Die wahre Geschichte, wie über Dracos und meine Zukunft entschieden wurde

Als würde man durch einen Schlauch gepresst werden. Genauso fühlte es sich an, als ich den Arm meiner Mutter ergriff und zusammen mit ihr und meinem Vater von unserem Landsitz in Kent zu dem der Familie Malfoy in Wiltshire apparierte. Ich hasste das Apparieren, weil mir jedes Mal davon schwindelig wurde. Und auch diesmal benötigte ich wieder einige Sekunden, um mich zu fangen, während sich meine Eltern schon festen Schrittes auf das große Eingangstor von „Malfoy Manor" zubewegten. „Wartet auf mich", rief ich und hastete den Beiden so schnell wie möglich hinterher.
Zur Erklärung: Wir hatten Osterferien und während ich es mir zuhause bei meinen Eltern gemütlich gemacht hatte, war uns von einer Eule ein Brief vom Ehepaar Malfoy zugestellt worden. Anliegen war eine Einladung zum Abendessen, damit Lucius Malfoy und mein Vater „wichtige Angelegenheiten" besprechen konnten. Allerdings bat Narzissa Malfoy ausdrücklich auch meine Mutter und mich darum, teilzunehmen, damit sie „das Mädchen an Dracos Seite" kennenlernen konnte. Meine Mutter war ganz entzückt, während mein Vater die Einladung mit einer gewissen eleganten Gelassenheit zur Kenntnis nahm. Ich hingegen wusste zunächst nicht, was ich von dem Brief halten sollte. Einerseits freute ich mich, Draco in den Ferien sehen zu können, andererseits fand ich seine Familie höchst einschüchternd, vor allem seinen Vater!
Allerdings dürfe man eine Einladung einer so bedeutenden Familie nicht ausschlagen, so jedenfalls die Argumentation meines Vaters, weshalb wir uns an jenem Aprilabend vor dem Tor des gigantischen Landsitzes der Malfoys wiederfanden. Nervös und mit zittrigen Fingern griff ich nach der Hand meiner Mutter, während mein Vater das magisch verschlossene Tor um Einlass bat. Und siehe da: Das eiserne Monstrum verschwamm vor unseren Augen und wie als würde man durch einen Nebelschleier gehen, konnten wir das Grundstück betreten. „Wie prächtig", sagte meine Mutter andächtig und schaute begeistert von links nach rechts und rechts nach links, um möglichst viel von dem Prunk und Protz, den alleine schon der Garten bot, in sich aufzusaugen. Mein Vater warf ihr einen ermahnenden Blick zu. „Cecilia, mach dich bitte nicht lächerlich! Wir sind nicht weniger gut situiert als unsere Gastgeber. Also hör bitte auf zu starren, als hättest du noch nie Marmor oder einen Springbrunnen gesehen."
Meiner Mutter war anzusehen, dass sie gerne etwas erwidert hätte. Aber noch bevor ein Streit zwischen den beiden ausbrechen konnte, kam schnellen Schrittes ein Hauself mit einer Laterne auf uns zugelaufen und bat darum, ihm zu folgen. So verließen wir den Garten, passierten eine Eingangstür, die fast so groß war wie das magische Tor, und wurden in einen prachtvollen Speisesaal geführt. Der langgezogene Tisch war bereits gedeckt, ein Feuer prasselte im Kamin und in einer Ecke spielte ein Klavier „wie durch Zauberhand" von selbst ein ruhiges, angenehmes Lied. Fast hätte meine Mutter auch hier Prunk und Pracht kommentiert, wäre sie nicht durch das sich Öffnen einer großen Flügeltür unterbrochen worden. In eleganten Schritten betrat die Familie Malfoy den Raum.
„Zachary", begrüßte der Herr des Hauses meinen Vater und reichte ihm die Hand.
„Lucius", erwiderte mein Vater die Begrüßung seinerseits und bedachte Narzissa Malfoy mit einem höflichen Nicken. „Und Sie müssen Cecilia sein", richtete sie sich an meine Mutter und streckte ebenfalls die Hand aus, die meine Mutter so ehrfürchtig ergriff, als sei es die größte Ehre der Welt, in der Gesellschaft eines Malfoys sein zu dürfen. Vor Scham lief ich rot an und Draco grinste mir zwinkernd zu. Dann legte meine Mutter den Arm um mich und drückte mich in Richtung Narzissa Malfoy. „Das ist unsere Tochter, Lina. Sie hat sich ja so über die Einladung gefreut", gurrte sie. Dracos neckisches Grinsen wurde noch breiter und seine Mutter verzog die Mundwinkel zu einem schmalen Lächeln, während sie mich von oben bis unten musterte. „Freut mich sehr, Lina. Ich habe schon viel von dir gehört", sagte sie. Dann signalisierte sie ihrem Sohn, herzukommen, damit sie ihn nun ebenfalls mit meiner Mutter bekannt machen konnte.
Das Abendessen verlief größtenteils in andächtigem Schweigen, nur ein paar Belanglosigkeiten über das Ministerium und Hogwarts wurden ausgetauscht. Allerdings spürte ich des Öfteren den Blick von Narissa Malfoy auf mir ruhen, was mir großen Unbehagen bereitete. Auch ihr Mann schaute einige Male zwischen Draco und mir hin und her, was mich nur noch nervöser machte. Irgendetwas war im Busch, das spürte ich, und entweder bemerkten meine Eltern nichts davon, oder sie waren eingeweiht und taten ihr Bestes, das zu kaschieren. Jedenfalls benahmen sie sie während der gesamten Zeit, als wir mit den Malfoys am Tisch saßen, betont ruhig und entspannt.
Richtig aufatmen konnte ich erst, als das Geschirr abgeräumt wurde und sich die Malfoys mit meinen Eltern auf einen Plausch in den angrenzenden Salon zurückzogen. Ich atmete einmal tief ein und aus und trat vor den Kamin. „Ist dir kalt?", wollte Draco wissen und legte einen Arm um mich. „Nicht wirklich. Dieser Abend zerrt nur an mir", gab ich ehrlich zu.
„Warum?", wollte der Blondschopf wissen. Ich zuckte mit den Schultern.
„Ich weiß nicht genau, wie ich das erklären soll … die Einladung deiner Eltern kam so unerwartet und jetzt sind wir hier und irgendwie benehmen sich die Erwachsenen ein wenig merkwürdig. Fast so, als wüssten sie etwas, was wir noch nicht wissen."
„Mmh", machte Draco, „ich glaube, ich weiß, was du meinst!"
Ich lächelte ihn an und gab ihm einen Kuss auf die Lippen. Doch bevor wir diesen weiter vertiefen konnten, wurde die Tür zum Salon aufgerissen und das runzelige, kleine Gesicht eines alten Hauselfen kam zum Vorschein. „Junger Herr, euer Vater verlangt euch und das Mädchen zu sehen", piepte dieser.
„In Ordnung", sagte Draco und schickte die kleine Gestalt davon. Dann ließ er mich los und so betraten wir brav nacheinander den Salon. Unsere Eltern saßen um einen Tisch und tranken Kaffee aus eleganten Tassen. Meine Mutter lächelte mir zu, sie sah hochzufrieden aus.
„Setzt euch", sagte Lucius Malfoy und deutete mit einem Nicken auf die beiden noch freien Sessel.
„Also irgendwie benehmt ihr euch merkwürdig", rutschte es plötzlich aus mir heraus und am liebsten hätte ich die Hände vor den Mund geschlagen. Mein Vater quittierte meine Aussage mit einer hochgezogenen Augenbraue.
„Das liegt vermutlich daran, dass wir etwas Wichtiges mit euch zu bereden haben", erwiderte meine Mutter, die noch immer zufrieden dreinblickte. Auch Narzissa Malfoy kräuselte die Lippen, was wahrscheinlich ein Lächeln darstellen sollte.
„Und was genau wäre das?", wollte Draco wissen und schaute dabei vor allem unseren Vätern direkt in die Augen.
„Das wir", sein Vater deutete einmal in die Runde der Erziehungsberechtigten, „entschieden haben, dass es das Beste für beide Familien ist, euch beiden zu verheiraten", erklärte er.
Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Mit allem, aber nicht damit.
„W-wir sollen w-was?", stammelte ich.
„Heiraten. Nicht sofort, aber in naher Zukunft", bestätigte mein Vater und sein strenger Blick verriet, dass die Entscheidung endgültig war.
„Das kommt … unerwartet", sagte ich, woraufhin Draco zu mir und dann wieder zu seinem Vater blickte. „Ist das der Grund, warum du und Mutter mich über Lina ausgefragt habt? Weil ihr wissen wolltet, ob sie zu unserer Familie passt?", fragte er
Entsetzt sah ich Draco an. Was hatte er seinen Eltern über mich und uns erzählt?
„Es ist wichtig, und ich glaube damit spreche ich ihm Namen beider Familien, dass die Blutlinien reinblütiger Zaubererfamilien makellos bleiben", entgegnete der Hausherr, ohne auf die Frage seines Sohnes einzugehen. Dabei legte er eine besondere Betonung auf das Wort „makellos".
„Eine Verbindung der Malfoys und Livingstons wäre ideal. Beide Familien können auf einen weitreichenden Stammbaum reinblütiger Hexen und Zauberer zurückblicken. Außerdem sind sowohl deine Familie, Lina, als auch wir Malfoys reich, hochangesehen, einflussreich und genießen einen gewissen Respekt in dieser Gesellschaft", hörte ich Narzissa Malfoy sagen, die seit dem Abendessen sehr schweigsam gewesen war.
„Da gebe ich dir vollkommen Recht, Mutter. Allerdings schließe ich mich Lina in der Aussage an, dass das doch etwas unerwartet kommt." Draco Klang, als müsste er sich ein Knurren in der Stimme mühevoll verkneifen. Schließlich wurde hier ohne unsere Einwilligung über unsere Zukunft entschieden.
„Ihr liebt euch doch, oder nicht? Von daher wüsste ich nicht, warum ihr mit der Entscheidung unzufrieden sein solltet", meldete sich nun meine Mutter zu Wort.
„Ich wäre vorher einfach gerne gefragt worden", murmelte ich so leise, dass ich ziemlich sicher war, dass eigentlich keiner der Erwachsenen dies hätte gehört haben können. Dennoch musterten mich beide Männer mit strengen Blicken.
„Kein Aber", ermahnte mich mein Vater.
„Wir wollen nur das Beste für beide Familien", lächelte meine Mutter.
Draco seufzte. „Und wie genau habt ihr euch das vorgestellt", fragte er, den Ton seiner Stimme hatte er erfolgreich wieder unter Kontrolle bekommen.
„Ihr werdet die Schulzeit absolvieren und ehe du deinen Dienst im Ministerium antrittst, werden wir eine Trauung durchführen lassen", erklärte Lucius Malfoy.
„So kurzfristig?" Draco zog eine Augenbraue hoch.
„Ich möchte im Ministerium kürzer treten und mich ‚anderen Dingen' widmen", antwortete Lucius Malfoy, wobei er den Worten „anderen Dingen" ein besonderes Gewicht verlieh. Draco schien zu verstehen und nickte nur. Eine kurze Stille trat ein, die die Hauselfen nutzten, in den Salon zu treten und in flinken aber routinierten Bewegungen das Kaffeegeschirr abzuräumen und Wein sowie Whiskey aufzutischen.
„Wie dem auch sei", sagte Lucius Malfoy, als die Hauselfen den Raum wieder verlassen hatten, „jedenfalls möchte ich kürzer treten und dir, Draco, meinen Posten im Ministerium anvertrauen, sobald du bereit dafür bist. Wie es unserer Familie üblich ist, kann allerdings nur ein verheirateter Nachfolger das Erbe antreten…"
Als er das sagte, ließ er seinen Blick von Draco zu seiner Frau wandern. „Das gilt übrigens auch für Malfoy Manor und die Ländereien. All das erbt nur ein verheirateter Malfoy!", ergänzte sie.
„Und warum?", wollte ich wissen.
Narzissa lächelte. „Um sicherzugehen, dass Nachkommen geboren werden, die ihrerseits das Malfoy-Erbe antreten und alles was du hier siehst", dabei deutete sie mit dem Arm einmal in die Runde, „in Familienbesitzt bleibt."
Ich nickte und schämte mich ein bisschen, eine so blöde Frage gestellt zu haben.
„Natürlich sollst auch du, Lina, meine Aufgaben im Ministerium irgendwann übernehmen", sagte mein Vater und sah mich dabei bedeutungsvoll an. Ich seufzte innerlich, denn ich hatte schon immer gewusst, dass er mich später gerne an einen Schreibtisch gekettet sehen wollte. „Außerdem sollt ihr nach unserem Ableben natürlich auch unseren Familiensitz, Livingston House, erben", fügte mein Vater an und sah dabei zu Draco herüber, mit einem Blick der sagte: „Überleg dir das gut. Ich mache dir hier ein wirklich gutes Angebot, solltest du tatsächlich meine Tochter heiraten".
Der Blondschopf schien zu verstehen und nickte meinem Vater zu.
„Überlegt doch mal, was für Vorteile diese Ehe bringen würde…", machte meine Mutter nochmal nachdrücklich deutlich.
Ich räusperte mich und sah den Blondschopf an. „Was sagst du dazu?"
Er verzog den Mund zu einem schiefen Lächeln. „Unserer Eltern haben recht und außerdem sehr gute Argumente vorgelegt, die für diese Verbindung sprechen", entgegnete er.
Ich nickte stumm und sah vor meinem inneren Auge schon die Verlobungsanzeige im Tagespropheten aufblitzen. Ich schluckte schwer. Wollte ich mich wirklich schon verloben? War ich bereit? Konnten unsere Eltern so etwas einfach so entscheiden?
Draco nahm meine Hand in seine und drückte sie fest.
„Außerdem", sagte er und sein Lächeln wurde noch eine Spur breiter, „hätte ich dich früher oder später sowieso nach deiner Hand gefragt!"
Mein Blut begann zu kochen und stieg mir in die Wangen. „W-was?", stammelte ich.
Draco lachte in sich hinein und auch sein Vater verzog den Mund zu einem selbstzufriedenen Grinsen. „Du hast dich auf mich eingelassen, damit gehörst du mir. Und was mir gehört, gebe ich so schnell nicht her."
„Oh, wie wundervoll. Dann scheint es ja festzustehen", freute sich meine Mutter und klatschte begeistert in die Hände. Ich konnte mir ein kleines Lächeln nicht verkneifen, woraufhin der Blondschopf mit zuzwinkerte, während er meinen Handrücken mit dem Daumen streichelte.
In dem Moment wusste ich: Ja, ich wollte Draco heiraten und Mitglied der Familie Malfoy werden. Wer konnte so einem Lächeln schon wiederstehen?!
Sichtlich zufrieden erhoben unsere Eltern ihre Gläser. „Auf unsere Familien und eine erfolgreiche Zukunft", prosteten sie sich zu.