Ich kam zu mir als jemand sanft seine Lippen in meinen Nacken drückte. Ich brummte leise und presste mein Gesicht fester gegen den Hals des blonden Vampirs. Meine leichte Bewegung veranlasste ihn dazu seinen Griff um mich ein wenig zu verstärken.
Langsam öffnete ich die Augen und sah erst einmal nur blonde Haare. Ich zog den Kopf ein wenig zurück und blickte in blaue Augen.
„Guten Abend, Prinzessin." Ich schaute ihn an und musste ein leises Kichern unterdrücken.
„Guten Abend.", hauchte ich zurück und zuckte als eine große Hand über meine Rippen fuhr.
„Hallo, Kätzchen." Dwaynes Stimme war rau und lies einen Schauer über meinen Rücken laufen. Langsam drehte ich meinen Kopf zu ihm und wurde mit einem tiefen und sehr sanften Kuss belohnt. Mit einem Knurren griff Paul mein Kinn um ebenfalls von meinen Lippen Besitz zu ergreifen.
Ich seufzte und wünschte ich könnte ewig zwischen meinen beiden Vampiren liegen. Ich schlug die Hand vor den Mund, was mir einen seltsamen Blick von Paul einbrachte. Ich sah ihn mit großen Augen an.
„Was ist los, Prinzessin? Du schaust wie die Katze, die den Vogel gefressen hat." Er lies seine Finger über meine Wange gleiten und zog meine Hand nach unten und legte sie auf seine vollständig verheilte Brust. Ich schüttelte nur den Kopf und wurde rot.
„Kätzchen…" Dwayne stupste mit der Nase leicht auffordernd gegen meinen Kiefer.
„Ich will nicht.", flüsterte ich.
„Keine Geheimnisse." Beide Brüder hatten gleichzeitig gesprochen und ich wurde noch roter, wenn das überhaupt möglich war. Ich räusperte mich nervös.
„Ich dachte nur gerade… dass ich gerne hier liegen bleiben würde zwischen euch beiden." Das war zumindest ein Teil der Wahrheit. Ich wurde auf den Rücken gedreht und blaue Augen sahen forschend auf mich herab während Dwaynes Finger sich um meine Handgelenke geschlossen hatten und sie über meinem Kopf in das Kissen drückten.
„Deshalb wirst du nicht so rot, Prinzessin. Dwayne würde gerne wissen was du genau gedacht hast." Er grinste mich herausfordernd an und lies seine Hände über meine Seiten gleiten.
„Ich wünschte ich könnte den ganzen Tag zwischen meinen beiden Vampiren liegen bleiben!" Ich hatte die Augen geschlossen und den Satz hervor gepresst. Ich wollte im Erdboden versinken. Ich hörte beide Vampire knurren und fühlte eine Sekunde später einen Kuss an jeder Seite meines Halses, wo gestern ihre Fangzähne die Haut durchstoßen hatten. Ein heißes Kribbeln lief durch meinen Körper und sammelte sich in meinem Unterleib. Mein leises Wimmern wurde von Pauls Lachen übertönt.
„Ich freue mich, wenn wir unsere Male auf deiner Haut zurücklassen können." Er küsste mich noch einmal und dann war sein Gewicht plötzlich von mir verschwunden. Verwirrt richtete ich mich auf und strich über meinen Hals. Ich hatte erwartet zu beiden Seiten Bisswunden vorzufinden, doch die Haut war so glatt wie sie es immer gewesen war.
Dwayne setzte sich auf und zog mich ans sich. Er schlang die Arme um meinen Oberkörper und legte seinen Kopf auf meiner Schulter ab.
„Schau nicht so enttäuscht. Sie werden erst bleiben, wenn du dafür bereit bist. Unser Speichel heilt die Bisswunden, wenn wir unsere Male auf dir hinterlassen ist das etwas das wir bewusst tun. Bevor du uns nicht darum bittest können werden wir es nicht tun." Ich drehte den Kopf, sodass sich unsere Wangen berührten.
„Was bedeutet das?" Seine Worte waren kryptisch und liesen mich ratloser als vorher zurück.
„Du bist unsere Gefährtin. Wir haben selbst etwas gebraucht um es zu verstehen. Das passiert nur selten, noch seltener dass zwei Vampire an dieselbe Partnerin gebunden sind. Wenn ein Vampir tatsächlich seinen Gefährten findet hinterlässt er ein Mal auf diesem. Stell es dir wie eine Art Ehering vor. Jeder andere Vampir weiß, dass du uns gehörst. Es ist eine Warnung, dass du nicht zu haben bist und unter unserem Schutz stehst. Und es verbindet dich mit uns, wir fühlen was du fühlst und wir können dich überall finden."
Ich wand mich aus seinem Griff und drehte mich zu ihm herum. Ich kletterte auf seinen Schoß und er legte beide Hände an meine Hüfte.
„Ihr markiert also euer… Revier auf mir?" Ich sah ihn fragend an. Mit einem leisen Lachen nickte er.
„Wie… Wie macht ihr es?" Er legte seine rechte Hand an meine Wange und lies seinen Daumen über meinen Mund gleiten.
„Wir können unser Mal nur mit deiner Zustimmung auf dir hinterlassen. Weil es ein Zeichen für eine sehr intensive und intime Bindung zwischen zwei Individuen ist, ist das hinterlassen davon auf dem Körper des Gefährten etwas sehr Intimes. Das bedeutet wir können dieses Mal nur hinterlassen, wenn wir dein Blut trinken während wir mit dir schlafen. Damit das Mal bestehen bleibt müssen alle Partner damit einverstanden sein. Das heißt kein Vampir kann dich dazu zwingen dich an ihn zu binden, weil du mit dieser Verbindung einverstanden sein musst. Solange du also nicht dafür bereit bist, werden wir auch kein Mal auf dir hinterlassen." Dwayne küsste mich hungrig. Mit allem was ich an Kraft aufbringen konnte löste ich mich von ihm.
„Und was muss ich machen? Muss ich auch euer Blut trinken?" Ich hielt ihn auf Abstand als er statt zu antworten seine Lippen wieder auf meine senken wollte. Mit einem Seufzen lies er sich ein wenig zurücksinken und sah mich an.
„Du musst überhaupt nichts machen. Wenn du willst, dass wir dein Mal tragen funktioniert es genauso, auch wenn es für dich mit deinen kleinen harmlosen Menschenzähnen ein wenig schwieriger ist." Er grinst mich an und lehnte sich wieder vor.
„Auch wenn mir die Vorstellung wie du deine Zähne in mir oder Paul versenkst wirklich heiß ist." Seine Stimme war ein dunkles Grollen und er drückte sein Becken nach oben gegen meines, wie um seine Worte zu unterstreichen. Ich keuchte als ich spürte wie sehr ihm diese Vorstellung gefiel.
„Dwayne… Ich muss zur Arbeit…" Mit einem unwilligen Brummen stand er mit mir auf dem Arm auf und innerhalb einer Sekunde standen wir vor meinem Kleiderschrank, wo er mich absetzte.
„Wir warten oben auf dich." Er gab mir noch einen schnellen Kuss und lies mich dann alleine in meinem Zimmer zurück.
„Unsere Kleine fängt langsam an wie eine von uns auszusehen.", stellte David mit einem Blick über seine Schulter fest als ich zehn Minuten später die letzten Stufen hinauf zur Klippe überwand. Marko drehte sich ebenfalls in meine Richtung und stieß einen Pfiff aus. Unsicher sah ich an mir herunter. Ich hatte eine schwarze Lederhose und ein bauchfreies dunkelblaues Shirt aus dem Schrank gezogen und trug meine Plateaustiefel aus meiner Punkzeit.
Mit einem leisen Knurren kam Paul auf mich zu. Er presste seine Lippen auf meine und zog meine Beine auf seine Hüfte. Mit einem Seufzen erwiderte ich den Kuss und klammerte mich an ihn. Ein Räuspern von David lies uns wieder in die Realität zurückkehren.
„Verdammt Prinzessin, wenn wir nicht schon was vor hätten würde ich dich jetzt sofort in diese Höhle zurück schleifen." Seine blauen Augen waren fast schwarz vor unterdrücktem Verlangen.
Er nahm meine Hand und zog mich zu den Anderen. Statt mich zu seinem Motorrad zu bringen blieb er mit mir vor Dwayne stehen und half mir hinter dem dunkelhaarigen Vampir Platz zu nehmen.
„Also was ist der Plan?", fragte ich gut gelaunt.
„Dwayne bringt dich zum Plattenladen. Wir werden uns in der Zwischenzeit einen kleinen Snack suchen und einer von uns wird ihn dass ablösen, damit er essen kann." Ich schluckte. Sie hatten also wirklich nicht vor mich alleine zu lassen.
„Hier zieh die an, Kätzchen." Der große Vampir reichte mir meine Lederjacke und ich schlüpfte hinein. Dabei bemerkte ich, dass die Risse darin genäht worden waren.
„Hast du…?" Er nickte und ich drückte dankbar meine Lippen in seinen Nacken.
„Können wir dann jetzt endlich?" David lies ungeduldig seinen Motor aufheulen und fuhr los, darauf vertrauend dass die Anderen ihm folgen würden.
Kurz vor der Promenade trennten wir uns. Dwayne und ich fuhren weiter auf der Promenade zum üblichen Abstellplatz der Vampire, während die anderen sich auf den Weg zum Strand machten.
Dwayne half mir abzusteigen. Er selbst blieb noch einen Moment meine Hand haltend auf seinem Motorrad sitzen. Er betrachtete mich und ich begann nervös auf meiner Lippe zu kauen. Er erhob sich und ragte trotz meiner Plateausohle noch mehr als einen Kopf über mir auf.
„Du siehst so heiß aus, Kätzchen.", murmelte er gegen meine Lippen. Ich lächelte in den Kuss hinein. Ich war mir sehr wohl bewusst, dass uns einige Passanten anstarrten, wenn sie nicht einen riesigen Bogen um uns machten.
Dwayne lies von mir ab und legte einen Arm um meine Schulter, als wir uns auf den kurzen Weg zum Plattenladen machten.
Tom begrüßte Dwayne und lies fast das kleine Radio fallen als ich hinter dem großen Mann den Laden betrat. Er starrte mich an und schien nicht einmal zu merken, dass Dwayne ihn mit einem ungehaltenen Blick bedachte. Ich legte beruhigend meine Hand auf seinen Unterarm.
„Hey Tom." Ich war stolz, dass man meiner Stimme nicht anmerkte wie nervös ich eigentlich war nach unserem letzten Zusammentreffen in der Bar. Er schien mit einem Schlag wieder zu sich zu kommen und bückte sich schnell nach dem Radio. Dwayne zog mich mit einem Grinsen wieder an sich als wir gemeinsam auf Tom zugingen.
„Ja?" Er sah uns verwirrt an.
Dwayne hatte sich vor ihm auf die Theke gelehnt, sein linker Arm weiterhin eng um meine Taille geschlungen.
„Kätzchen…" Er sah mich erwartungsvoll an. Ich schluckte, ich wusste was ich zu sagen hatte und ohne Dwayne wäre ich vermutlich davon gelaufen.
„Hör mal Tom… Ich werde nur noch die Abendschichten machen können… Es ähm…" Toms Blick schoss zu dem Vampir neben mir.
„Was habt ihr mit ihr gemacht? Du willst mir doch nicht erzählen, dass das deine eigene Idee war Kim. Wenn es dabei um den Kuss von gestern geht…" Ich zuckte zusammen als Dwaynes Hand nach vorne schoss und sich in den Nacken meines Chefs legte.
„Hör mir zu Tom. Ich kann dich gut leiden. Aber das hier hat nichts mit dir zu tun, auch wenn ich dir raten würde dir für die Zukunft zu überlegen wie du mein Mädchen anschaust. Sie macht nur noch die Abendschichten, weil dann entweder ich oder einer meiner Brüder auf sie aufpassen können. Wir hatten gestern ein paar Probleme mit ein paar üblen Typen und ich vertraue dir nicht, dass du sie beschützen kannst. Also danke für dein Verständnis. Nichts für ungut." Er lies Tom los und tätschelte ihm kurz die Wange als dieser schluckte und nickte.
Dwayne richtete sich auf und bedeutete mir mit einem Kopfnicken ihm noch zur Tür zu folgen.
„Ich bin direkt hier draußen auf der anderen Straßenseite, auch wenn du mich nicht sehen wirst. Ich werde die ganze Zeit den Eingang im Blick haben, es sollte also kein Wolf hier herein kommen ohne dass ich es mitbekomme. Wenn irgendetwas ist, kommst du nach draußen oder rufst mich. Ich werde dich hören. Paul kommt dich nachher abholen. Und jetzt sei ein artiges Kätzchen und zerbrich dir nicht deinen hübschen Kopf darüber was passieren könnte." Er nahm mein Gesicht in beide Hände und gab mir einen liebevollen Kuss. Ich schloss kur die Augen und nickte dann.
„Versprich mir, dass du vorsichtig bist." Er schnaubte kurz amüsiert.
„Sagte der Mensch zu dem Vampir." Ich verdrehte gespielt genervt die Augen und stahl ihm noch einen Kuss bevor er durch die Tür ging.
Es dauerte noch fast bis zum Ende meiner Schicht bis Tom sich mir gegenüber wieder einigermaßen normal verhielt und nicht als würde er auf rohen Eiern laufen.
„Also du und…?", begann er. Ich sah von dem Stapel Magazine auf, die ich gerade sortierte.
„Ja." Ich lächelte und sah wieder auf meine Arbeit.
„Warum?" Ich sah wieder auf und musterte ihn.
„Was meinst du mit warum?"
„Ich… Kim, die Jungs haben ihren schlechten Ruf nicht umsonst. Sie sind meine besten Kunden und haben mir nie Probleme bereitet, aber mir ist nicht wohl dabei dich mit ihnen zu sehen. Du musst doch selber merken, dass das nicht normal ist. Die Jungs haben mit jemandem Stress und plötzlich bist du in Gefahr und brauchst Schutz? Ich bitte dich Kim, du bist so ein liebenswerter Mensch und du verdienst wirklich…" Er verstummte, als ich ihn wütend ansah.
„Wag es nicht zu sagen ich hätte Besseres verdient. Du weißt nichts über die Vier. Und du weißt auch nichts über mich." Meine Stimme war fast so eisig wie die von David, wenn er sich zurückhielt.
„Du bist ein guter Mensch Kim und die vier sind Verbrecher." Ich knallte die Hefte vor ihm auf den Tresen.
„Weißt du was? Willst du wissen warum ich mit meiner Tante lebe? Warum ich in einem Leben festhänge, das nicht meines ist? Weil es hieß entweder familiäre Obhut oder Gefängnis, nachdem ich den Typen damals abgestochen habe!" Jegliche Farbe war aus Toms Gesicht gewichen und er starrte mich nur an.
Ich erschrak beinahe zu Tode als sich von hinten zwei Arme in Leder gehüllt um meinen Oberkörper legten.
„Atmen, Prinzessin." Ich sackte leicht in mich zusammen und grub meine Finger in Pauls Ärmel.
„Verdammt Paul, warum konnte dein Bruder sich nicht irgendjemanden sonst…" Es reichte mir. Tom wollte Drama? Drama konnte er haben. Ich drehte mich in Pauls griff herum und zog seinen Kopf an den Haaren zu mir herunter. Wütend presste ich meinen Mund auf seinen und war froh, dass er spürte was ich brauchte. Ich brauchte gerade nicht sanft, ich wollte ein Statement setzen.
Als Paul sich grinsend von mir löste, sah ich über die Schulter meinen Chef an. Dieser war nun völlig überrumpelt und stammelte vor sich hin.
„Ich… Ich dachte du und Dwayne…" Ich zog eine Augenbraue hoch.
„Ja. Ich und Dwayne. Und Paul. Und ich kündige. Überleg dir nächstes Mal genau was du über meine Jungs sagst." Tom schaute als würde er mich zum ersten Mal sehen. Ich wandte mich an meinen Vampir, der mich mit leuchtenden Augen ansah.
„Können wir gehen?"
„Nichts lieber als das, Prinzessin." Ich kicherte als er mich einfach auf die Arme hob und nach draußen trug.
Ich bedeutete ihm mich abzusetzen, ich wollte selbst laufen. Die anderen waren scheinbar noch unterwegs als wir bei den Motorrädern ankamen, also ging ich zum Geländer und setzte mich mit dem Rücken zum Strand darauf.
Natürlich schob sich Paul sofort zwischen meine Beine, beide Hände direkt neben mir auf das Geländer gestützt. Ich grinste ihn verspielt an, ich wusste selbst nicht ganz was heute mit mir los war. Vielleicht war es einfach nur die Anspannung wegen seiner Verletzungen, die von mir abgefallen war.
„Und was machen wir jetzt bis die Anderen zurück kommen?" Ich zog meine Unterlippe zwischen meine Zähne und sah ihn unschuldig an.
„Du treibst mich noch in den Wahnsinn, Prinzessin. Weißt du eigentlich wie heiß du bist, wenn du wütend wirst? Ich hätte dich einfach vor Tom auf dem Tresen vögeln sollen…" Ich legte meinen Zeigefinger auf seine Lippen um ihn zum Schweigen zu bringen.
„Ich konnte ihn nicht so von meinen Jungs reden lassen.", flüsterte ich nur Millimeter von seinen Lippen entfernt.
Mit einem Mal änderte sich Pauls Gesichtsausdruck. Er schien plötzlich durch mich hindurch zu starren und ich wäre beinahe vom Geländer gefallen, als plötzlich David, Marko und Dwayne neben uns standen.
„Aufsitzen. Sofort.", knurrte David. Paul lies mir keine Zeit zu reagieren. Er hob mich hoch und setzte mich vor sich auf seine Maschine.
„Was ist denn los?", fragte ich ihn als er bereits den Motor startete und los fuhr. Ich dachte er hätte mich vielleicht nicht gehört und wollte noch einmal fragen, als er endlich antwortete.
„Dein Cousin ist in der Höhle. Laddie hat um Hilfe gerufen." Mir wurde schlecht und ich schlug eine Hand vor den Mund. Wenn Michael dem Kleinen etwas antat… Paul legte einen Arm eng um meine Mitte um mich zu beruhigen. Ich sah nach links und fand Dwaynes hasserfüllte braune Augen. Ich wusste, dass dieser Hass nicht mir galt.
