"The Lost Boys 1987" Eine junge Frau hat sich ihr ganzes Leben lang gefragt, warum ihre Familie nicht über ihren leiblichen Vater sprechen möchte. Christina will nur wissen, wer sie wirklich ist und warum ihr Stiefvater sie so sehr hasst! Deshalb verlässt sie nach einem schrecklichen Vorfall ihre Familie und versucht, in Santa Carla ein neues Leben aufzubauen. Sie bekommt Hilfe von Zoe, der jüngeren Schwester von Edgar und Alan Frog.

Übernatürliche Familien

Donald betrat den Raum, den Marko soeben mit Christina verlassen hatte. Er konnte es absolut nicht fasse, ausgerechnet diese liebenswerte junge Frau war die Tochter von diesem gerissenen Vampir, von dem Carl Owens, der Bürgermeister ihm erzählt hatte.

Christina würde dann ja wohl in den nächsten Tagen ihren Job bei den Boardwalkkids kündigen, wenn die Vampire sie in ihren Fängen hatten. Vielleicht wäre sie ja in der Lage, mehr Stunden bei Donald in der Billardhalle zu arbeiten, wenn die Blutsauger das zulassen würden. Donald mochte Christina, so wie auch seine Kunden. Die junge Frau machte ihre Arbeit gut und sie konnte ja schließlich nichts für ihre Herkunft. Aber er würde halt abwarten müssen.

Donald wunderte sich ein wenig über seine eigene Wahrnehmung, denn erst als sie mit diesem Vampir den alten Schlachthof verlassen hatte, war ihm aufgefallen, dass der Geruch dieser blutsaugenden Kreaturen an ihr haftete.

Eigentlich hätte er sofort erkennen müssen, dass sie irgendwie zu denen gehörte, denn sein Geruchssinn war ebenso sensibel, wie der eines Vampirs, auch wenn er einer andere Spezies angehörte. Naja, möglicherweise hing das damit zusammen, dass am Boardwalk und der näheren Umgebung so viele verschiedene Düfte in der Luft hingen. Das konnte einem schon mal die Sinne vernebeln.

Trotzdem, solche Fehler konnte er sich nicht leisten, dass könnte ihn leicht sein Leben kosten! Christina war eigentlich der Feind seiner Art, zumindest gehörte sie zum Rudel der Feinde. Werwölfe und Vampire hassten sich eigentlich! Im Normalfall waren Werwölfe und Vampire sehr territorial und würden ein Gebiet, dass sie für sich beanspruchten, bis aufs Blut verteidigen. Schließlich mussten sie sich das "Futter" teilen.

In Santa Carla jedoch gestaltete sich die Sachlage etwas anders. In dieser Stadt hatten beide Spezies sich schon vor vielen Jahrzehnten, lange bevor Donald zum Werwolf wurde, arrangiert.

In Santa Carla strandeten jedes Jahr massenweise Ausreißer und andere Gestalten, die oft garnicht gefunden werden wollten, und die meist auch von niemandem vermisst wurden. Dazu kammen dann noch die vielen Touristen, das Nahrungsangebot in dieser Stadt war also mehr als üppig.

Owens, der schon ewig Bürgermeister dieser Stadt war, und Max, der ehemalige Vampirboss, schenkten sich zwar nichts, konnten sich aber schließlich doch darauf einigen, welche Spezies welches Gebiet bekam.

Der Boardwalk selber war eine neutrale Zone, dort wurde nicht gejagt. Es gab natürlich die Möglichkeit, potentielle Opfer in das eigene Gebiet zu locken, und dann dort zuzuschlagen, aber solange die Menschen auf dem Boardwalk blieben, waren sie sicher, zumindest was die übernatürlichen Kreaturen dieser Stadt anging.

Das hatte auch immer relativ gut funktioniert, und selbst die vier Punks, die Max' Gefolgschaft waren, hatten sich immer an diese Regel gehalten. Es gab schon ab und zu Gerangel, wenn Owens junge Wölfe auf diese vier Biker trafen, das war alles.

Donald wusste natürlich nicht, dass damals genau diese vier Vampire die Surf Nazis, eine sehr ungeregelte Gruppe unter Owens jungen Wölfen, getötet hatten. Das konnte geschehen, weil diese die Lost Boys, so nannten die vier Vampire sich, ständig provozierten. Die Surf Nazis machten sich einmal zuviel einen Spaß daraus, die junge Frau, die damals zu den Vampiren gehörte, zu belästigen und danach eine Party am Strandabschnitt der Vampire zu feiern.

Carl Owens war damals ehrlich gesagt froh darüber, dass er diese Truppe loswar, trotzdem ließ er sich "diesen Verlust" von Max bezahlen. Der Obervampir war steinreich und hatte nun mal dafür zu sorgen, dass seine Söhne, wie er die vier jüngeren Vampire immer nannte, sich entsprechend verhielten.

Murrend hatte Max damals die geforderte Summe bezahlt, er war aber dabei, sein Rudel umzustrukkturieren. Dazu brauchte er die Lost Boys noch. Danach hatte Max geplant, die Vier von der Bildfläche verschwinden zu lassen. Das war nicht ganz einfach für ihn, besonders wenn es um David ging, dessen Sire er war, aber er war stärker, da er schon sehr alt war.

Tja, tatsächlich verschwand dann aber im Jahre 1987 Max als einziger für immer von der Bildfläche. Carl Owens dachte, dass das gesamte Rudel der Vampire ins Gras gebissen hatte und war zunächst einmal froh darüber, aber diese Freude hielt nicht allzulange an.

Es stellte sich heraus, dass andere Vampire versuchten, sich in Santa carla niederzulassen, und diese Kreaturen waren wild und kein Bißchen kooperationsbereit. Die Werwölfe hatten damals jede Menge Arbeit damit, diese wilden Vampire wieder aus der Stadt zu jagen oder zu erledigen.

Dann geschah etwas, womit niemand gerechnet hatte. David, der älteste Sohn von Max kehrte aus seinem Grab zurück, und nach einigen Jahren waren alle vier Lost Boys wieder da.

Auch wenn Owens das nicht gerne zugab, er war geradezu erleichtert. Er wusste, dass nun keine fremden Vampire mehr in die Stadt kommen würden. Es war offensichtlich ein Gesetz unter Vampiren, dass wenn ein Rudel in einer Stadt ansässig war, kein anderes Rudel Anspruch auf dieses Gebiet erheben würde. Niemand wollte einen Krieg. David war jetzt der Obervampir, und Santa Carla gehörte somit ihm!

Allerdings wusste Owens auch genau, dass Davids Einfuß und Macht nicht im entferntesten an die seines Vorgängers heranreichte, und das machte er sich natürlich zunutze und schränkte die Rechte der Vampire ein. David akzeptierte das schießlich widerwillig, nachdem das Stadtoberhaupt ihn daraufhingewiesen hatte, dass Vampire während des Tages sehr verletzlich waren. Außerdem waren die Wölfe in der Überzahl.

Carl machte David deutlich, dass es ihm freistünde, mit seinen Leuten die Stadt zu verlassen, aber das wollte David natürlich nicht. Santa Carla war das zu Hause der Lost Boys, und wo sollten sie auch sonst hingehen?

Dass Carl die Rechte der Vampire beschnitt, ärgerte David gewaltig, aber er wusste auch genau, dass sich das Blöatt eines Tages wenden würde. Er musste nur Geduld haben. Tja, und so wie es aussah, war der Tag nun gekommen. Bill und Ted waren in der Stadt, und die jagten Werwölfe! Die beiden Männer waren in der Vergangenheit sehr effektiv, was diese Jagd betraf.

Bill und Ted scheuten kein Risiko und waren gnadenlos, und jetzt hatten die Beiden vor Carls Rudel auszulöschen, das Rudel, zu dem auch Donald und seine Familie gehörten.

Sammy, Donalds Frau, war Teds Tante. Ihretwegen jagte der Mann Werwölfe. Er dachte, dass diese Kreaturen seine Tante getötet hatten. Tatsächlich war sie aber gebissen worden und musste daraufhin ihre menschliche Familie verlassen, da sie nun zum Rudel gehörte. Es geschah nicht häufig, dass Werwölfe ihr angestammtes gebiet freiwillig verließen, aber Sammy wollte etwas von der Welt sehen, was außerhalb der Vollmondphase auch kein Problem darstellte. In Edinbugh traf sie auf Donald und die beiden verliebten sich. Donald wursde von Sammy gebissen, und folgte ihr schließlich nach Santa Carla.

Ted, dieser Idiot, wie Donald ihn immer nannte, obwohl er ihn nie getroffen hatte, hatte großes Glück, dass Donald sich im Rudel behaupten konnte, und dass Carl Donald blind vertraute. Sammy zuliebe überzeugte Donal Carl schließlich davon, dass es vielleicht ein geschickter Schachzug wäre, wenn man diese beiden erfolgreichen Jäger im Rudel integrieren würde, statt sie zu töten.

Dieses Leben hatte immerhin einige sehr angenehme Nebeneffekte. Zwar waren Werwölfe nicht wirklich unsterblich, so wie die Vampire, aber je besser diese Kreaturen sich ernährten, umso langsamer vollzog sich der Alterungsprozess. Werwölfe konnten verdammt alt werden. Carl Owens hatte schon fast dreihundert Jahre auf dem Buckel und sah keinen Tag älter aus al fünfundfünfzig.

Dazu kam, dass ein intelligenter, vorausschauend agierender Rudelführer Macht und Ansehen in einer Stadt erlangen konnte, und das war in Santa Carla der Fall. Owens hatte viele soziale Projekte in der Stadt mit begründet, und finanzierte sie zu großen Teilen, genau wie Max seinerzeit. Es war oberste Priorität, nicht aufzufallen.

In Santa Carla war der Rudelführer auch gleichzeitig Bürgermeister, in diesem Fall hatte Max damals eine Niederlage einstecken müssen, den er hatte ebenfalls für diese Position kanditiert. Es sah zunächst garnicht mal schlecht aus für den Vampir, aber die Tatsache, dass er während des tages indisponiert war, brachte dem Werwolf den Posten.

Trotzdem konnte Max für die Vampire faire Absprachen rausschlagen. Im Gegenzug sorgte er dafür, dass seine Söhne die Regeln nicht missachteten, und obwohl schon seit Jahren das Zeitliche gesegnet hatte, hielten diese Biker sich auch heute noch daran.

Der Vampir mit der rotblonden Lockenmähne hätte Ted töten können, er hatte eigentlich keinen Grund, das nicht zu tun, aber Ted war nicht tot. Ted lag ohnmächtig auf dem Boden. Er hatte eine Platzwunde am Kopf und eine Bisswunde am Hals. Das würde dieser Idiot schon überleben.

Donald warf sich Ted über die Schulter, wie einen Sack Kartoffeln und verließ das Gebäude. Draußen blieb er kurz stehen. Seine Augen blitzten silbern auf und er heulte halb in einen Werwolf verwandelt in die Nacht. Es war so, dass ein Werwolf sich verwandeln konnte, wann immer wollte, aber bei Vollmond geschah es einfach, darauf hatten diese Kreaturen keinen Einfluß.

Durch das Heulen hatte Donald seinem Rudel mitgeteilt, dass er Ted hatte. Nun mussten die Wölfe nur noch Bill ergreifen. Während Donald Ted in sein Auto verfrachtete, hielt mit quitschenden Reifen ein schwarzer Van neben Bill, der gerade das Haus verlassen hatte, um nach Ted zu suchen. Die hintere Türe des Van wurde aufgestoßen und Bill wurde in das Fahrzeug gezogen. Bevor er wusste, wie ihm geschah, schlug ihn jemand mit einem Gegenstand nieder.

Eine Nacht später erlebten Christina, Paul und Laddie eine große Überraschung. Sie waren gerade an dem Haus angekommen, in dem Christina wohnte. Sie wollten dort, wie zuvor besprochen einige Christinas Sachen holen, nachdem sie sich einverstanden erklärt hatte, einige Zeit mit ihrem Vater und dessen Familie zu verbringen.

Sie wusste sehr wohl, dass es vielleicht sinnvoller wäre, soweit wie möglich von diesen Kreaturen wegzulaufen, aber sie ware einfach viel zu neugierig. Sie wollte ihren Vater kennenlernen. Und wenn sie ehrlich war, musste sie außerdem zugeben, dass sie Paul mochte, mehr als wohl gut für sie war.

Paul war gerade von seinem Motorrad gestiegen und Christina hatte schon die Hälfte des Weges zur Haustür zurückgelegt, da fragte Laddie plötzlich:" Hey, wer sind die denn?"

Paul hatte die beiden Männer nicht bemerkt, weil er nach seinem Feuerzeug gesucht hatte, um die Zigarette anzuzünden, die zwischen seinen Lippen hing. Christina hatte nicht auf das fremde Auto geachtet, weil sie auf dem Weg zur Haustür in ihrer Tasche nach dem Haustürschlüssel gesucht hatte.

Paul folgte Laddies Blick und lachte einmal auf. Dann sprang er von seiner Maschine und ging zu Christina hinüber, bevor die beiden Männer sie erreichen konnten. Die beiden Männer regestrierten Paul und blieben stehen, aber Christina hatte die Beiden nun ebenfalls bemerkt und wollte an Paul vorbei gehen, aber der hielt sie zurück. "Du bleibst schön hinter mir," sagte er harsch und starrte die beiden Männer an.

Es waren Michael und Sam Emerson. Verachtung war in Pauls Blick. Er verachtete Michael nicht, weil er damals gegen die Vampire gekämpft hatte, und auch nicht, weil er daran beteiligt war, die Lost Boys derart lange außer Gefecht zu setzen. Paul wusste genau, dass Michael damals nur seine Familie beschützen wollte. Das hätte Paulö auch getan.

Der Vampir verachtete diesen Mann, weil er derart gehässig zu Christina gewesen war. Sie hatte Michael nie etwas getan, sie gehörte zu seiner Familie. Er hätte sie beschützen müssen, aber nein, dieses Arschloch hatte der jungen Frau statt dessen das Leben zur Hölle gemacht.

Paul war sich natürlich bewusst darüber, dass er auch zu seinen Opfern gemein war, manchmal, aber niemals würde er etwas derartiges einem Familienmitglied antun. Die eigene Familie war tabu, auch die menschliche.

Christina war jetzt Pauls Kind, ein Teil von ihm! Er würde alles notwendige tun, um sie zu beschützen, und er würde sie nie wieder hergeben! Am liebsten hätte sich Paul auf Michael gestürzt und ihm die Kehle rausgerissen, aber Paul war nicht dumm, er musste sich zurückhalten, für Christina.

Auch wenn Michael die junge Frau schlecht behandelt hatte, er war dennoch ein Teil ihrer menschlichen Familie. Michael hatte zwei Kinder, Christinas Halbgeschwister. Sie liebte die Beiden sehr. Christina war ohne ihren leiblichen Vater aufgewachsen, und Paul wusste, dass sie ihren Geschwistern dieses Schicksal ersparen wollen würde.

Laddie war mittlerweile ebenfalls von seinem Motorrad abgestiegen und stand neben Paul, der Christina hinter sich geschoben hatte. Beide Vampire starrten immer noch auf Sam und Michael, die ihrerseits einfach völlig überrascht waren. Sie wussten ja, dass die Lost Boys zurück waren, aber sie hatten absolut nicht damit gerechnet, Christina in deren Gesellschaft anzutreffen.

Christina linste hinter Pauls Rücken hervor und versuchte noch immer, an ihm vorbeizukommen, aber er ließ das nicht zu. Der große, blonde Vampir grinste die Emerson Brüder an. "Michael, Sam, lange nicht gesehen," brach er schließlich mit todernster Miene das Schweigen. "Was verschafft uns denn die Ehre?"

Michael fehlten die Worte. "Wir sind hier, um seine Tochter nach Hause zu holen," antwortete Sam an seiner Stelle und zeigte auf seinen Bruder. Paul und Laddie sahen sich an und grinsten.

"Seine Tochter, tatsächlich?", fragte Laddie amüsiert. "Wieso glaubt ihr, dass sie mit euch gehen würde?"

"Sie gehört nicht hierhin," spie Sam erbost und blickte zu seinem Bruder. "Könntest du vielleicht aufhören so blöde zu glotzen, und auch was dazu sagen!? Du schuldest ihr eine Entschuldigung!" Michael sagte jedoch nichts, er starrte Paul nur mit offenem Mund an.

Michael konnte garnicht beschreiben, was er fühlte. Irgendwie war er erleichtert, dass Paul tatsächlich lebendig vor im stand, aber auf der anderen Seite natürlich auch wieder nicht. Michael wollte damals in erster Linie seine Menschlichkeit zurück, er hatte nicht die Absicht die Vampire zu töten, aber einen anderen Ausweg hatte er in jener Nacht auch nicht gesehen.

Nun fürchtete er wohl haptsächlich Pauls Rachegelüste. Michael wusste absolut nicht, wie er Paul einschätzen sollte, was hatte der Vampir im Sinn? Michael hatte miansehen müssen, wozu Paul und auch die drei anderen Vampire fähig waren. Und überhaupt, was hatte Laddie mit denen zu schaffen?

Laddie sah völlig anders aus, als Michael ihn in Erinnerung hatte. Für Michael war klar, dass Laddie kein Mensch mehr war, seine Art sich zu bewegen verriet ihn. Auf jemanden, der nie mit Vampiren zu tun gehabt hatte, würde diese Bewegungen einfach grazil wirken, fast wie die eines Ballettänzers. Michael jedoch wusste es natürlich besser.

Laddie bewegte sich in seinen Augen katzenartig und auch sein Blick hatte sich verändert; es war der Blick eines Raubtieres, dass seiner Beute auflauerte und nur den passenden Moment abwartete um zuschlagen zu können.

Michael sah zu Boden und seufzte, dann blickte er an Paul vorbei auf Christina. "Sam hat Recht," erklärte er. "Wir wollen dich mit nach Hause nehmen. Robin und Denise vermissen dich sehr! Und ich möchte mich bei die in aller Form entschuldigen, bitte lass uns reden!"

Christina hatte genug gehört, und als Paul seinen Arm, der sie bisher zurückgehalten hatte, hochnahm, um Michael einen Vogel zu zeigen, nutzte sie die Gelegenheit, um endlich an Paul vorbei zu kommen. Paul versuchte noch, sie am Arm festzuhalten, aber er griff ins Leere und fluchte.

Paul schickte eine Botschaft in die Gedanken der drei anderen Vampire. "Wir haben unerwarteten Besuch," teilte er ihnen mit und zeigte ihnen Michael und Sam.

Paul hatte vergessen, dass Christina nun ein waschechter Halbvampir war, und somit schneller als zuvor. Es machte ihn wütend, dass sie es tatsächlich geschafft hatte, an ihm vorbei zu kommen, als er jedoch sah, dass sie sich selbstsicher vor Michael aufbaute und offensichtlich stinkesauer war, war er auch etwas stolz und lächelte.

Christina konnte wirklich nicht glauben, dass Michael es sich tatsächlich wagte, ihr einen derartigen Vorschlag zu unterbreiten, nach allem, was er ihr angetan hatte. Was bildete der sich eigentlich ein. Dieser Mann hatte Nerven, er hatte ihr das Leben zur Hölle gemacht, solange sie denken konnte. Glaubte er allen Ernstes, dass er ihr eine billige Entschuldigung präsentieren könnte, und alles wäre vergessen?

"Du wagst es tatsächlich zu mir zu kommen?", schrie sie ihn an und blickte hasserfüllt in seine Augen. "Du bist wohl überfordert mit den Kleinen! Das ist doch alles, was du von mir willst! Ich habe dich doch noch nie interessiert! Lass mich gefälligst in Ruhe, und sie zu wie du klar kommst!"

Michael sah Christina entsetzt an. Er hatte natürlich damit gerechnet, dass sie nicht sonderlich erfreut sein würde, ihn zu sehen, aber mit dieser Reaktion hatte er nicht gerechnet. Sie hatte sich verändert. Es war nicht nur die Tatsache, dass sie endlich den Mut hatte, sich gegen ihn zu wehren, nein, sie wirkte auf Michael, wie ihre Mutter, damals, als sie noch ein Halbvampir war.

Sam blickte genauso schockiert auf Christina, wie sein Bruder. Sam war sich sicher, dass er etwas gelbes in Christinas Augen aufblitzen gesehen hatte, und hatten ihre Schneidezähne sich nicht gerade verändert? Es war genauso schnell wieder vorbei.

Sam und Michael blickten hilflos in Pauls Gesicht, doch der stand nur da, hatte die Arme vor der brust verschränkt und grinste. Schließlich schüttelte Paul den Kopf und ging auf Sam und Michael zu. Er blieb neben Christina stehen und legte den Arm um ihre Schulter. Christina blickte zu ihm hoch und lächelte.

"Michael, Michael, Michael," sagte der Vampir schließlich. "Sie besitzt natürlich die Freiheit zu gehen, wohin sie möchte, aber ich glaube, es wäre nicht gesund für euch, wenn sie wirklich mit euch gehen würde. Außerdem, wenn ich ehrlich sein soll, ich möchte die Kleine auch nicht so gerne wieder hergeben! Sie ist jetzt mein Kind, und seins." Paul zeigte mit seinem Daumen über seine Schulter auf Laddie.

Sam musterte Laddie. "Wie kannst du es nur wagen?", fragte er vorwurfsvoll. "Wir haben damals unser Leben riskiert, um dich zu retten, und sieh dir nur an, was aus dir geworden ist! Du bist ein Monster, genau wie die!"

Laddie näherte sich nun ebenfalls und blieb neben Christina stehen. Er tat es Paul gleich und legte einen Arm um Christinas Schulter. "Weißt du Sam, deine Sichtweise ist schon ziemlich beschränkt," warf er ein. "Ich war zwar nur ein kleiner Junge, damals, aber wenn ihr mich gefragt hättet, hättet ihr gewusst, dass ich bei meiner Familie bleiben wollte. Dwayne war wie ein Vater zu mir, ein ziemlich guter übrigens. Ich habe die Jungs geliebt, und ihr habt sie getötet! Ich habe mich viele Jahre lang selber belogen. Ich habe mir eingeredet, dass ich großes Glück hatte, weil ich wieder ein Mensch sein konnte. Aber wie ich schon sagte, das war eine Lüge, die ich geglaubt habe, weil man das von mir erwartet hat."

Sam wollte einen bissigen Kommentar von sich geben, aber Laddie ließ ihn nicht zu Wort kommen. "Das Blut meiner unsterblichen Familie ist immer in mir geblieben, und alles was ich jemals wollte, ist, dass ein Wunder geschieht, und sie zurück kommen! Und wie du siehst, wurde mir dieser Wunsch tatsächlich erfüllt. Ich habe in den vergangenen zehn Jahren garnichts mehr gefühlt, ich war quasi tot, aber das hat sich nun geändert."

Sam schaute ihn traurig an. "Du hättest mit uns reden können," antwortete er. Laddie schüttelte den Kopf. "Ihr hättet nie verstanden, was wirklich in mir vorgeht," erklärte er. "Und es hätte ja auch nichts geändert. Ich dachte ja, meine Familie sei tot, verloren für mich. Ich weiß übrigens, dass Star das ganze ähnlich gesehen hat. Ich war überglücklich, als ich vor einiger Zeit erfahren habe, dass das ein Irrtum ist. Tja, und wenn ich mir deinen Bruder ansehe, frage ich mich, ob es ihm nicht genauso geht. Schließlich fließt das gleiche Blut durch seine Adern, wie durch meine!"

Sam blickte zu Michael hinüber und dachte daran, was sein Bruder ihm während der letzten Pause auf dem Weg nach Santa Carla gestanden hatte. "Du hast ja keine Ahnung," sagte er schließlich. "Aber das ändert nichts!" Tatsächlich fragte Sam sich nun aber, ob Michael völlig unschuldig an alledem war. Er hatte das Vampirblut vor all den Jahren nicht freiwillig getrunken. Die Vampire hatten ihn reingelegt. War dieses Gift denn wirklich immer noch in Michaels Adern? Konnte das wirklich möglich sein?

Michael räusperte sich und wollte gerade etwas sagen, aber Christina kam ihm zuvor. Sie schaute zu Paul hoch. "Wie meinst du das? Wieso bin ich jetzt dein Kind?", fragte sie irritiert.

Paul grinste sie selbstsicher an. "Du erinnerst dich an unser Gespräch über die Sache mit dem Sire?", fragte der große, blonde Vampir fröhlich. Christina nickte verwirrt. "Okay," fuhr Paul fort. "Laddie und ich, wir sind jetzt deine Sires. Ganz so, wie du es dir gewünscht hast."

Sam und Michael sahen sich entsetzt an. Sie hatten eine genaue Vorstellung von dem, was Paul gerade zugegeben hatte. Dieses Arschloch schien das ganze wirklich zu genießen. Christina war nun aufgewühlter, als zuvor. Sie verstand nun garnichts mehr. "Wie ist das denn passiert?", hinterfragte sie. "Es hat sich doch garnichts geändert, seit diesem Gespräch!"

Paul lachte laut los. "Oh doch, Süße," sagte er, als er sich wieder beruhigt hatte. "Alles hat sich verändert. Das macht mich im Übrigen zum glücklichsten Vampir auf diesem wunderbaren Planeten! Frag doch mal deinen Stiefvater hier, wie das läuft. Er erinnert sich mit Sicherheit noch daran!"

Paul war mit seinr Ausführung eigentlich noch nicht fertig, aber Sam, der nun kreidebleich geworden war, fiel dem Vampir ins Wort.

"Ihr habt sie genauso reingelegt, wie meinen Bruder damals," flüsterte er und versuchte Christina aus dem Griff der Vampire zu ziehen. Paul jedoch grinste Sam nur siegessicher an und hielt Christina zurück. "Du bist garnicht so dumm, wie ich gedacht habe,Kleiner," antwortete er lachend.

Laddie blickte Christina schuldbewusst an. Er hoffte wirklich, dass Sam und Michael keine Pfähle oder Weihwasser bei sich hatten. Er fand, dass Paul sich ziemlich weit aus dem Fenster lehnte und die ganze Geschichte etwas zu lustig fand. Aber das war eben Pauls Art.

Christina schaffte es endlich, sich aus Pauls und Laddies Griff zu befreien und ging einige Schritte rückwärts. Aus ihrem Gesicht war alle Farbe gewichen. Sie fixierte Paul mit ihrem Blick. "Wovon redet ihr alle?", fragte sie wütend. "sagt mir endlich die Wahrheit! Was habt ihr mit mir gemacht?"

Michael fasste sich nun endlich ein Herz und wollte seine Stieftochter über die hinterhältige Vorgehensweise der Vampire aufklären. Er ging um Paul und Laddie herum, legte seine Hand auf Christinas Schulter und seufzte. "Sie mischen ihr Blut in Wein, und geben ihn dir zu trinken," erklärte er und zeigte auf Paul und Laddie. "Haben sie dir Wein gegeben?"

Christina sah Michael schockiert an, Tränen liefen über ihr Gesicht. Sie war so enttäuscht, wütend und total frustriert, als sie begriff, das Paul und selbst Laddie, den sie wie einen Bruder liebte und dem sie vertraute, sie derart hintergangen hatten.

christina schlug Michaels Hand von ihrer Schulter und zog ihren Scvhlüssel aus der Tasche, während sie weiter rückwärts ging. Sie wollte nur noch weg und endlich ihre Ruhe haben. Sie war verletzt und fühlte sich verloren und von allen betrogen.

"Ich habe es so satt," schrie sie den Anwesenden entgegen. "Wieso glaubt ihr eigentlich alle, dass ihr mit mir machen könnt, was ihr wollt? Ich habe keine Lust mehr auf eure dämlichen Spiele und gemeinen Tricks! Lasst mich endlich in Ruhe, ich will euch alle nicht mehr sehen!"

Dann drehte sie sich um und lief zur Haustür. Ihre Hände zitterten, als sie versuchte, den Schlüssel ins Schlüsselloch zu stecken. Schließlich schaffte sie es, sie knallte die Türe wütend hinter sich zu, ohne die Männer weiter zu beachten. In ihrer Wohnung warf sie sich aufs Sofa und ließ den Tränen freien Lauf.

Paul sah Michael wütend an. "Gut gemacht, Emerson," fluchte er. Sam blickte auf die Haustür. "Christina, wir können dir helfen," hatte er ihr noch hinterhergerufen, aber sie hatte ihn ignoriert.

David, Dwayne und Marko hatten sich mittlerweile auch auf den Weg zu Christina gemacht, nachdem Paul sie gerufen hatte. Marko kam als Erster dort an und wurde noch Zeuge von Christinas Wutausbruch.

Er beobachtete alles und hatte sein Grinsen hinter seiner Hand versteckt, während er auf seinem Daumennagel herumkaute. Das war eine alte Angewohnheit von ihm. Die anderen hatten noch garnicht mitbekommen, dass er da war.

"Ich habe euch gesagt, dass sie Ärger machen wird," bemerkte er trocken und starrte Michael grinsend an. "Michael Emerson, dass du dich noch in diese Stadt wagst. Hast auch schon mal besser ausgesehen. Was ist aus deiner Lockenpracht geworden? Naja, du wolltest ja unser Geschenk der ewigen Jugend nicht. Das muss du doch längst bereuen!"

Marko wollte eine weitere gehässige Bemerkung vom Stapel lassen, aber er kam nicht dazu, weil David und Dwayne lautlos hinter Michael auf den Boden geschwebt waren. David grinste Marko an und legte dann eine Hand auf Michaels Schulter, um auf sich aufmerksam zu machen.

"Na das ist ja wirklich eine gelungene Überraschung," sagte David süffisant grinsend, als Michael ihn endlich ansah. "Unser verlorener Bruder ist zurück! Was hat dich denn in unsere schöne Stadt verschlagen, nach all den Jahren?" Davids Worte trieften nur so von Sarkasmus. Michael erkannte nun endlich wieder, warum er diesen Kerl damals bekämpft hatte und schlug Davids Hand von seiner Schulter.

David lachte nur. "Und nett, wie du bist, hast du uns deinen kleinen Bruder als Geschenk mitgebracht," stellte der Vampir amüsiert fest. "Ich glaube, Dwayne hat noch etwas mit dem Kleinen zu besprechen."

Dwayne blickte Sam ernst an. "David hat Recht, wir haben noch ein Hühnchen zu rupfen," sagte er zynisch. "Du bist doch nicht völlig unbewaffnet hergekommen? Wie dumm von dir! Ich würde dir nur zu gerne, einen deiner Pfeile in den Körper rammen, damit du weißt, wie scheiße sich das anfühlt!"

Sam hatte natürlich einen dummen Spruch auf den Lippen, um sich zu verteidigen, aber Dwayne dachte garnicht daran, ihn zu Wort kommen zu lassen. Der Vampir schlug Sam seine Faust in den Unterleib woraufhin Sam stöhnend auf den Boden sackte.

"Wolltest du etwa etwas sagen, Arschloch," fragte Dwayne. "Lass das lieber. Es interessiert hier eh nimanden!"

David hatte in der Zwischenzeit Michael am Hals gepackt und hochgerissen, so dass seine Füsse nicht mehr den Boden berührten. "Michael, Michael, Michael, wie kommt es eigentlich, dass wir dich immer in der Nähe der Frauen antreffen, die uns gehören?", fragte er sehr leise und schmiss Michael auf den Boden.

Der fasste sich erleichtert an den Hals und stand langsam und etwas benommen wieder auf. Michael half seinem Bruder wieder auf die Füsse und wollte sich wutentbrannt auf David stürzen, aber Marko hielt ihn hinterhältig grinsend zurück.

David lachte und wurde dann wieder toternst. "Was willst du hier Michael?" fragte er. "Vermisst du Christina? Du hast sie wie Dreck behandelt, was willst du von meinem kleinen Mädchen?"

Sam starrte den Vampir wütend an. "Ja natürlich, ihr behandelt andere ja auch immer überaus freundlich," spie er. "Ihr tötet unschuldige Menschen! Könnt ihr überhaupt noch zählen, wie viele es waren?"

Dwayne schlug Sam erneut. "Ich habe dir gesagt, du sollst still sein," motzte er. "Wir tun nur, was nötig ist, um zu überleben!"

David sah Paul grinsend an. "Wo wir gerade von unseren Frauen reden, wo ist Christina?", fragte er.

Paul blickte David etwas verunsichert in die Augen. "Michael hat ihr etwas erzählt, dass sie ein wenig verärgert hat," rechtfertigte er sich. David hatte ihm einen Auftrag gegeben und er hatte versagt.

Marko lachte laut los, woraufhin David ihn mit hochgezogenen Augenbrauen musterte, dann blickte er ungeduldig zu Paul. "Ist das so?", fragte David und alle Vampire mit Ausnahme von Laddie lachten. Er fühlte sich schuldig und hatte Mitleid mit Christina.

David bedachte Dwayne und Marko mit einem kalten Blick. "Bringt die Spinner nach Hudsons Bluff," trug er ihnen auf. "Sie können unsere Gästezimmer nutzen. Wir entscheiden später, was wir mit ihnen machen!"

Die Vampire lachten wieder, denn die "Gästezimmer" waren nichts anderes, als dunkle, kalte Räume, die sich im hinteren Teil der Höhle befanden. Es gab nichts in diesen Räumen, aber die Türen waren in Takt und verschließbar. David beobachtete noch, wie Dwayne und Marko mit ihren Gefangenen davonflogen.

"Ihr beide kommt mit mir," befahl er Paul und Laddie, ohne sie anzusehen. Paul lachte bitter. "Sie wird uns nicht reinlassen," sagte er überzeugt.

David sah Paul endlich an. "Ach tatsächlich?", fragte er nur, dann drehte er sich um und schlenderte lässig zur Hautür. Auf dem Weg zog er seinen eigenen Schlüssel aus seiner Jackentasche.

Er schloss die Türe auf und starrte Paul und Laddie ungedudig an. "Kommt endlich," befahl David. "Ja," sagte Paul nur und ging von Laddie gefolgt ins Haus.

David machte sich garnicht erst die Mühe, die Wohnungstüre aufzuschließen, ein Tritt reichte völlig aus und die Türe krachte auf den Boden. Christina sprang erschrocken von der Couch, alss die Türe auf dem Boden landete und starrte ihren Vater fassungslos an.

David hatte wieder sein typisches süffisantes Grinsen aufgesetzt. Es machte Christina mehr als wütend. "Warum?", schrie sie und stürzte sich wie eine Furie auf den Vampir. Sie hämmerte mit ihren kleinen Fäusten auf seine Brust ein. David guckte sie nur ausdruckslos an und ließ sie gewähren.

Paul wollte Chriastina stoppen, aber David hielt ihn mit einer einzigen Handbewegung davon ab. Er konnte sich nur allzugut vorstellen, wie sich fühlen musste. David war ehrlich gesagt erleichtert, dass sie so reagierte. Menschen, die die Unsterblichkeit ohne Gegenwehr akzeptierten, waren in der Regel als Vampire unberechenbar, sowas wollte niemand, der bei Verstand war, in seinem Rudel haben. Er fragte sich, ob vielleicht Christina entscheiden sollte, was mit Sam und Michael geschehen sollte.

Christina hatte endlich aufgehört, David zu schlagen und schluchzte laut. Er hielt sie fest in seinen Armen und streichelte über ihr Haar. "Du kommst nun mit nach Hause," sagte er leise.

Vor dem ehemaligen Comicladen der Familie Frog saß Zoe noch immer auf den Stufen. Sie verstand überhaupt nicht, was sie dort machte, und warum sie dort eingeschlafen war.
Neben ihr hockte die Gestalt eines Mannes. "Was machst du hier draußen," fragte er, als sie endlich bemerkte, dass sie nicht alleine war. "Ich weiß es nicht," gab sie zu. "Ich kann mich nicht erinnern. Aber was machst du hier, Alan?"