19. Dezember: Gut vorbereitet

„Oh Grandma, das sieht ja wunderschön aus", sagte Rose mit Tränen in den Augen. Sie drehte sich im Garten des Fuchsbaus im Kreis und bewunderte begeistert, wie wunderschön alles hergerichtet war. Das Gras war gemäht, es war kein Gnom zu sehen, alle Hühner waren im Hühnerstall. Feenlichter waren in den Baumkronen angebracht und sanft flatternde Bänder in gold und grün spannten sich über den Garten. Die Dekorationen waren nicht viel anders als auf den Bildern von früheren Hochzeiten, aber Rose hatte nicht damit gerechnet, dass die Wirkung so fantastisch war.

„Mrs Weasley, das ist Wahnsinn!", stimmte Scorpius ihr überwältigt zu und umarmte Roses Großmutter.

„Ich freu mich, dass es euch gefällt. Wir wollten noch ein paar Ballons, aber das sah nicht gut aus", erwiderte sie glücklich.

„Nein, so ist es wunderbar", murmelte Rose. Weniger war mehr und sie hatte hier zu viele Kindergeburtstage gefeiert, als dass Ballons noch zu einer Hochzeit gepasst hätten.

„Die Trauung machen wir dann hier drüben und das Festzelt mit Tanzfläche kommt danach dann hier hin." Sie deutete auf verschiedene Stellen im Garten, aber Rose konnte nur nicken. Sie vertraute ihrer Großmutter voll und ganz. „Einen Teil vom Essen hab ich selbst zubereitet und den Rest wird Hannah vom Tropfenden Kessel beisteuern. Wenn ihr wollt, kann Fleur auch noch eine Eisskulptur herbeizaubern, ihre Großeltern haben ihr wohl zum letzten Hochzeitstag eine geschenkt."

Scorpius grinste und Rose zuckte mit den Schultern. „Warum nicht? Kann sie auch singen?"

Grandma lachte. „Nein, aber George hat angeboten, ein Ständchen zum Besten zu geben."

„Oh?", sagte Scorpius überrascht. „Dein Onkel kann singen?"

Rose schüttelte lachend den Kopf. „Eben nicht! Glaub mir, Onkel George will keiner singen hören, da laufen alle schreiend davon."

„Jetzt sei mal nicht so gemein, Rosie, den einen oder anderen Ton hat er schon getroffen", erwiderte ihre Großmutter lachend. „Es gefällt euch also alles so? Ich kann auch noch ein paar Sachen ändern, wenn ihr wollt, die Zeit haben wir."

„Nein, Mrs Weasley, das ist alles super so. Ich danke Ihnen so sehr, dass Sie sich so viel Mühe gemacht haben." Grandma wurde rot, winkte aber bescheiden ab.

„So viel war das gar nicht, ich hab meine Jungs eingespannt. Ich freu mich einfach so, dass wir mal wieder hier eine Hochzeit feiern. Schön, dass ihr die Tradition aufrechterhalten wollt." Sie küsste beide auf die Wange und wandte sich dann an Scorpius. „Mit den Eltern deines Vaters rechnest du nicht?"

„Ich hab ihnen eine Einladung geschickt, aber sie haben nichts von sich hören lassen. Wahrscheinlich nicht. Aber die Eltern meiner Mutter und meine Tante können es gar nicht erwarten."

„Wie schön!", sagte Grandma begeistert und schaute Scorpius dann nachdenklich an. „Wenn ich mich so zurückerinnere, Scorpius, ich glaube, ich hab deine Großmutter einmal beim Herumschleichen in Hogwarts erwischt, als ich Vertrauensschülerin war. Sie hat mir einen Hähnchenschenkel angeboten, damit ich ihr keine Punkte abziehe."

Scorpius lachte. „Ja, das klingt nach ihr. Haben Sie ihn genommen?

„Natürlich. Man sagt doch nicht nein, wenn einem jemand einen Hähnchenschenkel anbietet. Natürlich hab ich ihr die Punkte trotzdem abgezogen, ich wollte nicht, dass jemand glaubt, ich sei mit gutem Essen bestechlich." Sie zwinkerte ihnen zu und scheuchte sie ins Haus. Jede freie Fläche war mit Fingerfood und Gebäck bedeckt.

„Mrs Weasley", sagte Scorpius sprachlos. „Das hätten Sie wirklich nicht alles-"

„Papperlapapp", winkte Grandma ab. „Ich hab das gerne gemacht. Ich hoffe nur, ich hab genug, die Familie ist seit der letzten Hochzeit um einiges gewachsen. Aber Hannah hat genug Nachschub und seit sie den Tropfenden Kessel übernommen hat, ist die Qualität von dem Essen sehr angestiegen. Ihr müsst euch keine Sorgen machen." Sie schaute zu Scorpius. „Und deine Mutter ist mit dem Kuchen wirklich zurecht gekommen?"

„Oh ja. Sie hat ihn heute fertig gemacht. Sie hat mir ein Foto geschickt, hier." Scorpius zeigte Grandma ein Foto von der fünfstöckigen Torte, wundervoll dekoriert in genau den gleichen Farbtönen, die Grandma im Garten verwendet hatte. Oben drauf waren sogar eine kleine Rose und ein kleiner Scorpius, die unentwegt lächelten und der Menge zuwinkten. Ursprünglich wollten sie den Kuchen in einer Konditorei bestellen, aber Astoria hatte sich sofort angeboten, ihn selbst zu machen. Sie war eine begeisterte Bäckerin und die Torte sah besser aus als bei jedem Konditor. Sie hatte die unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen verwendet und jegliche Allergien beachtet. Und das schönste war, dass sie letzte Woche jeden Tag neuen Kuchen vorbeigebracht hatte, um sicher zu gehen, dass ihnen auch alle Torten schmecken würden. Rose war mitten in den Prüfungen gewesen und hatte sich praktisch nur von Kuchen ernährt. So hatte sie zumindest verhindern, vor Stress zu viel abzunehmen. Besonders, wo sie endlich nicht mehr so dünn war nach all den Monaten, in denen sie wegen Scorpius' Abwesenheit Gewicht verloren hatte.

„Die sieht ja wunderbar aus. Deine Mutter ist eine echte Künstlerin", sagte Grandma beeindruckt. „Dann wird ja hoffentlich nichts mehr schief gehen. Schläft jemand von euch eigentlich hier?"

Rose schüttelte den Kopf. „Ich hab alle Sachen zuhause. Lily bleibt heute Nacht bei mir und Mum und Tante Ginny kommen morgen früh, um mich herzurichten."

„Und ich geh mit Al zu James, damit sie ihre Ruhe haben." Al wohnte noch bei seinen Eltern, weil er durch die Ausgrabungsstellen sowieso kaum im Lande war und nicht einsah, Miete für eine Wohnung zu bezahlen, in der er nie wohnte. James' Wohnung war jetzt nichts besonderes, aber es war Scorpius lieber als zu seinen Eltern nach Hause zu gehen. Bei James war es auf jeden Fall entspannter.

„Dass ihr bloß nicht das macht, was Arthur vor der Hochzeit gemacht hat", lachte Grandma.

„Wieso?", fragte Rose neugierig und nahm sich eine Schnitte von einem der Teller. Ihre Großmutter hatte alles mit Frischhaltezaubern belegt, deshalb schmeckte es fantastisch, auch wenn sie vieles schon in den letzten Tagen vorbereitet hatte. „Was hat Grandpa gemacht?"

„Meine Brüder sind mit ihm am Abend vorher durch die Kneipen gezogen. Er hätte die Trauung fast verschlafen und hatte fast den ganzen Tag einen Kater."

„Nein!", sagte Rose entsetzt. „Ich würde dich umbringen, wenn du das machst."

Scorpius hob abwehrend die Hände. „Bestimmt nicht. Ich will mit meiner Familie nicht mit Kater zu tun haben."

„Hattet ihr denn einen Junggesellenabschied?", fragte Grandma neugierig und drückte beiden ein anderes Backwerk zum Probieren in die Hand, das genauso exzellent war.

„Ich hatte doch bis vor ein paar Tagen Prüfung, ich hatte gar keine Zeit, das holen wir irgendwann nach, wenn Lily jetzt mit Hogwarts fertig ist", seufzte Rose. Als sie endlich mit der letzten Prüfung fertig war, hatte sie einen Tag fast nur durchgeschlafen. Sie war froh, dass Scorpius und sie jetzt eine Weile frei hatten, sie hatten seit Scorpius' Rückkehr kaum Zeit für sich gehabt.

„Und Al ist erst vorgestern aus Chile zurück gekommen, da hatten wir auch noch keine Gelegenheit."

„Dann seid ihr wenigstens nüchtern bei der Hochzeit", erwiderte Grandma schulterzuckend. „Ich warne dich nur, Scorpius, wir Weasleys schauen gerne ins Glas bei diesen Gelegenheiten, hoffentlich kann deine Seite da mithalten."

„Da mach ich mir keine Sorgen, Mrs Weasley", grinste Scorpius. „Meine Familie sind Experten im Trinken, das können sie viel besser als Essen."

Rose unterdrückte ein Grinsen und aß stattdessen ein weiteres Häppchen. „Grandma, die sind klasse", sagte sie anerkennend und umarmte ihre Großmutter dankbar. Ohne sie wäre Rose völlig verloren gewesen. Und sie hätte es vielleicht wirklich geschafft, Scorpius zum Durchbrennen zu überreden. „Du hast dir so viel Mühe für uns gemacht, wie kann ich dir dafür nur jemals danken?"

„Wenn du glücklich wirst, ist das Dank genug für mich, mein Schatz", sagte Grandma mit belegter Stimme und tätschelte ihr den Rücken. „Ich fühle mich geehrt, dass du mein erstes Enkelkind bist, das hier heiratet. Und dazu noch den einzigen Malfoy seiner Generation." Sie zwinkerte Scorpius zu. „Nicht im Traum hätte ich daran gedacht, dass ein Malfoy jemals hier heiratet. Wir sind ja auch über einige Ecken miteinander verwandt."

Scorpius zuckte mit den Schultern. „Wahrscheinlich nur sehr weitläufig. Und meine Familie wird sich bestimmt bemüht haben, alle Spuren zu verwischen."

„Jaja, wir Blutsverräter sind in den Kreisen nicht sehr erwünscht", sagte Grandma unbekümmert. „Aber wenn so was tolles dabei herauskommt, war es das doch wirklich wert." Sie kniff Rose in die Wange, die unwillkürlich das Gesicht verzog.

Scorpius jedoch nickte bestätigend, schlang einen Arm um Rose und küsste sie auf die Wange.

„Und du bist dir sicher, Rosie, dass du das Diadem von Großtantchen Murie nicht haben willst?", fragte Grandma zum wiederholten Mal.

Rose verzog das Gesicht und schüttelte entschieden den Kopf. „Bloß nicht! Von dem alten Drachen will ich nichts!" Dass die überhaupt noch lebte, war ein Wunder. Sie war schon zu alt, um noch zur Hochzeit zu kommen, Merlin sei Dank, aber Rose hatte Angst gehabt, dass sie es vielleicht doch versucht hätte, wenn sie das Angebot angenommen hätte. Nein danke, sie konnte gut ohne ständige Kritik an ihr und Scorpius leben. Besonders, weil ihr Vater schon kein gutes Haar an ihm lassen würde. Aber sie waren so weit gekommen, jetzt würden sie die Hochzeit auch durchziehen, egal, was ihr Vater und Scorpius' Familie davon hielten. Der Rest war auf ihrer Seite und das zählte.

„Ja, aber das Diadem ist trotzdem wunderschön. Deiner Mutter hat es wunderbar gestanden." Grandma grinste. „Und Muriel war gar nicht begeistert, dass es eine Muggelstämmige getragen hat. Fleur war ja schon schlimm genug."

Rose verzog das Gesicht. Diese Vorurteile waren in beiden Familien schon hochgeschaukelt genug, da musste sie nicht auch noch etwas dazu beitragen, dass das eskalierte.

Scorpius küsste sie auf die Wange. „Du wirst so oder so fantastisch aussehen", sagte er überzeugt.

Rose lächelte ihn an. „Du aber auch." Sie hatte seinen Festumhang noch nicht gesehen, weil er wollte dass sein Outfit so eine Überraschung war wie ihres, aber als sie gestern ihr Kleid abgeholt hatte, hatten ihr die Mitarbeiter versichert, dass sie perfekt zusammenpassen würden. Sie konnte es kaum erwarten ihn zu sehen. Und zu heiraten. Endlich seine Frau zu sein. Dann würde sie nichts mehr trennen können. Und keiner würde mehr behaupten können, dass ihre vierjährige Beziehung nur eine „Phase" war.

Molly schniefte und wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel. Bevor sie jedoch etwas sagen konnte, ging die Küchentür auf und Grandpa kam herein.

„Scorpius!", rief er erfreut. „Wie schön, dass du auch da bist! Soll ich dir meine neuen Stecker zeigen?"

TBC…