Tja, ähm… ich lebe noch?
Eine kurze Erklärung findet ihr am Ende, sonst viel Spaß beim Lesen und einen frohen 2. Advent!
Maylenchen
Als Tony aufwachte, streckte er sich, zufrieden nach einem erstaunlich erholsamen Schlaf. Vielleicht hatte es tatsächlich etwas damit zu tun, dass er in seinem Bett eingeschlafen war und nicht sitzend vor einem seiner Tische in der Werkstatt. Wenn er darüber nachdachte, hatte der Erfinder kaum eine Nacht durchgearbeitet, seitdem er Loki gefunden hatte. Anscheinend hatte der Exgott es geschafft, Tony zu einem halbwegs normalen Tagesrhythmus zu verhelfen. Ein Wunder, das nicht einmal Pepper vollbracht hatte, als sie noch zusammenlebten.
Mit einem amüsierten Grinsen lauschte der Milliardär Jarvis, welcher ihm wie jeden Morgen ausgewählte Informationen im Schnelldurchlauf mitteilte, um seinen Erfinder auf dem Laufenden zu halten.
„… und Sie haben 748 ungelesene Emails.", Jarvis hielt kurz inne. „Mr. Friggason erwachte heute Morgen um 3:07 Uhr aus einem Albtraum und verlies anschließen sein Zimmer."
„Ein Albtraum? Hat er sich wieder tiefgefroren? Oder ist etwas anderes passiert? Warum hast du mich nicht geweckt J? Wo ist Lo?"
Tony war aufgesprungen und sah sich nun um, als ob Loki plötzlich hinter einer Wand vorspringen würde.
„Außer einem erhöhten Puls traten keine weiteren Anomalien auf. Allerdings bestand Mr. Friggason darauf, das Haus zu verlassen. Er ging zum Strand hinunter und ist seitdem nicht zurückgekehrt.", antwortete Jarvis.
„Er hat was?"
„Mr. Friggason-"
„Nein, ich hab dich verstanden Jarv. Ich hätte Lo nur nicht für jemanden gehalten, der nachts den Strand entlang spaziert.", der Erfinder überlegte kurz. „Vielleicht kann ich es mir doch vorstellen."
Etwas langsamer begann er, sich auf den Tag vorzubereiten.
„Haft du ihn im Blig?", fragte der Erfinder, die Zahnbürste im Mund.
„Meine Kameras liefern keine Bilder von diesem Teil des Strandes. Allerdings zeigen die Wärmebilder, dass Mr. Friggason einige Meter in das Wasser hineinging, dort 174 Minuten verharrte und anschließend auf einem der Felsen Platz nahm. Seitdem hat sich seine Position nicht verändert."
„Er sitzt also am Strand und starrt aufs Meer? Klingt nicht sehr interessant.", bemerkte Tony, während er sich anzog. „Weiß der Rest, dass Lo nicht mehr im Haus ist?"
„Bisher haben sich weder Captain Rogers noch Agent Barton nach dem Aufenthaltsort von Mr. Friggason erkundigt. Allerdings musste ich Dummy enttäuschen, welcher Mr. Friggason wecken wollte."
Tony zuckte zusammen. Er erinnerte sich noch an das „Wecken" seines ältesten AIs. Loki hatte Glück gehabt, dass er schon wach war.
„Okay, wie siehts mit Frühstück aus?"
„Captain Rogers wird in voraussichtlich 15 Minuten Pfannkuchen mit verschiedenen Füllungen fertigstellen, sowie Speck und Eier. Ich habe Agent Barton empfohlen, Captain Rogers beim Bedienen der Küchengeräte zu assistieren."
„Kluge Entscheidung J. Dann gehe ich mal ET nach Hause holen."
So sehr er gestern auch seine Sicherheitssysteme gelobt hatte, Tony war trotzdem etwas mulmig bei dem Gedanken, Loki vollkommen allein am offenen Strand sitzen zu lassen. Sollte der Einäugige Pirat beschließen, dass der Exgott in seiner Obhut besser aufgehoben wäre, könnte jede Sekunde zählen. Und so gut er auch war, das Teleportieren hatte Tony leider noch nicht umsetzen können.
Mit dem Gedanken, seine Mitavenger nicht unnötig zu beunruhigen, nutzte der Milliardär einen Seitenausgang, um sich auf den Weg zum Strand zu machen. Normalerweise schlich er sich hier heraus, wenn er kein Interesse an einem Gespräch mit seiner Partnerin der vorherigen Nacht hatte, aber anscheinend war die Tür auch für etwas anderes gut.
Als der Erfinder am Strand ankam, sah er Loki schon von Weitem. Es wäre auch schwer gewesen, die einsame Figur, welche auf einem Felsen saß und aufs Meer schaute, zu übersehen. Der Schwarzhaarige schien in Gedanken versunken und zeigte keinerlei Anzeichen, dass er Tony bemerkte. Der schlenderte langsam auf ihn zu, bis er neben dem Exgott stand. Erst als der Milliardär sich neben ihm auf den Stein geschwungen und Loki freundschaftlich mit der Schulter angestupst hatte, erwachte er mit einem kurzen Zusammenzucken aus seiner Trance.
„Stark.", stellte Loki fest und entspannte sich wieder, wobei er sich leicht gegen den kleineren Mann neben sich lehnte.
„Morgen Lo. Ich dachte, du wartest auf uns, ehe du das Haus verlässt."
„Ich bin mir nicht bewusst, ein solches Versprechen eingegangen zu sein."
„Da du gestern im Allgemeinen wenig von dir gegeben hast glaube ich das sogar.", entgegnete Tony und schubste den Exgott erneut freundschaftlich.
Der ignorierte seinen Nachbarn und sah wieder auf das Meer hinaus.
„Vermisst du Asgard?", fragte Tony in die Stille.
Loki sah ihn mit hochgezogener Augenbraue an. „Eine merkwürdige Frage. Sprachen wir nicht gerade über ein komplett anderes Thema?"
„Wahrscheinlich ein Erdending.", entgegnete der Erfinder und zuckte mit den Schultern. „In den ganzen schnulzigen Filmen denken die Charaktere immer an ihre Heimat, wenn sie aufs Meer schauen. Oder sie denken darüber nach, welchen von den beiden unglaublich gutaussehenden Typen sie haben wollen."
„Und ich nehme an, du hast eine Vielzahl dieser Filme gesehen?", fragte Loki mit einem Grinsen.
„Pepper hat mich gezwungen!", verteidigte sich der Milliardär.
„Ich dachte, es ist ein beliebter Zeitvertreib für Paare auf Midgard, sich romantische Filme anzusehen?", stichelte Loki mit einem leichten Grinsen.
Natürlich wusste er von der Beziehung des Milliardärs mit Pepper, denn er hatte Tony ausführlich gegoogelt, nachdem er die Nützlichkeit des Internets für sich entdeckt hatte. Zuerst widmete er sich den Artikeln, welche sich mit Stark Industries befassten, da diese weitaus seriöser wirkten als so manch andere Schlagzeile. Virginia Potts Geschichte war durchaus interessant, von der Assistentin zur Geschäftsführerin befördert zu werden war beachtlich. Dann hatte er die weniger seriösen Quellen durchforstet, welche ihm zuerst einige Grinser entlockten, als er über Tonys Eskapaden las.
In späteren Artikeln wurde ausführlich von der Beziehung zwischen Tony und Pepper berichtet, welche für die Presse nicht nur interessant war, weil sie gemeinsam arbeiteten, sondern auch, weil Pepper sich grundlegen von Tonys anderen Eroberungen unterschied.
Die Meinungen trennten sich allerdings in den neusten Artikeln. Während in einigen vermutet wurde, dass sich die Beziehung aufgelöst hatte, behaupteten andere, dass die beiden immer noch zusammen waren. In manchen standen so realitätsferne Theorien, dass sie den Exgott belustigt hatten. Was die Menschen für Vorstellungen hatten. Und warum waren sie so sehr daran interessiert, was in den Schlafzimmern von anderen passierte?
(Und warum spürte er ein leichtes Unwohlsein, wenn er daran dachte, was für ein wunderbares Paar Pepper und Tony abgegeben hatte? Einen ziehenden Schmerz in der Brust, der keinen medizinischen Grund hatte?)
Der grübelnde Schwarzhaarig wurde von der Antwort des Erfinders aus seinen Gedanken gerissen.
„Irgendwo gibt es so wunderbar einfühlsame Partner, die sich gerne Liebesfilme ansehen und auch mitweinen oder zumindest das Taschentuch reichen. Ich bin jedenfalls kein Fan. Es muss schon mindestens eine romantische Komödie sein, da gibt es wenigstens was zum Lachen."
Aus der Antwort konnte Loki entnehmen, dass Tony demnach Pepper zuliebe diese Filme angesehen hatte. Ob der Erfinder das auch für ihn tun würde?
Mit einem Kopfschütteln vertrieb der Exgott seine Gedanken, welche auf immer merkwürdigeren Wegen verliefen. Anstatt weiter über vollkommen unsinnige Themen nachzudenken, beschloss er, Tonys eigentliche Frage zu antworten.
„Du wolltest wissen, ob ich Asgard vermisse.", stellt Loki fest.
Tony nickte, verkniff sich aber eine Entgegnung und ließ dem Schwarzhaarigem Zeit, um über die Frage nachzudenken. Nach einigen Sekunden brachte ein kalter Wind ihn dazu, näher an den Exgott zu rücken, welcher die Kälte im Gegensatz zu dem Erfinder nicht wahrnahm.
„Ich vermisse Asgards Gärten.", begann Loki schließlich. „Ich vermisse meine Räume, meine Bücher und meine Kleidung. Ich vermisse meine Notizen zu Verwandlungszaubern, den Ball, an welchem ich als Kind meine ersten Zauber geübt habe, welcher auf dem Tisch neben meinem Bett ruht. Ich vermisse die Bibliothek, die Ställe, die Wälder rund um Asgard. Ich vermisse die Markttage, an welchen an jedem Stand Neues zu entdecken war. Ich vermisse meinen Vater, welcher Thor und mir Geschichten erzählt, meinen Bruder, der mit mir durch das Schloss jagt und die Bediensteten stört. Und ich vermisse meine Mutter."
Er hielt inne und sah auf das Meer hinaus, ein Lächeln auf dem Gesicht. Dann schwand der glückliche Gesichtsausdruck.
„Was ich nicht vermisse, sind die Worte, die mir folgten: Betrüger, Schwindler, unehrenhafter Feigling und viele mehr. Den Allvater, welcher mich mein ganzes Leben lang belog und meinen Bruder, welcher auf der ewigen Suche nach Ruhm alles andere aus dem Blick verlor. Die Asen, welche zu tuscheln begannen, sobald sie mich sahen und mir Blicke voller Verachtung zuwarfen, denen meist Worten oder auch Taten folgten."
Loki wandte sich zu Tony und sah ihn an.
„Um deine Frage zu beantworten: Ja, ich vermisse Asgard, aber nicht so, wie es jetzt ist, sondern das Bild, welches ich aus meiner Kindheit behalte. Selbst wenn es mir möglich wäre zurückzukehren, würde es mich nicht lange erfreuen."
Obwohl er sonst für jede Situation ein schnelles Wort auf den Lippen hatte, konnte Tony zu dieser ehrlichen Antwort keinen Laut herausbringen. Denn es zeigte einen Einblick in Loki, welchen wahrscheinlich nicht viele Wesen je bekommen hatten oder bekommen würde. Also schwieg der Erfinder und ließ die Stille zu.
Schließlich war es Loki, der das Schweigen durchbrach. „Gibt es noch mehr solcher Rituale, welche auf Midgard in dieser Situation durchgeführt werden müssen?"
„Natürlich wären wir jetzt bei der Kussszene.", entgegnete Tony, eher er darüber nachdenken konnte. Dann erreichten seine Worte sein Gehirn und er erstarrte. Manchmal hatte es seine Nachteile, wenn man einfach aussprach, was einem durch den Kopf ging. Doch Loki tat die peinliche Situation mit einem Lächeln ab.
„Dann sollten wir besser zurückkehren, bevor dieser Moment in unseren Gemächern endet." Mit einem Zwinkern streckte sich der Exgott und sprang von dem Stein herunter, auf welchen er die letzten Stunden zugebracht hatte.
Für einen kurzen Moment wollte Tony antworten, dass ihm der Vorschlag gefiel. Aber diesmal schaffte er es, seinen Mund geschlossen zu halten.
Und wenn mehr Wahrheit in diesem Gedanken steckte, als ihm lieb war, dann konnte das egal sein, denn Tony verdrängt ihn so weit weg, wie es nur ging, ehe er sich um Kopf und Kragen redete.
„Ich dachte, wir gehen zusammen nach draußen?", fragte Clint, als Tony und Loki wieder hereinkamen. Diesmal nicht über den Nebeneingang, sondern direkt zur Verandatür.
„Wir haben uns umentschieden und beschlossen, nur die coolen Leute mitzunehmen.", antwortete Tony und griff nach dem Speck in der Pfanne.
„Au!", schnell zog er seine Hand zurück und steckte den Finger, welcher mit heißem Fett in Kontakt bekommen war, in seinen Mund.
„Wie ein Kleinkind.", Clint schüttelte seinen Kopf. „Er muss durch Schmerz lernen."
„Ich dachte, wir waren uns einig, gemeinsam an den Strand zu gehen.", sagte Steve mit vorwurfsvollem Ton.
„Pläne ändern sich.", antwortete Tony lapidar und trat, diesmal mit einer Gabel bewaffnet, erneut an den Speck heran.
„Es gab den Plan aus einem guten Grund!"
„Und ich hatte einen guten Grund, den Plan zu ändern."
„Ist dir egal, wie einfach es war, euch anzugreifen? Selbst deine tolle Rüstung nützt dir nichts, wenn sie hunderte Meter entfernt in einem Haus wartet! Vielleicht hättet ihr es nicht einmal bemerkt, ehe ihr in einer Shield-Einrichtung aufgewacht wärt!" Der sonst ruhige Captain war aufgestanden und stand nun mit geballten Fäusten gegenüber von Tony, dessen Gesichtsausdruck sich ebenfalls verdunkelte.
„Aber es ist nichts passiert, also ist es vollkommen egal!"
Bevor sich der Streit verschlimmern konnte, trat Clint zwischen die beiden. „Okay, okay, ganz ruhig. Es bringt nichts, uns anzubrüllen. Wir sind Erwachsene und können unserer Probleme auch ohne Schreien klären."
Der Bogenschütze bugsierte Steve und Tony auf die zwei Stühle an den Enden des Tisches und setzte sich zwischen sie.
Loki zögerte einen Moment. Es war ungewohnt, von jemandem verteidigt zu werden. Denn es war nicht Starks Idee gewesen, allein zum Strand zu gehen, ungeachtet der Risiken. Dass der Milliardär ihn trotzdem verteidigt und die anderen in dem Glauben ließ, er wäre schuld, erfüllt den Exgott mit Wärme.
Gleichzeitig wurde ihm durch Steves Worte klar, wie dumm seine Entscheidung gewesen war. Er war gegangen, mitten in der Nacht, ohne jemanden Bescheid zu sagen. Früher wäre es kein Problem gewesen, niemand hätte es sich gewagt, Asgards zweiten Prinzen anzugreifen. Und hatten sie es doch versucht, hätte er sie mit Hilfe seiner Magie bezwingen können. Doch er hatte keine Magie mehr. Er war kein Ase. Er war verletzlich.
Doch das schlimmste war, dass er seinen neuen Freund nicht hätte verteidigen können. Fury war im Tower bereits kurz davor gewesen, Tony anzugreifen. Und Loki konnte nur zusehen. Denn er war quasi nutzlos. Das einzige, das ihm noch geblieben war, war seine Intelligenz. Und die hatte er außer Acht gelassen, nur um frische Luft zu spüren. Er hatte nicht nur sich selbst, sondern auch den ersten Freund, welchen er selbst sein Eigen nennen konnte, in Gefahr gebracht. Und trotzdem verteidigte Stark ihn.
„Ich muss mich entschuldigen, es war meine unbedachten Handlungen, welche für diese Situation sorgten."
Steve blinzelte verwirrt. „Es war deine Idee?"
„Das ist korrekt. Ich habe mich allein zum Strand begeben. Stark war nur so umsichtig, mich wieder in eine sicherere Umgebung zu begleiten."
„Um genau zu sein, habe ich es Mr. Friggason ermöglich, das Gebäude zu verlassen.", meldete sich auch Jarvis zu Wort.
„Also können wir uns darauf einigen, dass es eine dumme Idee war und nicht wieder vorkommt?", fragte Clint vorsichtig.
„Ich… Ja.", gab Steve nach. „Es tut mir leid, dass ich dich so angefahren habe.", wandte er sich an Tony.
Der Erfinder zuckte mit den Achseln. „Wenn ich jetzt endlich frühstücken kann."
Wirklich besänftigt wirkte er nicht, aber um nicht erneut einen Streit zu beginnen sprach niemand diese Beobachtung aus.
Nach dem Essen, für welches alle Steve mehr oder weniger enthusiastisch gelobt hatten, saßen die vier Männer um den Küchentisch und überlegten, wie sie den Rest des vormittags verbringen konnten, ehe Bruce eintraf.
„Brettspiele?", schlug Steve vor.
„Altmodisch.", bemängelte Tony.
„Ich bin dafür.", widersprach Clint.
„Ich stimme ebenfalls zu.", sagte Loki und dachte an ‚Risiko'. Zumindest bei diesem Spiel hatten die Menschen den Geschmack des Exgottes getroffen.
„Also Blechmann, was kannst du uns anbieten?", zufrieden rieb Clint seine Hände aneinander.
„Sie können eine Auswahl an Spielen im Regal des Nachbarraumes finden.", antwortete Jarvis für seinen Erfinder.
Tony blieb schmollend sitzen, während der Rest die verschiedenen Spiele holte und auf dem Küchentisch ausbreitete.
„Oh, Cluedo, Cluedo!", rief Clint und zog das Spiel aus dem Stapel.
„Ich glaube, das habe ich noch nie gespielt.", überlegte Tony. „Abe ich bin mir nicht mal sicher, ob ich je eines dieser Spiele ausgepackt habe. J, erklär uns die Regeln."
„Natürlich. Soll ich die Anleitung zusammenfassen oder möchten Sie die Videoanleitung sehen?"
„Video.", entschied Tony und lehnte sich zurück, um wie Loki und Steve die Anleitung auf dem Bildschirm zu sehen, während Clint mit dem aufbauen begann und unnötige Kommentare einwarf.
„Noch eine Runde?", fragte Clint zufrieden.
„Wie zur Hölle wusstest du, dass es das Messer war, ohne einmal danach zu fragen?", Tony starrte vorwurfsvoll auf den ehemaligen Agenten.
„Ich war nicht umsonst bei Shield. Es stand Steve ins Gesicht geschrieben, als er das erste Mal danach gefragt hat."
„Und dein Versuch das Wohnzimmer zu verbergen war für geübte Augen leicht durchschaubar.", erklärte Loki. „Ich muss gratulieren Agent Barton, das war eine interessante Partie. Natürlich hätte ich drei Züge früher gewonnen, wären unsere Karten vertauscht gewesen."
„Ha! Das kann jeder behaupten. Nur nicht zu schüchtern, verneigt euch vor meinem Genie.", mit ausgebreiteten Armen drehte er sich im Kreis.
„Ich schlage vor, wir fahren mit diesem Spiel fort.", ignorierte Loki den Bogenschützen vollkommen, während er ‚Die Siedler von Catan' in die Höhe hielt.
„Ich hoffe, man muss nicht wieder so…. strategisch denken." Steve sah auf sein Blatt, welches er nicht einmal zur Hälfte hatte ausfüllen können.
„Ich dachte, als Captain muss man Strategien entwickeln können?", fragte Tony mit einem Lachen nach. Während des Spieles hatte sich seine Laune deutlich verbessert, was eventuell auch etwas mit Steves Scheitern zu tun hatte.
„Die einzige Operation, die ich geleitet habe, bestand darin, einfach in das feindliche Lager zu rennen und auf das Beste zu hoffen. Mein Rang war eher symbolisch.", antwortete Steve und fuhr sich mit einem schiefen Lächeln durch die Haare.
„Wieso war ich dann nicht der Leiter der Avenger? Ich habe das Geld, das Aussehen und leite die erfolgreichste Firma der Welt!", schockiert sprang Tony auf.
„Du hast das Geld geerbt, Pepper leitet die Firma und über dein Aussehen müssen wir gar nicht erst reden.", entgegnete Clint abschätzig.
Loki konnte sich ein breites Grinsen nicht verkneifen und auch Steve drehte sich weg, um seine zuckenden Mundwinkel wieder unter Kontrolle zu bringen.
„Das hast du nicht wirklich gesagt.", Tony drehte sich zu dem Agenten. „Jetzt reichts. Das wirst du bereuen Tweety."
Entschlossen schnappte der Milliardär sich die Anleitung und begann die Einzelteile auszupacken.
„Sir, es scheint, als hätte Dr. Banner auf dem Weg einen ungebetenen Gast aufgelesen.", meldete sich Jarvis zu Wort.
„Ungebetener Gast?", fragte Tony und sah vom Spielbrett auf.
„Agent Romanov wartete bereits am Flughafen und fing Dr. Banner ab. Der bereitstehende Fahrer ist noch nicht über die Situation informiert. Wie möchten Sie vorgehen?"
„Soweit ich weiß, habe ich nur Bruce eingeladen. Für Anhängsel haben wir leider keinen Platz."
„Tony, du weißt, dass es nicht so einfach wird.", mischte sich Clint ein. „Wenn Nat nicht mit Bruce im Auto sitzt, findet sie einen anderen Weg hierher."
„Und dafür habe ich Jarvis. Und ein von ihm gesteuertes Abwehrsystem."
Steve sah zwischen seinen Mitavengern hin und her. „Wäre es nicht besser, sich dem Problem zu stellen?", fragte er vorsichtig.
„Aber wozu habe ich zu viel Geld, wenn ich mich meinen Problemen stellen muss?", entgegnete Tony sarkastisch. „Wenn sie einen Termin will, hat Shield bestimmt irgendwo meine Nummer. Wäre vielleicht höflicher, als sich einfach einzuladen."
„Und wenn jemand von Shield anruft, hast du Jarvis nicht so programmiert, dass er auf möglichst passiv aggressive Art ‚Nein' sagt?", fragte Clint mit einer skeptisch hochgezogenen Augenbraue.
Loki hatte sich bisher zurückgelehnt und interessiert auf das hin und her gesehen. In Asgard wäre das auch so geblieben, denn niemand wäre an der Meinung des zweiten Prinzen interessiert gewesen. Aber hier, unter Freunden, einem Begriff den der Schwarzhaarige immer noch nicht so recht glauben konnte, würde er zumindest gehört werden, ohne Spott zu ernten. Keinen ernstzunehmenden Spott, dafür aber jede Menge gut gemeinte Stichelleien, korrigierte der Exgott mit einem Blick zu Tony und Clint.
„Wäre es nicht am besten herauszufinden, welches Anliegen Shield hat, bevor wir sie abweisen?", tat er nun seine Meinung kund. Und mit einem warmen Gefühl im Bauch sah er, wie seine Worte bedacht wurden.
Clint nickte zustimmend, während Tony sich schmollend zur Seite fallen ließ.
„Aber wieso kann ich nicht einfach nein sagen?"
Gespielte mitfühlend tätschelte Loki die Schulter des Milliardärs. „Wenn uns ihre Antwort nicht zusagt, überlassen wir es gern dir, dein Missfallen verbal und physisch kundzutun."
„Sir, Dr. Banner verlässt bereits den Flughafen, was soll ich dem Fahrer mitteilen?", meldete sich Jarvis erneut zu Wort.
Theatralisch erhob Tony sein Gesicht aus der Couch. „Nachdem ich so niederträchtig betrogen wurde, muss ich mich wohl der Meinung der ungebildeten Mehrheit beugen. Lass sie rein. Und wenn Fury auch noch anklopft, besorg ihm am besten gleich einen Geschenkkorb."
„Natürlich Sir, der Fahrer ist informiert. Erwartete Ankunftszeit: 15 Uhr 37."
Nach einer kurzen Pause wandte sich der Erfinder wieder dem Spielbrett zu. „Tja, dann gewinne ich mal schnell, damit noch genug Zeit bleibt um ein bisschen bei Shield herumzuschnüffeln."
„Als ob, du verlierst gerade haushoch!", protestierte Clint.
20 Minuten später hatte Steve alle anderen um Längen geschlagen und sich mehrfach dafür entschuldigt. Clint war zum Schießstand zurückgekehrt, Loki und Steve sahen sich eine Naturdokumentation an und Tony ging in seine Werkstatt, um sich gemeinsam mit Jarvis auf Shields Servern umzusehen.
„Sir, Dr. Banner und Agent Romanoff werden in 10 Minuten eintreffen."
Mit einem Seufzen lehnte Tony sich zurück. „Danke J." Sie hatten nicht viel herausfinden können. Natasha sollte sich den anderen Avengern anschließen, um Loki zu überwachen. Aber um das herauszufinden hätte es kein Genie und einen AI gebraucht. Anscheinend hatten es die Geheimagenten tatsächlich geschafft, etwas geheim zu halten.
Also, die Erklärung: Wie es leider so ist, war das Leben recht stressig, was mich normalerweise nicht stört, aber gleichzeitig hat sich auch meine Muse verabschiedet und einen langen Urlaub genommen.
Vielen Dank für die tollen Reviews, ich habe mich gezwungen, erst wieder zu antworten, wenn ich weiterschreibe! Also könnte es etwas lange gedauert haben, Entschuldigung dafür.
Hoffentlich bleibt meine Muse jetzt erstmal hier und verschwindet nicht wieder…
Falls ihr etwas falsches/merkwürdiges entdeckt, sagt Bescheid, damit ich es ändern kann!
