Dwayne betrat zusammen mit David die Bar. Der ältere Vampir hatte irgendetwas von einem Problem gesagt. Selbst durch den ganzen Rauch und den Geruch der Menschen konnte er es sofort riechen. Wolf! Ein Knurren entstieg seiner Kehle. Dann hatte er Paul ausgemacht.

Er tippte David auf die Schulter und deutete auf die Tanzfläche. Paul stritt gerade mit dem Besitzer des Plattenladens.

„Gibt es hier ein Problem?" David war ruhig. Und auch Dwayne hielt sich zurück, er konnte sich denken was los war, als er Pauls Blick sah und Kim an dem anderen Mann riechen konnte.

„Wo ist sie?", war alles was er in diesem Moment wissen musste. Paul nuschelte etwas von Toilette und sofort machte er sich auf den Weg. Wenn ein Wolf hier war konnte er sie nicht alleine lassen.

‚Sieh zu, dass es schnell geht. Ich weiß, dass du ihn auch gerochen hast. Ich versuche heraus zu bekommen, warum Paul uns gerufen hat.' David war in seinen Kopf eingedrungen und er gab kurz seine Zustimmung. Er hatte nicht vor lange zu bleiben.

Zumindest nicht, bis er den kleinen Vorraum der Damentoilette betrat. Kim stand am Waschbecken und versuchte etwas aus ihrer weißen Bluse zu waschen. Mit zwei Schritten war er bei ihr und drehte sie herum. Sie sah ihn mit großen Augen an. Er merkte selbst, dass er wütend war, er hatte es in Pauls Gedanken gesehen, dass Tom es gewagt hatte sie zu küssen.

Sie flüsterte seinen Namen als er sich hinunter beugte und die Luft einsog.

„Du stinkst nach ihm." Ohne nachzudenken hob er sie auf die schmale Ablagefläche neben dem Waschbecken und schob sich zwischen ihre Beine. Sanft nahm er ihr Gesicht zwischen seine Hände, sodass sie ihn ansehen musste. Er verstand nicht warum es ihn so sehr störte, wenn jemand außer seinem Bruder sich ihr so näherte. Sie war sein, niemand hatte das Recht sie auch nur anzusehen.

„Ich will ihn nie wieder an dir riechen, Kätzchen. Nie wieder." Es machte ihn wütend, dass sie nach dem anderen Mann roch. Ein Zustand den er sofort ändern würde. Sanft glitten seine Lippen über ihre. Als sie keinen Widerstand leistete wurde er fordernder. Es spielte keine Rolle, dass jederzeit jemand herein kommen konnte. Er brauchte sie jetzt und hier, genau so sehr wie sie ihn gerade brauchte.

Sie schlang ihre Beine um seine Hüfte und er presste sich gegen sie. Lies seine Hände tiefer gleiten und drang zwischen ihre Lippen. Gott, er liebte den Geschmack von ihr, nach Zitrone und jetzt gerade nach Rum. Er hatte gelogen. Es war kein Fehler gewesen sie zu küssen, er hatte es sich selbst versucht glauben zu machen. Und bis vor wenigen Minuten hatte es funktioniert.

Er spürte, dass David versuchte Kontakt aufzunehmen. Er blockte ihn ab. Es war egal, gerade war nur Kim wichtig. Ihr Körper in seinen Armen. Mit einem Knurren presste er sich fester zwischen ihre Beine, er wollte mehr, brauchte viel mehr als diesen Kuss.

Er konnte es riechen, dass es ihr nicht besser erging.

„Hebt euch das für Zuhause auf. Wir gehen Dwayne." David stand in der Tür und mit einem widerwilligen Knurren löste er sich von Kim.

„Jetzt sofort Dwayne! Wir bekommen Besuch. Paul hat heute Abend dem falschen ans Bein gepinkelt." Er verfluchte seinen Bruder innerlich. Das hatte ein Nachspiel.

„Wir sind noch nicht fertig, Kätzchen. Versprochen." Damit half er ihr von der Ablage herunter und zog sie eng gegen seinen Körper als sie David nach draußen folgten. Er schob Kim vor sich auf sein Motorrad und nahm hinter ihr Platz.

Genau wie seine Brüder konnte er sie riechen. Wölfe, mindestens zehn von ihnen. Er warnte Kim, sich festzuhalten, da sie gleich ziemlich schnell davon fahren würden. Mit quietschenden Reifen fuhren sie los. Vor ihnen sah er bereits, dass sie sich ihnen in den Weg stellen wollten. Ohne langsamer zu werden schossen sie zwischen ihnen hindurch, sich sehr wohl bewusst, dass es damit nicht vorbei war.

Sie fuhren als wäre der Teufel hinter ihnen her, bis sie zu einer kleinen Lichtung kamen. David hatte Recht, es war sicherer sich aufzuteilen und auf getrennten Wegen nach Hause zu fahren. Es gefiel ihm genauso wenig wie Paul, als er ihr half die Bluse auszuziehen. Das hatte er sich definitiv anders vorgestellt und nicht so, mitten im Wald und auf der Flucht. Aber ihr starker Geruch in der Bluse könnte genug sein um ihre Verfolger so weit zu verwirren, dass sie nicht wussten mit wem sie gefahren war.

Denn genau das war das Problem, was auch immer Paul getan hatte, die Wölfe hatten es jetzt auf Kim abgesehen. Sie wussten, dass sie zu ihnen gehörte oder zumindest wichtig genug war, dass sie sie beschützen würden. Deshalb durften sie die junge Frau nicht in die Finger bekommen, unter keinen Umständen.

Dwayne lies es zu, dass Paul sie noch einmal küsste bevor er mit ihr davon schoss. Es dauerte lange um die Wölfe abzuschütteln und er fuhr noch einmal einen Umweg zum Hintereingang von Hudson Bluff.

Als er Kim endlich auf das Sofa in der Haupthöhle setzte schloss er erleichtert Laddie in seine Arme, der sofort auf ihn zu gerannt kam. Er setzte seinen kleinen Bruder wieder ab, damit dieser sich an das Mädchen kuscheln konnte.

Er schloss kurz die Augen und konzentrierte sich auf seine Brüder. David war auf dem Weg zurück, er hatte keine Probleme gehabt und war nur zur Sicherheit noch einmal zurück gefahren um zu prüfen, dass wirklich niemand ihr Versteck fand. Marko und Paul antworteten nicht, das war nicht gut. Kim sah ihn verwirrt an und er erklärte ihr kurz die mentale Verbindung zu seinen Brüdern.

Dwayne konnte Blut riechen und eine Sekunde später kam Marko aus dem hinteren Teil der Höhle, über und über mit Blut verschmiert. Er schickte Laddie spielen und folgte zusammen mit Kim seinem Bruder in Pauls Zimmer.

Er sah übel aus, anscheinend hatten die Wölfe ihn erwischt. Star rannte herum und beschimpfte Kim wütend. Er knurrte, doch Marko reagierte sofort und schubste Star aus dem Zimmer. Gleichzeitig keuchte Paul, dass sie ihn zufrieden lassen solle. Er wollte nur wissen, dass Kim nichts fehlte.

Dwayne schob sie sanft vor sich her zu seinem Bruder und dieser beruhigte sich endlich. Er hielt sie fest, er war sicher dass ihre Beine sonst nachgeben würden. Er sah die Verzweiflung in ihrem Blick als sie auf den blutenden Paul sah. Er lies es zu, dass sie ihn säuberte bis sie fast fertig war.

Mit einem sanften Kuss schickte er sie mit Marko weg, damit sie Pauls Jacke ausziehen und sich etwas Sauberes anziehen konnte. In der Zwischenzeit befreite er seinen Bruder von dem angetrockneten Blut und half ihm die seine zerrissenen Sachen auszuziehen.

„Ist sie verletzt?" Dwayne schüttelte den Kopf.

„Ich habe doch gesagt, ich lasse nicht zu, dass sie ihr etwas tun. Aber du hast schon besser ausgesehen." Er zerzauste Paul mit einem schiefen Grinsen die Haare. Er streckte die Hand aus als er Kim zurückkommen hörte und zog sie auf das Bett.

„Bleib bei ihm, er wird sonst nicht schlafen.", brummte er und machte Anstalten die beiden alleine zu lassen, während Kim zu Paul unter die Decke kroch.

„Und was ist mit dir?" Sie sah den großen Vampir an und bedeutete ihm sich zu ihnen ins Bett zu legen.

„Komm schon Großer. Du hast die Lady gehört." Mit einem Seufzer ging er um das Bett herum und schob sich hinter Kim unter die Decke, die er über sie alle nach oben zog. Er wusste noch immer nicht was er hiervon halten sollte. Er wollte Kim, seit der ersten Sekunde hatte es nur noch sie gegeben. Würde sie verlangen, dass er sich einen Pflock in die Brust trieb, er würde es tun. Auch wenn er es nicht verstand, sie war ein Mensch. Beute.

Paul warf ihm einen Blick zu, während Kim bereits eingeschlafen war. Er sah in den blauen Augen seines Bruders dasselbe Verlangen.

„Wann reden wir über das hier, Dwayne?" Paul drehte sich vorsichtig auf die Seite um Kim nicht zu wecken.

„Ich weiß nicht was es da zu reden gibt. Wir wissen beide was hier los ist. Und dass wir nichts dagegen machen können." Dwayne lies sich seufzend in die Kissen sinken, seine Hand weiter an der Hüfte der Frau zwischen ihnen.

„Ich dachte immer das wären Geschichten. Ich hätte nicht gedacht, dass es so etwas wirklich gibt. Ich hatte nie Probleme bei den Frauen zu landen, aber seit sie aufgetaucht ist interessieren die mich nicht mehr. Es ist als gäbe es nur noch sie. Ich war überrascht als sie mich geküsst hat, auch wenn ich irgendwie geahnt habe was mit mir los ist. Ich war nur nicht sicher ob es für sie genauso ist." Dwayne sah seinen Bruder nachdenklich an.

„Ich weiß was du meinst. Ich dachte erst es liegt daran, dass sie bereit war Laddie zu beschützen, egal was es für sie für Konsequenzen haben könnte. Aber das war nicht alles. Als der Wolf auf sie losgegangen ist habe ich ihn nicht nur getötet, weil er mich angegriffen hat. Ich habe ihn getötet, weil er sie verletzt hat. Ich habe rot gesehen, es war nur noch wichtig sie zu beschützen. Ich wollte es nicht wahrhaben was mit mir passiert, deshalb habe ich versucht ihr weiß zu machen, dass es an meinem Blut liegt, dass sie sich zu mir hingezogen fühlt. Verdammt hätte David uns nicht aus der Bar geholt, ich hätte sie auf der Toilette… Ich habe es nicht ertragen den Kerl aus dem Plattenladen auf ihrer Haut zu riechen, ich wollte nur noch sicher sein, dass sie nach mir riecht, nur noch an mich denkt…"

Paul lachte kurz leise auf, was ihm einen verwirrten Blick einbrachte.

„Wir sind am Arsch, Mann. Die Kleine hat uns an den Eiern. Ich weiß, dass David nichts sagen wird, er weiß es eh schon. Marko wird ein bisschen daran zu knabbern haben, aber sobald ihm die erste Blondine über den Weg läuft hat er es eh vergessen. Und Laddie, der Kleine liebt sie wie verrückt. Und Kim scheint eine Verbindung zu ihm zu haben, die Star nicht hat. Ich hätte ihr vorhin am liebsten das Genick gebrochen, als sie so mit Kim gesprochen hat. Dämliche Kuh…" Dwayne brummte zustimmend. Er fragte sich nur wie es weiter gehen sollte.

„Du solltest auch ein bisschen schlafen, dann bist du schneller wieder fit. Und David zurück ist reden wir darüber was da heute passiert ist." Paul gähnte und nickte. Mit einem Murmeln drehte Kim sich in seinem auf ihre andere Seite und ihre Hand suchte scheinbar unbewusst nach Dwayne. Dieser schob sich gegen sie und brummte zufrieden als sie sich eng an ihn kuschelte.

„Na los, komm her." Er stupste Paul an und mit einem Grinsen schmiegte er sich gegen Kims Rückseite und lies seine Hand unter ihr Top auf ihre Bauch gleiten. Auch wenn es gewöhnungsbedürftig war, sein Bruder war der Einzige mit dem er bereit war die junge Frau zu teilen. Eine Wahl hatten sie ohnehin nicht. Würden sie Kim zwingen sich zu entscheiden, würde das nur Schmerz bedeuten. Langsam schliefen auch die beiden Vampire ein, schützend um Kim geschlungen.