Hallo meine Lieben,

hier bin ich wieder mit dem nächsten Türchen. Es ist zwar auch dieses Mal wieder ein ruhigeres Kapitel, aber dafür vollgestopft mit Zucker, immerhin ist dies ja eine Weihnachtsgeschichte. Aber keine Angst, Karies gibt es bei mir nicht, dafür liebe ich Dramen viel zu sehr. -.^

Und nun viel Spaß beim Lesen!


Ein Wolf zum Kuscheln

Sie waren erst zwanzig Minuten mit den kleinen Fellbündeln unterwegs und Derek hasste sie jetzt schon. Nicht nur, dass sie ständig ihre Leinen verhedderten und vollkommen ohne Sinn ständig in eine andere Richtung liefen, nein, sie wurden dabei auch noch dauerhaft gelobt und gestreichelt.

Scott und Stiles hatten je drei Welpen an der Leine und Derek die übrigen zwei. Mit jeder Minute die er es sich ansah wurde Derek saurer. Immer wieder kniete Stiles sich hin, entknotete die Leinen der blöden Viecher und kuschelte dabei mit ihnen.

Siedend heiß brannte die Eifersucht in Derek. Er durfte Stiles noch nicht einmal aus seiner Jacke helfen, als sie im Kino waren, aber diese Fellbündel wurden mit Streicheleinheiten überschüttet und Stiles nutze jede Gelegenheit dazu. Wenn er es nicht besser wüsste, würde Derek denken, dass Stiles wusste was er ihm damit antat und es absichtlich machte.

Ihm war bewusst, wie irrational seine Gedanken waren, aber es half gegen den Schmerz. Denn Stiles Zurückweisung hatte wehgetan. Stiles verhielt sich zwar nach außen hin ganz normal, doch Dereks Worte saßen noch tief. Er konnte es sehen wenn er Stiles näher kam. Jedesmal sah Derek einen Funken Angst in seinen Augen aufblitzen und Stiles brachte wieder Abstand zwischen sie.

Es schmerzte ihn seinen Gefährten so leiden zu sehen und zu wissen, dass er dafür verantwortlich war, war die reinste Hölle. Also beneidete und hasste er lieber die chaotischen Welpen, die Stiles Zuneigung mit ihrer unbeholfenen Art sofort gewonnen hatten und nun mit Aufmerksamkeit und Liebkosungen überschüttet wurden, die eigentlich Derek zustehen sollten.

Doch irgendwer hatte Erbarmen mit ihm. Nach weiteren zehn Minuten waren die Welpen zunehmend erschöpfter und es wurde beschlossen zurück zur Tierklinik zu gehen. Als die Rasselband dann endlich versorgt wieder in ihrem Zwinger war, atmete Derek auf. Jetzt konnte er Stiles wieder ganz für sich haben.

"Danke euch, dass ihr mir mit den Kleinen geholfen habt." richtete Scott sein Wort an sie. "Ich hätte das ohne eure Hilfe nie geschafft." "Hey Mann, gern geschehen." erwiderte Stiles. "Außerdem sind sie echt süß. Ich könnte glatt einen von ihnen adoptieren." Bei diesen Worten schrillten alle Alarmglocken in Dereks Kopf. Nein, dass durfte nicht passieren, jagte es durch seine Gedanken. Er würde es nicht ertragen sich das ständig mit ansehen zu müssen. Er wollte, dass Stiles ihn kraulte und schmuste, nicht irgendeinen blöden Hund. Er musste eingreifen.

"Stiles, willst du noch mit zu mir kommen?" fragte er ihn schnell. Es hatte zwar den gewünschten Effekt, dass es Stiles von den Welpen ablenkte, aber was Derek in Stiles Augen sah, tat weh. Stiles sah ihn skeptisch an, bei der Vorstellung mit ihm ins Loft zu kommen, nein, sogar mehr noch, da war Angst in seinen Augen und einen leichten Hauch davon, konnte Derek sogar riechen. Schuldgefühle überschwemmten ihn und er fühlte sich mehr als nur mies. Stiles hatte Angst mit ihm alleine zu sein und er war schuld daran.

Sein Innerstes krümmte sich schmerzhaft zusammen und schrie auf. Verzweifelt und hilflos, wusste er nicht was er tun sollte. Aber Scott sprang für ihn ein. Er hatte die Situation schnell erfasst und versuchte zu vermitteln. "Geh doch noch mit!" forderte er seinen besten Freund auf. "Sprecht euch aus, für euch und für das Rudel. Es würde uns allen guttun." Stiles war immer noch nicht gewillt zuzustimmen, doch in diesem Moment holte Scott seine Geheimwaffe hervor. Mit seinen großen braunen Augen blickte er Stiles an und sah noch niedlicher und hilfsbedürftiger aus, als die kleinen Welpen. Bei diesem Blick konnte Stiles ihm nichts abschlagen, es war sein Kryptonit.

"Ok, ich komme noch mit, aber hör damit auf Scott. Das ist ja nicht zu ertragen." Ein breites Grinsen überzog Scotts Gesicht und Derek schickte ihm ein dankbares Lächeln zu, ohne das Stiles es mitbekam.

Ganz der Gentleman des Tages hielt Derek Stiles wieder die Tür des Camaro auf und sie fuhren los. Die Fahrt über, lag eine merkwürdige Stimmung über ihnen. Beide sprachen kein Wort und Derek roch die unterschiedlichsten Empfindungen von Stiles und keine war wirklich positiv. Da war Angst, Nervosität und etwas, dass er als verbissene Entschlossenheit bezeichnen würde. Er wusste zwar nicht, was in Stiles Kopf vor sich ging, aber ihm war klar, dass Stiles Angst hatte, dass er ihm erneut wehtun würde und das er immer noch sauer war.

Im Loft angekommen waren sie immer noch schweigsam und Derek wusste nicht wie er das Eis brechen sollte. Er hatte Angst, das falsche Thema anzusprechen. Er wollte nicht erneut einen Streit provozieren und Stiles Schmerzen zufügen, dennoch interessierte es ihn brennend, wie Stiles Gedanken aktuell zu dem Bund und dem Biss waren. Denn die letzten Tage waren für ihn sehr schwer gewesen. Die Dunkelheit in ihm gewann immer mehr an Kraft und er hatte inzwischen Schwierigkeiten, sie zurückzudrängen, wenn Stiles nicht bei ihm war. Die Zeit drängte also, aber er wollte und konnte Stiles nicht drängen.

"Willst du dich setzten?" fragte er deshalb vorsichtig. Unbehaglich sah Stiles ihn an, nickte dann aber und setzte sich wortlos hin. Die ganze Situation war untragbar und es war an Derek etwas zu unternehmen. Also tat er das, was er bereits seit Stunden tun wollte. Er ging hinüber in die Küche, gefolgt von Stiles misstrauischem Blick, entkleidete sich verborgen vor Stiles Blicken und verwandelte sich in seine Wolfsform.

Auf allen vieren kam er wieder zurück in den Wohnbereich und blieb in einiger Entfernung zu Stiles stehen, der verloren auf der Couch saß und nach Angst roch. Seine Instinkte schrien ihn an, zu seinem Gefährten zu gehen, doch Derek blieb stehen. Er war unsicher, ob es ihm erlaubt wäre zu Stiles hinüber zu gehen, denn Stiles schien seine Nähe weiterhin abzulehnen. Aber er hoffte, dass es als Wolf anders sein könnte und hatte Glück.

Stiles blinzelte verwundert, als Derek als Wolf aus der Küche zurückkam. Aber bereits nach wenigen Momenten lächelte er. Er liebte den Wolf einfach und so streckte er die Hand nach ihm aus. "Na komm her, Großer!" lud er ihn ein und Derek nahm glücklich an.

Tief sanken die Pfoten des Wolfes in der Polsterung ein, als er auf die Couch stieg. Kurz wollte er seinen Kopf an Stiles Wange reiben, doch er stoppte, dafür war es wohl noch zu früh. Also begnügte er sich damit seine Vorderläufe und den Kopf auf Stiles Beine zu legen.

Wie selbstverständlich wanderte Stiles Hand in das dicke Fell an Dereks Kopf und er begann ihn zu kraulen. Wie sehr hatte Derek diese Hände vermisst. Wie sie kräftig und gleichmäßig durch sein Fell strichen und ihn hinter den Ohren kraulten. Es war göttlich und er hatte das Gefühl, sich seit Monaten das erste Mal wieder richtig entspannen zu können. Zwar war momentan überhaupt nichts geklärt und gut zwischen ihnen, aber es gab auch keine Geheimnisse mehr, die ihn belasteten und dieser Gedanke war ungemein befreiend und sogar die Dunkelheit in ihm, zog sich in Stiles unmittelbarer Nähe fast vollkommen zurück.

Sie saßen eine ganze Weile einfach nur still auf der Couch und genossen den Augenblick. Denn es schien nicht nur für Derek heilsam zu sein. Auch aus Stiles war die Anspannung und Angst gewichen und sein Herzschlag ging regelmäßig in seinem für ihn typischen Rhythmus. Doch irgendwann war die Stille für den hyperaktiven Jüngeren zu viel und er fing übergangslos an seine Gedanken auszusprechen.

"Ich hoffe, du weißt, dass ich weiterhin sauer auf dich bin. Nur weil ich dir gerade die Öhrchen kraule, habe ich dir noch lange nicht vergeben. Du hast nämlich echt Scheiße gebaut." teilte Stiles ihm mit und Derek zuckte unwillkürlich zusammen und legte die Ohren an. "Du hast mir ganz schön wehgetan und ich bin mir noch nicht sicher, ob ich dir das jemals verzeihen kann. Aber ich hab mir in den letzten Tagen einige Gedanken zu dieser Bundsache und dem Mojoding gemacht. Ich finde die Vorstellung zwar immer noch sehr unglaubwürdig, dass es so etwas geben soll, aber eventuell bin ich inzwischen bereit die Möglichkeit einzugestehen, dass es so etwas geben könnte. Überraschenderweise hat mir Peter dabei auf die Sprünge geholfen." plapperte Stiles weiter, aber bei dem Namen seines Onkels richteten sich Dereks Ohren auf. Was hatte Peter schon wieder in Stiles Nähe gewollt?

"Reg dich ab. Wir haben nur etwas geredet." sprach Stiles beruhigend auf ihn ein. Er wusste wirklich immer was Derek ausdrücken wollte, selbst in Wolfsgestalt. "Ich war gerade bei Melissa im Krankenhaus und wollte ihren Rat einholen, als sie wegen einem Notfall aus dem Zimmer musste und Peter plötzlich dort stand." Stiles lacht kurz auf. "Ich hab mich zwar ganz schön erschrocken, als er auf einmal neben mir stand, aber er war handzahm und sogar hilfreich. Er hat mir ein paar Vorfälle aufgezählt, die beweisen könnten, dass dieser Gefährtenbund wirklich existiert und hat mir damit eine Grundlage für meine Recherche gegeben. Ich hatte vorher keine Ahnung in welche Richtung diese Verbindung wirklich gehen sollte, aber seine Beispiele haben mir eine gewisse Vorstellung vermittelt." Es schien Stiles deutlich leichter zu fallen mit Derek als Wolf zu sprechen.

Gedankenversunken kraulte Stiles Derek weiterhin den Kopf, während dieser ihm ganz genau zuhörte. "Inzwischen konnte ich meine eigenen Feldversuche machen und bin geneigt das Ganze zu glauben, aber überzeugt bin ich dennoch nicht. Ich finde diese Idee immer noch sehr weit hergeholt und was den Biss betrifft, bin ich auch noch nicht begeistert als potenzielles Kauspielzeug betrachtete zu werden." An diesem Punkt stockte Stiles kurz und Derek konnte hören, wie sein Herzschlag ein paar Takte schneller wurde. "Allerdings hat Peter da auch etwas erwähnt, dass ich eventuell interessant finde und irgendwann mal überprüfen wollen würde." gab er verlegen zu. "Peter meinte, dass so ein Biss auch stimulierend sein kann. Hat er damit recht?" richtete er seine Frage an Derek.

Dessen Ohren stellten sich sofort wieder auf und er richtete sich etwas unruhig neu in Stiles Schoß ein. "Stimmt das etwas wirklich?" stieß der Jüngere aus. "Ok, jetzt bin ich platt. Hat das etwas auch was mit Werwölfen zu tun oder ist das allgemein so?" fragte Stiles nach. Überlegend legte Derek seinen Kopf auf die andere Pfote, verharrte dort kurz und legte ihn dann zurück. "Also mal wieder ein Werwolfsding." schlussfolgerte Stiles aus Dereks Verhalten. "Naja, mich soll es ja nicht stören. Wenn es wirklich ganz nett ist, kann ich es vielleicht mal in meine Überlegungen miteinbeziehen."

Derek wäre am liebsten aufgesprungen, wenn er dafür nicht Stiles weiterhin kraulende Hände eingebüßt hätte. Er fühlte sich berauscht. Zwar waren sie noch lange nicht wieder zusammen, aber Stiles wehrte sich nicht mehr so vehement gegen die Vorstellung des Gefährtenbundes und er wäre sogar unter Umständen breit sich beißen zu lassen. Ein hoch auf Stiles Neugierde, jubelte Derek in seinen Gedanken. Er musst Stiles zwar immer noch dazu bringen, ihm für seine grenzenlose Dummheit zu verzeihen, aber es sah schon gut aus und den Rest würde er auch noch irgendwie schaffen!


Heute gibt es mal ein Kapitel mit etwas Hoffnung und Zuversicht. Ich hoffe es hat euch gefallen. Ich bin ein Wahnsinns-Fan vom Wölfe knuddeln und konnte das heute hier richtig ausleben. Wenn es nach mir gehen würde, würde Derek nur zu netten Stunden oder Momenten zu zweit auf zwei Beinen laufen und ansonsten immer ein Wolf sein. ^/^

Momentan sieht es ja ganz gut aus für die Beiden, mal schauen ob es auch so bleibt. :)

Ich wünsche euch süße Träume!

Liebe Grüße

Zira