gingen. Er behauptete, dass die Vampire mit dem Auslöschen dieser Leute der Menschheit einen großen Dienst erwiesen hatten. Wie jeder andere wollten die Vampire einfach nur leben.

David hatte Michael auch erklärt, wie er Star getroffen hatte, und dass er schließlich Gefühle für sie entwickelt hatte. Ja, Vampire fühlten etwas, nur wenige von ihnen waren wirklich eiskalt. Die meisten Vampire hatten nie vergessen, dass sie selber einst Menschen waren!

David hatte sich damals durchaus vorstellen können, sein ewiges Leben mit dieser jungen Frau zu teilen. Welchen Wert sollte ein ewiges Leben denn schon haben, wenn man dazu verdammt wäre, es alleine zu verbringen?

Anfangs lief es ziemlich gut zwischen David und Star, sie genoßen die gemeinsame Zeit, aber irgendwann beschloß der Vampir, dass es an der Zeit wäre, Star die Wahrheit zu sagen, sie war damals ohnehin langsam mißtrauisch geworden. David war kein Dummkopf, also gab er der jungen Frau erst Max Blut in Wein gemischt zu trinken.

Nachdem Star die Wahrheit kannte, hasste sie David, zumindest glaubte der Vampir das, Michael wusste es nach den vielen Jahren, die er mit ihr verbracht hatte natürlich besser.

Star wollte dieses dunkle Leben nicht, dass David und seine Brüder so sehr genossen. Mit Michaels Hilfe hatte sie es geschafft, der Dunkelheit zu entfliehen. Aber nachdem die Vampire vernichtet waren, merkte sie schnell, wie sehr die Vier ihr fehlten; selbst Marko und Dwayne, die die junge Frau meistens ignorierten.

Während der Zeit, die sie mit ihnen im versunkenen Hotel verbracht hatte, hatte sie Freiheiten gehabt, die ihre Eltern ihr verwehrt hatten, und das, obwohl David ziemlich besitzergreifend war. Sie hatte Zusammenhalt kennengelernt, den sie nie zuvor gesehen hatte.

Obwohl Dwayne und Marko sie ignorierten, nachdem ihnen bewußt geworden war, dass die junge Frau diese Art der Existenz ablehnte, beschützten sie sie. Wenn irgendjemand Star zu nahe kam, und David war nicht vor Ort, dann waren Dwayne und Marko sofort zur Stelle.

Star hatte immer das Gefühl gehabt, dass Marko mit ihrer Anwesenheit in der Höhle von Anfang an keineswegs einverstanden war, und damit hatte sie völlig richtig gelegen.

Als David Star bei sich behielt, widmete er ihr einen großen Teil seiner Aufmerksamkeit, die zuvor Marko gehört hatte. Marko war eifersüchtig und ihm war von Beginn an klar, dass Star für diesen Lebensstil nichts übrig hatte. Marko fragte sich immer, wie David so blind sein konnte! Und trotzdem konnte Star sich immer auf den Beschützerinstinkt der Vampire verlassen, schließlich war sie ein Teil der Familie!

Michael hasste es, dass seine Freundin es nicht fertig brachte, damit aufzuhören, über ihre Zeit mit den Lost Boys zu reden. Ihm wurde schnell bewußt, des es keineswegs Liebe war, was ihn und Star verband, es war nur das gemeinsame, außergewöhnliche Erlebnis mit den Vampiren!

Michael und Star blieben trotzdem ein Paar und heirateten sogar kurz nach Christinas Geburt, aber es war eher eine Zweckgemeinschaft, als alles andere. Als Star damals bemerkte, dass sie schwanger war, war sie nicht sehr erfreut, genau wie Michael und seine Familie.

Star log Michael anfangs an und behauptete, dass sie niemals mit David geschlafen hatte. Es dauerte einige Wochen, bis sie ihren Mut zusammennahm und Michael die Wahrheit gestand.

Michael hatte es zwar Star gegenüber nie erwähnt, und ihr niemals von Davids Besuch bei ihm erzählt, aber durch das Gespräch mit dem Vampir, wusste er von Anfang an, dass Star nicht ehrlich zu ihm war.

Michael war sich bewußt darüber, dass die Wahrscheinlichkeit, dass Star Davids Kind austrug, sehr hoch war, dennoch stand er hinter ihr, als sie schließlich beschloß, das Kind trotz allem auszutragen. Der junge Mann fühlte sich seiner Freundin gegenüber verpflichtet, denn entweder war er selber der Vater des Kindes, oder er hatte den Vater des Kondes vernichtet. So oder so, Michael fühlte sich verantwortlich für das Leben, dass in Star heranwuchs!

Im Grunde hätte Michael sich nur mit dem errechneten Geburtstermin auseinandersetzen müssen, um die Wahrheit zu erkennen, aber daran war er damals einfach nicht interessiert! Was hätte ihm das auch schon gebracht? Das Kind war nun mal unterwegs, und daran war nichts zu ändern!

Stars Schwangerschaft gestaltete sich schwierig. Sie war froh, wieder während des Tages in die Sonne gehen zu können, ohne sich müde zu fühlen und genoß es die Zeit im Garten zu verbringen, aber mit jedem Monat, die ihre Schwangerschaft fortschritt, wurde es problematischer, denn das Kind, Christina, schien den ganzen Tag zu schlafen und war dafür in der Nacht sehr aktiv.

Star konnte nicht mehr schlafen und war sehr gereizt und verschlief fast jeden Tag, während der Nacht geisterte sie durch das Haus. Ihre komischen Gewohnheiten hatten natürlich Auswirkungen auf den gesamten Haushalt.

Stars Essgewohnheiten während dieser Zeit waren auch nicht ganz normal. Sie bestand darauf, ihr Fleisch, und davon aß sie jede Menge, mehr oder weniger roh zu essen! Ihr Arzt hatte ihr zwar davon abgeraten, da rohes Fleisch nicht gut für das Kind war, aber Star ignorierte den Rat des Arztes.

Christina hatte wohl keine Lust, bis zum errechneten Geburtstermin zu warten, nein, sie wollte fast zwei Monate früher aus dem Bauch ihrer Mutter, und zwar völlig ohne Vorwarnung. Für den Weg ins Krankenhaus blieb keine Zeit, Christina wurde zu Hause geboren.

Trotzdem, was da aus Star herausglitt, war ein vollständig entwickeltes, gesundes Mädchen, aber sie war wirklich winzig. Nach der ersten Begutachtung durch die Hebamme, die der Großvater herbeigerufen hatte, wurde die in eine Decke gewickelte Christina in Michaels Arme gelegt.

Ihr Kopf war voller Haare, die in alle Richtungen abstanden, sie hatte exakt die gleiche Haarfarbe wie David. Ihre Augen waren blaßblau, genau wie seine. Sie lächelte zu Michael hinauf und er hatte das Gefühl, David würde ihn anlächeln.

Obwohl Michael sehr wohl bewusst war, dass er eventuell Davids Kind großziehen würde, war das in diesem Moment zuviel für ihn, er fühlte sich irgendwie betrogen.

Mittlerweile war die ganze Familie in dem Raum versammelt und alle beglückwünschten die frischgebackene Mutter. Michael drückte das Kind damals der nächsten Person in die Hand, die neben ihm stand. Es war sein Großvater. Der nahm Christina behutsam an sich und sah seinen Enkel tadelnd an.

Michael bekam noch mit, wie sein Großvater das neugeborene Mädchen betrachtete und hörte seine Worte. "Naja, man kann sich seine Eltern halt nicht aussuchen."

Michael hörte noch, dass Sam ihn rief, aber da hatte er schon die Türe des Zimmers hinter sich geschlossen und war halbwegs die Treppe hinunter gelaufen.

Michael seufzte, als er nun an Christinas Geburt zurückdachte, fast zehn Minuten hatte er in Gedanken versunken neben dem Tisch gestanden. Die anderen Menschen im Restaurant waren längst wieder mit ihren eigenen Angelegenheiten beschäftigt. Michael verließ wortlos das Lokal, um Sam zu folgen. Er war völlig aufgewühlt.

Sein Bruder blickte Michael vorwurfsvoll an, als Beide endlich wieder in dem SUV saßen. "Sam," begann Michael, aber Sam hob abwehrend die Hände. "Ich will jetzt nicht darüber reden," motzte er. "Aber eines solltest du vielleicht wissen, denn deine Fangzahnfreunde sind nicht diejenigen, die Christinas Leben bedrohen. Es sind Jäger in der Stadt. William und Tedrick, wir haben sie einmal kennengelernt, als sie noch Kinder waren. Edgar sagte mir, dass die Beiden völlig irre sind. Sie wollen Christina aus dem Weg räumen."

Michael öffnete erneut den Mund um etwas zu sagen, aber Sam ließ es nicht zu. "Nein, Mike, nicht jetzt! Oder du kannst hier aussteigen und zusehen, wie du alleine weiterkommst!" Dann startete Sam den Wagen und fuhr schmollend auf die Hauptstraße zurück.

Wenn es wirklich stimmte, was Edgar Sam am Telefon über Bill und Ted erzählt hatte, befürchtete Sam das schlimmste für Christina! Die junge Frau saß noch immer auf der Liege und blickte in die Richtung, aus der sie Markos Stimme gehört hatte, sie konnte regelrecht fühlen, dass der Vampir sie anglotzte.

"Ich muss hier raus," murmelte sie und stellte sich vorsichtig auf die Füße. Schmerzen zuckten durch ihren gesamten Körper und sie hatte das Gefühl, dass ihr Kopf kurz vorm Explodieren stand. Stöhnend hielt sie sich an der Liege fest.

"Wir müssen hier raus," hörte sie den Vampir sagen und starrte wütend in Markos Richtung. "Du hast mich doch erst in diese Lage gebracht," schrie sie ihn zornig an.

Marko lachte. "Was redest du da fürn Scheiß?", fragte er. "Wer hat denn Standman auf meinem Motorrad gespielt und diesen Mist verursacht? Nur ein paar Meter weiter und wir hätten das Arschloch abgehängt! Aber nein, Madame musste sich ja aufführen, wie es ihre Mama nicht hätte besser machen können! Ich sag dir mal was, Kindchen, wenn du wirklich glaubst, dass wir dein größtes Problem sind, so muss ich dich enttäuschen! In dieser Stadt gibt es schlimmere Monster, wie uns, und das komischste daran ist, dass die allerschlimmsten davon Menschen sind. Blöderweise hat sich deine tolle Freundin mit einem davon eingelassen!"

Christina brauchte eine Weile, um zu registrieren, was Marko da gerade von sich gegeben hatte, dann fiel ihr auf, dass der Vampir schon wieder ihre Mutter erwähnt hatte. Marko konnte, wie alle Vampire, in der Dunkelheit perfekt sehen. Er grinste, als er bemerkte, wie dämlich Christina guckte. Dieses Kind schien wirklich absolut keine Ahnung zu haben. Er fragte sich, wieviel Vampir eigentlich wirklich in ihr steckte, es konnte doch nicht möglich sein, dass das Blut ihres Vaters sie nicht beeinflusste! Wie hatte das Kind es bloß geschafft, so lange zu überleben?

Christina sah etwas verlegen auf ihre Boots hinunter, aber die Verlegenheit machte schnell der Wut Platz. Sie machte einen Schritt in die Richtung, in der sie Marko vermutete, und stöhnte erneut auf, weil ihr Kopf bei jeder Bewegung schmerzte.

"Was redest du eigentlich ständig von meiner Mutter?", fragte sie mit Verzweiflung in ihrer Stimme. "Du kanntest sie ja garnicht!" Marko lachte wieder. "Oh doch, Kindchen," antwortete er schließlich. "Ich kannte diese Frau besser, als mir lieb war. Ich wusste sofort, dass sie nichts als Ärger für uns bedeutete, aber dein Da..., äh David wollte ja nicht auf mich hören!"

Christina horchte auf, was hatte Marko da gerade nicht gesagt? Mit gerunzelter Stirn ging sie einen weiteren Schritt auf ihn zu. Wieso kannte Marko ihre Mutter? Und was hatte David damit zu tun? Sie verstand es einfach nicht!

Christina wurde nun alles zuviel, was war nur alles in dieser Nacht geschehen? Sie hatte ihre Angst vor der Dunkelheit ignoriert und war noch in ihren Lieblingsclub gegangen.

Dort hatte sie Laddie getroffen, der offensichtlich schon eine ganze Weile in Santa Carla war, und ihr nichts davon gesagt hatte, das hatte Christina sehr enttäuscht.

Dann hatte sie die unheimlichen Biker kennengelernt und erfahren, dass diese Männer Laddies Freunde sind. Christina hatte Paul, der ja zu dieser Gang gehörte, wiedergesehen. Christina mochte Paul sehr, aber der hatte sie einfach an Marko weitergereicht, um mit dieser aufgetakelten Tussie zu verschwinden. Das war die nächste Enttäuschung.

Christina fand Marko anfangs auch nett, wenn auch nicht so sehr nett, wie Paul, aber dieser Mann kam ihr auch sofort komisch vor, naja, nun wusste sie ja auch, warum!

Auf dem Weg nach Hause waren Marko und sie dann mit seinem Motorrad gestürzt, und dann bemerkte sie, das Ted sie verfolgt hatte. Christina wurde Zeugin davon, dass Vampire tatsächlich exestieren, Marko war ein Vampir! Bedeutete das, dass die anderen auch Vampire waren? Und Laddie? Und überhaupt, was wollten diese Typen von ihr?

Sie wusste wieder, was sich im Wald zugetragen hatte. Dwayne wollte sie tatsächlich töten, aber da war dann aufeinmal noch jemand, und der hatte das verhindert! Endlich begriff sie, dass es Paul war, der sie vor Dwayne beschützt hatte, es war seine Stimme, die sie in jener Nacht gehört hatte!

Und nun war sie auch noch hier eingesperrt, mit Marko, einem Vampir. Und um allem die Krone aufzusetzen, hatte der auch noch offenbart, dass ihre Mutter irgendetwas mit diesen Typen zu tun hatte! Ihr fiel das Gespräch mit Laddie ein, dass sie geführt hatten, als er bei ihr zu Besuch war. Er hatte irgendetwas gesagt, dass mit alledem hier zusammenhing, aber Christina war so erledigt und verwirrt, sie konnte es nicht greifen. Sie wusste nur, dass es wichtig für sie war! Wie alt waren diese Kerle denn bloß? Eigentlich wirkten sie jünger, als Christina selber!

Verzweiflung machte sich wieder in der jungen Frau breit, sie wollte einfach nur nach Hause! Sie wollte einfach nur in ihr Bett und sich die Decke über den Kopf ziehen und sich vor dem ganzen Schlamassel verstecken! Wie war sie bloß in diese Schwierigkeiten geraten? Sie sackte auf ihre Knie und heulte los.

Marko seufzte. Davids Kind war in seinen Augen ein Störfaktor! Sie war auch irgendwie interessant, sie störte trotzdem, genau wie ihre Mutter damals! Andererseits war ihm bewusst, dass sie nicht Schuld an der vertrackten Situation war und er hatte irgendwie Mitleid mit ihr. Sie hatte sich diese Situation schließlich nicht ausgesucht. Die Umstände ihres Lebens hatten die ahnungslose, junge Frau in dieses Chaos gestürzt. Star und Michael hätten ihr wohl besser die ganze Wahrheit über ihren Vater erzählen sollen, dann wäre sie vorbereitet gewesen.

Christina schluchzte laut und hielt sich die Hände vors Gesicht. Dann hörte sie plötzlich auf zu weinen und sprang auf ihre Füße. "Meine Tasche ist weg," schrie sie mit entsetztem Gesicht. "Ich muss sie bei dem Sturz verloren haben!"

Marko schüttelte den Kopf, verdrehte die Augen und seufzte. "Ist das jetzt wirklich dein größtes Problem?", fragte er genervt. Christina blickte verständnislos in Markos Richtung. "Ja, nein, doch, weil, ich meine...", stotterte sie und fing wieder an zu weinen. "Hast du vielleicht eine Zigarette?", fragte sie schluchzend und steckte ihre Hände in die Taschen ihres Sweatshirts.

Sie zuckte zusammen, hörte wieder auf zu weinen und ihre Augen leuchteten auf, als sie den Gegenstand in ihrer Tasche ertastete. Grinsend zog sie ihr Smartphone aus der Tasche und schaltete es ein. Sie hatte in dem Chaos einfach vergessen, dass sie ihr Telefon niemals in ihrer Handtasch aufbewahrte.

Als erstes benutzte sie die Taschenlampenfunktion und leuchtete immernoch grinsend in Markos Gesicht. Der wurde dadurch geblendet, das machte ihn wütend, seine wahre Natur zeigte sich.

"Verdammt, nimm das Ding aus meinem Gesicht," fauchte er. Doch Christina dachte garnicht daran, da Marko in Ketten lag, konnte er ihr schließlich nichts anhaben. Sie betrachtete neugierig sein verändertes Gesicht.

Marko knurrte sie an und schloß seine Augen. Nach wenigen Sekunden hatte er sein menschliches Gesicht zurück erlangt. Zufrieden, dass sie nun endlich mehr erkennen konnte, leuchtete Christina den Raum ab und rannte schließlich zur Tür. Sie drückte die Klinke runter und stellte fest, dass die Türe verschlossen war.

"Hast du allen Ernstes geglaubt, dass du hier so einfach herausspazieren kannst?", fragte Marko spöttisch. Christina richtete das Licht wieder auf sein Gesicht und er fauchte erneut. "Verdammt, lass den Scheiß!", schrie er zornig.

Christina grinste und tat dem Vampir schließlich den Gefallen. Sie nahm das Smartphone runter und öffnete die Liste mit ihren Kontakten. "In meiner rechten Jackentasche," sagte Marko plötzlich.

Christina sah ihn verwirrt an. "Meine Zigaretten sind in meiner rechten Tasche," erklärte er. "Du wolltest doch eine haben. Du könntest mir auch eine anmachen, ich komme leider selber nicht dran!" Marko lächelte sehr charmant, er hatte einen Plan, dazu musste die junge Frau nur nah genug an ihn herantreten. Er hatte schon die ganze Zeit darüber nachgedacht, wie er sie dazu bewegen konnte.

Christina hatte jedoch einen eigenen Plan und ignorierte Marko. Sie würde mit ihrem Telefon Hilfe herbeirufen, sie sass schon viel zu lange hier fest! Auf die Idee, sich zunächst mit Donald in Verbindung zu setzen, der mit Sicherheit noch in der Billardhalle war, kam sie jedoch nicht. Christina rief statt dessen zunächst bei Zoe an, aber die hatte ihr Telefon offensichtlich ausgeschaltet.

Christina seufzte frustriert und drückte auf die Nummer von Laddie. Beim zweiten Klingeln meldete sich jemand am anderen Ende. "Christina, wo seid ihr?", fragte eine Stimme, die definitiv nicht Laddies war. Christina nahm das Telefon vom Ohr und blickte es verwundert an.

Marko hatte die Stimme natürlich sofort erkannt. "Christina, ist Marko bei dir?", fragte David ungeduldig. Er hatte Dwayne und Laddie auf eine Mission geschickt und Laddie gebeten, sein Smartphone dazulassen, falls Christina sich meldet. Christina reagierte nicht und sah stattdessen hilflos zu Marko hinüber.

"David, wir sind im alten Schlachthof," rief Marko und beobachtete, das Christina zögerlich näher kam. "Es wäre klasse, wenn ihr die Blockade von euren Gedanken nehmen könntet! Ich rufe euch schon eine Weile," forderte Marko dann noch.

Christina blickte Marko erstaunt an. Was redete der da? Und woher wusste er, wo sie gefangen waren? Sie hörte noch wie David fluchte, weil der alte Schlachthof zum Revier der Wölfe gehörte, dann legte sie auf. Sie hatte keine Lust, mit David zu reden.

Sie brauchte dringend eine Zigarette, um einen klaren Gedanken fassen zu können und ging Schritt für Schritt auf Marko zu. Immer wieder zögerte sie, weil sie dem Vampir nicht vertraute, auch wenn sie tief in ihrem Inneren wusste, dass er sie nicht töten würde, denn das hätte Marko längst tun können. Aus irgendeinem Grund wollten die Vampire sie nicht töten, außer vielleicht Dwayne, soviel stand fest. Paul hätte am vergangenen Wochenende die beste Gelegenheit gehabt, sie einfach verschwinden zu lassen, aber er hatte ihr kein Haar gekrümmt.

Christina bekam das Puzzle einfach nicht zusammen und fragte sich erneut, was diese Typen von ihr wollten. Marko beobachtete die junge Frau mit Argusaugen. 'Komm schon,' dachte er. Er war geschwächt und brauchte dringend etwas Blut. In seinem Zustand gelang es ihm weder einfach die Ketten aus der Wand zu reißen, um sich von ihnen zu befreien, noch Christina zu manipulieren.

Ein bißchen von Christinas Lebenssaft würde die Lage für den Vampir jedoch sofort ändern. "Komm endlich her," flüsterte er ungeduldig so leise, dass Christina es nicht hören konnte.

Christina ging tatsächlich immer näher an Marko heran, nur noch ein paar Schritte, und er wäre in der Lage, sie endlich zu ergreifen, um sich zu nehmen, was er brauchte.

"In meiner rechten Jackentasche," sagte Marko noch einmal, um sie zur anzutreiben. Er war hungrig und wurde immer ungeduldiger. Genau wie Christina wollte er endlich aus diesem Gefängnis heraus.

Christina war fast in Markos Reichweite gelangt, da hörten die Beiden, dass irgendwo im Gebäude eine Tür ins Schloss fiel. Christina und Marko hörten Schritte, jemand näherte sich ihrem Gefängnis. Ein Schlüssel wurde ins Schloss gesteckt und herumgedreht, dann wurde die Türe aufgestoßen und krachte gegen die Wand.

Als nächstes ging das Licht an, es war sehr grell. Christina hielt ihre Hände vor die Augen, weil das Licht sie blendete. Als sie ihre Hände wieder weg nahm blickte sie mit zusammengekniffenden Augen auf die Gestalt, die im Türrahmen stand.

"Ted, warum hast du uns hier eingesperrt?", fragte sie wütend und lief zu ihm hinüber. Ted sah sie nur mit Verachtung im Blick an und schubste sie in den Raum zurück. Sie fiel auf den Boden und schrie ihn an: "Spinnst du? Was soll das?"

Marko knurrte, doch Ted grinste ihn nur siegessicher an. "Ich freue mich, dass meine Gäste sich etwas erholt haben," sagte er böse lächelnd und schloß die Türe, ließ den Schlüssel jedoch von außen im Schloss stecken.

"Dann kann die Show ja endlich beginnen," verkündete er fröhlich. Ted stellte einen Wekzeugkoffer in sicherer Entfernung neben Marko auf einen Stahltisch. Christina blickte ihn fragend an und sah dann zu Marko herüber. Sie stand wieder vom Boden auf und lief zur Tür, doch Ted war schneller und zog sie am Arm zu einem Stuhl, der neben dem Tisch stand und drückte sie hinein.

"Nimm doch bitte Platz," sagte er grinsend. "Dann kann ich schon mal alles für eine amüsante Nacht vorbereiten." Christina versuchte sich aus seinem Griff zu befreien, aber es gelang ihr nicht.

"Ich will hier raus," brüllte sie Ted an, aber der lachte sie nur aus. "Tja, Kleines, ich kann dich leider nicht gehen lassen," antwortete er gehässig. "Und mal ganz davon abgesehen, willst du das hier mit Sicherheit nicht verpassen wollen!"

Christina stand vom Stuhl auf, doch dann bemerkte sie Markos warnenden Blick. Der wollte um jeden Preis verhindern, dass Ted ihr auch noch Fesseln anlegte. Gefesselt wäre sie nutzlos. Marko hoffte insgeheim, dass genug David in Christina steckte und dass sie sich auf seine Seite schlagen würde.

Christina wusste nicht recht, wie sie reagieren sollte und blieb letztendlich einfach vor dem Stuhl stehen. Marko seufzte erleichtert. Ted hatte in der Zwischenzeit einige Zangen aus seinem Werkzeugkoffer geholt und diese nach Größe sortiert auf den Tisch gelegt. Stolz betrachtete er die Auswahl.

Marko beobachtete angewidert jede Bewegung, die Ted machte, der jedoch grinste Marko nur schadenfroh an. "Da wollen wir doch mal testen, wie widerstandsfähig deine Beißerchen sind," sagte Ted und deutete mit einem Gegenstand in seiner Hand auf Markos Mund.

Ted hielt einen Elektroschocker in seiner Hand, den wollte er dazu benutzen, Marko davon abzuhalten, nach ihm zu greifen. Vampire waren verflucht schnell, das wusste Ted genau, er musste sich verteidigen, wenn er gegen den Blutsauger siegen wollte. Er ging auf Marko zu und setzte seine Waffe blitzschnell ein. Marko brüllte und sein Gesicht veränderte sich. Er knurrte Ted an.

Ted ließ sich davon nicht beeindrucken und lachte. Er hatte sein Ziel erreicht, Markos Gesicht zeigte nun, was er war. Markos Augenfarbe hatte sich verändert, die Pupillen waren nun gelb mit einem blutrotem Ring eingefasst. Ted konnte die Fänge des Vampirs sehen, und auch die Gesichtskonturen hatten sich verändert; es war wahrhaftig ein fürchterlicher Anblick.

Ted zerrte Christina am Arm zu Marko hinüber. "Da, sieh ihn dir genau an," schrie er in ihr Gesicht. "Das wird aus dir werden! Willst du das?" Christina versuchte sich loszureißen. "Du hast sie ja nicht alle," brüllte sie ihn an. "Ich will jetzt sofort hier raus!"

Ted lachte und schubste sie zurück in den Stuhl. "Du gehst nirgendwohin, Mädchen," sagte er sehr ruhig. Dann ging er wieder mit dem Elektroschocker zu Marko und versetzte ihm einen weiteren Stromschlag.

"Das wirst du noch bereuen," knurrte Marko, doch Ted lachte ihn nur aus und nahm eine der Zangen vom Tisch. "Also, Blutsauger, wenn du dein Maul freiwillig aufmachst, wird es viellewicht nicht ganz so häßlich," sagte Ted triefend vor Sarkasmus. "Aber wie ich euch kenne, muss ich sicher eh nachhelfen. Typen wie du haben meine Familie zerstört und mir einen lieben Verwandten genommen. Dafür wirst du jetzt bezahlen!"

Marko grinste. "Was redest du da fürn Quatsch," verteidigte er sich schnippisch. "Du weißt doch ganz genau, dass wir das nicht waren, sondern die, die den Vollmond anheulen! Und es ist nicht unsere Schuld, dass nun ein Teil deiner Familie mit ihnen heult!"

"Werwölfe, Vampire, ist doch scheißegal, ihr seid doch alle gleich," sagte er. "Ich war mal ein sehr glückliches Kind, und ihr habt dieses Glück zerstört!" Er ging mit einer bedrohlich wirkenden Zange und dem Elektroschocker auf Marko zu.

Christina war total geschockt, weil sie soeben erfahren hatte, dass Werwölfe nun auch noch in Wirklichkeit vorhanden waren. Ted und Marko stellten es so dar, als würden diese Kreaturen in dieser Stadt mitten unter ihnen leben, und Christina hatte ehrlich gesagt die Nase gestrichen voll. Sie war mit einem Vampir eingesperrt worden, und dass von einem Mann, der völlig gestört sein musste. Ted brauchte dringend eine Therapie! Christina beobachtete Ted entsetzt, das was er vorhatte konnte nicht sein Ernst sein. Ted stand vor Marko, die Beiden starrten sich hasserfüllt an.

Dann blickte Ted zu Christina hinüber und grinste. "Sie weiß es garnicht, habe ich Recht?!", stellte er fest. "Ihr habt es ihr nicht gesagt?" Christina sah Ted verwirrt an, dann richtete sie ihren Blick fragend auf Marko, der genervt die Augen verdrehte und seufzte. "Was habt ihr mir nicht gesagt?", fragte sie.

Ted lachte. "Also ich würde ihr jetzt endlich die Wahrheit sagen, wenn ich du wäre," riet er Marko. "Oder willst du sie etwa dumm sterben lassen?" Nun war Marko derjenige der lachte. "Sie wird nicht sterben," antwortete er stur.

Ted grinste und wollte Marko gerade einen weiteren Stromschlag verpassen, da klingelte sein Telefon. "Na, das wurde aber auch langsam Zeit," sagte er zufrieden.

Christina bemerkte, dass Marko mit seinen Augen in eine Ecke des Raumes deutete und folgte seinem Blick und entdeckte eine abgebrochene Latte auf dem Boden. Marko nickte und lächelte sie ermutigend an. Christina wurde klar, dass sie nur eine Chance hatte, dieser Situation zu entfliehen, wenn sie mit dem Vampir zusammenarbeiten würde.

Also nutzte sie Teds Unachtsamkeit und verließ ihren Platz. Der Mann fummelte an seinem Telefon herum und beachtete sie nicht. Christina hatte wirklich genug von ihm, der war ja völlig irre. Die junge Frau hob die Latte auf und nahm all ihren Mut zusammen. Marko nickte ungeduldig und Christina schlug zu, so fest sie konnte. Sie schrie los und schlug ein weiteres Mal zu, und gleich noch einmal. Ted ließ das Telefon fallen und krachte zu Boden.

Entsetzt über sich selber schmiß Christina die Latte in eine Ecke. Marko blickte sie mit hochgezogenen Augenbrauen an und pfiff durch die Zähne. Offensichtlich hatte er das Mädchen unterschätzt, sie hatte mehr Mum in den Knochen, als ihre Mutter.

Christina lächelte Marko erleichtert an. "Was jetzt?", fragte sie. Marko hatte nun einen neuen Plan, er braucht Christina nicht als Blutsbank zu benutzen, Ted war ja nun da. "Was für eine Frage," lachte der Vampir. "Guck nach, ob du etwas in der Kiste findest, um mich hiervon zu befreien." er klirrte mit den Ketten.

"Und sollte ein Hammer in dem Ding sein, dann halte den bei dir, nur für den Fall, dass der Affe da wieder aufsteht," wies er sie an und deutete mit dem Kopf auf Ted.

Während Christina in der Werkzeugkiste kramte, wunderte Marko sich darüber, warum seine Brüder noch nicht aufgetaucht waren, aber andererseits war ihm natürlich klar, dass seit dem Telefongespräch mit David noch nicht viel Zeit verstrichen war.

"Hah," rief Christina plötzlich erfreut. "Besser geht es ja garnicht. Sie hielt lächelnd einen Schlüssel hoch. "Ich hoffe, das ist der Richtige," fügte sie hinzu. Marko hatte wieder sein charmantests Lächeln aufgesetzt. "Komm schon, probier, ob er ins Schloß passt," bat er. Christina wurde wieder mißtrauisch und blieb abrupt stehen.

Marko wurde ungeduldig. "Na los doch, mach endlich," rief er. "Der da ist wesentlich schlimmer, wie ich. Du hast doch selber gesehen, wozu der in der Lage ist!"

Endlich ging Christina zu dem Vampir und steckte mit zitternden Händen den Schlüssel in das Schloß, dass Markos Ketten zusammenhielt, er passte! In Windeseile befreite Marko sich von den Ketten. Er lief zu Ted und biß in dessen Hals.

Wie erstarrt, aber dennoch irgendwie fasziniert, beobachtete Christina, wie Marko trank. Sie schämte sich, weil sie sich nicht davor ekelte, ganz im Gegenteil, sie wurde hungrig.

Marko hätte Ted am liebsten in Stücke gerissen, aber er befand sich nun mal im Revier der Werwölfe, also riss er sich zusammen und nahm nur soviel, wie er tatsächlich brauchte. Der Typ würde schon noch für seine Taten bezahlen, da war der Vampir sich sicher.

Als er genug getrunken hatte, griff er die erstarrte Christina bei der Hand und zog sie hinter sich her aus dem Raum. "Was ist denn hier passiert?", fragte plötzlich eine hochgewachsene Gestalt, die ihnen vor dem Raum entgegen kam.

"Scheiße," sagte Marko nur und schob Christina hinter sich. Christina linste hinter Marko hervor und erkannte ihren Chef, Donald. Sie verließ ihre Deckung und wollte in seine Arme laufen, aber Marko hielt sie fest. "Nein, nicht," motzte er.

Donald sah Marko und Christina an. "Christina? Das ist ja wirklich eine Überraschung! Sie ist also das Wunderkind, von dem David mir berichtet hat?", fragte er erstaunt. "Wo ist mein Neffe?"

Marko seufzte und zeigte in den Raum hinein. "Lebt der Idiot noch? Ich hoffe es wirklich, damit ich ihm eine Lektion erteilen kann," sagte Donald angesäuert. Ihr Zwei verschwindet jetzt besser hier, bevor der Rest von uns hier auftaucht!"

Marko nickte und zog Christina aus dem Gebäude. Er machte sich nicht die Mühe, ihr irgendetwas zu erklären, er nahm sie einfach in einen eisernen Griff und flog mit ihr zum versunkenen Hotel. Christina schrie einmal kurz auf, als Marko den sicheren Boden verließ, aber sie einfach zu müde, um noch dagegen anzukämpfen.

Im gleichen Moment, als Ted durch Christinas Schläge zu Boden gegangen war, hatte es bei Zoe an der Tür geklingelt. Bill war gerade erst gegangen, sicher hatte er etwas vergessen. Zoe überlegte also nicht lange und öffnete die Tür. Die junge Frau war sehr überrascht, dass nicht Bill, sondern Laddie in Begleitung eines dunkelharrigen Mannes dort stand. Zoe hatte diesen Mann schon einmal gesehen, er war einer, der ominösen Biker.

Erstaunt sah sie die beiden Männer an. "Laddie was macht ihr hier um diese Uhrzeit? Ich wollte gerade ins Bett gehen," sagte sie. "Ist irgendetwas passiert?"

Laddie lächelte etwas gequält. Er mochte den Gedanken nicht, dass Zoe nun auch noch in die Geschichte hineingezogen wurde. Aber sie war nun mal die Freundin von einem der Jäger, die Christina und Marko hatten, und somit war sie ein gutes Druckmittel, da musste er David und Dwayne völlig Recht geben. Außerdem bedeutete Christinas Wohlergehen dem neugeborenen Vampir wesentlich mehr, sie war schließlich ein Teil der Familie, auch wenn sie das nicht wusste!

"Es tut mir leid," entschuldigte Laddie sich. "Es geht um Christina, sie steckt in ernsthaften Schwierigkeiten!" Zoe sah Laddie erschrocken an und bereute es, dass sie ihre beste Freundin derart vernachlässigt hatte. "Was ist denn los?", fragte sie.

Laddie sah sie ernst an. "Können wir kurz reinkommen? Dann erklären wir dir alles," bat Laddie. Zoe konnte ja nicht wissen, was sie damit bewirkte. "Ja sicher, kommt schon rein," antwortete sie und trat zur Seite um den Beiden Platz zu machen.

Zoe schloß die Tür und blickte die Männer neugierig an. "Also, ich bin ganz Ohr," satge sie. Dwayne räusperte sich. "Wie gut kennst du den Kumpel von deinem Freund?", fragte er.

Zoe machte ein erstauntes Gesicht. "Naja, er war einige Male mit uns im Club," erklärte sie. "Aber Bill kennt ihn schon ewig, er macht einen sehr netten Eindruck! Warum wollt ihr das wissen?"

Laddie wollte schon antworten, aber sein Sire hob die Hand und brachte ihn so zum Schweigen. "Wir vermuten, dass dieser Typ Christina entführt hat," äußerte Dwayne ohne Umschweife. Er hielt nichts davon um den heißen Brei herum zu reden. Zoe stand da, wie vom Donner gerührt.

"Wie kommt ihr denn auf so einen Blödsinn?", fragte sie. "Warum sollte Ted so etwas Dummes tun? Er hat zwar Interesse an Christina gezeigt, musste jedoch feststellen, dass sie absolut nichts von ihm wissen will. Aber deshalb entführt er sie ja nicht gleich!"

Dwayne grinste. Ich kenne deinen Freund und seinen Kumpel schon etwas länger," behauptete er. "Hast du die zufällig durch deine Brüder kennengelernt? Die sind nämlich miteinander befreundet." Zoe sah den dunkelhaarigen Vampir irritiert an und schüttelte dann den Kopf. "Bill hat meine Brüder nie erwähnt, ich wusste nicht, dass er sie kennt," gab Zoe zu.

"Siehst du, wir machen uns Sorgen um Christina," erklärte Dwayne. Er wollte Mißtrauen sähen, und offensichtlich war ihm das gelungen. Zoe nahm ihr Smartphone vom Tisch und sah, dass Christina angerufen hatte und rief umgehend zurück, aber Christina ging nicht ans Telefon. Zoe legte das Telefon wieder weg, sie sah sehr besorgt aus.

Warum hatte Bill ihr nur verheimlicht, dass er Edgar und Alan kannte? Zoe hatte so oft von ihnen erzählt, Bill hätte so oft die Möglichkeit gehabt, ihr das zu sagen. Zoe verstand es einfach nicht. Seufzend drehte sie sich zu Laddie und Dwayne.

"Ich ziehe mich an, dann fahren wir gemeinsam zu Bill und klären das," bot sie an. "Es handelt sich sicher um ein Mißverständnis." Dwayne und Laddie lächelten sich an. 'Bingo,' sagte Dwayne in Laddies Gedanken. 'Genau das, was wir wollten.'

Zoe stieg etwas unsicher auf Laddies Motorrad. "Hast du schon mal auf 'ner Maschine gesessen?", fragte er. "Okay, geh einfach mit, wenn ich mich in eine Kurve lege, und halt dich gut fest! Es wird dir gefallen!"

Dwayne stand noch neben den Beiden. "Zoe," sagte er. Als sie ihn ansah, manipulierte er sie und ließ sie einfach einschlafen. Laddie sah ihn erstaunt an. "Vampir," sagte Dwayne lachend und nahm die schlafende Frau in seine Arme. "Wir holen die Motorräder später," erklärte er und erhob sich in die Luft. Laddie grinste und folgte ihm zum versunkenen Hotel.

Dort wurden sie schon von David und Dwayne erwartet. Dwayne ließ Zoe wieder aufwachen und setzte sie auf ein Sofa. Sie sah sich erstaunt um. Mit einem galanten Lächeln setzte David sich Zoe gegenüber. "Herzlich willkommen in unserem bescheidenen Heim," begrüßte er sie. "Ich freue mich wirklich sehr, endlich Christinas Freundin kennenzulernen!"

Zoe sah ihn völlig perplex an und wollte etwas erwidern, aber sie hatte etwas zu lange in Davids Augen geschaut, sie konnte ja nicht wissen, dass er ein Meister der Manipulation war. "Dwayne sagte, dass du gerade im Begriff warst, schlafen zu gehen," sagte David schmunzelnd. "Laddie wird dir zeigen, wo du dich hinlegen kannst, und morgen Abend plaudern wir zwei Hübschen dann ein wenig!"

Wie eine Marionette stand Zoe auf und folgte Laddie in einen der hinteren Räume. Paul und Dwayne sahen ihr lachend nach.

"Hat sie sich gemeldet?", fragte Dwayne besorgt. David nickte. "Am liebsten hätte ich die Sache selber in die Hand genommen und die Arschlöcher zerfetzt, aber wir wollen keinen Krieg anzetteln, also warten wir ab," erklärte er. "Die Burschen kaufen wir uns später, die werden dafür bezahlen, dass sie unsere Familie bedroht haben!" Paul und Dwayne nickten etwas enttäuscht.

Eine Minute später stand Marko mit der völlig ausgelaugten Christina im Arm neben seinen Brüdern. "Ich habe auf euch gewartet," beschwerte er sich.