Belkadan – im Jahre 24 nach der Schlacht von Yavin - neun Wochen vor Invasionsbeginn
Als Udelen Carr auf dem Raumhafen von Belkadan landete, stand Yomin Carr bereits am Dock, um seinen vermeintlichen Onkel zu empfangen. Der junge Yuuzhan Vong stieg in den Speeder, den Nom Anor am Raumhafen anmietete und der Ältere hieß ihn, sich ans Steuer zu setzen, nachdem er ihm die Koordinaten gegeben hatte.
„Sie machen das recht gut", sagte Nom Anor in seiner Muttersprache zu Yomin Carr.
„Danke, Exekutor."
„Wie läuft es denn auf ExGal4?"
Yomin Carr zögerte einen Moment. Natürlich könnte er Nom Anor etwas über Annäherungsversuche einer gewissen Twi'lek erzählen. Über die Hilfe, die ihm andere Mitglieder des Astroforschungsteams manchmal zuteilwerden ließen. Darüber, wie gut Stromkabel schmeckten. Aber das hätte ihn schwach erscheinen lassen. Also entschied er sich für geradlinige Unverfänglichkeit. „Sie ahnen nichts und ich habe mich gut eingelebt."
„Das ist gut. Sorge dafür, dass es weiter so bleibt, bis Da'Gara eintreffen wird."
Sie hatten den Palast von Grabbus dem Hutten erreicht. Der Herrscher Belkadans ergötzte sich gerade an einer Tanzdarbietung und winkte die beiden Besucher träge heran, ohne ihnen wirkliche Beachtung zu schenken. Also schauten die beiden Yuuzhan Vong solange zu, bis der Hausherr geruhen würde, sich ihnen zuzuwenden.
„Das ist so – entwürdigend", meinte Yomin Carr in seiner Muttersprache leise zu Nom Anor, während seine eine Fußspitze in Ungeduld wippte.
„Lassen Sie das!", fauchte ihn der Exekutor mit Blick auf den unruhigen Fuß an. „So wird das nicht bleiben", beruhigte Nom Anor den aufgebrachten Speziesgenossen. „Nicht, nachdem er erfahren hat, was wir von ihm wollen."
Sie mussten eine halbe Stunde warten, bis Grabbus genug von dem Getanze der Twi'lek-Damen hatte. Er wedelte mit der grünen Hand und die Tänzerinnen verschwanden. Nom Anor wartete, bis zwei andere Bittsteller ihr Anliegen vorgebracht hatte, dann kam die Reihe an ihn.
„Großer Grabbus, ich bitte um eine Audienz unter sechs Augen."
Grabbus musterte die beiden Menschen. Der ältere, braunhaarige von ihnen starrte ihm direkt in die Augen, ohne die Blickrichtung zu ändern.
„Ich bin Udelen Carr und das ist mein Neffe Yomin Carr."
Grabbus fiel auf, dass der, der sich Udelen nannte, zunächst den Blick senkte, bevor er seinen Neffen mit der schwarzen Wallemähne ansah. Irgendetwas stimmte mit den blauen Augen Udelens nicht, aber noch konnte er sich darauf keinen Reim machen. Den Hutt beschlich das ungute Gefühl, dass der Mensch noch unangenehmere Geheimnisse barg.
Der Hutt wedelte mit den kleinen, energischen Händen. „Räumt den Saal!"
Sie warteten, bis der Empfangssaal leer war und sich die Türen wieder schlossen.
„Also", sagte Grabbus in bedrohlicher Tieflage seiner gewaltigen Stimme.
„Wir sind gekommen, um Sie zu warnen", kam Udelen Carr zum Punkt. „Es wird hier in der Region Krieg geben und Sie sollten sich eine neue Basis des Herrschens suchen."
„Ich wünsche keinen Krieg", erwiderte Grabbus hart. „Wer immer Krieg will – ich werde mich mit ihm zu einigen wissen."
„Das hat nichts mit Ihnen persönlich zu tun", sagte Udelen besänftigend. „Es ist vielmehr so, dass Sie einst einem guten Freund von mir geholfen haben, dessen Vermächtnis ich fortführen möchte. Sie erinnern sich vielleicht noch an Amorrn."
„Haben Sie ihn umgebracht?", fragte Grabbus ohne Umschweife.
Nom Anor ließ ein Lächeln aufblitzen. „Nein und selbst wenn, dann hätte das keinerlei Auswirkungen auf das, was es jetzt zu besprechen gibt."
Er wartete auf Grabbus' Reaktion nach diesem Satz, aber der Hutt schien von diesem Gedankengang seines Gastes unbeeindruckt. Den Fältchen nach zu urteilen, die sich um seine gelben Augen legten, war er gar eher beeindruckt denn geschockt.
„Amorrn hat Sie stets geschätzt und auch ich tue das. Sie sollten Belkadan binnen eines Standardmonats unauffällig verlassen und sich während dieser Zeit eine neue Machtbasis auf Ylesia aufbauen."
Grabbus' Zunge fuhr über den oberen Teil des klaffenden Risses, der der Mund des Hutts war. „Ylesia."
Nom Anor konnte förmlich riechen, wie der Hutt gedanklich in all den Vorteilen und Annehmlichkeiten schwelgte, die sich durch die Inbesitznahme dieser Welt im Huttraum für ihn ergeben würden. Belkadan lag doch ziemlich verloren am Rande der Galaxis – weit weg vom Stammland der Hutts, und viele Leute, nicht nur Hutts, würden solch eine Gelegenheit gerne ergreifen. „Ich glaube nicht, dass sich Tolja Besadii Diori so leicht entthronen lässt", gab sich Grabbus zaudernd.
Udelens blaue Augen glitzerten. „Wer redet von Entthronen? Ich spreche davon, den Hutt dauerhaft aus dem Verkehr zu ziehen." Wodurch seine Cousine Borga Besadii Diori auf Nal Hutta geschwächt werden wird und wir später also noch einen fetten Deal bekommen werden.
„Dauerhaft?", fragte Grabbus vorsichtig.
„Hören Sie mir zu, Grabbus Progga", dröhnte Nom Anor. „Tolja Besadii Diori wird sterben. Und zwar binnen einer Woche. Sie können Gewinn aus der Sache ziehen und sich darauf vorbereiten, ihn zu beerben oder aber nichts zu tun und hier sterben."
Grabbus kicherte. „Das reimt sich."
Nom Anor hatte das nicht beabsichtigt, griff die Trope jedoch sofort auf. „Was ist Ihnen lieber – Erben oder Sterben?"
„Warum tun Sie das?", wollte Grabbus wissen.
„Das erfahren Sie, wenn es an der Zeit ist. Nehmen Sie diese Informationen als Vorschuss des Vertrauens, das ich und meine Leute in Sie setzen aufgrund der guten Empfehlungen von Amorrn."
Der Hutt hob eine Stelle über seinem rechten Auge, wo bei Humanoiden Brauen waren. „Ihre Leute?"
Udelen lächelte verheißungsvoll. „Auch die werden Sie zu gegebener Zeit kennenlernen – auf Ylesia."
Grabbus fixierte Udelens Augen. Irgendetwas daran kam ihm bekannt vor. Nicht die Augenfarbe, es handelte sich um ein etwas anderes Blau – ganz sicher, aber der Mensch hatte so etwas an sich …
„Wie kann ich sicher sein, dass das keine Falle ist, in die Sie mich locken?"
„Sie werden erkennen, dass es keine Falle ist, wenn Sie eine längere Geschäftsreise nach Ylesia unternehmen und währenddessen vom Tod Toljas erfahren sowie später von gewissen Ereignissen hier auf Belkadan."
Grabbus schwieg eine Weile und starrte vor sich hin. Nom Anor frohlockte still. Das war genau jener Moment, wo die Leute umkippten – um zu tun, was er von ihnen wollte.
„Eine Geschäftsreise", brach Grabbus die knisternde Stille. „Ich freue mich, wieder von Ihnen zu hören, Udelen Carr."
„Ganz meinerseits. Dann bis in einer Woche auf Ylesia."
Udelen nickte seinem jungen Begleiter zu und die beiden Menschen verließen den Thronsaal.
Grabbus schaute ihnen nach. Ja, die Art, wie Udelen Carr sich eben von ihm abgewandt hatte. Wie er jetzt mit dem jüngeren Speziesgenossen von ihm fortstrebte – genau wie Amorrn damals. Konnte es sein, dass Amorrn nie gestorben war? Würde Udelen Carr irgendwann auch derart sang- und klanglos verschwinden, um unverhofft in neuer Identität aufzutauchen? Der Hutt nahm sich vor, den Menschen später daraufhin zu befragen – auf Ylesia.
„Ich hätte nicht gedacht, dass man diese Riesenschnecken so einfach überzeugen kann", sagte Yomin Carr, während der Speeder über den Dschungel Belkadans zog. „Immerhin hat er Sie das erste Mal in seinem Leben gesehen."
Nom Anor genoss die bewundernden Blicke des jüngeren Yuuzhan Vong. „Gute Ermittlungsarbeit und Planung ist eben alles. Wie du siehst, habe ich ihn genau dort gepackt, wo er am empfänglichsten ist, an seiner Gier und an seinem Überlebenswillen. Und meine Partner werden auf Ylesia den Weg für seinen Einzug bereiten. Grabbus wird erkennen, wie groß meine Reichweite ist und mir noch mehr vertrauen." Er verzog einen der falschen Mundwinkel schief nach oben. „Solange, bis niemand anderes mehr da ist, dem er vertrauen kann."
„Sie kamen, sahen und siegten", sagte Yomin Carr andächtig. „Sowas würde ich auch gerne können."
Nom Anor klopfte ihm mit der freien Hand auf die linke Schulter. „Wenn Sie weiter so anstellig sind wie bisher, werden Sie das sicherlich noch lernen."
Der Exekutor fand es nicht angebracht, seinem Schützling zu erklären, dass es mitnichten das erste Mal gewesen war, dass er Grabbus begegnet war. Sollte Yomin Carr ihn ruhig noch etwas weiter bewundern.
„Wer war eigentlich dieser Amorrn gewesen?", fragte Yomin Carr, als hätte er Nom Anors Gedanken gelesen.
Der Mann am Speedersteuer kniff sein gutes Auge zusammen. „Jemand, der seinen Sinn und Zweck erfüllt hat und entbehrlich wurde."
Yomin Carr öffnete den Mund, um eine weitere Frage nachzuschieben, entschied sich jedoch anders und blieb still, wohl um über den letzten Satz nachzudenken, wie Nom Anor vermutete. Er war überzeugt davon, dass man über solch einen Satz eigentlich gar nicht lange genug nachdenken konnte – und dass man stets dafür sorgen sollte, niemals entbehrlich zu werden. So langsam würde der Jüngere begreifen, wie alles hier funktionierte – in ein paar Jahren vielleicht, wie alles funktionierte, nicht nur die Maschinen, die er mittlerweile warten und reparieren konnte.
Nom Anor brachte Yomin Carr noch bis zum gut umzäunten Gelände des ExGal4-Außenpostens, dann flog er mit dem Speeder zurück zum Raumhafen, um wieder in seinen CVX-100-Frachter zu steigen und die Holo-Komm-Anlage zu aktivieren. Es dauerte nicht lange, bis sich Goran Beviins behelmtes Gesicht darüber materialisierte. Nom Anor hatte sich mittlerweile an dieses Maskieren des Anderen gewöhnt. Er kannte die Stimme und die Art des Mandalorianers und wusste, dass er sich auf ihn verlassen konnte.
„Beviin, ich habe einen Auftrag für Sie."
„Wieder Treffen auf Nar Shaddaa, nehme ich an."
„Nein, soviel Zeit haben wir nicht. Wir werden uns direkt in zwei Tagen auf Ylesia treffen. Ich bringe die 150 000 Credits Vorschuss wieder in Form eines Chips mit."
Nom Anor ließ eine gewisse Pause, um des Mandalorianers Neugier auf den groß angekündigten Auftrag in sich einzusaugen.
„Ein Regierungschef?", sonderte Beviin.
Udelen deutete ein Lächeln an. „Bereiten Sie sich darauf vor, in einem Standardmonat Tolja Besadii Diori auszuschalten."
„Den regierenden Hutt von Ylesia?"
Udelen nickte.
Für einen Moment zögerte der Mandalorianer am anderen Ende der Verbindung. Eigentlich hatte er bereits genügend Credits von Udelen erhalten, um einige Jahre auf seiner Farm zu überleben, ohne dass er oder Medrit groß arbeiten gehen würden müssen. Dann fiel ihm wieder ein, was Boba Fett ihm vor acht Monaten über seinen ersten politischen Auftragsmord an Tholote B'Leph auf Ter Abbes gesagt hatte. Dann ist es eben was Politisches. Das sind Geschäfte mit den Hutten auch. Jetzt kam eben noch ein Mord an einem Hutt dazu. Geschäft eben. Goran Beviin entschied, dass diese Ansage des Mand'alor ausreichte, den Auftrag auch ohne vorheriges Einholen von dessen Zustimmung durchzuführen.
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Keldabe, Hauptstadt von Mandalore – 25 Jahre nach der Schlacht von Yavin – acht Wochen vor Invasionsbeginn
Udelen steuerte seinen T-77 Luftspeeder zu der Landeplattform hin, die ihm Goran Beviin zugeteilt hatte. Auf Nar Shaddaa war er in dieser Sache mit einem anderen gemieteten Flugvehikel unterwegs gewesen und je weniger man ihn von Seiten der Mandalorianer einschätzen oder gar berechnen konnte, desto besser. Und noch etwas war dieses Mal anders. Auf dem Huttenmond war er derjenige gewesen, der zuerst dagewesen war. Wie auch die anderen Male, die er Goran Beviin und später auch einige seiner Mitarbeiter getroffen hatte. Jetzt jedoch stand nicht nur Beviins Gladiator-Kampfjäger bereits auf dem Rollfeld, sondern auch die fönförmige Slave I, das bevorzugte Schiff des Kopfgeldjägers und jetzigen Mand'alors Boba Fett.
Er ließ den Blick über diesen Teil des Planeten schweifen. Mandalore bestand hier aus vielen Wäldern, in die hinein man mehrere Fabrikanlagen gestellt hatte. Mandal Motors hatte hier ihren Sitz. Keldabe selbst war eine Festung auf einem Hügel, der sich in eine Windung des Flusses Kelita schmiegte. Weiter hinten am Horizont brach das Grün des Waldes scharf ab, um einer der ockerfarbenen Wüstengebiete Mandalores Platz zu machen. Begrünte, regelmäßig geformte Abraumhalden kündeten vom weitgehend aufgegebenen Beskar-Eisenerzabbau, dem das untergegangene Imperium mehr als ausgiebig gefrönt hatte. Der Wald war mit kleineren Werkstätten und einzelnen Weilern gesprenkelt. Udelen erspähte einige Gebilde aus Holz, die inmitten von Bäumen angebracht waren. Davor flatterte an Leinen, die von Ast zu Ast gespannt worden waren, frischgewaschene Wäsche. Nom Anor lächelte. Lebende Häuser – eine Besonderheit, die ihm die Mandalorianer etwas sympathischer erscheinen ließ als andere Völker, mit denen er in dieser Galaxis zu tun hatte.
Die grüne Beskar'gam des Mannes, der sich in respektvoller Entfernung von dem T-77-Airspeeder postiert hatte, um auf seinen Gast zu warten, war abgewetzt und etwas ausgebleicht in der blaugrünen Farbe, aber seine braunen Augen waren so wach und bereit wie eh und je, auch wenn der Gast sie nicht zu sehen bekommen würde.
Udelen verließ mit einem letzten Schritt die Ausstiegsrampe. „Ich hatte nicht erwartet, dass Mandalore so … unberührt ist", begrüßte er Boba Fett. „Irgendwie habe ich geglaubt, der Planet wäre stärker industrialisiert. Ihr habt sogar einige Baumhäuser."
„Wir haben alle möglichen Arten von Behausungen", wich Fett aus. „Einige Einheimische ziehen die Bäume dem Erdboden allerdings noch immer vor."
„Wer führt eure Regierung? Wer sind die Verwalter?"
Hinter Fetts T-Visier gefror die Miene. Was will der? Wieso stellt er Fragen wie ein neugieriger Tourist? „Mandalorianer mögen die Dinge zwanglos und freundlich. Was wollten Sie mit mir besprechen?"
Boba Fett registrierte den Bruchteil einer Sekunde, den Udelen zögerte in Unwillen über eine derart abweisende Beantwortung seiner Fragen. Aber schnell gewann der Mensch im schwarzen Anzug die Kontrolle über sich zurück. „Ich kam, um Ihnen zu sagen, dass Ihr Volk in den nächsten paar Monaten gut beschäftigt sein wird. Ein Krieg steht bevor."
„Sie müssen neu in dieser Galaxis sein", meinte Fett herablassend. „Irgendwo herrscht immer Krieg. Das war schon immer so und das wird immer so sein. Das ist der Grund, warum Mandalorianer niemals arbeitslos werden."
Nein, werdet ihr nicht, dachte Udelen zurück. Ihr lebt vom Krieg und doch habt ihr gar nichts davon außer einem unsteten Broterwerb. Und du als Mand'alor nimmst immer noch Kopfgeldjägeraufträge entgegen wie ein gemeiner Söldner. Was für eine Art Herrscher bist du?
„Dieser könnte eskalieren", kam Udelen der Sache näher.
„Wird das Einfluss auf den Mandalore-Sektor haben?"
Ah, er sorgt sich doch tatsächlich um seine Leute. Soll er doch, bis er erledigt hat, wofür ich ihn und seinesgleichen bezahle. Selbstzufriedenheit machte sich auf Udelens grobgeschnittenem Ooglith-Gesicht breit. „Wollen wir hoffen, dass das nicht passiert."
Fett baute sich vor Udelen auf. „Wer auch immer auch nur in Erwägung zieht, hier gegen uns zu kämpfen, sollte besser ebenfalls darauf hoffen."
Ein Kribbeln durchfuhr das Rückgrat des Mand'alor. Dieser Udelen schien in einer Liga zu spielen, die ihn an bestimmte Leute aus seiner Kindheit erinnerte. Und da war noch dieser Geruch, den ein laues Lüftchen von dem Besucher zu ihm herüberwehte. Es war ein feiner, doch nicht zu ignorierender Geruch der frischen, kalten Gischt des Meeres von Kamino. Heimat! Boba Fett war noch nie einem Menschen begegnet, der so roch. Doch, da war mal einer gewesen, aber so sehr er auch in seinem Gedächtnis kramte, es wollte ihm einfach nicht einfallen. Dies war eine der Sachen, wobei einem auch keine Datenbank helfen konnte, die man vom HUD seines Helms aus hätte abrufen können. Vielleicht war der Meeresgeruch ja eines dieser Understatement-Parfüms einer Welt, die er nur noch nicht kannte. Die Färbung von Udelens Basic jedenfalls konnte er ebenso wenig zuordnen.
„Dann nehme ich an, unsere Übereinkunft schließt Söldnerarbeit mit ein", unterbrach Udelen seine Erinnerungen. „Die üblichen Konditionen."
Boba Fett hob eine Hand, um deren leere Innenfläche dem Auftraggeber zu präsentieren. „Nicht alle Mandalorianer sind Söldner. Sie suchen sich die Aufträge aus, die sie übernehmen."
Als ob das einen Unterschied machen würde, Mand'alor. Du nimmst meine Aufträge an, weil du hörst, was du hören willst – und weil ich weiß, was ich dir sagen muss, damit du sie annimmst. „Dann bitte ich Sie, sich mit einigen Truppen Ihrer Wahl in acht Wochen für ein Treffen zur Verfügung zu halten."
„Besser, Sie verraten mir, was uns erwartet, damit ich die richtigen Leute für den Job mitbringe." Ich bin nicht dein Handlanger, Freundchen. Ich bin mein eigener Herr. „Wie immer behalten wir uns das Recht vor, Ihr Angebot abzulehnen."
Udelen nahm diese Ansage mit einem unmerklichen, nachsichtigen Lächeln zur Kenntnis. Ich werde ihn bei seiner Ehre als Krieger packen. „Sie haben sich gar nicht danach erkundigt, wer die Gegner sein werden."
Fett brachte es fertig, arrogant mit den Schultern zu zucken. „Sie würden es mir ohnehin nicht sagen."
Udelens Lächeln wurde einen Hauch dünner und breiter. „Stimmt."
„Darum rechne ich mit dem Schlimmsten."
Der Schwarzgekleidete machte eine Andeutung, als wolle er dem Mand'alor auf die Schulter klopfen. „Tun Sie das. Dann bis in acht Wochen."
Udelen gab Boba Fett den Creditchip und der Kopfgeldjäger prüfte ihn. 200 000 Credits. Woher hatte ein Typ wie Udelen so viel Knete? Aber natürlich war Boba Fett diskret und professionell genug, nicht nach derlei zu fragen.
Der Mand'alor ging zum Gladiator-Angriffsjäger von Goran Bevin. Er musste nicht anrufen, keinen Code absetzen, dass sich die Einstiegsluke für ihn öffnete und er hineingehen konnte.
„Also sooo hässlich sieht er nun auch wieder nicht aus", sagte Boba Fett zu Goran Beviin, der im Cockpit saß. „Da gibt es üblere Typen."
„Na, wenn du das sagst", erwiderte Goran mit Skepsis in der Stimme.
„Er hat mir 200 000 Credits gegeben … im Voraus."
Ein Pfiff entwand sich Bevins Mund. „Wofür?"
„Es wird Krieg geben. Und er will uns unsere neuen Gegner vorstellen."
„Lass mich raten: Er hat die Gegner nicht genannt."
„Braucht er auch nicht", meinte Fett leichthin. „Es handelt sich immer um zeitlich begrenzte Operationen. Das versichere ich dir. Und sollte die Sache zu schlimm werden, können wir jederzeit aussteigen."
„Ja, sicher", erwiderte Goran und nickte. Ich hoffe, wir können das dann noch.
Die beiden Männer schauten dabei zu, wie Udelens Luftspeeder abhob, dann deaktivierte Boba Fett mittels seiner Helmverbindung die Kanone der Slave 1, die er scharf gemacht und auf den T-77 gerichtet hatte – nur für den Fall. Er wusste, dass der Kontrolltower des Raumhafens von Keldabe den Speeder verfolgen würde, bis er den Orbit von Mandalore verließ – nur für den Fall.
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Der Direktor der Zentralbank von Rhommamool hatte schwitzende Hände bekommen. Sein Puls war ohnehin bereits mehr angestiegen, als gesund war. Er fragte sich, wie viel Druck er an diesem Tag noch ertragen würde müssen.
„Nein, das ist gegen die Vorschriften", sagte er und konnte doch nicht verhindern, dass seine Stimme kläglich klang. „Ich darf Ihnen keinen Kredit mehr einräumen. Sie haben bereits die letzten vier Millionen Credits nicht in ihrer Rückzahlung bedient."
Nom Anor verschränkte die Arme vor der schwarz geharnischten Brust. Sein gutes Auge schien ein Loch in den einen Kopf kleineren Menschen zu brennen, aber er wusste, dass es der Plaeryn Bol war, der dem Mann noch viel mehr Angst machte. Es kursierten bereits Gerüchte, dass dieses Auge kein gewöhnliches war. Dass es mehr als eine bloße Prothese war, dass es gar sehen konnte – und dem Angeschauten die intimsten Geheimnisse entreißen konnte. Nom Anor hatte sich weder die Mühe gemacht, den Zustand in seiner linken Augenhöhle zu erklären noch irgendetwas zu dementieren. Sollten die Gerüchte doch ruhig weiter ins Kraut schießen, wenn das seine Macht festigte. Manchmal sagen keine Worte mehr als alle Worte zusammen.
„Ich dachte immer, hochrangige Angestellte einer Bank würden langfristig planen", sagte er in lauerndem Bedauern. „Sie wissen, dass wir den Osarianern keinerlei Schürfrechte mehr gestatten und so immer mehr Gewinne in unsere Kassen gespült werden. Zusätzlich zu den Ausgleichszahlungen, die Senator Zinngogg im Galaktischen Senat gegenüber Osarian beantragt hat."
Die schwarzen Augen des Bankdirektors wurden panisch. „Aber darauf werden die Osarianer sich nicht einlassen! Sie haben sich noch nie auf so etwas eingelassen!"
Nom Anor lächelte hinter seiner schwarzen Maske. „Glauben Sie mir, Direktor, Osa-Prime wird sich darauf einlassen."
„Wie können Sie da so sicher sein?"
Nom Anor trat einen Schritt auf ihn zu, bis nur noch fünf Zentimeter die beiden Männer voneinander trennten und der Direktor gezwungen war, zu dem Anführer der Roten Ritter von Rhommamool aufzuschauen. „Wir werden die Osarianer zwingen."
„Wie?", schnappte der Direktor. „Die würden uns beschießen. Es würde Krieg geben!"
Den gibt es bald sowieso.
Nom Anor ergriff die Hand des Direktors. „Wir werden aber zuerst schießen. Und jetzt unterschreiben Sie schon den Vertrag, bevor ich richtig ungemütlich werde!"
Die Knöchel an der derart gepackten Hand des Direktors wurden weiß. Der Schweiß an seiner Hand begann zu rinnen. Ein, zwei leiser Platscher auf dem Boden machten das Rinnen hörbar. Sicher hörte der Schwarzgeharnischte es auch. „Natürlich, Sir Nom Anor."
Der ungekrönte König Rhommamools verließ die Zentralbank, deren Gebäude von einem Kordon seiner Roten Ritter für das Leben umstellt war, während ihr Anführer drinnen mit dem Direktor harte Verhandlungen geführt hatte.
Als Nom Anor wieder allein in seiner Villa war, stellte er die Holo-Konsole an, um die Nachrichten zu hören.
Der Sprecher, ein blauer Twi'lek, bereitete ihm dieses Mal eine ganz besondere Freude.
„Wie erst heute bekannt wurde, hat gestern auf der Huttenwelt Ylesia ein Putsch stattgefunden. Dem Putsch ging die Explosion der Sternenjacht von Tolja Besadii Diori im Orbit des Planeten Bimmisaari voraus. Die Ursache dieser Explosion ist bislang ungeklärt. Grabbus Progga, der neue Machthaber auf Ylesia, hat die Rückendeckung des Progga-Clans bei seiner Machtübernahme, während Borga Besadii Diori auf Nal Hutta eine Erklärung veröffentlicht hat, dass sie diese Krönung von Grabbus zum neuen König Ylesias nicht gewillt ist hinzunehmen.
Der Bürgerkrieg auf Ter Abbes tobt weiter. Xynnox T'Leeth, der Nachfolger des vor acht Monaten ermordeten Oppositionsführers Tholote B'Leph, hat angekündigt, den bewaffneten Kampf gegen Präsident Hankoth solange fortzusetzen, bis jener abdankt und somit die Rache für B'Lephs Tod vollzogen ist. Hankoth wiederum weigert sich unter Verweis auf die prekäre Sicherheitslage auf Ter Abbes kategorisch, den Präsidentenpalast zu räumen unter Verweis auf die Militanz und Gewalttätigkeit einer Opposition, die seine Verhandlungsangebote bereits mehrmals zurückgewiesen hat.
Und jetzt noch die Nachrichten von Adumar …"
Nom Anor wusste bereits, dass auch der Bürgerkrieg auf Adumar nicht so schnell enden würde. Auf dem Planeten hatte sich ebenfalls eine Rote Ritter-Miliz gebildet, die er von Rhommamool aus tatkräftig finanziell unterstützte – einer der Gründe, warum er heute die Zentralbank seiner derzeitigen Wahlheimat aufgesucht hatte.
Er schaltete die Holo-Konsole aus und holte sich ein Kri'gee-Bier aus dem Kühlschrank, um den kühlen Getreidesaft genüsslich zu schlürfen, während sich neue Pläne in seinem Hirn entfalteten. Ja, das Mando-Gebräu stieg in den Kopf, aber nach so einem erfolgreichen Tag war das angemessen – und es ließ einen hernach herrlich schlafen.
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Im Jahre 24 nach der Schlacht von Yavin auf dem Weltschiff der Gestalterdomäne Q'el – sieben Wochen der Beginn der Invasion der Yuuzhan Vong
Nom Anor hatte keine Ahnung, was ihn erwarten würde, wenn er zum ersten Mal seine Halbschwester besuchen würde. Er hatte wieder einmal vergeblich versucht, Nagme zu erreichen, aber jetzt, wo er seine Geliebte in einer wichtigen Angelegenheit wirklich brauchte, war sie nicht für ihn da. Also war Vilyu Anor seine letzte Hoffnung.
Die Türmembran schwoll an, ging auf und Nom Anor trat ins Büro der jungen Konsulin.
„Hallo, Glückwunsch zur Ernennung zur Konsulin", begrüßte Nom Anor seine Halbschwester, die hinter ihrem Schreibtisch saß.
Vilyu Anor hatte genauso blaue Augen wie er selbst und war etwas kleiner als er. Die langen dunkelbraunen Haare trug sie in mehreren Zöpfen geflochten. Ihr Gesicht wies mehrere schmale, in eleganten Schlängellinien verlaufende Narben auf, die so gestaltet waren, dass sie die Tätowierungen in deren Windungen nicht unvorteilhaft beeinträchtigten. Ihre Haut war noch etwas blasser als seine eigene und wies im Gegensatz zu seiner Hautfarbe keinerlei gelblichen Schimmer auf. Seine Halbschwester trug ein schulterfreies, knallrotes, eng anliegendes organisches Kostüm, welches ihr Dekolleté sehr vorteilhaft betonte, vor allem, als sie sich nach vorn beugte, um von ihrem Stuhl aufzustehen und ihn zu begrüßen.
„Ich hab mich schon lange gefragt, wann wir uns mal begegnen. Glückwunsch auch zum Exekutor."
Nom Anor vermeinte, Geringschätzung aus ihrer Stimme heraus zu hören. „Respekt, dass du dich so schnell hochgearbeitet hast."
Sie lachte. „Du bist sicherlich nicht hergekommen, um dich nach den Geheimnissen meines Aufstiegs zu erkundigen. Willst du einen Pryash?"
„Gerne." Sie ging zu einer Ausbuchtung im Büro, wo sie eine Flasche mit dem Schnaps zu stehen hatte, und brachte ihrem Halbbruder ein Glas. „Auf unsere Beförderung."
Sie stießen an und Nom Anor nahm einen großen Schluck. „Es geht darum, dass ich einen Yammosk für die Praetorite Vong brauche."
Sie zog die zu einer Linie von Punkten rasierten Brauen hoch. „Was sagt denn der Oberste Kommandant dazu?"
„Nas Choka hat mein Ansinnen abgelehnt. Auch Präfekt Da'Gara kann ihn nicht umstimmen."
„Ich nehme stark an, der Oberste Kommandant möchte nicht, dass die Praetorite Vong zu mächtig werden."
„Zu mächtig?", schnaubte Nom Anor. „Es sind gerademal drei Weltschiffe, die unsere Vorhut bilden. Die Kriegerdomänen jedoch haben viel mehr Weltschiffe. Und darüber hinaus will ich den Yammosk ja auch nur zu Verteidigungszwecken, falls nötig."
„Ich glaube, Nas Choka hat dir und Da'Gara das nicht abgenommen."
Nom Anor nickte. „Er meint, wenn wir es klug genug anstellen, brauchen wir keinen Yammosk, aber Da'Garas Leute sind genauso Krieger wie die von der Domäne Lah oder Hul. Wieso also sollten sie dann auch keinen Yammosk bekommen?"
„Vielleicht, weil sie trotz allem nur zur Verwalterkaste gehören?"
„Nur?", fragte Nom Anor höhnisch.
Sie schaute, als hätte sie das eben nicht gesagt. „Das ist ja nicht meine Meinung, aber der Oberste Kommandant denkt gewiss so. Er hat von der Verwalterkaste generell keine allzu hohe Meinung."
„So etwas habe ich mir bereits gedacht", stimmte ihr ihr Halbbruder zu. „Denkst du, Tsavong Lah denkt anders?"
„Das Weltschiff des Kriegsmeisters befindet sich noch weit hinten im Leeren Raum. Ich befürchte, wenn wir den Obersten Kommandanten derart übergehen, dann könnte das später übel für uns ausgehen, falls es herauskommt."
„Nicht, wenn wir siegen."
Sie lächelte fein. „Dann erst recht. Kennst du keinen Gestalter, dass du direkt von der Quelle einen Yammosk bekommen kannst?"
„Da gäbe es schon jemanden. Allerdings ist der Kontakt eher sporadisch und momentan kann ich den Gestalter überhaupt nicht erreichen. Aber die Invasion soll bald starten."
Sie beugte sich etwas vor, so dass ihr Dekolleté noch etwas besser zur Geltung kam. „Mir scheint, du weißt, wann genau sie losgeht."
Er nahm einen erneuten Schluck. „Vielleicht weiß ich das."
Sie trat einen Schritt von ihm zurück und verschränkte die Arme vor ihrer Brust, so dass die Busenfalte sich noch schärfer abzeichnete. „Du weißt vielleicht, wann die Invasion losgeht und ich kann dir vielleicht einen Yammosk besorgen."
Nom Anor schaute auf sein leeres Glas und sie nahm es, ging wieder zu der Nische, um nachzuschenken. Er nippte nur kurz. Eigentlich hatte er sich mit diesem Blick ins leere Glas lediglich eine Denkpause verschaffen wollen. Der Fusel begann bereits, sich in seinem Hirn breitzumachen und auch wenn jetzt eine gewisse Aufgeschlossenheit angesagt war, wollte er es damit nicht übertreiben. „Also gut, die Invasion wird in fünf Klekket starten."
Sie lächelte. „Das wird reichen. Aber ich möchte dann noch ein Haus auf einem netten Planeten oder Mond, wo ich mich unbehelligt mit Leuten treffen kann."
Er schluckte und dachte an das idyllische Haus auf dem Mond Lamyon bei Ryloth, welches ihm Konsul She'i Vish vermacht hatte. Sicherlich würde ihm seine Halbschwester von Zeit zu Zeit auch die Nutzung gestatten, wenn er es brauchte. Würde sie?
„Bist du denn oft unten in der Galaxis?"
Ihr Ton wurde fordernd. „Kriege ich das Haus nun oder nicht?"
„Natürlich", hörte er sich sagen.
Ja, ein Yammosk war eigentlich noch viel mehr wert als ein lebloses Haus der Ungläubigen. Ihn beschlich so eine Ahnung, wie seine Halbschwester es geschafft hatte, so schnell zur Konsulin aufzusteigen. Er griff in seine Tasche, zog die Schlüsselkarte für das exklusive Anwesen auf dem Mond heraus und überreichte sie ihr.
Sie grinste. „Wie widerlich rechteckig!"
Er erwiderte ihr Grinsen. „Das Haus ist noch rechteckiger, aber manche Zimmer sind auch quadratisch."
„Bist du dort unten eigentlich auch Jedi begegnet?", wechselte sie das Thema.
„Ja, schon einigen", sagte er stolz.
„Und hast du das Geheimnis ihrer Macht bereits ergründet?"
„Dazu müssten meine Gestalterkenntnisse besser sein. Vorerst begnügen wir uns damit, die Jedi zu schwächen und ganz aus dem Verkehr zu ziehen."
„Und wie machst du das?", wollte sie wissen und berührte dabei seinen Unterarm.
Er ertappte sich dabei, dass er bei ihrer Berührung etwas stärker atmete. Tja, wenn sie nicht seine Halbschwester wäre … „Die Jedi können uns nicht fühlen wie sie andere Wesen fühlen können. Diesen Umstand nutze ich aus, um sie zu überraschen."
Sie machte in schleichenden Schritten einen Halbkreis um ihn herum. „Du hast schon einen getötet?"
„Ich habe dafür gesorgt, dass einer starb, ja."
Sie stellte sich vor ihm hin und sah ihm in sein gutes Auge. „Also hast du ihm nicht in die Augen gesehen, als er starb."
„Unnützer und gefährlicher Heroismus", gab er von oben herab zurück. „Aber es werden weitere folgen. Das verspreche ich dir."
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Im Jahre 24 nach der Schlacht von Yavin – sechs Wochen vor der Invasion
Vilyu Anor tat, als käme sie rein zufällig ins Büro des Gestalters. Meister Sihho Q'el war nicht unbedingt eine Augenweide von einem Yuuzhan Vong, dafür stets bedacht, seine Stellung zu festigen und seinen jeweiligen Adepten und die Initiaten unter seiner Aufsicht zu Höchstleistungen anzutreiben, was die Arbeit anging. Genauso einen brauchte die junge Konsulin.
„Ich habe gehört, dass Sie und ihre Leute an einer neuen Generation von Dovin Basalen arbeiten, die noch schneller Gravitationsanomalien aufbauen als bislang üblich. Mir ist die Leitung eines Projekts übertragen worden, welches sich direkt in der Galaxis der Ungläubigen entfalten soll und Sie wurden mir empfohlen."
Eifer glomm in Sihho Q'els schwarzen Augen auf. „Wie lange soll das Projekt denn dauern und wo wird es stattfinden?"
„Mir ist bewusst, dass ich Sie nicht allzu lange von Ihrer Arbeit hier wegholen kann, aber eine Woche wäre ein guter Anfang fürs Erste. Es wird auf den Planeten Ryloth gehen."
Sihho glotzte auf ihr freizügig dargebotenes Dekolleté. Vilyu vermutete, dass er überlegte, ob sie wohl dort Implantate hatte. „Von dem Planeten habe ich noch nie gehört."
„Dann werden Sie der Erste sein, der ihn kennenlernt."
Eine Woche später trat das felsige Korallenschiff mit der Konsulin und dem Gestalter an Bord im Orbit über dem Planeten Osarian aus dem Dunkelraum aus. Von der Ferne konnte man als größeren Punkt den Zwillingsplaneten Rhommamool sehen.
„Das ist nicht Ryloth", sagte Sihho irritiert zu seiner Ko-Pilotin.
Sie strich über seine Hand. „Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen."
„Ich dachte, die Arbeit wäre auf Ryloth", stutzte er.
Sie seufzte lautlos über seine Engstirnigkeit. „Keine große Sache", meinte sie mit einer wegwerfenden Handbewegung. „Es geht darum, ein bestimmtes Schiff aus dem Hyperraum zu ziehen, wenn es diesen Teil der Corr – rellianischen", sie hatte Mühe mit diesem Wort, „Handelsstraße passiert. Dann versenken wir das Schiff vermittels des Dovin Basals unten auf dem Planeten – fertig."
„Wer ist denn auf diesem Schiff?", wollte der Gestalter wissen.
Sie zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung, aber zur Belohnung dürfen wir auf einem Mond von Ryloth in einem schönen Haus wohnen."
„Wenn Sie das sagen", meinte der Gestalter eher weniger überzeugt.
Ihr Korallenfelsen von Schiff hing unauffällig außerhalb der Sichtweite der osarianischen Orbitalwacht. So hatte es ihm Vilyu Anor versichert unter Bezugnahme auf einen Kontaktmann, der sich in diesem Teil der Galaxis bestens auskennen würde. Also beschloss er, der hochrangigen Verwalterin zu vertrauen.
Die Kontrollhaube des Schiffes über den wohlfrisierten Kopf gezogen, saß Vilyu im bauchigen Pilotensitz und bewegte ihre Arme in den Steuerungssäcken, um dem Schiff Befehle zu erteilen, während die Haube, die an einer Art riesiger Nabelschnur von der Schiffsdecke hing, ihr Informationen übermittelte. Nach einer Weile blinkten einige Sensoren auf und Vilyu wandte sich zu Sihho um, ohne die Kontrollhaube von ihrem Kopf abzunehmen.
„Machen Sie den Dovin Basal bereit. Unser Ziel ist jetzt nahe genug."
Sofort machte sich der Meistergestalter an diese eher niedere Arbeit. Das Schiff ruckelte durch den Gegenstoß, dann materialisierte sich das elegante Shuttle der Lambda-Klasse vor ihnen. Das Schiff der Ungläubigen machte eine Fassrolle. Offenbar war es durch das Herausreißen aus dem Dunkelraum völlig überrascht worden und der Pilot hatte die Steuerung für den Moment nicht im Griff.
„Soll ich es jetzt nach unten drücken?", fragte Sihho die Pilotin.
„Wäre gut, bevor sich jemand dort drin irgendeinen Reim auf unser Schiff machen kann. Wir sind doch ziemlich nah, wenngleich ich bezweifle, dass er oder sie alle Felsbrocken in der Nähe von Osarian kennt."
Der Gestalter berührte den Dovin Basal und der gigantische Gravitationserzeuger kehrte den Zug um hundertzwanzig Grad, um ihn in einen Druck zu verwandeln, der das dem Hyperraum entrissene Schiff gnadenlos und in schnurgerader Linie nach unten in Richtung Planet drückte. Der Druck dauerte vielleicht zwei Minuten, dann versuchte die Beute seitlich auszuscheren. Der Dovin Basal änderte die Richtung und das Schiff wich in die Gegenrichtung aus und – flog davon.
„Setzen Sie den Yaret-Kor ein!", befahl Vilyu.
„Aber … verrät uns das nicht?"
„Wenn das Schiff dadurch tödlich getroffen wird und rasend schnell auf der Planetenoberfläche aufschlägt, interessiert sich doch kein Vlekin mehr dafür", beruhigte ihn Vilyu.
Also machte Sihho die Plasmakanone bereit, zielte und schoss. Eine am Rumpf des Lambda-Shuttles aufblühende Feuerblume zeigte an, dass das Ziel getroffen worden war.
„Sehr gut!", lobte Vilyu ihren Kanonier, während die beiden Yuuzhan Vong dabei zusahen, wie das weiße Shuttle völlig ohne Kontrolle auf Osarians Oberfläche zuraste. Ein weiteres Glühen erschien, als das verendende Schiff in die Atmosphäre des Planeten eintrat. Aufgrund des atmosphärischen Widerstands erfolgte eine Explosion und die Trümmerteile flogen auseinander.
„Sehen Sie, Sihho Q'el", meinte Vilyu. „Wer wird da noch nach einer Plasmakugel fragen?"
„Trotzdem wäre mir lieber, der Dovin Basal hätte die Arbeit alleine bewältigt."
„Er hat dem Schiff vorher die Schilde runtergerissen, so dass es unserem Treffer ausgeliefert war. Das ist schon sehr gut. Und um Ryloth herum gibt es genügend Felsbrocken an denen wir üben können", versprach die Konsulin. Dann nahm sie ihre Pilotenhaube ab und lächelte den Meistergestalter an, gewiss, dass ihr Lächeln erwidert werden würde.
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Zwei Tage später auf dem Planeten Monor II
Zwei Männer und eine Frau vom einheimischen Volk der Sunesi waren damit beschäftigt, die türkisfarbenen Masken zu kontrollieren, die es den auserlesenen Gästen der Krönungsfeierlichkeiten auf dem Planeten Monor II ermöglichen sollten, unbeschadet die für die meisten Wesen giftige Luft des Planeten zu atmen, welche als Cirrinebel bekannt war.
„Schade, dass ich bei der Zeremonie nicht dabei sein kann", sagte die türkisfarbene Sunesi-Frau auf Basic zu dem Menschen neben ihr. „Aber ich habe nachher eine Schicht Arbeit unten im Palastkeller."
Der mittelalte Mensch strich mit seinen schlanken Fingern über eine der Masken, von denen er selbst eine trug. „Ich kann Ihnen nachfühlen; ich muss auch gleich zurück nach Coruscant ins Biologische Institut, wenn wir hier fertig sind."
„Ich finde es sehr aufmerksam, dass das Biologische Institut Coruscant das überwacht", sagte der männliche Sunesi.
Die Augen des Menschen legten sich in Fältchen. „Als Nicht-Sunesi hängt auch mein Wohl und Wehe vom Funktionieren dieser Maske ab. Außerdem gibt es noch andere Welten mit für Menschen toxischer Atmosphäre, für die wir Masken entwickeln wollen, die leichter zu handhaben sind als die Sauerstoffmasken im Weltraum. Da ist Ihre Maske wegweisend."
„Welche Welten denn zum Beispiel?", fragte der männliche Sunesi.
„Skako und Dorin", kam prompt die Antwort.
„Diese Planeten sind schon seit langem bekannt", meinte der Sunesi. „Und gerade Skako ist hochentwickelt! Kaum zu glauben, dass man dort noch keine effektiven Masken für Nicht-Skakoaner entwickelt haben soll."
„Schau dir doch mal die Skakoaner außerhalb ihres Heimatplaneten an", sagte die weibliche Sunesi. „Die tragen ja nur diese umständlichen Anzüge. Ich glaube nicht, dass diese Spezies besonderen Wert auf Eleganz legt so wie wir."
„Im Gegenteil: Die finden das cool", sagte ihr Kollege. „Ich hab mal eine Reportage von Skako gesehen, und da wurde gesagt, dass sich die Skakoaner derart entwickelt haben, dass sie ohne technische Hilfsmittel noch nicht einmal auf ihrem eigenen Heimatplaneten leben können."
„Können schon, aber sie wollen nicht", korrigierte die Frau, jedoch nicht auf Basic, sondern vermittels jener Ultraschalllaute, mit denen sich Sunesi außer in ihrer mundgesprochenen Muttersprache mit ihresgleichen verständigten.
„Nicht so viel schwatzen bitte", ermahnte der Mensch die Beiden. „Hier geht es nicht um Trends, sondern um aktuelle Gefahrenabwehr!"
Die schwarzen Augen der Sunesi-Frau wurden groß und rund. „Was? Welche Gefahr?"
In den blauen Augen des Professors spiegelte sich Besorgnis. Er zückte sein Prüfgerät und ließ es in einer Höhe von ein paar Millimetern über der Innenseite der Maskenoberfläche entlanggleiten. „Ich bin nicht nur zu Forschungszwecken hier. Diese Begründung wurde lediglich offiziell ausgegeben, um im Vorfeld der Krönungsfeierlichkeiten Aufregung zu vermeiden. Es hat im Vorfeld der Krönung einige Anschlagsdrohungen gegen einzelne Politiker gegeben, die an der Zeremonie teilnehmen werden. Und glauben Sie mir, dabei handelt es sich nicht nur um schießwütige Splittergruppen, sondern auch um derart skrupellose Leute, dass sie noch nicht einmal vor Giftanschlägen haltmachen, egal wie viele Leute dabei draufgehen."
„Giftanschläge?", hauchte die Frau.
„Und genau deshalb müssen wir jedes Risiko für die Gäste ausschließen", sagte der Mensch und legte die Maske auf den Stapel der bereits kontrollierten Masken. „Schließlich wird diese Zeremonie vom Holonet in die ganze Galaxis übertragen und es wäre wahrlich kein gutes Omen für Agapos den Zehnten, wenn seine Regentschaft mit einer Mordserie beginnt."
„Im Prinzip gibt es ja eh keine absolute Sicherheit", sagte der männliche Sunesi, der die vom Professor geprüften Masken in eine Folie packte und seiner Kollegin gab. „Noch zwanzig Stück, Drina."
Drina ließ ihren stabförmigen Brenner über die Folie fahren, um die Maske darin luftdicht einzuschweißen, während der Professor eine neue Maske nahm, um mit seinem Prüfgerät darüber zu gehen.
„Fertig!", sagte Drina.
Der Professor lächelte. „Nun dann, möge Ihr Leben unter Agapos X. besser werden."
„Viel Erfolg noch bei Ihren Forschungen", sagte der männliche Sunesi, bevor er mit seiner türkisfarbenen Kollegin davonging.
Nom Anor stand in der Empfangshalle des Palastes des zu krönenden Priester-Fürsten Agapos dem Zehnten. Er hatte wieder seine schwarze Kluft angetan, die man von Rhommamool kannte. Vor dem Gesicht hatte er die Maske, die jegliche Regungen seines Gesichts verbarg, jedoch zwei Schlitze für die Augen freiließ. Wer genau hinsah, sah, dass die Augen nicht gleich waren, denn im Gegensatz zu früher trug er jetzt ganz offen sein Plaeryn Bol. Bislang hatte jeder diesen Ersatz für einen künstlichen Augapfel gehalten – oder für eine unnatürliche Deformation eines natürlichen Auges – genau, wie beabsichtigt.
„Die Natürlichkeit des Lebens ist alles, was wir brauchen", erklärte er der Traube von Zuhörern, die sich um ihn scharte. „und genau diese Natürlichkeit ist es, die die Republik uns vorenthält, indem sie uns immer neue technische Abscheulichkeiten aufdrängt, die unser Leben verfremden und uns zu Sklaven einer Technik machen, die wir nur bedingt kontrollieren können."
„Also mein Rasierapparat hat bislang immer das getan, was er sollte – rasieren", sagte ein Mann belustigt.
„Was, wenn jemand darin eine Bombe einbaut, von der Sie nichts wissen?", fragte Nom Anor.
„Na, wenn ich so wichtig wäre, dann würde ich bestimmt nicht hier herumstehen und Ihnen zuhören", gab der Mann zurück.
Nom Anor lächelte hinter seiner Maske. „Und doch tun Sie es. Warum?"
„Weil die Krönungszeremonie erst ein einer Stunde anfängt."
Einige Zuhörer lachten.
„Aber diese Attentäterdroiden sind der Gipfel der Abscheulichkeit, den diese Galaxis toleriert", kam Nom Anor wieder zum Thema zurück.
„Mir ist es egal, ob ich von einem Attentäterdroiden gekillt werde oder von Typen wie Ihnen", sagte ein anderer Mann.
„Das ist genau das Problem der heutigen Zeit", meinte Nom Anor salbungsvoll. „Den Leuten ist alles egal und sie lassen zu, dass ihnen die Zukunft aus den Händen genommen wird – unter anderem von den Jedi!"
Sein gutes Auge scannte die Menge. Irgendwann musste sie kommen. Seit er die Gästeliste illegal eingesehen hatte, wusste er, dass eine recht prominente Jedi bei den Krönungsfeierlichkeiten anwesend sein würde.
„Die Jedi kann ich auch nicht leiden", sagte ein anderer Zuhörer. „Haben immer weise Sprüche parat, aber wenn man sie dann mal braucht, sind sie nicht da."
„Die Jedi tun schon was", sagte ein anderer Mensch.
„Ach ja? Was denn?", fragte eher kleiner, dunkelblonder Mensch mit sarkastischem Unterton.
Nom Anor nickte Shok Tinoktin zu. Sein Stellvertreter war immer mit den passenden Fragen zur Stelle, um den Unterstützern des Predigers Rückendeckung zu geben. Zustimmendes Gemurmel erhob sich, als der Jedi-Befürworter zunächst schwieg.
„Ich werde es Ihnen sagen!", tönte Nom Anor. „Die Jedi beschützen die falschen Leute und bevormunden all jene, die es wagen, eigenständig zu denken und zu handeln. Kurzum, sie halten all jene nieder, die es wagen, der Macht ihrer monströsen Lichtschwerter zu trotzen!"
„Sie werden schon sehen", sagte sein Herausforderer düster. „Wir brauchen keine Lichtschwerter, um mit Ihresgleichen fertigzuwerden."
Mit diesen Worten drehte er sich um und ging. Nom Anor sah ihm gelassen hinterher. Bis jetzt entwickelte sich alles genauso, wie er es geplant hatte.
Nom Anors gutes Auge nahm die rotblonde Frau wahr, die an der Seite eines Triffianers in den Raum kam. Der Mann war einen Kopf kleiner war als seine menschliche Begleiterin. Er wusste bereits, dass es sich bei dem felligen Triffianer um Senator Aagros Li handelte, den Enkel eines früheren Senators des Planeten Triffis auf dem Planeten Coruscant. Nicht, dass sich der Exekutor wirklich für die Familiengeschichte des Senators interessiert hätte. Das war lediglich ein nützliches Detail für den Fall, dass es zu einem Gespräch kommen würde. Momentan jedoch hörte sich Nom Anor lieber selbst reden. Und selbst das war jetzt nicht mehr von Belang. Sie war gekommen. Und endlich würde er seinem Volk zeigen können, wie man diesen Supergeschöpfen der Galaxis beikommen konnte. Und die Bewohner dieser Galaxis würden erkennen, dass es keinen Zweck hatte, sich auf die Jedi zu verlassen.
Mara Jade drehte sich zu ihm um, zweifellos, weil er mit seinen Brandreden die Aufmerksamkeit vieler Leute auf sich zog. Aber diese völlig normale Reaktion der Jedi wich schon bald etwas anderem, was Nom Anor großes Unbehagen bereitete. Ihre geistige Fixierung auf ihn war derart, dass Senator Li sie am Ärmel zupfte, um ihre Aufmerksamkeit zu erheischen. Aber Mara Jade gebot ihm mit einer Handbewegung, sie in Ruhe zu lassen.
Mara glotzte weiter in seine Richtung und Nom Anor feixte innerlich. Selbst, wenn Mara Jade seine Abwesenheit in der sogenannten Macht spürte, so konnte sie nichts tun – zumindest nicht jetzt und hier unter aller Augen. Nicht, solange er sich friedlich verhielt. Nom Anor verspürte keine Neigung, die Jedi unnötig zu provozieren. Er war umringt von vielen Leuten und wenn er sich an seinen Plan A hielt, würde Plan B nicht zum Einsatz kommen müssen.
Ein in blauer Livree angetaner Sunesi kam in den eigens für die ausländischen Gäste klimatisierten Bereich. „Die Krönung beginnt in einer Viertelstunde auf dem Platz vor dem Palast. Bitte holen Sie sich Ihre Atemmasken in Raum B12 ab."
Sofort wurde die Traube um Nom Anor kleiner. Auch Mara Jade und der von ihr begleitete Politiker wandten sich ab und strebten Raum B12 zu. Der Yuuzhan Vong wartete eine Weile, bis er sicher war, dass genügend Zeit verstrichen war, dann ging er, begleitet von Shok Tinoktin, zur Toilette, um sich seinerseits auf die Zeremonie vorzubereiten. Er hatte das Stille Örtchen noch nicht erreicht, als ihm zwei schwarz uniformierte Sicherheitsleute der Sunesi den Weg versperrten.
„Nom Anor von Rhommamool", sagte einer der türkisfarbenen Sicherheitsleute, „hiermit werden Sie aufgefordert, Monor II umgehend zu verlassen!"
Der Yuuzhan Vong straffte sich. „Was legt man mir zur Last?"
„Unruhestiftung während der Krönungsfeierlichkeiten und Aufwiegelung zum Hass. Sie sind hier auf Monor II nicht mehr erwünscht!"
Nom Anor fixierte den Beamten, während sich Shok Tinoktin unauffällig von seinem Boss entfernte. „Haben Sie einen schriftlichen Beweis für Ihre Anschuldigung?"
Wortlos zog der Sicherheitsmann ein Stück Flimsiplast aus seiner Tasche, entfaltete es und hielt es Nom Anor viel zu dicht vor die Augen, so dass der Yuuzhan Vong etwas zurückweichen musste, um es zu lesen.
Nom Anor reckte das Kinn nach vorn. „Nun, wenn das der Wunsch des Polizeipräsidenten ist …"
„Nicht nur des Polizeipräsidenten, unseres neuen Priester-Fürsten!", legte der Beamte nach.
Der Yuuzhan Vong neigte gefällig den schwarz maskierten Kopf – seine Stimme wurde sanft und freundlich. „Nun, dann wünsche ich dem Priester-Fürsten eine lange und erfolgreiche Regentschaft."
„Wir eskortieren Sie zurück zu Ihrem Raumschiff", ignorierte der Sicherheitsmann den unterschwelligen Spott. „Es ist Ihnen nicht gestattet, noch irgendeinen Abstecher zu machen, um etwas mitzunehmen oder mit irgendjemandem zu sprechen."
Nom Anor breitete halb die Arme aus. „Das ist auch nicht nötig."
Zufrieden registrierte er, wie seine Bewacher sich entspannten. Zu dritt gingen sie zu seinem VCX-100-Frachter, der im Raumhafen stand – ebenfalls bewacht, wie Nom Anor feststellte. Es war wie so oft. Seine Verfolger kamen viel zu spät, wenn alles bereits gelaufen war. Wahrscheinlich würde sich Mara Jade jetzt in der Genugtuung suhlen, eine Gefahr gebannt zu haben. Genau wie jener Typ, der während der Diskussion in der Vorhalle die Jedi verteidigt hatte. Sollten sie doch!
Shok Tinoktin war, nachdem die Beamten seinen Boss abgeführt hatten, wieder zur Toilette zurückgekehrt, um sich so zurechtzumachen, wie es eigentlich auch Nom Anor geplant hatte. Aber das war nur Plan B gewesen. Wie bisher auch hatte Plan A auch jetzt hervorragend funktioniert und der Mensch von Rhommamool hatte sich vorgenommen, Nom Anor auch weiterhin nicht zu enttäuschen. Angetan mit einer der mit türkisfarbenen Cirri-Kristallen verzierten Atemmaske ging Shok Tinoktin hinaus auf den Vorplatz, gerade noch rechtzeitig, um nicht als verdächtiger Nachzügler ausgemacht zu werden. Er ließ sich auf dem für ihn reservierten Platz nieder und schaute auf den leeren neben sich. Jetzt, da Nom Anor fort war, konnte er dort seine Tasche abstellen. Er schaute hinauf in den Himmel, der derart intensiv türkis war, dass seine braunen Augen nicht lange hinsehen konnten, auch wenn er in die der Sonne abgewandte Richtung schaute. Schuld daran waren die winzigen Cirri-Kristallpartikel, welche auch die Luft Monor IIs so giftig machten. Er hatte von Nom Anor gehört, dass sich die ursprünglich fellbedeckten Einheimischen im Alter von 15 Jahren in einem Kristallkokon aus ebenjenen Cirri-Kristallen verpuppten, später aus diesem schlüpften, um als haarlose und türkise Sunesi mit voll entfalteten Sinnen ins Erwachsenenalter einzutreten.
Er schaute zum Podium, wo der leere Thron stand. Eine Fanfare erklang und ein Trupp rotgewandeter Ehrengardisten schritt auf den Thron zu, um sich beidseitig spaliermäßig aufzustellen. Ein Tusch ertönte und Agapos X., der neue Priesterfürst des Planeten Monor II, durchschritt das Spalier, um auf dem goldumrandeten Thron Platz zu nehmen. Die schwarzen Augen des neuen Priesterfürsten glitten milde über die Menge. Der Mann mochte vielleicht Mitte Vierzig sein, nur etwas älter als Shok Tinoktin selbst.
Das Murmeln und Geschwatze der Menge erstarb, als eine neue Fanfare ertönte. Agapos IX, der bisherige Amtsinhaber schritt auf seinen Sohn zu, in seiner Hand ein Kissen, auf welchem eine runde, aurodiumfarbene Kugel lag. Auf seinem Kopf jedoch trug er die türkisfarben glitzernde Krone, die die Herrscher Monor IIs nun schon seit Generationen trugen. Das anwesende Orchester schlug mit Zimbeln und leisen Trommeln einen erwartungsvollen Musikschauer an, der sofort verebbte, als der Vater seinen Sohn erreicht hatte.
„Mein Sohn, hiermit hast du die Ehre, mir, Agapos dem Neunten, auf den Thron Monor IIs nachzufolgen."
Agapos X. stand von seinem Thron auf und nahm die Kugel von dem Kissen, das ihm der Vater hinhielt. Dann setzte er sich wieder.
„Mein Sohn, möge Monor II unter deiner Herrschaft gedeihen und von Krieg, Seuche und anderem Unbill verschont bleiben."
„Es ist mir eine Ehre, Vater!"
Ein unterdrücktes Stöhnen kam aus dem mittleren Segment der Publikumstribüne. Shok Tinoktin wandte seinen Kopf in jene Richtung. Ein blauer Twi'lek war zusammengebrochen und wurde von zwei anwesenden Sicherheitsleuten umgehend abtransportiert. Shok Tinoktin kannte sogar den Namen. Es war Azuris Free Taa, der jüngste Sohn des früheren Senators für den Planeten Ryloth im Galaktischen Senat – und dessen Nachfolger im Amt. Der fette und als notorisch korrupt bekannte Orn Free Taa hatte seinen Sohn Azuris im stolzen Alter von sechsundsechzig Jahren gezeugt – mit einer seinen beiden Lethan-Twi'lek-Assistentinnen, die damals mit ihm auf Coruscant gewesen waren. Jetzt lag der Twi'lek wimmernd auf der Trage und schon bald darauf in einem Kranken-Gleiter, der den Unpässlichen sicherlich in ein Hospital brachte.
Agapos IX. nahm sich die Krone vom türkisfarbenen Haupt und setzte sie seinem Sohn auf den kahlen Kopf, der von zahlreichen Windungen durchfurcht wurde wie bei einem Siniteen.
Der Hauptmann der Ehrengarde trat vor. „Alle Ehre unserem früheren Herrscher Agapos dem Neunten. Lang Lebe unser neuer Herrscher, Agapos der Zehnte!"
Mara Jade schaute zum Senator neben sich, den zu bewachen sie vom Jediorden abgestellt worden war. Aagros Li hatte das Zusammenbrechen seines Twi'lek-Kollegen offenbar nicht beeindruckt. Er lauschte der Musik des Palastorchesters, die nun, wo Agapos X. die Krone Monor IIs trug, wieder zur vollen Lautstärke angeschwollen war und die mit Cirri-Kristallen durchwirkte Luft erfüllte.
„Der Schall hier ist Wahnsinn!", sagte Aagros Li zu seiner Beschützerin.
„Das ist bei ihren feinentwickelten Ohren kein Wunder", erwiderte Mara Jade und schaute auf die zwei großen Hautlappen, die den Kopf des Triffianers umspannten wie ein überdimensioniertes Segel.
„Und bisher gab es auch keinen Anschlag", plauderte der Senator weiter.
Mara lachte höflich. „Beschreien Sie es nicht, Senator."
„Schwitzen Sie unter der Maske auch so?", wollte Aagros von der Jedi wissen.
Mara ließ sich das durch den Kopf gehen. Dann schweiften ihre Gedanken ab. Hoffentlich war diese Zeremonie bald vorbei. Sie musste Luke erreichen. Möglichst, bevor sie wieder von Monor II startete. Nom Anor war nicht einfach nur gefährlich, er war unheimlich. Sie hatte ihn nicht in der Macht gespürt wie alle anderen Wesen, mit denen sie bislang zu tun hatte. Sie dachte an die Ysalamiri auf Myrkr, wo sie zum ersten Mal mit Luke zusammengearbeitet hatte, um sich gemeinsam der Vornskrs zu erwehren, die nicht nur auf Ysalamiri, sondern auf Machtnutzer jeglicher Art Jagd machten. Die Ysalamiri schafften es, dieser Bedrohung auszuweichen, indem sie Blasen um sich herum errichteten, die eine Trägheit in der Macht erzeugten, was deren Gebrauch durch Jedi verhinderte. Aber das betraf den gesamten Raum um die Ysalamiri herum. Nom Anor jedoch erzeugte keine Blase, er selbst war eine Blase – eine Blase des Nichts, denn Mara hatte weder in seinen Gedanken noch in seinen Gefühlen lesen können. Auch wenn sie Nom Anor deutlich vor sich gesehen hatte – es hatte sich angefühlt, als wäre er gar nicht da – ein Loch in der Macht, das so eigentlich unmöglich war. Selbst ein Yinchorri …
„Ich fragte, ob Sie unter der Maske auch so schwitzen wie ich", holte Senator Lis fistelige Stimme sie wieder ins Hier und Jetzt zurück.
„Ähm, Entschuldigung … nein, eigentlich nicht."
„Oh, wie schön!", hörte sie neben sich eine Stimme, die einer Gotal-Frau gehörte.
Mara schaute in den türkisfarbenen Himmel und schärfte ihre Sinne. Irgendetwas stimmte hier nicht, aber sie wusste nicht, was es war. Sie schien jeden einzelnen Cirri-Kristall in der Luft zu spüren. Es war, als würden sich die von ihr ausgemachten Kristalle durch ihre Maske hindurch in ihre Haut – in ihr Fleisch hineinbohren. Hatte sie es mit der Sinnesschärfung übertrieben? Luke würde sagen ‚Bitte etwas mehr Gelassenheit, Schatz'. Und dann würde er sie in den Arm nehmen und ihr beruhigend durch das rotblonde Haar fahren. Und sie würde sich sofort entspannen und sagen: …
„Ja, wunderschön", murmelte Mara Jade, während sie die in Regenbogenfarben schimmernden kleinen Ballons betrachtete, die in Monor IIs klaren Himmel aufstiegen. Ein paar der Ballons platzten, je höher sie aufstiegen. Das gedämpfte Geräusch der Ballonexplosionen erreichte den Platz mit einer Verzögerung, die Mara als unnatürlich empfand. Aber auch diese Schallverzögerung wurde durch die vielen Mikrokristalle in der Luft dieses Planeten verursacht. Mara schaute zu, wie einer der Ballons es schaffte, in den Himmel aufzusteigen, ohne zu zerplatzen. Der Punkt verlor seine Regenbogenfarben, wurde immer grauer, bis er verschwand. Mara überlegte, ob er gleich darauf platzen oder aber weiter aufsteigen würde, bis ihn die ewige Kälte des Alls umfangen und zu einer starren Kugel gefrieren lassen würde, die unbeachtet den Planeten umkreisen würde wie ein neuer Minimond.
Mara Jade spürte, wie sie träge wurde. Nein, ein gefrorener Minimond war kein schöner Gedanke anlässlich solch einer Zeremonie. Kein Ballon war mehr am Himmel zu sehen; dafür kamen zehn Sunesi-Tänzer, um einen Tanz zu zelebrieren, der Mara an eine frühere Reise nach Zeltros erinnerte. Nur die Schleier für die Frauen fehlten, ansonsten tanzten die Sunesi-Damen mindestens genauso anmutig wie die lilafarbenen Zeltronierinnen. Sie fühlte, wie sie müde wurde. Immer nur zuzuschauen war nicht ihr Ding … und doch war sie auch dafür ausgebildet worden.
Die Zeremonie war zu Ende. Mara Jade eskortierte den Senator zu dessen Raumschiff.
„Wie es scheint, hatten Sie Recht, Senator Li. Es ist, abgesehen von Azuris Free Taas Kollaps nichts passiert. Ich wünsche Ihnen eine gute Heimreise nach Coruscant."
„Ihnen auch, Jedi Jade-Skywalker", parlierte Aagros Li zurück und seine segelartigen Ohren wackelten in einer herzlichen Mimik.
Sie wollte sich gerade abwenden, als sie vom Inneren des Schiffes her etwas spürte.
„Entschuldigen Sie, Senator, aber ich fürchte, jemand wartet in Ihrem Schiff auf Sie." Sie schickte sich an, die geöffnete Rampe hinaufzugehen. „Ich hoffe, es dauert nicht allzu lange."
Sie gingen ins Raumschiff und Mara fuhr ihre Machtsinne aus. Die Störquelle kam aus dem Maschinenraum.
„Gehen Sie bitte in einen Raum möglichst fern vom Maschinenraum", wies Mara den Senator an.
Aagros Li tat wie geheißen und mit einem schnellen Griff öffnete Mara die Bodenklappe, die in den Maschinenraum führte – und schoss.
Der Blasterschuss wurde erwidert, nicht mit einem Gegenschuss, sondern mit einer ganzen Salve, die teils an Mara vorbeiflog, teils mit ihrem gezogenen blauen Lichtschwert abgewehrt wurde.
„Sofort rauskommen oder ich nehme Ihren Tod in Kauf!", drohte die Jedi.
Der Beschuss aus dem Inneren des Maschinenraums ging weiter und Mara deflektierte die Schüsse, als der Mann plötzlich zu Boden ging. Offenbar hatte ihn einer der deflektierten Schüsse verletzt, wenn nicht getötet. Er hatte es nicht anders gewollt!
Die blaue Klinge immer noch aktiviert, ging Mara Jade auf den am Boden Liegenden zu; da wirbelte dieser plötzlich herum, um eine runde Scheibe nach ihr zu werfen. Mara zuckte zur Seite und der flache Teller zischte einen Schlitz in ihren eng anliegenden Schutzoverall, den sie unter der weiten, harmlos wirkenden Tunika trug. Sie fühlte einen Schmerz am Hals, aber es konnten höchstens ein paar Millimeter sein, die die Scheibe in ihre Halsbeuge eingedrungen war.
Ihre Klinge kreiselte, um zwei weitere Scheiben jener Art abzuwehren, aber das war schwieriger als bei Blasterschüssen – aus dem simplen Grund, weil die Scheiben schwerer und größer waren. Sie hatte sich bis auf zehn Meter auf den Attentäter herangearbeitet, als der Mann einen würfelförmigen Gegenstand zückte. Mara wusste, was das war. Sie hatte genug. Ihre Linke schnellte vor, um mithilfe der Macht den erhobenen Arm des am Boden Liegenden festzuhalten.
„Den werden Sie nicht weit werfen können", sagte sie trocken. „Und jetzt ergeben Sie sich!"
„Lassen Sie mich los, dann ergebe ich mich."
Mara musterte den Mann. Er trug braune Lederkluft und seine gebräunte Haut war eingefallen, während die braunen Augen sie in einer Mischung aus verzweifelter Entschlossenheit und Arglist anfunkelten. Nein, der wollte sich nicht ergeben! Das konnte sie in der Macht deutlich fühlen. Sie drückte mithilfe der Macht zu und der Mann stöhnt auf, als ihm der Thermaldetonator aus der Hand fiel. Mara trat zu ihm und hielt ihm die Klingenspitze unter die Kehle.
„Aufstehen. Und Hände da, wo ich sie sehen kann!"
Der Tritt kam und traf Mara am Schienbein. Eigentlich war so ein Tritt aus dem Winkel unmöglich, weshalb Mara ihn nicht vorausgesehen hatte. Aber die Maladianer waren berüchtigt sowohl für ihre konventionellen als auch für ihre unkonventionellen Kampfmethoden. Sie kam nicht umhin, beeindruckt zu sein. Geistesgegenwärtig kickte ihr anderer Fuß den Thermaldetonator außer Reichweite des Attentäters, dann ging sie zu Boden. Die trainierte Jedi rollte sich so ab, dass sie sowohl Blaster als auch Lichtschwert in Position bringen konnte. Der Maladianer hingegen erhob sich und stürzte auf den Ausgang zu. Logisch eigentlich. Wieso hatte sie das nicht kommen sehen?
Mithilfe der Macht zog sie sich auf die Beine und sprintete ihm nach. Er schaffte es nicht, die Tür vor ihr zu schließen. Hätte er diesen wertvollen Zeitvorsprung herausgeschunden, dann hätte sie in ihrer Mission, den Senator zu schützen, sicherlich versagt. So jedoch zog Mara an dem Knauf im Inneren und zog die Tür zu, bevor der Maladianer seinen zweiten Fuß hindurchbringen konnte. Der Mann jaulte auf, denn Mara hatte das Türzuziehen derart mit der Macht verstärkt, dass der Fuß mindestens verstaucht sein würde.
Mara ließ die Tür los und der Mann lief davon, allerdings mit wesentlich weniger Elan, als er zuvor den Maschinenraum verlassen wollte. Mehr noch, er hinkte deutlich, aber sein Ziel ließ er trotzdem nicht aus den Augen. Mara griff nach einer seiner nun herrenlos an der Wand liegenden Enthaupterscheiben und warf sie nach ihm. Die diskusähnliche Scheibe traf den Mann zwischen den Schulterblättern und warf ihn nach vorn auf den Boden des Schiffsflurs. Mara sprang geradewegs auf ihn drauf und zog die Arme nach hinten, um sie mit Duroplast-Handschellen auf dem Rücken zu fixieren. Dann drehte sie den nun Wehrlosen um.
„Nun, wer schickt dich, Maladianer?"
Statt einer Antwort begannen die Kiefer des Mannes zu mahlen. Mara Jades Hand griff in seinen Mund, um zu verhindern, dass er sich seinem Verhör durch Gift entzog, aber seine Zähne waren bereit und scharf. Scharfer Schmerz durchfuhr die Knöchel ihrer Finger. Mara unterdrückten einen Aufschrei und versuchte verzweifelt, ihre Hand so zu drehen, dass sie seine Kiefer weiter öffnen konnte – nicht nur, um ihre Hand zu befreien.
Nach einer Weile ließ der Druck seines Bisses nach, seine Augen wurden glasig. Mara sah, dass das Gift anfing zu wirken und zog ihre blutende Hand aus seinem Mund zurück. Jetzt erst spürte sie, wie erschöpft sie war.
„Sagen Sie mir, wer Sie geschickt hat, verdammt noch mal!", versuchte sie es erneut.
Der Mann sah sie an – ein letzter verzweifelter Triumph, bevor er sein Leben aushauchte.
Mara stand auf. Sie spürte, wie ihr Körper zitterte. „Senator Li, die Gefahr wurde gebannt. Sie können zurückkommen."
Aagros Li kam aus dem Cockpit herüber und starrte bestürzt auf den toten Attentäter. „Wissen Sie, wer ihn geschickt hat?"
Mara zuckte mit den Schultern. „Er ist wie alle seiner Art. Maladianer sterben lieber, als ihre Auftraggeber preiszugeben. Genau deshalb wurde er ja auch angeheuert."
„Wachsam bis zum Schluss", lobte ihr Schützling sie. „Ich danke Ihnen. Wenn ich mal irgendwas für Sie tun kann."
„Danke, Senator. Es wird jetzt noch ein paar Minuten dauern, bis die Sunesi den Kampfplatz untersucht und die Leiche mitgenommen haben. Aber ich hoffe, dass Sie in einer halben Stunde starten können."
Aagros Li unterdrückte die Enttäuschung und setzte ein Lächeln auf. „Das ist das Mindeste, was ich tun kann, um diesen Mordanschlag aufzuklären."
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Zwei Tage später im Jedi-Praxeum auf Yavin IV
Mara Jade saß mit ihrem Mann auf dem Sofa und schaute auf den Blumenstrauß, der auf dem Tisch ihres Wohnzimmers stand.
„Du siehst nicht gut aus, Schatz", sagte Luke zu seiner Frau.
„Dieser Blumenduft – er ist sehr intensiv", sagte Mara und strich sich beinahe beiläufig über ihren Bauch.
„Die Blumen von Senator Li haben es in der Tat in sich", stimmte ihr Ehemann zu. „Aber wir haben schon viele Blumensträuße hier im Raum gehabt, ohne dass dir davon unwohl wurde."
„Ja, ich fühle mich etwas schlapp. Aber es ist bestimmt nur die Luftveränderung", wiegelte Mara ab. „Ich trug zwar diese Maske, aber auch der veränderte Schall durch die schwere Luft, der anschließende Kampf – offenbar bekommt mir Monor II nicht", sie lächelte rätselhaft, „… oder ...?"
„Ich werde Cilghal vorbeischicken, auf dass sie nach dir schaut."
„Danke Luke, aber ich werde selbst zu ihr gehen. Sie muss wegen mir keine Extratouren machen."
Luke strich ihr durchs Haar. „Wie du willst."
„Ist dir denn etwas eingefallen, wie man diesem Nom Anor beikommen kann?", schnitt seine Frau ein anderes Thema an.
„Er ist also ein nicht in der Macht wahrnehmbarer Fanatiker", sagte Luke in dieser beruhigenden Stimme, die Mara die Probleme mit einem Mal nur halb so schwer erscheinen ließ. „Aber wenn er in der Macht nicht wahrnehmbar ist, dann könnte das ja auch bedeuten, dass Nom Anor in gewisser Weise neutral ist, also zunächst einmal weder gut noch schlecht."
Mara lachte bitter auf. „Also neutral ist nun wirklich das letzte Wort, was mir für einen geistigen Brandstifter wie Nom Anor einfallen würde."
Luke sah ihr in die grünen Augen. „Er wurde ja von Monor II ausgewiesen und ist auch friedlich abgezogen. Also gibt es durchaus genügend Leute, die ihn in die Schranken weisen können. Das sollte dir Genugtuung genug sein, Liebes. Er vermag vielleicht auf unterentwickelten Welten wie Rhommamool leichtes Spiel haben, aber bei hochentwickelten Zivilisationen wird er auf Larmal beißen."
Ihre Hand berührte seinen Nacken. „Dein Wort ins Ohr der Macht, Luke."
Mit diesen Worten stand sie vom Sofa auf und ging.
Sie fand die Heilerin Cilghal im Medi-Trakt des Praxeums, wo sie gerade Valin Horn behandelte. Der elfjährige Sohn des Jediritters Corran Horn litt unter Durchfall und bekam gerade Tabletten aus gepressten Pflanzenteilen verabreicht, was in dem jungen Jedi einigen Widerwillen hervorrief, wie Mara in seiner Kindermiene und am gesträubten braunen Haar deutlich sehen konnte.
Sofort wandte sich die Mon Calamari Mara zu. „Was kann ich für dich tun, Mara?"
Mara registrierte die Besorgnis im Blick der aquatischen Heilerin. Nicht ganz die Reaktion, die sie sich erhofft hatte. „Ich warte, bis du mit Valin fertig bist", sagte Mara und ging in den Warteraum.
Nach einigen Minuten steckte die braune Mon Calamari ihren Kopf ins Wartezimmer und bat Mara herein. „Also, was liegt an?"
„Mir geht es nicht gut, seit ich von Monor II zurück bin. Mir wird manchmal schwindlig und ich fühle mich schlapp und matt."
Cilghal dachte einen Moment nach. Dann nahm sie Blut- und Speichelproben von Mara und untersuchte sie. „Hmmm, ich kann nichts finden."
„Nichts?"
Cilghal sah etwas im Blick der Menschenfrau, was so gar nicht zu einer Kranken passte. „Was hattest du denn gedacht?"
„Ich würde gerne einen Schwangerschaftstest machen."
Jetzt begriff die Heilerin. Sie gab Mara einen Teststreifen und Mara ging damit auf die Toilette, um nach ein paar Minuten noch frustrierter aus dieser herauszukommen. „Nichts."
Cilghal nahm beruhigend ihre Hand. „Das hat gar nichts zu bedeuten. Manche Jedifrauen spüren eine Schwangerschaft bereits in einem Stadium, wo die Tests noch gar nicht anschlagen. Allerdings sind einschlägige Erfahrungsberichte aufgrund der restriktiven Moralvorstellungen des alten Jediordens doch recht selten. Ich kann also nichts versprechen. Und um ehrlich zu sein …"
Maras Augen verengten sich. „Ja?"
„Du siehst nicht unbedingt schwanger aus. Ich fürchte, es ist wirklich eine Krankheit, aber …", die Sprechpause der Heilerin machte Mara zu schaffen, „… es ist nicht so recht greifbar."
Bestürzung machte sich in Maras Gesicht breit. „Noch nicht einmal für dich?"
Cilghal faltete die Hände vor ihrem Bauch. „Zumindest noch nicht."
„Ich warte noch eine Woche; wenn sich bis dahin keine Besserung ergibt, komme ich wieder", entschied Mara.
„Ich werde deine Blut- und Speichelproben auf jeden Fall dabehalten. Vielleicht fällt mir ja noch etwas ein, was ich übersehen habe."
Die Mon Calamari fühlte, wie sich der Enttäuschung von Mara über das Nichtvorhandensein einer Schwangerschaft gleich einer Glocke auch über sie stülpte. Es war nicht das erste Mal, dass Mara in dieser Angelegenheit bei ihr vorbeischaute. Und so wie sie Mara kannte, würde es auch nicht das letzte Mal sein.
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Als Mara nach einer Woche erneut zu Cilghal in die Praxis kam, hatte sich ihr Zustand nicht gebessert. Ihre Haut war bleicher geworden und um die Augen herum zeigten sich dunkle Ringe.
„Ich glaube, es ist doch etwas Ernstes", begann Mara ohne Umschweife.
„Das sehe ich. Das Einzige, was mir jetzt einfällt, ist, einen Scan auf molekularer Ebene zu machen."
„Geht das jetzt gleich?"
Cilghals Schnurrhaare bebten. „Den Apparat zu aktivieren dauert ein paar Minuten, aber dann kann ich das tun."
Sie ging zu einem silbermetallicfarbenen Kasten an der Wand und drückte ein paar Knöpfe. Die Maschine erwachte zum Leben und sonderte einige Pieptöne ab. Schließlich leuchtete ein grünes Licht auf.
„Dann wollen wir mal sehen", murmelte Cilghal und gab einen Blutstropfen von Mara ein.
Der Apparat spuckte einen Papierstreifen aus und Cilghal schüttelte den Kopf. „Da ist ... was?"
„Was meinst du?", fragte Mara.
„Der Computer kann die Substanz nicht identifizieren, die er in deinem Blut gefunden hat. Es handelt sich um eine Art Spore, die so fein ist, dass sie sich durch die gängigen Untersuchungsmethoden nicht nachweisen lässt."
„Also eine organische Verbindung?", sondierte Mara.
Cilghal nickte. „Ja, auf jeden Fall. Aber organisch in einer derartigen Form, wie ich sie noch nie gesehen habe. Das sind ganz sonderbare Atomverkettungen in den Molekülen. Und vor allem erzeugt diese Substanz winzige Löcher in der Macht, die der Computer so natürlich nicht ausmachen kann."
Mara zog die Brauen zusammen. „Winzige Löcher in der Macht?"
„Ein solcher Fall ist mir noch nie untergekommen", meinte Cilghal ratlos.
Maras Stimme wurde hitziger. „Nom Anor auf Monor II hat auch solch ein Loch in der Macht erzeugt. Was, wenn seine ganzen Hetztiraden dort nur ein gigantisches Ablenkungsmanöver waren – ebenso wie dieser Attentatsversuch des Maladianers auf Senator Aagros Li?"
„War denn Nom Anor die ganze Zeit über anwesend, wo du auch da warst?"
„Nein, er wurde vor Beginn der eigentlichen Krönungszeremonie ausgewiesen, weil seine Hetzreden in der Empfangshalle des fürstlichen Palastes zu viele Leute erzürnt haben." Falten bildeten sich auf ihrer Stirn, „Möglicherweise hat er das genauso inszeniert, um nach getaner Arbeit so schnell wie möglich zu verschwinden. Er erschien mir ziemlich abgebrüht. Du hättest mal sehen sollen, wie er mich angeschaut hat. Da war so eine entschlossene Kälte in seinem Blick, die so ähnlich war wie …"
„… bei Darth Vader", vollendete Cilghal ihren Satz.
„Er kleidet sich wohl nicht ohne Grund so wie er."
„Wenn deine Krankheit wirklich mit diesem Aufenthalt auf Monor II zusammenhängt, dann wäre es ja möglich, dass noch andere Leute betroffen sind. Du solltest dort anrufen", schlug Cilghal vor.
„Da fällt mir etwas ein!", rief Mara. „Da war Senator Azuris Free Taa, der während der Zeremonie zusammengeklappt war. Man hat ihn fortgebracht. Mehr weiß ich nicht. Aber zu dem Zeitpunkt war Nom Anor bereits fort, denn ich hätte ihn sofort auf der Tribüne auf dem Platz vor dem Palast ausgemacht."
Cilghal schaltete den Untersuchungsapparat wieder aus. „Dann sollten wir keine Zeit verlieren und sofort nachhaken."
Wie sieht es mit einem Gegenmittel gegen diese Spore aus?", kam Mara wieder auf ihrem Zustand zurück.
„Dazu müsste ich imstande sein, eine Substanz zu erschaffen, die jene Sporen an sich bindet, um sie wieder aus deinem Körper zu schleusen. Allein, mir fehlen das Wissen und die Mittel, um Anti-Sporen ähnlicher Art zu erzeugen. Diese Sporen sind äußerst hartnäckig. Sie haben sich in deinen Zellen festgekrallt und saugen das Leben aus ihnen heraus, um sich selbst zu nähren."
„Wie gruselig", brummte Mara. „Dann gib mir bitte eine Analyse jener Sporen, damit ich sie der Klinik auf Monor II schicken kann. Vielleicht können die Sunesi etwas dagegen tun."
Die Mon Calamari lächelte milde. „Das glaube ich zwar nicht, aber Versuchen schadet ja nichts."
Endlich hatte Mara es geschafft, den Leiter der Klinik an den Holoprojektor zu bekommen, in welche Senator Azuris Free Taa eingeliefert worden war.
„Hier Direktor Bilkadis, was kann ich für Sie tun, Jediritterin Jade?"
„Ich bin seit dem Besuch der Krönungszeremonie auf Ihrem Planeten krank und wollte mich nach dem Zustand von Senator Azuris Free Taa erkundigen, der bereits während der Zeremonie einen Kollaps erlitt."
„Eigentlich geben wir solche Informationen nicht auf distante Nachfrage raus, aber Sie sind ja eine Jedi und ich kenne Ihr Gesicht. Also: Der blaue Twi'lek war unser Patient Null", begann der Direktor. „Außer ihm sind seither noch sieben Menschen sowie eine Gotal-Frau gestorben."
Die Nachricht traf Mara wie ein Faustschlag in der Magengrube. Sie hatte während der Zeremonie nur eine Gotal-Frau gesehen. Es war jene, welche Mara auf die bunten Ballons aufmerksam gemacht hatte.
„Hundert weitere Patienten kämpfen derzeit um ihr Leben und leider wissen wir nicht, was wir tun oder wonach wir überhaupt suchen sollen."
„Es muss eine Liste aller Teilnehmer der Krönungszeremonie erstellt werden", forderte Mara. „Es muss eine großangelegte Untersuchung und eine medizinische Überwachung all dieser Leute erfolgen, da ich stark vermute, dass sie alle während der Zeremonie infiziert wurden."
Der Direktor kratzte sich am kahlen Hinterkopf. „Die Symptome zeigten sich bislang bei jedem einzelnen Patienten zu einem derart unterschiedlich versetzten Zeitpunkt, dass wir so eine Möglichkeit noch gar nicht in Betracht gezogen haben. Aber ich werde das an den fürstlichen Palast weiterleiten, so dass dem nachgegangen werden kann. Zudem sind die meisten Teilnehmer ja bereits abgereist, so dass sie möglicherweise noch gar nichts ahnen, falls die Krankheit noch nicht bei ihnen ausgebrochen ist."
„Jedi-Heilerin Cilghal hat hier auf Yavin IV eine Mikro-Spore identifiziert, die auch mich befallen hat. Sie wird Ihnen den medizinischen Befund schicken und Informationen über diese Spore."
Der Holo-Sunesi lächelte Mara zu. „Das ist sehr freundlich von Ihnen, Mrs. Jade. Ich weiß doch, dass ich mich auf die Jedi verlassen kann. Sie finden Dinge, die Normalsterblichen einfach entgehen."
„Es ist das Mindeste, was ich tun kann."
Das nächste, was Mara Jade tat, war, Senator Aagros Li auf Coruscant anzurufen und ihm ihre Entdeckungen mitzuteilen. Dem Senator ging es gut. Offenbar konnte die Spore seiner Spezies nichts anhaben. Zumindest hoffte Mara, dass die Krankheit nicht doch noch zeitverzögert auch bei ihm ausbrechen würde.
Als Drina und ihr männlicher Kollege von der Polizei auf Monor II verhört wurden, erzählten die beiden Sunesi alles, was sich vor der Zeremonie in jenem Untersuchungsraum abgespielt hatte, wo die Masken auf ihre Unversehrtheit hin überprüft worden waren.
„Professor Dendruff hat Ihnen also gesagt, dass er noch vor der Zeremonie wieder abreisen würde, ist das richtig?", fragte der verhörende Polizist.
„Ja, das ist richtig", sagte Drina. „Er sagte, er müsse wieder zurück nach Coruscant."
„Wir werden das überprüfen", sagte der Polizist und verließ den Raum.
Als er wieder zurückkam, wirkte er ratloser als zuvor. „In der Tat ist Professor Dendruff zur Veranstaltung eingeladen gewesen und sein Eintreffen wurde auch im Palast registriert, nicht jedoch seine Ein- und Ausreise am Raumhafen. Er hat sich auch nicht im Palast abgemeldet und während der Zeremonie selbst war er nicht anwesend, wie Sie schon sagten."
„Er hat uns doch noch vor Giftanschlägen gewarnt", sagte Drinas männlicher Kollege.
„Dann hat er etwas damit zu tun", sagte der Polizist. „Denn sein Raumschiff hat wohl von Coruscant abgehoben, seitdem jedoch verliert sich seine Spur. Das Biologische Institut hat bereits eine Vermisstenmeldung herausgegeben."
Drina riss ihre Augen auf. Sie dachte an den schmalen Stab, mit dem der Mensch über jede einzelne Maske gefahren war. „Dann ist der wahre Professor Dendruff niemals auf unserem Planeten gewesen und wir haben die ganze Zeit über mit einem Betrüger und Mörder zusammengearbeitet."
„… und zur Vermisstenmeldung wird ein Fahndungsaufruf hinzugefügt werden", ergänzte der Polizist. „Ich habe bereits eine Untersuchung der Atemmasken veranlasst und ein Exemplar davon an das Jedi-Praxeum in Yavin IV schicken lassen, denn auch eine Jedi wurde mit den Keimen infiziert, die schon so viele Tote forderten. Sie dürfen gehen. Wir danken Ihnen."
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Zeitgleich auf dem Mond Lamyon über dem Planeten Ryloth
Vilyu zog die Chipkarte durch den Scanner und die Tür des großen Anwesens auf dem Mond Ryloths sprang auf.
„Das ist der Flur", erklärte die Konsulin und Sihho Q'el trottete ihr nach, auf ihren Hintern glotzend. Dabei übersah er eine Statue, deren Arm etwas zu ausladend abstand. Ein lautes Krachen ließ Vilyu herumfahren und sehen, was ihr Gast angerichtet hatte. Die nicht ganz ein Meter hohe Frauenstatue war von ihrem Sockel gestoßen worden. Ihr Kopf und die Arme lagen um den Torso verstreut auf dem feingetäfelten Flur.
„Als Gestalter sollten Sie etwas geschickter und umsichtiger sein, Sihho Q'el!", meinte sie in dezidiertem Tonfall.
Der Meistergestalter deutete einen gekreuzten Salut vor der Brust an, zuckte dabei jedoch lediglich mit den herunterhängenden Händen, während er den Kopf neigte. „Belek tiu. Es wird nicht noch einmal vorkommen."
Sie lächelte belustigt. „Wenn Ihre Dovin Basale genauso effektiv die Schiffe der Ungläubigen vom Himmel holen, sei Ihnen vergeben."
Er bückte sich, um nach einem Arm zu greifen, um ihn an den Stumpf zu fügen, von welchem er abgebrochen war.
„Lassen Sie das!", hielt ihn Vilyu von dieser Trümmerbeseitigung ab. „Sie können das nachher nach draußen in den Garten bringen, wenn wir mit der Besichtigung und mit Ihrer Einweisung fertig sind."
Sihho Q'el nickte stumm. Er war müde nach dem langen Flug und wollte sich ausruhen. Nicht müde genug jedoch, um sogleich ins Bett zu fallen. Er hatte seinen Part geleistet, jedenfalls bei der „nicht großen Sache"; jetzt wollte er belohnt werden.
„Hier haben wir das Wohnzimmer", sagte Vilyu und öffnete eine weitere Tür, die den großen, behaglich eingerichteten Raum dahinter freigab, an dessen rechter Seite sich die heimelige Getränkebar befand.
Interessiert wanderten die Augen des Gestalters zu jener Bar. „Was sind das für Flaschen?", fragte er.
„Anregende Getränke, die man sich für die Momente aufhebt, die wahrhafter Erfolg zeitigt", erklärte Vilyu mahnend.
„Wir hatten heute Erfolg", forderte der Meistergestalter.
Vilyu sah ihm direkt in die schwarzen Augen. „Wie ich schon sagte: Das war keine große Sache. Ich werden Ihnen jetzt Ihr Schlafzimmer zeigen."
Sie drehte sich um und der Gestalter trottete wieder hinterher, ohne aufzumucken.
„Ich hoffe, Sie haben gut geschlafen", zwitscherte Vilyu am nächsten Morgen.
„Ja, ganz gut", sagte Sihho Q'el mit einem nicht ganz so echten Lächeln.
Vilyu konnte sich denken, warum das Lächeln nicht echt war. Sie überlegte, wann Sihho Q'el wohl begreifen würde, was für ein Spiel sie spielte … wenn er überhaupt begreifen würde.
„Ich freue mich schon, das volle Potential Ihrer Dovin Basale zu testen", sagte sie freundlich. „Und jetzt gehen wir mal in die Küche und schauen, was uns der Hausherr zum Essen dagelassen hat."
„Zumindest ist er auch ein Yuuzhan Vong", sagte Sihho Q'el, als er die Vorratskammer inspizierte und dort bekannte Speisen vorfand.
Sie bereiteten das Frühstück vor.
„Es ist wirklich sehr schön, mit Ihnen zusammenzuarbeiten", machte der Gestalter ein erstes, ungelenkes Kompliment.
„Es ist schön, zusammen die Invasion vorzubereiten", sagte Vilyu feierlich und stellte zwei Teller auf den Frühstückstisch. „Ich habe mir bereits einige Gedanken gemacht, wie wir unsere Truppen noch besser unterstützen können als nur mit der Weiterentwicklung von Dovin Basalen. Und wenn dieses Projekt Erfolg hat, dann wird uns nicht nur der Oberste Kommandant belobigen, sondern uns wird gar der Kriegsmeister selbst belohnen."
Sihho hielt in seiner Bewegung, die Tassen auf den Tisch zu stellen, inne. „An was hatten Sie da genau gedacht?"
„Die Praetorite Vong brauchen einen Yammosk. Das würde unserer Invasion den Weg schneller ebnen", ließ sie die Lothkatze aus dem Sack, während sie das Essen auf dem Tisch arrangierte.
Misstrauen schlich sich in den Blick des Meistergestalters. „Aber wieso haben die Praetorite Vong dann noch keinen beantragt?"
„Wer sagt, dass sie das nicht getan haben?"
„Es wird einen Grund haben, dass ihr Ersuchen nicht bewilligt wurde", hielt der Meistergestalter dagegen, während er die Teekanne auf den Tisch stellte.
Sie setzten sich an den gedeckten Tisch.
„Konkurrenzdenken unter Kriegerkasten", meinte Vilyu. „Sie kennen das ja sicherlich. Aber Da'Gara wird den Yammosk klug nutzen", setzte sie in beschwörendem Tonfall nach. „Und er wird sich erkenntlich zeigen. Das weiß ich. Wir gehören zu den ersten Yuuzhan Vong hier unten in der Galaxis. Und wir können auch die Ersten sein, die den Praetorite Vong einen Yammosk beschaffen."
„Was, wenn der Oberste Kommandant das herausbekommt?"
„Nas Choka ist noch weit hinten im Leeren Raum. Er kann sich nicht um alles kümmern. Sagen wir, dass wir ihm etwas Arbeit abnehmen."
Sie beugte sich über den Frühstückstisch zu ihm vor. „Für den Erfolg unseres Eindringens in diese Galaxis bin ich zu allem bereit!"
Sein Kopf kam ihr ein Stück entgegen. „Es gibt da einen Yammosk, der etwas komisch gestaltet ist, aber ansonsten tadellos funktioniert. Niemand wollte ihn haben, aber ich fand es bislang zu schade, ihn wegen einer äußerlichen Unregelmäßigkeit zu entsorgen."
Sie schob ihre Hand etwas vor, ohne die seine zu berühren, die ebenfalls auf dem Tisch lag. „Ich denke, Präfekt Da'Gara wird es zufrieden sein. Ich finde ja sowieso, dass Äußerlichkeiten viel zu hoch bewertet werden."
Ein echtes Lächeln erschien auf seinem Gesicht. „Da'Gara soll seinen Yammosk bekommen."
Note der Autorin: Die Ereignisse um Boba Fett und Goran Beviin entstammen größtenteils der Kurzgeschichte: „Boba Fett – ein Pragmatiker" von Karen Traviss, die dem Roman „Opfer" von derselben Autorin, dem fünften Band der Buchreihe „Wächter der Macht" (2007) als Anhang beigefügt wurde.
Ein Klekket sind bei den Yuuzhan Vong zwei Monate.
Die Mission Nom Anors auf Monor II wird in „Planet der Verlorenen" von Kathy Tyers, dem 6. Band der Reihe „Das Erbe der Jedi-Ritter" lediglich in skizzenhaften Punkten erwähnt.
Ein Vlekin ist ein niederes Tier bei den Yuuzhan Vong.
