Ich erwachte mit dem Duft von Tom Riddle in meiner Nase. Natürlich, sein Pullover war noch bei mir. Ich hatte es seit Tagen nicht geschafft, ihn ihm wiederzugeben.

Genau genommen schaffte ich seit Tagen kaum etwas mehr. Nicht seitdem ich mir die Seele aus dem Leib geweint hatte.

...

Ich seufzte. Abraxas war super schlecht im Abfragen. Ganz im Gegenteil zu einem gewissen Dunkelhaarigen, der am anderen Ende der Bibliothek in einem Ohrensessel saß und von der Realität so gar nichts mitbekommen zu schien.

"Die Agrippa Methode, Effy", sagte Abraxas entnervt, dass ich es schon wieder nicht wusste, doch ich war zu sehr damit beschäftigt, Riddle anzustarren. Als spürte er meine Augen auf sich ruhen, blickte er von seinem Buch auf. Es war klein und schwarz und hatte hintendran eine Prägung, doch ich war zu weit weg, um es zu lesen.

Riddle trug Muggel Kleidung, eine schwarze Hose und einen anderen grauen Pullover mit seinem Hemd und Krawatte.

"Hey, Effy. Hier spielt die Musik", seufzte Abraxas. Mein Blick glitt zurück zu Abraxas, der genervt auf seiner Lippe herumkaute.

"Ich kann damit leben, nur deine Nummer zwei zu sein, Effy, aber womit ich nicht leben kann ist, dass du mich nicht beachtest", zischte Abraxas und begann mir auf die Pelle zu rücken. Ich trug noch immer meinen Schal und behauptete, ich hätte mir den Hals verkühlt.

"Abraxas Malfoy, was ist hier los?", ertönte die tonlose Stimme, die mich in den Schlaf verfolgt hatte.

"Du weißt, dass ich Streits, die die Ruhe der Bibliothek stören, mit Punktabzug von den Hauspunkten ahnden muss", erklärte er, als wäre Abraxas dumm.

"Halte dich da raus, Riddle. Das geht dich nichts an", höhnte Abraxas. "Ich glaube schon, dass es mich etwas angeht, wenn du eine Mitschülerin bedrängst", entgegnete Riddle kalt.

Abraxas musterte mich ein wenig und unter seinem blassen Blick zuckte ich zusammen. Ich war unbeabsichtigt zurück gewichen und war angespannt.

"Ich bedränge dich doch nicht, oder Effy?", wollte er schroff von mir wissen. Mein Blick wanderte zwischen den beiden Jungen hin und her.

"Ich-", begann ich doch verstummte. Riddle hatte seine Pianistenhand vor mir auf dem Tisch aufgestützt. Dieselbe Hand, die unter meinem Pullover gewesen war. "Siehst du, es ist alles in Ordnung", meinte Abraxas abwinkend. Riddles Blick wurde mörderisch. Er bedachte den Blonden mit einer solchen Kälte, dass mir innerlich kalt wurde.

"Wieso fragst du nicht Graygrove?", wollte Riddle amüsiert wissen. Abraxas stand auf und packte Riddle an der Krawatte. Er schien gar nicht zu sehen, wie das karminrot von Riddles Augen aufblitzte.

"Genau genommen haben wir ein Problem. Nämlich dich. Du sollst meine Freundin in Ruhe lassen!", knurrte Abraxas. Ich konnte nur fassungslos zusehen. "Ich habe nichts mit ihr zu tun", zischte er giftig zurück. "Oh und wieso riecht sie nach deinem Aftershave?" Ich erstarrte und roch probehalber an mir. Da ganz, ganz schwach roch ich nach ihm. Das musste von dem Pullover kommen, der immer noch in meinem Bett lag.

"Ich und Graygrove haben nichts miteinander zu tun", wiederholte er zwischen fest aufeinander gepressten Zähnen.

"Du meinst, du hättest wohl gerne was mit ihr zu tun, aber Pech, Riddle. Sie gehört mir. Du hast verloren!", spottete Abraxas.

"Dreckiges Schlammblut, du hast bei ihr sowieso nichts verloren! Sie ist viel zu gut für dich!", fügte er hinzu. Riddles schöne Gesichtszüge waren vor Wut ganz verzerrt.

"Keine Sorge, Malfoy. Auf Schlampen stehe ich nicht", antwortete Riddle schließlich. Ich fühlte mich, als hätte er mich genauso gut in die Magengrube getreten.

Ohne ihn groß vorzuwarnen, schoss Abraxas einen Fluch,von dem ich noch nie gehört hatte auf Riddle. Mit einer lässigen Handbewegung wehrte Riddle diesen ab.

"Nimm das zurück, Schlammblut", grollte mein Freund. Riddle schoss schon den nächsten Fluch auf Abraxas. Die Luft war elektrisiert vor aufgestauter Wut von Riddle.

"Wieso sollte ich", entgegnete Riddle spitz und schickte einen Gegenfluch auf Abraxas. Sie verwendeten keine Kitzelflüche oder Tarantallegra. Nein, stattdessen Flüche, wie Bombarda Maxima, oder Incarcerus.

Ich konnte mir das nicht mehr weiter ansehen und stand auf, um zwischen die Beiden zu gehen. Gerade als ich dazwischen ging, schoss Abraxas aus seinem Zauberstab einen besonders fiesen Fluch los, der mich in der Schulter traf.

Mit einem Schrei ging ich zu Boden. Meine linke Schulter brannte wie Feuer. Riddle war sofort in die Knie gegangen. Ich seufzte, als ich seine kühlen Hände auf meiner Haut spürte.

"Das hast du ganz fantastisch gemacht, Abraxas", spuckte Riddle förmlich. Mein Blick glitt zu Abraxas. Dieser stand, den Zauberstab fallen gelassen, wie in einer Schockstarre da und sah mich aus großen Augen an.

Meine Schulter stand in Flammen. Es fühlte sich an, als würde sich da etwas in mein Fleisch graben. In meine Bluse war ein Loch gebrannt.

Ohne groß etwas zu sagen, lud Riddle mich auf seine Arme und lief mit eiligen Schritten zum Krankenflügel.

"Graygrove, wie kann man nur so dumm sein, in ein Duell zu laufen?", regte sich Riddle immer noch auf. Er lief so schnell, dass selbst er, der perfekte Tom Riddle, beinahe gestolpert wäre.

"Madam White", rief Riddle angespannt. Die Krankenschwester kam gleich angerannt. Riddle musste gar nicht groß etwas erklären. Die Medihexe schien genau zu wissen, was hier passiert war. "Was ist passiert? Oh du große Güte!", fragte sie dennoch.

Riddle folgte ihr und legte mich schließlich auf ein Bett.
Meine Schulter war mittlerweile taub geworden.

"Ein Schüler hat mich angegriffen und Miss Graygrove ist dazwischen gegangen", erklärte er mit charmanter Stimme, immer noch außer Atem. Ich wollte entgegnen, dass er doch genauso Flüche ausgesprochen hatte, doch die Taubheit in meiner Schulter machte mir zu viel Angst.

Madam White stellte einen spanischen Vorhang um mein Bett auf und scheuchte Riddle heraus, der erst nachdem sie ihn mit scharfer Stimme ermahnt hatte, heraus gegangen war.

Sie fragte mich, ob ich Schmerzen hatte. Ich schüttelte den Kopf und erklärte, dass sich alles nur noch taub anfühlte. Sie zerschnitt meine Bluse, löste den Schal von meinem Hals und entfernte die Stücke, die sich in meine Haut gebrannt hatten. "Ich brauche doch eine Hand zum Halten", stieß ich schließlich mit schmerzerfüllter Stimme hervor. Jetzt, als sie da in meinem Fleisch mit ihrer Pinzette herumbohrte, hatte ich schon ziemliche Schmerzen.

"Na gut", seufzte die Medihexe und deckte mich so zu, dass mein BH verdeckt war. "Mister Riddle, ich weiß, Sie sind da noch, Sie können herein kommen"

Und wirklich steckte Riddle seinen Kopf kurze Zeit später durch den Vorhang. "Ich darf?", fragte er erstaunt. Sein Blick fiel auf mich und Wut flammte kurz in seinen Augen auf. Doch er kam herein und ließ sich auf einem Hocker neben meinem Bett nieder.

"Ich weiß, du findest das echt dämlich, Riddle, aber ich brauche jetzt wirklich eine Hand zum halten", begann ich und spürte, wie meine Augen feucht wurden.

Wortlos streckte er seine Hand aus, die ich auch gleich ergriff, da sie weitermachte, die Kleidungsstücke aus der Wunde zu entfernen.

"Meine Kleine, wo hast du denn diese Narben alle her",stieß Madam White entsetzt hervor, als ihr Blick auf meine Arme fiel. Riddle versteifte sich und ich spürte seine Augen auf meinen Armen ruhen.

"Graygrove, was zum... Salazaar! Was hast du da gemacht?", zischte er, als Madam White kurz mehr Desinfektionsmittel holen ging.
"Ich sagte doch Grindelwalds Anhänger...", begann ich zu lügen. Riddles Augen waren groß und ein Ausdruck ähnlich zu Entsetzen und Verwunderung lag auf seinem Gesicht.

Er musste ja nicht wissen, dass ich mir die Wunden selbst beigefügt hatte.

"Bei Salazaar, Graygrove!", brachte er nur hervor. Seine Hand hatte begonnen sanft über die Narben zu streichen. Seine Berührungen ließen mich wieder an Silvester zurückdenken.

"Riddle, es tut mir Leid, ich werde mit Abraxas reden, dass er dich nicht mehr so nennen wird", sagte ich nach einer Minute des Schweigens. "Abraxas ist mir egal", meinte er gelangweilt. Etwas hing in der Luft. Riddle hatte etwas nicht gesagt, nämlich nicht, dass ich ihm egal war.

"Trotzdem, der Ausdruck Schlammblut ist barbarisch. Zumal du kein Muggelstämmiger bist!", murmelte ich. Riddle riss seine Augen noch weiter auf. "Woher?" Ich musste trotz der Schmerzen schmunzeln. "Nicht nur du bist gut mit Büchern", lächelte ich.

Riddle nickte nur anerkennend.
"Glückwunsch Graygrove, du hast es herausgefunden. Das hat sonst noch keinen genug interessiert, als dass sie es nachschlagen"
Er biss sich auf die Lippe. "Und bist du jetzt froh, kein Schlammblut geküsst zu haben?", hakte er nach. Ich konnte den Ton seiner Stimme nicht deuten.

"Das ist mir egal, Tom", seufzte ich. Er presste die Lippen in eine Linie, wie um sich selbst davor zu stoppen, etwas falsches zu sagen.
Seine Hand hatte aufgehört, meine Haut zu streicheln.

"Es kann dir nicht egal sein", konterte er. "Ist es aber", versicherte ich ihm entnervt, jetzt über dieses Reinheitsgefasel sprechen zu müssen. Wenn er wüsste, dass ich ein Schlammblut war...

Ich erschauderte beim Gedanken, wenn er das jemals herausfand. Dann wäre ich sicher tot.

Wo blieb denn Madam White so lange?

"Ich bin nur ein halb so dreckiges Halbblut ohne irgendwelches Vermögen", sagte er leise. Mein Herz zog sich schmerzhaft zusammen. Er tat mir in diesem Moment so leid. Ich konnte nicht anders, als Mitleid für den schlimmsten Zauberer in der gesamten Zaubereigeschichte zu empfinden. "Du bist nicht dreckig", flüsterte ich. Er zuckte mit den Schultern.

"MADAM WHITE! Ich muss sie sehen!", rief eine Stimme vom Eingang des Krankenflügels aus.
Abraxas. Riddle neben mir ließ meine Hand los, als hätte er sich verbrannt. Ich konnte ihn auf uns zukommen hören.

Abraxas stand vor dem Vorhang, denn ich konnte seinen Schatten davor ausmachen. Er trat ein und erstarrte. "Was tut er hier?", stieß Abraxas mürrisch hervor. Sein Blick fiel auf meine Wunde.

Er ließ sich auf dem Hocker auf der anderen Seite von mir nieder.
"Oh Gott, Effy es tut mir so Leid", seufzte er und nahm meine Hand in seine. Mein Blick wurde weicher. Es schien ihm ernsthaft leid zu tun. Seine blassen Augen glänzten.

Ein abfällige Lachen ließ Abraxas Kopf nach oben schnellen. "Was tust du noch hier, Riddle? Hast du nicht gesagt, du willst nichts mit Schlampen zu tun haben?", warf Abraxas zornig in den Raum.

Riddle zog die Augenbrauen zusammen. "Will ich auch nicht", entgegnete dieser. Abraxas schmunzelte bitter. "Manchmal bist du für deine ach so große Intelligenz ganz schön dumm, Riddle" Riddle schoss nach oben, den Zauberstab erhoben und funkelte Abraxas dunkel an.

"Nenne mich noch einmal dumm und es wird das Letzte sein, das du jemals gesagt hast", zischte der Erbe Slytherins. "Die Kammer des Schreckens wurde schon einmal geöffnet...", begann er mit leiser, genüsslicher Stimme. Abraxas war bei den Worten ganz bleich geworden. Er hob seinen Zauberstab, der ihm heruntergefallen war, wieder auf. Kurz flackerte Riddles Blick zu mir, ehe er wieder Malfoy ansah.

Er schien sich sicher zu fühlen, diesen Fakt vor ihm zu erwähnen, obwohl ich dabei war. Zum ersten Mal bekam ich eine kleine Kostprobe des wahren Tom Riddle.

Und mir wurde plötzlich eiskalt.
Abraxas öffnete den Mund, um etwas zu sagen. "Willst du mir jetzt Angst einjagen, Riddle? Wie könnte ein dreckiges Schlammblut, wie du die Kammer des Schreckens öffnen?", spuckte dieser. Ich verdrehte die Augen bei Abraxas Benutzung des Wortes Schlammblut.

Malfoys Augen wurden plötzlich ganz klein, ehe er sie aufriss. "Effy? Was ist das da an deinem Hals?", fragte er plötzlich. Ich spürte, wie mir mein Herz in die Hose sackte. "Was?", krächzte ich verwirrt. Riddles Augen klebten ebenfalls an meinem Hals.

"An deinem Hals. Du hast da lauter Knutschflecken. Erzähle mir nicht, dass du die nicht gesehen hast. Wer war das?", knurrte Abraxas wütend. Mein Blick glitt zu Riddle und ich sah ihn hilfesuchend an.

Riddle verschränkte die Arme vor der Brust und seine Mundwinkel zuckten. Abraxas folgte meinem Blick. "Riddle? Effy von allen, mit denen du etwas hättest anfangen können...", er klang verletzt.

"Ich schwöre, wenn er dir wehgetan hat...", fügte er hinzu und starrte Riddle in Grund und Boden. "Im Gegenteil, Malfoy, Graygrove schien ganz angetan von mir und meinem... Aftershave", setzte er dagegen mit einem süffisanten Grinsen.

Abraxas sah aus, als würde er jeden Moment implodieren.

"Ich bringe dich um, Riddle", fauchte der Blonde und erhob schon seinen Zauberstab, doch Riddle ging zu ihm hin und senkte seinen Zauberstab ab.

"Wir wollen doch nicht, dass noch ein Unfall passiert und du womöglich für ihren Tod verantwortlich bist, oder Malfoy?" Riddle war gut im Leute ausspielen.

"Was ist denn hier los? Miss Graygrove, ich sagte einer wäre in Ordnung! Raus! Alle beide!", kreischte Madam White entrüstet und die beiden verließen den Raum nach einander.

AN:
I'm on a roll!
Die Geschichte fließt heute richtig!
Hoffe ihr mögt das Kapitel! Ach, ich liebe die Abraxas vs. Riddle Dynamik richtig. Dss lässt sich so schön locker flockig schreiben. Das und genug Kaffee und diese riesige Milka Schokolade *-*
LG, H.