Jegliches Lachen war aus meinem Gesicht gewichen. Wieso wusste ich sofort, von wem der Erstklässler gesprochen hatte?
"Ich muss mir das mal ansehen", murmelte ich.
Zögerlich stand ich schließlich doch auf und folgte den Leuten aus den anderen Häusern.
Die Szene, die sich mir bot war chaotisch. Schüler, bestimmt 20 Stück waren im Kreis um zwei Leute herum gestanden. Wie der Zufall es so wollte, waren es Riddle und Abraxas.
Riddles perfekte Frisur hatte sich aufgelöst. Anscheinend war er einem Aguamenti ausgesetzt gewesen, denn seine Haare waren nass und begannen sich zu locken. Ich musste schmunzeln. Riddle, der perfekte Riddle hatte ein einfaches Aguamenti nicht abwehren können?
Sie hatten beide ihre Roben ausgezogen und ihre Hemdärmel hochgerollt.
Abraxas Hemd war leicht verschmort, doch der Slytherin schien das gar nicht mitzubekommen. "Riddle, du bist sowas von tot", zischte Abraxas. Riddles Mundwinkel zuckten. Eine Strähne fiel ihm ins Gesicht.
Schnell hatte er Abraxas' Angriffszauber pariert. Ich biss mir auf die Lippe. Ging es wieder darum, dass Abraxas ihn Schlammblut genannt hatte?
Das Ganze ging eine ganze Weile so hin und her. Ich fragte mich, wo die Lehrer blieben. Mulciber gröhlte Toms Namen. Lestrange musterte beide mit verengten Augen. Ich konnte noch Avery, Nott und Dolohov ausmachen. Sie alle schienen dem Duell ganz schön mitzufiebern.
"Lass' sie einfach in Ruhe", grollte der Blonde. Aha, Abraxas meinte also wieder meine Ehre verteidigen zu müssen.
"Das entscheide immer noch ich", entgegnete Riddle kühl. Während Abraxas total außer Atem war, schien Riddle gerade erst loszulegen.
"Nicht, dass ich von deiner... Freundin etwas wollen würde", fügte er hinzu. Ich verdrehte die Augen. "Kann ich mal durch?", fragte ich und man ließ mich schließlich durch.
"Effy ist viel zu gut für dich", fauchte mein Sexpartner wütend. Abraxas schien vor Wut zu kochen. "Und du bist gut genug für sie?", hakte Riddle kalt nach und ging dem schlecht platzierten Kitzelfluch einfach aus dem Weg.
Riddle schickte ein Stupor in Richtung von Abraxas und das war der Part, an dem ich mich entschloss, dazwischen zu gehen.
Ich wollte verhindern, dass einer von beiden- oder beide- im Krankenflügel endeten.
"Hört auf. Ihr beide! Ihr benehmt euch wie Steinzeitmenschen! Seht ihr nicht, wie absolut dämlich es ist, wegen so einer Lapalie so einen Streit anzufangen?", rief ich und stapfte gereizt auf.
Riddle hatte seinen Zauberstab gesenkt, aber Abraxas Zauberstab war noch immer erhoben.
"Graygrove, wie dumm bist du eigentlich? Nach dem letzten Mal müsstest du doch eigentlich gelernt haben, nicht in ein Duell zu laufen!", spuckte Riddle förmlich aus und ich dachte für eine Sekunde Sorge in seinen dunklen Augen aufblitzen zu sehen. Aber ich musste es mir nur eingebildet haben.
"Ja, Effy. Lass uns jetzt hier zu Ende kämpfen!", verteidigte Abraxas Riddle. Ich rollte mit den Augen. Oh die Ironie, dass der Blonde Riddle verteidigte. "Wenn ihr hier meint, euch gegenseitig umbringen zu müssen, dann ruhig zu", stöhnte ich entnervt und ging aus dem Kreis wieder heraus.
Sie führen einfach fort mit dem, was sie getan hatten. Riddles Blick glitt ein paar Mal zu mir. Abraxas schien vor Wut blind zu sein.
"Du kriegst sie nie! Sie hat etwas besseres, als ein armes Schlammblut verdient!" Ich verschränkte die Arme und war auf Riddles Antwort gespannt.
"Ich will nichts von Graygrove", wiederholte er nüchtern. Plötzlich schmiss Abraxas seinen Zauberstab weg und ging körperlich auf ihn los.
Mit dem Zauberstab war Riddle vielleicht besser und schneller, aber Abraxas hatte mehr Muskeln und war ein wenig stärker, als Riddle. Riddle versuchte zwar, Schläge auszuteilen, um sich zu verteidigen, doch Abraxas hatte mehr Kraft und setzte sich auf Riddle und drückte ihn zu Boden.
"Weißt du, was ich von Graygrove zum Geburtstag bekommen habe, Malfoy?", fragte Riddle amüsiert. "Was?", knurrte der Malfoy. "Sie hat mich geküsst" Abraxas begann wie verrückt auf Riddle einzuschlagen und Riddle hörte nicht auf selbstgefällig zu grinsen.
Jetzt würde bald die komplette Schule von dieser verworrenen Dreiecksbeziehung wissen. Ich konnte mir schon förmlich Slughorns furchtbare Kommentare vorstellen. Es würde kein Ende mehr nehmen!
"Was ist hier los?", fragte eine hohe Stimme. Kettleburn. Ich biss die Zähne zusammen. Na toll. Das hatte auch noch gefehlt.
Die Schüler ließen ihn durch.
"Was ist das hier? Mister Riddle ich kann es kaum glauben, dass Sie sich auf so ein Niveau herunter lassen, egal ob es um ein Mädchen geht, oder nicht. Von einem Präfekten erwarte ich mehr! Und Mister Malfoy, auf einen unterlegenen Kämpfer einzuprügeln, wie auf Butter, ist unterste Schublade. Nachsitzen für Sie beide. Bei mir und fünfzig Punkte Abzug für Slytherin" Das gab ein kollektives Stöhnen von beiden. Jeder wusste, dass das Nachsitzen bei Kettleburn ungefähr so spaßig war, wie einen ungarischen Hornschwanz zu kuscheln.
Malfoy war zögerlich von Riddle herunter gegangen. Riddles Lippe war blutverschmiert und aus seiner perfekten Nase lief Blut. Riddle stöhnte leise.
"Sie, Mädchen. Bringen Sie ihren Schatz Nummer eins mal hoch in den Krankenflügel", ordnete Kettleburn an. Ich nickte und kniete mich zu Riddle, um ihm aufzuhelfen. Abraxas sah mich verletzt an. "Ich tue nur das, was der Professor sagt", erklärte ich leise. Riddles Mundwinkel waren noch immer oben.
"Kannst du laufen?", wollte ich besorgt wissen. "Trägst du mich sonst, Graygrove?", fragte er ironisch. Seine Lippen umspielte ein Grinsen.
"Was genau ist da vorhin passiert?Ich meine, wie hat es angefangen?", fragte ich neugierig. Riddle schüttelte den Kopf. "Abraxas hat angefangen, dass ich ein dreckiges Schlammblut sei", begann er.
Oh, daher rührte der Wind.
"Weißt du, das Ganze würde aufhören, wenn du einfach sagen würdest, dass du ein Gaunt bist", seufzte ich. Riddle schüttelte, wenn auch etwas zögerlich, den Kopf. "Ich will nicht, dass sie wissen, aus welcher Familie ich bin. Es könnte mir nicht mehr egal sein, aus welcher Familie ich bin", sagte er schließlich.
Natürlich wollte er nicht, dass jemand erfuhr, wer er war. Voldemort wollte und sollte ein Rätsel sein. Es war mir nur so viel über Voldemort bekannt, weil Dumbeldore Harry so viel erzählt hatte, und dieser es schließlich uns erzählt hatte.
"Außerdem hätte ich sonst vermutlich nicht deine Gesellschaft, jetzt gerade", gab er zu. Ich blinzelte überrascht. "Du willst meine Gesellschaft? Wer bist du und was hast du mit Riddle gemacht?", scherzte ich.
"Ich fange an, deine Gesellschaft und dein Input wertzuschätzen, mache es nicht kaputt, Graygrove" Obwohl er es ernst und kühl sagte, konnte ich die Schmetterlinge in meinem Bauch bei seinen Worten nicht ignorieren.
Ich fuhr mir mit der Hand an die Stirn. Nein, ich bildete es mir nicht ein und ich hatte auch kein Fieber. Mein Herz machte Saltos.
"Wieso hast du das mit dem Kuss vor der ganzen Schule gesagt?", fragte ich ihn anklagend. "Du hast selbst gesagt, du hasst den Tratsch und Slughorns Kommentare", fuhr ich fort.
Riddles Lippen verzogen sich wieder zu einem selbstgefälligen Grinsen. "Weil es seinen Gesichtsausdruck wert war, Graygrove"
Ich nickte langsam. "Du wolltest ihn also eifersüchtig machen?" Riddle verzog das Gesicht bei meinen Worten. "Nicht eifersüchtig, mehr aufziehen. Um ihn eifersüchtig zu machen müsste ich Gefühle für dich haben. Die ich nicht habe", seufzte er.
"Ich habe auch keine für dich, Riddle", gab ich zu. Riddle wirbelte herum und drückte mich an eine Wand. "Ach ja, ist das so?", fragte er, sein Gesicht nah an meinem. Ich hielt die Luft an. Pfefferminze.
"Ja", sagte ich angestrengt. "Ich gewinne immer, Graygrove", warf er in den Raum. Seine rechte Hand war an meine Wange gewandert und er strich darüber, als wäre ich aus Glas und könnte jeden Moment zerbrechen.
"Du hast beim Kampf verloren", flüsterte ich. Er schüttelte den Kopf, seine Hand immer noch an meiner Wange. "Selbst wenn ich verliere, gewinne ich", wisperte er.
Ich stimmte ihm nicht zu. Doch wenn ich jetzt so an Harry dachte, immer wenn sie dachten, Voldemort besiegt zu haben, kam er aus irgendeiner Ecke wieder angekrochen.
"Hm", sagte ich also nur. Riddles Mundwinkel zuckten. "Also habe ich recht?", wollte er erheitert wissen. Ich zuckte mit den Schultern. Er ließ wieder von mir ab.
Ich lieferte ihn bei Madam White ab. "Oh mein Lieber, was hast du denn gemacht?", fragte sie entsetzt. Riddle seufzte. "Es ging um ein Mädchen", sagte er leise und blickte in meine Richtung. Mir war der Mund aufgefallen. Worum ging es jetzt bei dem Streit Schrägstrich Duell?
"Miss Graygrove?" Riddle nickte und zischte leise, als sie mit ihrem fiesen Desinfektionsmittel ankam. Das Zeug brannte wie Feuer!
"Episky", meinte sie schließlich mit dem Zauberstab auf ihn gerichtet.
"Miss Graygrove, ich habe Mister Riddle, so gut es mir möglich war, versorgt. Bringen Sie ihn wieder zu seinem Unterricht? Und Mister Riddle", sie sah ihn streng an," Nicht schlafen. Sie könnten eine Gehirnerschütterung haben"
Wir standen auf und gingen nach draußen. "Graygrove, ich komme alleine dahin", maulte er, als ich ihm folgen wollte.
Ich schüttelte den Kopf. "Du hast sie gehört" Riddle schnaubte irritiert.
...
"Professor Dumbledore, es tut mir Leid, dass ich zu spät bin. Ich war noch aufgehalten", seufzte ich.
Der Professor winkte ab.
"Es ist in Ordnung, Miss Graygrove. Ich hörte, es gab einen Zwischenfall, in den Mister Malfoy und Mister Riddle involviert waren", sagte der Professor mit einem leichten Lächeln. Seine Augen funkelten amüsiert hinter der Halbmondbrille.
Ich nickte schließlich zögerlich.
"Und haben Sie mit Mister Riddle schon Fortschritte gemacht?", wollte er wissen.
"Nicht direkt", gab ich zu. Und dann brach es alles aus mir heraus.
Ich erzählte ihm von einem dunklen Zauberer in meiner Zeit, dann davon dass Riddle dieser Mann werden würde. Ich erzählte natürlich nicht zu viel. Ich begann zu weinen.
Ich erzählte ihm, dass er indirekt meinen Bruder auf dem Gewissen hatte und dass seine Anhänger in meiner Zeit die Schule unter ihrer Gewalt hatten. Ich erzählte ihm von den fünf Minuten Cruciatus Fluch und von Riddles Plänen.
"Soso", begann er dann, nachdem er kurz geschwiegen hatte und mir Zeit gegeben hatte, mir die Tränen aus den Augen zu wischen.
"Wie ich sehe waren meine Befürchtungen nicht unbegründet", sprach der Professor langsam. Ich nickte. "Professor, ich muss ihn töten", sagte ich mit brüchiger Stimme.
Dumbledore schüttelte den Kopf. "Ich kann nicht zulassen, dass Sie einen meiner Schüler töten", verneinte er meine Bitte.
Ich begann zu schluchzen. "Sie verstehen nicht, Professor. Riddle ist böse" Das listige Glitzern war aus seinen Augen verschwunden.
"Ich kann einen Schüler nicht einfach aufgrund von Behauptungen einer Zeitreisenden töten lassen. Es tut mir wirklich außerordentlich Leid, was Sie durchmachen mussten, aber ich fürchte, mir sind die Hände gebunden. Und Sie wollen doch nicht wirklich nach Askaban, oder?"
Ich überlegte kurz. Der Preis erschien mir recht hoch. Doch wenn ich diesen Irrsinn beenden könnte... Ich schüttelte lügend den Kopf.
"Na also, Miss Graygrove. Ich schlage vor, Sie versuchen sich am Plan B. Zeigen Sie Mister Riddle doch einfach, was eine echte Freundschaft ist"
Ich öffnete den Mund. "Aber Riddle kann nicht lieben. Er wurde unter dem Einfluss eines Liebestranks gezeugt", setzte ich dagegen.
"Ich denke, Sie unterschätzen die Kraft von wahrer Liebe, Miss Graygrove" Ich verzog das Gesicht. Dumbledore schmunzelte, ehe er fortfuhr. "Horace hat mir viel von Ihnen und Riddle erzählt" Ich riss die Augen auf.
"Riddle und ich sind nicht- Wir haben nichts gemeinsam", stieß ich empört hervor.
"Halten Sie sich erst einmal an meinen Ratschlag"
Ich schluckte. "Professor, da wäre noch etwas. Ich muss Okklumentik lernen. Riddle, ich bin mir fast sicher, er kann es schon ein wenig", flüsterte ich.
"Das kann ich arrangieren" Dumbledore blickte auf eine Tafel hinter ihm. "Wäre Mittwoch Abend in Ordnung?" Ich nickte.
Dumbledore lag so falsch. Ich sagte jedoch nichts mehr. Er hatte es auch nicht mit eigenen Augen erlebt. Er hatte keine Ahnung von dem Horror, durch den Voldemort und seine Anhänger uns geschickt hatten.
Als ich zur Tür heraus kam, stand Riddle in voller Pracht an die Wand gelehnt, die Hände in den Hosen und musterte mich.
"Was hast du da drin so lange gemacht?", hakte er nach. Ich zuckte mit den Schultern.
Riddle trat weiter auf mich zu.
Er trug ein frisches Hemd mit Krawatte und Pollunder.
"Ich werde all deine Geheimnisse herausfinden, Graygrove", sagte er langsam und genüsslich. Eine Hand hatte er wieder in meinem Haar.
AN:
Soo fertig!
Hoffe, es gefällt :)
Ich mag die Dynamik zwischen Abraxas und Riddle noch ^^ immer.
LG, H.
