Ich möchte an dieser Stelle einfach mal ein ganz dickes Danke an Little Nothing 1 richten, dafür dass sie wirklich jedes Kapitel liest und mich immer wissen lässt was sie denkt. Vielen lieben Dank für deine Unterstützung und vor allem für deine eigenen Geschichten!


Ich schlief unruhig. Anfangs waren die Träume noch relativ normal, geprägt von Dwaynes Geschichte. Je länger ich schlief desto mehr veränderten sie sich.

Ich wusste, dass es ein Traum war und doch konnte ich nichts tun. Ich träumte von meiner Schwester, wie sie mit blauen Lippen und glasigen Augen da lag. So kalt und regungslos. Ich sah mich neben ihr stehen, sah wie sie mich fort zerrten und ihren kleinen Körper achtlos in ein Laken verschnürten und weg brachten.

Ich sah meine Adoptivmutter weggetreten auf dem Sofa liegen, wie ich die Bierflaschen in einen Sack warf und versuchte nicht in die Nadeln am Boden zu treten. Ich sah wie sie wach wurde und mit irrem Blick auf mich zusprang, an meinen Haaren zerrte und mich beschimpfte.

Ich sah meinen Adoptivvater wie er mich am Tag ihrer Beerdigung in mein Zimmer zerrte und die Tür abschloss. Sah ihn mit seinem Arbeitskollegen zurückkommen, wie sie sich die Hand gaben und ein großes Bündel Geld den Besitzer wechselte. Sah wie ich dem widerlichen Fettwanst einen Bleistift in den Hals rammte und mich mit zerrissenem und blutigen Kleid unter ihm heraus wand.

Ich wurde wach als mich jemand ruckartig bewegte und realisierte, dass ich schrie. Ich riss die Augen auf und bekam Panik, ich wusste gerade nicht wo ich war.

„Beruhige dich, Kätzchen. Es war ein Traum. Nur ein Traum. Atmen. Langsam atmen…" Die dunkle Stimme drang langsam zu mir durch, ich konnte wieder atmen. Je mehr ich atmete desto klarer wurde mein Blick und die Erinnerung wo ich war kam zurück.

Ich atmete. Atmete diesen schweren erdigen Geruch ein, fühlte den festen Griff um mich, der mich gegen einen nackten Oberkörper presste. Ich war sicher.

Ich lies die Stirn gegen seine Brust sinken und schloss die Augen. Atmete weiter seinen Geruch ein, klammerte mich an ihn bis die Anspannung nachließ.

„Dwayne…" Meine Stimme klang falsch. Rau und tonlos. Der Griff um mich veränderte sich, die Hand an meiner Hüfte löste sich und hob mein Kinn sanft an, bis ich in braune Augen sah.

„Ich bin hier Kätzchen. Und ich gehe erst, wenn du sagst ich soll gehen." Ich starrte in seine Augen und konnte nur nicken.

Langsam sah ich mich um. Was war das für ein Raum? Er kam mir nicht bekannt vor. Überall waren Bücher und Kerzen verteilt. Ich sah Holzfiguren und Federn. War das Dwaynes Zimmer? Warum war ich hier?

Schlagartig wurde mir bewusst, dass wir auf seinem Bett waren. Ich sah ruckartig nach unten und wurde sofort rot. Ich saß auf Dwaynes Schoß, meine Knie zu beiden Seiten seines Beckens, sein Shirt war auf meinen Oberschenkeln weit nach oben gerutscht und ich wusste, dass ich darunter nur meine Unterwäsche trug.

Nervös biss ich auf meine Unterlippe und wusste nicht was ich tun sollte. Ich wollte von ihm herunter springen und das Shirt so weit es ging nach unten ziehen, aber das hätte bedeutet mich aus diesem sicheren Kokon zu entfernen.

Ich zuckte kurz zusammen als Dwayne mich dazu brachte ihn wieder anzusehen. Noch mehr Blut schoss in meine Wangen und ich wollte im Erdboden versinken.

„Wenn du dir noch fester auf die Lippe beißt blutet es." Sanft strich sein Daumen über meine Unterlippe, der Druck war groß genug um sie zwischen meinen Zähnen heraus zu ziehen. Ich konnte nur wieder in seine dunklen Augen sehen und mich darin verlieren. Fühlte immer noch seine Berührung an meiner Lippe.

Es machte keinen Sinn. Er war ein Raubtier, ich die Beute. Ich konnte mich ihm nicht entziehen und wollte es auch nicht. Ich hätte mich nicht einmal gewehrt, hätte er in diesem Moment beschlossen mich zu töten.

Vorsichtig und zögernd strich ich ihm eine Haarsträhne aus dem Gesicht und er sah mich forschend an. Suchte irgendetwas in meinem Blick. Meine Fingerspitzen lagen weiter an seinem Gesicht und ich konnte dem Drang nicht widerstehen der Kontur seines Kiefers zu folgen. Ich zögerte und mein Blick fiel tiefer. Ob seine Lippen so weich waren wie sie aussahen?

Erneut nahmen mich seine Augen gefangen als er sanft meine Hand griff und meine suchenden Finger aufhielt.

„Kätzchen…" Ich atmete tief ein und konnte nichts gegen das aufsteigende Verlangen in mir tun. Ich wollte etwas sagen, öffnete ganz leicht den Mund, doch kein Laut drang hervor.

Wie in Zeitlupe nahm ich war wie sein Hand sich auf meine Wange legte und er mich näher an sich zog. Er gab mir alle Zeit ihn aufzuhalten, aber ich tat es nicht.

Ohne den Blick von meinen Augen zu lösen fand er meine Lippen. Ich stöhnte leise in den Kuss hinein. Seine Lippen waren samtweich auf meinen und wurden mit jeder Sekunde fordernder. Meine Finger gruben sich in seine langen Haare, ich wollte nicht, dass er aufhörte. In diesem Moment war es egal, dass ich halb nackt auf seinem Schoß saß, er löste etwas in mir aus, das ich lange nicht gefühlt hatte.

Sein Arm schlang sich um meine Taille und die andere Hand griff fest in meine Haare. Mit einem Ruck hatte er uns gedreht und ich lag plötzlich unter ihm. Der Kuss wurde hungriger und bereitwillig gewährte ich ihm Einlass als ich seine Zunge an meiner Lippe spürte. Wieder stöhnte ich leise. Er schmeckte nach dunklen Gewürzen und diese erdige Note die seinen Duft so einzigartig machte war auch hier leicht vorhanden.

Unbewusst drückte ich meinen Körper gegen ihn, wollte mehr auch wenn es falsch war. Ich fühlte wie er auf mir schwerer wurde, seine Hände fuhren an mir entlang bis er die Finger neben meinem Kopf mit meinen Fingern verschränkte. Ich wollte ihn berühren doch als ich zuckte verstärkte er den Druck auf meine Hände und hinderte mich daran nach ihm zu greifen.

Unwillig stöhnte ich in den noch immer andauernden Kuss hinein und schlang die Beine um seine Hüfte, versuchte ihm klar zu machen, dass ich mehr wollte, mehr brauchte.

Abrupt löste er sich von mir und ich sah verwirrt zu ihm hoch.

„Was passiert hier gerade?" Mein Blick schoss zu der Stimme und ich konnte Marko nur anstarren. Seine Augen glitten über mich, glitten mein Bein entlang und mir lief es kalt über den Rücken.

„Raus!", knurrte Dwayne über mir und sah seinen Bruder ungehalten an. Dieser grinste und lehnte sich gegen den Eingang.

„Ich denke gar nicht daran. Vielleicht bekomme ich ja noch mehr zu sehen. Gefällt mir gut…" Er lies seinen Blick erneut eindeutig über mich gleiten und ich zog das Shirt über meinen Bauch so weit wie es ging wieder über meine Schenkel.

Wütend schoss Dwayne vom Bett und packte Marko am Hals. Dieser griff nach seinem Handgelenk und zappelte in der Luft.

„Ich habe gesagt, dass du verschwinden sollst." Geschockt sah ich zu den beiden, ich hatte nie gedacht, dass Dwayne so wütend werden könnte. Auch Marko schien überrascht von der heftigen Reaktion seines Bruders.

„Verdammt Dwayne lass mich los! Ich habe es verstanden!"

„Sind wir hier im Kindergarten? Lass die Sabberei Marko. Und Dwayne, ruhig bleiben. Wir brauchen keine Wiederholung von deinem letzten Wutausbruch." David stand ungerührt im Eingang und sah beide Männer mit ausdrucksloser Mine an. Mit einem letzten Ruck gegen seine Kehle lies Dwayne von Marko ab. Er schnappte sich seine Jacke und verlies das Zimmer. Marko erhob sich schnell und machte sich ebenfalls mit einem entschuldigenden Lächeln in meine Richtung aus dem Staub.

„Ich weiß nicht was das gerade war, aber du solltest dir etwas mehr anziehen, Kleines. Komm, ich zeige dir dein eigenes Zimmer." Er stand vor mir und hielt mir die Hand hin. Zögernd griff ich danach und lies mich aus dem Bett und auf die Füße ziehen.

Er zog mich gegen seine Seite und führte mich mit festem Griff einen kurzen Gang entlang. Jemand hatte meine wenigen Habseligkeiten in das Zimmer geräumt. Es war etwas kleiner als das von Dwayne, aber es würde reichen.

„Brauchst du Hilfe beim Umziehen?" David stand direkt hinter mir, die Hände an meiner Hüfte. Seine Lippen berührten beinahe mein Ohr und ein kalter Schauer lief über meinen Rücken. Seine Nähe war mir nicht unangenehm, aber es fühlte sich nicht an wie noch vor wenigen Minuten mit dem großen dunkelhaarigen Vampir.

Energisch schüttelte ich den Kopf und er lachte leise, bevor er mich aus seinem Griff entlies und ging.

Ich schlüpfte schnell in eine Jeans und zog dann Dwaynes Shirt aus, nicht ohne vorher noch einmal meine Nase in den Stoff zu drücken. Vorsichtig hob ich den Verband um meine Brust ein wenig an und war erstaunt nur eine dünne rote Linie zu sehen. Zögernd löste ich den Verband. Hätte ich nicht gewusst, dass der Wolf mich beinahe aufgeschlitzt hätte, wüsste ich nicht woher die feinen Linien auf meinem Oberkörper kamen.

Ich legte einen Finger darauf, spürte aber nicht den erwarteten Schmerz. Langsam zog ich meinen schwarzen BH an, als ich etwas hinter mir hörte. Mit den Armen vor der Brust wirbelte ich herum. Dwayne stand mit beruhigend erhobenen Händen vor mir und ich entspannte mich sofort. Sein Blick war wieder weich, die Wut war aus seinem Gesicht verschwunden.

„Was hast du gemacht?" Ich flüsterte und deutete auf die Linien. Er kam langsam auf mich zu und schloss die weiße Bluse, die ich übergestreift hatte.

„Ich habe das mit einer Kräuterpaste versorgt, die meine Großmutter immer benutzt hat." Er verschwieg mir etwas, ich konnte es in seinem Blick sehen. Ich griff seine Hände, die gerade die letzten Knöpfe schlossen.

„Dwayne… Das kann nicht alles sein was du gemacht hast. Der Wolf hat mich fast zerfetzt und da sind nur noch diese dünnen Linien auf meiner Haut." Er sah hoch in meine Augen und presste die Kiefer fest aufeinander. Ich seufzte und schob seine Hände weg. Als ich ihm den Rücken zuwandte griff er meine Hand und ich sah ich an.

„Ich habe dir mein Blut gegeben. Keine Sorge, nicht genug um dich zu einer von uns zu machen. Genug um deinem Körper zu helfen die Wunden zu reinigen und zu heilen. Du wirst keine Narben behalten, es wird sein als wäre nie etwas gewesen." Ich sah ihn an. Er hatte mir sein Blut gegeben… Warum? Es war nicht die Tatsache, dass ich Blut getrunken hatte, es war einfach nur zu viel.

„Und das vorhin? Was war das?" Er fuhr sich durch die Haare.

„Das war nicht richtig. Ich hätte dich nicht küssen dürfen. Wäre mein Blut nicht in dir hättest du es nicht getan. Ich weiß nicht warum ich diese Drang habe dich zu beschützen und bei dir zu sein, die Menschen waren mir so lange egal. Ein Mittel zum Zweck, egal ob Nahrungsquelle oder Ablenkung. Du bist anders. Laddie mag dich sehr und ich denke das hat mich beeindruckt."

„Woher willst du wissen, dass es falsch war? Es hat sich nicht so angefühlt… Woher…?" Er unterbrach mich bevor ich weiter reden konnte.

„Kim. Das war nicht deine freie Entscheidung. Und ich habe es ausgenutzt. Es wird nicht wieder passieren…" Ich war selbst erstaunt als meine Hand mit seiner Wange kollidierte. Was fiel ihm ein so etwas zu sagen? Ich wusste, dass er Unrecht hatte. Ich hatte mich in seiner Nähe immer wohl gefühlt, es konnte nicht nur sein Blut sein. Dafür taten seine Worte zu weh.

Ich musste hier raus. Es war zu eng hier. Er war zu viel. Als er etwas sagen wollte wich ich ihm aus und lief nach draußen. Ich spürte, dass er mir folgte.

In der Haupthöhle waren die anderen drei auf den Sofas verteilt und sahen mich verwirrt an, als ich aus dem Gang stürmte.

„Kim…" Ich riss meine Hand aus Dwaynes lockerem Griff.

„Lass mich in Ruhe!" Er blieb stehen und verzog das Gesicht. Es tat mir Leid, wenn ich seinen Blick so sah, aber ich ertrug ihn gerade nicht. Ich drehte mich um und lief zielstrebig auf Paul zu. Dieser sah mich verwirrt an als ich seine Hand griff und ihn zum Ausgang zog.

„Kimmy! Wo gehst du denn hin?" Laddie kam auf mich zugelaufen und schaute mich verwirrt an.

„Keine Angst, ich komme wieder. Indianerehrenwort." Ich gab ihm schnell einen Kuss auf die Stirn und zog Paul weiter mit mir. Als wir oben auf der Klippe angekommen waren zwang er mich stehen zu bleiben.

„Kim was ist hier los?" Ich sah ihn an. Ich wusste nicht was ich ihm sagen sollte. Ich fühlte wie er meine Hand fester griff. Ich dachte nicht nach, ich musste es einfach wissen. Ich griff in seine Haare und presste meine Lippen verzweifelt gegen seine. Eine Sekunde war er völlig überrumpelt, bevor er mich fordernd gegen sich zog und den Kuss erwiderte. Keuchend löste ich mich. Ich war enttäuscht, der Kuss hatte nichts bewirkt um das Chaos in meinem Kopf zur Ruhe zur Ruhe zu zwingen.

„Was war das denn Prinzessin?" Hauchte er nur wenige Zentimeter von meinen Lippen entfernt. Ich schüttelte den Kopf worauf er die Stirn runzelte.

„Dwayne hat mich vorhin…" Er seufzte und zog mich in eine enge Umarmung.

„Ich verstehe schon. Er hat dich geküsst. Marko kam rein und so weiter. Lass mich raten. Er hat dir erzählt es hätte nur an seinem Blut gelegen, dass du gar keine andere Wahl hattest. Und jetzt küsst du mich, weil du hoffst, dass es sich genauso anfühlt." Ich fühlte mich schrecklich. Was hatte ich mir nur dabei gedacht?

Er griff unter mein Kinn und sah mich mit seinen blauen Augen an.

„Wie hat es sich angefühlt Kim?" Ich zögerte.

„Es hat sich genauso angefühlt… Es hat sich gut angefühlt… Das ist nicht richtig. Was passiert mit mir, Paul? Oh Gott, es tut mir so Leid." Er lachte leise und schob meine zerzausten Haare aus meinem Gesicht.

„Ich denke ich weiß, was hier los ist. Es wird dir nur nicht besonders gefallen." Ich war verwirrt. Was hatte das nun wieder zu bedeuten?

„Es hat nichts mit Dwaynes Blut zu tun. Sonst würdest du nicht so auf mich reagieren. Schau nicht so verwirrt Prinzessin, du weißt doch eigentlich schon was ich dir sagen will. Und du weißt, dass es stimmt. Du hast für uns beide Gefühle. Bei Dwayne fühlst du dich sicher. Ich bin das Gegenteil von ihm. Ich denke nicht viel nach und handle impulsiv. Du brauchst beides und das ist auch in Ordnung. Wenn d darüber nachdenkst wirst du mir zustimmen. Ich verstehe, dass das gerade alles sehr viel ist. Du hast immer noch damit zu kämpfen, dass wir Vampire sind, du bist von einem Werwolf angegriffen worden, du bist von deiner Familie abgehauen und jetzt musst du auch noch versuchen herauszufinden warum du zwei Vampire küsst obwohl dein Kopf dir sagt, dass es falsch ist."

Ich nickte nur stumm. Ich wusste dass er Recht hatte. Der Kuss mit ihm war anders gewesen als mit Dwayne. Aber nicht weniger schön und es war mir schwer gefallen ihn zu unterbrechen. Ich war einfach nur verwirrt und wütend auf mich selbst. Anscheinend wusste ich nicht was ich wollte.

„Kannst du mich zur Promenade bringen? Ich muss in den Laden. Vielleicht bringt mich das auf andere Gedanken."

„Ich bringe dich nach Santa Carla. Aber wir gehen nicht in den Laden, der hat schon zu. Ich weiß aber was dich ablenken wird. Lass uns tanzen gehen, Prinzessin. Nur wir beide."

Ich weiß nicht warum ich dem zustimmte. Es war falsch Dwayne gegenüber. Auf der anderen Seite wollte ein Teil von mir Zeit mit Paul alleine verbringen. Also stieg ich zu ihm auf sein Motorrad und ließ mich einfach darauf ein.