"The Lost Boys 1987" Eine junge Frau hat sich ihr ganzes Leben lang gefragt, warum ihre Familie nicht über ihren leiblichen Vater sprechen möchte. Christina will nur wissen, wer sie wirklich ist und warum ihr Stiefvater sie so sehr hasst! Deshalb verlässt sie nach einem schrecklichen Vorfall ihre Familie und versucht, in Santa Carla ein neues Leben aufzubauen. Sie bekommt Hilfe von Zoe, der jüngeren Schwester von Edgar und Alan Frog.

Politik im Rudel und andere Entscheidungen

Es war schon Nachmittag, als Sam und Michael endlich vor dem Carousel Beach Inn in Santa Carla aus dem SUV stiegen. Das Hotel war nicht weit vom Boardwalk entfernt, Man brauchte nur die Riverside Avenue runterlaufen und dann die Beachstreet überqueren, und schon war man dort. Sam hatte bewusst dieses Hotel gewählt, weil er wusste, dass man am Boardwalk günstg essen konnte.

Sam war froh darüber, dass er zwei Zimmer gebucht hatte, statt sich ein Zimmer mit seinem Bruder teilen zu müssen, wie er es eigentlich geplant hatte. Das kostete ihn zwar mehr, aber das war nun egal. Sam war noch immer stinksauer auf seinen Bruder; wie konnte der es nur wagen so einen Mist zu reden?

Michael wusste doch sehr genau, wie sehr die Geschichte mit den Vampiren seine Familie belastet hatte. Selbst der Großvater, der sein ganzes Leben in Santa Carla verbracht hatte, hatte die Stadt verlassen und war bei der seiner Freundin eingezogen. Die besaß ein großes Haus in Capitola, und dort konnte der alte Mann weiterhin seine ausgestopften Tiere verkaufen.

Lucy und Sam waren nach Arizona gezogen, blieben aber weit genug entfernt von Sam und Michaels Vater. Lucy führte in einem kleinen Ort den Haushalt für eine alte Dame und übernahm die Pflege des gebrechlichen Ehemannes. Sie wohnte mit Sam in einer kleinen Wohnung, die sich in dem Haus der alten Dame befand.

Sam litt an Angstzuständen und Depressionen. Er hatte schreckliche Alpträume und bekam Schwierigkeiten in der Schule. Lucy sorgte schließlich dafür, dass er eine Therapie machte, und so ging Sam viele Jahre zu verschiedenen Psychologen, und er nahm Medikamente.

Sam lernte während einer Kur Tessa kennen. Sie war eine bezaubernde junge Frau. Die Beiden heirateten einige Jahre später und bekamen zwei Kinder. Aus Zeitmangel brach sam seine Therapie irgendwann ab. Seine Alpträume wurden wieder schlimmer.

Er half sich mit Kokain. Es wurde so schlimm, dass seine Ehe daran zerbrach. Tessa zog mit den Kindern zu ihren Eltern. Für Sam war das sein Weckruf. Er ging wieder in Therapie und schaffte es, clean zu werden.

Dann rief Edgar an, und erzählte ihm von den beiden Jägern Bill und Ted. Edgar hatte die zwei Männer gebeten, nach Zoe zu sehen, da Bill und Ted eh in der Stadt waren wegen der Werwölfe. Edgar suchte nach Alan, der war von einem Vampir gebissen und verschleppt worden. Irgendwann erzählte Ted Edgar am Telefon, dass David und die drei anderen Vampire wieder in Santa Carla aufgetaucht sind. Von Ted wusste Edgar auch, dass Christina in der Stadt war.

Ted hatte Edgar versichert, dass er und Bill die Kleine Tochter von dem Blutsauger ausschalten würden. Edgar hatte Sam gewarnt. Er hatte ihm geraten, Christina aus der Schusslinie zu holen, sonst könnte er bald zu ihrer Beerdigung fahren. Edgar hatte Sam versichert, dass David und deine Gang das kleinste Problem für Christina wären.

Sam war sich sicher, wenn David erfahren würde, dass Christina seine Tochter war, und das würde er, auch da war Sam sich sicher, dann würde der gerissene Vampir alles unternehmen, um sein Kind auf seine Seite zu ziehen.

Sam wusste aus Gesprächen mit Michael uns Star, dass David sehr charmant sein konnte, wenn er ein Ziel vor Augen hatte, und Christina war anfällig dafür, weil sie sich nichts mehr wünschte, als irgendwo willkommen und nicht nur geduldet zu sein! David würde das schamlos ausnutzen, soviel stand fest!

Die Sonne war gerade erst untergegangen, als David mit einer eleganten Rolle durch die Luft von seinem Schlafplatz auf den Boden schwebte. David liebte das, es wurde nie langweilig, es machte ihn glücklich, dass Vampire fliegen konnten!

Er warf noch einen Blick auf seine Familie; keiner der Anderen machte irgendwelche Anstalten, in den nächsten Minuten aufzuwachen; also griff David erleichtert nach seinen Socken und Stiefeln und machte sich auf den Weg in den Gemeinschaftsraum. Er brauchte einige Minuten für sich! Er musste nachdenken!

Die Schwester von Edgar und Alan war in einem der Räume eingesperrt. David hatte sie einschlafen lassen, so musste er sich erst einmal keine Sorgen um sie machen, denn Zoe würde erst dann wieder erwachen, wenn David es befahl. David würde sich später überlegen, was mit ihr geschehen würde.

Um ehrlich zu sein, er hatte keine Intentionen ihr weiteren Schaden zuzufügen. Sie war zwar die kleine Schwester von den Arschlöchern, die damals versucht hatten David und seine Zöglinge auszulöschen, aber dafür konnte Zoe schließlich nichts. Außerdem war sie Christinas Freundin, die einzige, die sie hatte, wenn David das richtig sah.

Es wäre mehr als dumm, Zoe Frog etwas anzutun, damit würde David sein Kind gegen sich aufbringen, und das wollte er nicht. Er hegte keinen Groll gegen die Frau, sie war damals gerade erst geboren und genauso ahnungslos wie Christina.

Christina, ja das war eine ganz andere Sache. David grinste amüsiert, über den Anblick, den sie geboten hatte, als Marko endlich mit ihr in der Höhle aufgetaucht war. Die Ärmste war total erledigt und einfach während des Fluges vom alten Schlachthof zum versunkenen Hotel in Markos Armen eingeschlafen.

Sie lag im Raum nebenan in dem Bett, dass Laddie bis vor kurzem noch benutzt hatte. David zog sich seine Socken und Stiefel an, dann ging er zu Christina hinüber, um sich davon zu überzeugen, dass sie wirklich dort war.

David konnte es kaum fassen, wochenlang hatte er sich das Gehirn zermartert, wie er es schaffen konnte, sein Kind in die Familie zu holen. Und dann war plötzlich alles so schnell gegangen, tja, und jetzt war sie tatsächlich da. Er konnte sie wirklich anfassen. David griff vorsichtig nach ihrer Hand und drückte sie leicht. Christina nahm die Berührung wohl irgendwie wahr, denn sie murmelte daraufhin etwas im Schlaf. Lächelnd verließ er den Raum wieder.

Marko hatte in der vergangenen Nacht berichtet, dass Christina sich wacker geschlagen hatte. Sie hatte letzenendes ihre Angst vor Marko besiegt und ihn befreit. Sie hätte einfach abhauen können, sie hätte Marko einfach zurücklassen können, aber das hatte sie nicht getan. Christina war offensichtlich sehr mutig und wohl auch etwas leichtsinnig, auch wenn ihr das nicht bewusst war.

David hätte zu gerne gesehen, wie seine Tochter diesen Dreckskerl niedergeschlagen hat. Der hatte das wirklich verdient! David war stolz auf sein Kind, aber ihm war auch klar, dass die Kleine noch lange nicht in der Familie angekommen war. Er würde Überzeugungsarbeit leisten müssen, aber das würde er schaffen, dessen war er sich sicher.

In dieser Nacht mussten einige Entscheidungen getroffen werden! Christina brauchte einen Sire. Das war eine Art Mentor, der ihr alles beibringen würde, was sie als Vampir wissen sollte. Ein Sire war aber in der Regel auch eine Vaterfigur, ein guter Freund und manchmal auch ein Geliebter. Oft fühlten ein Sire und sein Zögling sich zueinander hingezogen. Deshalb konnte David diesen Part nicht übernehmen, und ehrlich gesagt wollte er das auch nicht.

Er hatte mit Dwayne, Marko und Paul schon genug eigene Zöglinge und diese drei waren nicht immer so einfach zu händeln, die hatten einen eigenen Willen. Aber eigentlich liebte David die Drei genau deswegen, allerdings schossen sie manchmal übers Ziel hinaus, so wie Dwayne, als er Christina angegriffen hatte.

Aber seine Zöglinge waren nicht der einzige Grund, aus dem David diese Aufgabe nicht übernehmen wollte. Christina war seine Tochter, sie sollte sich nicht auf diese Art zu ihm hingezogen fühlen! Vampire waren zwar nicht gerade die moralischsten aller Geschöpfe auf diesem Planeten, aber das würde zu weit gehen! Aber wer auch immer letztendlich Christinas Mentor sein würde, David würde demjenigen helfen und mit Rat und Tat zur seite stehen, schließlich ging es um sein Kind.

David war tief in Gedanken versunken, deshalb bemerkte er nicht, das Dwayne sich grinsend an der Kaffeemaschine zu schaffen machte. "Schläft sie noch?", unterbrach der dunkelhaarige Vampir Davids Gedanken.

David sah ihn etwas erstaunt an, denn normalerweise entging ihm nichts. "Ja, und das ist auch gut so, denn wir haben etwas zu besprechen," antwortete er.

Dwayne nickte. "Ich kann mir schon denken, worum es geht," antwortete er lächelnd. Er wollte noch etwas sagen, wurde aber von Marko unterbrochen, der inzwischen mit Paul und Laddie ebenfalls den Raum betreten hatte. "Paul, warum bist du bloß manchmal so ätzend?", motzte Marko. Laddie lachte nur über die Beiden und setzte sich auf einen Stuhl.

Paul blieb zunächst neben Dwayne stehen. "Marko, seit wann bist du so empfindlich?". fragte er lächelnd zurück und nahm die soeben gefüllte Kaffetasse aus Dwaynes Hand, woraufhin er von diesem einen warnenden Blick erntete. Paul lachte. "Hab dich nicht so, Dwayne," warf er ein. "Wenn du sterblich wärst, wärst du ein Kandidat für einen Herzinfarkt, soviel wie du von diesem Zeug trinkst!"

Mit der Tasse in der Hand setzte er sich auf die Lehne von Markos Sessel. Marko sah Paul an und schüttelte den Kopf. "Du solltest doch wirklich am besten wissen, wie scheiße es ist, wenn dein Körper mit Weihwasser in Berührung kommt," nörgelte er.

Paul wurde ernst. "Krieg dich wieder ein," entschuldigte er sich. "Ich habs ja garnicht so gemeint!" David und Dwayne sahen sich an und schüttelten den Kopf.

David stand auf und ging zum Kühlschrank. "Will noch jemand ein Bier?", fragte er. "Wir haben etwas wichtiges zu besprechen! Ich könnte eigentlich einfach selber entscheiden, was wahrscheinlich auch besser wäre, aber ich will trotzdem eure Meinung hören!"

David hätte tatsächlich einfach einen seiner Männer bestimmen können, der Christinas Mentor sein sollte, denn er war schließlich der Boss. Er wollte das aber nicht er war nicht Max, der hatte seine Machtposition oft ausgenutzt. David wollte, dass der Ausgewählte diese Herausforderung gerne übernehmen würde. David wollte, dass Christina und ihr Sire sich gut verstehen.

Alle sahen David nun interessiert an. "Was gibt es denn so wichtiges?", fragte Paul ungeduldig. David seufzte. "Paul, kannst du einmal die Klappe halten und einfach nur zuhöhren?!"

Paul zuckte mit den Schultern und trank einen Schuck von seinem Kaffee, hielt aber tatsächlich den Mund. Es war nicht sonderlich schlau, Davids Geduld auf die Probe zu stellen, das wusste er genau.

David räusperte sich. "Also, es geht um die Kleine, Christina," erklärte er. "Sie braucht einen Sire, dass wisst ihr." Er blick auf den Boden, als alle nickten. "Also gut," fuhr er fort. "Wer von euch übernimmt die Aufgabe?"

Dwayne hob sofort abwehrend beide Hände. "Ich habe schon Laddie," merkte er an. "Außerdem wäre ich sicher eh nicht der Richtige, nachdem ich sie im Wald angegriffen habe."

Paul grinste. "Ich würde mich gerne um die Kleine kümmern," bot er an. David sah zu Marko hinüber, er wartete auf ein Statement von ihm. "Was ist mit dir?", fragte er, obwohl er die Antwort schon kannte. Auch wenn Marko wesentlich bodenständiger war, als Paul, wäre Paul die bessere Wahl für Christina.

Die Beiden mochten sich und David hatte nicht vergessen, dass es Paul war, den Christina in ihren Träumen sah; zwischen den Beiden musste es eine Verbindung geben, auch wenn David noch nicht erkennen konnte, welche. Er wollte aber trotzdem wissen, wie Marko darüber dachte. "Du wärst eigentlich der nächste, da du älter bist als Paul. Außerdem hat sie dir den Arsch gerettet! Du bist ihr etwas schuldig."

Paul blickte enttäuscht von Marko zu David. "Ich wäre ein guter Sire," versuchte er David zu überzeugen. David legte seine Hand auf Pauls Schulter. "Das weiß ich," antwortete er lächelnd. "Aber Marko ist nun mal vor dir an der Reihe, und ich will zumindest hören, was er zu sagen hat!"

Marko schüttelte den Kopf. "Ich weiß, deine Tochter ist dir wichtig, David," erklärte er. "Aber ich will das nicht machen. Sie ist Stars Tochter, egal, was sie letzte Nacht getan hat. Ich bin ihr dankbar, das kannst du mir glauben, aber nein, ich will nicht! Paul wäre perfekt, denk doch mal nach!"

Laddie blickte etwas verlegen zu David hinüber. "Ich könnte Christinas Sire sein?", bot er schüchtern an. "Ich kenne sie immerhin schon ihr ganzes Leben." David kam nicht dazu, Laddies Frage zu beantworten, denn Christina stand plötzlich im Raum. Sie hatte gehört, was Laddie gesagt hatte.

Entgeistert blickte sie zu den Männern hinüber. "Was um alles in der Welt ist ein Sire?", fragte sie. "Und warum sollte ich sowas brauchen? Und überhaupt, wo bin ich hier?" Fünf Augenpaare blickten sie gespannt an. Marko verdrehte allerdings die Augen. "Typisch, kaum bist du wach, da nörgelst du schon wieder rum," meckerte er. "Siehst du, David, das ist genau was ich meine." Dann wandte er sich wieder an Christina. "Kind, du bist echt eine Nervensäge!"

Christina blickte schmollend zu ihm hinüber. "Was denkst du denn, was du bist? Ich bin kein Kind, hör auf mich so zu nennen," schimpfte sie. "Ich bin mit Sicherheit..." Christina verstummte. Sie war definitiv älter als Marko in Menschenjahren, aber wie lange war der ein Vampir. "Wie alt bist du?", fragte sie ihn schließlich etwas unsicher.

Marko versteckte sein Grinsen hinter der Hand. Dann stand er auf und ging auf Christina zu, sie wich vor ihm zurück, sein Grinsen wurde breiter. "Ich bin einundzwanzig," antwortete er lachend. "Aber ich bin schon seit einigen Jahrzehnten einundzwanzig!"

Christina sah ihn an. Sie öffnete ihren Mund um etwas zu sagen und schloß ihn schließlich wieder. Es gelang ihr nicht, irgenein Wort zustande zu bringen.

David hatte genug. Er wollte endlich alles geregelt haben. Er stand von seinem Stuhl auf und ging auf Christina zu. "Du bist bei uns zu Hause," erklärte er. "Ich hoffe, du hast gut geschlafen."

Christina sah ihn mit großen Augen an und wollte etwas erwidern, aber David hatte sich schon umgedreht und zur Kaffemaschine gegangen. Er füllte Kaffe in eine Tasse und stellte sie auf einem Tisch ab, an dem noch freie Stühle standen.

"Vielleicht setzt du dich erst mal," bat er die junge Frau mit einer einladenden Handbewegung. "Wir sollten uns unterhalten!" Christina seufzte und sah David misstrauisch an, trotzdem kam sie seiner Aufforderung nach und setzte sich zu Laddie an den Tisch. Laddie schob die Tasse zu ihr hinüber.

"Dwayne ist mein Sire," versuchte er das Gespräch zum eigentlichen Thema zurückzulenken. Christina sah ihn entsetzt an und blickte ängstlich zu Dwayne. Der lächelte sie an und sah verlegen zur Seite, als ihm klar wurde, dass Christina sich wieder daran erinnern konnte, was er ihr beinahe angetan hatte. Er hätte sich wirklich zusammenreißen müssen!

"Das heißt, er bringt mir alles bei, was ich wissen muss, jetzt, da ich auch ein...äh, da ich zur Familie gehöre," erklärte Laddie weiter. David sah den jüngsten der Vampire streng an, um ihn zum Schweigen zu bringen, dann setzte er sich ebenfalls an den Tisch.

"Was Laddie meint ist, dass du eine Art Lehrer an die Seite bekommst, wenn du Eine von uns wirst," klärte David sie auf. "Du wirst viele Dinge lernen müssen, und dir alles Wichtige beizubringen, ist die Aufgabe deines Sires!"

Christina sah David total verständnislos an. "Was meinst du damit? Wie werde ich denn Eine von euch?", fragte sie. "Vielleicht will ich das ja garnicht!"

Nun stand Laddie auf und drehte Christinas Stuhl um, damit er sie ansehen konnte. Erschrocken schaute sie in Laddies Augen. "Christina, ich war immer sehr gerne in deiner Nähe! Nein, nicht so, wie du jetzt vielleicht denkst! Es ist nur so, dass du deinem Vater derart ähnlich siehst. Du warst alles, was von dieser Familie hier übrig war, zumindest dachte ich das eine sehr lange Zeit," verriet er.

Christina verstand erst nicht, wovon er da redete, doch dann fiel ihr etwas ein. Hatte Laddie ihr nicht den Namen ihres Vaters genannt? Der hieß doch David, genau wie... Sie drehte sich zu David um, und erst jetzt bemerkte sie, dass er exakt die gleiche Augenfarbe hatte, wie sie selber. David erriet ihre Gedanken und grinste.

Marko sprang von seinem Stuhl auf. "Ist der Groschen denn jetzt endlich gefallen, Kind?", rief er enthusiastisch. "Das wurde Zeit!" Christina sah zu ihm hinüber, dann zu Laddie, dann wieder zu David. Sie fühlte sich total überfordert von der Situation und war schon wieder kurz davor, in Tränen auszubrechen.

David legte sein Hand auf Christinas Wange. "Ich bin dein Vater, deshalb bist du hier," flüsterte er. "Ich möchte dich an meiner Seite haben, hier ist dein Platz, hier bei uns!"

Christina konnte es kaum glauben, David sah so jung aus. "Aber seit ihr nicht alle," begann sie. "Seid ihr alle wie Dwayne und Marko?", fragte sie schließlich. David seufzte, dann nickte er. "Ja, wir sind Vampire, alle, und seit kurzer Zeit auch Laddie," gab er zu. "Und nur dass du es weißt, wir sind es gerne, und das wirst du auch!"

"Aber ich will nicht, ich will nicht..." Christina sagte ihren Satz nicht zu Ende. Sie heulte einfach los. Marko nervte dieses Theater. "Jetzt pass mal auf, Kleines. Ich habe da eine junge Dame kennengelernt, für die unser Laddie hier eine Vorlage für ein Tattoo zeichnen sollte," begann er seine Rede. "Du weißt doch wohl, wovon ich jetzt rede, oder?"

Christina schaute ihn an und nickte verlegen. Marko nickte ebenfalls. "Gut, und was ist auf dieser Vorlage zu sehen?", fragte er. "Ist es nicht ein gewisser Jemand, der dieser jungen Dame immer in ihren Träumen erscheint, und sie rettet?"

Paul sah fragend zu Marko hinüber, denn er war ja der einzige, der diese Vorlage nicht kannte. Marko fuhr aber unbeirrt fort. "Erinnert der gewisse Jemand dich nicht an eine Gestalt, die sich hier im Raum befindet?"

Christina war nun knallrot geworden und blickte sich um. David stand auf und ging zum Kühlschrank. "Danke, Marko, genau das brauchen wir jetzt," schimpfte er.

Christinas Blick klebte an Paul. Der hatte immer noch keine Idee, was da gerade abging. David hatte inzwischen Whisky in sechs Gläser gefüllt nahm zwei davon an sich. Eins drückte er seiner Tochter in die Hand. "Du siehst aus, als könntest du das jetzt brauchen," bemerkte er. "Laddie hol schon diese verdammte Vorlage und zeig sie ihm!"

Paul runzelte die Stirn. Laddie war schnell wieder zurück und drückte Paul seine Zeichnung in die Hand. Dwayne beobachtete schweigend das Geschehen, dann schüttete er sich noch einen Whisky ein und reicht die Flasche an David weiter, der sein Glas ebenfalls in einem Zug gelehrt hatte. Marko grinste Paul an. "Verstehst du jetzt?"

Paul zog die Augenbrauen hoch und betrachtete das Bild mit gerunzelter Stirn, dann pfiff er durch die Zähne und grinste. "Seit wann träumst du von mir, Süße?", fragte er lachend. "Komm schon, das ist kein Grund sich zu schämen," ergänzte er, als er bemerkte, wie verlegen Christina war. Die qualmte eine von Davids Zigaretten nach der Anderen.

Christina blickte zu David hinüber, sie sah ziemlich hilflos aus. "Kann ich auch noch einen haben?", fragte sie schüchtern, bevor sie ihr Glas leer trank. David nickte und griff sich ihr Glas um es aufzufüllen. "Also, wir hören," forderte er seine Tochter auf, Pauls Frage zu beantworten.

Christina wurde wieder rot. Am liebsten wäre sie einfach weggelaufen, aber sie wusste, aus dieser Nummer würde sie nicht so ohne Weiteres rauskommen. Sie seufzte. "Also, kanntet ihr meinen Stiefvater auch?", fragte sie. David nickte. "Ich werde dir alles erzählen," antwortete er. "Aber du bist jetzt an der Reihe!"

Christina schaute verlegen zur Seite und schob David ihr Glas hin, damit er es noch mal auffüllen konnte. Sie mochte eigentlich keinen Whisky, aber das war ihr jetzt egal. Sie spürte schon, dass sie nicht mehr ganz nüchtern war, aber auch das war ihr egal. Sie spürte Wärme in ihrem Bauch vom Whisky, das war garnicht so unangenehm.

"Also gut," begann sie schließlich. "Laddie hat euch sicher erzählt, das meine Beziehung zu Michael schwierig war?" Sie blickte sich im Raum um und studierte die Gesichter der Vampire.

Paul lachte einmal laut auf. "Schwierig ist ja wohl wit untertrieben, Süße," schimpfte er. "Der hat sich dir gegenüber wie der letzte Arsch verhalten!" Christina zuckte mit den Schultern. "Ich habe immer gedacht ich wäre Schuld daran, dass er sich so verhält," gab sie verlegen zu. "Es hat sehr lange gedauert, bis ich kapiert habe, dass ich nichts falsch gemacht habe, denn ich kannte es ja nicht anders."

David ergriff ihre Hände. "Warum bist du nicht gegangen, als du alt genug warst?", fragte er. "Du hast eine gute Ausbildung und ich habe nicht den Eindruck, dass du mit deinem Geld nicht klarkommst."

"Ich wollte meine Geschwister nicht alleine lassen," bekannte sie sich. "Ich habe meiner Mutter versprochen, Michael mit den Beiden zu helfen. Sie waren noch klein, als Mum starb. Sie war sich sicher, dass sich unsere Beziehung daduch bessern würde, aber das ist nie passiert."

David hatte den Kopf gesenkt, sah sie durch die Augenlieder aber trotzdem an. "Laddie hat uns erzählt, dass Michael dich geschlagen hat, als du nach mir gefragt hast. An dem Tag, an dem Star beerdigt wurde, meine ich," unterrichtete er seine Tochter.

Christina nickte. "Ja, das stimmt," bekannte sie. Dann lächelte sie. "Laddie war der einzige, der mich verteidigt hat," berichtete sie. "Die anderen waren alle viel zu beschäftigt, oder es hat sie einfach nicht interessiert. Sam und Lucy waren nicht im Zimmer, sonst hätte Michael sich das nie getraut. Ich war doch erst siebzehn und habe mir bei der Frage nichts gedacht. Ich wollte doch nur deinen Namen wissen, und woher ich komme."

Christina hatte erneut ihr Glas gelehrt und ihre Zurückhaltung wich immer mehr von ihr. Sie wollte es erneut in Davids Richtung schieben, aber Paul war inzwischen aufgestanden und hielt sie davon ab. "Ich habe hier etwas besseres," sagte er und hielt ihr einen Joint vors Gesicht.

Christina wich etwas zurück. "Das gibt aber kein gutes Vorbild," tadelte sie Paul, doch der lachte. "Mag sein," antwortete er. "Aber das gibt auch keine Hörner," rechtfertigte er sich. "Das da schon," fügte er hinzu und deutete auf die Whiskyflasche. "Komm schon Chrissy, wir passen schon auf dich auf!"

Marko lachte. "Ja sicher," rief er amüsiert. "Vor allen Dingen du!" Dwayne lacht ebenfalls. "Paul hat aber Recht, wenn sie morgen keine Kopfschmerzen haben möchte, ist seine Medizin definitiv besser," verteidigte er Paul.

David seufzte und hielt die Hand fest, in der Paul den Joint hielt. Er nahm ihn und zündete ihn an. Paul protestierte und nahm ihn David wieder weg, nachdem der einen Zug genommen hatte. "Wo sind deine Manieren, big daddy?", witzelte er. "Ladies first, oder?"

Er reichte Christina den Joint. "Du musst es ein wenig einhalten," erklärte er. Christina war es mittlerweile egal, sie hatte keine Angst mehr vor den Vampiren, außer vielleicht vor Dwayne. Sie machte, was Paul ihr geraten hatte und gab den Joint an Laddie weiter. "Macht ihr das öfter?", fragte sie.

"Manchmal," gab Paul grinsend zu. "Aber du warst noch nicht fertig mit deiner Geschichte," merkte er an, dann hob er Christina von ihrem Stuhl, setzte sich selber drauf und zog sie auf seinen Schoß. Die junge Frau schrie vor Schreck und Verwunderung einmal kurz auf.

Paul grinste sie frech an. "Na los, erzähl weiter," bat er sie. David verdrehte genervt die Augen, die drei Anderen amüsierten sich nur über Pauls Verhalten. Christina wollte es einfach nur hinter sich bringen. Alles sprudelte aus ihr heraus, sie hörte garnicht mehr auf zu erzählen und sie ließ nichts aus.

Christina machte eine kurze Pause. "Naja, und seit ich in Santa Carla wohne, erscheinst du jedesmal am Ende dieser Alpträume und lächelst mich an," schloss sie ihren Bericht. "Aber du siehst anders aus!"

Paul kicherte. "Etwa so?", fragte er und zeigte sein Vampirgesicht. Christina sprang entgeistert von seinem Schoß. "Verdammt, lass den Scheiß!", rief sie und wich vor ihm zurück. "Christina," beschwor Paul sie. "Wenn ich dich verletzen wollte, hätte ich das längst tun können!"

Christina sah ihn genervt an, und ließ sich von ihm auf den Schoß zurückziehen. Er hatte wieder sein menschliches Gesicht aufgesetzt. "Obwohl, wenn ich mir das recht überlege," sagte er amüsiert, nachdem er an Christinas Hals geschnuppert hatte. "Du riecht verdammt gut!"

"Paul," riefen die anderen gleichzeitig. "Sie hat Recht," motzte David. "Lass den Scheiß!" Dann grinste er seine Tochter an. "Du bist augewacht und hast unter der Decke geschwebt?", fragte er amüsiert. "Einer der Vorteile, die wir genießen, es macht Spaß. Du wirst es schon bald kontrollieren können, stimmts Laddie?"

Laddie nickte, als Christina interessiert zu ihm herüber linste. "David sagt die Wahrheit, es macht Spaß!" "Aber ihr tötet Menschen," stellte Christina fest. "Ich möchte das nicht."

David nahm ihre Hände in seine. "Es gibt viele sehr schlechte Typen da draußen, das kannst du mir getrost glauben," erklärte er. "Stell dir einfach vor, du bist in der Lage Vergewaltiger, Kinderschänder und andere Gestalten auszuschalten. Wäre das wirklich ein großer Verlust?"

Dann wurde er sehr ernst. "Aber eigentlich haben wir eine Entscheidung zu treffen," erinnerte er alle an das ursprüngliche Thema des Abends. "Wenn du wählen könntest, wer wäre dann dein Mentor?" David war sich sicher, dass Christina Paul auswählen würde.

Christina blickte sich im Raum um und wurde wieder verlegen. "Ich würde Paul wählen," gab sie schließlich zu. "Ich glaube damit könnte ich klarkommen. Und vielleicht Laddie. Es ist richtig, ich kenne ihn schon mein ganzes Leben und vertraue ihm." Dann lachte sie plötzlich. "Er hat mir seinen Mucki geschenkt, als ich geboren wurde. Den habe ich heute noch," gestand sie.

Die drei anderen Vampire sahen verständnislos von Christina zu Laddie. "Wer oder was ist Mucki?", fragte Marko schließlich. Laddie grinste. "Dwayne hat damals am Boardwalk einen Teddy für mich gewonnen," klärte er seine Freunde auf.

"Jau," sagte David nur und stand plötzlich mit der Whiskyflasche in der Hand vom Tisch auf. Er schenkte allen davon ein. "Paul, bist du bereit, ihr Sire zu werden?", fragte er mit seinem typischen, verwegenen Lächeln. Als Paul nickte, grinsend, prostete David allen zu. Dann blickte er zu Laddie hinüber. "Du bist für diese Aufgabe eigentlich zu jung, aber ein kleines Bißchen von dir kann sicher nicht schaden," sagte er lachend. "Aber Paul ist der Boss, klar," fügte David lachend hinzu. Laddie nickte überrascht, aber erfreut.

David wandte sich an seine Tochter. "Komm her zu mir, Kind," bat er und hielt Christina seine Hand hin und wartete, bis sie neben ihm stand. Er blickte zu ihr hinunter. "Ich sag dir, wie wir das machen," erklärte er. "Ich will ehrlich zu dir sein. Ich will nichts überstürzen, also schlage ich vor, dass dein zukünftiger Mentor, oder besser gesagt, deine Mentoren mit dir in deine Wohnung fahren. Du packst ein paar Sachen ein und verbringst einige Nächte mit uns, und dann sehen wir weiter. So können wir uns kennenlernen und du wirst schnell feststellen, dass wir hier alle Freunde sind!"

Christina schaute David an. "Ich habe meine Tasche im Wald verloren," gestand sie besorgt. "Da ist mein Schlüssel drin, und..." Dwayne hielt einen Gegenstand hoch. "Meinst du diese Tasche", fragte er lächelnd. Christina nickte glücklich.

Sie hatte nicht mitbekommen, dass Paul kurz den Raum verlassen hatte, gemeinsam mit Laddie. David hatte die Beiden per Telephatie angewiesen, etwas von ihrem Blut in eine halbleere Weinflasche zu füllen. David brachte es einfach nicht fertig, mit offenen Karten zu spielen, weil er befürchtete, sein Kind zu verlieren. Dieses Risiko wollte er nicht eingehen.

Christina sah verwundert auf die Flasche, die Paul ihr hinhielt, nachdem sie Davids Idee zugestimmt hatte. Er war immerhin ihr biologischer Vater, und er war an ihr interessiert. Sie wollte ihn kennenlernen, diesen Wunsch hatte sie schon ihr ganzes Leben.

"Wein," sagte David lächelnd. "Gute Idee, Paul. Lasst uns anstoßen." David füllte etwas von dem Wein in die Gläser der Vampire, aber Christina bekam eine größere Menge. "Auf unsere Familie," sagte David. "Auf Chrissy!"

Als die Gläser gelehrt waren, nickte er Paul und Laddie zu, und einige Minuten später saß Christina auf dem Rücksitz von Pauls Motorrad, um wie besprochen eine Tasche für einige Tage zu packen. Sie war gespannt, wie diese Tage verlaufen würden. Sie hatte erklärt, dass sie arbeiten müsste, aber David hatte ihr geraten, sich einfach krank zu melden.

Trotz der angespannten Situation, in der Christina sich befand, genoss sie die Fahrt auf dem Motorrad. Sie war sich nicht sicher ob sie sich freuen sollte, dass sie nun bei ihrem Vater war, oder nicht.

Nie hätte sie es für möglich gehalten, dass Vampire exestieren könnten. Als ihre Mutter ihr damals von David erzählt hatte, hatte sie die Geschichte nicht ernst genommen.

Die Fahrt war für Christinas Geschmack viel zu schnell vorrüber. Paul erriet ihren Gedanken und lächelte. "Du wirst noch oft die Gelegenheit haben," tröstete er sie. Christina kramte den Hausschlüssel aus ihrer Tasche und ging umgehend zur Tür.

Paul und Laddie standen noch bei ihren Motorrädern und Paul wollte Christina gerade eine Zigarette anbieten, da erblickte er zwei Gestalten, die auf Christina zugingen.

Er eilte sofort zu ihr hinüber und verhinderte, dass die beiden Männer zu ihr gelangen konnten. "Michael Emerson, was für eine nette Überraschung," begrüßte er Michael und grinste Sam an.

Gleichzeitig setzte Dwayne die immernoch schlafende Zoe auf der Treppe vor ihrem Haus ab. David wartete bereits einige Meter entfernt. Er ließ Zoe wieder aufwachen und löchte die Erinnerung an den Besuch von Laddie und Dwayne aus ihren Gedanken. David hatte keine Verwendung mehr für diese Frau!